Apokalypse Verdun 1916 - Wolfgang Paland - E-Book

Apokalypse Verdun 1916 E-Book

Wolfgang Paland

0,0

Beschreibung

Im 1. Weltkrieg wurden viele Schlachten geschlagen, aber keine blieb Deutschen und Franzosen so tief im kollektiven Gedächtnis verhaftet wie die Schlacht von Verdun. Sie dauerte vom Februar bis Dezember 1916 und forderte 300 000 Tote. Viele Hunderttausende von Soldaten mehr waren an Leib und Seele zu Schaden gekommen. Doch es sind nicht nur diese erschreckenden, kaum fassbaren Zahlen an die man sich erinnert. Die Art und Weise wie diese Menschen ums Leben gekommen sind macht betroffen. Hier tobte ein furchtbarer Vernichtungskrieg, in dem Menschen von Kanonen zerfetzt und verschüttet, von Maschinengewehren niedergemäht, von Flammenwerfern verbrannt wurden. Von vielen Gefallenen verlor sich jede Spur. Ihre Reste ruhen noch heute in der Erde bei Douaumont, Fleury, Toter Mann, Kalte Erde. Manche im Beinhaus von Douaumont. – Karl Krentel war einer von denen, die unbeschadet davonkamen. Nur wenig ist von ihm überliefert. Aber die aufgezeichneten Erlebnisberichte der anderen Überlebenden lassen uns die Abläufe dieser verhängnisvollen Monate nachvollziehen. Ornes, Brûle-Schlucht, Hassoule-Schlucht, Fort Douaumont, Fleury – Orte des Schreckens. Diesen Weg musste der 23-jährige Sanitäts-Unteroffizier mit seinem Hannoverschen Jägerbataillon 10 aus Goslar gehen. Für viele ein Weg in den allzeit gegenwärtigen Tod. Und für Karl eine große Herausforderung seinen schwerverwundeten Kameraden aus dieser Hölle herauszuhelfen. Hundert Jahre danach hat das Schlachtfeld nichts von seiner Dramatik eingebüßt. Unübersehbar sind die immer noch mit Trichtern übersäten Flächen, Reste von Schützengräben, Festungstrümmer, Soldatenfriedhöfe, Denkmäler. Eine einzigartige Gedenkstätte. Hundert Jahre danach hat das große Sterben an dieser Stätte zwei Nationen geeint. Deutsche und Franzosen. Betroffen angesichts dieser Katastrophe. Und einig, dass sich so etwas niemals wiederholen darf.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Jäger Karl Krentel, 2. Kompagnie, Hannoversches Jägerbataillon 10

Vorwort

Vor Reims

Erster Einsatz am 4. Juni bei Douaumont

Zweiter Einsatz: Großangriff am 23. Juni 1916

Dritter Einsatz vor Verdun

Ruhe und vierter Einsatz bei Verdun

Gedenktafel

Schlusswort

Vorwort

Um es vorweg zu nehmen, Karl Krentel hat diese Schlacht überlebt, sogar ohne jeden Kratzer, den Krieg allerdings nicht.

Karl wurde am 03. Januar 1893 in Vorsalz (heute zu Salzgitter-Bad) geboren. Er war der drittgeborene Sohn des Landbriefträgers Wilhelm Krentel und dessen Ehefrau Wilhelmine und wuchs in der Geborgenheit seiner Familie zusammen mit seinen sechs Geschwistern auf. Mit sechs Jahren besuchte er die achtklassige Volksschule in der Kirchstraße (heute Altstadtschule), die er 1907 verließ, um eine Lehre als Barbier und Friseur bei Meister Trautmann in Salzgitter zu beginnen. 1910 schloss er diese Ausbildung erfolgreich ab und schon 1912 trat er in das Hannoversche Jägerbataillon 10 in Goslar ein, um seine zweijährige Wehrpflicht abzuleisten. Das Bataillon galt als Eliteeinheit. Es war als selbständiges Bataillon direkt dem X. Armeekorps unterstellt und zur Aufklärung sowie zum Kampf in unwegsamem Gelände bestimmt. Am 28. Juli 1914, kurz vor Ende seiner Dienstzeit begann der 1. Weltkrieg und Karl verpflichtete sich freiwillig weiter. So blieb er in der 2. Kompagnie bei seinen ihm vertrauten Kameraden. Als sog. Kapitulant konnte er mit einer baldigen Beförderung zum Unteroffizier rechnen, was manchen Vorteil bot.

Das Jägerbataillon 10 wurde an allen Brennpunkten des Krieges in Europa eingesetzt. Zunächst in Flandern, dann in Tirol und in Serbien.

Im April 1916 kehrte das Bataillon zurück an die Westfront. Dort stand ihm die schwerste Prüfung bevor – Verdun.

Vor Reims

Zum Eingewöhnen in die westlichen Frontverhältnisse wurde das Bataillon zunächst in einer ruhigen Stellung bei Witry – vor Reims – eingesetzt. Die Bagagen blieben in Bazancourt. Infanterieregiment 14 wurde abgelöst. So berichtet Leutnant d. R. Fritz Jung in seiner Chronik „Goslarer Jäger im Weltkriege“.

Stellungen der Goslarer Jäger vor Reims

Welche Ordnung und Sauberkeit war da in Witry! Was für ein Gegensatz zu Serbien! Requirieren gab es hier nicht. Bade- und Entlausungsanstalt, Soldatenheime und Waschanstalt. Bewohner waren auch noch da. Reims war sechs Kilometer entfernt, die Stellung vier Kilometer. Es war noch die alte Stellung vom Herbst 1914. An den Gräbern sah man, dass hannoversche Regimenter hier gekämpft hatten. Die angeschossene Kathedrale der Stadt Reims war von hohen Punkten aus sichtbar.

Tief in der Erde lagen die Schützengräben. Es war ein Gewirr von Gräben, in denen man sich verlaufen konnte. Die französischen Gräben lagen ziemlich weit weg. Nur eine vorgeschobene Trichterstellung hatten wir, die nahe bei dem französischen Graben lag. Hier wurde scharf aufgepasst, und wenn sich irgendetwas bei den Franzosen zeigte, wurde durch die Schießscharten geschossen. Tiefe Unterstände, Reservegräben, alles war vorhanden. Die Feldküchen fuhren bis zur Reservestellung.

Gasmasken wurden ausgegeben. Man musste sich erst an das Tragen gewöhnen. Im Gasraum von Witry wurden sie ausprobiert.

In der Stellung war es ruhig. Es gab etwas Minen- und Artilleriefeuer, jedoch kaum Verluste. Wenn man morgens durch die Stellung ging, konnte man die Franzosen hören, wie sie krähten oder auch Zurufe machten.

Am Abend des 9. April kroch eine Patrouille der 3. Kompagnie unter Führung des Gefreiten Adolf Keddi ca. 200 Meter vor unseren Drahtverhau und horchte. Nach etwa einer halben Stunde erschien eine feindliche Patrouille von drei Mann; zwei wurden abgeschossen und der dritte gefangen genommen.

Stellung bei Witry in Erwartung eines Gasangriffs

Zur Ablösung kam das Bataillon nach Witry, die 3. Kompagnie zum Fort Fresnes.

Noch einmal erlebten wir hier in Frankreich einen zweiten Frühling.

Auch nahm man die Gelegenheit wahr kleinere Verletzungen und Erkrankungen von den Sanitätern behandeln zu lassen.

Sanitäts-Oberjäger Karl Krentel, 3. Von rechts

Es gab Rebhühner, Kaninchen, Hasen und mancher begeisterte Jäger brachte es fertig, in den Schützengräben sein Wild zu erlegen.

Jäger Engelke: „Auch nachmittags ging ich wieder fort und als ich leise durch den Laufgraben schlich, nur an Wild denkend, begegnete mir plötzlich der Hauptmann Schmalz von der in Reserve liegenden 3. Kompagnie. Als mich dieser nun dahinten allein mit meinem Karabiner sah, fragte er mich, bei welcher Kompagnie ich sei, und was ich allein dort hinten zu suchen hätte. Ich entgegnete ihm, daß ich bei den Telefonisten wäre, und daß ich Rebhühner und Kaninchen schießen wollte. Er sagte dann, ob ich nicht wüßte, daß das verboten wäre und ich bestraft würde, wenn er mich meldete. Ich sollte dann gleich mit ihm zurückgehen. So gingen wir nun durch den Laufgraben. Der Hauptmann voran – ich wie ein begossener Pudel hinterher. Es paßte mir aber gar nicht, daß ich bei meiner Jägerei diesem Hauptmann in die Hände gelaufen war, und während wir so durch den Graben gingen, sann ich darüber nach, wie ich wohl wieder wegkommen könnte. Ich blieb daher ganz allmählich zurück, und als der Hauptmann hinter der nächsten Schulterwehr verschwand, sprang ich zurück und lief fort. Nun mußte der Hauptmann schon gut laufen können, wenn er mich wieder einholen wollte. Ich wartete erst einige Zeit in einem alten Graben und paßte auf, ob wohl der Hauptmann zurückkam. Dann schlich ich den Graben entlang, um einmal zu sehen, ob dort auch Wild war. Dicht hinter dem Graben sprang plötzlich ein Hase auf und lief fort. Als er sich dann aber nach dem Störenfried umsah und Männchen machte, warf ihn meine Kugel um. Über diese Beute habe ich mich ganz besonders gefreut.“

Am 1. Mai werden wir endgültig in dieser Stellung durch das sächsische Inf.-Reg. 107 abgelöst. Die Kompagnien 1 bis 4 kommen nach Thin-le-Moutier, die M.G.K. nach Fosse-àl`Eau, - ein bekanntes Gelände, unweit Jandun. Bis zum 3.6. liegen wir hier in Ruhe. Für die bevorstehenden schweren Kämpfe wird geübt, exerziert, geschossen und auch Handgranaten geworfen. Übungswerke werden eingerichtet und an diesen Sturmangriffe ausprobiert. Die Gegend ist hügelig und waldig. Allenthalben sieht man noch Gräber von den Augustkämpfen 1914. – Schwarz- und Rehwild ist viel da, und mancher kommt zum erfolgreichen Schuss. Urlauber werden in die Heimat geschickt. Auch frohe Feste werden gefeiert. Aber im Hintergrund rummelt es bei Verdun unaufhörlich. Das stand uns noch bevor.

Am 31.5. wird das Bataillon näher an Verdun herangezogen. Wir beziehen nach Bahnfahrt Quartier in Tellancourt und Villancy.

Lt. Schulte und Pfort kommen zur Flieger-Ersatz-Abteilung nach Gotha, Lt. Roos zu Res.-Jäger 10.

Am 2. Juni ist eine große Übung beim Sturm-Bataillon Rohr. Alle Offiziere des Alpenkorps sind zur Stelle.

Von dem hochgelegenen Übungsplatz sieht man hinüber auf die Höhen bei Verdun, wo der Kampf tobt und der Kanonendonner unaufhörlich grollt. – Die ganze Landschaft liegt im Sonnenschein, dort drüben aber liegen schwere Wolken und unaufhörlich steigen die turmhohen Rauchsäulen einschlagender schwerster Geschosse auf, ein Anblick, der auch ein tapferes Herz erbeben lassen kann:

„Dort drüben ist die Hölle, da musst du hinein!“

Nach der Übung eine kurze Besprechung.

General Konrad Krafft von Dellmensingen (1862–1953)

„Meine Augen gleiten über die vielen, prächtigen Männergestalten“, so schreibt unser Korpskommandeur Krafft von Dellmensingen in seinem Tagebuch, „dabei krampft sich mein Herz zusammen, denn ich weiß, dass die meisten aus der Hölle da drüben nicht wiederkehren werden! Warum muss ich so viele unserer Besten in diesen Höllenrachen eines nach meiner Überzeugung verfehlten Unternehmens hineinwerfen? – Und ich kann es doch nicht ändern! Meine Stimme zittert ein wenig, als ich ihnen zurufe: „Gehen Sie mit Gott, meine Herren!“ Die frischen Stimmen, die fröhlich „Auf Wiedersehen!“ antworten, klingen mir noch im Ohr. Die Stunde werde ich nie vergessen! Solche Augenblicke sind das Härteste, was ein Truppenführer erleben muss…“

Auf den Höhen westlich der Maas (Toter Mann) liegt heftiges französisches Feuer. Die ganzen Hänge sind bedeckt von den Rauchfahnen der zerspringenden Geschosse. Dort sehe ich im Fernrohr einen deutschen Soldaten in Mütze und ohne Waffe, offenbar ein Meldegänger, aufrecht im ruhigen Schritt einem Weg folgend, zurückgehen. Die Geschosse mögen noch so nahe bei ihm einschlagen, er stutzt und muckt nicht; er beschleunigt nicht seinen Schritt, soweit ich ihn verfolgen kann, bis er in einer Mulde verschwindet. Kommt er glücklich durch all den Graus? Meine lebhaften Wünsche und unbegrenzte Hochachtung begleiten diesen Tapferen, der so ganz allein und unbekümmert da draußen mitten durch den Tod schreitet, als wär es nur ein Spaziergang, - Einer von den Vielen! – Da bewundert man wieder die Seelengröße, die in unserem Volke steckt!“

Schlachtfeld

Erster Einsatz am 4. Juni bei Douaumont

Die starke Festung Verdun war der Eckpfeiler der französischen Befestigungslinie und zugleich das Ausfalltor nach Osten.

Im Frühjahr 1916 hatte sich unsere Oberste Heeresleitung zum Angriff auf Verdun entschlossen.

Am 22.2. setzte der Angriff ein und glückte überraschend gut. Am 25.2. wurde das Fort Douaumont von der 2. Kompagnie des Inf.-Reg. 24 genommen.

Häufige Gegenangriffe gab es dann, aber das Fort wurde gehalten. Im Mai erfolgte eine schwere Explosion im Fort, durch die Hunderte von deutschen Soldaten ums Leben kamen; sie wurden in Kasematten eingemauert.

Am 23. Mai griffen die Franzosen überraschend an und nahmen das Fort ein. Durch einen Gegenangriff am 24. und 25. Mai wurden sie aber wieder hinweggefegt. Die Linie lag teilweise unmittelbar südlich des Forts.

Dahin kommen wir!

Die letzte Nacht im Quartier. Wenig Bewohner sind noch da. Unaufhörlich Kanonendonner. – Man geht noch mit einem Kameraden auf eine Anhöhe kurz hinter dem Dorfe. Der Himmel gleicht einem glühenden Feuerball. Einschlag auf Einschlag erfolgt. Leuchtkugeln steigen gen Himmel. Wie konnten nur in dieser Hölle Menschen leben?! –

Am 3. Juni werden wir auf dem Bahnhof Longuyon verladen und fahren bis Spincourt.

Von hier marschieren wir zu einem Lager auf der Höhe 310. Es regnet! Die Straßen sind schlecht und schmutzig. Schipperkolonnen arbeiten am Wege - - - Fesselballons stehen am Himmel. – Die Baracken im feuchten Walde sind schlecht. Eigene schwere Artillerie schießt und stört die Ruhe. Es soll sogar ein 42-Zentimeter-Geschütz in der Nähe stehen, das auch einen Rohrkrepierer hatte.

Waldlager bei Höhe 310

Offizierstellenbesetzung

Stab:

Bataillonskommandeur: Hauptmann von Rauch

Adjutant: Oberleutnant Nottbohm

Verpflegungsoffizier: Leutnant Bauch

Führer der Gefechtsbagage: Leutnant Bosse

Zahlmeister: Storck

Bataillonsarzt: Oberarzt Dr. Kuhl

Assistenzarzt: Dr. Kleinschmidt

1. Kompagnie:

Führer: Oberleutnant Grünewald

Leutnant Molt

Leutnant Alberti

2. Kompagnie

Führer: Hauptmann Kirchheim

Leutnant Behrens

Leutnant Hamel

Leutnant Brüssel

Leutnant Ulrich

Leutnant Weicker

3. Kompagnie

Führer: Hauptmann Schmalz

Leutnant Vogel

Leutnant Probst

Leutnant Vollmer

Leutnant Bock

Leutnant Schneider

Leutnant Hinze

4. Kompagnie

Führer: Oberleutnant Schneller

Leutnant Braun

Leutnant Mittelstraß

Leutnant Hartwig

Leutnant Meyer

Leutnant Knigge

M.G.K.

Führer: Oberleutnant Kreysing

Leutnant Jung

Leutnant Gleinig (krank)

Leutnant Schrödter

2. Radfahrer-Kompagnie

Führer: Hauptmann Krahmer-Möllenberg

Leutnant Bock

Leutnant Franke

Das Alpenkorps wird nicht geschlossen zu einem großen Angriff eingesetzt, sondern einzeln und kleckerweise.

Wir sollten das bayerische Inf.-Reg. 20 ablösen. Stahlhelme werden für einen Teil der Jäger ausgegeben. Merkwürdige Dinger, schwer und es saust einem in den Ohren, wenn man sie auf dem Kopfe hat. Nur ungern tauscht man sie gegen die leichten Tschakos. Aber nachher trägt man sie gern, als man weiß, dass sie Granatsplitter doch ganz gut abhalten können. Dieser soll, wenn er sich bewährt, im gesamten deutschen Heer eingeführt werden. Vorläufig sind es nur wenige Auserwählte, die mit der neuen Kopfbedeckung kämpfen dürfen. Die Infanteristen haben die Spitze von der Pickelhaube abgeschraubt oder abgeschlagen, denn sie hat schon manchen Kämpfer verraten und manchen Kopfschuss verursacht.

Auf höheren Befehl muss jede Kompagnie den vierten Teil der Offiziere und Mannschaften ausschneiden. Die ausgeschiedenen Züge werden zu einer Stammkompagnie unter Leutnant Behrens zusammengestellt.

Eine solche Maßnahme wurde immer dann ergriffen, wenn mit hohen Verlusten zu rechnen war. Die ausgeschiedenen Züge konnten, wenn erforderlich, sowohl als Reserve verwendet werden, im schlimmsten Falle aber auch als Stamm, um den herum aus Ersatz ein neues Bataillon geformt werden konnte, sollte das alte aufgerieben werden.

Gegen Abend wird aus dem Waldlager abgerückt. Schon während der vorhergehenden Tage konnte man sich bei dem ununterbrochenen Geschützdonner einen Begriff machen, welche Massen von Artillerie auf dem verhältnismäßig engen Raum zusammengeballt waren. Je näher das Bataillon der Kampfzone rückte, umso mehr vereinigen sich die Geräusche der Abschüsse und Einschläge zu einem einzigen Donner. Auf den Anmarschwegen bekam man den ersten Eindruck, mit welchem Einsatz von Material hier gekämpft wurde.

Der Schriftsteller Paul Ettighofer, der später, Anfang 1917, mit dem Reserve-Infanterieregiment Nr. 258 bei Verdun eingesetzt wurde:

„Auf deutscher Seite sind die Anmarschmöglichkeiten geradezu entsetzlich. Durch das ganze Gebiet führt keine einzige ausgebaute Straße. Es sind überall nur Feldwege, die kreuz und quer, meist unter Benutzung der Schluchten, das deutsche Hinterland durchziehen.

Für die deutschen Divisionen muss alles durch Trägerzüge herbeigeschafft werden. Die abgetriebenen Bespannungen bleiben im Schlamm der unergründlichen und grundlosen Wege stecken. Nacht für Nacht fahren sich die Kolonnen fest, können nicht mehr vorwärts, nicht mehr rückwärts. Ein seitliches Ausweichen in den Hohlwegen ist meist unmöglich. Gewiss, Feldküchen und Munitionsfahrzeuge versuchen möglichst nahe an die kämpfende Front heranzukommen. Aber dieses gelingt ihnen nur mit letztem Kraftaufwand. Und wenn dann, in einem Hohlweg, in irgendeiner Schlucht, auf einem dieser ausgefahrenen Wege, die von wassergefüllten Trichtern unterbrochen werden, Menschen, Pferde und Fahrzeuge, in tiefster Dunkelheit zusammengeballt stehen und sich zu entwirren versuchen, heulen die französischen Granaten daher, säen Tod und Schrecken.“

Munitionskolonnen rasen vorbei, die Bestände der Batterien aufzufrischen, verwundete Deutsche und Franzosen hasteten in Trupps und einzeln nach rückwärts, zerschossene Fahrzeuge, Ausrüstungsstücke jeder Art, aufgedunsene, stinkende Pferdeleiber umsäumen die Anmarschwege. An Aufräumen konnte hier nicht mehr gedacht werden, jeder Mann wurde für den Kampf selbst gebraucht; Material spielt keine Rolle, was im Dreck lag, blieb liegen, für Verdun musste Neues heran.

Ornes, im Tal gelegen, halb zerschossen, wird passiert. Feuer liegt in der Schlucht. Die Kompagnien werden auseinandergezogen. Gruppenweise geht es hindurch. Es geht gut. Dann wird die Straße verlassen. In Kolonne zu einem wir marschiert.

Das zerstörte Ornes

Es dunkelt. – Es stockt! Man rennt auf den Vordermann. - - - Durch Drahtverhaue und alte Gräben geht der Weg. Vor uns auf der Straße galoppieren Artilleriemunitions-Kolonnen. Die Fahrer hauen mit Peitschen auf die Pferde ein und holen das Letzte aus ihnen heraus. Granaten hauen dazwischen. - - -