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Dieses Training begleitet Sie sicher zu einem entspannten Verhalten, frei von Nervosität und Angst. Es ist Grundlage der tausendfach bewährten Lufthansa-Seminare. Mit seiner Hilfe verstehen Sie, wie Ihre Angst entsteht und was Sie beeinflusst. Detailliert klären erfahrene Piloten Sie über die Flugtechnik auf, so z.B. warum ein Flugzeug überhaupt fliegt und die Tragflügel ruhig wackeln dürfen
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Seitenzahl: 95
Veröffentlichungsjahr: 2005
Dipl.-Psych. Rudolf Krefting (*1947) ist praktizierender Psychotherapeut in eigener Praxis. Seit 1979 leitet er Seminare für entspanntes Fliegen, die er inhaltlich wesentlich mitgestaltet hat. Bis jetzt hat er an die 300 Seminare mit über 3000 Teilnehmern erfolgreich betreut.
Ahmet Bayaz (*1950) arbeitete 15 Jahre als Journalist beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart. Bis 2003 war er Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Türkischen Forums und erhielt im selben Jahr für seine Tätigkeit die Bosch-Medaille der Robert-Bosch-Stiftung. Er ist Autor zahlreicher Artikel und Sendungen über Flugangst.
der Traum vom Fliegen! Schon geträumt von den Griechen, die in ihrer Sage beschreiben, wie Daidalos und Ikarus mittels verwachsten Vogelfedern sich in die Lüfte erheben und so ihrem Gefängnis entkommen? Und immer wieder mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, dieses Ziel zu erreichen: das Wunder vom Fliegen. Mysteriöse Faszination, die im Laufe der Zeit durch physikalisch-mathematische Berechnungen den Weg in die Wirklichkeit fand.
Dieses Buch leistet einen wichtigen Beitrag, wenn es darum geht, Zusammenhänge zu erklären und somit Ängste abzubauen. Es beleuchtet nicht nur die logisch-intellektuellen Komponenten, sondern auch die menschlich emotionale Seite.
Was wäre die Welt von heute ohne den Flugverkehr! Er verbindet Menschen und Kontinente, ermöglicht eine weltweite Vernetzung und eröffnet Perspektiven, die einem sonst verborgen geblieben wären. So werden Grenzen überwunden und Völker rücken näher zusammen.
Für mich als Pilot ist das Fliegen ein fester Bestandteil meines Lebens. Es ist nicht nur mein Beruf, sondern auch meine Leidenschaft. Als Leiter des Flugbetriebes der Lufthansa weiß ich, dass täglich viele Menschen daran arbeiten, den Luftverkehr weiter zu dem zu machen, was er ist: die sicherste Art der Fortbewegung. Aber er soll auch gleichzeitig eine angenehme Art der Fortbewegung sein.
Dieses Buch trägt dazu bei, das Fliegen mit anderen Augen zu sehen, und ermöglicht dem Leser, sich entspannt „im Fluge“ dem Reiseziel zu nähern. Wenn Sie dieses Buch zur Seite gelegt haben, hoffe ich, dass Sie Ihren nächsten Flug genauso genießen können wie ich, vom Anlassen der Triebwerke bis zum Erreichen der Parkposition.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen stets einen guten und angenehmen Flug!
Im August 2005
Jürgen RapsFlugbetriebsleiter/ChefpilotDeutsche Lufthansa Passage
Fliegen kann Lust oder Last, Traum oder Trauma sein. Was für einige Menschen Faszination bedeutet, ist für andere untrennbar mit dem Gefühl der Angst verbunden. Internationale Studien belegen, dass etwa ein Viertel, vielleicht sogar die Hälfte aller Passagiere unter Flugangst oder flugangstähnlichen Symptomen leidet.
Wir verstehen unter Flugangst (Aviophobie) eine anhaltende und unangemessene Furcht vor dem Fliegen. Die Betroffenen setzen alles daran, nicht fliegen zu müssen. Das Wort Phobie geht zurück auf den griechischen Gott Phobos, Inbegriff für Angst und Schrecken. Es steht heute für ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten oder für übermäßige Angst vor bestimmten Situationen. Die Skala der Angstreaktionen reicht vom leichten Unbehagen (Ängstlichkeit) bis hin zur Panik. Letztere verweist ebenfalls auf einen griechischen Gott, den Hirtengott Pan, der so hässlich war, dass ihn seine Mutter verließ, er auch später immer wieder Menschen erschreckte und durch seine Hässlichkeit sogar die Perser im Kampf zur Flucht veranlasste. Panikattacken setzen plötzlich ein, begleitet von Gefühlen drohenden Unheils.
Dieses Buch soll dazu beitragen, die Angst vor dem Fliegen im günstigsten Fall zu bewältigen, mindestens aber zu lindern. Es soll helfen, das Fliegen neu zu entdecken und zu erfahren.
Schon vor 2000 Jahren meinte der griechische Philosoph Epiktet: „Nicht die Dinge selbst beunruhigen den Menschen, sondern die Vorstellung von den Dingen.“ Dieser Satz hat auch für die Flugangst seine Gültigkeit. Denn statistisch gesehen ist das Flugrisiko z. B. 4000-mal geringer als das Risiko, an den Folgen des Rauchens zu sterben. Vielen Menschen zittern schon die Knie beim bloßen Gedanken, ein Flugzeug besteigen zu müssen. Jetzt, im Zeitalter der neuesten Technologien, in dem man den jahrhundertealten Traum von Ikarus erfüllt hat, können wir die Erfüllung nicht genießen. Bedurfte es erst eines Fluges, um festzustellen, dass man sich lieber erdgebunden fortbewegt? Auch wenn wir nicht wie die Vögel aerodynamisch geschaffen sind, wollen wir das Rad der technischen Entwicklung nicht zurückdrehen. Das Flugzeug hat Völker und Länder einander nähergebracht, unseren persönlichen Lebensraum bereichert, die Reisezeit verkürzt und das Reisen selbst komfortabler gestaltet. Wir wollen auf den Flug nicht verzichten. Dann aber wollen wir ohne Unbehagen, angstfrei und möglichst entspannt fliegen. Wir können zwar nicht auf das Fluggeschehen Einfluss nehmen, dafür aber auf unser Erleben und Verhalten.
Die Flugangst des Managers hatte ihren Anfang vor vier Jahren. Damals flog er von München nach Hamburg. Es war ein Flug mit heftigen Turbulenzen. Wegen des schlechten Wetters konnte der Pilot erst beim dritten Anflug die Maschine sicher landen.
Sensationelle Katastrophenmeldungen in den Medien schüren die Flugangst oft erheblich.
Diesen Vorgang erlebte und bewertete Günther Krause damals für sich als sehr bedrohlich. In der Folgezeit holte ihn die Erinnerung daran immer wieder ein.
Mit der Zeit hatte sich bei ihm unbewusst eine negative Erwartungshaltung aufgebaut, trotz der Tatsache, dass er bis jetzt heil und unbeschadet gelandet war, und trotz der Tatsache, dass diesem „unangenehmen“ Flug viele angenehme vorausgingen. Was das Fliegen angeht, so war er zum Pessimisten geworden.
In der nächsten Zeit bestärkten ihn die seltenen, aber sensationell aufgemachten Meldungen über Flugzeugunfälle in den Medien in seiner negativen Einstellung. Dass zur selben Zeit Millionen von Menschen an ihren Zielen heil ankamen, konnte der Manager aus den Medien jedoch nicht entnehmen. Alles in allem ist für Günther Krause die Lust am Fliegen zur Last geworden. Sie ist mittlerweile mit dem Gefühl der Angst untrennbar verbunden. Aber es sind nicht nur Manager, Geschäftsleute oder Vielflieger, die unter Flugangst (Aviophobie) leiden, sondern auch Urlaubsreisende und Gelegenheitsflieger, die z. B. Verwandte in Übersee besuchen wollen. Und schließlich sind Menschen von der Aviophobie betroffen, die noch nie geflogen sind, weil sie die Schwellenangst nicht überwinden können. Die Flugangst trifft Männer wie Frauen gleichermaßen, nur gehen Frauen mit dieser Angst anders um.
AUS DEM LEBEN
Ein prägendes Erlebnis
Günther Krause, Manager einer Computerfirma, muss zu geschäftlichen Verhandlungen nach London fliegen. Seine Sekretärin hat ihm für den Flug um 6.40 von Düsseldorf nach London-Heathrow einen Platz in der Business-Class reservieren lassen. 24 Stunden vor dem Abflug gerät für den Manager, sonst ein gestandener Geschäftsmann, die Welt aus den Fugen. Er leidet unter Flugangst. Es fällt ihm schwer, sich am Tag vor dem Flug auf die geschäftlichen Verhandlungen vorzubereiten. Katastrophengedanken plagen ihn so sehr, dass er seine Vorbereitungen für die Sitzung in London nicht treffen kann. Trotz intensiven Bemühens, die zwanghaften und lästigen Vorstellungen loszuwerden, kann er sich davon nicht befreien. Die erlebte Ohnmacht steigert sich bis zur Wut auf sich selbst. Gleichzeitig fühlt er sich körperlich miserabel. Irgend etwas stimmt mit seinem Körper nicht, obwohl er sportlich durchtrainiert ist. Zu den Zwangsvorstellungen und der inneren Unruhe gesellen sich Schweißausbrüche und Zittern, außerdem Atembeschwerden sowie Herzbeklemmungen. Am liebsten würde er den Flug annullieren. Auf der anderen Seite weiß Herr Krause, dass sein Flug nach London unausweichlich ist. Dieser Konflikt lässt ihn vor dem Flug nicht schlafen. Früh am nächsten Morgen fährt Herr Krause zum Düsseldorfer Flughafen. Er ist spät dran, sodass er keinen Parkplatz findet. Schließlich hetzt er zum Ausgang A 80. Beim Gang durch die Fluggastbrücke spürt er sein Herz rasen. Am liebsten würde er gar nicht in das Flugzeug einsteigen.
Mit letzter Energie überwindet er seine innere Zerrissenheit und nimmt seinen Platz in der Business-Class ein. Seine unerträglich werdende Unruhe zwingt ihn, bei der Stewardess gleich einen doppelten Cognac zu bestellen. Völlig erschöpft kommt Günther Krause zu seinem Geschäftstreffen am Piccadilly-Circus an.
Nach einem Bericht der Zeitschrift „Psychologie heute“ (8/2005) gab in einer Umfrage mehr als ein Drittel der Befragten an, dass sie unter Flugangst leiden, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Die meisten Betroffenen gehören der Altersgruppe 31 bis 40 Jahre an. Vermutlich ist die allgemeine Stressbelastung bei ihnen am größten. Aber auch ältere Menschen, Jugendliche und Kinder leiden unter dieser Phobie.
Flugangst und Vermeidungshaltung von Eltern können sich auch auf ihre Kinder übertragen.
Das Flugzeug ist zu einem Massenverkehrsmittel geworden, das immer mehr Familien nutzen. Auch Kinder werden oft schon sehr früh in ihrem Leben mit dem Fliegen konfrontiert. Nun ist die Angstbereitschaft anlagebedingt bei jedem verschieden. Viele Kinder steigen mit Freude und gespannter Neugier ins Flugzeug, weil sie unbelastet sind. Aber es gibt auch Kinder, die Angst vor dem Fliegen entwickeln – und dabei spielt die Einstellung der Eltern gegenüber dem Fliegen eine wichtige Rolle.
Kinder beobachten sehr genau die elterlichen Reaktionen und Verhaltensweisen. Wenn Vater und/oder Mutter das Fliegen vermeiden oder ängstlich reagieren, kann sich diese Haltung auch auf das Kind übertragen. Diesen Eltern empfehlen wir, mit ihren Kindern ein offenes Gespräch zu führen, in dem sie sich einerseits zu ihrem Problem bekennen und andererseits mit dem Kind nach Lösungen suchen. Hier können die Eltern als Vorbild wirken, wenn sie den Kindern vorleben, wie sie mit der Angst umgehen können. Manche Kinder neigen aber auch ohne den Einfluss der Eltern dazu, Angst zu entwickeln.
Für viele Kinder und Jugendliche ist das Flugzeug schon ein gewohntes Verkehrsmittel geworden.
Um die Flugangst besser verstehen und bewältigen zu können, soll dem Phänomen Angst im Folgenden auf den Grund gegangen werden.
Die Art des Umgangs mit Angst hervorrufenden Erlebnissen hängt stark davon ab, ob der Betreffende in seiner Kindheit offensive oder defensive Strategien zur Bewältigung schwieriger Situationen gelernt hat.
Angst ist etwas völlig Natürliches. Wie auch der Schmerz, hat sie entwicklungsgenetisch gesehen eine lebenserhaltende und schützende Funktion. In Bruchteilen von Sekunden bereitet sie den Organismus darauf vor, sich mit einer erlebten Bedrohung auseinander zu setzen. Seit Urzeiten bedient sie sich dabei verschiedener Reaktionen wie dem Kampf, der Flucht oder der völligen Aufgabe.
Wir verstehen heute Angst als ein Phänomen, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Dazu zählt einerseits, dass aufgrund einer oder mehrerer unangenehmer Erfahrungen Vermeidungs- und Fluchtreaktionen zu einer der Situation unangemessenen Angst führen. Weiterhin spielt eine Rolle, ob ein Mensch in seiner Kindheit gelernt hat, sich offensiv oder defensiv mit schwierigen Situationen auseinander zu setzen, da defensive Strategien die Ausformung überdauernder Ängste begünstigen. Schließlich kann eine überfürsorgliche Umgebung diese erlernten Ängste verstärken.
Beziehung zwischen Leistung und Angst. Die größte Leistung wird bei mittlerem Angstniveau erreicht.
Der Angstforscher Eugene E. Levitt sagt: „Die Angst hat ein Janushaupt. Sie kann den Menschen zur Selbstvervollkommnung, zu erhöhter Leistung und zu Tüchtigkeit anspornen, oder sie kann sein Leben und das seiner Umgebung schwer beeinträchtigen. Lernen wir, sie konstruktiv einzusetzen, um ihr Herr und nicht ihr Sklave zu sein.“
Im Alltag begegnen wir häufig solch ambivalenten Situationen. Viele Schauspieler oder Leistungssportler werden durch ihr „Lampenfieber“ positiv motiviert. Auf der anderen Seite begegnen wir im Leben vielen Schülern oder Studenten, die sich zwar sehr gründlich auf eine Prüfung vorbereitet haben, sie jedoch aufgrund einer Angstblockade nicht bestehen können.
Die drei Komponenten der Angst (siehe Kasten „Wissen“, → S.15) stehen zueinander in einer Wechselbeziehung. Beim Fliegen können sie sich in bestimmten Situationen gegenseitig so hochschaukeln, dass man das Alarmsystem Angst nicht mehr unter Kontrolle hat. Somit ist der Übergang von einer angemessenen zu einer krankhaften Angstreaktion fließend. Damals, vor vier Jahren, ist auch bei Günther Krause die angemessene Reaktion auf das Unvorhergesehene (in diesem Fall die Landung) zu einer pathologischen Angst entartet. Als das Flugzeug erst beim dritten Anflug sicher landen konnte, bewertete er dieses Geschehen für ihn subjektiv als gefährlich, ja sogar lebensgefährlich. Dabei unterliefen ihm unbewußt manche Denkfehler.
