2,99 €
Armin Mueller-Stahl ist einer der bekanntesten Schauspieler Deutschlands und einer der wenigen, die auch in Hollywood Erfolg hatten. Neben seiner Theaterkarriere wurde er zum beliebtesten Filmschauspieler der DDR – bis sein Protest gegen die Ausbürgerung Biermanns seine Karriere jäh stoppte. 1980 durfte er in die BRD ausreisen, wo er sich im deutschen Autorenfilm etablierte. Obwohl er kaum Englisch sprach, gelang ihm der Durchbruch in Hollywood. Unvergessen ist seine Verkörperung Thomas Manns in der Trilogie »Die Manns«. Heute wird er auch als Maler gefeiert. Doch sein größter Erfolg ist für ihn die Ehe mit seiner Frau Gabriele.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 63
Veröffentlichungsjahr: 2020
FELICIA ENGLMANN
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
Originalausgabe
1. Auflage 2020
© 2020 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Nymphenburger Straße 86
D-80636 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Redaktion: Ulrike Reinen
Umschlaggestaltung: Isabella Dorsch
Umschlagabbildung: picture alliance/dpa/Jörg Carstensen
Satz: ZeroSoft, Timisoara
Druck: Graspo CZ, Tschechische Republik
eBook: ePubMATIC.com
ISBN Print 978-3-7423-1113-9
ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-0756-6
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-0757-3
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.rivaverlag.de
Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de
Einleitung
Namenswechsel
Ausflug in Tilsit
Zum Geiger geworden
Jungenstreiche
Leichtmatrose
Erste Freundin
Die Bengel von der letzten Bank
Eifersuchtsdrama
Abitur? Nein, danke
Geigengeheimnis
Talentfrei
Märchenprinz
Groupie
Lieblingspleite
Der Ein-Achtel-Freund
Schicksalstag
Dinner bei Fidel Castro
Krisenstimmung
Singt, Genossen!
Hilfsbereitschaft
Liebesgrüße in Moskau
Riecht gut
Blitzehe und große Liebe
Arbeiter- und Bauernstaat
Preiswürdiger Auftritt
Musikclown
Geräuschloser Tod in der DDR
Männerspielzeug
Vergiss es
Entgrenzung statt Serien
Unrühmlich
Interkulturelle Probleme
Lieblingsbösewicht
Sei wie Helmut
Ankommen
Schuhe machen Leute
Bad Hair Day
Träum ich von Deutschland
Bruchlandung in der Zukunft
Das Gefühl der roten Nase
Wer bin ich?
Amt und Würden?
Abgehängt
Schuhe für den Star
Sie nannten ihn Bambi
Jetzt malt er auch noch
Unverhofftes Wiedersehen
Wettschulden sind Ehrenschulden
Kniefall
Agententreffen in Berlin
Durchschlagender Erfolg
Zurück zum Anfang
Ständchen
Baumrettung
Kannst sie abholen
Smart ohne Phone
Im nächsten Leben Dirigent
Easter Eggs für Sammler
Schlechte Beifahrerin
Ein Bild von Herzen
Korrektur, bitte!
Schicksalsrolle Hamlet
Nach Paris!
Quellen
Armin Mueller-Stahl ist Schauspieler, Maler, Musiker und Autor. Er wurde am 17. Dezember 1930 im ostpreußischen Tilsit (heute Sowetsk, Russland) geboren. Die Familie zog nach Prenzlau, musste von dort während des Krieges fliehen, kehrte später wieder zurück. Armin Mueller-Stahl war zunächst Hobby-schauspieler, studierte in Westberlin Musikwissenschaft und Violine mit Abschluss als Musiklehrer. 1952 wurde er Schauspieler am Theater am Schiffbauerdamm in Ostberlin und blieb dabei. Auch sein Bruder Hagen und seine Schwester Dietlind entschieden sich für Berufe am Theater, ein zweiter Bruder war als Jugendlicher verstorben. In der DDR spielte Armin Mueller-Stahl zahlreiche Theater-, Fernsehund Filmrollen und wurde ein bekannter Star. Flucht aus der Hölle, Nackt unter Wölfen oder Das unsichtbare Visier zählten zu seinen großen Erfolgen. Zudem trat er als Liedermacher und Schlagersänger auf.
1980 reiste Armin Mueller-Stahl mit seiner Ehefrau Gabriele Scholz und dem gemeinsamen Sohn Christian in die Bundesrepublik Deutschland ein. In Westdeutschland drehte er als Charakterdarsteller zahlreiche Filme, unter anderem unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge oder Herbert Achternbusch.
1987 ging er in die USA, da auch aus Hollywood gute Filmangebote kamen. Das Theater und die Musik gab er in diesen Jahren der Neuorientierung auf. Er schrieb Erzählungen, Memoiren und Drehbücher. In den USA drehte er mit Jim Jarmusch, Scott Hicks und David Cronenberg.
Seit dem Jahr 2001 stellt er auch seine Bilder und Zeichnungen aus und tritt als Maler auf dem internationalen Kunstmarkt in Erscheinung. Große Anerkennung fand er in Deutschland für seine Rollen in Heinrich Breloers TV-Produktionen: 2001 als Thomas Mann in Die Manns – Ein Jahrhundertroman und 2008 als Jean in Buddenbrooks.
Armin Mueller-Stahl hat den Kunstpreis der DDR und den Nationalpreis der DDR (zweiter Klasse) verliehen bekommen. Er hat zahlreiche westdeutsche, gesamtdeutsche und internationale Preise für seine schauspielerischen Leistungen sowie für seine Malerei gewonnen. 1996 wurde er für seine Rolle in Shine – Der Weg ins Licht für einen Oscar als bester Nebendarsteller nominiert. Das Spertus Institute of Jewish Studies in Chicago verlieh ihm 1998 die Ehrendoktorwürde für sein künstlerisches Wirken, das einen Beitrag zum Verständnis der Katastrophe des Holocaust geleistet hat.
2011 bekam Armin Mueller-Stahl den Großen Ehrenbären der Internationalen Filmfestspiele Berlin und die Goldene Kamera für sein Lebenswerk. Im Jahr 2014 erhielt er für sein Lebenswerk den 35. Bayerischen Filmpreis und den Ehrenpreis des Filmfestivals Locarno. Er ist Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern.
Armin Mueller-Stahl und seine Frau Gabriele leben im kalifornischen Pacific Palisades in der Nähe von Los Angeles, in Sierksrof bei Lübeck (Schleswig-Holstein) und Berlin Köpenick. Ihr erwachsener Sohn Christian ist Arzt und lebt in Berlin.
Von der Stadt Sowetsk in der Oblast Kaliningrad hat kaum jemand je gehört. Meint man. Tatsächlich bekommt jeder Hunger, der ihren alten Namen hört: Tilsit. Der kleinlöchrige Tilsiter Käse stammt tatsächlich aus dem ostpreußischen Tilsit, das heute zu Russland gehört und einen russischen Namen trägt. Aus Tilsit stammt auch Armin Mueller-Stahl, und er selbst ist es, der die meisten Käse-Witze über sich selbst reißt. Etwa den, dass er ein Berliner geworden wäre, hätte sein Vater in Berlin um die Hand seiner Mutter angehalten. Da er es aber in Tilsit tat, »… bin ich ein Tilsiter, gewissermaßen ein Nebenprodukt des Käses.« Tatsächlich nannte man ihn als Kind aber nicht Tilsiter oder Käsekopf, sondern »Minchen«. Seine Kinderfrau hatte sich dies für den kleinen Armin ausgedacht, und der Name blieb an ihm haften. Die Großeltern in Jucha übernahmen ihn ebenfalls. Er erinnert sich, ihn gern gehört zu haben, denn wenn er Minchen genannt wurde, wusste er, dass er artig gewesen war. Wenn es aber »Armin!« hieß, musste irgendetwas im Busch sein, wie er in seinen Memoiren schildert. »Minchen« nannte man ihn auch noch als Jugendlichen und Erwachsenen, dann schon in der DDR. Als er Schauspieler wurde, meinte mancher, den alten Kosenamen als Schimpfwort gebrauchen zu können – wenn er zauderte, nachdachte, kompliziert war. In seine Geburtsstadt Tilsit wollte Armin Mueller-Stahl niemals zurückkehren. Als ihm Sowetsk 2011 die Ehrenbürgerschaft antrug, fuhr er dann doch hin. Tilsiter bleibt eben Tilsiter.
In einem Artikel, den Armin Mueller-Stahls Mutter 1932 für die Tilsiter Lokalzeitung verfasst hat, beschreibt sie ihren Jüngsten: »… von drolliger entwaffnender Frechheit, mit Augen klar wie ein Bergsee ...«. Denn eine große Suchaktion nach dem kleinen Armin war zum Stadtgespräch geworden; die Mutter erzählt sie in dem Artikel aus ihrer Perspektive. Armin, zwei Jahre alt, war von zu Hause ausgebüchst. Eigentlich sollten seine älteren Brüder (vier und sechs Jahre alt) ein Auge auf den Knirps haben, aber wie es so ist – auf einmal war der Jüngste weg. Die Familie lebte in einer Wohnung in einem Jugendstilgebäude in der Tilsiter Lindenstraße (heute Ulitsa Lomonosova, Sowetsk), einer Allee mit gepflegten Vorgärten. Dort gab es jede Menge Verstecke für ein Kind. Die Familie begann zu suchen, die Nachbarn halfen mit, Stunde um Stunde – der Knirps blieb verschwunden. Ein »Hemdenmatz« sei er da gewesen, meint Mueller-Stahl in seiner Autobiografie. Acht Stunden lang war der Kleine allein in Tilsit unterwegs. Die Polizei fand ihn schließlich auf der Königin-Luise-Brücke, die über die Memel führt, zwei Kilometer von seinem Zuhause entfernt. Hier verlief 1932 die Grenze zwischen Deutschland und Litauen. Auf der deutschen Seite befanden sich ein Zollhaus und ein Brückenportal mit Türmen; in der Mitte der Brücke, unter den stählernen Bögen, hörte Deutschland auf. Dort fand man ihn an der Grenze, als er gerade in ein Auto steigen wollte.
