Beschreibung

Neuste Recherchen zum Jahrhundertseher Alois Irlmaier Alois Irlmaier, gestorben 1959, war einer der besten, wenn nicht DER BESTE SEHER Europas im 20. Jahrhundert. Und er hatte ein klare Vision von der Zukunft. Alois Irlmaier – ein Mann sagt, was er sieht, ist das bisher umfassendste und detaillierteste Werk zu dem Jahrhundertseher Alois Irlmaier. Es befasst sich eingehend mit Irlmaier als Mensch und Seher, seinen Prophezeiungen – und mit den Machenschaften seiner Gegner. Stephan Berndt stieß bei seinen Recherchen zu diesem Buch auf amtliche Dokumente aus den Jahren 1930 – 1950, die hier erstmals veröffentlicht werden und ein neues Licht auf den Seher Alois Irlmaier werfen. Autor: Stephan Berndt, 1961 in Hamburg geboren, forscht und publiziert seit 15 Jahren zum Thema Prophezeiungen und Zukunft. Seine umfangreichen Recherchen, seriösen und eingehenden Analysen haben ihn bekannt gemacht. Seine Bücher „Prophezeiungen, alte Nachricht in neuer Zeit“ und „Prophezeiungen zur Zukunft Europas und reale Ereignisse“ sind echte Bestseller.

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Das Buch

Neuste Recherchen zum Jahrhundertseher Alois Irlmaier

Alois Irlmaier, gestorben 1959, war einer der besten, wenn nicht DER BESTE SEHER Europas im 20. Jahrhundert. Und er hatte ein klare Vision von der Zukunft. Alois Irlmaier – ein Mann sagt, was er sieht, ist das bisher umfassendste und detaillierteste Werk zu dem Jahrhundertseher Alois Irlmaier. Es befasst sich eingehend mit Irlmaier als Mensch und Seher, seinen Prophezeiungen – und mit den Machenschaften seiner Gegner. Stephan Berndt stieß bei seinen Recherchen zu diesem Buch auf amtliche Dokumente aus den Jahren 1930 – 1950, die hier erstmals veröffentlicht werden und ein neues Licht auf den Seher Alois Irlmaier werfen.

Der Autor

Stephan Berndt, 1961 in Hamburg geboren, forscht und publiziert seit 15 Jahren zum Thema Prophezeiungen und Zukunft. Seine umfangreichen Recherchen, seriösen und eingehenden Analysen haben ihn bekannt gemacht. Seine Bücher „Prophezeiungen, alte Nachricht in neuer Zeit“ und „Prophezeiungen zur Zukunft Europas und reale Ereignisse“ sind echte Bestseller. Homepage des Autors: www.alois-irlmaier.de

Stephan Berndt

Alois Irlmaier

EIN MANN SAGT, WAS ER SIEHT

DER SEHER – DIE PROPHEZEIUNGEN – NEUESTE RECHERCHEN

Inhaltsverzeichnis
Umschlag
Das Buch / Der Autor
Titel
Inhaltsverzeichnis
Widmung
Vorwort zur Auflage 2014
Warum Alois Irlmaier?
Der Gaukler-Prozess
Alois Irlmaier – der Seher
Irlmaier als Lebensretter
Die Warteschlange
Anekdoten über Alois Irlmaier
Irlmaiers große Vorausschau
Sah Irlmaier bis ins 3. Jahrtausend?
Der Zusammenbruch der UdSSR
Irlmaiers Klimaprognose
Feuerteufel an der Seine
Wirtschaftskrise in Deutschland und Europa
Der Überraschungsangriff
Ein neuer Kalter Krieg?
Wichtige Vorzeichen nach Irlmaier
Das fruchtbare Jahr
Unruhen in Deutschland
Chaos in Italien – Massaker im Vatikan
Ein neuer Nahostkrieg
Das dritte Attentat
Angriff und Kriegsverlauf
Angriffszeitpunkt Juli bis Anfang August
Irlmaier zu sicheren Gebieten
Irlmaier über eine Hungersnot
Flüchtlinge und Plünderungen
Irlmaier über die Zeit danach
Die neue Wüste in Mitteleuropa
Der Wandel der Mächte
Der Papst und die neuen Monarchen
Bayern im Jahre 2030?
Ein kleines kantiges Ding
Nachwort zu Irlmaiers Prophezeiungen
Der Seher und das Volk
Paulchen leg dich zu mir
Presserummel um Alois Irlmeier
Corpus Delicti
Die Stimmung 1949/1950
Irlmaiers Hilferufe
Betrug i. R.
Resümee zum Fall Dr. Conrad Adlmaier
so Gott will
Die katholische Kirche und der Seher
Die Wissenschaft zu Irlmaiers Prophezeiungen
Nachwort
Weitere Themen
Irlmaier, der Rutengänger
Der Kurier-Text
Die Dreitägige Finsternis
Die Flut im Norden
Der Gelbe Strich
Anhang
Tabellarischer Lebenslauf von Alois Irlmaier
Irlmaier-Aussagen bei Konstantin von Bayern
Landshuter Zeitung
Aussagen zum Überraschungsangriff
Kartenmaterial
Karte / Mitteleuropa / Angriff
Karte / südlich der Donau
Karte / Süddeutschland und Anrainer
Kopien von Originalakten
Irlmaiers Aussage im Giftmord-Prozess
Quellennachweise
Primärquellen für die Prophezeiungen Irlmaiers
Literatur-Codes
Bibliographie / Bücher und Hefte
Bibliografie / Zeitungen und Zeitschriften
Literatur zum Thema Vorsorge
Bildnachweis
Fußnoten
Impressum

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen!“

Helmut Schmidt

ehemaliger Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland

Vorwort zur Auflage 2014

Es war unter anderem der bayerische Ministerpräsident Dr. Hans Ehard höchstpersönlich, der sich am 15. Februar 1950 über den Fall des Hellsehers Alois Irlmaier berichten ließ. Das geht aus einer Akte des Bayerischen Hauptstaatsarchivs hervor. Dem Ministerpräsidenten war eine sogenannte „Gerüchtemeldung“ überbracht worden, die außer ihm auch noch der bayerische Innenminister, einige Staatssekretäre und der US Land Commissioner for Bavaria, Mr. Hugunin, erhielten. Mr. Hugunin war sozusagen der us-amerikanische Oberaufpasser für das frisch entnazifizierte Bayern.

Anlass für die Gerüchtemeldung und das Interesse dieser „Großkopferten“ war ein kleines unscheinbares Heftchen mit Alois Irlmaiers weltpolitischen Voraussagen, das gerade einmal zwei Wochen zuvor in den Verkauf gekommen war – und eingeschlagen hatte wie eine Bombe! Das Heftchen „Blick in die Zukunft“ machte Irlmaiers weltpolitische Voraussagen erstmals außerhalb der südostbayerischen Lokalpresse bekannt – und seine Voraussagen kreisten schwerpunktmäßig um einen urplötzlichen Angriff Russlands auf Westdeutschland. Schon das war etwas beunruhigend, schließlich wurde gerade in diesen Tagen Russland immer mehr als neue Bedrohung erkannt, aber das war noch kein Grund zur Panik. Was das Heftchen erst zur eigentlichen Bombe machte, war der Umstand, dass dessen Verleger und Autor mit einer trickreichen Formulierung den Eindruck erweckt hatte, Alois Irlmaier hätte den Ausbruch des „dritten Weltkrieges“ für dasselbe Jahr vorausgesagt. ... Später schrieb der Verleger zwar, Irlmaier habe gar nicht gesagt, dass die Russen im Jahr 1950 angreifen – aber da war die Katze bereits aus dem Sack. Und das war ja auch Sinn und Zweck der ganzen Aktion. Die Heftchen mit Irlmaiers Prophezeiungen sollten sich verkaufen wie warme Semmeln. ... Und das taten sie dann auch.

In besagter Gerüchtemeldung hieß es unter anderem:

In Bruck, Landkreis Roding [Bayerischer Wald], wurde das Büchlein „Blick in die Zukunft“ abgesetzt. Es wird behauptet, Irlmaier habe erklärt, in Bruck würde kein Stein auf dem anderen bleiben. Die Ortschaft würde verschwinden.

Die Voraussagen Irlmaiers sind zweifellos geeignet, Beunruhigung unter der Bevölkerung hervorzurufen. So wurde in den heutigen Abendstunden in Falkenstein, Landkreis Roding, das Gerücht verbreitet, dass in der kommenden Nacht gegen 24.00 Uhr russische Truppen in Bayern einmarschieren [Dieses Gerücht stammt mit Sicherheit nicht von Irlmaier. Anm. B.]. In Regensburg sollen sich verschiedene Personen bereits zur Flucht vorbereiten. Einzelstehende Frauen in Falkenstein, deren Männer sich noch in [Kriegs-] Gefangenschaft befinden, befassen sich ebenfalls mit Fluchtgedanken.

Am 4. März 1950 ging eine weitere Gerüchtemeldung an obigen Personenkreis:

... Im Bereich [...] Neunburg vorm Wald [Nachbargemeinde Rodings] herrscht zur Zeit unter der Bevölkerung eine Beunruhigung, hervorgerufen durch die bekannten Voraussagen des Alois Irlmaier, Freilassing. Die Bevölkerung kauft große Mengen haltbarer Lebensmittel, vor allem Fleischkonserven, auf. Vor den Geschäften stehen Käufer reihenweise an. Zu Ausschreitungen ist es bis jetzt nicht gekommen.1

Zweieinhalb Monate später, am 17. Mai 1950, – so eine andere Akte, diesmal aus dem Staatsarchiv München – richtete die Regierung von Oberbayern eine Anfrage an das für Irlmaier zuständige Landratsamt Laufen, und schrieb:

Es ergibt sich die Frage, ob nicht Anlass zum Einschreiten besteht, um eine weitere Beunruhigung der Bevölkerung zu vermeiden. Sie werden ersucht, sich zu dieser Frage zu äußern. Auf Art. 54 Polizeistrafgesetzbuch wird hingewiesen

Der Artikel bzw. Paragraph 54 war der sogenannte „Gaukler-Paragraph“, mit dem man seinerzeit den Hellsehern noch das Hellsehen verbieten konnte.

Der Verfasser dieses Schreibens allerdings kannte den Fall Irlmaier nicht gut genug, denn offenbar wusste er nicht, dass Irlmaier wegen des § 54 bereits im Jahre 1946 angeklagt und 1947 freigesprochen worden war. Und nicht nur das – der Freispruch von 1947 und die Umstände des Prozesses trugen auch maßgeblich dazu bei, dass Alois Irlmaier nicht nur in Bayern eine gewisse Berühmtheit erlangte ...

Der Aktenlage nach hat dann das Landratsamt Laufen den Fall an die Polizei an Irlmaiers Wohnort Freilassing weitergereicht, und der dortige Polizeichef schickte dann – nach erneuter Observierung des Hellsehers – am 30. Mai einen Bericht zurück, in dem er – der Polizeichef – Irlmaiers Sehergabe aus eigener Erfahrung bestätigte und folglich auch davon abriet, Irlmaier erneut auf die Anklagebank zu bringen:

Ein Einschreiten gegen Irlmaier nach Art. 54 PStGB ist nach vorhandenem Beweismaterial nicht gegeben. Eine Hauptverhandlung würde mit Bestimmtheit kein anderes Ergebnis zeitigen als das vom Herbst 1947.

Kein anderes Ergebnis? ... Von wegen! ... Irrtum! Riesen Irrtum! ... Eine erneute Anklage und ein erneuter Freispruch hätten aus der bisher mittelgroßen Sensation Alois Irlmaier eine Mega-Sensation gemacht! Ein zweiter Freispruch wäre aus Sicht der Behörden eine absolute Katastrophe gewesen und hätte womöglich einige Karrieren im bayerischen Innenministerium abrupt beendet.

Dort gab es offenbar aber auch ein paar hellere Köpfe, die diese Gefahr früh genug erkannt hatten und deshalb zweigleisig vorgingen. Denn das eigentliche Problem war ja gar nicht der Hellseher Irlmaier. Was machte es schon, wenn dieser ein paar Bauersfrauen „Schauergeschichten“ erzählte? Seis’ drum. Egal. Das eigentliche Problem waren Presse und Verlage, die darüber berichteten. Dort musste man nachhaken. Und tatsächlich erschien dann am 21. Mai 1950, wenige Tage nach der Anfrage an das Landratsamt Laufen, in der Hamburger Illustrierten STERN ein großer Bericht über den Hellseher, in dem dieser nach Strich und Faden als unglaubwürdig und verlogen hingestellt und der Lächerlichkeit preisgegeben wurde.

Die „Reportage“ des STERNs bildete den Höhepunkt einer seit Wochen laufenden Irlmaier-Berichterstattung, die das offenkundige – und absatzfördernde Interesse breiter Leserkreise bediente.

Und nach dem Verriss im STERN? Was brachte die Presse nach Mai 1950 noch über diesen merkwürdigen Mann aus Freilassing? ... Nichts. Absolut nichts! Und zwar bis zu dessen Tode im Jahre 1959! Die ganzen folgenden neun Jahre herrschte Funkstille in Sachen Alois Irlmaier. Zwischen Oktober 1949 und Mai 1950 findet man in der hauptsächlich bayerischen Presse monatlich noch zwischen 4 und 17 Artikel über Alois Irlmaier und seine Voraussagen – und ab Juni 1950 nichts mehr.

Ich selbst habe nur noch am 20. September 1950 einen klitzekleinen, briefmarkengroßen Artikel in der Freilassinger Volkszeitung gefunden. Sonst nichts mehr. Fast nichts mehr. Denn im Spätsommer 1950 geriet noch Konrad Kübler, der stellvertretende Präsident des Bayerischen Landtages, wegen Alois Irlmaier in die Schusslinie, und ein paar Querschläger der Affäre schafften es erneut in die Presse. Aber das ist eine andere Geschichte. Und die hat auch nichts mehr mit Irlmaiers konkreten Voraussagen zu tun.

Selbstverständlich hat eine Regierung das Recht, ja die Pflicht, die Bevölkerung vor ungerechtfertigter Beunruhigung zu schützen. Und egal nun, ob die Irlmaier-Berichterstattung von der deutschen Politik oder dem US-Militär an die kurze Leine gelegt wurde – das Heftchen mit Irlmaiers Voraussagen wurde trotzdem weiter verkauft und erfreute sich jahrelang reißenden Absatzes, nur eben in letztlich deutlich geringerer Stückzahl, verglichen mit der Auflagestärke von Tageszeitungen.

Irlmaiers Voraussagen wurden also außerhalb Bayerns schnell wieder vergessen, und auch innerhalb Bayerns ist er inzwischen nur noch in jenen Regionen Teil der kollektiven Erinnerung, wo er in persönlichen Begegnungen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Die Zeit verging. Die Erinnerung verblasste. Es kam die Wiedervereinigung. Und Irlmaiers Warnung vor dem Angriff der Russen erschien mehr und mehr wie der Widerhall einer längst vergessenen Zeit. Fast wie ein Märchen.

Seltsam war nur, dass sich die Massenmedien trotz dieser Märchenhaftigkeit weiterhin an eine Art unausgesprochene Regel hielten, wonach nichts Konkretes über die weltpolitischen Voraussagen Irlmaiers berichtet wird. Ich selbst habe derlei als Prophezeiungsforscher in zahlreichen Interviews auch erlebt – als ich später sah, hörte oder las, was von meinen Aussagen letztendlich publiziert wurde. Und natürlich wurde auch ich als unglaubwürdig hingestellt, sei es auf plumpe Art, dass man mich als „wilden Mann“ vorstellte oder gar mit „Frankenstein“ verglich (FOCUS, 28. Dezember 1998). Ein aktuelles und sehr typisches Beispiel für die Nichterwähnung konkreter Voraussagen ist eine Irlmaier-Dokumentation, die das bayerische Fernsehen im März 2014 ausgestrahlt hat: „Unsichtbares Land – auf den Spuren von Alois Irlmaier“. Diese an und für sich erstaunlich einfühlsame Dokumentation wurde zwischen 2004 und 2006 produziert. Ich selbst hatte in dieser Zeit zwei Treffen mit den Münchener Filmproduzenten. Dabei kam natürlich auch die ganze Kriegsprophezeiungsthematik zur Sprache. Im letztendlichen Film dann – ob nun so produziert oder später vom BR gekürzt – gab es jedoch nur einen einzigen kurzen Hinweis auf Irlmaiers Kriegsprophezeiungen, der zudem schon im nächsten Satz vollkommen marginalisiert wurde mit dem Hinweis, Irlmaier habe sich mit dem Datum 1950 vertan.

Auch hier das immer wieder zu beobachtende Muster: Dem braven Bürger und gemeinen Volk wird nicht verraten, was Irlmaier weltpolitisch konkret vorausgesehen hat, obwohl er als Hellseher in privaten Dingen immer wieder – so auch in der BR-Dokumentation – als äußerst zuverlässig beschrieben wird. ...

Betrifft dieses Schweigen über hellseherische Zukunftsvisionen, die die Allgemeinheit betreffen, nun vielleicht nur den Bayer Alois Irlmaier? Oh nein! Die Nichterwähnung solcher Zukunftsvisionen ist inzwischen so weitverbreitet, dass sogar Hellseher, wie die bekannte Berliner Wahrsagerin Gabriele Hoffmann – die seit vielen Jahren Stars, Manager und Politiker berät – schon von sich aus erklärt, sie könne zwar die Zukunft von Einzelpersonen voraussehen, aber kaum etwas über die Zukunft Deutschlands insgesamt sagen. Der SPIEGEL zitierte sie am 31. Dezember 2012:

„Ich bin kein Wahrsager wie Nostradamus. Meine Prognosen sind immer an den einzelnen Menschen gebunden.“

Der SPIEGEL ergänzte:

Natürlich könne sie manches ableiten aus den Einzelschicksalen, etwa dass der Euro bald Geschichte sein werde. Im Kern aber leiste sie individuelle Hilfe.

Verblüffend, nicht wahr? Gabriele Hoffmann arbeitet inzwischen seit rund 40 Jahren als Wahrsagerin, muss in den 40 Jahren über Tausend deutsche Schicksale vorausgesehen haben, oft von bekannten Persönlichkeiten – aber in Sachen Zukunft Deutschlands weiß sie nur erstaunlich wenig zu berichten? ...

Dann erinnere ich mich an eine Sandra Maischberger-Talkshow, zu der eine andere Hellseherin eingeladen war: Sylvie Kollin aus Hannover, die ebenso einige bekannte Persönlichkeiten berät. Diese Hellseherin machte – kaum, dass sie in der Talkrunde zu Wort kam – umgehend klar, dass sie in der Sendung nichts Politisches voraussagen werde. Das tat sie im Tonfall einer Musterschülerin, die sich des Wohlwollens ihrer Lehrerin sicher ist. ... Doch seltsam. Warum schwieg Frau Kollin nicht einfach zum Thema „politische Prophetie“, ohne dieses Schweigen auch noch ausdrücklich zu betonen? Mögliche Antwort: Die Absicht war, den anderen Talkgästen gleich zu Beginn der Sendung klarzumachen, dass sie sich ihre Fragen zur Zukunft Deutschlands sparen können. ... Das schließt allerdings nicht aus, dass man sich noch unmittelbar vor der Sendung sehr wohl über dieses Thema ausgetauscht hat. Es ist durchaus üblich, dass sich die Talkgäste schon einige Zeit vor Sendungsbeginn in den Räumen des Senders einfinden und Gelegenheit haben, sich zu unterhalten. So meine eigene Erfahrung bei TV-Einladungen. ...

Die Vermutung jedenfalls, die Bürger eines demokratischen Staates würden sich so wenig für hellseherische Voraussagen zur Zukunft eben dieses Staates interessieren, dass sie diese Vorhersagen noch nicht einmal hören wollen, ist eine Intelligenzbeleidigung, die unsere demokratische Kultur doch etwas arg veralbert.

Noch ein drittes Beispiel: Mitte Dezember 2011 hatte Markus Lanz die bekannteste Astrologin Frankreichs in seine Talkrunde eingeladen: Elizabeth Teissier. Es ist allgemein bekannt, dass Madame Teissier sieben Jahre lang den französischen Staatspräsidenten François Mitterrand beriet – während dessen Amtszeit, und insbesondere auch in politischen Dingen –, beispielsweise 1991 während des ersten Krieges gegen den Irak. Anlass der Einladung in Lanz’ens Show war das jüngste Buch der Astrologin, das in Deutschland gerade vier Wochen auf dem Markt war, Titel des Buches: „2012–2016, Weltkrise und Neubeginn“. ...

Weltkrise? ... Hm ... Interessantes Thema, möchte man meinen. ... Aber nicht für Markus Lanz. Der fand Elizabeth Teissiers Vergangenheit als Fotomodell und Gerüchte über eine Affäre mit dem französischen Präsidenten viel interessanter. So viel interessanter, dass Elizabeth Teissier ganz am Ende ihrer Redezeit empört darauf hinweisen musste, dass man bisher noch gar nicht über ihr neues Buch gesprochen hat. Markus Lanz gönnte ihr noch zwei Sätze dazu – wirklich nicht mehr – und wandte sich dem nächsten Gast zu. Die Astrologin war sichtlich angefressen.

Nun gut. Im Jahre 2006, als die Irlmaier-Doku des Bayerischen Rundfunks produziert wurde, hätte man es eigentlich noch wagen können, in Sachen Irlmaier’scher Weltpolitik etwas mehr in die Details zu gehen. Inzwischen – im Juni 2014, nach dem Lehman-Brothers-Crash, der Euro- und Finanzkrise und neuen Spannungen mit Russland – wird es damit natürlich wieder etwas schwieriger: Im Zuge der Verschärfung der Krise in der Ukraine – seit Februar 2014 – gibt es da einen neuen Oberbösewicht in der Weltpolitik. Der ist Russe, heißt Wladimir Putin, und in Europa macht sich zu allem Unglück auch wieder Kriegsangst breit. Man hört, dass der Westen Russland gegenüber militärisch aktiv werden sollte – oder dass er genau das eben nicht soll. Den hässlichen Begriff „dritter Weltkrieg“ nimmt dabei natürlich keiner in den Mund. Man meidet ihn, wie der Teufel das Weihwasser. Da passt man auf. Lediglich Politiker wie der eh suspekte Linke Gregor Gysi verplappern sich mal. Sogar öffentlich. Oder man erlebt Augen öffnende Szenen spätabends in Talkshows auf gewissen Spartensendern: Im März/April sah ich eine TV-Diskussion zum Thema Ukraine. Eingeladen war u. a. die russische Journalistin Anna Rose. Irgendwann sagte sie, die Russen hätten „Angst vor einem dritten Weltkrieg“. So weit, so schlecht. Noch interessanter war dann die spontane Reaktion zweier anwesender westlicher Journalisten und Russlandkenner: Wie aus einem Munde platzte es aus diesen heraus: „Nicht nur die Russen!“ ... Und wenn ich recht erinnere, rutschte einer der beiden dabei auch noch hektisch auf seiner Sesselkante herum. Offenbar wollte dieser Journalist das schon seit längerer Zeit einmal loswerden. ...

Auch die Vermeidung des Begriffes „dritter Weltkrieg“ steht für ein weitverbreitetes Bemühen, den braven Bürger und das gemeine Volk davor zu bewahren, sich zu viel Gedanken über die Zukunft zu machen – sich nicht zu fragen „Wohin könnte all das führen?“, und sich dabei womöglich auch daran zu erinnern, dass sich einst Kaiser, „Führer“ und SED-Chef in Sachen Zukunft fürchterlich vertan haben. Schon drei Mal in 100 Jahren hat man sich in Berlin-Mitte in Sachen Zukunft ganz gewaltig geirrt aber gleichzeitig vom Volk Gutglauben und Treue eingefordert – bis gewisse Herren die Krone absetzen, den Hut nehmen oder Zyankali schlucken mussten. Von einem dieser drei Herren weiß man bis heute nicht, wo er abgeblieben ist. ... So viel zum Thema „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“.

Ruhe bewahren ist die erste Bürgerpflicht. So heißt es. Aber der Mensch ist in erster Linie Mensch, und nicht Bürger. Und wenn dieser Mensch eine innere Unruhe verspürt, muss er die Chance haben, ihr nachzugehen. Dazu hat er das Recht. Und er hat auch das Recht, darüber mit anderen zu sprechen. Und wenn es dieser Anderen zu viele werden, muss auch die Öffentlichkeit darüber sprechen. Welchen Sinn und Wert hätte eine Meinungsfreiheit, wenn die Frage nach Krieg und Frieden, Weltfrieden und Weltkrieg aus dem öffentlichen Diskurs herausgehalten wird? Gerade das deutsche Volk sollte – nein, muss wissen, dass es Zeiten gibt, in denen die Schicksalsmächte den Politikern gerne eine lange Nase zeigen und ihnen mitunter auch einen Tritt in den Hintern verpassen, so dass sie der Länge nach auf die Nase fliegen.

Die Schicksalsfrage lautet: Wie lange darf ein Staat oder eine Medienlandschaft die Kriegsangst der Menschen ignorieren? ... Es reicht nicht, wie in einem Neuaufguss einer Goebbel’schen Propaganda, darauf zu verweisen, dass unsere Regierung und unser Bündnis auf der Seite des Rechts und damit der Guten stehen, und die Massen mit dem Wohlgefühl einzunebeln, dass uns deshalb Schicksalsmächte und Kriegsgötter auch langfristig wohlgesonnen sein müssen. ...

Seit etwa Februar 2014 also hat Alois Irlmaier wieder an Aktualität gewonnen. Genaugenommen begann das aber schon im September 2013, als angesichts der Syrien-Krise in den Medien öfter vor dem Ausbruch eines dritten Weltkrieges gewarnt wurde – darunter auch von einem führenden Vertreter des Vatikans: Mario Toso, Sekretär des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden.

Sagte ich September 2013? Auch das ist nur die halbe Wahrheit: Schon am 10. Dezember 2011 hat Michail Gorbatschow in einer Rede, die er im Kaisersaal der Münchener Residenz vor rund 500 „Großkopferten“ aus Bayern und ganz Deutschland hielt, vor dem Ausbruch eines dritten Weltkrieges gewarnt – und zwar wortwörtlich und dazu gleich drei mal innerhalb weniger Sätze ausdrücklich mit dem Begriff „dritter Weltkrieg“ –, sollten sich die USA und Russland über einen lokalen Konflikt in die Haare bekommen (siehe youtube).

Nun – lokale Konflikte dieses Typs haben wir inzwischen wieder. Lokaler Konflikt Nummer eins ist derzeit Syrien, lokaler Konflikt Nummer zwei ist die Ukraine. Macht aktuell zwei lokale Konflikte, in denen sich Russland und die USA in die Haare bekommen „könnten“.

Seltsamerweise verhallte Gorbatschows ziemlich eindringliche Warnung vor einem dritten Weltkrieg in unserer meinungsführenden Medienlandschaft praktisch vollkommen ungehört. Warum? ... Verschwörungstheorie gefällig? ... Bitte nein. ... Wichtiger ist wohl die Tatsache, dass es schwierig werden dürfte, überhaupt noch einen russischen Politiker zu finden, dem zuzuhören man noch bereit ist, wenn man noch nicht einmal mehr Michail Gorbatschow zuhört. ...

Es versteht sich von selbst, dass die Irlmaier’sche Voraussage eines urplötzlichen russischen Angriffs in Zeiten eines neuen Ost-West-Konfliktes und neu aufkeimender Kriegsangst in Europa wieder das „alte Problem“ von 1950 haben werden: Aus Furcht von Unruhe und Panik wird man versuchen, Irlmaier weiterhin totzuschweigen.

Vielleicht ist es etwas zu alarmistisch, gleich von „totschweigen“ zu sprechen – immerhin gibt es ja das Internet. Aber man kann davon ausgehen, dass heutzutage diejenigen, die sich noch nie für Prophetie interessiert haben, in den etablierten Massenmedien nichts von Alois Irlmaiers konkreten Voraussagen erfahren werden. Egal was passiert.

Es gibt eine Zeit zum Reden, und es gibt eine Zeit zum Schweigen. Wer aber schweigt, wenn er reden sollte, ist entweder ein Feigling, ein Lügner oder gar ein Betrüger. Ein Mensch der Wahrheit ist er in keinem Fall.

Alois Irlmaier hat gesagt, was er sah. Das tat er oft genug. ... Ob er wirklich die Zukunft sah, das wusste er selbst nicht. Und das gab er auch offen zu. Aber er gab auch zu bedenken, dass er schon so oft mit seinen Visionen und Voraussagen richtig gelegen hatte, dass dem gesunden Menschenverstand nach anzunehmen ist, dass ...

16. Juni 2014

Stephan Berndt

Warum Alois Irlmaier?

Vorwort von 2009

Seit inzwischen 20 Jahren befasse ich mich mit Hellsehern und ihren Voraussagen zur Zukunft Europas. Im Jahre 1993 habe ich eine Computerdatenbank mit rund 5000 Einzelvoraussagen von rund 250 Sehern und Prophezeiungen aus 11 Jahrhunderten aufgebaut. Mit dieser Datenbank kann man eine große Anzahl von Prophezeiungen in kurzer Zeit ziemlich genau untersuchen und vergleichen. Bezogen auf die Zukunft Europas ist das Ergebnis vereinfacht gesagt eher ein einziges großes Szenario als viele unterschiedliche und widersprüchliche kleine Szenarien. In jedem Fall kann man von einem Hauptszenario sprechen, dessen zentrales Merkmal eine drei Tage andauernde Finsternis sein soll. Wegen der Bedeutung dieses Ereignisses wird es nachfolgend immer groß geschrieben: Dreitägige Finsternis.

Die Ergebnisse der Untersuchung waren aus meiner Sicht so klar und überzeugend, dass ich sie 1993 in einem Buch veröffentlichte. 1997 erschien ein zweites, deutlich verbessertes Buch von mir, welches Anfang 1999 zur Folge hatte, dass eine Reihe von TV-Sendern Kontakt zu mir aufnahmen, um mich als Fachmann für Prophezeiungen zu der damaligen Weltuntergangs-Erwartung zu interviewen. In den später gesendeten Beiträgen zeigte sich allerdings, dass man keinerlei Interesse daran hatte, die Zuschauer über konkrete prophezeite Ereignisse zu informieren. Es ging eher darum, mich als komischen Kauz zu präsentieren und niedere Gelüste des Publikums zu befriedigen. Zugegebenermaßen war der Zeitpunkt damals auch ungünstig, schließlich braute sich Anfang 1999 gerade der Kosovokrieg zusammen. Kurz vor Beginn dieses Krieges versuchte Russland, den Westen einzuschüchtern, indem es warnte, ein NATO-Angriff auf Serbien könne einen dritten Weltkrieg auslösen. Und es war kein geringerer als Russlands Präsident Boris Jelzin, der diese Warnung öffentlich aussprach.

Genau aber das – ein dritter Weltkrieg – bzw. ein Angriff Russlands auf das Herz Europas ist, neben der Dreitägigen Finsternis, ein weiteres Kernthema der europäischen Prophezeiungen. Dies ist eine Tatsache – auch wenn es vielen Menschen nicht gefällt. Und diese Tatsache lässt sich auch nicht wegdiskutieren, indem man es vorzieht, nicht an Prophezeiungen zu glauben!

Alois Irlmaier (1894-1959) nun ist einer derjenigen Seher, die den Krieg in Mitteleuropa und die Dreitägige Finsternis voraussahen. Alois Irlmaier hat aber auch einen Klimawandel und eine bessere Zukunft nach einer Phase von Katastrophen vorausgesehen. Seine Visionen und Voraussagen wurden von verschiedenen, voneinander unabhängigen Personen aufgeschrieben, so dass nicht nur viele seiner Voraussagen für die Nachwelt erhalten sind, sondern auch die Dokumentation recht gut ist. Hinzu kommt, dass Irlmaier Klartext sprach und die Dinge beim Namen nannte. Im Gegensatz zu anderen Sehern – beispielsweise Nostradamus – muss man bei ihm nicht herumrätseln, sondern weiß in der Regel genau, was gemeint ist!

Die eigentliche Bedeutung Irlmaiers lässt sich jedoch erst dann voll erfassen, wenn man ihn vor dem Hintergrund der Gesamtheit europäischer Seher und Prophezeiungen sieht. Meiner Einschätzung nach war Alois Irlmaier ein Seher von so hoher Qualität, wie er nur alle paar hundert Jahre auf 100 Millionen Menschen auftaucht! Irlmaier war eine Begabungs-Rarität wie Mozart oder Leonardo da Vinci. Ein Begriff wie „Jahrhundertseher“ ist zwar etwas plakativ, aber er trifft hier tatsächlich zu.

Wie nicht anders zu erwarten, handelte sich Alois Irlmaier mit seiner klaren Sprache einigen Ärger ein. Deshalb sprachen und sprechen viele bekannte Hellseher ja auch in Rätseln. Es ist ein Trick, um sich gegen unliebsame Folgen zu schützen. Irlmaier aber sagte, was er sah. Das hatte zur Folge, dass ihm die Hellseherei – obwohl er kein Geld verlangte – von den bayrischen Behörden zeitweise regelrecht verboten wurde.

Die Überreaktion der Behörden hing aber auch damit zusammen, dass Irlmaiers Prophezeiungen ausgerechnet Ende 1949 – und damit in einer sehr kritischen Phase des Kalten Krieges publik wurden. Wenige Monate zuvor, im August 1949, hatte Russland seine erste Atombombe gezündet. Das war der Startschuss für das atomare Wettrüsten zwischen USA und Russland. Die Zeitungen damals waren voll mit entsprechenden Meldungen und Berichten. Es war jedoch noch völlig unabsehbar, wohin die ganze Entwicklung führt. Davon, dass ein Gleichgewicht des Schreckens jahrzehntelang den Frieden „sichern“ würde, ahnte man noch nichts. Stattdessen fürchtete man einen Atomkrieg, sobald Russland den Vorsprung der USA bei den Atomwaffen aufgeholt hat. Es gab ein Gefühl von ablaufender Zeit. Und die USA nutzten die Angst der Deutschen vor den zukünftigen Atomwaffen Russlands, um sie fester in die NATO zu binden. Dabei muss man bedenken, dass die Deutschen nicht nur ganz allgemein Angst vor einem Krieg hatten, sondern dass sie Angst vor einem Krieg hatten, der auf deutschem Gebiet mit Atomwaffen ausgetragen wird!

Damals gab es noch keine Interkontinental-Raketen. Und solange man noch keine Raketen von einem Kontinent zum anderen schießen konnte, konzentrierte sich die Atomkriegsplanung auf nur einen einzigen Kontinent – das war Europa. Und dort war Deutschland der Hauptkampfplatz.

Irlmaier hatte also das Problem, dass seine Prophezeiungen zu dicht am damaligen Zeitgeist lagen. Das Volk war eh schon beunruhigt, und seine Prophezeiungen schürten diese Unruhe noch zusätzlich.

Zur Mitte des Jahres 2009 befinden wir uns in einer ähnlichen Situation. Allerdings hat im Moment keiner Angst vor einem großen Krieg in Mitteleuropa, sondern höchstens vor einem wirtschaftlichen Absturz. Heikel wird die Furcht vor einem wirtschaftlichen Niedergang dann, wenn das Schreckensgespenst nicht mehr Rezession heißt, sondern Depression. Denn wie wir aus dem 20. Jahrhundert wissen, kann es sein, dass sich aus einer Depression innenpolitische Umwälzungen ergeben. Es wäre damit zu rechnen, dass sich die Politik einiger Staaten ändert – auch deren Außenpolitik. Und diese Gefahr würde umso größer, je mehr Staaten von einer Depression erfasst würden. Dann ist es im Grunde nur noch eine Frage der Zeit, bis einzelne Staaten weltpolitisch aus der Reihe tanzen und das globale Machtgefüge aus der Balance kippt. Aus wirtschaftlicher Instabilität folgt innenpolitische Instabilität, und aus innenpolitischer Instabilität – also aus in sich schwachen Staaten – folgt internationale Instabilität.

Wie bereits angedeutet, steht Alois Irlmaier mit seinen Voraussagen keinesfalls alleine da, sondern deckt sich in vielen Details mit anderen Sehern. Man kann also guten Gewissens die Prophezeiungen zur Zukunft Europas auf den Blickwinkel Irlmaiers verengen. Irlmaier ist zwar kein Ersatz für die Gesamtheit anderer Seher, aber er gibt einen brauchbaren roten Faden vor. Er ist in hohem Maße repräsentativ für andere Prophezeiungen.

Darüber hinaus lassen sich bestimmte Aspekte von Prophezeiungen und übersinnlicher Zukunftsschau nur veranschaulichen, wenn man dicht an einen konkreten Seher heranrückt. Auch in diesem Fall ist Alois Irlmaier eine wahre Fundgrube.

Ob aber das, was er voraussah, irgendwann auch eintritt ...?

Das – so liest man – wusste der Seher selbst nicht mit Sicherheit.

30. April 2009

Stephan Berndt

Der Gaukler-Prozess

Bild 1: Collage auf Basis des Artikels im Südost-Kurier vom 11. Juni 1947

Der Gerichtsdiener des Amtsgerichts Laufen – einem kleinen Städtchen im Südosten Bayerns gleich hinter der österreichischen Grenze – hatte jetzt das Haus gefunden, das er suchte. Es war ein milder Tag im Mai 1947, und er stand vor dem Privathaus des Amtsrichters Dr. Lehle, der zeitgleich in Laufen einen Prozess leitete, in dem Alois Irlmaier angeklagt war. Mitten aus der Verhandlung heraus hatte der Richter den Gerichtsdiener zu seinem Haus geschickt. Aber nicht etwa, weil er dort eine wichtige Akte vergessen hatte. Nein. Der Gerichtsdiener sollte dort vielmehr etwas suchen, von dem der Richter glaubte, dass es gar nicht existierte – von dem er glaubte, dass es gar nicht existieren konnte.

Der Diener war auf eine unmögliche Mission geschickt worden. Eigentlich war es eine Falle. Alois Irlmaier stand zur selben Stunde vor dem Richter, weil ihm die Ausübung der Hellseherei gegen Bezahlung vorgeworfen wurde, was in Bayern seinerzeit durch den § 54 – den „Gaukler-Paragraphen“ – verboten war. Die Anklage lautete schlicht „Hellseherei“. Mehrere bayrische Zeitungen berichteten damals in einem gleichlautenden Artikel2 über den Prozess:

Der Amtsrichter in Laufen lächelte spöttisch, als ihm der Freilassinger Brunnenbauer Alois Irlmaier vorgeführt wurde. „Sie können also hellsehen? Sehr schön! Das Beste wäre, Sie gäben uns einen Beweis dafür!“

Der Gerichtsdiener stand also vor dem Haus des Amtsrichters und klingelte. Von außen hörte er die Schritte der Richtersfrau, die sich der Tür näherte. Sie öffnete – und er konnte kaum glauben, was er sah – ebenso wenig wie später der Richter, dem er in der noch laufenden Verhandlung darüber berichtete. Auch die Richtersfrau guckte verdutzt, als sie den Gerichtsdiener in seiner Uniform erblickte. Was sich dann für ein Dialog zwischen Gerichtsdiener und Richtersfrau ergab, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall ließ sie ihn in die Wohnung und er machte sich auf die Suche nach einem Mann. Im Wohnzimmer fand er ihn. Er saß am Tisch – und trank eine Tasse Kaffee. Und die Frau des Richters trug ihr schönes rotes Sonntagskleid.

Das war es: Der männliche Besucher, die Kaffeetassen und das rote Kleid der Frau. Danach hatte der Gerichtsdiener gesucht. Das war Irlmaiers Unschuldsbeweis.

Nach der Aussage eines Schwiegersohns Irlmaiers, antwortete Irlmaier auf die Frage des Richters nach einem Beweis für seine Hellsichtigkeit:

„Ihre Frau sitzt daheim beim Kaffee. Ein fremder Herr sitzt ihr gegenüber und trinkt auch Kaffee. Ihre Frau hat ein schönes rotes Kleid an.“

W. J. Bekh in „Alois Irlmaier“, 1990, Seite 109, Aussage Walter Freinbichler

Der fremde Herr war ein überraschend heimgekehrter Kriegsgefangener und ein Bekannter des Richters. ... Die Landshuter Zeitung berichtete im April 1950 über einen weiteren Prozesszeugen:

„Schau amal“, sagte G. H. zu ihm, „der Prozeß am Amtsgericht Laufen, wo ich als Zeuge auftrat, hat einwandfrei die Sehergabe meines Freundes Alisi erwiesen.

Das Gericht selbst konnte sich von der einmaligen großen Fähigkeit überzeugen und hat Alisi, der wegen Gaukelei [...] angeklagt war, unter Überbürdung der Kosten auf Staatskasse freigesprochen.“

[...] Mehr als vierzig Zeugen waren geladen. Hauptzeuge war mein Freund G. H. dieser erzählte mir den Verlauf des Prozesses, der zwei Tage dauerte. Viele Zeugen bewiesen einwandfrei, dass der Freilassinger Hellseher Tag, Stunde und Ort vieler Bombeneinschläge genaustens voraussah und dadurch viele Menschen vor dem sicheren Tode retten konnte.

Landshuter Zeitung, 12. April 1950, Seite 5

Hier fehlt zwar ein direkter Hinweis auf die Szene mit der Frau des Richters, aber es wird indirekt auf ein hellseherisches Experiment im Gerichtssaal hingewiesen, wenn es heißt, das Gericht selbst hätte sich überzeugen können. Damit dürften keine Zeugenaussagen gemeint sein, sondern das eigene Erleben des Gerichts – also das Experiment mit der Frau des Richters.

Glaubt man den Zeugenaussagen und damaligen Zeitungsberichten, dann hat es wahrscheinlich niemals zuvor und niemals danach in der gesamten deutschen Justizgeschichte einen Fall gegeben, bei dem es einem Hellseher gelang, vor Gericht in so eindeutiger Weise einen Beweis seiner seherischen Fähigkeit zu erbringen – zudem noch auf eine so dramatische Weise, die die Person des Richters in das Experiment einbezog. Auch ist erstaunlich, dass Irlmaier diese Aussage quasi aus dem Stand heraus machen konnte!

Irlmaier wurde freigesprochen. Der Südost-Kurier zitierte aus der Urteilsbegründung:

Die Vernehmung der Zeugen (es folgen die Namen) hat so verblüffende, mit den bisher bekannten Naturkräften kaum noch zu erklärende Zeugnisse für die Sehergabe des Angeklagten erbracht, dass dieser nicht als Gaukler bezeichnet werden kann.

Südost-Kurier, 11. Juni 1947, Seite 4

Auch die Traunsteiner Nachrichten berichteten seinerzeit über den Gaukler-Prozess und die Episode mit dem roten Kleid der Richtersfrau. Einige Tage darauf traf in der Redaktion ein Brief ein, der dem Absender nach vom Amtsrichter Dr. Lehle stammte.

Zwei Monate darauf erwähnte der Herausgeber der Traunsteiner Nachrichten – Dr. Conrad Adlmaier – diesen Brief in seinem Heftchen „Blick in die Zukunft“:

In einer Zuschrift des Richters L. wird bestritten, dass Irlmeier in dieser Verhandlung ein Experiment mit seiner Hellseherei gemacht habe dahingehend, dass er genau beschrieb, was sich in dem Augenblick der Verhandlung anderswo abspielte.3

„Blick in die Zukunft“, 1. Feb. 1950, Seite 34

Fünf Jahre später streicht Conrad Adlmaier die Geschichte mit dem Kleid aus seinem Heftchen. – War also alles nur eine Erfindung der Anhänger Irlmaiers? ... Im Mai 1950 schrieb die Süddeutsche Sonntagspost in dieselbe Kerbe zielend:

... Irlmaier wurde auf Kosten der Staatskasse damals f r e i g e s p r o c h e n. Richter Lehle lieferte zwar noch ein erbittertes Nachzugsgefecht. Er wies später die Öffentlichkeit darauf hin, dass Irlmaier während der Verhandlung bei dem Experiment klar versagt habe, zu bestimmen, was sich während der Sitzung anderswo abspielte; Irlmaier hatte zu Lehle, taktisch nicht unklug die Mentalität einer Kleinstadt erfassend, gesagt: „Deine Frau zu Hause hat ein rotes Kleid an. Im Augenblick ist ein fremder Mann bei ihr!“ Was gar nicht stimmte....

Süddeutsche Sonntagspost, 6. Mai 1950, Seite 3

Was nun? Hatte das Experiment überhaupt nicht stattgefunden, so wie „Richter L.“ schrieb? Hatte das Experiment zwar stattgefunden, aber Irlmaier versagt, oder hatte es stattgefunden und Irlmaier Recht behalten? Welche der drei Versionen stimmt?

Solche Ungereimtheiten begegnen einem im Falle Alois Irlmaier haufenweise. Allerdings – und ich kann sagen: „Gott sei Dank!“ – betrifft dies nicht Irlmaiers „große“ oder weltpolitische Prophezeiungen. Irlmaiers große Prophezeiungen wurden wie erwähnt noch zu seinen Lebzeiten von mehreren voneinander unabhängigen Personen erfasst und publiziert, so dass in allen wichtigen Punkten klar ist, was er „gesehen“ hat. Die Unklarheiten beziehen sich mehr auf das ganze Drumherum. Zum Teil sind sie Folge der Schluderigkeit von Protokollanten, zu einem ganz erheblichen Teil sind sie aber auch Folge davon, dass man Tatsachen vorsätzlich verdrehte.

Über Irlmaier entbrannte ein Glaubenskrieg, der mit harten Bandagen ausgefochten wurde. Es ging um die Glaubwürdigkeit seiner Person. Mit ihr stand und fiel seine weltpolitische Prophetie.

Im Sommer 2008 war ich in Freilassing (ca. zehn Kilometer südlich von Laufen), um Fotos von den Häusern zu machen, in denen Irlmaier einst wohnte. Als ich mich in der Reichenhaller Straße befand und mich Irlmaiers ehemaliger Adresse (Hausnummer 41) näherte, fragte mich ein etwa 35-jähriger Mann, ob ich etwas Bestimmtes suche.

Ich verwies auf Irlmaiers Haus, und es dauerte keine zehn Sekunden, da sprudelten aus ihm die Worte „Prozess“, „Laufen“ und „rotes Kleid“. ...

Gut – der Mann selbst kannte Irlmaier natürlich nicht mehr. Auch kannte er keinen, der ihn noch persönlich kannte. Aber die Szene zeigte mir, wie präsent Alois Irlmaier bei vielen Bürgern Freilassings immer noch ist. Im Hinblick auf das Experiment im Gerichtssaal waren die Äußerungen des Mannes natürlich wertlos. Der Mann hätte auch ein Opfer der Pro-Irlmaier-Propaganda sein können.

Als ich im Laufe der Recherche in einem Zeitungsartikel über den Gaukler-Prozess auf den Namen des Amtsrichters Dr. Lehle stieß, sah ich nach, ob es in Laufen noch Personen mit diesem Familiennamen gab. Tatsächlich gab es dort noch eine Frau Dr. Lehle. Ich rief die Dame an und sie erzählte mir, dass sie zwar mit Dr. Lehle verheiratet war – dieser war kurz zuvor verstorben –, jedoch war sie nicht dessen Ehefrau von 1947. Weiter erzählte sie mir, dass ihr verstorbener Mann von Alois Irlmaier ziemlich beeindruckt war, und dass sie selbst einmal im Rahmen ihres Berufes als Nervenärztin Beobachter in einem Prozess mit Irlmaier war. Ob Irlmaier dabei Zeuge oder Angeklagter war, konnte oder wollte sie nicht sagen.

Als ich die Dame nach dem Vorfall mit dem roten Kleid fragte, zeigte sie sich ziemlich zugeknöpft, bestritt allerdings nicht, dass es zu dem Vorfall gekommen war. Sie war sogar bereit, sich kurz mit mir darüber zu unterhalten, ob der Gerichtsdiener die kurze Strecke vom Gericht zur Wohnung des Richters eher mit dem Fahrrad oder Auto zurückgelegt haben mag. Dann aber wollte sie das Gespräch beenden ...

Um als Autor dieses Buches nicht zu sehr von den Informationen mehr oder weniger alter Schriftstücke abzuhängen, habe ich im Jahre 2008 versucht, rund 50 Jahre nach Irlmaiers Tod Personen ausfindig zu machen, die Irlmaier noch persönlich kannten – oder aber Personen, die diesen nahestanden.

So besuchte ich im Herbst 2008 südlich von München eine ältere Dame, die sich auf eine Anzeige gemeldet hatte, mit der ich noch lebende Zeitzeugen Irlmaiers suchte. Ihr Mann, ein gewisser Ferdinand Felber, der auch in anderen Quellen namentlich erwähnt wird, hatte zu einer Zeit Kontakt zu Irlmaier, als man den Seher nur noch um Rat fragen konnte, wenn man jemanden kannte, der ihn kannte. Ferdinand Felber vermittelte solche Kontakte und wusste einiges zu berichten. Auch – und das wird nachfolgend noch wichtig sein – bestätigte er, dass der Verleger Dr. Conrad Adlmaier Irlmaiers Voraussagen weitestgehend korrekt wiedergab.

Als ich in dem Gespräch mit der Dame ganz zwangsläufig auf den Prozess in Laufen zu sprechen kam, erzählte sie mir, dass Dr. Lehle damals ganz am Anfang seiner Karriere stand und der Prozess mit Irlmaier der erste Prozess war, den er als Richter leitete. Meine Überprüfung ergab, dass Dr. Lehle tatsächlich erst 1944 sein zweites Staatsexamen abgelegt hatte. Weiter sagte sie mir, dass der Richter nicht nur einen Gerichtsdiener zu seiner Frau geschickt haben soll, sondern deren gleich zwei. Irlmaier soll dem Richter nämlich gesagt haben:

„Schick nur deine zwei Diener, weil bei einem glaubst’ es mir net.“

Was will man von alledem halten? Glaubten die Anhänger Irlmaiers gegenstandslose Gerüchte? Erfanden sie einfach irgendwelche Geschichten? Oder hatten die Gegner Irlmaiers ein Interesse dran, dass die Öffentlichkeit an dem Mann und seinen Fähigkeiten zweifelt?

Wie wir später sehen werden, gibt es Dokumente, die belegen, dass Irlmaiers Gegner diesen zum Schweigen bringen wollten – was zeitweise auch gelang. Der Seher Alois Irlmaier lebte also in einem politischen Spannungsfeld und wurde zum Spielball übergeordneter Interessen. Auch davon handelt dieses Buch. Es gab massive Versuche, Irlmaiers Glaubwürdigkeit zu erschüttern. Und es liegt auf der Hand, dass das (vermeintliche) Experiment im Gaukler-Prozess dabei eine zentrale Rolle spielen musste.

So oder so – der Gaukler-Prozess fand statt, Alois Irlmaier wurde freigesprochen, und der Prozess insgesamt trug maßgeblich bei zur Entstehung des „Mythos Irlmaier“. Wenn in späteren Jahren Zeitungen ausführlicher über den Seher berichteten, wurde der Prozess praktisch jedes Mal erwähnt. Und nicht wenige Zeitungen begannen ihren Bericht über Irlmaier mit dem Freispruch im Gauklerprozess. Zur Veranschaulichung die nachfolgende Tabelle.

Presseberichte über Alois Irlmaier und den Gaukler-Prozess

Presseorgan

Datum

Artikel beginnt mit Hinweis auf den Gaukler-Prozess

Experiment im Gericht wird erwähnt

Südost-Kurier4

1947. 06. 11

JA

Der Spiegel 39/1948

1948. 09. 25

JA

JA

Oberbayerisches Volksblatt

1949. 10. 13

JA

JA

Münchner Merkur

1949. 10. 18

JA

JA

Bayerische Landeszeitung

1949. 10. 22

JA

JA

Passauer Neue Presse

1949. 11. 05

JA

JA

Altbayerische Heimatpost

1949. 11. 06

JA

JA

Traunsteiner Nachrichten

1949. 12. 03

JA

Die kleine Illustrierte

1950. 02

Landshuter Zeitung

1950. 04. 12

(indirekt)

Süddeutsche Sonntagspost

1950. 05. 06

JA

JA – aber Irlmaier „versagt“

Irlmaiers Freispruch im Gaukler-Prozess – das war allen Journalisten klar – war DER Aufhänger für ihre Story. Selbst der SPIEGEL aus Hamburg, der sonst an alles die Axt legt, was nur entfernt nach Übersinnlichkeit klingt, übernahm die Story:

Der Irlmaier gab an Ort und Stelle dem Richter einen Beweis: „Ihre Frau ist jetzt grad daheim! Ein rotes Kleid hats an und a Herr ist bei ihr! Lassens nachschauen, obs stimmt!“ Es stimmte.

DER SPIEGEL 39/1948, 25. September 1948, Seite 27

Wie nun? Schlampig recherchiert? Hätten die Hanseaten nicht verbissen nach jemandem suchen müssen, der das Gegenteil behauptet? Hätten sie nicht einfach den Richter befragen sollen? Oder hatten sie in der Menge der Irlmaier-Gläubigen die Lust und Orientierung verloren?

Egal. Fest steht, dass jemand, der Irlmaiers Glaubwürdigkeit erschüttern wollte, an das Experiment im Gericht ran musste. Diese Geschichte musste widerlegt werden. Damit ist zwar noch nicht bewiesen, dass die Sache mit dem gelungenen Experiment wahr ist, aber es wird deutlich, dass es gewichtige Gründe gegeben hätte, die Geschichte als falsch hinzustellen.

Sie – lieber Leser – verweisen jetzt auf obigen Brief von Richter L., der in der Redaktion der Traunsteiner Nachrichten eintrudelte? Nun – wie wir später sehen werden, erstreckte sich um Irlmaier herum ein solcher Morast, dass man leider in Betracht ziehen muss, dass dieser Brief gar nicht von Richter Lehle kam!

Sie ahnen es bereits: Später in diesem Buch werden wir uns den Prozess noch einmal genauer ansehen. Soweit haben wir nur die Spitze des Eisberges gesehen.

Noch ein Prozess

Der 1947er Gaukler-Prozess war bemerkenswerterweise nicht der einzige Fall, in dem Irlmaiers seherische Fähigkeiten vor Gericht zum Gegenstand wurden. Zweieinhalb Jahre später, Ende Januar 1950, war Alois Irlmaier in einem Giftmordprozess in Traunstein ein Hauptzeuge der Anklage. Mehrere Zeugen sagten aus, Irlmaier habe eine ganze Reihe von Details mit erheblicher Bedeutung für den Mordprozess korrekt vorausgesagt. Irlmaiers Voraussagen bezogen sich unter anderem auf das zentrale Beweismittel: die vergifteten inneren Organe des Mordopfers. Er war also nicht irgendeine Randfigur, sondern stand im Zentrum des Prozesses. Mehr dazu später.

Diese beiden Gerichtsprozesse sind deshalb so wichtig, weil zu Lebzeiten Irlmaiers nie eine wissenschaftliche Untersuchung seiner Fähigkeiten durchgeführt wurde. Den beiden Prozessen verdanken wir meines Wissens die einzigen amtlichen Dokumente für die Fähigkeiten des Sehers.

Natürlich besteht trotz allem – auch bei einem erwiesenermaßen sehr guten Seher – das Problem, dass man nie im Voraus wissen kann, ob sich auch dessen noch ausstehenden Prophezeiungen erfüllen werden. Diese prinzipielle Unsicherheit sollte aber im Falle eines so guten Sehers wie Alois Irlmaier kein Grund dafür sein, dass man seine Prophezeiungen komplett ignoriert, so wie es viele Menschen in diesen ratlosen Zeiten bevorzugen.

Zum Aufbau dieses Buches

Das vorliegende Buch umfasst im Wesentlichen zwei Kernthemen.

Zum einen geht es um die konkreten weltpolitischen Voraussagen Irlmaiers bzw. darum, wie diese dokumentiert wurden. Diese Dinge sind im Großen und Ganzen seit langem bekannt, auch wenn sich hier und dort noch einzelne, aufschlussreiche Details herausarbeiten lassen.

Zum anderen geht es um die Kommunikation über diese Voraussagen, also darum, ob und wie Irlmaiers Voraussagen an die Öffentlichkeit gelangt sind und was dabei geschah. Wurden sie korrekt wiedergegeben? Wurden Dinge hinzugedichtet oder verheimlicht?

Betrachtet man Alois Irlmaier lediglich als ein verblüffendes bayrisches Unikum der Nachkriegszeit, dann ist der Aspekt der Kommunikation natürlich belanglos. Bezieht man hingegen eine Position im Sinne Irlmaiers – hält es also für möglich oder sogar für wahrscheinlich, dass sich seine ausstehenden Voraussagen noch erfüllen werden, dann fragt sich sehr wohl, ob und wie die Übermittlung seiner Voraussagen funktioniert hat?

Wie es das Schicksal so wollte, erreichte Irlmaier den Gipfel seiner Popularität von Herbst 1949 bis Frühling 1950 – also in jenen Monaten, als man in Deutschland begriff, dass ein atomares Wettrüsten beginnt. Angst machte sich breit. Wenig später begannen die USA mit dem Bau der Wasserstoffbombe, die erst durch eine Atombombe gezündet wird und in ihrer Sprengkraft theoretisch unbegrenzt ist. Irlmaiers Prophezeiungen wurden somit bekannt, als der Kalte Krieg in eine äußerst kritische Phase eintrat. Das Ausmaß der damaligen Verunsicherung fand u. a. seinen Ausdruck darin, dass in den Zeitungen öffentlich darüber spekuliert wurde, ob bald eine „X-Bombe“ entwickelt würde, die 1.000 Mal so stark sei, wie die Wasserstoffbombe – somit grob gerechnet 1.000.000 (!) Mal so stark wie die Atombombe von Hiroshima!

Es ist interessant, zu beobachten, wie eine beunruhigte und verängstigte Gesellschaft auf Prophezeiungen mit erheblichem suggestivem Potenzial reagiert. Über 50 Jahre sind inzwischen seit Irlmaiers Tod im Jahre 1959 vergangen, und auch wir befinden uns an einem Punkt, von dem aus wir immer wieder sorgenvoll in die Zukunft blicken. Sei es die Finanzkrise, die Euro-Krise oder die Krise um Russland, die seit 2014 wieder die Angst vor einem Krieg in Europa heraufbeschworen hat. Oder um das Kind beim Namen zu nennen: die Angst vor einem dritten Weltkrieg.

Alois Irlmaier – der Seher

Alois Irlmaier wurde am 8. Juni 1894 in Oberscharam bei Siegsdorf südlich des Chiemsees in Bayern als Sohn eines Bauern geboren. Nur acht Jahre zuvor im Jahre 1886 präsentierte Karl Benz in Mannheim das erste Automobil der Weltgeschichte. Es sah aus wie ein zu groß gewachsenes Dreirad. Karl Benz erntete viel Spott. Man veralberte sein Gefährt als „Wagen ohne Pferd“. Nur 13 Jahre vor Irlmaiers Geburt verlor das Königreich Bayern seine Unabhängigkeit und wurde Teil des Deutschen Reiches. Ein Jahr davor verkündete die katholische Kirche das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes. ... Mit diesen historischen Eckwerten sei der Zeitgeist, in den Alois Irlmaier hineingeboren wurde, dürftig umrissen.

Im Jahre 1920 heiratete Irlmaier seine Frau Maria und übernahm den väterlichen Hof. Sechs Jahre später brannte dieser bis auf die Grundmauern nieder. Und mit diesem Unglück begann für Irlmaier und seine Familie – er wurde über die Jahre Vater von vier Kindern – eine lang andauernde Phase wirtschaftlicher Not – bis zum Zweiten Weltkrieg. Auch infolge dieser Not zog die Familie Irlmaier Ende 1928 in das rund 30 Kilometer östlich von Siegsdorf an der österreichischen Grenze liegende Freilassing. Dort wurde Irlmaier als Hellseher berühmt, und dort starb er am 26. Juli 1959. ...

Diese karge und lückenhafte Beschreibung seines Lebenswegs soll für den Moment genügen (siehe "Tabellarischer Lebenslauf von Alois Irlmaier"). Auf den nachfolgenden Seiten werde ich auf diejenigen Aspekte seines Lebens genauer eingehen, die bedeutend sind für seine Rolle als Seher.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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