Altes Land - Miriam Fehlbus - E-Book

Altes Land E-Book

Miriam Fehlbus

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Beschreibung

Ob für einen Tagesausflug oder einen längeren Urlaubsaufenthalt: Das Alte Land, eines der größten zusammenhängenden Obstanbaugebiete Deutschlands, ist immer eine kleine oder größere Reise wert. Die ortskundige Autorin führt Sie durch die "drei Meilen", in welche das Alte Land aufgeteilt ist, erläutert die Historie der Gegend, geht auf die jeweiligen geografischen Begebenheiten, Sehenswürdigkeiten, Museen und Besonderheiten ein, stellt Kirchen, Orgeln und Fachwerkhäuser vor und weist auf besondere Radwege und -touren hin. Selbstverständlich erfahren Sie auch alles Wissenswerte zum Obstanbau in der Region, über die Apfelernte und das Maritime entlang der Elbe. Zahlreiche Hotel- und Restaurantadressen verraten Ihnen, wo es besonders schön ist. Dieser Reiseführer zeigt Ihnen die schönsten Seiten des Alten Landes und ermöglicht Ihnen sowohl bei einem spontanen Tagesausflug als auch bei einer mehrtägigen Reise schnelle Orientierung.

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Seitenzahl: 103

Veröffentlichungsjahr: 2015

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MIRIAM FEHLBUS

ALTES LAND

UNTERWEGS VOR DEN TOREN HAMBURGS

Koehlers Verlagsgesellschaft

Hamburg

Bildnachweis

Miriam Fehlbus: Seite 19, 20, 23 Vollbild und oben,24, 28, 29, 32, 33, 34 unten, 35, 36, 37, 38, 39, 41, 42, 54, 57 mitte, 63 oben, 66, 67, 68, 69, 72 oben und mitte, 80, 81, 82, 83 mitte und unten, 84 oben, 88 oben, 90 mitte, 92, 93, 96, 97, 106 mitte, 111, 114, 120 oben

Alle anderen Fotos: © Martin Elsen, www.schoenes-foto.de

Ein Gesamtverzeichnis der lieferbaren Titel schicken wir Ihnen gerne zu.

Bitte senden Sie eine E-Mail mit Ihrer Adresse an: [email protected]

Sie finden uns auch im Internet unter: www.koehler-books.de

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

2. überarbeitete Auflage

ISBN 978-37822-1213-7 | eISBN 978-3-7822-1468-1

Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg

© 2013 by Maximilian Verlag, Hamburg

Ein Unternehmen der Tamm Media

Alle Rechte vorbehalten.

Produktion: Nicole Laka

INHALT

Vorwort

Das Alte Land

Auf einen Blick

Das Alte Land und die Elbe

Die Deichpflege

Unterwegs in der III. Meile

Zwischen Süderelbe und Este

Ausflug nach Buxtehude

Unterwegs in der II. Meile

Zwischen Este und Lühe

Unterwegs im Obstbau

Blüte und Tradition

Rund um den Apfel

Radfahren im Alten Land

Die Samtgemeinde Lühe

Unterwegs in der I. Meile

Zwischen Lühe und Schwinge

Geschichte erleben

Altländer Bauernhäuser

In Stade

Das Alte Land maritim

Anhang

Das Alte Land vor den Toren Hamburgs

Deiche gibt es an der norddeutschen Küste viele. Erst der Wechsel zwischen maritimer Landschaft, Fachwerkidylle und Obstgarten macht das Alte Land vor den Toren Hamburgs so einzigartig. Wer seinen ganz persönlichen Lieblingsplatz sucht und sich nicht entscheiden kann, ob dieser wohl in der Nähe einer Großstadt, auf dem flachen Land oder direkt am Wasser liegen sollte, der macht sich am besten einmal entlang der Elbe zwischen Francop, Jork und Hollern-Twielenfleth auf die Suche.

Manche, die so ins Alte Land fuhren, kamen für einen Tag, andere blieben einige Wochen und ein paar zog es für immer in diese Region. Im Alten Land wohnen kann schließlich jeder – ein Altländer werden Zugezogene bestenfalls nach vielen Generationen. Und so weisen die Altländer stolz auf ihre Vorfahren hin. Auf Pforten und herrlichen Türen am Haus und im persönlichen Gespräch. 300 Jahre sollte so eine Familiengeschichte schon haben, um jedem Zweifel erhaben zu sein.

Ein guter Anfang für jede hoffnungsvolle Geschichte: Pflanzen Sie einen Apfelbaum. Es muss ja nicht gleich eine ganze Plantage sein. Die Altländer erlauben heute solch touristische Obstbaumansiedlungen. – Wer will, kann eine Baumpatenschaft übernehmen und auch seine eigenen Altländer Äpfel ernten. Die Baumpflege wird in speziellen Kursen gelehrt, und natürlich kann jeder, der sich traut, versuchen, selbst als Erntehelfer anzuheuern.

Es gibt viele schöne Geschichten über dieses Stück Land. Alte und neue. Von verstoßenen Nonnen und von Bienen, die auf Kräuterlikör fliegen. Von Altländer Krimis, die sich wirklich ereignen, und von blühenden Eiszapfen. Und natürlich gibt es LA. Den Lühe-Anleger und zugleich das Los Angeles an der Elbe – mit ganz vielen Engeln, die von überall herbeigeflogen kommen und für einen schönen Sommernachmittag lang am Wasser zu Freunden werden. Fliegen Sie mit – mit dem Fahrrad, dem Motorrad, mit Auto, Bus oder Schiff. Das Alte Land lässt sich auf verschiedenen Wegen erobern. Mindestens zwei Varianten sollte jeder Besucher selbst ausprobieren. Eine davon: der Spaziergang auf dem Deich.

Auf geht’s, ins Alte Land

Miriam Fehlbus

DAS ALTE LAND

Auf einen Blick

DAS ALTE LAND IN ZAHLEN

•Das Alte Land ist etwa 170 Quadratkilometer groß.

•An der Niederelbe mit dem Alten Land als Herzstück wird auf 10.500 Hektar, also 105 Quadratkilometern Land, Obst angebaut.

•Rund 300.000 Tonnen Äpfel werden in diesem Gebiet pro Jahr geerntet.

•Der Apfel dominiert im Anbau, auf fast 90 Prozent der Flächen werden Äpfel angebaut. Drei Prozent sind Birnen. Nur etwa zwei Prozent machen heute noch Pflaumen und Zwetschen aus. Fünf Prozent sind Süßkirschen.

•An der Niederelbe werden 15 Prozent des Inlandsbedarfs an Äpfeln erzeugt.

•Jeder dritte deutsche Apfel stammt aus dieser Region.

•Der größte Teil des Alten Landes gehört zu Niedersachsen. Aber auch die Hamburger Stadtteile Francop, Neuenfelde und Cranz gehören dazu.

WEGE INS ALTE LAND

Das Alte Land wird von der einen Seite durch die Elbe eingerahmt, von der anderen durch die Bahnlinie, auf der seit 2007 auch die Hamburger S-Bahn durchgehend zwischen Hamburg und Stade fährt. Allerdings gehören die Orte mit Bahnanschluss selbst nicht mehr zum klassischen Kerngebiet. Bis die Autobahn A26 einmal fertig ist, die von Stade bis zum Anschluss an die A7 bei Moorburg führen wird, sind die dichtesten Autobahnabfahrten Moorburg an der A7 und Rade an der A1. Bei der Fahrt über Moorburg geht es über die Waltershofer Straße und den Moorburger Elbdeich in Richtung Francop.

Klappbrücke am Estesperrwerk.

Bei der Fahrt über die A1 mit der Abfahrt Rade wird zuerst Buxtehude angesteuert. Über die Soltauer Straße in Richtung Elstorf geht es weiter nach Ovelgönne, einem Ortsteil von Buxtehude, und gleichzeitig der erste Ort auf dieser Strecke an der B73. Von hier fahren Sie entweder rechts weiter in Richtung Neu Wulmstorf. Vor dem Ort geht die Abfahrt auf die B3neu ab, hier kommen Sie direkt nach Neuenfelde. Oder aber Sie fahren links auf der B73 nach Neukloster weiter und von dort rechts ab in Richtung »Hauptstadt« Altes Land – Jork. Doch Vorsicht, wenn Sie während des Berufsverkehrs anreisen. Die B73 ist hier zu diesen Zeiten besonders stark frequentiert.

Sehr schön ist übrigens die Anreise per Schiff ins Alte Land. Wenn Sie aus Hamburg für einen Tagesausflug kommen, dann nehmen Sie doch einfach den »Wasser-Bus«. Im HVV-Tarif schippern Sie auf direkter Linie mit der Elbfähre von Blankenese beziehungsweise dem Anleger Teufelsbrück zum Anleger Neuenfelde vor dem Este-Sperrwerk. In einer halben Stunde sind Sie über die Elbe. Nur ein paar Minuten länger, direkt an der Sietas-Werft vorbei, und Sie steigen in Cranz aus. Noch eine Alternative: Von Schulau in Schleswig-Holstein gibt es eine Fährverbindung für Personen und Fahrräder zum Lühe-Anleger nach Grünendeich.

Und wer aus dem Norden mit Schiff und zugleich dem Auto anreisen möchte, der fährt zum Fähranleger Op de Wurt in Glückstadt und setzt nach Wischhafen im Kreis Stade über. Über Dornbusch, Drochtersen und Bützfleth nähert man sich dann Hollern-Twielenfleth.

Die schönsten »Einfahrtsrouten« mit dem Auto führen von Stade in Richtung Hollern-Twielenfleth, von Dollern in Richtung Mittelnkirchen, von Horneburg gen Guderhandviertel, von Neukloster nach Ladekop und Jork sowie von Buxtehude westlich der Este nach Estebrügge und östlich der Este nach Moorende ins Kerngebiet des Alten Landes. Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit, über den beliebtesten Fernradweg Deutschlands ins Alte Land zu kommen: Der Elberadwanderweg mit dem Etappen-Einstieg in Finkenwerder führt weiter Richtung Elbmündung mitten durch Deutschlands nördlichsten Groß-Obstgarten.

www.hadag.de/hafenfaehren

www.luehe-schulau-faehre.de

www.elbfaehre.de

WANN INS ALTE LAND?

Der Verein Obstbauversuchsring des Alten Landes führt seit 1936 über die Blüte Buch. Demnach beginnt die Süßkirschenblüte an der Niederelbe im Mittel am 22. April, die Apfelblüte am 5. Mai. Natürlich hängt alles ganz einfach vom Wetter ab. Auf den Tag planen lässt sich das Blütenerlebnis im Alten Land also nicht. Eine kleine Hilfestellung gibt das Blütenbarometer, das über das Internet abrufbar ist: www.bluetenbarometer.de

Hier lässt sich quasi in aller Welt ganz aktuell auf einen Klick erkunden, ob sich Kirsch- und Apfelblüten gerade öffnen, was als Mausohr betitelt wird, zur Mittel- oder Vollblüte ansetzen oder bereits am Abblühen sind. Am schönsten ist eine Radtour durch die Plantagen sicher während der Apfel-Vollblüte bei Sonnenschein. Aber auch andere Wettervariationen bringen in dieser Zeit ein faszinierendes Fotomotiv für jeden Reisebericht. Zum Probieren der Früchte lohnt sich ein Ausflug ab Ende Juni, dann gibt es zuerst Süßkirschen. Es folgen Pflaumen und Zwetschen im August und September. Und dann gibt es auch schon wieder frische Äpfel und Birnen.

Das Alte Land und die Elbe

EIN BISSCHEN GESCHICHTE

Das Alte Land liegt auf Marschland im Elbe-Urstromtal. Mit dem Ende der letzten Eiszeit vor mehr als 11.000 Jahren lief das Schmelzwasser nach Süden ab. Es bildete sich das Urstromtal der Elbe. Das Wasser floss in die Nordsee. Mit dem steigenden Meeresspiegel verlangsamte sich die Fließgeschwindigkeit. Der mitgeschwemmte Sand setzte sich in Form von Dünen ab, die die später entstehende Elbmarsch noch heute überragen. Auf einer solchen Erhebung steht auch die Kirche von Hasselwerder, heute Neuenfelde.

Nach dem Abschmelzen des Eises wurde der Elbstrom schmaler und verlagerte sich gen nördlichen Elbhang. Doch mit jeder größeren Flut transportierte der Strom Sedimente, und so kam es zur Marschbildung.

Forschungen von Wissenschaftlern der Hamburger Universität ergaben, dass die Region des Alten Landes seit vermutlich 800 vor Christi Geburt durchgehend besiedelt ist. Nachweislich lebten hier die Nordseegermanen – genauer gesagt der germanische Stamm der Chauken, später wohl Teilstamm der Sachsen. Die Chauken lebten nach Berichten des römischen Gelehrten Plinius vor allem vom Fischfang. Plinius (24 bis 79 nach Christus) berichtet in seinen wenigen erhaltenen Schriftstücken von Ebbe und Flut und von immer wiederkehrenden Überschwemmungen, gegen die sich die Siedler nur durch den Bau ihrer Hütten auf Erderhöhungen schützten.

Die verstoßene Nonne

Einen schriftlichen Nachweis zur Besiedelung des Alten Landes gibt es durch eine reiche Nonne mit dem Namen Rikquur, auch Rikvur. Sie verstieß gegen die Gebote der Heiligen Kirche und bekam einen unehelichen Sohn. Daraufhin wurde sie im Jahr 1059 aus dem Kloster verwiesen. Ihre Strafe ist urkundlich belegt. Demnach blieben ihre Besitztümer nach der Verfehlung bei der Kirche. Für den Lebensunterhalt allerdings gab ihr der Erzbischof Adalbert einen Altenteil aus acht Bauernschaften – unter ihnen Tuinunfliet, das heutige Twielenfleth, und Heslewarther, das frühere Hasselwerder und heutige Neuenfelde.

Hollerkolonisation

Erst durch den Beginn der sogenannten Hollerkolonisation wurde das Marschland großflächig urbar gemacht. Als schriftlicher Nachweis gilt in diesem Zusammenhang eine 1113 von Bischof Friedrich I. von Bremen ausgestellte Kolonisationsurkunde. Nachweislich wurde hier Heinricus Sacerdos, auch Priester Hendrik aus Jacobswoude genannt, Marschland übertragen, mit dem Zweck, es mit dem Fachwissen von Wasserexperten aus Holland zu entwässern. Fünf weitere Holländer bekamen zu dieser Zeit Land übertragen. Der Verdener Historiker Dr. Adolf E. Hofmeister hat dazu an der Universität Hildesheim Schriften veröffentlicht, die sich mit der Besiedlung und Verfassung der Elbmarsch im Mittelalter beschäftigen.

KLEIN HOLLAND

Bei der Hollerkolonisation wurden die tiefergelegenen und moorigen Marschgebiete trockengelegt, indem die holländischen Siedler die Techniken anwandten, die schon in ihrem eigenen Land zu Erfolg geführt hatten. Durch das Land wurden parallel zueinander kleinere Gräben gezogen, die in einen quer dazu verlaufenden Hauptgraben, genannt Wettern, flossen. Bei der Entwässerung machten sich die Entwässerungstechniker dann den Wechsel von Ebbe und Flut zunutze. Die Hauptgräben gaben das Wasser in natürliche Wasserläufe – Fleete – oder in den nächstgelegenen Flussarm ab. Mittels Schleusen, anfangs handelte es sich wohl dabei um ausgehöhlte Baumstämme, die sich mit Klappen einseitig verschließen ließen, floss das Wasser mit dem einsetzenden Niedrigwasser ungehindert ab. Bei Flut wurde der Ablauf dagegen von der Flussseite versperrt.

Wassergräben zur Entwässerung bestimmen vielfach noch das Landschaftsbild der langgezogenen Anbauflächen im Alten Land. Allerdings waren es früher mehr. Die zusammenhängenden Flächen sind zur besseren Bewirtschaftung vergrößert worden. Früher galt die »Formel« 700 Meter laufender Bach auf einen Hektar (10.000 Quadratmeter).

Noch heute ist im Alten Land die typische Entwässerungsform zu sehen. Wissenschaftler von der Universität Amsterdam sehen im Alten Land eine Eins-zu-eins-Kopie der Landschaften im »grünen Herzen« Hollands, wobei sich die hochmittelalterlichen Strukturen in der Tochterlandschaft besser als bei der Mutter erhalten hätten. Und auch ein paar bauliche »Erinnerungsstücke« fallen ins Auge, wie etwa die Windmühlen am Elbdeich in Jork-Borstel oder Venti Amica in der Mühlenstraße in Hollern-Twielenfleth oder aber auch die Schwäne statt der Niedersachsenpferde als Giebelzierde.

Gegen Überschwemmungen schützen seit der Urbarmachung Deiche das Land mit den Siedlungen vor Überschwemmungen. Allerdings kam es durch Sturmfluten immer wieder auch zu Deichbrüchen.

DER NAME ALTES LAND

Über die Entstehung des Namens Altes Land gibt es zwei Theorien, die sich nicht gegenseitig ausschließen. So heißt es auf Platt- oder Niederdeutsch Olland, und da liegt die Ableitung von Holland nahe, wobei Holland selbst vom Altniederländischen Holtland sprich Holzland kommt. Olland ins Hochdeutsche übersetzt heißt aber Altes Land. Und so könnte es zur Entstehung des Namens gekommen sein.