Angelfreak - Attila Arendt - E-Book

Angelfreak E-Book

Attila Arendt

0,0
4,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

"Blinker", "Fisch und Fang", "Esox", "Der Raubfisch"… und wie sie alle heißen, die Fachmagazine für Sportfischer. Eines haben sie alle gemeinsam: Neueste Ruten- und Rollentechnik, verbesserte Montagen, Gewässertipps usw. die uns Petrijüngern anschaulich präsentiert werden und uns dabei helfen, neue Wege beim Angeln auf die unterschiedlichsten Zielfische zu gehen. Auch mich haben die Magazine inspiriert, alles Mögliche am Wasser auszuprobieren. Aber wo stehen eigentlich die Storys, die man dabei am und auf dem Gewässer erlebt? Wie jeder angelbegeisterte Freak verbinde ich mein Lieblingshobby mit unzähligen kleineren und größeren Abenteuern daheim und in fernen Ländern, völligen Dummheiten, Missgeschicken und Erlebnissen mit Freunden. In meinem Buch möchte ich über einige meiner Highlights ausführlich berichten und scheue mich nicht davor, kleinste und noch so dämliche Details auszumalen. Ich bin mit "Clever & Smart"-Comics groß geworden, und wer sich spaßige Geschichten bildlich vorstellen kann, Abenteurer oder eben Angler ist, der wird dieses Buch sicherlich lieben. Ein lustiges Taschenbuch der leichten Kost. Geschrieben von einem Angelfreak für Angelfreaks - und solche, die es werden wollen…

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 230

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Über den Autor:

Attila Arendt ist 1979 in München geboren.

Aufgewachsen in Rheinstetten, ist der Rhein bei Karlsruhe seit vielen Jahren sein Heimatgewässer. Der heute knapp 40-Jährige ist verheiratet und hat eine Tochter. Seine große Leidenschaft ist das Angeln, egal wo, egal wann. Hauptsache die Schnur ist nass.

Attila Arendt

Angelfreak

Mehr als Fische fangen

© 2020 Attila Arendt

Umschlag, Illustration: Eugen Olchin /

[email protected]

Lektorat, Korrektorat: Matthias Wendt /

[email protected]

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

Paperback

978-3-7345-9614-8

Hardcover

978-3-7345-9615-5

e-Book

978-3-7345-9616-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Vorwort

Ah – du bist Angler – wie langweilig!“ Jo, wie oft habe ich diesen Satz schon gehört. Wenn mich ein verwirrter Bürohengst anquatscht oder jemand, der Flüsse, Natur und Fisch nur vom Durchzappen des Fernsehers, vorbei an Giraffe, Erdmännchen und Co. kennt, und der dabei gedanklich das Imagebild eines im Tarnanzug sitzenden Anglers vor Augen hat. „Du bist also auch einer dieser Tierquäler!“

Genau, du Klappspaten. Und wenn wir jetzt nicht im 21. Jahrhundert wären, dann würde ich dir Teletubbi, spätestens jetzt das nächste Straßenschild über die Rübe ziehen…

Mache ich aber nicht, denn mittlerweile kennt man die Art bemitleidenswerter Kreaturen. Und sind wir mal ehrlich liebe Angler, unser Image ist teilweise leider versaut und die Mehrzahl an Menschen hat, zumindest in Deutschland, ihr Vorurteil über Angler gebildet. Genau mit diesen Vorurteilen möchte ich unter anderem in meinem Buch aufräumen. Viel zu oft werden Angler durch sinnlose und überflüssige Gesetze gegängelt und eingeschränkt. Immer wieder ist der Angler in den Medien, weil er einen großen, für die Reproduktion wichtigen Fisch, wieder zurücksetzt. Klar gibt es unterschiedliche Meinungen hierzu, aber ein toter Fisch vermehrt sich statistisch gesehen tatsächlich schlechter als ein lebendiger. Auch der Spruch mit dem „Tierquäler“ sorgte bei mir lange Zeit für stachlig stehende Nackenhaare.

Die meisten Menschen, die das sagen, sind selbst Fischesser. Am liebsten essen sie Dosenfisch oder zertifiziert gefangene panierte Scholle und haben dabei sogar noch ein gutes Gefühl. Ich frage diese Zeitgenossen jedesmal, ob sie denn schon mal einen Berufsfischer gesehen haben, der sich die Mühe macht, alle gefangenen Fische einzeln und waidgerecht zu töten. Auch die Frage, ob sie denn überhaupt wissen, wie man beispielsweise eine Scholle waidgerecht tötet, wird mit fragendem und völlig dämlichem Halbgrinsen beantwortet.

Ich bin mir beinahe sicher, dass sich ein sterbender Fisch für das Ableben durch meine Hand und die entsprechenden schnellen Tötungswerkzeuge entscheiden würde, sofern er es sich aussuchen könnte. Ich stelle es mir etwas beengt vor, wenn ein Schollennetz stundenlang den Meeresgrund durchpflügt und dabei alles Lebende im hinteren Teil des Netzes einpfercht. Ein qualvoller Tod, der mit richtig viel Glück erst auf den Planken oder im Schiffsrumpf des riesigen Fischtrawlers endet, in dem tonnenweise Leiber übereinander gestapelt werden. Unzählige untermaßige Fische, die - von einem Angler gefangen - vorsichtig zurückgesetzt werden würden, verenden unnötig und rutschen tot zurück ins Meer.

Über den unerwünschten Beifang, wie beispielsweise andere Fischarten oder Meereslebewesen, brauchen wir uns auch keine Sorgen mehr machen. Die haben nämlich auch keine mehr. Alles was zu viel oder zu klein ist, oder nicht der anvisierten Art entspricht, fliegt mausetot wieder zurück ins Wasser.

Und der Konsument bezeichnet mich als Tierquäler, wenn ich der Kreatur ein schnelles Ende beschere und den eigenen Fang selbst verwerte. Auch das Beispiel mit dem untermaßigen Fisch ist für mich wichtig zu erwähnen. Sicherlich hat der gefangene Fisch ein paar Sekunden Todesangst erfahren müssen. Aber er darf weiterleben, kann sich vermehren und hat die Chance, aus seinem Fehler zu lernen, um nicht nochmals an den Haken zu gehen.

Wie auch immer, ich habe meine eigene Meinung dazu und man könnte noch stundenlang darüber debattieren. Die Gesetze machen andere und leider viel zu viele, die nichts mit dem Naturschutz oder der sinnvollen Fischerei zu tun haben.

Mir geht es in meinem Buch aber vielmehr darum, die Geschichten, die ich in Verbindung mit meinem Hobby erleben durfte, zu erzählen. Es gibt unendlich viele Fachbücher, Zeitschriften und so weiter, in denen erklärt wird, wie man einen Fisch überlisten kann. Aber was empfinden wir Angler bei den unterschiedlichen Fängen? Was treibt uns an? Oder wie viele Mühen mussten wir auf uns nehmen, nur um einen Wunschfisch mal an der Angel spüren zu dürfen? Dieses Buch erzählt meine Geschichte, die weder verlogen noch überzogen ist. Abenteuer, die ich nur aufgrund der Fischerei beispielsweise in Spanien am großen Ebro-Fluss, auf Mallorca, in Norwegen oder auch weit weg in Florida miterleben und lenken durfte. Angeln, ein Hobby das glücklich machen kann, Menschen zusammenführt und für mich so wichtig ist.

Hier ist meine Geschichte…

Aller Anfang ist schwer

Da stand ich nun. Mit gepacktem Koffer und voll beladen mit allerhand ultra-farbigen, mit Glitter verzierten Gummifischen im Gepäck. Wir befinden uns im Jahr 2004 und am Flughafen stehe ich, Attila. Ein junger Angler, der sich über mehrere Monate selbst einer Gehirnwäsche in Form von Angelzeitschriften und Lehrvideos über das Zanderangeln unterzogen hat.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich tatsächlich noch keines dieser „Fabelwesen“ gelandet. Meine Mission war klar definiert: Ich wollte meinen ersten Zander fangen- und wenn ich mir dafür selbst eine Rippe rausschneiden oder die Schlange im Paradies zusammen mit dem Apfel braten musste. Die Abflugtafel schien mir wohl gesonnen zu sein und zeigte keine Verspätungen auf dem Weg nach „Girona“. Nach der Landung ging es mit dem Mietwagen weiter durch das gelobte Land bis nach Mequinenza. Der Ort befindet sich direkt an einer Staumauer des Flusses Ebro.

„MEQUINENZA“. Allein der Name lässt die Gesichtszüge vieler Waller- und Zanderfischer vor Freude entgleisen und verbreitet eine wohlige Wärme im Körper. Mequinenza ist das Mekka für Raubfischfans aus aller Welt und für eine Woche sollte es mein Königreich werden.

Der Mietwagen war schnell bezogen und auf meine Bedürfnisse ausgerichtet. Es zählte nur ein Gas, Vollgas. Die Aktionen Koffer rein und Gang einlegen spielten sich zeitgleich ab. Die errechnete dreistündige Weiterfahrt sollte schließlich in maximal der Hälfte der Zeit bewältigt sein und so quälte ich den Ford „KA“ über den Asphalt. Meine zwei Ruten wurden bereits im Vorfeld, von Deutschland aus, mit dem Auto in die Unterkunft, ein Anglercamp direkt am Rio Ebro geliefert. Heutzutage würden mir zwei Ruten maximal für die Flachwasserangelei auf Köderfische ausreichen. Aber so war es nun mal im Jahr 2004. Da musste auch mal eine Forellenrute über Sieg oder Niederlage gegen einen noch unbekannten Gegner entscheiden.

„Die fünf Stunden Autofahrt vergingen ja wie im Flug“. Voller Adrenalin hatte ich noch am Flughafen die Auffahrt zur ländlichen Autobahn gemeistert, um dann für sehr lange Zeit im Stau zu stehen. Bravo, aber läuft das nicht immer so? Erstens kommt es anders - und zweitens als man denkt. Ich fügte mich meinem Schicksal und bezog das Angelcamp ohne die Hoffnung, am Tag der Ankunft noch angeln zu können.

Die letzten Stunden des Tages verbrachte ich damit, das Camp und die Umgebung näher zu erkunden. Ich musste sofort an „Herr der Ringe“ denken, als ich recht bald auf Gandalf den Grauen und eine Art „Bergtroll“ im Camp traf. Wir Angler können viele Formen und Gestalten annehmen. Aber von außen betrachtet sahen wir drei inmitten des Camps mit Sicherheit noch schlimmer aus als die „Geissens“. „Gandalf“ und Matthias, so hieß der Troll, der in puncto Größe und Erscheinung sehr gruselig war, hatten mich spontan auf ein Bier eingeladen und die beiden waren mir sofort ans Herz gewachsen. Sie waren bereits seit zwei Tagen auf „Mittelerde“ und die für mich noch unfassbaren Geschichten über riesige Zander und Waller sprudelten nur so aus ihnen heraus. Völlig nassgeschwitzt vom Zuhören und in Gedanken schon mein Ziel erreicht, lag ich sabbernd auf der Couch und freute mich auf den ersten Angeltag.

„Der frühe Wurm fängt den Fisch“. Morgens früh um halb sechs weckten mich Gandalf und Matthias standesgemäß mit dem „Horn von Gondor“. Keine Ahnung, weshalb man mit Bier bereits schon vor dem Frühstück anfängt, aber der Bergtroll hatte mich tatsächlich mit wildem Kriegsgeschrei in Form eines fürchterlichen Rülpsens geweckt. Gut, wer liegt kann nicht umfallen und so versuchte ich meinen Körper an das veränderte Raumklima anzupassen, solange ich noch horizontal lag. Wenn man heiß darauf ist, seinen ersten Zander zu fangen, verkommt das Frühstück zur Nebensache. Mit leerem Magen saß ich somit bereits um 5: 35 Uhr im Ford „KA“ und starrte auf das Heck von meinen beiden neuen Freunden. Ich war sehr froh darüber, dass ich nicht alleine mein Glück, wie ursprünglich geplant, versuchen musste. Dies wurde mir auch immer mehr klar, als wir mit den Autos aus Mequinenza heraus in Richtung des oberen Stausees fuhren und ich die unendliche Weite des Gewässers zum ersten Mal von einer Anhöhe aus sehen konnte. Das große Geheimnis, das den Unterschied beim Angeln zwischen Erfolg Schneidertag ausmacht, ist vor allem die Gewässerkenntnis. Im Lauf der Jahre wird einem das bei jedem neuen See oder Fluss vor Augen geführt.

Der Flusslauf des Rio Ebro ist fantastisch. Tiefe Schluchten und die raue Wildnis zeichneten unseren Weg am oberen Stausee entlang. Über uns kreisten Geier und für April war es ungewöhnlich warm, aber sehr angenehm. Schließlich verließen wir die Bundesstraße hinter einer relativ langen Brücke und parkten die Fahrzeuge am Rande einer großen Bucht. Zander lassen sich über viele Angelmethoden befischen. Die Gefährten und ich bevorzugten allerdings die wohl älteste Methode – das Angeln mit totem Köderfisch.

Es dauerte auch nicht lange, bis wir die kleinen Happen für einen ausgiebigen Angeltag gefangen hatten. Der Anfang war gemacht und so landeten unsere beköderten Grundmontagen in den Fluten des Rio Ebro.

Das Warten auf den ersehnten Biss kann so zermürbend sein. Immer wieder stellte ich mir die Frage, ob denn der Köderfisch an geeigneter Stelle am Grund liegt. Diese bange Angst verstärkte sich immens, als meine beiden Kollegen auch noch einen Zander nach dem anderen an Land holten. Hatte mein Köderfisch womöglich eine seltene Krankheit und die Raubfische hatten Angst vor ihm? War mein Köfi eventuell wegen schlechten Benehmens aus dem Zanderlokal verwiesen worden, oder war er mit einer netten Köfi-Dame stiften gegangen? Zugegeben, die Chancen standen dafür zwar recht schlecht, aber in Gedanken war für mich alles möglich. Ich sollte doch tatsächlich an meinen ersten Angeltag im Paradies leer ausgehen, während direkt neben mir bewiesen wurde, dass es Fische im Fluss gab. Völlig entmutigt nahm ich meine Angel nach mehreren Stunden und drehte meinen Köderfisch ans Ufer. „Na warte, Kollege, dir werde ich die Leviten lesen, Freundchen – mich so zu enttäuschen“. Und dann auch noch das – Hänger. Das Kurbeln wurde schwerer, ein Abriss war unausweichlich. Ich fragte Gandalf noch nebenbei, ob er an meinen Angelplatz einen Baum versenkt hatte, als ich plötzlich einen Gruß über die Angelrute im Handgelenk spürte. Nanu, mein Köderfisch hatte sich offensichtlich erholt. Die damals noch standardmäßig gefischte monofile Angelschnur straffte sich zunehmend und zog sogar in eine ganz andere Richtung als erwartet. Das darf nicht wahr sein, entweder hatte Popeye Köderfisch da unten in den Tiefen Spinat gefunden, oder aber es hing etwas Großes am anderen Ende der Schnur. Tatsächlich begann ein sehr heftiges Tauziehen, das ich nicht erwartet hatte. Es war zuvor kein Biss erkennbar, möglicherweise hatte sich mein Widersacher erst beim Einkurbeln zum Anbiss überreden lassen. Egal wie, der Kollege, der meinen armen Köderfisch verspeist hatte, wehrte sich stampfend und wütend. Nach ein paar Minuten konnte ich den ersten Zander meines Lebens an die Oberfläche dirigieren. Die Gefährten halfen mir bei der Landung und ich konnte mein Glück kaum fassen. Mein allererster Zander hatte 75 Zentimeter - eine stattliche Größe für einen Stachelritter.

„Oh, ist der süüüüüß“. Zwar etwas bärtig und geruchsmäßig aufgrund der Outdoor-Tätigkeiten weit weg vom Rosenbeet, aber es war die Geburtsstunde eines neuen absoluten Raubfischfreaks.

„Back to Riba Roja“

Der Riba Roja (Ebro) hatte mich in seinen Bann gezogen und auch die damit verbundene Spinnfischerei auf Zander und Wels. Die kommenden Wochen und Monate verbrachte ich damit, meine gewonnenen Erfahrungen am Heimatgewässer, dem Rhein, umzusetzen.

Leider herrschen hier andere Gesetze und Angelmöglichkeiten. Die Gewässerkenntnis entscheidet oft über Erfolg oder Schneidertage. Je nach Wasserstand muss eine besser geeignete Buhnenstrecke gewählt werden. Bei Hochwasser sind es oft die ansonsten sehr flachen Buhnen, die den Fisch bringen, oder die Hafeneinfahrten. Bei Niedrigwasser ist der Rhein glasklar und sehr schwer zu befischen. Die Dunkelheit ist dann der Garant für Bisse, und dann ist es noch wichtiger zu wissen, an welchem Platz man zu stehen hat - und wo es überhaupt keinen Sinn macht. Während meiner ersten Gehversuche am Rhein hatte ich das Glück, auf Jens zu treffen. Der damals noch als Pfleger angestellte Vogel war und ist wohl einer der angelverrücktesten Menschen der Welt. Mittlerweile nenne ich ihn auch nur noch den „Mc Gyver der Angelwelt“, weil er immer wieder neue Ideen und Montagen auspackt und diese dann erfolgreich umsetzt. Man trifft einige Petrijünger am Wasser und quatscht kurz über die aktuelle Fangsituation oder Belangloses. Bei Jens war es von Anfang an anders. Mit völlig dummen Sprüchen bauten wir recht schnell eine Freundschaft auf und wir beide wussten sofort, dass wir uns auf einer Wellenlänge befanden. In den unzähligen Stunden, die wir dann gemeinsam am Wasser verbrachten, lernte ich nicht nur die Struktur der Buhnenstrecken am Rhein bei Karlsruhe und auf der gegenüberliegenden französischen Uferseite kennen, sondern auch jede Menge Kniffe zu Montagen für die hiesige Spinnfischerei.

Dass man Welse von über 25 Kilo Körpergewicht mit einer sechs Kilo tragenden monofilen Vorfachschnur bändigen kann, war für undenkbar, doch es funktioniert, wenn Haken und Material passen. All das muss jedoch erstmal erlernt werden und das Vertrauen in die Ausrüstung muss sich bilden. Selbst der Knoten kann später darüber entscheiden, ob das Fischfoto gemacht wird, oder ob es bei einer Landschaftsaufnahme bleibt. Der Weg zur Professionalität ist weit und von vielen Abrissen an der Steinpackung geprägt. Umso schneller lernt man vernünftige Knoten zu binden. Jens war es übrigens auch, der mich für die Hochseefischerei auf Dorsch begeistern konnte.

Auf der Andriftseite des Kutters, kann man seine Spinnfischerqualitäten optimal verbessern. Ich widme diesem Thema jedoch ein eigenes Kapitel „Kutterangeln auf der MS Seho“, daher werde ich jetzt nicht weiter auf die Leoparden der Ostsee eingehen.

Noch war es das warme Spanien, das mich gefangen hatte. 2006 plante ich erneut einen zweiwöchigen Aufenthalt in Mequinenza. Jens schaffte es leider aus beruflichen Gründen nicht, mich nach Spanien zu begleiten. Es war Nikolas, ein ehemaliger Schulkamerad meiner Lebensgefährtin, der sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollte, und den ich mit nur wenigen Worten zu einem Angelabenteuer überreden konnte.

Die Zeit bis Juni verging wie im Fluge. Am Tag vor unserer Abreise saßen Nikolas und ich gebannt vor dem Fernseher und schauten das Auftaktspiel der deutschen Elf gegen Costa Rica bei der WM 2006. Gibt es etwas Schlimmeres als Fußball- und Angelfan in einer Person? Wohl kaum, werden jetzt viele denken. Der Rest von uns wird sich aber ganz genau in die Situation hineinversetzen können, als Philipp Lahm von der linken Außenseite die Pille volle Segel in den rechten Winkel des gegnerischen Tores nagelte. Ein unvergesslicher Moment, in dem unzählige Gegenstände in Nikolas‘ Mietswohnung von einem auf den anderen Moment zu Bruch gingen oder pulverisiert wurden.

Besser konnte der Urlaub nicht beginnen. In kaum sieben Stunden sollten wir uns auf der Autobahn in Richtung Süden befinden. Und der kleine Mann in schwarzweißem Trikot rotzte das Leder so dreckig in den Winkel, dass selbst die schwarzen Männchen auf dem Feld blass wurden. Zur Feier des Abends und des am Ende klaren Sieges für Deutschland schnabelten wir uns literweise das Absacker-Bier in den Rachen und freuten uns bereits auf den nächsten Morgen.

„Olé, wir fahr‘n in Puff nach Barcelona, olé olé“. So, oder so ähnlich, wurde ich damals unsanft geweckt und ehe meine verschmierten Rehäugelchen das Licht der Erde so richtig wahrgenommen hatten, saß ich bereits im 4er Golf auf dem Weg, naja – nicht nach Barcelona, aber zumindest in die Richtung. Würden wir zu heutiger Zeit in Richtung Süden fahren, hätten wir höchstwahrscheinlich bereits nach der Autobahnauffahrt „Karlsruhe-Süd“ zwei Stunden im Stau gesteckt. Damals erreichten wir in angenehmer Fahrzeit unser Ziel und bezogen sofort unsere kleine Mietswohnung.

Freudestrahlend begrüßte uns Olli, der Verwalter des Camps mit seinem schwarzen Labrador. Die Formalitäten und der Check-In waren mit einem kurzen „Macht mal“ erledigt, danach ging es direkt zum Gemeindebüro von Mequinenza, Angellizenzen kaufen. Drückende 34 Grad und das noch um acht Uhr abends, konnten uns jedoch nicht von den ersten Würfen am „Segre“, einem Zufluss des Ebros, abhalten.

Den Tipp, es dort mal in der Dämmerung zu probieren, hatte uns Olli mit auf den Weg gegeben und schon rutschten wir die fünf Kilometer staubige Straße entlang zum Spot.

Am Segre selbst gibt es nur wenige Stellen, an denen man vom Ufer aus angeln kann. Uns genügte für den ersten Abend auch nur eine und die konnten wir sehr schnell finden. Eine enge Stelle mit schnell fließendem Wasser. Unter dieser breiten Rausche sollen sich die Zander herumtreiben. Vor uns der malerische Segre, hinter uns die Pfirsichplantagen, die perfekt gereifte Früchte trugen. Beim Aufbau unseres Angelequipments hörten wir immer wieder Karpfen springen und sahen, wie sie sich ihren Weg durch die flachen Graslandschaften an den Angelplätzen nebenan bahnten.

Da Nikolas ein begeisterter Karpfenangler ist, hatten wir für diese Zielfische auch das nötige Equipment dabei. Im späteren Verlauf des Urlaubs sollten wir an den Stellen noch viel Spaß mit den fett gefressenen Friedfischen haben.

Die Sonne stand bereits tief hinter den Bergen und die Temperatur kühlte spürbar ab, als wir unsere ersten Würfe starteten. Olli hatte uns tatsächlich nicht zu viel versprochen und der Köder spielte scheinbar keine Rolle.

Meine Wahl fiel auf einen lieblos gegossenen grüngelben Slotter-Shad in zehn Zentimetern Länge aus der Uli Beyer-Köderschmiede. „Wackelt nix, beisst nix“ tönt der Raubfischprofi unentwegt in den unzähligen Berichten der Angelmagazine.

Von mir aus. Slotty ging nicht lange auf Tauchstation, schon wurde er von einem Spanjokel-Fisch attackiert. Der Zander war kein Riese, mit vielleicht 45 Zentimetern Länge aber ein Anfang. Trotz völliger Übermüdung bollerten sofort die ersten dummen Sprüche durch die Dämmerung. Nikolas setzte auf irgendeinen anderen Köder, der ebenfalls für reichlich Radau unter Wasser sorgte. Die Zander waren entweder überhaupt nicht wählerisch, oder es gab einfach genügend von ihnen an dieser Stelle. Somit konnte auch Nikolas seinen ersten Spanier zu einem Landgang überreden. Das fängt mal gut an! Mit am Ende fünf Zandern nach knapp anderthalb Stunden beendeten wir den ersten Angelabend und fielen ungeduscht und völlig am Ende in die Kojen.

Es war schon beinahe Mittag, als die beiden Dornröschen aus dem Schönheitsschlaf erwachten. Wir hatten weder etwas zu Essen, noch die Lust darauf, etwas zu kaufen. Kurz überlegten wir, das Mobiliar zu fressen, vermutlich hätte dies aber keine zwei Wochen ausgereicht. Der Weg zum Supermarkt war unvermeidlich. Es ist fast schon frustrierend, dass man für die eigentliche Verwirklichung seiner Interessen und Wünsche, von banalen Beschäftigungen wie schlafen, essen und einkaufen unterbrochen wird. Völlig überbewertet, aber leider notwendig fuhren wir in den Supermarkt und packten alles was mit buntem Aufdruck in Dosen verpackt war in den Einkaufswagen. Wasser und Bier ergänzten unsere Grundnahrungsmittel. Unser Ziel war es, höchstens noch einmal während der folgenden 14 Tage die Zeit in einem dieser Läden zu verschwenden.

Wir verabredeten uns mit Olli wegen der Bootseinweisung und der Schlüsselübergabe für Köderfischtank und Stauraum am Bootssteg. Als er uns mit unserer Dosenbeute in den Händen sah, meinte er nur, dass wir nicht viel mehr Scheißdreck hätten kaufen können und bot uns an, doch lieber das Trockenfutter von Sammy, seinem Hund, zu essen. „Komm‘, zeig uns den Tresor fürs Angelzeug und babbel net, wir wollen fischen…“.Der Köderfischtank sah aus wie eine böse gestaltete Einzelhaftzelle auf Guantanamo.

Ein paar Tage später beschlossen wir, den Pizzalieferanten Josella hier wegen der zu späten Essenslieferung einzuquartieren, noch kannten wir ihn aber nicht.

Der Stauraum für die Angelsachen und auch das Boot waren in bestem Zustand, wie bereits das Jahr zuvor. Nach kurzer Einweisung in die Bedienung des Bootes beschlossen wir, reichlich Köderfische für die kommenden Tage zu fangen. Die meist fingerlangen Lauben waren an nahezu allen Stellen fangbar. Mit Sicherheit auch ein Grund für den fantastischen Bestand an Raubfischen des Ebros. Wer viel Nahrung hat, der frisst und furzt auch viel. Wir fingen unsere Köderfische und nutzten die warme Mittagszeit, um einen Großteil des Flusslaufes um Mequinenza herum kennenzulernen. Fährt man einige Kilometer flussabwärts, so wird der Riba Roja immer klarer und sehr interessant für einen weiteren äußerst interessanten Sportfisch, den Schwarzbarsch. Mit langsamem Tempo fuhren wir relativ nahe an den Uferseiten entlang und konnten unter den überhängenden Bäumen und Büschen immer wieder lauernde Barsche entdecken. Gedanklich sah ich schon unsere Köder unter die Bäume fliegen. Die Zander und Welse reizten uns zwar noch mehr, aber spätestens am vierten Tag wollten wir dann doch ein Tänzchen mit den ursprünglich aus Amerika kommenden Gesellen wagen. Die springfreudigen Kämpfer standen sogar in Lauerstellung neben einem gefluteten Wohnhaus. Von diesem schauten nur noch Teile des Daches und des Schornsteins aus dem Wasser. Ein surrealer Anblick, wenn man zum Fischen auf Häusern unterwegs ist.

Wir sahen jedoch noch mehr seltsame Dinge wie beispielsweise aus dem Wasser ragende Strommasten, Flutlichtmasten von ehemaligen Fußballplätzen oder sogar Kirchturmspitzen. Beim Bau des Stausees um 1965 mussten die Bewohner ihre Häuser zurücklassen und umsiedeln. In diesem Fall zum Wohle der Fische, die in den verlassenen Häusern nun einziehen konnten. Ich möchte nicht wissen, wie viele Welse heute in den Wohnzimmern unter der Wasseroberfläche wohnen. Der zirka fünf Meter aus dem Wasser ragende Strommast sah äußerst verlockend aus. Ungewaschen und sicherlich auch etwas blöd im Schädel, lockten mich die Sprünge damals von etwas höheren gelegenen Klippen, Baggern oder eben auch mal Strommasten. Da konnte ich nicht widerstehen und steuerte sofort das Boot in Richtung Holzmast. Nikolas dachte, ich wäre vollkommen übergeschnappt und hätte nicht alle Latten am Zaun. Bei den Temperaturen konnt eine kleine Abkühlung und ein Bad nicht schlecht sein. Also rauf aufs Holz und nicht weiter drüber nachdenken. Nikolas filmte den ganzen Spaß mit der Kamera und ich dachte noch kurzzeitig daran, ob die Idiotenaktion wirklich notwendig sei, da war ich aber schon spreißelfrei an der Spitze angekommen. Der Mast schwankte bedenklich und ich wartete nur auf ein herzhaftes Knacken, welches zum Glück ausblieb. Die rostigen Querträger boten noch genügend Halt, um einen Rückwärtssalto zu wagen. Da gibt’s zum Wahnsinn noch die Gänsehaut gratis und ohne große Überlegung war ich „schnalz“ - Schockgewaschen im Stausee. Der Gedanke an die vielen zwei Meter langen Wallerkörper unter mir war zugegebenerweise etwas beunruhigend, und so beeilte ich mich doch etwas, wieder ins Boot zu kommen. Nikolas beäugte mich etwas ungläubig, während ich die Buchs auszog und wieder in den Angeldress schlüpfte. Es sollte nicht die letzte hirnlose Aktion des Urlaubs bleiben. Zunächst widmeten wir uns jedoch wieder der Angelei und Nikolas hoffte, dass ich nicht von jedem sichtbaren Blödsinn auf unserer Strecke runterspringen wollte.

Mit unserem Rudel Köderfischen fuhren wir zurück zum Bootsanleger, vorbei an den Steilhängen, über denen die Geier kreisten, und der Burgruine vor Mequinenza. Gekonnt schipperten wir an den Bootssteg und die Lauben durften in Guantanamo einziehen. Wir überlegten kurz, ob die deutsche Elf heute Spieltag hatte, denn danach richteten wir unsere Angelausflüge aus. Da dem aber nicht so war, ging es gegen Abend wieder an den Rio Segre.

Die vielen Karpfenangler, die es an den Ebro verschlägt, wissen bereits seit sehr langer Zeit, dass man mit Heilbutt-Pellets hervorragend Karpfen und Wels fangen kann. Auch Olli, unser Vermieter, hatte sich darauf eingestellt und uns gleich zwei 20-Kilo Säcke Pellets verkauft. Klar, dass wir eine vernünftige Portion der stinkenden Kugeln zum Anfüttern mitgenommen hatten. Der zukünftige Futterplatz war relativ nahe am Zander-Spot gelegen. Schön breit sollte er sein, damit wir unsere vier Grundruten gut platziert auslegen konnten. Das Ufer fiel vor unseren Füßen steil ab und wurde etwa 20 Meter weiter draußen sehr flach. Genau vor dem Gras-Plateau sollten unsere Grundmontagen die nächsten Tage liegen. Karpfen und auch Wels mussten sich daran gewöhnen, sich nur hier satt zu fressen, und so fütterten wir die geforderte Menge an Pellets an den Spot. Im Verlauf des Abends hörten wir, dass sich bereits die ersten Fische innerhalb kürzester Zeit am Futterplatz eingefunden haben mussten. Wir beschlossen, bereits am nächsten Tag auf die Barteltiere zu fischen und machten an diesem Abend noch eine gute Strecke auf Zander.

Der uns bereits bekannte Spot brachte auch weiterhin seine Zander. Komischerweise war die Durchschnittsgröße an dieser Stelle nicht die beste. Es gibt die großen Zander, man muss sie nur finden. Ich montierte daher einen zirka 15 Zentimeter langen Gummifisch mit großem Schwanzteller, um für die notwendige Aufmerksamkeit unter Wasser zu sorgen. Nach nur drei Würfen fegte ein Ruck durch die Rute, ungefähr so, als hätte mir ein Pferd gegen den Blank getreten. Ja klasse, entweder der größte Zander auf Gottes Erden oder ein Wels hatte sich die 15 Zentimeter lange Radaumaschine gepackt. Die erste Flucht deutete mit den langgezogenen Schlägen ganz unverwechselbar auf einen Waller hin. An der Zanderrute war das natürlich ein Heidenspaß. Ich hatte meine Mühe, den Burschen vom Krautfeld fern zu halten und gegen die Strömung zu ziehen. Mit einem Urian von über zwei Meter Länge wäre mir das sicherlich nicht gelungen, daher schätzte ich sein Gewicht auf zirka zehn Kilo. Wir hatten an diesem Angelplatz keine Hindernisse unter Wasser, somit konnte ich den Fisch relativ mühelos ausdrillen und an die Oberfläche dirigieren. Mittlerweile war es jedoch finster geworden und wir standen etwas erhöht über der Wasseroberfläche. Nikolas bereitete den Kescher vor, eine Handlandung war aufgrund der Gegebenheiten nicht möglich. Der mitgereiste Karpfenkescher roch bereits widerlich nach Fisch. Also rein mit dem kleinen Waller, der merkt das nicht. Das Maßband zeigte auf 1,20 Meter. Ich bedankte mich für den spannenden Drill und war froh, dass es kein Gigant war, denn ansonsten wäre der Fight anders ausgegangen.

Auch Nikolas sollte noch zwei Angelstellen weiter einen Zander verhaften können. Die größeren Exemplare wollten sich heute jedoch nicht zeigen. „Morgen geht’s auf Karpfen. Lass uns für heute abbrechen und mit ner Runde Bier den Abend beenden“. Mit diesem guten Plan tuckerten wir wieder in unser Feriendomizil und bereiteten noch die Karpfenruten für den Einsatz am nächsten Tag vor.

Ich wusste garnicht mehr, wieviel Tackle man für die Karpfenangelei benötigt. Beim Spinnfischen auf Raubfische komme ich immer mit wenig Gepäck aus. Vier Ruten, Material, Abhakmatte und Karpfensäcke, sowie passende Liegen und Stühle sollten uns den Angeltag so gemütlich wie möglich machen. Der typische Ansitzangler und Fallensteller hat`s halt gerne komfortabel. Wir erreichten unseren Angelplatz und sahen noch das von uns zertrampelte Gras der letzten Nacht. So muss das sein. Im Leben muss ein Mann Spuren hinterlassen. Auch wenns nur niedergetrampelte Grashalme vom Angeln sind, alles zählt. Zum Anfüttern flogen die ersten Pellets vor das Grasplateau. Als nächstes bauten wir die RodPods auf. Wie Batallione zielten die Ruten kurz darauf in Richtung unserer Futterplätze. Der Plan war, den langsam abfallenden Gewässerboden strategisch mit unseren Montagen so zu verminen, dass kein Karpfen am Futter vorbeikommen konnte, ohne unsere Köder gesehen zu haben. In Windeseile waren die Angeln mit Ködern bestückt und wunschgemäß platziert. Gut sichtbar konnten wir im Graswall die ersten Rückenflossen dick gefressener Karpfen erkennen. Wie raubende Haie schraubten sie sich durch das Dickicht hinter unseren Ködern. Okay, der fette Fisch ist nicht ganz so agil und die Bezahnung ähnelt eher einer 95-Jährigen vollgepflegten Heimbewohnerin – aber immerhin war Fisch am Platz.

Egal, an welcher Rute es rappeln sollte. Den Drill-Commander am Gerät wollten wir wie immer abwechseln. Beginnen sollte Nikolas, der jedoch nicht