Alpengold 375 - Bärbel Tanner - E-Book

Alpengold 375 E-Book

Bärbel Tanner

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Beschreibung

Als Georg die beiden jungen Menschen sah, die eng umschlungen auf dem Balkon standen, ballte er die Hände zu Fäusten. Am liebsten wäre er jetzt dazwischengefahren, hätte die beiden auseinandergerissen und diesen Lackaffen aus der Stadt ordentlich verprügelt. Doch was hätte es ihm genützt? Vor ein paar Tagen war Georg noch der glücklichste Mensch der Welt gewesen. Denn da hatte er es endlich gewagt, Monika seine Liebe zu gestehen. Ihre glückstrahlenden Augen, ihre weichen Lippen und ihre leidenschaftlichen Küsse hatten ihm verraten, dass sie seine Zuneigung erwiderte.
Doch all das schien nichts mehr zu bedeuten, seitdem Axel Holzhuber aus München im Hotel »Tyrol« logierte, das Monika gemeinsam mit ihrem Bruder führte. Plötzlich hatte sie keine Zeit mehr für Georg, dafür aber umso mehr für diesen reichen Schnösel ...


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Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Doch ihr Herz blieb in Tirol

Vorschau

Impressum

Doch ihr Herz blieb in Tirol

Monika kann die geliebte Heimat nicht vergessen

Von Bärbel Tanner

Als Georg die beiden jungen Menschen sah, die eng umschlungen auf dem Balkon standen, ballte er die Hände zu Fäusten. Am liebsten wäre er jetzt dazwischengefahren, hätte die beiden auseinandergerissen und diesen Lackaffen aus der Stadt ordentlich verprügelt. Doch was hätte es ihm genützt? Vor ein paar Tagen war Georg noch der glücklichste Mensch der Welt gewesen. Denn da hatte er es endlich gewagt, Monika seine Liebe zu gestehen. Ihre glückstrahlenden Augen, ihre weichen Lippen und ihre leidenschaftlichen Küsse hatten ihm verraten, dass sie seine Zuneigung erwiderte.

Doch all das schien nichts mehr zu bedeuten, seitdem Axel Holzhuber aus München im Hotel »Tyrol« logierte, das Monika gemeinsam mit ihrem Bruder führte. Plötzlich hatte sie keine Zeit mehr für Georg, dafür aber umso mehr für diesen reichen Schnösel ...

Während der ganzen Weihnachtsfeiertage hatte es geschneit, und auf den Dächern von Seefeld lag der Schnee schon über einen halben Meter hoch.

Am Morgen des Dreikönigstages wagte sich endlich die Sonne ein wenig hervor, und in den schmalen Straßen und Gässchen tummelte sich Jung und Alt in bunten Anoraks und verwegenen Zipfelmützen. Endlich sah man die Berge in ihrer ganzen Pracht, und alles drängte hinaus aus dem Dorf.

Hotels und Pensionen waren bis auf das letzte Bett belegt, und auch von den zahlreichen Privatzimmern war kaum noch eines frei. Die Einheimischen freuten sich über die gute Saison und gaben offen zu, dass es die beste seit Jahren war.

Ein Glück für Magnus Rottberger und seine Schwester. Sie hatten alles auf eine Karte gesetzt und die alte Fremdenpension »Tyrol«, die sie von ihren Eltern geerbt hatten, abreißen und ein neues, prächtiges Haus, ebenfalls im Tiroler Stil, erbauen lassen.

Magnus hatte seine ganze Überredungskunst gebraucht, um Monika dazu zu überreden. Alles hing davon ab, dass das Haus zu Beginn der Wintersaison fertig und bezugsbereit war. Aber was Monika nie für möglich gehalten hatte, gelang. Am ersten Dezember konnten die ersten Gäste einziehen, und zwei Wochen später waren alle Zimmer belegt.

Heute ging Magnus gleich nach dem Frühstück in sein Büro, um die liegengebliebene Post zu erledigen. Aber es ging ihm nicht so von der Hand wie sonst. Immer wieder ertappte er sich dabei, wie er Pläne schmiedete und überlegte, was man noch verbessern könnte im Betrieb und was er tun könnte, um Monika ein wenig zu entlasten.

Sie arbeitete von früh bis spät und gönnte sich keine Ruhe, solange sie sich nicht mehr Personal leisten konnten. Mit dem Haus waren die Aufgaben gewachsen, auch für ihn. Diesen Winter würden sie sich noch mit dem einen Zimmermädchen und der alten Köchin, die schon für die Eltern gearbeitet hatte, behelfen müssen. Aber dann musste man was unternehmen, um eine jüngere Kraft zu finden, die der alten Frau half.

Natürlich würde Monika es sich nie nehmen lassen, ihre ganz besonderen Spezialitäten selbst zu kochen, aber damit sollte es auch sein Bewenden haben. Es war wichtig fürs Geschäft, dass sie sich um die Gäste kümmerte, so wie die Mutter es früher getan hatte.

Magnus Rottberger wurde aus seinen Gedanken durch ein resolutes Klopfen aufgescheucht.

»Bitte!«, sagte er ein wenig verstimmt und erhob sich.

Eine etwa vierzigjährige Blondine im Skianzug betrat aufgeregt das Zimmer. Magnus bat die Dame, Platz zu nehmen.

»Danke, ich muss gleich wieder weg! Meine Kinder warten auf dem Übungshang. Ich will lediglich meine Beschwerde anbringen und Sie bitten, dafür zu sorgen, dass sofort Abhilfe geschafft wird.«

Erstaunt sah Magnus in das von Zorn gerötete Gesicht von Frau Schneider, die – obwohl sie immer irgendetwas auszusetzen hatte – seit vielen Jahren Stammgast des Hauses war. Manchmal kam sie mit ihrem Mann, diesmal waren die zwei Buben mitgekommen; Herr Schneider hatte sich nicht freimachen können.

»Worum handelt es sich, gnädige Frau?«

»Es handelt sich um den Skilehrer. Meine Buben sind dem Georg zugeteilt, aber heute ist der Loisl gekommen. Einfach so! Ich wünsche, dass man sich an die Abmachung hält. Meine Söhne werden entweder vom Georg unterrichtet oder gar nicht!«

»Aber verehrte gnädige Frau, es handelt sich heute doch nur um eine Ausnahme. Der Georg hat mich gebeten, für heute einen Ersatz zu besorgen, weil es bei ihm daheim eine Familienfeier gibt. Der Loisl ist doch ein ...«

Weiter kam er nicht. Erbost fiel ihm Frau Schneider ins Wort.

»Der gröbste Lackl ist er, der mir je begegnet ist. Wenn sich meine Buben nur ein paar von seinen Kraftausdrücken merken, kann ich sie zu Hause nicht mehr unter die Leute lassen.«

Magnus musste wider Willen schmunzeln. Der Loisl war zwar ein ausgezeichneter Skifahrer, aber mit seinen pädagogischen Talenten war es nicht weit her. Für seinen Sprachschatz in ganz speziellen Ausdrücken für ungeschickte Skihasen war er weit und breit bekannt.

»Es tut mir wirklich leid, liebe Frau Schneider, wenn der Loisl es an nötigem Respekt fehlen ließ. Ich werde mir den Burschen vornehmen. Andererseits muss ich Ihnen sagen, dass kein Skilehrer es besonders gern sieht, wenn die Eltern während des Unterrichts zuschauen.«

»Falls das wirklich so ist, dann kann man das auch höflich sagen. Ich werde es auf keinen Fall dulden, dass Georg sich durch diesen ... diesen ungehobelten Kerl vertreten lässt. Jedenfalls nicht, wenn es sich um die Privatstunden meiner Söhne handelt. Lieber fahre ich nächstes Jahr woanders hin, als dass ich diesem Wilden noch einmal begegnen muss.«

»Liebe gnädige Frau, das kann doch nicht Ihr Ernst sein!« Magnus war überzeugt, dass es kein Spaß war. Er wusste nur zu gut, dass man auch langjährige Stammgäste durch Kleinigkeiten so verstimmen konnte, dass sie nie wiederkamen. »Ich verspreche Ihnen, dass es nie wieder vorkommen wird und dass der Georg die Stunde nachholt.«

Frau Schneider schien um eine Spur freundlicher, obwohl man ihr ansehen konnte, dass sie noch lange nicht bereit war, die Sache zu vergessen.

Magnus kam gerade noch zurecht, um ihr die Tür zu öffnen, durch welche sie mit einem kaum merkbaren Nicken des Kopfes verschwand.

Dieser verflixte Loisl, dachte er verärgert. Er kann seinen Mund einfach nicht halten, auch wenn er sich damit immer wieder selber schadet.

Magnus ging in die Küche und bat Monika, einen Moment auf den Gang zu kommen, um ihr die unangenehme Geschichte erzählen zu können.

»Das kann nur der Georg wiedergutmachen«, meinte sie. »Ich werde schon mit ihm reden.«

Magnus wollte etwas dagegen sagen, aber sie lief ihm schon wieder davon in die Küche.

Er mochte Georg recht gern. Was ihm an dem tüchtigen Skilehrer und Bergführer nicht gefiel war, dass Monika ihn gern sah, und wie Magnus fürchtete, noch mehr als das. Für seine Schwester war der Beste gerade gut genug. Man musste zwar zugeben, dass Georg, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte, tüchtig war und gut verdiente. Aber was war das schon im Vergleich dazu, was Magnus sich für seine schöne Schwester wünschte.

Nachdenklich ging er wieder in sein Arbeitszimmer. Zwei Stunden hatte er noch Zeit bis zum Mittagessen. Er wollte jetzt nicht arbeiten, es war ja ein Feiertag, und so beschloss er, zum Friedhof zu gehen und neue Kerzen für den kleinen Christbaum, der auf dem Grab seiner Eltern stand, mitzunehmen.

Auf dem Rückweg könnte er am Übungshang, wo der Loisl gerade sein Unwesen trieb, vorbeigehen. Er musste ihm anscheinend wieder einmal gehörig den Kopf waschen, damit er sich wieder ein bis zwei Wochen zusammenriss und wenigstens so tat, als wäre er ein freundlicher Mensch.

***

Monika hatte beschlossen, am Nachmittag bei den Lechners vorbeizuschauen. Die Beschwerde von Frau Schneider war ein willkommener Anlass, mit Georg zusammenzukommen, der sich in der letzten Zeit so sonderbar benahm.

Monika konnte es sich nicht erklären, dass Georg, mit dem sie seit Langem befreundet war, sich auf einmal so zurückzog. Sie wusste, dass er sie liebte, wenn er es auch noch nie ausgesprochen hatte.

Auch sie mochte ihn sehr gern, und manchmal dachte sie sogar darüber nach, ob sie ihn am Ende gar so gern hatte, dass sie seine Frau werden wollte. Besonders in der letzten Zeit spürte sie, dass es ihr wehtun würde, wenn er aufhören würde, sie auf seine Art zu umwerben.

Was war schuld daran, dass er plötzlich anders war?

Früher hatte er jede Gelegenheit benutzt, ein paar Worte mit ihr zu reden. Hatte sie immer zum Tanzen eingeladen, auch wenn sie ihm oft einen Korb gab, bis sie sich wieder einmal dazu überreden ließ.

Wie eine Prinzessin hatte er sie behandelt, wenn sie mit ihm ausging. Das alles war für Monika selbstverständlich gewesen. Schließlich war er aus einer ganz armen Familie, während sie schon als Kind zu den Bessergestellten im Dorf gezählt hatte. Georgs Vater war früher Holzknecht gewesen und hatte sein Leben lang jeden Cent dreimal umdrehen müssen, ehe er ihn ausgab.

Seit zwei Jahren war er Hausdiener im »Hotel Edelweiß«, und nun musste seine Frau endlich nicht mehr für kargen Stundenlohn putzen gehen, weil er mehr Geld heimbrachte.

Es war gegen vier Uhr, als Monika bei dem kleinen Häuschen der Lechners ankam. Die Haustür war nicht verschlossen, und so ging sie hinein. In dem winzigen kalten Vorhaus war es stockdunkel, nur durch die Türritze drang ein wenig Licht herein. Die ganze Familie war in der Stube versammelt, als Monika eintrat.

»Ja, Monika!« Die kleine Frau Lechner kam ihr erfreut entgegen. »Dass Sie uns wieder einmal die Ehre geben!«

»Ich bin ein bisserl spazieren gegangen, und da hab ich mir gedacht, dass ich auf einen Sprung hereinkommen könnte.«

»Setzen Sie sich zu uns und trinken Sie ein Haferl Kaffee mit. Macht Platz, ihr zwei!« Damit meinte sie ihren Mann und Georg, die sofort ein wenig zur Seite rückten, um Monika auf der Bank Platz zu machen.

»Eigentlich wollte ich dem Georg was erzählen«, sagte sie, während sie ihren Kaffee trank, und berichtete ihm von Frau Schneiders Beschwerde.

»Da siehst du, wie beliebt du bist«, meinte Vater Lechner stolz zu seinem Sohn.

Georg lachte. Er freute sich, dass Monika gekommen war.

»Bis morgen wird sie schon noch warten müssen, die Frau Schneider. Ihren Buben hat's sicher net geschadet, wenn der Loisl sie ein bisschen grob angefasst hat.«

»Bestimmt nicht. Sind ohnehin zwei arge Lausbuben, der Jonas und der Leon, aber ich mag sie«, antwortete Monika.

Nach einer halben Stunde sah sie auf die Uhr und sagte, dass sie nun leider wieder in die Pension zurück müsse.

Wie sie insgeheim gehofft hatte, erbot Georg sich, sie nach Hause zu begleiten, und bald darauf stapfte sie mit ihm durch den tiefen Schnee dem Dorf zu.

»Ich hab schon befürchtet, du bist bös' auf mich!« Schelmisch sah sie zu ihm auf.

»Warum, um Himmels willen, soll ich denn böse sein, Madl?« Georg war erschrocken stehen geblieben. »Wie kommst du denn jetzt darauf?«

Monika sah ihm tief in die Augen. »Weil du irgendwie anders bist seit ein paar Wochen und weil ich dich kaum noch zu Gesicht kriege.«

»Hast es denn überhaupt bemerkt?« Man sah es dem Burschen an, dass er sich darüber freute. »Ich hab gedacht, es wird dir gar net auffallen. Weil du aber nicht glauben sollst, dass ich dich nimmer gern habe, muss ich dir wohl die Wahrheit sagen.« Er ergriff ihre beiden Hände. »Du weißt, Monerl, dass ich dich von Herzen liebhab. Immer schon. Es hat sogar eine Zeit gegeben, wo ich mir eingebildet habe, aus uns könnte einmal ein Paar werden. Seit ihr aber umgebaut habt, ist mir erst richtig bewusst geworden, wie vermessen solche Gedanken gewesen sind. Und deshalb hab ich mich zurückgezogen. Ich möchte mir das Herz net noch schwerer machen, als es ist«, sagte er treuherzig.

Monika konnte nicht anders. Sie stellte sich auf die Zehen und gab ihm einen Kuss mitten auf den Mund.

»Wer sagt dir denn, dass ich dich nicht auch gern habe, du dummer Kerl?«

Behutsam schlang er seinen rechten Arm um sie, und mit der linken hob er ihr Kinn hoch und sah ihr in die Augen.

»Monerl!«, sagte er flehend. »Mach mir keine Hoffnungen, wenn du nicht sicher bist, ob du mich auch lieb hast.«

»Aber ich bin doch sicher, Liebster!« Ganz nahe waren Monikas Lippen den seinen. Nie hatte sie sich so gewünscht, dass er sie küssen würde wie in diesem Augenblick. Und Georg konnte dieser Versuchung einfach nicht widerstehen und presste seine heißen Lippen auf ihren Mund.

»Es ist wahr! Ich liebe ihn!«, jubelte es in Monika, und sie erwiderte seine Küsse ebenso leidenschaftlich.

Es war ihr gleichgültig, ob sie jemand sehen konnte. Sie fühlte zum ersten Mal in ihrem Leben, was es bedeutete, zu lieben und geliebt zu werden. Erst das Lachen und Kichern von Jonas und Leon brachte sie in die Wirklichkeit zurück.

»Guten Abend!«, grüßten sie übertrieben laut und artig, als sie vorbeirannten.

»Das waren doch die Schneider-Buben?«, fragte Georg, wie aus einem Traum erwachend. »Was hat denn der Leon unterm Arm gehabt?«

»Keine Ahnung«, antwortete Monika lächelnd und strich sich die Locke aus dem Gesicht, die unter der Mütze herausgeschlüpft war. »Ich wundere mich, dass ihre Mutter sie so spät noch allein herumlaufen lässt.«

»Vielleicht gehen sie eislaufen! Natürlich, die Schlittschuhe wird der Leon unter dem Arm gehabt haben. Ich habe mir einen Moment eingebildet, es wäre ein Jutesack gewesen, in dem irgendetwas versteckt ist.«

»Lass die zwei Schlingel, Liebster! Ich muss jetzt wirklich nach Hause.«

***

Als Leon und Jonas beim See ankamen, war es schon beinahe dunkel. Die Kinder, die sich am Nachmittag mit ihren Schlittschuhen auf dem Eis getummelt hatten, waren schon alle daheim oder auf dem Weg dahin. Die Beleuchtung war nur spärlich. Nur am obersten Ende brannte ein Scheinwerfer, damit die paar Männer beim Eisstockschießen Licht hatten.