Amsterdam Express - Philip Daus - E-Book

Amsterdam Express E-Book

Philip Daus

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Beschreibung

Eine deutsch-niederländische Antwort auf Half Baked, Fear&Loathing in Las Vegas, Road Trip und Hangover. Getrieben von der Vorstellung, jeden Coffee Shop Amsterdams und Umgebung, also den Niederlanden, aufzusuchen, planten wir die ultimative Reise ins gelobte Land. Wir durchsuchten das Internet, diverse Reiseführer und sämtliche Erfahrungsberichte, die wir finden konnten, um auch noch den kleinsten wichtigen Krümel Info zu erhaschen, über das Haschen. Akribischer, als jemals eine Facharbeit von uns vorbereitet wurde. Unser Ziel hieß nicht Erholung, die hatten wir während der Schulzeit zu genüge. Unser Ziel lautete Tiefenentspannung, frei von den elterlichen Fesseln der Fürsorge. Fürsorge war auch nicht, was wir vermissten oder was uns von zu Hause aus weiter nervte. Sorgen waren das, was wir nicht loswurden. Höhepunkte und Tiefpunkte ließen uns an unserer Zurechnungsfähigkeit zweifeln, die zugegebenermaßen äußerst vernebelt war. Und vor allem die panische Frage: Wann ist dieser Trip vorbei? Eine unserer Erkenntnisse war, Urlaub mit den Eltern ist vielleicht nicht die große Freiheit, von der man als Heranwachsender träumt, aber dafür wenigstens berechenbar.

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Seitenzahl: 93

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Urlaub

Keep on rollin‘!

Die Besetzung

Die Invasion

Irgendwann Amsterdam

Gelobtes Land, geliebte Stadt

Böses Erwachen

Tee zum Frühstück

Der Belgier

Ende ist, wenn es vorbei ist

Nachwort

Vorwort

Endlich hatten wir die restlichen Tage des Schulalltags hinter uns gebracht. Die Noten waren jetzt nur noch Randerscheinungen, das wahre Ziel, nein nicht die Versetzung, vielmehr die Ferien waren erreicht.

Mit Mutter und Vater verreisen, das kam für keinen meiner Freunde und noch viel weniger für mich in Frage. Zu den jeweiligen Urlaubsplanungen hielten wir uns geschickt raus in unseren Familien. Dass aber jeder von uns weg wollte, war klar. Ohne Zweifel. Urlaub planen, in den Urlaub fahren, ankommen, Urlaubsort besetzen, entspannen und wieder heil nach Hause kommen. Was sollte daran nicht möglich sein. Das hatten wir schon zweimal hinbekommen, jetzt erst recht. Was auf jeden Fall möglich sein sollte, war die Entspannung. Das ausgerechnet die Entspannung, besser die übertriebene Tiefenentspannung, das Planen, Fahren, Ankommen, Besetzen oder aber das Wiederkommen ins Negative beeinflussen könnte, kommt einem da nicht in den Sinn. Zumindest nicht als beinah 20 Jähriger mit einer Einstellung zu Verantwortungsbewusstsein und Moral, die grenzenlos ist. Das alleine bei diesen Überlegungen während der laufenden Schulzeit kein einziges Mal Nahrung, Nahrungszufuhr oder das Wetter eine Rolle spielte, hätte Zweifel aufkommen lassen müssen. Dafür hatten wir in den letzten Wochen einen prall gefüllten Ordner akribisch ausgearbeitet, nein nicht mit Infos über irgendwelche Sehenswürdigkeiten, einzig und allein mit Öffnungszeiten und Informationen der Zutrittsberechtigung für Ausländer zu den herrlichsten, unwirklichsten und legendärsten Coffee Shops der Niederlande.

Prioritäten und Vorbereitung sind Alles im Leben!

I.

Urlaub

Über das Ziel waren wir uns sofort einig, Maikel, Meyer, Tom und ich, aber die Besetzung der Plätze blieb bis zum Schluss variabel. Die Finanzierung des Exkurses schien für uns auch gesichert, schließlich waren wir alle die Lieblingskinder unserer Eltern. Maikel, Meyer und Tommi sowieso, da sie keine Dinge zum Auftragen oder Spielsachen, die ja noch gut und ganz sind, bekamen, als Einzelkinder unmöglich. Ich, weil ich der Jüngste und charmanteste aller Balgen zuhause war, bin und immer sein werde.

AMSTERDAM, der Gedanke, der uns allen durchs Kleinhirn schoss und sich einbrannte, wie glühendes Hasch in Faserstoff, AMSTERDAM!!!

Schnell zu Tommi gelaufen, etwa 470 Meter Luftlinie, eine Kippenlänge, einmal um die Ecke. Zugegebenerweise schwirrte mir die 42000 durch den Kopf, die Nummer des örtlichen Funkwagens, Taxis, man kannte sich per Du und ich konnte mich darauf verlassen, auch einer reservierten Fahrt als Gegner in der Planung des Fahrtenverteilermenschen gegenüber als bevorzugter Gast vorgezogen zu werden. Ich bin mir sicher, Taxifahrer machen sich nichts aus dem Charme ihrer Klienten, deshalb denke ich eher, dass es mein für einen Heranwachsenden hoher Umsatz war, der mich adelte. Wenn ich anrief und meinen Namen nannte, erwiderte die sympathisch, vertraut klingende Stimme am anderen Ende der Strippe immer dasselbe: ,,Nikolaus-Groß, Werner-Voß , Traarer oder Uerdinger Straße?” Ich musste nur noch eine dieser vier Möglichkeiten aussuchen und verlässliche zwanzig Minuten später saß ich auf dem Beifahrerstuhl, neben meinen beiden Stammfahrern. Die Namen kannte ich nie, ich bin überzeugt selbst deren Familien könnten sich damit schwer tun, denn über drei Jahre hatte ich tagsüber den einen und jeden Tag ab abendlicher Stunde den anderen als Chauffeur neben mir. Ohne Urlaub, kein krank sein.

Und egal, wie glühend rot leuchtend meine Augen das Wageninnere erhellten, wie unglaublich schwer ich meinen von Trockenheit durchzogenen Mund aufbekam, um das Ziel zu hauchen oder wie unverständlich betrunken und verwahrlost ich die Koordinaten rauskotzte, ich kam immer schnell und wohlbehalten an, ohne eine unangenehme Frage, ohne sich über einen 30 sekündigen Aufenthalt in einem Hausflur zu wundern und wieso mein Duft danach so gar nicht nach CK ONE, sondern vielmehr nach Cannabis for Men roch. Und da sagt man: Servicewüste Deutschland.

Nachteile brachte diese unrühmliche Berühmtheit natürlich auch mit sich, ein einziges Mal. Als meine Mutter eines Tages mit der Wahrscheinlichkeit von Eins zu einer Quattrotrillarden, einmal zur Not ein Taxi brauchte, ich ihr in temporärem Verlust meiner Instinkte MEINE Nummer nannte, meine Nummer zum Glück, meine zum Zwang verkommene Sucht mich königlich chauffieren zu lassen, selbst auf den -fast- täglichen 1,2 Kilometer zum Gymnasium nicht der unbezwingbaren, hinterlistigen und fiesen Witterung des Niederrheins ausgeliefert zu sein, diese NUMMER gelangte in falsche Hände. Während mir das Alles und noch viel mehr durch den Kopf jagte, nachdem ich ihr die Nummer gab, sah ich an dem Gesichtsausdruck meiner Mutter, dass sie nur noch eine der vier Möglichkeiten hätte wählen müssen, nachdem sie sich mit ihrem Nachnamen, unserem Nachnamen, gemeldet hatte. Wie sich ein paar Momente später herausstellte, wählte meine Mutter währenddessen eine komplexe Form ihres Wutausbruchs und es prägte sich das bis heute bestehende Misstrauen ein, sobald ich irgendwo ohne eigenes Gefährt auftauche, ist ihr nicht auszureden, dass ich nicht erneut Anteile des Funkwagenunternehmens erstanden habe.

Die Zigarette auf dem Boden ausgedrückt und in den Gully geworfen, voller Elan den Garteneingang von Tom erklommen, die kleine Treppe hinter dem Haus von Toms Eltern hinuntergeschlichen, machten wir uns auf die Suche im Internet. Natürlich hätte man die Suche rein theoretisch auch bei mir machen können, aber erstens sind meine Mutter und mein Stiefvater militante Nichtraucher, aber beide haben früher geraucht. Und das ständige, lästige rausgehen macht einen selber langsam aber sicher zum Nichtraucher und man gibt mit jedem Mal Tür zuziehen die Bestätigung nach oben: ,,Ja, ich bin aussässig!” Zum Zweiten ist das so eine Sache mit dem Internet, jedenfalls damals gewesen. Es ist in der Dose und auch im angeschlossenen Kabel, jedoch liegt es im Geschick des Administrators, dieses auch zu einem laufenden Programm, einem Internet zu basteln. Und das hat mich vor über zehn Jahren definitiv überfordert, eine völlig fremde Verliererwelt ohne Aussicht auf Sonnenstrahlen. Dazu muss ich aus Selbstschutz natürlich bekannt machen, dass ich ein Waldorf Kind bin, Kindergarten und Schule. Die schulische Karriere war jetzt nicht, wie man im Volksmund so schön sagt, gradlinig, aber bis zur Mitte der vierten Klasse prägte mich diese Art der Bildung und die Prägung schlägt bis heute immer mal wieder durch. Dementsprechend war auch die Einstellung meiner Mutter zum Internet, ein blöder, überflüssiger, technischer Trend, den man nicht mitmachen müsse. Tommi war ein durch und durch staatlich geprägtes Kind, schulisch, und sein Internet lief tadellos und auf Abruf. Seine Eltern waren technikbegeistert und die Frage nach perfekt laufendem Internet stellte sich erst gar nicht. Tom warf den Apparat an und ich machte mich daran, meine überdimensionale Drehmaschine zu füllen und akkurat die Utensilien für ihre Bestimmung vorzubereiten. Quasi fing der Urlaub in der Planung so an, wie er auch verlaufen sollte und was Sinn und Zweck des Trips war: DICHTHEIT!

Eine Telefonkonferenz zu Maikel und Meyer geschaltet, die natürlich bei sich jeweils im Gegensatz zu mir zu weltweiten Informationen ebenso Zugriff hatten wie Tommi, wurde uns schnell einsichtig klar, dass Amsterdam als Unterkunftsort und Basis unrealistisch war. Lieblingskinder werden halt auch nur begrenzt geliebt. Und die Grenze war definitiv einerseits angesichts der Amsterdamer Hotelzimmer Preise im Hochsommer erreicht, mit den wahrscheinlichen Befürchtungen unserer Eltern, was wir wohl von früh bis spät mitten in Amsterdam machen würden, waren die Grenzen weit überschritten. Schnell das Umland auf virtuellen Campingplatzkarten durchforstet, stand schnell ein Campingplatz irgendwo zwischen Lelystad und Almere als Ziel der Verqualmung fest. Urlaub am Ijsselmeer. Das konnten wir auch ohne aufkommendes Misstrauen der Geldgeber beruhigt als zivilisierten Urlaub verkaufen.

In den nächsten verbleibenden 9 Wochen stand genaues, gutes, Kiffer orientiertes Planen auf dem Programm und die Frage, wem das Privileg erteilt wurde, mitreisen zu dürfen. Die Planung und der Sinn der Reise wurde stark durch den Einfluss von unseren Lieblingsfilmen geprägt: Lammbock, Bang Boom Bang, Half Baked, Fear and Loathing in Las Vegas, Road Trip. Bis heute kann ich sowohl Lammbock als auch Bang Boom Bang synchron mitsprechen. Mit Betonung selbstverständlich. Bevorzugter Charakter: Kalle Grabowsky!

Die Teilnehmerwahl des Exkurses in das Land der Deiche und Tulpen gestaltete sich da etwas schwieriger. Ein langer Weggefährte des Graspfads war Ketter, so sein Nachname, Matthias Ketter, ein bisschen crazy, lustig, manchmal nervig schusselig und Helge Schneider Anhänger. Das kann ich von uns allen im Übrigen behaupten, der Messias unserer Jugend und bis heute unangefochten. Zuschlag, er war dabei! Es geisterten noch weitere Vorschläge umher, Lukas, Andreas, Benno, Christian. Lukas, unser eiskaltes Händchen konnte sich nicht recht mit dem Gedanken anfreunden, über 24 Stunden von der Küche seiner polnischen Mutter getrennt zu sein und entschied sich relativ schnell gegen das Abenteuer: selber Kochen oder Essen holen. Andreas, unser Kellerkind, mit geschlossenen Augen hautfarblich nicht von der weißen Raufaser hinter sich in seinem 4x6 Meter großen Kellerzimmer mit gefühlten zehn Computern und Bildschirmen zu unterscheiden, war der mediale Entzug schon beinahe zu viel in der Vorstellung und kollabierte fast, als wir fragten. Christian konnte keine Kohle auftreiben und Benno hatte leider keine Zeit.

Der Name Anna fiel. Zuschlag! Sie war ein hübsches, großes Mädchen, mindestens 1,75m und mindestens 1m davon nur Beine, rehbraune, riesige Augen und dunkles, langes Haar. Claire war mein Vorschlag, auch Toms, nur war es halt so, dass Anna schon des Öfteren mir gegenüber offenherziges Interesse signalisiert hatte. Tom trug unter uns auch mal ganz gerne den Namen ,,Rosa Ritter”. Er neigte recht häufig dazu, auf den ersten Blick verliebt zu sein, bzw. richtiger wäre, nach dem ersten Blick zu lieben, ganz gleich ob das auf Zustimmung traf oder nicht und dies tat er mit einer solch radikalen Vehemenz, dass das arme betroffene Mädel so gut wie immer binnen kürzester Zeit das Weiteste suchte, was sie finden konnte und Tommi in den folgenden drei Wochen von uns neu aufgebaut werden musste. Diese Liebe signalisierte uns Jungs zugleich Besitzanspruch und war demnach tabu. Nur wird es dann schwer und kompliziert, wenn einer der Lucky Luke der Liebesblicke ist und alle anderen nichts als Besitzanspruchsflaggen sehen auf ihrem Ritt durch die Mädelsprärie. Ich wusste, sie will was von mir, Toms Flagge wehte heftig am Objekt und dennoch kam sie mit. Maikel und ich waren uns einig, dass wird einen Showdown aus Marienhof, GZSZ, Verbotene Liebe und Alles was zählt geben. Wahrscheinlich dramatischer!

Drei Tage vor Antritt der Reise kamen wir zusammen, um zu klären, wer welches Auto fährt, wer was mitnehmen kann, wer bei wem mitfährt, wie viel jeder im Einzelnen an Geld zur Verfügung hat, wer was in Venlo, der ersten Stadt, die direkt hinter der Grenze zu den Niederlanden liegt, einkaufen möchte, denn Venlo war unser erster Halt im gelobten Land, mit Shops, die wir kannten, man weiß, was man bekommt, zu Beginn der Reise KEINE Experimente! Außerdem wer welches Zelt mitnimmt, wer mit wem worin schläft und wie das Wetter eigentlich werden soll. Alles keine Themen, an denen Reibereien entstehen könnten, eigentlich. Als klar war, dass Tom ein eigenes Zelt benutzt, Ketter ein eigenes, Meyer eins, Anna eins und Maikel und ich zusammen in dem drei Kammern Hauszelt meines Bruders nächtigen, kam es zu der Aufteilung der Autos. Meyer wollte mit seinem Opel Kadett Kombi heizen, sein