Alles, was Sie über RAY DALIO: PRINICPLES wissen müssen: - Allen Cheng - E-Book

Alles, was Sie über RAY DALIO: PRINICPLES wissen müssen: E-Book

Allen Cheng

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Beschreibung

Ray Dalio ist einer der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager unserer Zeit. In seinem Buch "Principles" legte er seine Strategien und Prinzipien für ein erfolgreiches (Arbeits-)Leben offen. Sie würden gern mehr erfahren, haben aber keine Zeit oder nicht die nötigen Englischkenntnisse, beinahe 600 Seiten durchzuarbeiten? Kein Problem. Allen Cheng fasst die wichtigsten Punkte der "Principles" in diesem Werk kurz und knapp für Sie zusammen. Auf den Punkt erfahren Sie so mit minimalem Zeitaufwand, wie Ray Dalio tickt und worauf sein Erfolg beruht. Als Einführung zur Person Ray Dalio beinhaltet dieses Buch vorab ein Interview mit Dalio, das der legendäre Jack Schwager mit ihm für "Magier der Märkte: Next Generation" geführt hat.

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Die Originalausgabe erschien unter dem Titel

PDF summary of Principles by Ray Dalio

Copyright der Originalausgabe 2018:

© Allen Cheng. All rights reserved.

Interview mit Ray Dalio aus:

Magier der Märkte: Next Generation: Teil 1: Die Makro-Gurus

Copyright der deutschen Ausgabe 2013:

© Börsenmedien AG, Kulmbach

ISBN 978-3-86470-095-8

Copyright der deutschen Ausgabe 2019:

© Börsenmedien AG, Kulmbach

Übersetzung: Börsenmedien AG

Lektorat: Egbert Neumüller

Druck: CPI books GmbH, Leck

eISBN 978-3-86470-653-0

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Postfach 1449 • 95305 Kulmbach

Tel: +49 9221 9051-0 • Fax: +49 9221 9051-4444

E-Mail: [email protected]

www.plassen.de

www.facebook.com/plassenverlag

ALLEN CHENG

ALLES, WAS SIE ÜBER

RAY DALIO:PRINCIPLES

WISSEN MÜSSEN

EINE ZUSAMMENFASSUNGDER 21 PRINZIPIEN

DES #1-NEW YORK TIMES-BESTSELLERS

INHALT

Vorwort

Ray Dalio

Interview mit Ray Dalio

Was Sie in dieser Zusammenfassung lernen werden

Übersicht über die Prinzipien

Teil 1 – Lebensprinzipien

Teil 2 – Arbeitsprinzipien

Vorwort

Wenn in Finanzkreisen von Ray Dalio die Rede ist, ist die Stimmungslage gemischt. Ein gewisser Argwohn mischt sich mit einem hohen Maß an Ehrfurcht. Argwohn, weil Ray Dalio das ist, was er ist: ein Hedgefonds-Manager, der mit anderer Leute Geld Geld verdient. Viel Geld, denn er zählt mit einem geschätzten Vermögen von 17 Milliarden Dollar zu den reichsten Amerikanern. Spätestens seit der ehemalige SPD-Chef Franz Müntefering 2005 eine Kapitalismusdebatte vom Zaun gebrochen hat, hängt dem Beruf des Hedgefonds-Managers der Malus der gefräßigen „Heuschrecke“ an. Wobei das Bild im Falle von Dalio nicht passt: Mehr als die Hälfte seines Milliardenvermögens will Dalio für wohltätige Zwecke spenden, ähnlich wie Microsoft-Gründer Bill Gates und Investmentlegende Warren Buffett. Er gilt auch als bescheiden, als jemand, der lieber zum Fischen nach Kanada fährt als zu Millionärspartys auf Long Island.

Daher schwingt vor allem Ehrfurcht mit. Das ist schon allein daran ersichtlich, welche Aufmerksamkeit er mit dem erregt, was er sagt oder tut. Zum Beispiel als Dalio mit dem von ihm im jungen Alter von 26 Jahren gegründeten Hedgefonds Bridgewater Anfang 2018 im großen Stil auf fallende Kurse in Europa und insbesondere in Deutschland setzte. Bei DAX-Aktien mit teils hohem Indexgewicht wie Siemens, Allianz, BASF oder SAP positionierte er sich short. Das Ergebnis ist bekannt: Der DAX startete eine Talfahrt, der 69-Jährige, der rund 160 Milliarden Dollar verwaltet, lag einmal mehr goldrichtig. Das gilt sowohl für das Jahr 2018 als auch historisch. 2018, wohlgemerkt ein für Geldanleger lausiges Jahr, brachte es Bridgewater mit seinem Flaggschiff-Portfolio Pure Alpha auf eine Performance von 14,6 Prozent. Seit der Firmengründung konnte Dalio das Vermögen seiner Kunden um weit über 50 Milliarden Dollar mehren. Eine Performance, mit der wohl kein anderer Hedgefonds mithalten kann. Seit Einführung des Pure-Alpha-Investmentansatzes im Jahr 1991 beträgt die Performance im Schnitt zwölf Prozent pro Jahr.

Trotzdem gilt Dalio als bescheiden und zurückhaltend. Das predigt er auch seinen Mitarbeitern. „Menschen, die eine bestmögliche Entscheidung treffen wollen, sind selten davon überzeugt, dass sie selbst die besten Antworten haben“, beschreibt Dalio eines seiner Prinzipien. Davon hat er sogar so viele, dass er damit ein Buch mit 570 Seiten gefüllt und darüber philosophiert hat.

Wenn Sie Dalios Prinzipien durcharbeiten, werden Sie sich immer wieder selbst begegnen. Sie werden feststellen, dass Sie einzelne Prinzipien aus Intuition bereits verinnerlicht haben. Die häufigere Erkenntnis wird jedoch sein, dass Sie erkennen, wie Sie ganz banale Themen im Alltag oder im Beruf falsch angehen und dadurch für Sie nachteilige Entscheidungen treffen, und Sie werden schon beim Lesen darüber nachdenken, manchmal sogar in schmunzelnder Erkenntnis, was Sie besser machen können. Dalios Prinzipien werden Ihnen durch rationale Selbstreflexion die Augen öffnen. Letzteres ist dem Autor ungemein wichtig: „Ich habe meine Prinzipien aufgeschrieben, damit Sie darüber nachdenken, und nicht, damit Sie sie blindlings befolgen“, soll Dalio harsch Mitarbeitern entgegenwerfen, die sich dazu nicht ihre eigenen Gedanken machen. Ray Dalio ist eben ein Mann mit Prinzipien, aber kein Prinzipienreiter.

Markus Horntrich, Chefredakteur Der Aktionär

Ray Dalio

Er ist der Gründer von Bridgewater Associates, dem größten Hedgefonds der Welt. In seinem Buch „Principles: Life and Work“ vermittelt Dalio die Leitsätze, die seinen Erfolg und den von Bridgewater ausmachen. „Principles“ ist eine meisterhafte Lektion in Sachen rationales Denken. Das Hauptthema ist, dass das Finden der Wahrheit der beste Weg ist, um Entscheidungen zu treffen, und dass Ego, Emotionen und blinde Flecken einen daran hindern, die Wahrheit zu entdecken. Dalio teilt seine wichtigsten Strategien zur Umgehung dieser Schwächen mit, unter anderem radikale Aufgeschlossenheit, fundierter Widerspruch, radikale Transparenz und auf Glaubwürdigkeit basierende Entscheidungsfindung.

Lesen Sie zur Einführung auf den nächsten Seiten zunächst ein Interview mit Ray Dalio, das der bekannte Branchenexperte Jack Schwager im Rahmen seiner berühmten „Magier der Märkte“-Reihe mit ihm führte.

Dieses Interview erschien in:

Magier der Märkte: Next Generation: Teil 1: Die Makro-Gurus ISBN 978-3-86470-095-8

Der Mann, der Fehler liebt

RAY DALIO – DAS INTERVIEW

Ray Dalio ist der Gründer, CIO, ehemalige CEO und derzeitige Mentor (diesen Titel nahm er im Juli 2011 an) von Bridgewater – dem größten Hedgefonds der Welt. Im Dezember 2011 verwaltete Bridgewater 120 Milliarden Dollar und hatte über 1.400 Mitarbeiter. Bridgewater ist abgesehen von seiner Größe in vielfacher Hinsicht einzigartig:

•Es hat für seine Anleger mehr Geld verdient als je ein anderer Hedgefonds – in den letzten 20 Jahren schätzungsweise 50 Milliarden Dollar.

•Bridgewaters Fonds-Flaggschiff hat zu den traditionellen Märkten eine Korrelation von nahe null.

•Außerdem ist der Flaggschiff-Fonds von Bridgewater auch zu anderen Hedgefonds sehr gering korreliert.

•Der Flaggschiff-Fonds verwendet die relativ seltene Kombination eines fundamental basierten systematischen Ansatzes. (Die meisten Hedgefonds, die fundamental basiert sind, verwenden einen diskretionären Ansatz, und die meisten Hedgefonds, die systematische Methoden verwenden, gründen sie auf technische Eingangsdaten.)

•Bridgewater pflegt eine ungewöhnliche Unternehmenskultur, die Mitarbeiter unabhängig von ihrem Rang zu Kritik ermuntert.

•Fast das gesamte Geschäft von Bridgewater ist institutionell (95 Prozent institutionell, fünf Prozent Dachfonds).

•Bridgewater gehört zu der kleinen Minderheit derjenigen Fonds, die eine über 20 Jahre reichende Ergebnisbilanz haben.

•Bridgewater hat als erster Hedgefonds separate Alphaund Beta-Fonds aufgelegt, die auf Wunsch des Kunden in beliebigen Mischungsverhältnissen miteinander kombiniert werden können.

Die Erfolgsbilanz der Flaggschiff-Strategie von Bridgewater umfasst Managed Accounts und Fonds, wobei beide mit einer Vielzahl von Volatilitätszielen und einer Vielzahl von Devisen traden. Die Strategie mit 18 Prozent Volatilität hat über einen Zeitraum von 20 Jahren eine Nettorendite von 14,8 Prozent (brutto 22,3 Prozent) erzielt, und das bei einer Standardabweichung von 14,6 Prozent (16,0 Prozent bei den Bruttoertragszahlen). Der beeindruckendste Aspekt von Bridgewaters Performance ist die Fähigkeit der Firma, mit einem riesigen verwalteten Vermögen starke Renditen zu erzielen. Dass eine Hedgefonds-Strategie mit 50 Millionen, 500 Millionen oder auch noch mit fünf Milliarden Dollar eine starke Rendite-Risiko-Performance erzielt, ist die eine Sache, aber wenn sie das mit 50 Milliarden Dollar schafft, ist es wirklich erstaunlich. (Die Pure-Alpha-Strategie von Bridgewater verwaltete 2010, als sie ihre höchste Jahresrendite erzielte, rund 50 Milliarden Dollar.)

Ray Dalio denkt in großen Zusammenhängen. Frage: Welches Wort würde am besten Dalios Ansicht über ein Wirtschaftsmodell beschreiben, das auf einer gründlichen Analyse der US-Wirtschaft in den gesamten 67 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg basiert? Antwort: kurzsichtig. Dalio bezeichnet seinen Ansatz als „zeitlos und universell“. Er findet, ein Wirtschaftsmodell sollte mehrere Zeiten und Länder umfassen. Bridgewater verwendet ein fundamental basiertes Computermodell, das Trading-Regeln beinhaltet, die sowohl von Dalios Marktbeobachtungen aus vier Jahrzehnten als auch von Bridgewaters Marktanalysen abgeleitet sind, die Hunderte von Jahren zurückreichen und ein breites Spektrum von Industrie- und Schwellenländern umfassen.

Dalio hat seinen Flaggschiff-Fonds „Pure Alpha“ genannt, um ihn von der Mehrzahl der Hedgefonds zu unterscheiden, die er in erster Linie als Beta-Vehikel betrachtet. Dalio steht Hedgefonds kritisch gegenüber, die den größten Teil ihrer Rendite aus Beta beziehen, aber auf ihren gesamten Ertrag die bei Hedgefonds anfallenden erhöhten Gebühren kassieren, obwohl der aus dem Beta bezogene Anteil auch durch passive Long-Investments nachgebildet werden kann. Das Beta gibt an, wie sehr sich ein Investment aufgrund der Veränderungen eines Benchmark-Marktes (beispielsweise des S&P 500) verändert. Beta-Erträge sind im Prinzip Erträge, die durch das Eingehen diverser Risiken verdient werden, und zwar meistens des Risikos der Marktrichtung.1 Alpha bezieht sich im Gegensatz dazu auf Erträge, die auf Geschick basieren und per definitionem nicht mit Markt- oder Risikofaktoren korrelieren. Der Name von Bridgewaters Fonds-Flaggschiff – Pure Alpha – lässt kaum einen Zweifel daran, welchen Typ von Erträgen er anstrebt. Getreu seinem Namen hat der Pure Alpha fast gar keine Korrelation zu Aktien und Festverzinslichen sowie eine sehr geringe Korrelation (0,10) zu Hedgefonds.

Außerdem hat Bridgewater eine auf dem Beta basierende Strategie namens „All Weather“ mit dem Ziel, durch einen entsprechend abgestimmten Portfoliomix in verschiedenen Marktumfeldern gute Beta-Renditen einzufahren. Im Jahr 2009 legte Bridgewater den All Weather II auf, eine abgespeckte Version des All Weather, welche die für ein „sicheres“ Umfeld gedachten Investments begrenzt, sobald ein Indikator der Firma namens „Depressionsuhr“ aktiviert wird.

Eine wesentliche Komponente von Dalios analytischer Denkweise ist der Gedanke, dass gleiche Fundamentaldaten unter verschiedenen Umständen und in verschiedenen Umfeldern unterschiedliche Implikationen haben können. Deshalb ist die Kategorisierung ein wichtiges Werkzeug sowohl für die Konzeptualisierung von Problemen als auch für die Lösungsfindung. Ein Beispiel für kategorieorientiertes Denken ist das, was ich als „Quadranten-Konzeptualisierung“ bezeichnen würde – zwei Schlüsselfaktoren und zwei Zustände ergeben vier mögliche Bedingungen. Bridgewaters Beta-Fonds mit dem Namen All Weather Fund ist ein Beispiel für diese Denkweise. Der Fonds kombiniert zwei Faktoren – Wachstum und Inflation – mit zwei Zuständen – zunehmend und abnehmend – und macht daraus vier Bedingungen:

1. zunehmendes Wachstum,

2. abnehmendes Wachstum,

3. zunehmende Inflation,

4. abnehmende Inflation.

Diese Aufteilung in vier Kategorien gibt Dalios Ansicht wieder, dass Veränderungen des erwarteten Wachstums und der erwarteten Inflation die Hauptgründe dafür sind, dass gewisse Anlageklassen gut laufen, wenn andere schlecht laufen. Die Strategie des Fonds besteht darin, das Portfolio durch Investments auszubalancieren, die unter allen vier genannten Bedingungen gut laufen. Im Gegensatz dazu sind in den meisten konventionellen Portfolios Anlagen beträchtlich übergewichtet, die in der ersten Kategorie gut laufen (also bei zunehmendem Wachstum), und dies führt zu unausgewogenen Portfolios, die in den anderen Umfeldern möglicherweise schlecht laufen.

Ein anderes Beispiel für die Quadranten-Konzeptualisierung ist die Art, wie Dalio die konjunkturellen Aussichten verschiedener Länderkategorien sieht. Er teilt die Welt in zwei Arten von Ländern ein – Gläubiger und Schuldner – und definiert zwei hauptsächliche unterscheidende Eigenschaften – Länder, die eine eigenständige Geldpolitik betreiben können, und solche, die das nicht können. Somit werden die Länder in vier Gruppen klassifiziert:

1.Schuldnerländer mit eigenständiger Geldpolitik (zum Beispiel die Vereinigten Staaten und Großbritannien),

2.Schuldnerländer ohne eigenständige Geldpolitik (zum Beispiel Griechenland und Portugal),

3.Gläubigerländer mit eigenständiger Geldpolitik (zum Beispiel Brasilien),

4.Gläubigerländer ohne eigenständige Geldpolitik (zum Beispiel China, weil seine Währung an den Dollar gekoppelt ist, was seine Fähigkeit beeinträchtigt, die Zinsen zu erhöhen).

Dalio liebt Fehler, weil er davon überzeugt ist, dass Fehler für Lernerfahrungen sorgen, die als Katalysatoren für Verbesserungen fungieren. Das Konzept, dass Fehler der Weg zum Fortschritt sind, ist eine der Säulen von Dalios Lebensphilosophie und der Unternehmenskultur von Bridgewater. Dalio klingt fast ehrerbietig, wenn er über Fehler spricht:

Ich habe gelernt, dass Fehlern eine unglaubliche Schönheit innewohnt, weil in jeden Fehler ein Rätsel eingebettet ist und ein Juwel, das ich bekommen könnte, wenn ich das Rätsel löse – also ein Prinzip, das ich verwenden könnte, um in Zukunft weniger Fehler zu machen. Ich habe gelernt, dass jeder Fehler wahrscheinlich die Reflexion von etwas ist, das ich falsch gemacht habe (oder andere falsch gemacht haben). Wenn ich also herausfinden kann, was es war, kann ich lernen, effektiver zu sein […]. Die meisten anderen Menschen scheinen zwar zu glauben, dass Fehler etwas Schlechtes sind, ich aber halte Fehler für eine gute Sache, denn ich bin überzeugt, dass man am meisten lernt, indem man Fehler macht und darüber nachdenkt.

Dalio hat seine Lebensphilosophie und seine Managementkonzepte in einem 111-seitigen Dokument namens „Principles“ dargelegt, das die Kultur von Bridgewater definiert und Pflichtlektüre für die Mitarbeiter ist. „Principles“ besteht aus zwei Teilen, dem ersten, den Dalio „Meine grundlegendsten Prinzipien“ nennt, und dem zweiten, einem sich daraus ergebenden Kompendium von 277 Managementregeln. Es überrascht nicht, dass sich viele dieser Managementregeln auf Fehler beziehen. Eine Kostprobe:

•Erkennen, dass Fehler gut sind, wenn sie einen Lerneffekt haben.

•Eine Kultur schaffen, in der es in Ordnung ist, etwas falsch zu machen, aber inakzeptabel, Fehler nicht zu erkennen, zu analysieren und daraus etwas zu lernen.

•Wir müssen Fehler ans Tageslicht bringen und sie objektiv analysieren, und deshalb müssen die Manager eine Kultur pflegen, in der dies normal ist, und sie müssen es bestrafen, wenn Fehler vertuscht oder verschleiert werden. Damit wir besser werden, ist es unerlässlich, dass wir sie deutlich machen, eine Diagnose erstellen, uns überlegen, was wir in Zukunft anders machen sollten, und dieses neue Wissen dann in unser Verfahrenshandbuch aufnehmen.

•Anerkennen, dass wir auf jeden Fall Fehler machen und Schwächen haben. Das gilt auch für die Menschen in unserer Umgebung und für diejenigen, die für uns arbeiten. Es kommt darauf an, wie sie mit ihnen umgehen. Wenn man Fehler als Lernchancen betrachtet, die schnelle Verbesserungen liefern können, wenn man sie richtig angeht, ist man von ihnen begeistert.

•Wenn man nichts dagegen hat, auf dem Weg zum Richtigen auch einmal falschzuliegen, lernt man viel daraus.

Das Besserwerden durch Fehler ist eines von zwei zentralen Konzepten der „Principles“. Das andere ist die „radikale Transparenz“. Die Mitarbeiter sind aufgefordert, sich äußerst transparent zu verhalten, Unehrlichkeit nicht zu dulden, einander gegenseitig rückhaltlos zu kritisieren und es nicht zuzulassen, dass „die Loyalität der Wahrheit und Offenheit im Wege steht“. Manager werden angewiesen, über Untergebene nur in ihrer Gegenwart zu sprechen. Bei Bridgewater werden so gut wie alle Besprechungen aufgezeichnet und den Mitarbeitern zugänglich gemacht. Dalio lässt kaum einen Zweifel an seinen Auffassungen zum Thema Offenheit und Ehrlichkeit. So heißt es beispielsweise in Managementregel Nummer 11 der „Principles“: „Sage niemals etwas über eine Person, was du ihr nicht auch direkt sagen würdest. Tust du es doch, bist du schleimig und hinterhältig […].“

Viele der Regeln in den „Principles“ sind hervorragend auf die entscheidenden Eigenschaften abgestimmt, die für erfolgreiches Trading notwendig sind. Ein Beispiel ist die folgende Ermahnung aus den „Principles“ darüber, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen, denn sie würde genauso gut in ein Handbuch für erfolgreiches Trading passen:

Menschen, die schlechte Ergebnisse irgendjemand oder irgendetwas anderem als sich selbst zuschreiben, verhalten sich auf eine Art und Weise, die mit der Realität nicht vereinbar ist und die ihre Fortschritte untergräbt.

Ich habe Dalio in seinem Büro bei Bridgewater interviewt. Es ragt freitragend über den Saugatuck River, mit Aussicht auf die Wälder der Umgebung, und sorgt für eine idyllische Arbeitsumgebung. Dalio denkt lieber in Verknüpfungen als linear, was – wie er selbst gern einräumt – zu weitschweifigen Antworten führen kann: „Ich sehe die Dinge auf komplexe Weise und es fällt mir schwer, meine Sichtweise anderen zu vermitteln.“ Als die für das Interview vorgesehene Zeit abgelaufen war, sagte er unvermittelt: „Okay, wir sind fertig.“

Sie haben es ziemlich weit gebracht – zum größten Hedgefonds der Welt. Ich frage mich, welche Ziele Sie als junger Mann hatten.

Ich habe mich bereits als Kind spielerisch an den Märkten betätigt. Schon mit zwölf habe ich angefangen. Das war wie ein Spiel und ich liebte dieses Spiel. Die Tatsache, dass ich bei diesem Spiel Geld verdienen konnte, war zwar auch gut, aber sie war nicht das, was mich motivierte. Ich hatte nie konkrete Ziele, etwa eine bestimmte Menge Geld zu verdienen oder zu managen.