Alles wird anders. Frau auch. - Alexandra Heil - E-Book

Alles wird anders. Frau auch. E-Book

Alexandra Heil

3,9

Beschreibung

In ihrem fundierten Ratgeber setzt sich Alexandra Heil auf humorvolle Weise vor allem mit den Gefühlen der Frau und ihrer physischen und psychischen Situation auseinander und verschweigt auch das neue und bleibende Körpergefühl der jungen Mutter nicht. Zahlreiche Erfahrungsberichte ergänzen diesen Ratgeber.

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Seitenzahl: 188

Veröffentlichungsjahr: 2008

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Alexandra Heil

Alles wird anders.Frau auch.

Alexandra Heil

Alles wird anders.Frau auch.

Was Ihnen Schwangerschaftsratgeber nicht verraten und die beste Freundin nicht zu sagen traut.

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-636-06368-7 | Print-Ausgabe

ISBN 978-3-86882-045-4 | E-Book-Ausgabe (PDF)

E-Book-Ausgabe (PDF):© 2009 bei mvgVerlag, FinanzBuch Verlag GmbH, Münchenwww.mvg-verlag.de

Print-Ausgabe: © 2008 bei mvgVerlag, FinanzBuch Verlag GmbH, Münchenwww.mvg-verlag.de

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Lektorat: Dr. Rainer Schöttle, Neufinsing Umschlaggestaltung: init – Büro für Gestaltung, BielefeldUmschlagabbildung: Getty Images, MünchenSatz: Jürgen Echter, Landsberg am LechDruck und Bindung: CPI – Ebner & Spiegel, UlmPrinted in GermanyISBN 978-3-636-06368-7

Inhalt

Vorwort

Erstes Kapitel

1. Mein Leben – das war’s.Die Ausgangssituation (fast) jeder Frau

Wird mein Leben anstrengender?

Werde ich mit Kind glücklicher sein als ohne?

2. Mein Baby – mein Körper: beides wächst.Körperliche Veränderungen

Werde ich mich von Beginn an schwanger fühlen?

Wie fühlt es sich an, wenn der Bauch immer dicker wird?

Werde ich insgesamt dicker werden?

Ist es schön, wenn der Busen größer wird?

Wird man während der Schwangerschaft faul?

Wie werde ich mich während der Schwangerschaft in meinem Körper fühlen?

Werde ich Schwangerschaftsstreifen bekommen und gehen die wieder weg?

Soll ich mir frühzeitig die Haare abschneiden lassen?

3. Karussell der Gefühle.Ängste, Freude, Launen

Die Hormone

Die Psyche

Werde ich die Schwangerschaft eher genießen oder eher als belastend empfinden?

Werde ich mich über ein Mädchen und einen Jungen gleichermaßen freuen?

4. Darf ich mal streicheln?Reaktionen der Umwelt auf die sichtbar gewordene Schwangerschaft

5. Schwangerschaft und Sex.Mit Bauch doppelt gut?

Werde ich mich mit Bauch sexy fühlen?

Schadet Sex dem Kind?

Ist Sex während der Schwangerschaft besser oder schlechter als vorher?

Kann ein Orgasmus eine Frühgeburt auslösen?

Kann eine Brustwarzenstimulation Wehen verursachen?

6. Die Geburt. Wunschtraum oder Albtraum?Über die weibliche Wahrnehmung der Geburt

Werde ich während der Geburt wild herumschreien?

Werde ich mich während der Geburt schämen oder ekeln?

Wie weh tut eine Geburt?

Was ist eigentlich eine „sanfte Geburt“?

Wie weh tut ein Dammschnitt?

Kann ich sicher sein, dass man mich wieder eng genug zusammennäht?

Sollte ich lieber auf Schmerzmittel verzichten, um anschließend das Gefühl zu haben, die Geburt aus eigener Kraft geschafft zu haben?

Tut eine PDA weh und bringt sie wirklich etwas?

Was ist der Unterschied zwischen Periduralanästhesie und Spinalanästhesie?

Werden alle Geburten gleich sein?

Wie werden die ersten Minuten mit Baby sein?

Werde ich mich bei einem Kaiserschnitt um eine normale Geburt betrogen fühlen?

Zweites Kapitel

1. Mein Leben – oder was davon übrig blieb.Das Baby ist da

Was Sie als Partner tun können

2. Mein Körper. Ist das mein Körper?Die Veränderungen des weiblichen Körpers nach der Geburt

Schock: der Bauch

Freude: die Brüste

Überraschung: der Po

Taumel: die Gefühle

Was Sie als Partner tun können

3. Zwischen Alltagskonzert und Babyblues.Über die postpartale Depression

Was Sie tun können

Was Sie als Partner tun können

4. Die Milch macht’s?Nicht immer ist Stillen eine Offenbarung

Tut Stillen weh?

Kriegt man beim Stillen einen Orgasmus?

Kann man durch einen Milchstau Brustkrebs bekommen?

Verhindert Stillen das Entstehen von Brustkrebs?

5. Alles klar da unten?Die Rückbildung der Geschlechtsorgane

Wie fühlt sich der Wochenfluss an?

Tun Wochenbettwehen weh?

Wie fühlt man sich während der Rückbildung?

6. Meine Lust: keine Lust.Entwicklung und Rückgewinnung der Libido

Ab wann kann ich wieder Sex haben?

Werde ich nach der Geburt wieder genauso viel oder wenig Lust empfinden wie vor der Schwangerschaft?

Kann es sein, dass ich mich beim Sex ausgeleiert fühle?

7. Er war dabei!Muss Man(n) unbedingt zusehen?

Was Sie als Partner tun können

Was Sie als Frau tun können

Gibt es Männer, denen eine Geburt nichts ausmacht?

8. Alltag bedeutet Stress.Die Auswirkungen der veränderten Alltagssituation auf die Partnerschaft

Werden wir uns mit Kind häufiger streiten als wir es ohne Kind getan haben?

Wird meine Partnerschaft jemals wieder so romantisch werden wie vor der Geburt?

Drittes Kapitel

1. Mein neues Körpergefühl.So sehe ich mich

Werde ich mein Startgewicht wieder erreichen?

Werde ich meine alte Figur zurückbekommen?

Wird mein Busen klein und schlaff werden?

Werde ich mich irgendwann auch wieder als Frau und nicht nur als Mutter fühlen?

2. Sein Bild von mir.Wie Männer auf die Veränderungen des Körpers und der Psyche der Frau nach der Geburt reagieren

Sieht er mich nach der Geburt auch wieder als Frau oder nur noch als Mutter seiner Kinder?

3. Und täglich grüßt der Selbstzweifel.Bin ich eine gute Mutter?

Bin ich eine gute Mutter?

4. Schönheit neu definiert.„Geburtsbedingte“ Schönheitsmakel und was sie bewirken

Ein Plädoyer für mehr Modebewusstsein

Zerschlagen Sie die Gegenargumente

Werden mir nach der Geburt die Haare ausfallen?

5. Alles gut verheilt?Über Beckenbodentraining, den Gang zur Toilette und das sexuelle Empfinden

Bringt Beckenbodentraining wirklich etwas?

Was passiert, wenn ich kein Beckenbodentraining mache?

Wie hängen Beckenbodentraining und Lustempfinden zusammen?

Werde ich je wieder gerade heraus pinkeln können?

Muss ich befürchten, dass meine Hose beim Niesen nass wird?

6. Essen, einfach nur essen.Die Rolle der Ernährung

Werde ich mit ein paar Pfunden zu viel als „dicke Mama“ abgestempelt?

7. Was bringt die Zukunft?Über die eigene Perspektive

Wird mein Kind mein Leben über den Haufen werfen?

Werde ich mich selbst in meinem Kind wiederfinden?

Verändert mein Kind die Beziehung zwischen mir und meiner Mutter?

Werde ich mich lebenslang für mein Kind verantwortlich fühlen?

Werde ich etwas verpassen, wenn ich mich gegen ein Kind entscheide?

Literatur

Über die Autorin

Vorwort

„Endlich ein Ratgeber, in dem Klartext gesprochen wird!“ – „Das wurde aber auch Zeit: ein Buch, das wirklich die Gefühle der Frau wiedergibt.“ – „Gute Idee, ein Schwangerschaftsratgeber der anderen Art. Ich kann die Heile-Welt-Ratgeber schon lange nicht mehr sehen.“ So oder ähnlich waren die spontanen Reaktionen der Frauen, denen ich von der Idee zu diesem Ratgeber erzählte.

Ein Buch zu schreiben, das die Zeit der Schwangerschaft, der Geburt und die Zeit nach der Geburt eines Kindes aus der Sicht der Frau beschreibt, war mein Ziel. Eines, das ganz ohne Schönfärberei die Gefühlswallungen der werdenden und jungen Mutter wiedergibt, das ihre Freude, aber auch ihre Ängste und Sorgen festhält, das keine Tabus kennt und auch auf unbequeme Fragen ehrliche Antworten liefert.

Warum?

Weil eine werdende Mutter mehr wissen will als Fernsehen, Heile-Welt-Ratgeber und Hochglanzmagazine vermitteln. Weil sie erfahren will, was wirklich auf sie zukommt, wie sie sich fühlen wird und wie andere Frauen Schwangerschaft und Geburt erlebt haben. Sie will wissen, was es für sie ganz persönlich bedeuten wird, ein Kind zu bekommen und zu haben. Und ihr ist das Gefühl wichtig, nicht allein zu sein.

Deshalb richtet sich dieser Ratgeber auch nicht ausschließlich an werdende und junge Mütter, sondern auch an Frauen, deren Kinder bereits aus dem Gröbsten raus sind.

Denn so ist es: Das weibliche Interesse an dem Wunder, ein Kind in die Welt zu setzen, erlischt niemals. Und es tut auch noch Jahre später einfach gut, zu lesen, dass es anderen Frauen ähnlich erging wie einem selbst …

Beim Erarbeiten des Themas habe ich gemerkt, dass ich dieses Ziel am besten erreiche, wenn ich möglichst viele Fragen stelle. Fragen, die jede werdende und junge Mutter hat, aber sich fast nie zu äußern traut. Indiskrete, schonungslose Fragen, die frau weder ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen noch ihrer besten Freundin stellen würde. Fragen, die sich nur durch die Erfahrungen von Müttern beantworten lassen. Kein Schwangerschaftsratgeber, kein Mediziner und keine Hebamme können Ihnen glaubhaft vermitteln, wie weh eine Geburt wirklich tut. Nur die offenen, unverblümten Schilderungen von Müttern vermögen das. Schilderungen, die ohne Rücksicht auf Gesichtsverlust formuliert wurden und deshalb anonym sind.

Wenn Sie den Eindruck gewinnen sollten, dass dieses Buch Schwangerschaft und Geburt in einem überwiegend schlechten Licht darstellt und Sie von der Idee, Kinder in die Welt zu setzen, eher abbringen statt überzeugen möchte, dann irren Sie: Dieser Ratgeber ist kein Schwangerschafts-„Schlechtmacher“, sondern eine Sammlung intimer Protokolle werdender und junger Mütter. Keine dieser Frauen, die sich an der Entstehung dieses Buchs beteiligt haben, möchte ihr Kind oder ihre Kinder je wieder missen. Sie alle – und es sind deutlich mehr als 100, die sich mit ihren Erfahrungen in diesen Ratgeber eingebracht haben – sind einhellig der Meinung: Ein Kind ist das Wunderbarste auf der Welt.

Aber die wenigsten – und das ist das Überraschende dabei – können von sich behaupten, dass die Schwangerschaft, die Geburt des eigenen Kindes und die ersten Wochen und Monate danach zur besten Zeit ihres Lebens gehören.

Ein Kind zu haben, ist wundervoll. Ein Kind zu bekommen, nicht unbedingt.

Allen diesen Frauen ist sehr daran gelegen, ihre emotionalen Erfahrungen weiterzugeben. Weil sie selbst gerne besser auf dieses alles verändernde Ereignis, ein Kind zu bekommen, vorbereitet gewesen wären und weil es guttut, sein Wissen weiterzugeben.

Dabei herausgekommen ist ein Ratgeber, der durch seine Ehrlichkeit überzeugt. Ein informatives und zugleich aufrüttelndes Buch, das ganz nebenbei für mehr Verständnis für eine werdende und junge Mutter plädiert – ohne erhobenen Zeigefinger und ohne den Unterton eines Vorwurfs.

Ich möchte an dieser Stelle allen Frauen danken, die mir ihre Erfahrungen zur Verfügung gestellt haben. Ohne sie wäre es ein langweiliger Schwangerschaftsratgeber geworden, von denen es schon unzählige gibt. Durch sie wurde es zu einem leidenschaftlichen Ratgeber fernab aller Schwangerschaftsmythen und -illusionen.

Ich finde, wir haben unser Ziel erreicht.

HerzlichstIhre Alexandra Heil

Lust auf mehr?

Auf der Website http://www.alles-wird-anders.comfinden Sie Informationen zum Buch und zu mir sowie ein Gästebuch für Ihre persönliche Stellungnahme. Schauen Sie vorbei.

Erstes Kapitel

1. Mein Leben – das war’s.Die Ausgangssituation (fast) jeder Frau

Ein kleiner blauer Strich im Fenster des Schwangerschaftstests, vergebliches Warten auf die nächste Regelblutung, unerklärliche Gewichtszunahme, plötzliche Heißhungerattacken, unangenehmes Spannen der Brüste, morgendliche Übelkeit und bleierne Müdigkeit – meistens sind es mehrere dieser Phänomene, die Ihnen unmissverständlich zeigen: Sie sind schwanger. Dass sich damit die Ankunft eines Kindes ankündigt, wissen Sie natürlich. Aber dass sich dadurch Ihr Leben von Grund auf ändern wird, vermutlich nicht.

Ein Kind zu bekommen, bedeutet, seinem Leben einen neuen Inhalt zu geben. Selbst wenn Sie planen, Ihr Kleines schon kurz nach der Geburt in eine Fremdbetreuung zu geben, wird Ihr Leben nie wieder so werden wie früher.

Das liegt nicht nur an der bloßen Existenz eines hilfebedürftigen Würmchens, sondern vor allem an der emotionalen Herausforderung, der Sie sich mit der Ankündigung Ihres Kindes, mit seiner Geburt und mit seinem Heranwachsen immer wieder werden stellen müssen.

Sie werden erstaunt sein, zu welchen Superlativen der Gefühle Sie fähig sind: von bedingungsloser, zu Tränen rührender Liebe bis zu schäumender Wut und Hass auf Menschen, die Ihrem Kind Schaden zufügen. Sie werden leiden, wenn Ihr Kind leidet, und Sie werden nur glücklich sein, wenn Ihr Kind es ist.

Bis an das Ende Ihres Lebens werden Sie sich Sorgen machen: ob Ihr Kind warm genug angezogen ist, ob es die Mittelohrentzündung übersteht, ob es alleine klar kommt, ob es Freunde findet und eine Arbeit bekommt und ob seine Rente zum Leben ausreichen wird.

Mutter zu werden, bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Deshalb werden Sie sich auch jeden Tag fragen, ob Sie alles richtig gemacht haben, wie Sie Ihre Fehler wiedergutmachen können und ob Ihr Kind Ihnen immer wieder neu verzeihen wird.

Ganz gleich, was Sie tun, Sie werden sich immer fragen, ob es das Richtige ist: ob es gut ist, dass Ihr Kind ausschließlich mutterbetreut aufwächst, ob es richtig ist, Ihr Kind in eine Fremdbetreuung zu geben, ob Sie mehr vorlesen, basteln oder spielen oder es verstärkt zum Alleinspiel animieren sollten, ob es heute schon genug Vitamine zu sich genommen und ausreichend Bewegung bekommen hat, ob es die richtigen Freunde und die richtige Berufswahl getroffen hat – wenn Sie bisher nicht wussten, worüber Sie sich Gedanken machen sollten: Jetzt wissen Sie es.

Das alles klingt zunächst einmal wenig erfreulich und wird Sie wahrscheinlich nicht gerade motivieren, sich auf Ihr Kind zu freuen. Und es ist auch so: Ein Kind in die Welt zu setzen und sich der Verantwortung zu unterziehen, ist alles andere als einfach. Unser demografischer Wandel von der Großfamilie zu immer mehr kinderlosen Paaren ist nicht nur – wie immer dargestellt wird – auf das Fehlen von Einrichtungen zur Fremdbetreuung zurückzuführen. Vielmehr entscheiden sich immer mehr Frauen gegen ein Kind, weil sie keine Lust haben, ihr mühevoll aufgebautes und wohlsortiertes Leben von einem 50-Zentimeter-Menschen umkrempeln zu lassen, und dann auch noch finanzielle wie persönliche Einbußen hinnehmen zu müssen.

Denn so sieht es aus: Ein Kind bedeutet Verzicht. Verzicht auf Geld, auf Freizeit, auf Privatsphäre, auf Spontaneität, auf Romantik.

Kinderarmes Deutschland

In Deutschland werden immer weniger Kinder geboren. Die Zahl der lebend zur Welt gekommenen Babys ging im Jahr 2006 im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent auf 673.000 zurück. Zum Vergleich: 1964, in der Blütezeit des deutschen Wirtschaftswachstums, kamen knapp 1,36 Millionen Kinder auf die Welt. Gleichzeitig wird die Lebenserwartung immer höher, die Menschen werden also immer älter. Nach Berechnungen wird es im Jahr 2050 doppelt so viele 60-Jährige wie Neugeborene geben.

(Quelle: Statistisches Bundesamt)

Doch Sie ahnen es schon: Ein Kind bedeutet noch eine ganze Menge mehr. Es bedeutet bedingungslose Liebe, die pure, einfache Lust am Leben, Freude, Glück und Erfüllung. Wenn Ihr Kind Sie das erste Mal bewusst anlächelt, sein erstes „Mama“ an Sie richtet, seine ersten Schritte zurücklegt, sein erstes Bild für Sie malt, Ihnen sein erstes Geheimnis anvertraut, Ihnen zum ersten Mal seine Freunde vorstellt und Ihnen für Ihre Hilfe dankt, dann spüren Sie, wofür Sie auf all die anderen Dinge im Leben verzichtet haben. Und dann wissen Sie, dass es richtig war, darauf zu verzichten. Denn Ihr Kind ist ein Teil von Ihnen. Es ist der Teil, an dem sich zeigt, wer Sie selbst sind.

Die Entdeckung dieses Teils Ihrer selbst ist eine spannende Reise, die von einer Flut leidenschaftlicher Gefühle begleitet wird. Stellen Sie sich dieser Flut. Es lohnt sich.

Ellen, 42:

„Ein Kind zu haben, bedeutet für mich, uneingeschränkte Liebe zu empfinden. Auch wenn die Geburt die Hölle war, bleibt dieses unglaubliche Gefühl, ein Wunder zu erleben, wenn man sein Neugeborenes ansieht, anfasst, beschnuppert … Kann es wirklich sein, dass dieses perfekte Geschöpf in m e i n e m Bauch gewachsen ist? Dass wir, als Eltern, dieses Kind gemacht haben? Es ist unfassbar. Und unfassbar schön. Auch nach Jahren noch, wenn die Kinder älter werden …“

Carola, 26:

„Ich konnte mir nie vorstellen, keine Kinder zu haben. Wenn ich nicht schwanger geworden wäre, hätten wir versucht, ein Kind zu adoptieren. Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht genau, warum ich unbedingt immer welche wollte. Ich hab mir mal viel Gedanken darüber gemacht, dass es eigentlich die leichteste Methode ist, etwas Bleibendes auf dieser Welt zu hinterlassen, aber das war nicht der Grund, warum ich eines wollte. Ich finde, Kinder gehören einfach dazu.“

Heike, 29:

„Kinder sind einfach das Wunderbarste auf der Welt. Dieses zuckersüße Lächeln entschädigt für alles. Und auch wenn ich auf vieles verzichten muss: Es wäreschlimmer für mich, wenn ich alles andere hätte, dafür aber auf Kinder verzichten müsste. Meine berufliche Karriere habe ich seit der Schwangerschaft eh abgehakt. Ich gehe nunmehr arbeiten, um zu leben – mit meinen Kindern. Was nützt mir all das Fachwissen, wenn ich nichts Menschliches weitergeben kann?“

Wird mein Leben anstrengender?

In der ersten Zeit nach der Geburt unbedingt, ganz gleich, wie Sie zuvor gelebt haben. Von jetzt auf gleich diesen kleinen Menschen zufriedenstellen zu müssen und zu wollen, ist ohne Frage anstrengend. Haben Sie und Ihr Baby sich nach ein paar Wochen aufeinander eingespielt, liegt es an Ihnen, ob Sie Ihr Leben als anstrengend empfinden. Ein Baby, ein Kleinkind und auch ein größeres Kind brauchen vor allem Zeit. Zeit zum Füttern, zum Wickeln, zum Spielen, zum Zuhören, zum Trösten, zum Lernen und zum Kuscheln. Je kleiner Ihr Kind ist, umso mehr ist diese Zeit Ihre Zeit. Es wird Ihnen deshalb gerade in den ersten drei Lebensjahren Ihres Kindes vor allem an Zeit mangeln, also an Freizeit, an Arbeitszeit, an Ruhezeit. Entsprechend wird vieles zu kurz kommen, was Sie ohne Kind in dieser Zeit erledigt hätten. Und das kann stressen.

Cordula, 34:

„Ein Leben mit Kind ist ohne Zweifel anstrengender als ein Leben ohne Kind. Ganztags nur für ein Kind da zu sein (das womöglich auch noch ein Schreikind ist) und so herausgerissen zu sein aus sonstigem gesellschaftlichem Leben (Freunde, Arbeit etc.), das ist schon anstrengend. Und der Job ist ja ein 24-Stunden-Job, bei dem es kein Wochenende gibt, an dem man abschalten kann und ausschlafen … Und wenn man dann noch arbeiten möchte, wird es wiederum anstrengend: Kind zum Kindergarten bringen, pünktlich wieder abholen, auf der Arbeit volle Leistung bringen, dazu Schlafmangel …“

Heike, 29:

„Ist mein Leben anstrengender geworden? Definitiv ja. Wenn heute meine kinderlosen Freundinnen sagen, sie haben so viel zu tun und kaum Zeit (und das habe ich auch oft gesagt und gedacht, als ich noch keine Mama war), denke ich immer: Ach ja? Dann schaff dir mal Kinder an. Sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag und kein Urlaub. Nicht wissen, wann man den Haushalt schaffen kann, da das Baby stets beschäftigt, gewickelt, gepflegt und bespielt werden will. Und wenn es schläft, dann macht man schnell den Haushalt, kocht Essen, kuschelt mit dem Partner, telefoniert mit Freunden, springt schnell unter die Dusche. All das passiert im Eiltempo. Erst heute weiß ich wirklich, was es bedeutet, keine Zeit zu haben.“

Sybille, 27:

„Na klar ist ein Leben ohne Kinder weniger anstrengend! Aber mir war es zu leise. Mein Haus war zu leer. Ich finde mein Leben mit Kindern viel erfüllter und schöner und lebendiger!“

Je nach Temperament Ihres Kindes werden Sie außerdem einige Tage im Monat beim Kinderarzt oder in den Ambulanzen der Krankenhäuser verbringen – auch das zerrt an den Nerven. Kommen Zeitmangel und nervliche Dauerbelastung zusammen, empfinden wir das als anstrengend.

Doch diese beschwerlichen Zeiten füllen nicht den ganzen Tag aus: Es wird immer wieder Phasen geben, in denen Sie mit Ihrem Kind eine Zeit der Erholung erleben werden. Das gemeinsame Bilderbuchlesen oder Kuscheln, der Besuch eines Spielplatzes oder der müßige Spaziergang wird Ihnen Gelegenheit geben, sich zu erholen. Was Sie als absolut erforderlich empfinden werden. Ob Ihr Leben anstrengend bleibt, ist vor allem abhängig davon, ob Sie Ihren Alltag als erfüllend empfinden oder nicht.

Werde ich mit Kind glücklicher sein als ohne?

Nicht unbedingt. Viele werdende Mütter sind sich sicher, dass ihr Leben mit Kind erfüllender, emotionaler und rundherum glücklicher werden wird. Natürlich sind sie sich sicher, denn wer mag sich schon eingestehen, dass er an dem Lebenssinn „Kind“ zweifelt?

Doch die Realität sieht oft anders aus: Ein Kind ist erfüllend, aber vor allem in zeitlicher Hinsicht. Nicht ohne Grund stellen viele Frauen nach ein bis zwei Jahren der ausschließlichen Kinderbetreuung fest, dass ihnen etwas fehlt. Eine geistige Herausforderung zum Beispiel. Ein intellektueller Austausch. Soziale Kontakte. Eine zufrieden machende Aufgabe. Diese Frauen engagieren sich dann verstärkt in Bastel-, Spiel- und Krabbelgruppen oder verlieren sich in hauswirtschaftlichen Tätigkeiten. Dabei täten sie gut daran, sich ihre Unterforderung einzugestehen und sich eine bezahlte Tätigkeit neben der Erziehung ihres Kindes oder ihrer Kinder zu suchen. Warum bezahlt? Weil Geld das in unserer Gesellschaft einzig anerkannte Zeichen der Wertschätzung ist. Sie werden sich besser fühlen, wenn Sie für das, was Sie tun, bezahlt werden, als wenn Sie ausschließlich einer Tätigkeit nachgehen, die zwar moralisch hoch geschätzt wird, dafür aber unbezahlt ist. Denn eine solche Tätigkeit üben sie bereits aus: die Erziehung Ihres Kindes. Suchen Sie sich deshalb zusätzlich eine bezahlte Tätigkeit für Ihr seelisches Gleichgewicht.

Wer nicht arbeiten will oder kann, sollte Möglichkeiten nutzen, sich weiterzubilden. Immer öfter werden Fortbildungskurse auch mit Kinderbetreuung angeboten.

Mutterglück oder Mutterunglück?

Unglücklich trotz Kind? Die bundesweit organisierte Selbsthilfegruppe „Schatten und Licht“ (http:// www.schatten-und-licht.de) hilft: Sie verbannt das Bild der vollkommenen und immer glücklichen Mutti und begleitet Frauen auf ihrer Suche nach einem erfüllten, glücklichen Leben mit Kind!

Der erste Schritt dabei ist das persönliche Eingeständnis: Ich bin unglücklich, obwohl ich ein wunderbares Kind habe und glücklich sein müsste. Ein schwerer, aber entscheidender Schritt!

Auf der anderen Seite gibt es Frauen, die in ihrer Mutterrolle voll aufgehen und nichts lieber tun, als sich rund um die Uhr um ihr Kleines zu kümmern und hauswirtschaftlichen Pflichten nachzugehen. Diese Spezies ist allerdings vom Aussterben bedroht, denn „nur“ Mama zu sein, kommt in unserer Leistungsgesellschaft schlecht an. Entsprechend versuchen sich zahlreiche und zunehmend mehr Mütter – aus eigenem Antrieb oder aufgrund der gesellschaftlichen Erwartungshaltung – an dem Balanceakt zwischen Kind und Beruf. Dabei sind längst nicht alle Mütter damit glücklich.

Eine der wesentlichen Herausforderungen, das Leben mit Kind als erfüllend zu empfinden, besteht darin, zu erkennen, was (Sie) glücklich macht. Und zwar unter Berücksichtigung, aber nicht in Abhängigkeit vom Kind.

Wenn Sie also feststellen, dass das reine, unbeeinträchtigte Muttersein für Sie die Glückseligkeit schlechthin bedeutet, sollten Sie auch dabei bleiben und dazu stehen. Es steht zu hoffen, dass sich das gesellschaftliche Wertesystem zur Beurteilung von „Nur-Müttern“ innerhalb der nächsten Jahre wieder ändert und frau nicht als Verliererin tituliert wird, wenn sie sich aus Überzeugung für die ausschließliche Mutterrolle entscheidet.

Ebenso wäre es wünschenswert, wenn die berufstätige Mutter nicht mehr länger als Idealform der Frau in unserer modernen Welt vergöttert und sie dadurch vom Druck, dieses emanzipierte Frauenbild aufrechterhalten zu müssen, befreit würde.

Jede Frau sollte selbst entscheiden dürfen, ob sie dem puren Muttersein frönen oder sich neben ihrer Mutterrolle auch als Arbeitnehmerin betätigen möchte. Und zwar ohne dabei hochgezogenen Augenbrauen überall in der Gesellschaft trotzen zu müssen. Und ohne schlechtes Gewissen.

Denn nur mit einer den eigenen Bedürfnissen entsprechenden Tätigkeit werden Sie den Alltag so empfinden, wie er sein sollte: leicht und lebenswert. Statt schwer und anstrengend.

Heike, 29:

„Ob ich mit Kind glücklicher bin als ohne? Ich sage mal frei heraus: Ja. Viele Dinge sehe ich heute anders. Gelassener, wo ich früher eher verbittert war. Erfahrener in Dingen, denen ich früher naiv gegenüberstand. Ein Kind zu erziehen, bedeutet, an Lebenserfahrung zu gewinnen. Ja, ich denke schon, dass ich glücklicher mit Kind bin, als ich es jemals ohne Kind geworden wäre. Es gibt nur Tage, an denen ich dieses Glück vergesse. Ganz einfach weil der Stress überwiegt.“

Carola, 26: