Alpengold 390 - Bärbel Tanner - E-Book

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Bärbel Tanner

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Beschreibung

Voller Sehnsucht hat die bildhübsche Carla sich immer wieder ausgemalt, wie ihr Wiedersehen mit dem attraktiven Assistenzarzt Dr. Stefan Brandner aussehen würde. Ach, wenn er doch nur endlich aus der Großstadt in das abgelegene Dorf St. Peter zurückkehren würde. Ob seine Sehnsucht nach ihr auch so groß ist?
Als Dr. Stefan Brandner dann wirklich in die alte Heimat zurückkehrt, um seinen Vater in der Landarztpraxis zu entlasten, platzen Carlas Zukunftsträume wie eine Seifenblase. Denn als er einen Hausbesuch bei ihrer Mutter macht, beachtet er Carla kaum und verabschiedet sich dann eilig, denn draußen wartet eine atemberaubend schöne Frau auf ihn ...


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Seitenzahl: 105

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Wie der Prinz in ihren Träumen

Vorschau

Impressum

Wie der Prinz in ihren Träumen

Sie liebte ihn seit Kindertagen, doch er sah nur die andere

Von Bärbel Tanner

Voller Sehnsucht hat die bildhübsche Carla sich immer wieder ausgemalt, wie ihr Wiedersehen mit dem attraktiven Assistenzarzt Dr. Stefan Brandner aussehen würde. Ach, wenn er doch nur endlich aus der Großstadt in das abgelegene Dorf St. Peter zurückkehren würde. Ob seine Sehnsucht nach ihr auch so groß ist?

Als Dr. Stefan Brandner dann wirklich in die alte Heimat zurückkehrt, um seinen Vater in der Landarztpraxis zu entlasten, platzen Carlas Zukunftsträume wie eine Seifenblase. Denn als er einen Hausbesuch bei ihrer Mutter macht, beachtet er Carla kaum und verabschiedet sich dann sehr eilig. Draußen wartet schließlich eine atemberaubend schöne Frau auf ihn ...

St. Peter am Forst, in dem sich die Ereignisse zugetragen haben, von denen hier berichtet werden soll, ist ein Bauerndorf, wie es viele im Alpenvorland gibt. Es liegt in einer kleinen natürlichen Mulde, umgeben von bewaldeten Hügeln, die die scharfen Nordwinde vom Dorfkern abhalten.

Da es in dieser Gegend mehrere Dörfer mit dem Namen St. Peter gibt, hat unser Dorf den Beinamen »am Forst« erhalten, und das weist darauf hin, dass es am Rande eines großen Waldes liegt. Dieser Forst ist noch ziemlich unberührt und naturbelassen. Sein Wildreichtum zieht alljährlich zur Jagdsaison viele Jäger an. Sonst ist St. Peter am Forst vom Tourismus noch verschont geblieben, was die Dörfler begrüßen, nur der Wirt und einige Gemeinderäte wollen auch hier den Fremdenverkehr ankurbeln.

Das ist ihnen bisher noch nicht gelungen, denn außer Ruhe und Weltabgeschiedenheit kann St. Peter nicht viel von dem bieten, was zahlreiche Erholungssuchende an ihrem Urlaubsort voraussetzen.

Es war heuer ein kalter Winter gewesen, der St. Peter unter schweren Schneemassen begraben hatte. Wochenlang hatte es geschneit, und wer nicht unbedingt draußen zu tun hatte, war im Schutz des Hauses geblieben.

Im Dorfkern hatte man die Wege und die einzige Straße, die nach St. Peter führte, freigehalten, aber die Wege, die zu den weiter auswärts gelegenen Höfen führten, waren schon seit Wochen völlig zugeschneit. Musste jemand von diesen Höfen ins Dorf, um irgendeine Besorgung zu machen, musste er durch knietiefen Schnee waten.

Um die schmucke Dorfkirche scharten sich die paar Häuser, die den Dorfkern bildeten. Der Pfarrhof, die Schule, daneben das Lehrerhaus, auf der anderen Seite des Kirchenplatzes das Wirtshaus.

Zwischen Wirtshaus und Schule lag noch ein hübsches Einfamilienhaus. Der untere Teil des Hauses war aus Natursteinen gemauert, während der Oberstock aus Holzstämmen zusammengefügt war. Grüne Fensterläden vervollständigten das anheimelnde Bild, das dieses Gebäude bot.

In diesem Haus wohnte der Gemeindearzt von St. Peter. Dr. Aloysius Brandner war eine ganz bekannte Persönlichkeit. Er war ein Mann gegen die Sechzig, drahtig und schlank. Er hatte eisgraue Haare, und grau waren auch seine Augen. Er war noch ein Landarzt vom alten Schrot und Korn, ein Mediziner, der sehr viel von den natürlichen Heilmitteln hielt.

Und das war mit ein Grund, warum Dr. Brandner bei Jung und Alt so beliebt war, denn die Bauern hier schworen noch auf ihre alten Hausmittel, von denen die jungen Ärzte nichts mehr wissen wollten.

Was man besonders an Dr. Brandner schätzte, das war die Tatsache, dass er sich immer Zeit für seine Patienten nahm. Er kannte nicht nur ihre Krankengeschichten, sondern auch die Geschichte der gesamten Familie seiner Patienten. Und nicht selten nutzten sein freundlicher Zuspruch und seine echte Anteilnahme mehr als kostspielige Medikamente.

Das war nämlich ein weiterer Vorzug des alten Arztes: Er versuchte, seinen Patienten ohne große Kosten zu helfen. War jemand nicht krankenversichert, was hier tatsächlich ab und zu vorkam, so fielen seine Rechnungen immer sehr bescheiden aus. Manchmal vergaß er sie sogar ganz.

Kein Wunder, dass Dr. Brandner keine Reichtümer angesammelt hatte. Vor mehr als dreißig Jahren war er als junger Mediziner hierher nach St. Peter am Forst gekommen, nachdem er kurz vorher seine Frau geehelicht hatte, mit der er heute noch in schönster Harmonie zusammenlebt. Gemeinsam hatten sie damals das Doktorhaus gebaut, die Praxis eingerichtet und später hatte Maria Brandner ihn in seiner Arbeit unterstützt. Viele Dorfbewohner behaupteten, dass man sich auf die »Frau Doktor« genauso verlassen konnte wie auf ihn.

Maria hatte ihrem Mann bald nach ihrem Einzug ins Doktorhaus von St. Peter einen Sohn geschenkt, der auf den Namen Stefan getauft worden war. Er wuchs zu einem prächtigen jungen Mann heran, absolvierte sein Medizinstudium mit bestem Erfolg und war nun an einem Krankenhaus als Stationsarzt tätig, wo er sehr beliebt war und wo er Chancen hatte zu einem weiteren Aufstieg.

Lange schon hatte der alte Doktor vorgesehen, dass Stefan einmal seine Praxis übernehmen sollte, doch davon wollte Stefan bisher nichts wissen. Natürlich war seine Mutter, die gute Maria, mächtig stolz auf ihren Einzigen, und sie hatte volles Verständnis für ihn, wenn er sich wehrte, in die Enge von St. Peter heimzukehren. Vor etwa zwei Jahren war Vater Brandner ernsthaft erkrankt und Stefan kam für einige Wochen heim, um die Vertretung seines Vaters zu übernehmen.

Er machte seine Sache recht gut, doch er selbst und auch die Patienten waren heilfroh, als der alte Doktor wieder in seine Praxis zurückkehren konnte. Zu unterschiedlich war die Einstellung des alten und des jungen Arztes zu den Patienten gewesen.

Damals war es auch zu einigen Streitereien zwischen Vater und Sohn gekommen, die alle nur ihren verschiedenen Ansichten über die Aufgaben eines Landarztes entsprangen. Privat hatten sie sich stets gut verstanden.

Nun, Dr. Brandner sen. war wieder völlig gesund geworden und führte seine Landarztpraxis weiter wie bisher. Im Sommer war er stets mit seinem alten Fahrrad zu den Kranken unterwegs. Er hätte natürlich das Auto nehmen können, doch das lehnte Dr. Brandner entschieden ab. Er wollte sich körperlich fit halten.

Wenn es die Witterung aber nicht zuließ, dass der Doktor mit dem Radl fuhr, holte er im Sommer den Landauer aus dem Schuppen und den Leo aus dem Stall, und damit erreichte er auch die entlegensten Bauernhöfe.

Leo war ein schon ziemlich bejahrter Haflinger-Wallach, der seit fünfzehn Jahren den Wagen des Arztes zog. Im Winter wurde er vor einen Schlitten gespannt. Leo war nicht nur ein kluges zähes Tier, es war in der langen Zeit auch zum Freund des Arztes geworden.

Leo fand in der dunkelsten Nacht seinen Weg, folgte seinem Herrn auf den leisesten Zungenschlag, und wenn sein Herr mit ihm sprach, dann spitzte Leo seine Ohren, als ob er jedes Wort verstehen würde. Und wer kann schon behaupten, dass er ihn nicht verstand? Heute stand Leo in seinem kleinen warmen Stall.

Auch in der Praxis war es in diesen Wintertagen recht still. Die Leute blieben, wie schon erwähnt, auf ihren Höfen, und nur wer ernsthaft krank war, machte sich auf den Weg zum Doktor. Und ernsthaft krank waren zurzeit, Gott sei Dank, nicht viele. Darum stand Dr. Aloysius Brandner, der bei seiner Frau in der Küche saß und die Lokalzeitung las, nun auf und ging in den Stall hinüber, um Leo zu besuchen. Der scharrte mit den Hufen, als der Doktor neben ihn trat.

»Na, Alter«, sagte der Arzt, »ist dir langweilig?«

Leo wieherte eine Bejahung, jedenfalls hörte es sich so an, dann fuhr er mit seinen weichen Lippen in die Hand von Dr. Brandner, und tatsächlich fand er dort eine Möhre, die er dann genüsslich zerkaute. Kaum war der Arzt in die warme Küche zu seiner Frau zurückgekehrt, da wurde an der Haustür geschellt.

Dr. Brandner ging zur Tür und öffnete sie. Draußen stand ein Mann um die Dreißig. Er war groß und schlank, und er wirkte ziemlich durchfroren.

»Grüß Gott, Herr Doktor«, begrüßte er den Arzt höflich.

»Grüß dich, Farlacher«, gab dieser den Gruß zurück. »Was führt dich denn zu mir?« Es war eine Selbstverständlichkeit, dass Dr. Brandner seine Patienten duzte.

»Ja, also, Herr Doktor ...«, druckste er nun ein bisserl herum, »ich glaube, bei meiner Franzi ist es bald so weit. Sie hat schon Wehen und lässt Sie bitten, bald zu ihr zu kommen.«

Der Arzt erinnerte sich. Franzi, die Frau vom Farlacher, war schon einige Male bei ihm zur Schwangerschaftsuntersuchung gewesen. Er hatte dabei nichts feststellen können, was auf Komplikationen hingewiesen hätte, und darum sagte er auch nichts dagegen, als ihm Franzi erklärte, sie wollte ihr erstes Kind daheim auf die Welt bringen.

Das war hier nichts Außergewöhnliches, denn die Bäuerinnen waren nur schwer zu bewegen, ihre Kinder in einer Klinik zu gebären. Meistens holten sie auch nicht den Arzt zu einer Geburt, sondern nur die Hebamme, Frau Loibl.

Darum fragte der Arzt auch den jungen Bauern: »Habt ihr denn nicht nach der Hebamme geschickt, Farlacher?«

»Doch, Herr Doktor, die ist eh schon bei uns, aber sie hat ja gesagt, dass ich Sie holen muss, weil es vielleicht Komplikationen geben könnte.« Der werdende Vater schien plötzlich sehr aufgeregt, und der Doktor musste ihn beruhigen.

»Keine Angst, Farlacher! Die Schwangerschaft ist normal verlaufen, und deine Frau ist gesund und kräftig. Ich kann mir nicht denken, was auf einmal für Komplikationen eintreten sollen. Allerdings bringt deine Frau ihr erstes Kind auf die Welt, und da kann es schon vorkommen, dass nicht alles so reibungslos abläuft wie bei einer anderen, die das schon ein paarmal hinter sich gebracht hat. Ich werde schnell noch essen, dann komm' ich zu euch hinauf, und am Abend liegt euer Nachwuchs schon in der Wiege!«

Der Bauer lächelte, bedankte sich und ging. Dr. Brandner kam in die Küche zurück, wo seine Frau schon neugierig wartete.

»Wer war es, und was wollte er?«, fragte sie.

Ihr Mann sagte es ihr.

»Bei dem Wetter«, begann sie zu jammern. Maria schaute zum Fenster hinaus und stellte fest, dass es erneut zu schneien begonnen hatte. Zwar nicht heftig, doch der Flockentanz schien wieder dichter zu werden.

Dr. Brandner trat neben seine Frau.

»Aber Maria«, sagte er dabei, »seit wann hast du denn Angst um mich? Leo findet seinen Weg auch in stockfinsterer Nacht, das weißt du doch.«

Maria nickte, sagte aber dennoch: »Du und der Leo, ihr seid nicht mehr die Jüngsten, vergiss das nicht, Aloysius.«

Dr. Brandner tat empört.

»So was hör' ich aber gar nicht gern, Maria. Leo und ich, wir sind zwei Männer im besten Alter, und wir werden wohlbehalten zurückkommen. Aber vorher möchte ich gern noch essen. Ist das möglich?«

»Natürlich, Aloysius, setz dich nur hin, ich decke schon den Tisch.«

»Nein«, widersprach er, »während du alles richtest, will ich dem Leo noch eine Sonderration Hafer geben, damit er gut bei Kräften ist, wenn es losgeht.«

Tatsächlich ging der Doktor in den Stall, und Leo bekam seine Sonderration.

Wenig später ging es los.

Dr. Brandner hatte seinen warmen Lodenmantel angezogen, den er im Winter stets trug. Dann schnalzte der Arzt mit der Zunge, und Leo trabte an.

In flotter Fahrt durchquerten sie das Dorf, dann mussten sie auf einen Feldweg abbiegen, der eine Anhöhe hinan führte. Hier war der Schnee nicht mehr weggeräumt. Man sah deutlich die Fußspuren, die der Farlacher hinterlassen hatte, denn dieser Feldweg führte nur zum Farlacher-Hof hinauf und sonst zu keinem anderen Hof.

Hier hatte Leo schon größere Mühe, voranzukommen. Doch das zähe Tier gab nicht nach, stapfte durch den hohen Schnee, zu dem jetzt noch neuer hinzukam.

Das Schneetreiben hatte inzwischen wieder zugenommen. Man konnte von hier aus kaum den Farlacher-Hof erkennen, der aber gar nicht weit weg sein konnte. Endlich tauchten die Umrisse des großen Hofes aus dem Flockenwirbel auf.

Frau Loibl war etwas jünger als Dr. Brandner. Die beiden kannten sich seit vielen Jahren, und stets war die Hebamme bemüht, ohne Eingreifen des Arztes zurechtzukommen. Nur in den Fällen, wo es für sie allein aussichtslos zu sein schien, hatte sie den Arzt hinzugezogen. Darum wusste Dr. Brandner, dass er wirklich benötigt wurde, wenn die Hebamme ihn rufen ließ, wie heute bei der Farlacherin.

»Sie sind zu spät gekommen, Doktor«, rief sie aufgeregt, und der Arzt fuhr zusammen. Hätte er gleich losfahren müssen, als ihn der junge Bauer benachrichtigt hatte?

Die Hebamme kannte den alten Doktor gut genug, um zu ahnen, was in ihm vorging. Darum wollte sie ihn schon aufklären, doch da kam ihr eine andere Stimme zuvor. Plötzlich hörte man nämlich das Geschrei eines Babys. Dr. Brandner begann zu grinsen.

»Haben Sie mich erschreckt!«, rief der Arzt und streckte der Hebamme die Hand hin, doch da trat der junge Bauer aus dem Haus und unterbrach die Begrüßung der beiden.

»Herr Doktor«, jubelte er, »ich bin ja so glücklich! Stellen Sie sich vor, wir haben einen Buben, und meiner Frau geht es auch gut.«