Aspekte des common sense - Werner Schneider - E-Book

Aspekte des common sense E-Book

Werner Schneider

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Beschreibung

Essay aus dem Jahr 2016 im Fachbereich Philosophie - Sonstiges, , Sprache: Deutsch, Abstract: Die hier vorgestellten und erörterten Philosophien des common sense und des Gesunden Menschenverstandes differieren aufgrund des unterschiedlichen ontologischen und pragmatischen Kontextes, in den sie eingebettet sind. Jede der Theorien ist unter Einbeziehung ihrer Prämissen maßgeblich und erlaubt keine mit den anderen Lehren kompatible objektive Wesensbestimmung des common sense und Gesunden Menschenverstandes.

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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Abstrakt

Die hier vorgestellten und erörterten Philosophien des common sense und des Gesunden Menschenverstandes differieren aufgrund des unterschiedlichen ontologischen und pragmatischen Kontextes, in den sie eingebettet sind.

Jede der Theorien ist unter Einbeziehung ihrer Prämissen maßgeblich und erlaubt keine mit den anderen Lehren kompatible objektive Wesensbestimmung

Inhaltsverzeichnis

 

Abstrakt

Grundgedanken

Zur Geschichte

Das Ethos des Gesunden Menschenverstandes

Kann man das Weltbild des common sense beweisen?

Der Begriff des sensus communis bei Immanuel Kant

Fazit

Literatur

 

Grundgedanken

Basis der nachfolgenden Überlegungen ist die empirische Gewissheit, daß der geistig intakte Mensch in seinem alltäglichen Daseinsvollzug von der Existenz einer sinnlich wahrnehmbaren Außenwelt, kausalen Abläufen und dem Vorhandensein anderer ansprechbarer Menschen und einem Dasein in Raum und Zeit überzeugt ist. Diese pragmatische Sicherheit des alltäglichen Lebens gilt unabhängig davon, welche weltanschaulichen Ansichten oder philosophischen Theorien über die Strukturen und das Realsein der Realität jemand hat.

Darüber hinaus und vor allem liegt meinen weiteren Ausführungen diese Arbeitshypothese zugrunde: Einen gesunden Menschenverstand billigen die Mitmenschen jemandem zu, der sich durch einen gewissen Bestand an Verhaltensweisen ausweist, wie

- ein besonnenes, auf Umsicht und Einsicht („das richtige Augenmaß“) gegründetes Urteilsvermögen,

- Hinhören und Eingehen auf die Ansichten Anderer,

- Enthaltung von Vorurteilen und ‚absoluten Wahrheiten‘,

Zur Geschichte

 

Thomas Reid (1710-1796) ist - soweit ich sehe - der geistige Vater der Philosophen des common sense und der herausragende Kopf der „Schottischen Schule“ dieser Denkrichtung.[1]

 

Mit einigem Humor beschreibt Reid die damals angesehensten -englischen- Philosophien als hochintellektuelle Kunstwerke, mit denen ihre Schöpfer Probleme zu lösen unternahmen, die sie mit ihrem Tiefsinn selbst erzeugt hatten.

 

Locke und vor allem Hume legten in ihrer assoziationspsychologischen Weltansicht die oben skizzierten Selbstverständlichkeiten des common sense skeptisch beiseite; die menschliche Wahrnehmung konstituierte sich nach ihrer Lehre aus dem Zusammen- und Gegeneinanderwirken, Verbindungen eingehen und auflösen atomischer „simple ideas“. John Stewart Mill nannte das „mental chemistry“.

 

Bischof Berkeley(1685-1758) ‚sublimierte‘ die Gedankenwelt Lockes und Humes zu einem Spiritualismus, für den keine Außenwelt mehr existiert: „esse est percipi“ - alles was ist, ist Bewusstseinsinhalt.

 

Reid denunziert die Philosophien seiner Zeit als untauglich für das Leben und als Korruption des menschlichen Geistes. Er konstatiert (mit leichtem Spott), dass nach der Lehre Berkeleys die Annahme von äußeren, materiellen Substanzen auf die Interaktion unserer mentalen Vorgänge (sensations bzw. ideas) zurückzuführen ist.[2]

 

„The theory of ideas, like the ‚Troyan horse‘, had a specious appearence both of innocence and beauty; but if those philosophers had known that it carried in its belly death and destruction to all sincere and common sense, they would not have broken down their walls or give it admittance.“[3]

 

Jeder normale Mensch weiß, daß ein Tisch, von weitem betrachtet kleiner aussieht als er tatsächlich ist. David Hume, Zentralfigur von Reids Philosophiekritik, folgert daraus, dass es den Raum und die Entfernungen darin nicht wirklich gibt: der Tisch, der doch immer gleich groß ist, existiert allein im menschlichen Geist. Reid zitiert nun Humes ‚Widerlegung‘ des common sense: