Ariane, Weg in eine neue Welt - Nina Beaumont - E-Book
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Ariane, Weg in eine neue Welt E-Book

Nina Beaumont

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Beschreibung

Paris, 1858. Ariane de Valmont schätzt ihre Unabhängigkeit über alles, und um sie zu sichern, ist sie bereit, ein riskantes Bündnis mit einem sündhaft attraktiven Amerikaner einzugehen. Chris Blanchard ist widerwillig nach Paris gereist, um ein Versprechen einzulösen, das er seinem Vater an dessen Sterbebett gegeben hat. Eine reizvolle Herausforderung von Ariane verspricht eine betörende Ablenkung. Er zweifelt nicht, dass er diese prickelnde Wette angesichts seiner unfehlbaren Verführungskünste gewinnen wird. Beide handeln sich in diesem Spiel mit dem Feuer weit mehr ein, als sie erwartet haben. Kann dieses Hasardspiel mit den eigenen Herzen als Einsatz gut gehen? Oder werden sie beide alles verlieren? Ariane, Weg in eine neue Welt ist das dritte Buch der historischen Reihe Liebe in stürmischen Zeiten von Nina Beaumont. Der Roman ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig von den anderen Titeln gelesen werden.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Das Buch

Ohne Titel

Vorwort

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Epilog

Leseprobe

Über den Autor

Das Buch

Liebe und Leidenschaft in Zeiten der Gefahr

Ariane de Valmont schätzt ihre Unabhängigkeit über alles, und um sich diese zu sichern, ist sie bereit, ein riskantes Bündnis mit einem sündhaft attraktiven Amerikaner einzugehen.

Chris Blanchard ist widerwillig nach Paris gereist, um ein Versprechen zu erfüllen, das er seinem Vater an dessen Sterbebett gegeben hat. Eine reizvolle Herausforderung von Ariane verspricht eine betörende Abwechslung. Er zweifelt nicht, dass er diese prickelnde Wette angesichts seiner bravourösen Verführungskünste gewinnen wird.

Beide handeln sich in diesem Spiel mit dem Feuer weit mehr ein, als sie erwartet haben. Kann dieses Hasardspiel mit den eigenen Herzen als Einsatz gut gehen? Oder werden sie beide alles verlieren?

Ariane, Weg in eine neue Welt ist das dritte Buch der historischen Reihe Liebe in stürmischen Zeiten von Nina Beaumont. Der Roman ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig von den anderen Titeln gelesen werden.

Die Autorin

Nina Beaumont wurde in Salzburg als Kind russischer Eltern geboren und wuchs in den USA auf. Während ihres Studiums lebte sie zeitweise in Österreich. Viele Jahre arbeitete sie als Übersetzerin und Lektorin. Ihre Begeisterung für Geschichte und das Reisen entdeckte Nina früh, daher ist es für sie ein Vergnügen, Schauplätze ihrer historischen Romane für Recherchen zu besuchen.

Für weitere Informationen besuchen Sie Nina Beaumonts Website https://www.ninabeaumont.com/und melden sich für ihren Newsletter an.

Historische Reihe Liebe in stürmischen Zeiten

Arabella, Weg der Hoffnung

Felicity, Weg in die Freiheit

Ariane, Weg in eine neue Welt

Irina, Weg durch den Sturm

Julie, Weg in den Neubeginn

Für die deutschsprachige Ausgabe:

Copyright © 2022

Die Originalausgabe erschien 1996 unter dem Titel Surrender the Heart, veröffentlicht von Harlequin Historicals®

Copyright © 1996 Nina Gettler

Die zweite und überarbeitete Auflage erschien 2019

Aventurine Press, Kreuzgasse 21, 8010 Graz / AUSTRIA

Aus dem Amerikanischen übertragen von Jutta E. Reitbauer

Umschlagdesign von Tammy Seidick Graphic Design,

unter Verwendung von Motiven und Fotos von

www.123rf.com (neirfy - Fotograf*in)

www.shutterstock.com (Darya Komarova - Fotografin)

Satz: Maria Connor, My Author Concierge

Leseprobe von Irina, Weg durch den Sturm

Copyright © 2022

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buchs darf ohne vorherige schriftliche Zustimmung der Urheberrechtsinhaberin in irgendeiner Form und durch irgendwelche Maßnahmen, sei es elektronisch, mechanisch oder auf eine andere bekannte oder zukünftig erfundene Art und Weise vervielfältigt, aufgezeichnet oder vertrieben werden und darf nicht in einer Datenbank oder einem Datenabfragesystem gespeichert werden. Rezensenten dürfen kurze Passagen für Rezensionen oder Artikel zitieren. Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Nina Gettler, Kreuzgasse 21, 8010 Graz ([email protected]).

Dies ist eine erfundene Geschichte. Alle in diesem Buch vorkommenden Namen, Personen, Orte und Handlungen entstammen entweder der Fantasie der Autorin oder werden fiktiv verwendet.

Taschenbuch ISBN: 978-3-903301-24-5

E-Book ISBN: 978-3-903301-23-8

Ariane, Weg in eine neue Welt ist Buch 3 der historischen Reihe Liebe in stürmischen Zeiten. Die Romane sind lose miteinander verbunden, aber jedes Buch ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig von den anderen Titeln gelesen werden.

WIDMUNG

Ich danke meinen Autoren–Freunden Sonya Jorgensen Leckner, Suzanne Neel–Johnson und Mike Miller für ihre Hilfe beim Brainstorming.

Vorwort

Nach der Revolution von 1848 wurde Frankreich eine Republik und Louis-Napoléon Bonaparte wurde zum Staatspräsidenten gewählt. Diesen Posten bekleidete er nur drei Jahre. Nach mehreren misslungenen Putschversuchen gelang ihm im Dezember 1851 ein erfolgreicher Staatsstreich und 1852 proklamierte er sich zum Kaiser der Franzosen.

Das Zweite Kaiserreich unter Napoleon III (der Neffe von Napoleon I) dauerte 18 Jahre (1852—1870). Dies war eine glanzvolle Epoche, in der Paris die Stadt wurde, die wir heute kennen. Mittelalterliche Stadtteile wurden abgerissen, um für elegante Wohnbezirke für die Wohlhabenden Platz zu machen. Die großen Boulevards im Stadtzentrum wurden angelegt. Die Stadt bekam ein modernes Abwassersystem, sodass nicht alles in die Seine geleitet wurde. Aus den Überresten eines Waldes wurde der Bois de Boulogne, ein herrlicher Park, wo die nachmittägliche Ausfahrt rund um den See zu einem Ritual für die Reichen und Schönen wurde. Es war eine extravagante Zeit, in der sich alles um Geld zu drehen schien – sei es Geld zu verdienen oder Geld auszugeben. Paris wurde zu dem Ort, an den Europa reiste, um sich zu amüsieren.

Diese Welt mit ihrer glitzernden Fassade hatte jedoch eine dunkle Seite, die weit abstoßender war, als nur ostentativ seinen Reichtum zur Schau zu stellen. Es gab Korruption und Skandale. Prostitution war überall, ob in den hunderten Pariser Bordellen, auf der Straße oder in den luxuriösen Wohnungen der Kurtisanen, die den Status von Berühmtheiten erlangten. Geld für Sex war auch unter den Reichen und Mächtigen nicht unbekannt. Die Contessa di Castiglione, unter deren Liebhabern auch Kaiser Napoleon III zu finden war, soll eine Million Francs von einem britischen Lord bekommen haben, um mit ihm zwölf Stunden zu verbringen.

Wenn man bedenkt, dass ein Arbeiter ungefähr drei Francs für einen 12-Stunden-Tag bekam oder eine minderjährige Prostituierte ein paar läppische Münzen auf der Straße verdiente, sieht man, welche Klassenunterschiede es gab. Die Armen lebten in entsetzlichen Verhältnissen, die sich seit Jahrhunderten nicht verändert hatten. Auch nachdem viele Armenviertel von Baron Haussmann abgerissen worden waren, wurde ihr Leben nicht besser. Die Elendsviertel wurden noch überfüllter und die Verhältnisse noch schlimmer. Um nicht zu verhungern, hatte diese verarmte Population ohne Qualifikationen und ohne Perspektiven nur zwei Möglichkeiten – Kriminalität oder Prostitution.

Es ist kein Zufall, dass einer der berühmtesten Romane des 19. Jahrhunderts das Leben dieser Menschen schildert – Les Misérables von Victor Hugo, geschrieben 1862.

Kapitel1

Paris, Oktober 1858

»Ariane, wenn du diesen gelangweilten Blick nicht ablegst, wirst du nie einen Ehemann bekommen.«

Ariane de Valmont schaffte es gerade, der Versuchung zu widerstehen, vor Verzweiflung die Augen zu verdrehen. Anstatt ihren Mund zu einem aufgesetzten Lächeln zu verziehen, klappte sie ihren Fächer auf und hielt ihn so vor ihr Gesicht, dass nur ihre Augen zu sehen waren.

Sie war fest entschlossen, sich nicht zu amüsieren, obwohl die eingängigen Melodien von Offenbachs Orpheus in der Unterwelt sie dazu verleiteten, mit dem Fuß im Takt der Musik zu wippen, und die Possen der äußerst menschlichen griechischen Götter, die sich auf der Bühne tummelten, köstlich waren. Stattdessen ließ sie ihren Blick über die Zuschauer schweifen.

Das Theater, das trotz der üppigen Verzierung mit vergoldeten Stuckdekorationen und rotem Samt ein reizvolles Ambiente bot, war bis auf den letzten Platz besetzt, und nur die Wandleuchten im Zuschauerraum waren gelöscht worden, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass das Publikum selbst ebenso Teil der Unterhaltung war wie das, was auf der Bühne dargestellt wurde.

Die Logen waren den Damen vorbehalten, die entweder allein oder in Begleitung ihrer Eltern, Anstandsdamen oder – schließlich war man ja in Paris –, Liebhabern, das Theater besuchten, um zu sehen und gesehen zu werden. Die Herren, die entweder ungebunden waren oder so taten, als wären sie es, befanden sich im Parkett. Sie mochte die Einzige sein, deren Laune nicht mit der Heiterkeit in Einklang war, die das Theater zu durchdringen schien wie der opulente Duft eines sinnlichen Parfums, stellte Ariane verdrossen fest, aber sie war gewiss nicht die Einzige, deren Aufmerksamkeit woanders lag als auf der Bühne.

Lächeln, Winken, das Flattern von Fächern, kokette Blicke, diskrete Handzeichen wurden mit schwindelerregender Geschwindigkeit ausgetauscht. Es war genau wie auf einem Pferdemarkt in ihrer Heimat, dachte sie mit einem Anflug von Verachtung. Aus der ganzen Gegend kamen Männer mit Pferden, deren Mähnen und Schweife mit bunten Bändern geflochten waren, in der Hoffnung, einen reichen Käufer anzulocken. Der einzige Unterschied bestand darin, dass der Preis für eine blaublütige Braut mit einer ansehnlichen Mitgift oder eine schöne, versierte Mätresse unendlich viel höher war – sowohl für den Käufer als auch für die Verkäuferin.

Der Gedanke, dass sie nicht anders war als alle anderen, verbesserte ihre Laune nicht im Geringsten. Ihr Vater hatte sie nach Paris geschleppt, um aus ihr nichts anderes als eine Zuchtstute zu machen, dachte sie grimmig. Alles, was ihn interessierte, waren männliche Erben für das Valmont-Vermögen. Ein Vermögen, das es nicht gäbe, wenn sie die Familienbesitztümer in den letzten Jahren nicht so erfolgreich geführt hätte, sinnierte sie verstimmt.

Da saß sie nun wie auf dem Präsentierteller, in einer hochmodischen und verschwenderisch teuren Robe aus vielen Metern zart lilafarbener Seide, das blonde Haar kunstvoll frisiert und mit einer Reihe gleichfarbiger Seidenrosen geschmückt, an denen eine arme Näherin unzählige Stunden gearbeitet hatte. Allein der Gedanke daran, wie hoch die Rechnung der arroganten Pariser Schneiderin, die mit ihrer Heerschar von Näherinnen einen ganzen Monat auf ihrem Chateau verbracht hatte, gewesen war, trübte Arianes Stimmung noch mehr.

Sie hatte versucht, papa darauf hinzuweisen, dass es viel vernünftiger wäre, wenn sie das Geld für die Reparaturen an den Ställen verwenden würden. Aber er hatte nur geringschätzig abgewinkt und sie daran erinnert, dass sie genug Geld hatten. Sie hatte darauf verzichtet zu bemerken, dass der einzige Grund dafür darin bestand, dass sie einen Großteil ihrer Zeit damit verbrachte, jede seiner Entscheidungen über die Führung ihrer Anwesen diplomatisch zu umgehen – wenn er sich überhaupt die Mühe machte, eine Entscheidung zu treffen.

Sie beugte sich ein wenig nach vorne und sah hinunter auf die Sitzplätze im Parkett. Die Herren, dachte sie, lächelten und verschenkten kokette Blicke ebenso oft wie die Damen. Sie trugen entweder elegante Abendkleidung oder Uniformen, die so farbenfroh und mit so vielen Goldlitzen verziert waren, dass sie sicher war, dass diese Opulenz auf einer Bühne nicht fehl am Platze gewesen wäre. Ihre Koteletten waren aufwendig onduliert, ihre Schnurrbärte verwegen gezwirbelt, und sie alle sahen aus, als hätten sie in ihrem Leben noch keinen einzigen Tag ehrlicher Arbeit geleistet. Wie konnte ihr Vater nur von ihr erwarten, dass sie sich einen Ehemann aus einer so erbärmlichen Ansammlung von Gecken aussuchte, fragte sie sich – selbst wenn sie geneigt wäre, sich überhaupt einen Ehemann zu wünschen.

Plötzlich geriet ihr Blick ins Stocken und kam abrupt zum Stillstand. Es war sein Haar, das als Erstes ihre Aufmerksamkeit erregte. Die blonde, leicht gelockte Mähne streifte entgegen jedem modischen Gebot seine Schultern und ließ ihn wie einen Löwen inmitten von Hauskatzen aussehen. Und die Farbe! Ein Dutzend verschiedener Blondtöne – von der Farbe von sonnengebleichtem Weizen bis hin zum satten Ton von dunklem Waldhonig – gingen ineinander über. Ihre Finger wurden unruhig mit dem unbewussten Wunsch, es zu berühren.

Ihr Blick folgte den geraden, klaren Linien seines Profils, die sie an Gesichter erinnerten, die sie auf römischen Münzen gesehen hatte. Sie hatte sich immer gefragt, wie ein solches Profil von vorne aussehen mochte.

Als hätte er ihren Gedanken erahnt, drehte er sich leicht und sah direkt zu ihr hoch. Ariane senkte ihren Fächer und rückte nach vorne, weil sie so gerne die Farbe seiner Augen ausgemacht hätte.

Sie wusste es nicht, aber ihr Gesicht verlor den unbeteiligten, gelangweilten Ausdruck, ihre Mundwinkel hoben sich zu der Andeutung eines Lächelns, und ihre steif zurückgenommenen Schultern lockerten sich so weit, dass ihre Mutter ihr einen Blick zuwarf.

Marguerite de Valmont sah, wie sich der Gesichtsausdruck ihrer Tochter veränderte, und lächelte. Sie lehnte sich in ihrem vergoldeten und mit rotem Samt bezogenen Stuhl zurück und erlaubte sich einen kleinen Seufzer der Erleichterung. Es würde alles gut werden, dachte sie und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihren Gatten.

Die griechischen Götter, die auf der Bühne herumtollten, entlockten Christopher Blanchard ein geistesabwesendes fahles Lächeln, aber seine Aufmerksamkeit galt vor allem den Menschen im Publikum. Er hatte schon an zu vielen Orten gelebt, an denen die Überlebenschancen proportional zu seiner Fähigkeit stiegen, die Leute, mit denen er zu tun hatte, sofort und exakt einschätzen zu können. Und aus seinen eigenen Kindheitserfahrungen in Paris vor zwanzig Jahren wusste er nur zu gut, dass die Pariser Gesellschaft genauso tödlich sein konnte wie jede Goldrauschstadt in Kalifornien, wenn auch vielleicht auf etwas subtilere Art. Und doch, so dachte er, war es genau diese Pariser Gesellschaft, nach der sich sein Vater sein ganzes Leben lang gesehnt hatte.

Chris war seit einer Woche in Paris, lange genug, um sich eine exquisite, maßgeschneiderte Garderobe zuzulegen und zu begreifen, dass der Hauptantrieb der Pariser Gesellschaft das Streben nach Vergnügen, Geld und Macht war.

Er hatte sich auch vergewissert, dass Comtesse Léontine de Caillaux, die Schwester seines Vaters, noch immer in demselben tristen Herrenhaus lebte, an das er sich nur zu gut erinnerte. Und er hatte herausgefunden, dass das Geld aus dem Verkauf der Goldmine, die ihm und seinem Vater gemeinsam gehört hatte, in Aktien einer Investmentbank geflossen war, die seinem Halbbruder gehörte, der im Gegensatz zu ihm ehelich geboren war.

Sein Blick schweifte über die Logen über ihm und stockte, als Chris eine attraktive Frau entdeckte – eine voll erblühte Rose, die nicht mehr ganz taufrisch war. Sie lehnte an der Balustrade ihrer Loge, die Arme unter ihren Brüsten verschränkt, was die Wölbungen ihres cremefarbenen Busens unverhohlen betonte. Als sie seinem Blick begegnete, pflückte sie eine Blume aus dem Bouquet, das vor ihr lag, und strich damit unmissverständlich einladend über ihren Mund.

»Suzette Lavalier ist eine der teuersten Kurtisanen von Paris«, murmelte sein Nachbar. »Aber man munkelt, dass ihr Geschick jeden Franc und sogar noch mehr wert ist.«

»Eigentlich zielt mein Geschmack auf Frauen ab, die noch nicht von der Hälfte der männlichen Bevölkerung ausprobiert wurden.« Chris grinste Roger de Monnier an. Er fühlte sich in der Gesellschaft des jüngeren Mannes wohl, obwohl ihre Bekanntschaft erst ein paar Tage alt war. »Ich bin noch nicht annähernd alt genug, um das Geschick einer Frau zu brauchen.« Sein Grinsen wurde eine Spur anzüglicher. »Und abgesehen davon gehe ich davon aus, dass ich genug Geschick für uns beide habe.«

»Ich bin sicher, du wirst keine Probleme haben, das zu finden, was du suchst.« Roger lächelte Chris an und fragte sich, ob es eine Möglichkeit gäbe, die nicht ganz so zivilisierte Aura des Amerikaners zu kopieren, die so viele einladende weibliche Blicke anzuziehen schien. »Paris hat für jeden Geschmack etwas zu bieten.«

»Das bezweifle ich nicht.«

Als sie sich wieder der Bühne zuwandten, spürte Chris ein Kribbeln in seinem Nacken. Da sein Instinkt ihm schon mehr als einmal das Leben gerettet hatte, neigte er den Kopf nach oben und zur Seite und entdeckte zielsicher die Augen, die ihn über die Spitze eines lilafarbenen Fächers beobachteten.

Weiterhin den Blick auf ihn gerichtet, senkte die junge Dame versonnen ihren Fächer auf die Brüstung der Loge, und Chris spürte ein plötzliches Ziehen bis in die Magengrube. Ein Ziehen, das eine Hitze verbreitete, die dem Feuer von Whiskey auf nüchternem Magen nicht unähnlich war.

Auf den ersten Blick mochte ihre verführerische Schönheit zart wirken, dachte er, aber da war eine Kühnheit, die durch den schwungvollen Bogen ihrer Augenbrauen noch betont wurde. Sie mochte wie eine sanfte Aphrodite aussehen, die leicht in das Bett eines Mannes gelockt werden konnte, aber er vermutete, dass sie stattdessen eine stolze Athene war. Sie würde gegen die Kapitulation ankämpfen, sinnierte er, aber wenn sie erst einmal gewonnen war … Bei diesem schockierend klaren Bild geriet sein Blut in Wallung.

Sein Blick wanderte hinunter zu ihrem Mund. Ihre Mundwinkel neigten sich nach oben in der leisen Andeutung eines Lächelns, während sie ihn weiterhin mit einer Direktheit ansah, die ein anderer Mann vielleicht als entnervend oder unangemessen empfunden hätte. Aber es gab wenig, was Chris verunsicherte, und er hatte keine Geduld für die höflichen Nettigkeiten der feinen Gesellschaft, also antwortete er in gleicher Weise. Anstelle der diskreten Verbeugung, die die Konvention verlangt hätte, warf er den Kopf in den Nacken, was eher eine Herausforderung als eine geziemende Begrüßung war.

Sofort verschwand jede Spur eines Lächelns vom Mund der jungen Dame. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, aber sie sah noch immer nicht weg. Nein, sie beobachtete ihn weiter, und unter ihrem Blick spürte er, wie sich Hitze in seinem Bauch ausbreitete. Sieh an, dachte er, während sich seine Mundwinkel hoben, vielleicht würde ihm sein Aufenthalt in Paris neue, angenehme Erinnerungen bescheren, die die alten, hässlichen ersetzen würden.

Ariane beobachtete, wie der Fremde den Kopf zurückwarf. Sie war nicht sehr bewandert in den Spielchen, die Männer und Frauen miteinander trieben, aber sie verstand eine Herausforderung besser als die meisten. Obwohl sie die Stirn runzelte und sich fragte, zu was er sie herausforderte und warum, wurde sie von der schieren, ungezähmten Schönheit des Mannes abgelenkt. Die Bewegung seines Kopfes ließ seine Haarpracht nach hinten schwingen, sodass sie das Licht einfing, und sie fragte sich, wie es sich wohl anfühlen würde, mit den Fingern durch diese dichte Mähne zu fahren.

Als sie sah, wie sich sein Mund zu einem Lächeln verzog, das sowohl jungenhaft charmant als auch frech war, ließ sie der erschreckende Gedanke, dass er genau wusste, was in ihrem Kopf vorging, erstarren. Doch ihr Stolz erlaubte es ihr nicht, den Blick abzuwenden.

»Roger, wer ist das?« Chris wandte seinen Blick nicht von ihrem Gesicht ab, als er sprach. »Die Schönheit mit den goldenen Haaren in dem lilafarbenen Kleid.«

Roger de Monnier beugte sich vor und senkte den Kopf in einer wohlerzogenen Verbeugung, als er die junge Dame erkannte.

»Das ist Comtesse Ariane de Valmont. Sie und ihre Eltern sind für diese Ballsaison nach Paris gekommen«, sagte er. »Sie ist offenbar älter als die meisten Debütantinnen. Gott weiß, warum ihre Eltern sie so lange auf dem Land versteckt hielten. Aber keine Spur von Skandal«, beeilte er sich hinzuzufügen. »Möchtest du, dass ich dich vorstelle?« Bedauern flackerte in Roger auf. Er war selbst ziemlich angetan von der jungen comtesse, aber jetzt, da er sah, wie sie und sein neuer Freund sich gegenseitig anstarrten, machte er sich keine Illusionen über seine Chancen bei ihr.

»Sehr gerne.« Chris bedachte seinen Freund mit einem kurzen Lächeln, bevor sein Blick wieder zu der jungen Dame zurückkehrte.

»Chris?«

»Hm?«

»Sie ist eine junge Dame aus guter Familie.« Roger kaute auf seiner Unterlippe, nicht ganz sicher, wie er das, was er sagen wollte, formulieren sollte, ohne seinen Freund zu beleidigen. »Und dies hier ist nicht«, er räusperte sich diskret, »der Wilde Westen.«

Langsam drehte sich Chris zur Gänze zu ihm, und Roger wäre fast zurückgeschreckt, als er sah, wie die hellgrünen Augen des anderen Mannes eine Kälte ausstrahlten.

»Ich wollte nicht …«

»Keine Sorge, mon ami. Ich mag in deinen Augen ein unzivilisierter Amerikaner sein, aber meine Eltern waren den hier Anwesenden durchaus ebenbürtig. Ich weiß, welches Verhalten deine Gesellschaft verlangt.« Er machte eine Pause und hob eine goldbraune Augenbraue. »An der Oberfläche.«

»Ich wollte dich nicht beleidigen.«

Chris entspannte sich und lächelte. »Dann werde ich es auch nicht so auffassen.«

Gleichzeitig wandten sich beide Männer wieder der Bühne zu, wo sich die Sänger für das Finale des Aktes aufgestellt hatten.

Verdammt, fluchte Chris in Gedanken. Warum hatte er sich von Rogers Worten so aus der Fassung bringen lassen? Er war sich so sicher gewesen, dass es ihn nicht länger kümmerte, was die Gesellschaft von ihm dachte. War er nicht gerade deshalb hierhergekommen? Um all die alten Gespenster zu vertreiben? Um all die alten Erinnerungen auszulöschen?

All die Jahre hatte er sich eingeredet, dass nichts davon mehr von Bedeutung sei. Jetzt wurde ihm klar, dass er sich selbst belogen hatte. Er war nicht so gleichgültig, wie er es gerne gewesen wäre. Die Erinnerungen waren noch immer wie ein Stachel in seinem Fleisch.

Als der Vorhang fiel, brandete Beifall in einer Welle auf, aber der Großteil des Publikums war bereits mit den Vergnügungen beschäftigt, mit denen es die Pause zu füllen galt.

Ariane war in den letzten Minuten sorgfältig darauf bedacht gewesen, ihren Blick stets auf die Bühne gerichtet zu halten. Jetzt, als die Zuschauer zu plaudern und sich zu zerstreuen begannen, ließ sie ihren Blick wieder über das Parkett schweifen. Der Sitzplatz des blonden Mannes war leer, und sie unterdrückte einen Anflug von Missmut, indem sie sich versicherte, dass es sie nicht im Geringsten kümmerte, wo er sich aufhielt.

»Ich glaube, ich werde Justine de Monnier in ihrer Loge besuchen«, sagte sie und wandte sich ihrer Mutter zu. Aber sie stellte fest, dass ihre Mutter ihr nicht zuhörte. Stattdessen blickte sie mit unverhohlener Verehrung zu ihrem Gatten auf und hing an jedem Wort, das er zu ihr sagte.

Achselzuckend stand sie auf, doch bevor sie sich von ihrem Stuhl entfernen konnte, warf ihr Vater ihr einen ärgerlichen Blick zu.

»Setz dich, Ariane«, sagte Pierre de Valmont. »Ich habe dir doch gesagt, dass man in der Pause in seiner Loge bleibt, um Besucher zu empfangen.«

»Wenn alle in ihren Logen bleiben, wer sind dann die Besucher?«, fragte sie mit vorgetäuschter Naivität.

»Sei nicht unverschämt. Jetzt setz dich wie…«

Ein Klopfen an der Tür zu ihrer Loge unterbrach ihn.

»Da hast du es«, sagte Valmont erfreut und vergaß seine Verärgerung über seine Tochter.

Mit einem indignierten Schnauben nahm Ariane wieder auf ihrem Stuhl Platz. »Wenn das dieser pummelige kleine Duc de Santerre ist«, entgegnete sie, »dann werde ich …«

»Dann wirst du höflich sein«, beendete ihr Vater den Satz mit Nachdruck und lud die Besucher ein, die Loge zu betreten.

Kapitel2

Er war noch größer, als Ariane ihn sich vorgestellt hatte, und seine Schultern waren ungewöhnlich, fast unschicklich breit. Seine strenge, elegante Abendgarderobe war perfekt geschneidert, aber das schien die Aura der Wildheit, die ihm anhaftete, nur noch mehr zu betonen. Er sah gewiss nicht im Entferntesten so aus wie die müßigen jungen Männer, die sie in der letzten Woche kennengelernt hatte.

Ariane starrte ihn an und hörte weder das nichtssagende Geplauder ihrer Eltern, die Roger de Monnier begrüßten, noch das erschrockene Aufkeuchen in der Loge neben der ihren.

»Darf ich vorstellen, mein Freund Christopher Blanchard.« Obwohl es ihn in seinem gallischen Empfinden schmerzte, artikulierte er den Namen so, wie er laut Chris von Amerikanern ausgesprochen wurde. »Er kommt aus Amerika. Christopher, das ist der Comte de Valmont und seine Familie.«

»Sie sind Amerikaner? Wie interessant.« Marguerite de Valmont lächelte leer. »Wir hatten kürzlich einen Besucher aus Amerika. Woher kam der Herr, chéri?« Sie sah zu ihrem Mann auf.

»Woher kam er?« Valmont gab die Frage an seine Tochter weiter.

»Virginia, papa.«

»Ah, ja«, sagte Valmont. »Ein sehr angenehmer Herr. Er hat mehrere unserer Pferde gekauft.« Er rieb sich leicht die Hände, als er sich erinnerte. »Ein ausgezeichnetes Geschäft.«

Ja, dachte Ariane leicht vergrämt, es war tatsächlich ein ausgezeichnetes Geschäft gewesen. Aber nur, weil sie mit diesem sehr angenehmen Herrn nächtelang gefeilscht und ihn mit ihrem – dank einer österreichischen Cousine – geradezu atemberaubenden Repertoire von Kartenspielen bei Laune gehalten hatte.

»Und woher kommen Sie?«

Pierre de Valmonts Stimme hatte den fragenden Ton, der für Väter unverheirateter Töchter typisch war und Chris an Rogers Worte erinnerte. In Kalifornien würde eine Frage wie diese eher den Auftakt zu einer Schlägerei bilden, dachte Chris, aber seine Stimme zeigte keine Spur von Gereiztheit, als er sprach.

»Ich bin viel herumgekommen, aber die letzten Jahre habe ich in Kalifornien verbracht.«

Kalifornien? Das Bild von Wüste und Meer und heißer Sonne war so real, dass Ariane die Hitze fast auf ihren nackten Schultern spürte. War es diese heiße Sonne, die seinem Haar diese fabelhafte Farbe verliehen, die seine Haut gebräunt hatte? Die Männer in der Provence, wo sie die meiste Zeit ihres Lebens verbracht hatte, waren gutaussehend, aber sie hatte noch nie einen Mann von solch wilder Schönheit gesehen. Plötzlich wurde ihr schmerzlich bewusst, dass sie ihn angestarrt hatte, und rasch wandte sie den Blick ab.

»Sind Sie geschäftlich in Paris oder ist es eine Vergnügungsreise?«, erkundigte sich Valmont.

»Ich habe hier geschäftliche Interessen, um die ich mich kümmern muss. Aber ich bin sicher, dass der Aufenthalt in Paris auch ein Vergnügen sein wird.«

Valmont nickte, ein wenig erleichtert. Immerhin war ein Mann, der Geschäftsinteressen in Frankreich hatte, höchstwahrscheinlich kein völliger Barbar, auch wenn sein schulterlanges Haar und sein unverschämter Blick ihn wie einen Wikinger auf Plünderfahrt aussehen ließen.

Es war eine höllisch schwierige Aufgabe, die Tugend einer Tochter zu hüten, dachte er, besonders wenn sie mehr Intelligenz und Energie besaß, als für eine Frau geziemend war. Zu schade, dass ihre Intelligenz nicht dazu gereicht hatte, einen Ehemann auszusuchen unter den durchaus ansehnlichen Söhnen von anderen Gutsbesitzern in der Region.

Egal, dachte er. Er würde schon dafür sorgen, dass sie einen Ehemann hatte, bevor sie Paris wieder verließen. Einen Ehemann, der ihr die Söhne schenken würde, die das Vermögen, das er aufgebaut hatte, erben würden. Lächelnd widmete er sich wieder seinen Pflichten als Gastgeber.

Der Amerikaner war nicht sehr redselig, stellte Ariane fest, obwohl ihre Eltern ihn gnadenlos ausfragten. Er beantwortete ihre Fragen in perfektem Französisch, gab aber keine zusätzlichen Details preis. Paradoxerweise fand sie seine Zurückhaltung ärgerlich, obwohl ihr die selbstgefälligen Äußerungen über Familie oder Vermögen, die die meisten anderen Männer stets machten, zuwider waren.

»Wir freuen uns darauf, Sie auf unserem Ball zu sehen.« Roger wandte sich an Ariane. »Meine Schwester Justine hat von nichts anderem mehr gesprochen, seit sie Sie neulich Abend kennengelernt hat.«

»Es war sehr kurzweilig, mit ihr Zeit zu verbringen«, sagte Ariane mit einem aufrichtigen Lächeln. Sie freute sich wirklich darauf, das Mädchen wiederzusehen, das alles war, was sie nicht war – groß und gertenschlank, mit Haaren, die die Farbe eines sternenlosen Nachthimmels hatten, und das sich in dem Karussell aus Bällen, Kutschfahrten und Koketterie wohlfühlte.

Der Amerikaner beobachtete sie, bemerkte Ariane, während sie weiter höflich mit Roger plauderte. Sie spürte seinen Blick, als ob er sie berühren würde. Er forderte sie wieder heraus, so wie er es zuvor getan hatte. Nur dieses Mal verstand sie, dass er sie herausforderte, ihn anzusehen, weil er genau wusste, dass sie es vermied.

Ob er sie für einen Feigling hielt, dachte sie plötzlich. Oder er lachte sie insgeheim aus, was noch schlimmer wäre. Sie holte tief Luft und wandte sich ihm zu. Seine Augen, die das klare, kühle Grün eines Gebirgsbaches hatten, waren auf sie gerichtet, sein Blick leicht amüsiert.

Er war sich der Macht seines Charmes so bewusst, dachte sie mit einem instinktiven Verständnis, das weit über ihre Erfahrung hinausging. Trotz dieser Erkenntnis konnte sie sich zu ihrem Bedauern seiner Anziehungskraft nicht völlig entziehen.

»Was halten Sie von all dem, Monsieur Blanchard?« Sie machte eine kleine, kreisende Geste mit ihrem Fächer. »Wie ist es im Vergleich zu Kalifornien?«

»Paris ist natürlich Paris«, sagte er lässig, »aber die Menschen sind im Grunde überall gleich.«

»Glauben Sie das wirklich?«

Die scharfe Frage in ihrem Tonfall gefiel Chris weitaus mehr, als eine willfährige Zustimmung es je getan hätte. »Sie etwa nicht?«

»Nein, das glaube ich nicht.« Ihre Augen musterten ihn kühn, ihr Unbehagen von vorhin verflogen. »Von allen Menschen, denen ich in Paris begegnet bin, war kein einziger Ihnen auch nur annähernd ähnlich.« Sie zuckte leicht mit den Schultern. »Anderswo auch nicht.«

»Ist das ein Kompliment oder eine Beleidigung?« Sein freches Grinsen machte deutlich, dass er es als Kompliment aufgefasst hatte.

Ariane konnte nicht widerstehen und sandte ihm ein verschmitztes Lächeln. »Ich werde es Sie wissen lassen, sobald ich mich entschieden habe.«

Pierre de Valmont beobachtete, wie seine Tochter mit dem großen, gutaussehenden Amerikaner kokettierte. Er hatte sie noch nie so lebhaft mit anderen, geeigneteren Männern gesehen, dachte er. Sie war wirklich unmöglich. Er gab dem wartenden Lakaien ein Zeichen, die Champagnerflöten zu füllen.

»Auf einen angenehmen – und langen – Aufenthalt in Paris für Sie alle.« Roger de Monnier hob sein Glas.

»Ich freue mich darauf», sagte Chris, ohne seinen Blick von Arianes Gesicht zu nehmen. »Jetzt.«

Ariane hob ihr Glas, trank einen Schluck und betrachtete den Amerikaner über den Rand ihrer Champagnerflöte. Das ungewöhnlich durchscheinende Grün seiner Augen leuchtete mit unverhohlenem Interesse. In der letzten Woche hatte sie bereits genug solcher Blicke empfangen, um sie zu erkennen. Aber während sie das Interesse all jener langweiligen, laschen jungen Männer leicht abtun konnte, fiel es ihr schwer, den Blick von den Augen dieses Mannes abzuwenden, in denen Hitze und Herausforderung und dieser aufreizende Hauch von Amüsement lagen.

Chris betrachtete sie und wartete darauf, dass sie mit ihren goldgetönten Wimpern, die ihre wunderbaren amethystfarbenen Augen umrahmten, klimperte, ihm ein kokettes Lächeln schenkte oder sich neckisch hinter ihrem Fächer versteckte. Aber sie tat nichts von alledem. Stattdessen beobachtete sie ihn weiter, mit ernsten Augen und ernstem Mund, als würde sie ihn abschätzen. Er meinte, noch nie eine Frau mit einer solchen Fähigkeit zur Stille erlebt zu haben.

»Und Sie, comtesse?«, fragte Chris. »Freuen Sie sich auch darauf?«

Seine Stimme war weich und verführerisch, und trotz ihrer Unerfahrenheit erkannte Ariane den Schauer der Erregung, der ihr den Rücken hinunterlief, als solchen.

»Ja.« Sie lächelte und nahm es zum ersten Mal seit Wochen ihren Eltern nicht übel, dass sie sie nach Paris geschleppt hatten.

»Es freut mich außerordentlich, das zu hören.«

Der zart anzügliche Tonfall war wie eine seidige Berührung auf nackter Haut.

Ein melodiöser Gong signalisierte das Ende der Pause, und Chris stand auf und verbeugte sich über die Hand, die sie ihm entgegenhielt.

»Der erste Walzer morgen Abend«, murmelte er, gerade laut genug für ihre Ohren. »Der erste und der letzte.«

»Ich werde erst in meiner Tanzkarte nachschauen müssen.« Sie hob ihr Kinn.

»Der erste und der letzte Walzer, comtesse», flüsterte er mit einem sündhaft charmanten Lächeln. »Über manche Dinge bin ich nicht bereit zu verhandeln.«

Ariane spürte, wie ihr Puls in die Höhe schoss, als er ihr einen langen Moment in die Augen sah, ehe er sich ihren Eltern zuwandte.

»Ich danke Ihnen für Ihre Gastfreundschaft.« Chris beugte sich über Marguerite de Valmonts Hand.

Als er sich abwandte, streifte sein Blick die Frau, die ihn aus der Loge nebenan anstarrte. Und all die alten, hässlichen Erinnerungen überfluteten ihn.

»Was für ein impertinenter Amerikaner«, sagte Ariane zu niemand Speziellem, als sich die Tür der Loge hinter den beiden Männern geschlossen hatte. In einem nicht ganz gelungenen Versuch der Nonchalance machte sie eine wegwerfende Handbewegung und wandte sich wieder dem Publikum zu. »Aber wenigstens ist er nicht langweilig.«

»Wirklich, Ariane«, sagte Valmont, »ich verstehe dich nicht.«

»Keine Sorge, papa«, sagte Ariane, ohne ihren Vater anzusehen. Sie wusste genau, was für ein Gesicht er machte. »Ich habe nicht vor, den Mann zu heiraten.«

»Mon Dieu«, stammelte Valmont. »Das möchte ich wohl hoffen. Nicht, wenn du Herren wie den Duc de Santerre hast, der um dich herumscharwenzelt.« Doch andererseits – er hielt inne, als ihm der Gedanke in seinen von der Pferdezucht geschulten Sinn kam – würde der große, breitschultrige Amerikaner wohl kräftigere Söhne zeugen als der pummelige Herzog.

Chris saß da und starrte in ein Glas Cognac, das er noch nicht angerührt hatte.

Nichts hatte sich geändert, erkannte er. In dem Augenblick, als er Comtesse Léontine de Caillaux in der Loge neben den Valmonts gesehen hatte, war er zurück in die Vergangenheit katapultiert worden.

Er hatte mit seiner kleinen, verschwitzten Hand in der größeren seines Vaters dagestanden und sehnsüchtig zu der großen, blonden Frau aufgeschaut, die seinem Vater so sehr ähnelte. Sie hatte nach irgendeiner Blume gerochen, und er hatte sich sehnlichst gewünscht, dass sie ihm mit ihren weichen Händen über die Wange streichelte, so wie maman es immer getan hatte, bevor sie fortgegangen war, um bei den Engeln zu leben.

Aber sie hatte ihn nicht angefasst. Sie hatte ihn kaum angeschaut.

»Ich verstehe nicht, wie du mich der Anwesenheit deines widerlichen, kleinen Bastards aussetzen kannst«, hatte sie gesagt. »Ehrlich, Charles, du lebst schon zu lange unter diesen Barbaren in Amerika. Deine Manieren sind dir völlig abhandengekommen.«

Er erinnerte sich an den scharfen Klang ihrer Stimme, als ob es gestern gewesen wäre. Und er erinnerte sich an das bleierne Gefühl in seinem Magen, als er versucht hatte zu verstehen, warum sie ihn mit so viel Abscheu angesehen hatte.

Und er stellte fest, dass die Erinnerung jetzt, zwanzig Jahre später, noch immer wehtat.

»Darf ich Ihre Tochter entführen?« Justine de Monniers schokoladenfarbene Augen funkelten, als sie in einem Kleid aus rosa Satin, das mit cremefarbener Spitze überladen war, zu den Valmonts schwebte. Ohne die Antwort der Valmonts abzuwarten, hakte sie sich bei Ariane unter und schlenderte mit ihr davon.

»Ich werde dir erzählen, wer alle sind.« Mit einem koketten Lächeln nahm Justine die Begrüßung eines jungen Herrn zur Kenntnis und dann sofort die eines anderen.

Ariane zog amüsiert die Brauen hoch. »Dann dauert der Ball wohl eine ganze Woche?« Justines Worte hätten sie eigentlich irritieren müssen, dachte sie, da sie sich nichts daraus machte, wer »alle« waren, aber irgendwie war der Enthusiasmus der jüngeren Frau ansteckend.

Justines Lachen erklang hell. »Natürlich nur die, die jemand sind«, stellte sie klar.

»Da bin ich aber froh«, sagte Ariane, »aber könnten wir uns nicht stattdessen ins Spielzimmer schleichen?«

»Das wäre sehr unartig.« Justine kicherte. »Du weißt doch, junge, unverheiratete Damen sind dort verboten.«

»Ich weiß.« Ariane seufzte bei dem Gedanken, dass ihr selbst dieser Zeitvertreib verwehrt war. Wenigstens bei einem Fest zu Hause war es immer ein Leichtes gewesen, ein flottes Kartenspiel zu finden – im schlimmsten Fall in den Stallungen.

»Oh!«

Ariane hörte das leise Aufkeuchen und blickte zu Justine, die ihren Fächer mit einer eleganten Handbewegung geöffnet hatte und ihn wie einen Schmetterlingsflügel flattern ließ. Ariane fragte sich, wie viele Stunden das Mädchen vor dem Spiegel verbracht hatte, um diese Perfektion zu erreichen. Justines Augen waren so rund wie Münzen geworden, und Ariane folgte ihrem Blick.

Als sie feststellte, dass ihr eigener Blick von Christopher Blanchards Augen gefangen war, fühlte sie sich wie eine Fliege, die versehentlich in einem Honigtopf gelandet war. Sie versuchte sich einzureden, dass das leichte Kribbeln in ihrer Magengrube keine Aufregung, sondern Bestürzung war.

»Siehst du den Mann bei Roger?« Justines Stimme war nahezu ehrfürchtig. »Der, der uns so unverschämt anschaut.« Ihre Atmung ging in einen aufgeregten, kleinen Schluckauf über. »Oh, mon Dieu.« Sie legte eine Hand an ihren Busen. »Wo hat Roger ihn gefunden, und wer ist er?«

»Ich weiß nicht, wo dein Bruder ihn gefunden hat, aber sein Name ist Christopher Blanchard, und er ist Amerikaner.«

Er schaute sie immer noch an, als würde er sie herausfordern, als Erste den Blick abzuwenden, und so starrte sie zurück, nicht gewillt, diese kleine Schlacht zu verlieren.

Justines Fächer hielt plötzlich still. »Du weißt, wer er ist?« Sie rückte näher und zwickte Ariane hinter dem Fächer leicht in den Arm. »Du starrst ihn an, meine Liebe.«

»Ich weiß.« Obwohl sich Verärgerung in ihr regte, rührte sich Ariane nicht, außer dass sie ihr Kinn noch ein Stück anhob. »Es ist ein Wettstreit.«

Ihr Gesicht blieb gelassen, aber ihre Augen wurden unruhig. Sie bemerkte kaum, dass sich ihre Finger um ihren Fächer verkrampften. Aber sie war sich sehr wohl bewusst, dass das Blut in ihren Adern so schnell zu fließen begann wie ein Fluss, der durch Frühlingsniederschläge anschwoll.

Sein Bild war letzte Nacht durch ihre Träume getrieben, aber die Realität des Mannes, so groß, so braungebrannt, so unglaublich maskulin, ließ ihr Herz pochen. Es war nichts Bemerkenswertes daran, versicherte sie sich. Es war nicht anders, als wenn sich ihr Herzschlag beschleunigte, wenn in einem Spiel mit hohen Einsätzen die Karten verteilt wurden. In diesem Augenblick entging ihr die fatale Präzision ihrer Feststellung.

Einen Moment später wurde ihr die Sicht durch die rundliche Gestalt des jungen Duc de Santerre versperrt.

»Ich bin entzückt, Sie heute Abend hier zu sehen, comtesse.« Sein eifriges Lächeln ließ seine blauen Augen fast in den Falten der weichen, rosa Haut verschwinden. »Gestatten Sie mir die Ehre, heute Abend den ersten Walzer mit Ihnen zu tanzen?«

»Es tut mir leid, aber ich bin bereits versprochen.« Die Anweisungen ihres Vaters waren vergessen und die Worte entschlüpfen ihr ganz von selbst. Da er ihr leidtat, schenkte sie ihm ein besonders warmes Lächeln. »Einer der anderen vielleicht?«, bot sie ihm voreilig an und bereute ihre Worte in dem Augenblick, als sie ausgesprochen wurden.

Hingerissen über sein Glück, verschwanden die Augen des jungen Herzogs wieder, als er zusah, wie Ariane seinen Namen auf ihre Tanzkarte schrieb. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber er sah, dass sie den Kopf gehoben hatte und auf die andere Seite des Ballsaals schaute. Einen Augenblick lang verharrte er noch bei ihr, bevor er begriff, dass er entlassen worden war.

Arianes Blick traf wieder auf die Augen des Amerikaners. Er neigte den Kopf leicht, seine Augen amüsiert und wissend.

Zum Teufel mit ihm, dachte Ariane. Offenbar konnte er sie lesen wie ein Buch und wusste, dass sie den ersten Walzer ihm vorbehalten hatte. Jetzt lächelte er wie ein eleganter Kater, der gerade einen leckeren Kanarienvogel verspeist hatte. Sie würde in seiner Gegenwart vorsichtiger sein, nahm sie sich vor.

Wie um ihre Absicht herauszufordern, setzte er sich in Bewegung und schritt mit einer Zielstrebigkeit auf sie zu, bei der die Grüppchen von plaudernden Ballbesuchern beiseitetraten, um ihn durchzulassen. Sie spürte wieder das Flattern in ihrer Magengrube und sie kämpfte dagegen an, indem sie ihre Haltung versteifte. Und doch, da sie pflegte, ehrlich mit sich selbst zu sein, gestand sie sich sowohl das Unbehagen ein, das sie spürte, als auch die prickelnde Aufregung.

Sie war wirklich hinreißend, dachte Chris. Sie war von kleiner Statur und ihre weichen Kurven waren nahezu üppig. Und ihre Haut! Er hatte einmal Perlen von der gleichen Farbe gesehen – ein durchscheinendes, milchiges Weiß mit einem Hauch von Rosa.

Ihr weißes Kleid, geschmückt nur mit Seiden-Veilchen in der exakten Farbe ihrer Augen, wirkte im Vergleich zu den mit Spitzen und Rüschen verzierten Kreationen der anderen Damen schlicht, ja fast streng. Und sie stand ganz still, selbst wenn sie sprach, als ob alles, was um sie herum geschah, sie überhaupt nichts anginge.

Ihre Schönheit war zart, aber sie hatte nichts Zerbrechliches an sich. Und sie war nicht so kühl und gelassen, wie sie vorgab zu sein, stellte er fest. Ihre Augen, dunkel und ruhelos, verrieten sie. Unter der kühlen Fassade steckte Leidenschaft. Und er wollte derjenige sein, der sie entdeckte. Er hatte schon sehr lange nichts mehr so unbedingt gewollt, dachte er.

»Bon soir.« Ungeniert griff er nach ihrer Hand, anstatt darauf zu warten, dass sie sie ihm anbot. »Sie habensich also tatsächlich daran erinnert, dass Sie mir den ersten Walzer versprochen haben.«

»Ich habe nichts versprochen, Monsieur Blanchard. Sie haben es verlangt.«

»Und?« In diesem einzigen Wort schwang eine Fülle von Andeutungen mit. »Sie geben Forderungen also immer nach?« Seine goldbraunen Augenbrauen wölbten sich lasziv. »Das werde ich mir merken müssen.«

»Au contraire.« Ihre Augen verdunkelten sich, als ihr Temperament aufwallte. »Forderungen sind eher dazu geneigt, bei mir die gegenteilige Reaktion hervorzurufen.«

»Und welchem Umstand verdanke ich dann«, er machte eine Pause, »Ihre ungewöhnliche Zustimmung?«

Ariane begriff, dass er versuchte, sie zu provozieren, und beschloss, ihm auf gleiche Art zu antworten.

»Der Tatsache, dass die Unterhaltung mit Ihnen amüsanter zu werden verspricht als die mit Santerre, der selbst jemanden, der an Schlaflosigkeit leidet, in einen tiefen Schlummer versetzen könnte.« Sie ließ ihren Blick lässig, aber ausführlich über ihn schweifen. »Und Sie sehen aus, als würden Sie sich auf der Tanzfläche geschickt anstellen und mir nicht auf die Füße treten.«

Ariane merkte kaum, dass Justine bei ihren Worten schockiert nach Luft schnappte, als Chris den Kopf in den Nacken warf und lachte. Es war kein höfliches Salonlachen oder ein mokantes Schmunzeln, sondern ein sattes Amüsement, das wie eine Berührung war. Die Leute um sie herum starrten sie an, aber Ariane bemerkte es nicht, denn sie war fasziniert von dem Klang seines Lachens und wie sich die sonnengebräunte Haut seines Halses dabei bewegte.

Sein Mund war noch immer zu einem Lächeln verzogen, als seine Augen wieder ihren Blick einfingen. »Ich bin verzaubert.«

Es kostete sie einige Mühe, aber es gelang ihr, sich seiner Anziehungskraft zu entziehen.

---ENDE DER LESEPROBE---