And Sunlight Falls - Emilia Cole - E-Book

And Sunlight Falls E-Book

Emilia Cole

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Beschreibung

Er ist das Licht zu meinem Schatten.
Der Song zu meinem Tanz.
Der Höhenflug zu meinem Fall.


Wir sind eine Katastrophe und haben unser Schicksal selbst besiegelt. Indem ich ihn und er mich zerstört hat.
Und doch kann ich unser Band nicht kappen.

Ich habe es satt, davonzulaufen und meine Handlungen von einem Mann kontrollieren zu lassen, der seit Jahren nicht mehr Teil meines Lebens ist. Von einem Mann, der mich in Ketten gelegt und zu einer Gefangenen gemacht hat.
Ich will Joshua Sicherheit geben.
Und ein Versprechen.
Jetzt bin ich am Zug.




Enthält potenziell triggernde Inhalte.
Dark New Adult
Komplett überarbeitete Neuauflage der Never-Reihe, die 2019 unter den Titeln [ Never Again - Never Alone - Never Apart - Never say Never ] erschienen ist.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Inhalt

Impressum

Content Note / Vorwort

Musik

Sechs Jahre zuvor

TEIL EINS

Ich, der Trigger

Wie man sich freilässt

Wie man daran zerbricht

Er, der Trigger

Erwachen

Verloren

TEIL ZWEI

Du, ich und die Unendlichkeit

Neue Zeiten

Alte Zeiten

Sechseinhalb Jahre zuvor

Das Ende

Von Stolz und Eifersucht

Sprich mit mir

Einsame Stille

Familie

Er, der Dämon

Heimat

Herzschmerz

Erste Sitzung

TEIL DREI

Er, der Schatten

Erste Welle

Schwarz und Grau

Alleingelassen

Fragile Vaterfigur

Risse in der Fassade

Geheimnisse

Erhöhter Druck

Haltlos

Licht und Schatten

Angriffe

TEIL VIER

Druckabfall

Detonation

Wahrheiten

Entscheidungen

Dämonen und Engel

Siedepunkt

TEIL FÜNF

Vollkommene Stille

Mein Herz

Meine Königin

Epilog

Nachwort

Dank

Potenzielle Trigger

Impressum

© 2024 Rinoa Verlag

c/o Emilia Cole

Kolpingstraße 31

47608 Geldern

ISBN: 978-3-910653-68-9

rinoaverlag.de

emilia-cole.de

Alle Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Jedwede Ähnlichkeit zu lebenden Personen ist rein zufällig.

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Content Note / Vorwort

Where Shadows Hide / And Sunlight Falls sind komplett überarbeitete Neuauflagen der Never-Reihe, die 2019 unter den Titeln [Never Again – Never Apart – Never Alone – Never say Never] erschienenen sind.

In der Hide&Fall-Dilogie gibt es einige Szenen, die eventuell triggern können. Deswegen findest Du am Ende des Buchs die Themen, die aufgegriffen werden, falls Du dich vorbereiten möchtest.

Die Themen enthalten Spoiler für das gesamte Buch.

Es handelt sich um Dark New Adult mit wenigen expliziten Szenen sowie der intensiven Auseinandersetzung mit psychischen Störungsbildern. Es geht um die Aufarbeitung von Vergangenem und es wird wehtun.

Aber es wird immer schlimmer bevor es besser wird.

Der Rinoa Verlag und Emilia wünschen Dir ein wundervolles Leseerlebnis.

Musik

Die offiziellen Lieder zu Hide & Fall

Emilia Cole - Sofia

Emilia Cole – Autumn’s Dance

Emilia Cole – Autumn’s Dance(Sad Version)

Playlist

Radical Face – We All Fall Down

Alan Parsons Project – Eye In The Sky

Alan Walker – Faded

Alan Walker – Sing Me To Sleep

Arcane Roots – Matter(Revel)

Devil Sold His Soul – Frozen

Devil Sold His Soul – An Ocean of Lights

Heart Of A Coward – Skeletal II – Arise

Casey – Darling

Family Of The Year – Hero

Annisokay – Calamity

Immunity – Sounds Like A Melody

Zedd – Beautiful Now

Two Door Cinema Club – Happy Customers

Für Kati

Für alle Kämpfe,

die du noch gewinnen wirst

Er lauert in deinen Schatten.

Er zieht dich in die Dunkelheit.

Er ist der Dämon unter deinem Bett.

Da war dieses Mädchen.

Sie war das Mädchen, das in den Schatten lebte.

Ich war der Junge, der sie zurück ins Licht ziehen wollte.

Sie war das Mädchen, das zu viele Schritte zurückging.

Ich war der Junge, der ihr in die Dunkelheit folgte.

Sie war das Mädchen, das mich dort nicht duldete.

Und ich war der, der daran zerbrach.

Sechs Jahre zuvor

»Warst du mit ihm zusammen?« Nicos Stimme klingelte in meinen Ohren. Er machte einen Schritt auf mich zu.

Seine Aura war düster.

Ich machte einen Schritt zurück.

»Hast du dich von ihm ficken lassen?«

»Ich war nicht bei Joshua. Ich schwöre es.«

»Und was war vor ein paar Tagen, als ich euch auf seinem Bett überrascht habe? Ich habe euch erwischt, Sofia! Er lag auf dir! Gib es endlich zu, dass zwischen euch schon lange was läuft, verdammt! Hältst du mich für einen Idioten?« Nico kam auf mich zu und ich senkte den Kopf und duckte mich. Er hatte allen Grund, so wütend auf mich zu sein. »Ich verschwinde.«

»In dem Zustand setzt du dich nicht hinters Steuer!«

Nico lachte hässlich und ging zu meiner Zimmertür.

Geistesabwesend rannte ich an ihm vorbei und stellte mich ihm in den Weg.

»Geh mir aus den Augen!«, rief er.

»Du steigst so nicht ins Auto! Beruhig dich und fahr dann!« Ich wollte nicht dafür verantwortlich sein, dass er einen Unfall verursachte.

»Du denkst, ich halte es noch eine Sekunde länger mit dir in einem Raum aus, du verlogenes Miststück?«, schleuderte er mir entgegen.

Ich holte laut Luft.

»Du gottverfluchtes Miststück! Geh mir aus dem Weg!«

Er packte meine Schultern und brüllte mich weiter an, aber seine Worte verzerrten sich zu einem fürchterlichen Rauschen.

»Nico, bitte -«

Ich stürzte mit einem lauten Stöhnen gegen meinen Schrank, ehe ich zu Boden fiel. Heftiger Schmerz erfasste meine linke Gesichtshälfte.

Ich rappelte mich schwerfällig auf und hustete.

Ich versuchte, Luft zu holen.

Ich bekam keine.

Meine Lunge verengte sich.

Langsam führte ich eine Hand an mein Gesicht und tastete die Haut ab. Blut tropfte auf den Zimmerboden. Tränen liefen über meine Wangen, hinterließ ein Brennen auf meiner Haut.

Mein Blick wanderte zu Nico, der mich fassungslos ansah, die Hand noch immer zu einer Faust geballt.

Danach wieder zu meiner eigenen Hand.

Da war überall Blut.

Mein Herz krampfte.

Zitternd atmete ich ein, wonach ich mich schwerfällig am Schrank hochzog und den Blick zu Nico hob. Er stand vor mir, groß und bedrohlich, wie ein Jäger vor dem tödlichen Schuss, die Augen aufgerissen, die Hand noch immer geballt.

Ich trat einen Schritt zurück.

»Sofia«, sagte er mit kratziger Stimme.

Ich trat noch einen Schritt zurück.

Er ließ die Hand langsam sinken und starrte auf die Faust, zurück zu mir. »Das …« Als er einen Schritt auf mich zumachte, wich ich zurück, riss die Tür auf und ein erstes Schluchzen kämpfte sich schmerzhaft durch meinen Hals. Ich stolperte die Treppe hinunter, auf der letzten Stufte knickte ich um und stürzte in den Flur. Der dumpfe Aufschlag meines Knies auf den Fliesen wurde von kreischendem Schmerz begleitet.

Mein Gesicht pochte.

Die Haustür flog auf, ich wurde am Arm hochgerissen und stöhnte.

»Fia!«

Ein weiteres Schluchzen vom mir schnitt die Stille und als ich in hellblaue Augen sah, brach ich vor Erleichterung und Scham beinahe zusammen.

Joshua atmete scharf ein.

Er blinzelte, wonach sein Blick noch einmal über mein Gesicht glitt. Fahrig. Hektisch.

Er packte meine Oberarme so fest, dass ich zusammenfuhr, dann verwandelte sich sein Ausdruck in eine wutverzerrte Fratze. Er ließ mich los. »Nico!«, brüllte er und rannte die Treppe hoch.

Nein.

Nein, nein.

Ich eilte ihm hinterher, rutschte mehrmals auf den Stufen weg und vernahm ein heftiges Bollern von oben.

»Joshua!« Meine Stimme klingelte in meinen Ohren und als ich die erste Etage erreichte, schrie ich auf, als Joshua Nico meinen Kleiderständer ins Gesicht schlug.

Ein fürchterliches Knacken ertönte.

Blut spritze.

Ich schrie erneut.

Noch ein Knacken.

Joshua stürzte auf ihn.

Wie ein Berserker, seine Wut überschwemmte jedes Molekül in der Luft.

Ich rannte in mein Zimmer, wo Joshua auf Nico einprügelte und riss an seinem Arm, aber jeder Versuch, ihn zu erreichen, endete damit, dass ich seinen Ellenbogen oder seine Faust in die Seite oder den Magen bekam.

Immer wieder taumelte ich zurück, immer wieder wollte ich Joshua von Nico wegziehen, um das zu beenden.

Ich schrie ihn an, dass er aufhören sollte.

Schritte auf der Treppe ertönten. »Joshua!«, donnerte Andrews Stimme hinter uns. Ich sah mich um und wurde von etwas erfasst, sodass ich stürzte. Stöhnend landete ich auf dem Boden, während Andrew seinen Sohn anbrüllte und versuchte, Joshua von Nico herunterzuziehen. »Joshua, stopp!«

Ich robbte rückwärts von ihnen weg, bis ich unter meinem Schreibtisch kauerte, zog die Beine an den Körper und schlang die Arme darum.

Dann starrte ich auf Nicos Gesicht.

Seine Nase war eingedrückt.

Die Augen vollkommen verquollen. Rot, blau unterlaufen. Sein Kiefer halb zertrümmert.

Überall um ihn herum verteilte sich Blut, das den Holzboden dunkel färbte. Ich entdeckte einen Zahn.

Andrews Stimme verschmolz mit der von Joshua, alles wurde zu einem diffusen Rauschen. Ich warf die Hände an meine Ohren, um diese hässlichen Rufe und Stimmen auszuschließen.

Und ich starrte auf den Mann, der blutüberströmt am Boden lag und sich nicht mehr rührte.

TEIL EINS

Erinnerst du dich an uns?

An unsere Träume?

Ich, der Trigger

Der Aufenthalt in New York war ein Albtraum.

Weil alles um mich herum zusammenbrach.

Sofia und ich waren gescheitert.

Mein Leben, das Leben um mich herum stagnierte.

Der letzte Streit zwischen uns war in meinen Kopf gebrannt und nichts übertönte unsere hässlichen Worte. Die Panik in ihren Augen, als ich ihr meine Liebe gestanden hatte, hatte mir den Rest gegeben. Sie fürchtete sich davor.

Vor Liebe.

Vor meiner Liebe.

›Ich musste mit ihm schlafen.‹ Der Satz war am deutlichsten von allen zu hören.

Ich rieb mit den Fingern über meine geschlossenen Augen und meine Stirn, weil ich keine Ahnung hatte, wie ich damit umgehen sollte, wenn meine schlimmste Befürchtung sich bewahrheiten sollte.

Weil dann alles, was zwischen ihr und mir in der Vergangenheit vorgefallen war, einen vollkommen neuen Geschmack bekam.

›Nico hat sich in den letzten Wochen wegen dem zwischen uns nicht gut im Griff.‹

Das waren ihre Worte gewesen, als wir vor sechs Jahren das Verhältnis miteinander gehabt hatten und nach und nach sickerte alles, was sie mir über Nico gesagt hatte, wie Säure meine Kehle hinab und breitete sich in meinem Körper aus.

Jemand berührte mich am Arm.

»Was?«, rief ich aufgebracht und langsam nahm ich auch das Wummern des Basses in meinen Knochen wahr.

Mit abwehrend gehobenen Händen stand Laura neben mir, ihre Augen aufgerissen. »Was ist denn nur los mit dir?«

Ich wischte ihre Worte mit einer Handgeste weg und wandte mich der Theke zu. Mit den Fingern drehte ich die Bierflasche.

Laura lehnte sich neben mich und beugte sich zu mir. »Sollen wir lieber gehen?« Sie sah einmal über den Thekenbereich des Nobelclubs. Dahinter stand eine hübsche junge Kellnerin, die mich bereits ein paarmal angelächelt hatte und vor wenigen Wochen hätte ich sie vermutlich mitgenommen.

Aber jetzt … wollte ich Sofia.

Sicher hatte ich das zuvor auch gewollt, aber nach der Zeit in der WG hatte sich wieder etwas geändert, sodass ich nicht einmal mehr Lust auf belanglose Nummern hatte.

Ich hatte auf nichts Lust.

Ich wollte meine Ruhe haben, um mich in meinen Gedanken zu quälen und in Selbstmitleid zu suhlen. Ich wollte davon fantasieren, wie Sofia und ich ein glückliches Leben führten, wie alles anders wäre.

Wie sie und ich existierten. Ich würde ihr beim Arbeiten zusehen, wenn sie neue Bilder erschuf und sie würde mir zuhören, wenn ich am Flügel saß. Wir würden Arm in Arm einschlafen und genauso aufwachen und jeden Morgen gemeinsam starten.

Einfach so. Ohne Druck. Ohne Vorwürfe und Wut. Ohne Angst und Eifersucht.

Ohne zersplitterte Herzen.

Was, wenn ich ihr früher gestanden hätte, was sie mir bedeutete? Wenn sie Nico niemals getroffen hätte? Wenn sie nie mit ihm zusammengekommen wäre, weil sie sich für mich entschieden hätte? Wären wir dann seit Jahren ein Paar? Würden wir zusammen wohnen? Wären wir womöglich … mehr als nur Freund und Freundin? Verheiratet? Würden wir über Kinder sprechen?

Fuck. Das Gedankenkarussell ließ mich nicht absteigen, seit Tagen drehte sich alles um diese Fragen.

Ich rieb mit den Fingern über die geschlossenen Augen.

»Joshua?«

Mein Blick schwenkte zu Laura und sie lächelte ein wenig gequält. »Lass uns gehen.«

Ich machte einen knappen Rundumblick und landete an dem Tisch, an dem ich vorhin noch mit Laura gesessen hatte. Auch Rahel und zwei weitere Kolleginnen waren dort. Rahels Aufmerksamkeit glitt zu uns und ich wandte mich schnell ab und nickte Laura zu.

»Okay.«

Mehr nicht.

Weil ich nicht hier sein wollte. Ich wollte nicht in New York sein ich wollte in Brightfield bei Fia sein. Und ich wollte diese Model-Scheiße nicht mehr machen, ich wollte Musik machen.

Gemeinsam mit Parker, Ian und sogar Ben. Egal, wie sehr er mich verletzt hatte.

Ich vermisste sie.

Ich vermisste die Proben und das entspannte Zusammensein. Ich vermisste es sogar, dass Ben uns dauernd zur Sau machte, weil wir nicht bei der Sache waren.

Wir verließen den Club und Laura holte uns ein Taxi auf den Straßen Manhattans. Die Geräuschkulisse und die Lichter dröhnten in meinem Schädel und ich war froh, als ich die Tür des Wagens hinter mir zuziehen konnte.

Laura gab dem Fahrer die Adresse auf der anderen Seite des Central Parks und er fädelte sich auf die überfüllte Straße ein. Im Hintergrund spielte ein Track und ich brauchte einen Moment, um Alan Parsons Project zu erkennen. Sofort wurde der Druck auf meiner Brust durchdringender.

Das Bild, wie Sofia früher dazu im Wohnzimmer getanzt hatte, grub sich schmerzhaft in meine Erinnerung.

Ich starrte eine Weile aus dem Fenster, Laura tippte auf ihrem Handy herum, was ich im Augenwinkel erkannte.

»Was soll ich Rahel scheiben?«

Ich sah sie an. »Wie bitte?«

»Sie fragt, wieso du ohne ein Wort gegangen bist.«

»Schreib ihr gar nichts«, gab ich irritiert zurück.

»Du weißt, dass sie hinter dir her ist, oder? Bei unserem letzten Auftrag hat sie mich wieder nach dir gefragt. Langsam geht sie mir damit auf die Nerven.« Lauras Gesicht wurde von den Neonlichtern der Gebäude beleuchtet, während wir an einer Ampel standen.

»So eine Scheiße kann ich nicht gebrauchen.«

»Soll ich ihr das schreiben?« Laura lachte.

»Von mir aus. Hauptsache sie lässt mich in Ruhe.«

»Na gut.« Damit widmete sie sich ihrem Handy und tippe eine Nachricht ein, wonach sie mich wieder ansah. »Das … mein Guter, wird dein Problem. Nicht meins.«

»Die soll etwas runterfahren, nicht jeder Kerl will sie. Die mit ihren beschissenen Starallüren.«

»Du hattest sie längst.«

Ich winkte ab. »Verdammt, erinnere mich bitte nicht daran. Ich habe gerade andere Dinge, die mich beschäftigen.«

»Sofia, hm?«

»Und wenn schon.«

Laura ließ das Handy sinken. »Joshua, du hast sie im Bad gebumst, während ich auf der Couch saß. Ich habe euch gehört.«

Der Fahrer vorne warf einen Blick in den Rückspiegel.

Ich räusperte mich, weil das nicht meine Sternstunde gewesen war. Noch dazu hatte ich mich danach richtig beschissen gefühlt. Was reichlich untertrieben war, ich hatte gelitten, mein Herz war dabei gefühlt im Sekundentakt weiter auseinandergebrochen.

»Das war eine Scheißaktion«, sagte sie eindringlich. »Und das nicht nur, weil ich nebenan saß und darauf gewartet habe, dass wir essen gehen. Wie kommst du darauf, sie da mal eben zwischendurch zu vögeln?«

»Das war nicht der Plan an dem Tag.«

»So etwas hat keine Frau verdient.«

»Danke für deine aufbauenden Worte.«

»Weißt du … wenn man dir nicht die Wahrheit sagt, benimmst du dich wie ein Hornochse.«

»Hornochse?«

»Du brauchst direkte Ansagen. Das ist alles.«

»Ja dann … sag mir, was du von ihr und mir hältst.«

»Na gut.« Sie steckte das Handy in ihre kleine Handtasche, die zwischen uns auf dem Sitz stand. »Ich denke, dass du mehr Rücksicht hättest nehmen sollen.«

Ich lachte. »Ich verstehe dich nicht.«

»Weiß ich. Ist mir egal. Du hättest darauf eingehen müssen, dass sie Probleme mit der Vergangenheit hat. Aber ich bin davon überzeugt, dass Liz dir das auch gesagt hat.«

»Seit wann stehst du bitte hinter Liz’ Meinung?«

»Darum geht es nicht. Es geht darum, dass du ihr eindeutig zu viel abverlangt hast.«

Ich verschränkte die Arme und seufzte gedehnt. »Wenn ich nichts unternommen hätte, wäre noch immer alles wie vor sechs Jahren.«

»Wenn du nichts unternommen hättest, wärst du jetzt noch bei ihr.«

Ich lachte dumpf. »Als ihr Stiefbruder und Mitbewohner. Dann wäre zwischen uns doch noch alles wie vor einem Jahr.«

Egal, wie hart es war, es hatte sich etwas geändert, wir hatten ein Muster durchbrochen und das war für mich die Hauptsache. Ich hatte es geschafft, immerhin etwas an Sofia heranzukommen und ich war davon überzeugt, dass sie damit arbeiten konnte.

Scheiß in dem Szenario auf mich.

Ich erholte mich.

Irgendwann.

Liz hatte mir gesagt, sie hätte Sofia angeboten, einen ihrer Dozenten wegen der Therapie zu fragen. Jetzt lag es an Fia, das Angebot anzunehmen.

Ohne mich würde sie das schaffen.

Schließlich war ich einer ihrer größten Trigger.

Wie man sich freilässt

Ich spritzte mir eiskaltes Wasser ins Gesicht, trocknete es ab und stützte mich auf den Waschbeckenrand.

Ich sah fürchterlich aus.

Ich fühlte mich fürchterlich.

Joshua und ich waren endgültig gescheitert.

Die Leere, die sein Auszug in mir hinterlassen hatte, war überwältigend, ich hielt es kaum aus. Alle seine Sachen waren weg, nur die kahlen Möbel standen in dem Raum, der noch vor Kurzem sein Zimmer gewesen war.

Und ich musste mit der Gewissheit leben, den Menschen verloren zu haben, der mir mehr bedeutete als mein eigenes Leben.

Seit beinahe vier Wochen war er weg und jeden Tag redete ich mir ein, dass es bald besser werden würde, aber es wurde schlimmer.

»Sofia«, sagte Liz sanft und lehnte sich in den Türrahmen zum Bad. Ich schaute sie durch den Spiegel an. »Ich … habe das Zimmer neu vermietet.«

»Hm-mh.«

Sie trommelte mit den Fingern auf das Holz. »Flora zieht in ein paar Tagen ein.«

»Schöner Name«, sagte ich schwach und lächelte sie gequält an. Liz’ Trommeln wurde intensiver. »Da kommt doch noch etwas, oder?«

»Sie … war eventuell mal hier.«

»Es waren einige Menschen in der WG. Du müsstest schon etwas präziser werden.«

»Sie ist blond und -«

»Du willst mich fertigmachen, oder?«, fragte ich leise und ließ den Kopf zwischen den Armen hängen. »Es war die, die bei ihm übernachtet hat, richtig?«

»Ähm … ja.«

»Es ist sowieso alles egal.«

»Möglicherweise war es meine Schuld, dass sie bei ihm übernachtet hat.«

Langsam hob ich den Kopf, um Liz wieder durch den Spiegel anzusehen. »Wie meinst du das?«

»Sie wollte erst bei mir schlafen … und … wir hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit, also ist sie zu Joshua ausgewichen. Es tut mir leid. Es ist vermutlich falsch rübergekommen, aber Flora und Joshua hatten nichts miteinander.«

Ich lachte matt. »Woher willst du das wissen? Als wenn Joshua sich so eine Chance entgehen lässt.« Dabei trocknete ich meine Hände erneut ab, energischer.

»Weil sie nicht auf Joshua steht.«

Wieder lachte ich. »Komm schon, Liz.« Ich zog fester an dem Handtuch, riss es von der Stange und warf es zu Boden. »Gott! Dieser verfluchte Scheißkerl!«

»Sie ist lesbisch, Sofia.«

Ich hielt inne und drehte mich langsam um. Vermutlich starrte ich sie vollkommen überfordert an. »Was?« Das bedeutete, dass Joshua sie wirklich nur bei sich hatte schlafen lassen. Vor allem aber bedeutete es, dass ich ihm unterstellt hatte, mich durch sein rücksichtsloses Verhalten wie Dreck behandelt zu haben.

Ich blinzelte.

»Es wird dich überraschen, aber nicht jede Frau steht auf ihn.«

»Ich …«

Sie stieß sich vom Türrahmen ab. »Ich habe noch etwas für dich.« Sichtbar vorsichtig zog sie eine kleine Karte aus ihrer hinteren Hosentasche und hielt sie mir entgegen.

Nach kurzem Zögern griff ich danach und schaute auf die wenigen Infos.

»Das ist einer meiner Dozenten.«

Ich ließ den Blick über den Namen und die Telefonnummer gleiten. Dr. Heart. Wie passend.

»Ruf ihn an, er hat mir versichert, er würde dich aufnehmen. In etwa vier Wochen hätte er sogar einen Termin frei.«

»Kann ich das nicht auch bei dir machen?«

»Dich sollte jemand therapieren, der dir gegenüber neutrale Entscheidungen treffen kann. Wir sind befreundet, das trübt mein Urteilsvermögen. Außerdem bin ich mit dem Studium noch nicht fertig.«

»Du siehst mich als Freundin?«

Sichtlich verlegen drückte sie das Brillengestell auf die Nasenwurzel. »Ja, das tue ich.«

Obwohl meine Welt untergegangen war, brach bei ihren Worten ein winziges Stück der Gewitterwolken heraus und ließ einen kleinen Lichtschimmer hindurch.

Ein großer Transporter parkte vier Tage später auf der Einfahrt, als ich von der Uni kam. Ich quetschte mich an ihm und dem Rosenstrauch vorbei, um die Treppe zu erreichen. Flora kam aus ihrem neuen Zimmer, während ich durch den Flur ging.

»Sofia, richtig?« Sie winkte knapp.

»Genau.« Ich ging in mein Zimmer und legte meine Tasche aufs Fußende der Matratze.

»Liz musste weg und ich brauche Hilfe bei meinem E-Piano. Hilfst du mir?« Sie faltete die Hände. »Bitte, bitte, neue Mitbewohnerin. Das ist das letzte große Teil.«

»Du spielst Klavier?«

Sie nickte. »Meine Eltern haben mich mit drei Jahren zur musikalischen Früherziehung geschickt. Danach das volle Programm. Klavier, Gitarre, Violine, Saxophon …« Sie lächelte mich an.

»Das ist beeindruckend.«

»Es ist nett von Joshua gewesen, die Gitarrenhalterungen an der Wand zu lassen.« Flora klatschte in die Hände. »Ich freue mich auf mein neues Zimmer, in den Studentenwohnheimen ist es einfach viel zu eng.« Sie faltete die Hände. »Ich habe sogar schon einen Job gefunden. Du wirst es nicht glauben, ich habe Joshuas Job übernommen. Ach, das Glück ist zurzeit auf meiner Seite.« Sie strahlte und steckte mich mit ihrer guten Laune sogar ein bisschen an.

Wir holten das E-Piano aus dem Wagen und trugen es vorsichtig durch das Treppenhaus.

»Danke, Sofia. Leider hatte ausgerechnet heute niemand Zeit für mich. Meine Eltern wohnen in Detroit, meine Schwester sitzt an ihren Hochzeitsvorbereitungen und mein Bruder promoviert gerade.« Wir gingen durch die Tür und Flora stöhnte einmal. »Und mein anderer Bruder … ist ein Idiot.«

Ich lächelte sie an, während wir das Piano in ihr Zimmer unter das Fenster stellten.

Sie hatte umgeräumt.

Das Bett, bezogen mit einer Blumenbettdecke, stand auf der anderen Zimmerseite, wo zuvor der Tisch gestanden hatte. Über dem Schreibtisch hingen bereits zwei Akustikgitarren an der Wand. Eine davon hatte einige Blumenaufkleber auf dem Bauch.

Ich beschloss, dass es gut war, dass sie das Zimmer verändert hatte.

Trotzdem hing noch ein Hauch seines Dufts im Raum …

Flora lehnte sich an den Tisch und schenkte mir ein zufriedenes Lächeln. »Und? Gefällt es dir noch?«

»Ähm … ja, sicher.«

»Liz meinte, Joshua und du, ihr wärt irgendwie zusammen gewesen … und na ja … irgendwie will ich wohl, dass es dir gefällt. Und noch dazu -«

»Wir waren nicht zusammen.«

Sie atmete aus. »Puh, ich dachte schon, ich hätte Mist gebaut, als ich bei ihm übernachtet habe.«

»Es hat mich überrascht.« Fertiggemacht traf es wohl besser. Aber wenn ich mir das lang genug einredete, glaubte ich mir vielleicht bald, dass mich dieses Bild nicht vollkommen zerstört hatte.

»Ich habe wirklich nur neben ihm geschlafen … Er ist ein Freund von mir, wir haben uns nicht berührt, ich schwöre.« Sie hob ihre Hände auf Brusthöhe.

»Liz sagte bereits, dass du nur bei ihm geschlafen hast.«

Jetzt lächelte sie wieder und nickte. »Also … auf einen guten Start in der WG.«

Ich half Flora, den Rest aus dem Lieferwagen zu holen und danach verabschiedete ich mich in mein Zimmer, um auf mein Bett zu fallen und um mich erneut mit meinen Gedanken zu quälen.

Morgens wurde ich von zarten Tönen geweckt und ich hob abrupt den Kopf und schaute zur Tür. Mehr und mehr der sanften Klaviertöne erfüllten die Luft und krochen durch die Wände.

Langsam rappelte ich mich auf und stand auf.

War das alles nur ein verrückter Traum gewesen?

Saß Joshua am Klavier und spielte?

Aber gerade als ich den Türknauf umschloss, fiel mir auf, dass es anders klang.

Das war nicht Joshua. Es musste Flora sein. Sie spielte anders. Ich konnte das nicht einmal erklären, aber ich würde Joshuas Spiel wohl immer und überall erkennen. Somit ließ ich den Knauf los und ging zurück, bis ich mich auf die Matratze setzen konnte.

Ich drückte die Hand an den Bauch und schloss die Augen, während die Töne mich weiterhin umgaben und dafür sorgten, dass mein Herz sich noch tiefer in meiner Brust senkte.

Was es auch war, aber das hier war nicht einmal ansatzweise mit meiner Sehnsucht vergleichbar, die ich in den letzten sechs Jahren verspürt hatte.

Etwas hatte sich geändert.

Vermutlich das Wissen darum, dass Joshua mich liebte.

Ich konnte es nicht fassen, dass er es mir gesagt hatte. Manchmal redete ich mir sogar ein, er hätte es nur getan, weil wir uns so gestritten hatten.

Eine Art … Übersprungshandlung.

Ich ließ mich auf den Rücken sinken und schaute überkopf auf Joshuas Zeichnung, die noch dort stand.

Joshua liebte mich.

Sein Ausdruck, als er es mir gesagt hatte, war in meine Netzhaut gebrannt. Vollkommen verzweifelt und überfordert.

Es war surreal.

Langsam drehte ich mich herum, um das Bild richtig anschauen zu können.

War es das wirklich? Surreal? Wenn ich ganz tief in mich hineinhorchte, war mir immer bewusst gewesen, dass er es tat.

Aber jetzt war alles zu spät.

Ich hatte unser Schicksal endgültig besiegelt und ich verstand, dass er nicht mehr konnte. Mir ging es schließlich genauso.

Ein paar Tage später hatten wir einen Kurs bei Mrs. Hicks. Heute ging es um etwas Theorie, wobei wir zeichnen durften. Somit saßen wir an den Staffeleien, während sie uns ein paar Dinge erläuterte.

Es regnete, doch eins der Fenster im hinteren Bereich war geöffnet und so drang das sanfte Prasseln zu mir. Heute war der erste Tag, an dem die Geräusche endlich etwas Beruhigung in mein aufgewühltes Herz brachten.

Gedankenverloren zog ich weitere Linien auf dem feinen Papier, als Jenny mich an der Schulter anstupste. Ich warf ihr einen knappen Seitenblick zu, bei dem ich das Handy in ihrer Hand registrierte.

»Es gibt Berichte.«

Ich hielt mit dem Stift auf dem Papier inne. »Was für Berichte?«

»Sieh es dir besser selbst an.«

Ich legte den Stift auf die schmale Ablage der Staffelei und griff ihr Handy. Sie hatte einen Link als Nachricht bekommen, in dem es um Joshua ging.

Und Rahel. Und Laura.

Ich schluckte und gab ihr das Teil zurück, weil ich darüber gar nichts lesen wollte, aber sie hielt es wieder hin. »Sofia«, sagte sie eindringlich.

»Ich will das nicht sehen.«

»Es geht auch um dich.«

Hastig nahm ich den Stift auf und machte weiter. »Das will ich auch nicht wissen.«

»Und um deinen Bruder.«

Abrupt stoppte ich, sodass der Stift einen etwas dunkleren Strich hinterließ. Verdammt. »Danny?« Sie nickte und ich kramte in meiner Tasche nach meinem Telefon. »Schick es mir, ich sehe es mir nach dem Unterricht an.«

Wenige Sekunden später summte mein Gerät und ich schaute kurz auf die Headline und auch das Bild, das angezeigt wurde, wonach ich es zurück in die Tasche stopfte und mich wieder auf den Unterricht konzentrierte.

Mehr oder weniger.

Als ich in der WG war, checkte ich den Link, den Jenny mir gesendet hatte, während ich meine Schuhe von den Füßen streifte und durch den Wohnungsflur ging. Es war irgendeine Webseite, die sich mit Stars und Sternchen auseinandersetzte, ich hatte noch nie davon gehört. Ich ging in mein Zimmer, legte die Tasche auf mein Bett und setzte mich daneben.

Dann öffnete ich die Seite.

Rahel Saar - neuer Partner?

Das war die Headline.

Darunter ein Bild aus einem Club, weshalb ich den Blick hob und aus dem Fenster schaute. Sofort verschleierte meine Sicht, weil Joshua dort mit Rahel abgebildet war. Als ich mich halbwegs im Griff hatte, sah ich es mir an. Sie saßen gemeinsam an einem Tisch, er hatte sich zu ihr gebeugt und sie ihre Hand auf seiner Brust liegen. Es sah seltsam vertraut aus, aber vielleicht täuschte das auch – was wusste ich schon? Immerhin hatte er mir auch nichts von seiner guten Freundin Laura erzählt.

Ein weiteres Bild war daneben. Sie stiegen aus einem Wagen und er hielt ihre Hand.

Rahel Saar wurde zum wiederholten Mal mit diesem Mann gesehen und es steht das Gerücht einer neuen Romanze im Raum.

Das Management schweigt dazu.

Der Mann an ihrer Seite – Joshua Campbell – der bereits mit Laura Vaughn einige Shootings hatte …

Ich überflog die nächsten Zeilen, in denen es nur darum ging, mit wem Joshua jetzt irgendetwas gehabt hatte und wieso.

Meine Seele brannte.

Ich konnte nicht weiterlesen, auch wenn es wichtig war, was sie über Danny geschrieben hatten.

Es war Joshuas gutes Recht, sich neu zu orientieren, aber es war schnell gegangen. Andererseits wusste ich nicht, ob das alles der Wahrheit entsprach oder eben nicht.

Und ich hatte keine Möglichkeit, ihn zu fragen.

Also doch, sicher hatte ich das …

Ich zögerte, doch öffnete schlussendlich den Chat mit ihm und starrte auf unsere letzten Nachrichten. Die hatten wir uns geschrieben, als für den Moment alles zwischen uns in Ordnung gewesen war.

In der letzten hatte er sogar ein Herz benutzt.

Langsam tippte ich.

Ich: Wie geht es dir? Fühlst du dich wohl in New York?

Seufzend schaute ich auf meine Worte und war unsicher, ob ich sie abschicken sollte, weil ich nicht aufdringlich sein wollte. Immerhin hatte er mir klargemacht, dass alles zwischen uns verloren war.

Doch mein Herz schrie lauter als je zuvor.

Also drückte ich auf Senden.

Ein Herzschlag.

Zwei.

Er kam online.

Drei Herzschläge.

Vier.

Er ging offline.

Langsam ließ ich das Handy sinken und legte es neben mich aufs Bett, wobei ich erneut aus dem Fenster schaute. Es regnete noch, die Bäume an der Straße waren längst mit roten, gelben und goldenen Blättern verziert. Immer mehr davon lagen täglich auf den Gehwegen, was mich normalerweise aufmunterte, aber derzeit zog mich alles runter. Selbst das fröhliche Tanzen der Natur.

Mein Handy vibrierte und ich griff so hastig danach, dass es mir beinahe durch die Finger glitt. Als ich den Anfang seiner Nachricht auf dem Sperrbildschirm sah, wäre ich beinahe zusammengebrochen.

Ich entsperrte das Gerät.

Joshua: Machst du Witze?

Joshua: Ich bin allein in New York. So geht es mir.

Auf einmal vibrierte es zwischen meinen Fingern und ich schnappte nach Luft, hob ab und stand schwungvoll auf.

Stille.

Ich holte einige Male tief Luft, dabei drückte ich die Faust vor die Lippen und kniff die Augen zu.

»Fia.«

Gott, seine Stimme.

Mein Herz drohte zu zerspringen.

Ich atmete laut aus. »Joshua.« Ich klang so verzweifelt, aber das war mir egal, weil ich mich genauso fühlte. »Ich vermisse dich so sehr.«

»Ich dich auch«, gab er leise zurück.

Langsam ging ich neben meinem Bett auf und ab, dabei drückte ich die Hand an die Brust. »Mein Herz tut so weh.«

»Meins auch.«

»Dann komm zurück zu mir.« Meine Stimme versagte beinahe.

»Fia …« Er seufzte.

»Bitte, komm zurück. Ich flehe dich an.«

»Nein.«

Die Endgültigkeit in seiner Stimme gab mir den Rest, weshalb ich mich am Fußende auf den Boden sinken ließ und den freien Arm um meine Beine schlang.

»Weil sich nie etwas ändert, wenn ich nicht damit aufhöre, alles für dich zu tun.«

Wieder Stille.

Ich kniff die Augen zu.

Ich liebe dich.

Verdammt, ich liebe dich, Joshua.

Aber sobald ich den Mund öffnete, verloren sich die drei kleinen und doch so schweren Worte im Nichts.

»Vielleicht … sehen wir uns irgendwann wieder«, flüsterte ich und ließ den Kopf zurück auf die Matratze sinken.

»Ja … vielleicht.«

»Ich wünsche es mir.«

»Ich auch.«

Und doch wollte er nicht zurückkommen. Doch reichte es nicht mehr aus, dass ich ihn anflehte, er möge bei mir bleiben. »Was ist Halloween? Kommst du dann nach South Creek? Du weißt doch, Andrew und Eva schmücken das Haus … dann die Party bei Parker und Ian … so wie es früher war.«

»Vermutlich nicht.«

»Und mein Geburtstag?«

Mein Geburtstag vor knapp zwei Jahren war der schlimmste meines Lebens gewesen, weil Joshua nicht gekommen war. Es war die Zeit, in der wir keinen Kontakt gehabt hatten, dennoch hatte es mich tief getroffen, weil er mir nicht einmal eine Nachricht geschrieben hatte.

»Eher nicht.«

Ich drückte die Hand vor die Augen. »Wieso hast du angerufen?« Der Druck auf meinen Hals erhöhte sich.

»Keine Ahnung … ich … kann es wohl nicht lassen …«

»Tut mir leid … ich wollte dich nicht drängen, das zu tun.« Hätte ich ihm doch gar nicht erst geschrieben, jetzt müsste ich wieder bei null beginnen so wie am Tag seines Auszugs.

Noch ein Seufzen. »Wieso hast du geschrieben?«

»Ich habe einen Bericht gesehen.«

»Davon gibt es einige.«

»Stimmt es?«

»Was genau?«

»Das mit Rahel und dir? Dass ihr … ein Paar seid?«

»Nein.«

Allein diese vier Buchstaben erleichterten mich so sehr, dass ich laut ausatmete.

»Wir mussten zusammenarbeiten … so sind auch die Bilder von dem Abend entstanden. Wir waren gemeinsam weg.«

Ich fragte nicht, ob er sie im Bett gehabt hatte, weil mein Bauchgefühl mir sagte, dass es so war und weil ich nicht hören wollte, ob ich damit richtiglag.

»Überlegst du es dir?«, wisperte ich wieder. »Irgendwann vielleicht? Kommst du irgendwann zurück?«

»Fia … du siehst doch, wo uns das alles immer hinführt. Wir beide …«

»Ich will in deinen Armen liegen«, sagte ich kratzig. »Ich will bei dir sein.«

»Das hast du damals auch zu mir gesagt.«

Ich wischte einige Tränen von meinen Wangen und zog die Nase leise hoch. »Ja … das hätte ich nicht tun sollen.« Und doch hatte ich es getan. Weil ich ihn auch zu dem Zeitpunkt gewollt hatte und er mich. Und doch hatten wir es nie geschafft, unsere Mauern zu durchbrechen. »Ich will neben dir einschlafen, jede Nacht. Ich will neben dir aufwachen.«

»Mach es mir bitte nicht so schwer.«

Langsam hob ich den Kopf von der Matratze und rappelte mich etwas auf, wobei ich noch mehrmals über meine Wangen wischte. »Kannst du mir etwas versprechen?«

»Hm-mh.«

Die Wohnungstür fiel ins Schloss und ich schaute zum Flur, wo Flora gerade im Türrahmen erschien. Sie lächelte mich mit einem Winken an, das ich knapp erwiderte, dann ging sie rüber in die Küche.

»Wenn du … jemanden kennenlernst … sagst du es mir? Oder schreibst du es mir? Damit … ich weiß auch nicht … ich möchte es einfach gerne wissen.«

Joshua lachte leise, doch es klang traurig. Ich stellte mir vor, wie er irgendwo auf einer Couch saß und die Stirn in die Handfläche gestützt hatte. »Du denkst, ich würde jemanden kennenlernen wollen?«

»Vielleicht irgendwann.«

»Wieso sagst du mir das?«

»Du willst frei sein … und … ich möchte, dass du glücklich bist und wenn dich eine andere Frau glücklich machen kann … dann solltest du die Chance ergreifen.«

Er sagte nichts.

Verlegen malte ich die kleinen Muster auf den Teppich vor meinem Bett nach. »Es ist mir wichtig, dass du glücklich bist. Obwohl ich gerne diejenige wäre, die dich glücklich macht. Aber das kann ich offensichtlich nicht.« Die Einsicht war brutal, gleichzeitig aber befreiend.

»Sofia …« Seine Stimme rutschte in die Tiefe, es war die Tonlage, die ich so sehr liebte, die durch meinen Körper floss wie eine sanfte Welle, um meine Seele zu kitzeln.

»Bitte sag es mir einfach, ja?«

»Hm-mh.«

Er sollte frei sein.

Also gab ich ihm seine Freiheit.

Er sollte glücklich werden.

»Joshua …«

»Hm?«

»Danke für alles. Danke für die Zeit und … danke für meine Kindheit und Jugend und … danke, dass du immer für mich da warst. Danke für unser erstes Mal. Danke für all die anderen Male … auch wenn es nie aus dem richtigen Grund passiert ist.«

Ich holte Luft.

»Danke für deine Hilfe, auch wenn ich sie nie angenommen habe. Danke … dass du bei mir bist. Danke, dass du bist.«

»Fia …«

»Einfach danke. Du bist wundervoll und ich ein Dummkopf, weil ich das verbockt habe.«

»Sofia … ich liebe dich.«

Mein Herz.

Mein Kryptonit.

»Ich … dich auch.«

Damit beendete ich das Gespräch und schaute rüber in die Küche, wo Flora sich zurücklehnte, um an den Türrahmen zu mir zu sehen. Sie warf mir ein warmes Lächeln zu, das mich sogar erreichte, es schenkte mir ein klein wenig Halt. Immerhin gab es Menschen in meinem Leben, denen ich wichtig war, die mich mochten und auch liebten.

Meine Sicht verschleierte und ich versuchte mich ebenfalls an einem Lächeln.

Weil es jetzt an mir lag.

Weil ich ihn gehenlassen wollte.

Damit er vielleicht irgendwann nach vorne blicken konnte, genau wie ich.

Wie man daran zerbricht

Ich ließ das Handy neben mich aufs Sofa fallen und drückte die Finger intensiv gegen meine geschlossenen Augen, wobei ich nach vorne sank.

Ich zog die Luft einmal laut ein.

Noch einmal.

Der Druck auf meinem Hals stieg.

Es wurde unerträglich.

Ein letzter Atemzug, dann ließ ich los und ein lautes Schluchzen durchbrach die Stille im Loft. Ein weiteres löste sich. Noch eins und noch eins.

Erste Tränen tropften zwischen meine Beine auf den hellen Fliesenboden, während ich vollkommen allein in der Stille saß.

Während ich erneut um die Frau weinte, der mein Herz gehörte.

Ich weinte um das, was wir gehabt hatten.

Um das, was wir nie werden würden.

Um das Mädchen, das endlich wieder getanzt hatte.

Aber vor allem um den Jungen, der einsamer denn je war.

Sofia hatte mich gerade gehenlassen.

Das hier war endgültig.

Nicht unser Streit, nicht mein Auszug und auch nicht die darauffolgenden vier Wochen Funkstille. Das hier war die Freiheit. Es war genau das, was ich gewollt hatte … wieso verflucht fühlte sich das also so unfassbar falsch an?

In meinem Rücken ging der Fahrstuhl auf, aber es interessierte mich nicht. Es interessierte mich nicht, dass Laura mich so sah.

Zerbrochen.

Am Ende.

Schritte ertönten. Erst langsam und dann wurden sie zügiger, bis sie sich schlussendlich neben mich setzte und ihre Hand auf meinen Rücken legte. »Joshua?«

Ich schüttelte den Kopf.

Weitere Tränen fielen auf den Boden.

»Was ist passiert?«, flüsterte sie.

»Ich kann nicht mehr«, gab ich zu. »Ich kann nicht mehr, Laura.«

Alle Momente zwischen uns schossen in Dauerschleife durch meine Gedanken und brachen mein Herz sekündlich aufs Neue.

Weil das hier das Ende war.

Sofia und ich waren Geschichte.

Ihr ausgelassenes Lachen drang in meine Erinnerung und wie sie den Kopf dabei in den Nacken fallen ließ, wie ihre Augen leuchteten, wenn sie malte oder sie zufrieden war. All die Momente, in denen sie mir ihre Arme um den Hals gelegt und mich angeschaut hatte. Jeder Moment, in dem sie ihre Finger durch meine Haare geführt hatte.

All die Minuten, in denen wir uns geküsst hatten.

Das alles würden lediglich Gedankenfetzen in meinem Kopf bleiben.

Und ich musste mit der Gewissheit leben, gegangen zu sein. Ich musst damit leben, uns den Gnadenstoß verpasst zu haben.

Laura lehnte sich an mich und drückte ihre Lippen über dem Shirt an meine Schulter. »Du kannst immer zurückgehen. Du hast immer die Möglichkeit, alles zu ändern.«

»Ich will sie«, flüsterte ich. »Aber ich ertrage das nicht noch einmal.«

»Erträgst du denn, wie es jetzt ist?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Dann flieg zurück«, sagte sie sanft und streichelte dabei über meinen Rücken.

»Es geht nicht.«

»Aber wieso? Ich verstehe das nicht, Joshua. Wieso bist du hier, anstatt mit ihr zu reden?«

Langsam richtete ich mich auf und sah Laura an, die mir ein vorsichtiges, dennoch aber aufmunterndes Lächeln schenkte. »Weil es nicht an mir liegt. Es ist ihre Entscheidung. Weil sie diejenige ist, die entscheiden muss, ob wir existieren.«

Laura musterte mich betrübt.

»Wir funktionieren nur, wenn sie endlich auf mich zukommt. Deswegen kann ich nicht zurück.«

Er, der Trigger

Seit dem Telefonat mit Joshua waren weitere fünf Tage vergangen und obwohl ich ihn hatte ziehen lassen, fühlte ich mich seitdem ein wenig besser.

Ich vermisste ihn unendlich, ich wollte bei ihm sein, aber gerade war es mehr ein … gutes vermissen. Sofern es so etwas gab. Es fraß mich zumindest nicht vollkommen auf.

Becca hatte sich bei mir gemeldet und wollte abends weggehen. Ich hatte Flora einmal zur Arbeit im Origin begleitet und Becca und ich hatten dort unsere Nummern ausgetauscht. Seitdem hatten wir Kontakt. Sie meinte, ich müsse unter Menschen kommen, also gab ich mich geschlagen. Außerdem wollte ich mich nicht vor der Welt verstecken. Nachdem ich einen weiteren Unitag hinter mich gebracht hatte, trafen wir uns.

Wir gingen ins Fiddlers, ein Irish Pub in der Nähe des Origin. Es war ziemlich voll und wir hatten Glück, dass wir einen Tisch ergattert hatten. Hier fühlte ich mich tatsächlich ein bisschen besser.

»Ich will, dass du das trinkst.« Becca stellte mir ein Guinness hin und setzte sich neben mich.

»Ich trinke gerade nicht.« Ich schob das Bier ein Stück von mir weg und sie schob es zurück.

»Doch, du musst deinen Kopf mal frei bekommen.«

»Da ist es hilfreich, sich zu betrinken.«

»Sich zu betrinken ist immer eine Lösung.« Sie rückte den Stuhl zu mir, sodass wir durch den Raum sahen. »Wir schalten heute beide ab und reißen Typen auf.«

»Hm … nein danke, kein Bedarf.«

Becca griff nach ihrem Bier und nahm einen großen Schluck. Sie sah sich auffällig um. »Da, der da starrt dich die ganze Zeit an.« Ich folgte ihrem Blick und entdeckte einen Mann mit dunklen Haaren, der tatsächlich zu mir sah.

»Das ist bescheuert, ich werde heute niemanden abschleppen, so einen Mist mache ich nicht.«

»Vielleicht geht es dir dann besser.«

»Vermutlich nicht.«

Vermutlich ging es mir noch schlechter, wenn ich jetzt wahllos mit irgendeinem Kerl herummachte oder so. Außerdem hatte ich das noch nie getan, also einen One-Night-Stand gehabt.

Ich griff widerwillig nach meinem Bier. Becca nahm ihr Glas und wir stießen an und tranken einen Schluck.

»Oder der da. Der, an der Theke. Der ist schnuckelig.«

Erneut folgte ich ihrem Blick und entdeckte einen Mann mit kariertem Hemd, der an der Bar lehnte und gerade einen Schluck von seinem Drink nahm.

Ich sah Becca wieder an. »Nein. Egal, wie viele Männer du mir vorschlägst, ich werde das nicht machen.«

»Er schaut her. O mein Gott, sieht der gut aus. Jetzt sieh mal hin. Wenn du nicht willst, dann nehme ich den auf jeden Fall mit.« Sie drückte ihren Rücken durch, während ich im Augenwinkel wahrnahm, wie der Holzfäller auf uns zukam und sich zu allem Überfluss einen Stuhl an den Tisch zog.

Na super.

Er hielt mir die Hand hin, weshalb ich den leichten Adern auf seinem Unterarm mit dem Blick folgte und kurz an dem aufgekrempelten Hemd in den Armbeugen hängen blieb. Danach glitt ich über den dicken Stoff, den dichten dunklen Bart und landete schlussendlich an seinen Lippen, weil er mich anlächelte. Ich griff nach seiner Hand.

»Sofia«, rief ich geistesabwesend.

»Ich weiß.«

Moment … was?

»Sag nicht, du erkennst mich nicht?«

Ich zog die Hand ruckartig aus seinem Griff.

Erneut musterte ich die dunklen, beinahe schwarzen Augen, die mir bekannt vorkamen. Und als ich die Narbe entdeckte, die von seiner linken Augenbraue über seine Schläfe zum Haaransatz wanderte, wusste ich, wer hier vor mir saß.

Mir wurde schwindelig.

Mir wurde schlecht.

Innerhalb von Millisekunden brach alles über mir zusammen.

Wie eine Welle, die alles wegspülte.

Alles, was ich bis gerade erreicht hatte.

Alles, was positiv war.

Meine guten Vorsätze, meine Leichtigkeit nach dem Telefonat mit Joshua. Einfach alles war weg.

Ich musste mich auf der Stelle beruhigen.

Einatmen.

Ausatmen.

Becca musterte mich ein wenig verwirrt und ich deutete auf ihn. »Das ist … Nico.«

›Hast du dich von ihm ficken lassen?‹, donnerte es in meinen Gedanken.

Säure stieg meine Kehle hinauf.

Ich nahm wahr, dass Becca sich mit ihm unterhielt, allerdings bekam ich kein Wort ihrer Unterhaltung mit.

Da saß mein Ex-Freund.

Meinen Ex, der vor sechs Jahren einen Teil von mir und auch von Joshua geraubt hatte. Nein, das stimmte nicht, er hatte mich vollkommen vernichtet, er hatte nichts als Asche hinterlassen.

Wieso war er hier?

Immer wieder schluckte ich das trockene Gefühl in meinem Hals weg. Mehr oder weniger. Ich griff nach dem Bier, um ein paar große Schlucke zu nehmen.

Nicht die beste Idee.

»Meine Güte, Sofia«, stieß Becca aus.

Ich hustete, weil das abartig war. Kurz hielt ich inne, um mich nicht auf den Tisch zu übergeben.

Ich konnte nicht hierbleiben.

Jeder Muskel in meinem Körper brannte.

Ich schob meinen Stuhl neben Becca, um ihr ins Ohr zu rufen. »Können wir bitte gehen? Kannst du zahlen?«

»Ähm … okay … klar.« Sie schaute von mir zu ihm.

Hastig kramte ich meine Geldbörse raus und reichte sie Becca und ohne ein weiteres Wort stand ich auf und drängelte mich zwischen den anderen Gästen zum Ausgang.

Ich brauchte frische Luft.

Ich brauchte Joshua.

Gott, ich wollte, dass er zu mir kam.

Sofort.

Die Dunkelheit um mich herum verdichtete sich.

Ich wollte zwei Frauen vor mir zur Seite drücken, als mich jemand an der Schulter berührte. Ohne mich umzudrehen, wusste ich, dass er mir gefolgt war.

»Was willst du von mir?«

»Ich möchte nur mit dir reden.«

Jetzt wandte ich mich ihm zu und sah ihn warnend an, doch ich schien ihn nicht zu beeindrucken, er kam näher. »Verschwinde.«

»Ich wundere mich, dass du mich nicht erkannt hast.«

Ich wich zurück und rempelte eine der Frauen an.

»Sorry«, sagte ich nach hinten. »Du siehst aus wie ein Einsiedler, der dreißig Jahre im Wald gehaust hat. Wie soll ich dich mit dem Bart erkennen?« Ich deutete auf ihn. »Lass mich in Ruhe.«

»Du hast dich nie bei mir entschuldigt.«

Ich lachte spitz. »Das ist nicht dein Ernst.«

»Immerhin hast du dich ganz schön danebenbenommen.« Er kam mir näher. »Ich habe Ewigkeiten gebraucht, um darüber hinwegzukommen.«

Schwachsinn.

Oder?

War es meine Schuld, dass er im Krankenhaus gelegen hatte? Hätte ich die Finger von Joshua gelassen, wäre das doch alles nie passiert.

Es war meine Schuld.

Er brachte mich total durcheinander.

Irgendetwas in seinen Augen blitzte auf. Ich kannte diesen Blick, sofort legten sich Ketten um meine Gelenke. Die Menschen um mich herum erdrückten mich, die Gespräche, die Musik dröhnte in meinem Kopf.

Ich warf einen hektischen Blick zu Becca, die an der Theke stand und mit einem der Barkeeper sprach.

Ich war nicht schuld.

Oder?

Ich musste etwas sagen, um ihn auf Distanz zu halten.

›Du verlogenes Miststück.‹

»Ein Anruf, Nico.« Dabei zwang ich mich, ihm in die Augen zu sehen. »Ein Anruf und er kommt her.«

Ob ich ihn damit genug einschüchterte?

Das Bild, wie Nico blutüberströmt in meinem Zimmer lag, schoss in meine Gedanken und ich kniff kurz die Lider zu, um das abzuschütteln.

›Joshua! Stopp!‹

»Ich wohne übrigens auch in Brightfield, Fia.«

»Nenn mich nicht so.«

Sein Lachen war hässlich.

Es grub sich schmerzhaft unter meine Haut.

»Nur dein Bruder darf dich so nennen.«

Ich verwandelte mich in das Mädchen von früher. Das kleine naive Mädchen, mit den geflochtenen Zöpfen und der Latzhose, das auf Abruf Spalier stand.

›Beweis mir, dass du mich willst und nicht ihn.‹

Alles um mich herum verblasste.

Ich stand in einem dunklen Raum.

Nico mir gegenüber.

Imposant und einschüchternd.

Wie vor sechs Jahren.

Und meine einzige Rettung war auf der anderen Seite des Kontinents. Joshua war nicht da, um mich zurück ins Licht zu ziehen.

Die Schatten wuchsen weiter.

»Dein Bruder, der sich immer so herzergreifend um dich gekümmert hat. Dein Bruder, der dir immer so nah war. Der dir immer zu nah war.« Er berührte meinen Oberarm. »Der dafür gesorgt hat, dass du dich danebenbenimmst.«

Mir war heiß.

Mir war kalt.

»Der dafür gesorgt hat, wie ich mich benehme. Der sich nie bei mir entschuldigt hat.«

Ich wollte schreien.

Doch ich blieb stumm.

»Joshua, dein Ritter auf dem weißen Pferd. Ich nehme an, er hat endlich bekommen, was er wollte?«

»Das … geht dich nichts an.« Meine Stimme verlor sich beinahe in der Geräuschkulisse.

»Bitte? Hast du dich von ihm ficken lassen? Von deinem Bruder? Hat es sich gelohnt?«

»Das geht dich einen Scheiß an«, rief ich und wollte flüchten, aber er packte meinen Arm und ich fuhr zusammen. »Lass mich los!«

Sein Griff wurde fester. Ich stöhnte schmerzverzerrt, was durch die laute Musik verschluckt wurde.

Meine Haut brannte. Schmerzhaft.

Meine Lunge implodierte jede Sekunde.

»Wie du mir, so ich dir.« Seine Finger gruben sich in meine Haut, genau wie vor sechs Jahren, als sie dunkle Spuren auf meinem Körper hinterlassen hatten. Als sie noch dunklere Spuren in meiner Seele hinterlassen hatten.

Das sollte nie wieder passieren.

Also nahm ich alle Kraft zusammen.

»Du tust mir weh«, rief ich und der Mann neben uns wurde auf uns aufmerksam.

Nico ließ mich los und hob die Hände, woraufhin ich aufatmete. Der junge Mann musterte mich einige Sekunden prüfend und als ich nicht reagierte, drehte er sich zurück zum Tisch.

Ich wandte mich ab, drängelte mich durch die letzten Leute und stieß die Tür auf, um mit einem Keuchen vor den Laden zu stolpern. Ich ging ein paar Schritte und stützte mich an der Hauswand ab.

Ich konzentrierte mich auf die vorbeiziehenden Autos. Auf die Gespräche und Schritte der Passanten.

Einatmen.

Ausatmen.

Das wiederholte ich einige Male.

»Was ist los?« Becca kam zu mir.

»Das ist … mein Ex.«

»Der nette Holzfäller?« Becca warf einen Blick durch das große Fenster.

Ich schulterte die Tasche. »Lass uns gehen.«

Wir gingen die Straße herunter. Mein Blick klebte am Boden, die Gespräche der vorbeiziehenden Menschen und der Gäste, die sich vor den Bars aufhielten, wurden diffuser.

Die ganzen acht Monate zwischen Nico und Joshua gruben sich an die Oberfläche und drohten, sie zu zersprengen. Und ich hatte keine Ahnung, was passierte, sollte sie endgültig aufplatzen.

Einatmen. Ausatmen.

»Du hast vorhin wirklich verstört gewirkt, als Nico bei uns am Tisch saß.«

»Er hat mich in der Beziehung nur verarscht und ich wollte nicht mit ihm sprechen. Das mit ihm möchte ich einfach vergessen.«

»Was hat er gemacht?«

Das konnte ich ihr nicht sagen.

Also schob ich alle Schuld auf ihn.

»Er hat mich betrogen.« Ich warf einen Blick zurück. »Joshua hat das rausbekommen. Er hat mir von Anfang an gesagt, dass mit Nico etwas nicht stimmt. Aber ich wollte ihm nicht glauben. Das war ein richtiges Scheißjahr.«

Ich habe Nico betrogen.

Nico hat mich geschlagen.

Und Joshua hätte Nico beinahe umgebracht.

»Wann war das?« Wir bogen in die nächste Straße ein, wo trotz später Uhrzeit noch reger Betrieb herrschte. Vor dem Kino standen dutzende Menschen und wir schlängelten uns an ihnen vorbei. Die teilweise ausgelassenen Gespräche der Passanten setzten mir massiv zu, ich konnte mich kaum auf meine Schritte konzentrieren.

»Da war ich siebzehn.«

»Als Teenager kommt es einem noch schlimmer vor.«

»Vermutlich.«

»Soll ich dich bis zur WG begleiten?«

»Das ist lieb, aber nein.«

»Gut. Dann verabschiede ich mich hier.« Sie blieb stehen und streckte die Arme aus. Ich drückte sie kurz. »Meld’ dich, wenn du mich brauchst.«

»Das mache ich, danke.«

Da ich die letzten Minuten allein zurücklegen musste, schaute ich mich dauernd nervös um. Ich hatte das Gefühl, dass er mich verfolgte.

Schon im Wohnungsflur hörte ich Liz und Flora diskutieren, das sorgte für ein klein wenig Ruhe in meinem Körper. Es roch nach chinesischem Essen. Ich folgte dem langen Flur und machte im Türrahmen zum Wohnzimmer halt.

»Sofia! Thor oder Captain America?«, rief Flora mit vollem Mund und Liz drehte sich auf der Couch um.

Liz gestikulierte mit den Stäbchen in der Hand. »Sieh dir Joshua an und jetzt denk noch einmal darüber nach.«

»Es geht nicht nur um das Aussehen, auch um die Qualität.«

»Ähm …« Ich lehnte mich an den Türrahmen. »Thor?«

»Sag ich doch, der Captain ist verweichlicht und eine Lusche. Hast du Hunger, Sofia?« Liz deutete auf das chinesische Essen auf dem Tisch.

»Ich bleib beim Captain, weil ich seine Moralvorstellungen mag. Ist mir egal, was ihr sagt«, entgegnete Flora. »Es hat vermutlich echt keinen Sinn sie zu fragen, weil sie eindeutig einen Typ hat. Typ Joshua.«

Liz stocherte in der Verpackung herum, um Nudeln auf die Stäbchen zu befördern, was ihr nicht gelang.

»Joshua hat diese Muskeln …« Ich deutete mit meinen Händen die seitlichen Bauchmuskeln an. »Und seine Brustmuskeln … die machen kluge Mädchen dumm.«

»Das ist seine geheime Superkraft. Schlaue Frauen dumm machen«, sagte Liz mit einem garstigen Lachen. Sie deutete wieder auf die Verpackungen. »Möchtest du etwas essen?«

»Ehrlich gesagt ist mir der Appetit vorhin vergangen.« Ich setzte mich neben Liz.

»Wieso das?«

»Wir haben meinen Ex getroffen.« Dabei sank ich in die Couch.

»Meinst du Ben?«

»Nein, nicht Ben.«

Direkt stellte sie die Schachtel auf den Tisch. »Warte mal … aber nicht …«

»Nico«, flüsterte ich. Ich lehnte mich an ihre Schulter und blickte gegen die Fensterfront, die den Raum spiegelte. »Wir haben ihn im Pub getroffen. Er hat gesagt, er wohnt hier in Brightfield.« Meine Stimme zitterte. Stimmte das? Oder wollte er mir nur Angst machen? Aber wieso sollte er im Fiddlers sein, wenn er nicht in Brightfield lebte?

Meine Haut glühte.

»Möchtest du darüber reden?«, fragte sie sanft.

»Ich möchte, dass Joshua zurückkommt. Ich brauche ihn.« Das stand ich nicht allein durch.

»Soll ich ihn anrufen?«

Ich nickte mehrmals.

Es war genau wie vor sechs Jahren. Es war wie damals. Es würde erneut passieren, ich wusste es.

Der Sturm nahte, ich fühlte die ersten Schwingungen auf meiner Haut, ich hörte sie in meinen Gedanken.

»Ruf ihn bitte an.« Meine Stimme brach.

Liz griff hektisch nach dem Handy, das auf dem Tisch lag. Als ihr Smartphone durchwählte, sah ich sie an.

Er sollte mir sagen, dass ich keine Angst haben musste und dass er zurückkommen würde. Ich wollte seine Stimme hören. Irgendetwas, das mir zeigte, dass wir doch nicht verloren waren. Dass ich nicht allein war.

Ich wollte Joshua gehenlassen aber das hier war so nicht geplant, das konnte ich nicht allein.

Liz strich mir über den Kopf und beruhigte mich ein wenig, weil das etwas Mütterliches an sich hatte. Auf einmal hielt sie das Handy von ihrem Ohr weg und ich erkannte, dass es sich verdunkelte. »Er … hat den Anruf … weggedrückt«, sagte sie leise.

»Was?«, wisperte ich.

Ob er ahnte, dass sie ihn meinetwegen anrief?

Er wusste, dass es meinetwegen war.

Ich schüttelte den Kopf.

Wieso drückte er den Anruf also weg?

Die Endgültigkeit unseres Scheiterns traf mich wie ein Vorschlaghammer. Von allen Seiten.

Die Wände kesselten mich ein und erdrückten mich.

Ich presste die Hand an die Brust und holte immer wieder tief Luft.

»Sofia.«

Ich bekam keine Luft.

Ich bekam eine Panikattacke.

Hektisch blinzelnd sah ich Liz an, die irgendetwas sagte, aber ihre Worte erreichten mich nicht.

Erschöpft öffnete ich die Augen. Es war dunkel und ich tastete die Matratze ab. Sie war härter als meine eigene. Ich ertastete mein Handy neben dem Kopfkissen und schaltete die Taschenlampe ein.

Neben der Tür stand ein großer Schrank. Gegenüber war das Fenster, die Vorhänge waren zugezogen. Davor ein Schreibtisch und daneben ein Regal gefüllt mit Platten und Büchern.

Ich war bei Ben in South Creek.

Obwohl es mich erleichterte, fühlte es sich befremdlich an, hier zu sein.

Als ich vom Bett rutschte, bemerkte ich, dass ich andere Kleidung trug. Lediglich ein Top und eine von Bens Boxershorts. Er musste mich umgezogen haben.

Okay …?

Egal.

Er hatte mich bereits nackt gesehen.

Vorsichtig drückte ich die Tür zum Flur auf, wobei ich einen Blick in die gegenüberliegende Küche warf. Es fiel schwaches Licht aus dem Wohnzimmer hierher.

Ich ging rüber ins Bad. Meine Reisetasche lag neben der Dusche, mein Kulturbeutel stand auf dem kleinen Regal neben dem Waschbecken. Daneben reihten sich Pflegeprodukte für Männer auf. Ich sah mir die kleinen Gläschen mit dem Bartöl an und allein das senkte meinen Puls.

Das Wissen, dass Ben hier war.

Als ich in den Spiegel sah, erschrak ich.

Meine Augen waren rot unterlaufen. Meine Nase war etwas geschwollen und ebenso gerötet. Mein Gesicht wirkte, als wäre ich in einen Bienenstock gerannt.

Vorsichtig tastete ich meine Haut ab.

Ich erinnerte mich nicht, weshalb ich hier war. Aber ich wusste, dass irgendetwas nicht stimmte.

Nach dem Zähneputzen legte ich die Zahnbüste auf die Ablage und stützte mich aufs Waschbecken.

Erneut dachte ich über den Tag nach.

Ich war in der Uni gewesen … wie jeden Tag in den letzten Wochen. Allerdings hatte sich etwas grundlegend geändert, denn Joshua war nicht mehr da, wenn ich aufwachte.

Er war nicht mehr da, wenn ich die Augen aufschlug und neben mich aufs Kopfkissen sah. Er war nicht mehr da, wenn ich die WG verließ und ich konnte ihm zum Abschied keinen Kuss mehr auf seine Schulter drücken.

Ich hatte mich mit Becca getroffen, wir waren im Pub gewesen.

Nico.

Ich holte tief Luft.

Meine Lunge wurde enger.

Mein Atem abgehackter.

Scheiße.

Sofort drangen Liz’ Worte in meine Gedanken und wie ich runterkommen konnte. Also konzentrierte ich mich auf Dinge, die ich hörte, die ich roch und auch sah.

Ich benötigte einige Minuten aber schlussendlich schaffte ich es, mich halbwegs zu fangen und sah noch einmal in den Spiegel. Ich konnte das.

Egal, wie schwer es war.

Und obwohl ich das Gefühl hatte, Joshua zu brauchen, war mir klar, dass mir keine andere Möglichkeit blieb als allein zu kämpfen. Denn er wohnte in New York, ein ganzer Kontinent lag zwischen uns.

Ich musste damit leben.

Ob ich wollte oder nicht.

Vorsichtig betrat ich den Flur und schaute zum Wohnzimmer. Irgendwo brannte eine kleine Lampe und ich schlich zur Tür und machte einen weiteren Rundumblick.

Ben saß auf der Couch und schaute sich zu mir um, als ich in den Raum kam. Er zog seine Brille ab und legte das iPad zur Seite. Auch seine Kopfhörer landeten auf dem Tisch.

»Wieso bin ich hier?« Ich umrundete die Couch und setzte mich zu ihm.

»Deine Mitbewohnerinnen haben dich hergebracht.«

Ich sah mich um, weil seine Wohnung noch immer einen vertrauten Anblick bot. Er hatte natürlich ein großes Plattenregal, außerdem einen Plattenspieler. In der Essecke hingen ein paar gerahmte Plakate von Fellow In Misery. Alles versprühte den Charme eines Mannes, der für die Musik lebte.

Ebenso wie Joshuas Zimmer damals.

Und doch hatte er die Musik aufgegeben.

Noch immer konnte ich nicht glauben, dass er das getan hatte.

Ben rückte zur Couchkante und stützte die Ellenbogen auf die Knie. Da er nur eine Jogginghose trug, schaute ich ihn einmal an. Ben war das krasse Gegenteil von Joshua, er hatte braunes Haar, einen Bart, war vollkommen tätowiert … und doch war er vom Gemüt her stets der sanftere von beiden gewesen.

»Aber wieso haben sie mich zu dir gebracht?«

»Sie wollten dich zu Emily bringen, aber die ist für ein paar Tage mit ihren Eltern weg, um ihre Verwandten in Seattle zu besuchen … also haben sie mich angerufen.«

Ich nickte ihm zu, wobei ich mich an einem Lächeln versuchte, aber ich merkte selbst, dass es scheiterte.

»Liz hat deiner Kommilitonin Bescheid gegeben, dass du morgen nicht kommst. Wenn du also ein oder zwei Tage bleiben möchtest …«

»Danke.«

Durch den schwachen Schein der kleinen Lampe im Regal wirkten Bens Augen dunkelbraun, obwohl sie sonst von hellen Sprenkeln durchzogen waren. Die Spuren von Joshuas Schlag zeichneten sich dezent unter seinen Augen ab.

»Wie geht’s der Nase?«

»Wieder besser.«

»Hm-mh.«

Es war seltsam zwischen uns. Vermutlich wegen des Kusses und weil Ben mir so offen gestanden hatte, dass er mich vermisste. So richtig damit umgehen konnte ich nicht, weil ich auch noch häufig an ihn dachte.

Das erste Mal seit Monaten fragte ich mich, ob es damals die richtige Entscheidung gewesen war, Ben zu verlassen.

»Glaubst du die Trennung war falsch?«

Langsam glitt sein Blick zu mir, er runzelte die Stirn. »Meinst du von Joshua?«

»Ich meine unsere.«

Sichtlich verlegen fuhr er mit gespreizten Fingern durch seine Haare. »Ich denke, das fühlt sich für dich nur so an, weil du Joshua vermisst.«

»Vielleicht«, flüsterte ich und knetete meine Finger leicht. »Du hast es mir einfach gesagt damals.«

Er rappelte sich etwas auf.

»Was du mir gegenüber empfindest. Ich habe das nie erwidert.«

»Das habe ich nie erwartet.«

Wäre es doch so einfach mit Joshua. Wäre doch alles anders gekommen. Hätte ich ihm schon vor Jahren gestanden, was ich ihm gegenüber empfand, wäre alles anders. Was, wenn ich Nico niemals kennengelernt hätte? Vielleicht wären Joshua und ich seit Jahren ein Paar. Vielleicht würden wir zusammen wohnen, ich malte jeden Tag in meinem Atelier und er spielte mir auf seinem Flügel vor.

Wie die Kinder, die Hoffnung gehabt und es sich gewünscht hatten.

»Alles zwischen Joshua und mir ist ein Kampf gewesen. Das mit dir, das war so viel leichter.« Ich seufzte tief. »Joshua hat mal gesagt, dass es leicht sein sollte. Vermutlich hat er recht.«

»Manchmal ist es eben nicht leicht. Manchmal muss man für Dinge, die einem am Herzen liegen, kämpfen. Das ist okay, Sofia.«

Ich warf ihm ein dankbares Lächeln zu.

»Ihr habt eine schwere Zeit hinter euch, das ist nicht einfach vergessen. Es ist normal, dass man sich missversteht, immerhin habt ihr beide verschiedene Sichten auf die Ereignisse.« Auf einmal griff er nach meiner Hand, weshalb ich ihn erschrocken ansah. Er wandte sich mir zu. »Was bei euch in der WG vorgefallen ist … sorry, dass ich so direkt war. Ich hätte das für mich behalten sollen.«

Überfordert saß ich vor Ben und allein diese kleinen Berührungen seiner Finger an meinen brachten mich so durcheinander, dass meine Gedanken sich zerstreuten.

Was, wenn ich eine falsche Entscheidung getroffen hatte?

Was, wenn Ben derjenige war, der mich für den Rest meines Lebens begleiten sollte?

Er wäre die logische Wahl.

Zumindest, betrachtete ich alles nüchtern.