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Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache von Sehbeeinträchtigungen in Deutschland. Besonders für Menschen ab dem 60. Lebensjahr ist sie zur wichtigsten Augenerkrankung geworden. Therapie ist möglich, insbesondere wenn sie rechtzeitig begonnen und konsequent durchgeführt wird. Dennoch sind Beeinträchtigungen im Alltag häufig, so dass die medizinische Behandlung allein für den Erhalt der Lebensqualität oft nicht ausreicht: Dieses Buch ist das erste schulmedizinisch orientierte Handbuch für Betroffene und ihre Familien - jetzt in dritter, aktualisierter Auflage! Es enthält Informationen über alle Bausteine zur optimalen Therapie und praktische Tipps für den Erhalt von Unabhängigkeit und Lebensqualität. Sie erhalten alle Informationen, die wir auch in der Sprechstunde geben und Anleitungen, Hilfen vor Ort zu finden. Auch als e-book erhältlich.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 82
Veröffentlichungsjahr: 2020
Gewidmet meiner Mutter Elisabeth-M. Kaufmann, die eine leidenschaftliche und begnadete Lehrerin war.
Vorbemerkung, Haftungseinschränkung
Vorwort zur 3. Auflage - Warum Sie dieses Buch lesen sollten
Unser Auge - ein Fotoapparat
Was ist Makuladegeneration?
2.1. Makuladegeneration tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf
2.2. Makuladegeneration - degenerative Schädigung der Netzhautmitte
2.3. Die verschiedenen Formen der Makuladegeneration
2.4. Flüssigkeitsaustritt -ja oder nein?
2.5. Trockene Makuladegeneration
2.6. Feuchte Makuladegeneration
2.7. Fast schon eine Sonderform: die „trockene“ areoläre Atrophie/ „geographische Atrophie“ (GA)
Was ist keine Makuladegeneration?
3.1. Diabetische Makulopathie
3.2. Makuladystrophien
3.3. Epiretinale Gliose / Morbus Pucker
3.4. Makulaforamen (Makulaloch)
3.5. Venenastverschluß
Risikofaktoren
4.1. Das EYE RISK Projekt:
Symptome
5.1. Typisch: Verzerrt-Sehen - Metamorphopsien
5.2. Atrophiezonen verursachen Flecken
5.3. Verlust an Sehschärfe
Wann soll ich (schnell) zum Augenarzt?
6.1. Vorsorgeuntersuchungen
6.2. Verlaufskontrollen
6.3. Plötzliche Sehstörungen - ein Notfall
Diagnostik
7.1. Sehtest
7.2. Amslertest
7.3. ACTO - Selbsttest
7.4. Fundoskopie
7.5. Angiographie
7.6. OCT - okuläre Kohärenztomographie (ocular coherence tomography)
7.7. FAF - Fundus-Autofluoreszenz
Auswirkungen der Makuladegeneration
8.1. Autofahren
8.2. Lesen
8.3. Orientierung, Stolpern, Stürzen
8.4. Stress, Angst, Sorgen und Depression - achten Sie auf Ihr seelisches Gleichgewicht
Früherkennung der Makuladegeneration
Therapie der Makuladegeneration
10.1. Vitamine gegen trockene Makuladegeneration
10.2. Injektionstherapie
Rehabilitation bei AMD
11.1. Mutig sein!
11.2. Optische Hilfsmittel
11.2.1. Vor dem Besuch eines spezialisierten Augenoptikers:
11.2.2. Was erwartet Sie bei dem spezialisierten Augenoptiker?
11.2.3. Welches Hilfsmittel für welchen Zweck
11.3. Sozialrecht
11.3.1. Schwerbehindertenausweis
11.3.2. Blindengeid und Blindenhilfe
11.4. Training: Orientierung und Mobilität, Lebenspraktische Fähigkeiten
11.5. Kennzeichnung
Leben mit AMD - Selbsthilfegruppen
Übersicht: Das kann ich tun
Empfehlungen der Fachgesellschaften
Hilfreiche Adressen
Internet-Links
Literatur
Nachwort: mein persönlicher Aktionsplan gegen Makuladegeneration
Danksagung
Der Autor
Altersbedingte Makuladegeneration ist für Betroffene, ihre Familien und alle, die sich vor den Folgen dieser häufigen chronischen Erkrankung schützen wollen, ein sehr wichtiges Thema.
Da eine einfache Therapie fehlt und der Erkrankungsverlauf individuell sehr verschieden sein kann, treten viele Fragen auf. In der Regel haben der Arzt und sein Team im modernen Gesundheitswesen wenig Zeit. Ich habe daher dieses Buch als Ergänzung zum Gespräch zwischen Arzt und Patient (und Vorsorgeinteressierten) zusammengestellt, als Möglichkeit, Gespräche vor- und nachzubereiten. Ich versuche, die Zusammenhänge einfach, aber nicht unzulässig vereinfacht darzustellen, so wie ich es auch im Patientengespräch tue. Dieses Buch ist also kein Fachbuch und verfügt dementsprechend nicht über einen wissenschaftlichen Anhang. Dennoch vertrete ich vor dem Hintergrund des sich schnell entwickelnden Wissens über Makuladegeneration und unsere Möglichkeiten, sie zu behandeln, eine wissenschaftlich fundierte, „leitlinienorientierte“ Medizin. Sie hat den Anspruch, dass Entscheidungen und Empfehlungen möglichst wissenschaftlich begründet sind und im Einklang mit den Empfehlungen und Leitlinien der Fachgesellschaften und wortführenden Spezialisten des Gebietes stehen.
Gerade, weil Makuladegeneration so vielgestaltig ist, kann dieses Buch die Konsultation eines Augenarztes nicht ersetzen: die Diagnose, insbesondere die Abgrenzung der ähnlichen Erkrankungen, die korrekte Einstufung, eine Therapieempfehlung und, soweit überhaupt möglich, die Einschätzung der Prognose gehören in die Hand des Fachmannes!
Schon wieder hat sich viel getan, seit ich dieses Buch 2016 zum ersten Mal überarbeitete: Wir wissen mehr über die beeinflussbaren Risikofaktoren, haben viel mehr Erfahrung mit der Steuerung der Injektionsbehandlung, immer größere Anteile der Behandlung der feuchten AMD werden regulär von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen und ein neues Medikament hat die Zulassung bekommen.
Autofahren, Lesen, Fernsehen, PC benutzen, Sport und Kultur genießen sind für uns alle selbstverständliche Bausteine für eine hohe Lebensqualität - und setzen ein gutes Sehvermögen voraus!
Makuladegeneration ist eine chronische Erkrankung der Augen und darf als die häufigste Ursache von Sehbehinderung und Erblindung im Sinne des Gesetzes in unserem Land und anderen modernen Gesellschaften angesehen werden.
Damit stellt der bestmögliche Umgang mit dieser Erkrankung eine wesentliche Herausforderung für den Erhalt von Unabhängigkeit und hoher Lebensqualität dar!
Die Behandlungsmöglichkeiten sind viel besser als je zuvor, können aber in großen Teilen nur optimal ausgenutzt werden, wenn sie zur rechten Zeit, das heißt meistens „früh genug“ eingesetzt werden.
Wissen über die Erkrankung - möglichst vor den ersten Symptomen - und ein selbstbestimmter Umgang mit risikosenkenden Strategien, Therapie und Rehabilitation sind wichtige Bausteine zum Erfolg.
Dabei soll dieses Buch helfen.
Dr. med. Daniel Kaufmann
Hannover, 2020
Im Prinzip ist unser Auge ein Fotoapparat. Betrachten Sie Ihr eigenes Auge im Spiegel oder das Auge des Gegenübers, können Sie das erkennen:
Wir sehen nicht auf den ersten Blick, dass unser Auge eine Kugel ist. Etwa so groß wie ein Golfball liegt es eingebettet in unserer Augenhöhle. Beim Ansehen eines Gesichtes sehen wir nur die „Vorderseite“ dieser Kugel.
Ganz vorne, spiegelnd und glänzend, findet sich die „Hornhaut“: Diese klare Kuppel bildet die erste Linse unseres Objektivs. Hinter der Hornhaut befindet sich, deutlich zu sehen, meist blau oder braun die Regenbogenhaut und in deren Mitte das „Sehloch“, die Pupille. Durch diese Öffnung, die schwarz erscheint, fällt das Licht, das von der Hornhaut bereits kräftig gebündelt wurde, ins Innere unseres Auges. Dort befindet sich eine weitere Linse: die echte „Linse“ unseres Auges (deren Trübung man „Grauer Star“ nennt und an deren Stelle eine Kunststoff-Linse eingepflanzt werden kann).
Linse und Hornhaut bilden zusammen mit der Regenbogenhaut das „Objektiv“ des Auges (im Bild: roter Pfeil).
Innerlich ist das Auge ganz durchsichtig und mit einem mehr oder weniger perfekt klaren Gel, dem „Glaskörper“ gefüllt.
An der Wand ist das Auge von innen fast ganz rundherum mit der „Netzhaut“ ausgekleidet. Diese lichtempfindliche Schicht nimmt das Licht auf; sie „sieht“. Wäre unser Auge wirklich eine Kamera, wäre die Netzhaut der Film - oder mit Blick auf modernere Kameras der „Chip“ - der das Bild aufzeichnet (im Bild: gelber Pfeil).
Sieht der Augenarzt durch die Pupille ins Innere des Auges hinein, sieht er den „Augenhintergrund“. Dabei kann er die Netzhaut ausgebreitet wie eine Landkarte betrachten:
Auf der Rückseite des Auges liegt genau gegenüber der Pupille die „Makula" (im Bild: gelber Pfeil, gelbes Kreuz). Sie ist die „Stelle des schärfsten Sehens“ und liegt in der Mitte der Netzhaut. Das Auge richtet sie stets auf den gerade betrachteten Gegenstand aus, beim Lesen zum Beispiel auf das gerade gelesene Wort. Hier liegen besonders viele lichtempfindliche Zellen dicht nebeneinander, so ist die Sehschärfe hier besonders groß. Schon nah nebenan ist die Sehschärfe bereits deutlich geringer und würde z.B. zum Lesen deutlich größere Buchstaben und auch mehr Mühe erfordern.
Nah neben der Makula liegt der Sehnervenkopf (blauer Pfeil). In ihm sammeln sich alle Nervenfasern, die das Auge mit dem Gehirn verbinden, und die Blutgefäße der Netzhaut. Wo sie gemeinsam das Auge verlassen, beginnt der Sehnerv, der von der Rückseite des Augapfels durch die Augenhöhle zum Gehirn verläuft.
Da die Netzhaut an der Stelle, wo sich der Sehnerv bildet, keine lichtempfindlichen Zellen hat, kann diese Stelle nicht sehen - sie wird als „Blinder Fleck“ bezeichnet.
Mit dem Wort „Degeneration“ bezeichnet die Medizin Erkrankungen, die durch Abbau des Gewebes und Verminderung seiner Leistungen entstehen. Im alltäglichen Sprachgebrauch ist von „Verschleiß“ die Rede. So versucht der unhandliche Begriff „Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)“ möglichst treffend zu beschreiben, was heute über diese Erkrankung bekannt ist:
Sie tritt mit zunehmendem Lebensalter häufiger auf.
Sie betrifft die Makula, also die scharf sehende Mitte der Netzhaut.
Sie ist eine Degeneration.
Tatsächlich gibt es sehr verschiedene Verlaufsformen der Makuladegeneration und vielleicht werden wir sie eines Tages auf der Basis neuer Erkenntnisse auch noch weiter in verschiedene Erkrankungen aufteilen.
So sollen die hier geschilderten Vorgänge nur ein Modell für die allgemeinen Vorgänge der Makuladegeneration sein.
Die ersten Veränderungen an der Netzhaut werden bei einigen Personen ab dem 55.-60. Lebensjahr sichtbar. Danach nehmen die Erkrankungszeichen am Augenhintergrund allmählich zu und die Anzahl der Betroffenen wird mit jedem Lebens-Jahrzehnt größer, bis schließlich im 8. Lebensjahrzehnt ca. 1/5 aller Menschen betroffen sind.
Solange keine Netzhautveränderungen vorliegen, können nur allgemeine Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden; Betroffene mit Frühstadien der Erkrankung können zusätzlich gezielte Maßnahmen ergreifen. Daher spielt dieses Lebensalter eine besondere Rolle für den Beginn gezielter Untersuchungen zur Früherkennung (s.unten)!
Der eigentliche Ursprung der Erkrankung ist gar nicht die Netzhaut selbst, sondern die direkt darunter liegende Schicht, das „Retinale Pigmentepithel“ (auch: nur „Pigmentepithel“ oder „RPE“). Diese Gewebsschicht spielt eine große Rolle bei der Ernährung der hart arbeitenden Netzhaut: Sie entsorgt deren Abfallprodukte.
Beim Sehen werden durch die Einwirkung des Lichtes ständig Teile der Netzhautzellen zerstört; sie werden zum Abbau an das Pigmentepithel weitergegeben. Das geschieht besonders in der Makula, da hier die weitaus meisten lichtempfindlichen Zellen dicht gepackt versammelt sind.
Der Verlauf der Makuladegeneration ist bei jedem Betroffenen individuell: Die Geschwindigkeit des Fortschreitens und die Ausprägung der Schädigung des Netzhautgewebes sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Milde Verläufe sind durchaus häufig: Am Augenhintergrund sind nur geringe Veränderungen sichtbar und Symptome treten nicht oder kaum auf. Schwere Verläufe führen zu einer deutlichen Schädigung des Gewebes in der Netzhautmitte und verursachen so eine störende Verschlechterung des Sehens.
Es treten typische Muster auf, nach denen die Makuladegeneration in verschiedene Verlaufsformen eingeteilt werden kann.
Derzeit ist das wichtigste Merkmal bei der Einstufung einer Makuladegeneration das Vorhandensein einer „Netzhautschwellung“, also einer Flüssigkeitsansammlung unter oder in der Netzhaut. Ohne Flüssigkeit liegt eine „trockene“ Makuladegeneration vor; beim Auftreten von Flüssigkeit sprechen wir von „feuchter“ Makuladegeneration.
