Ästhetisches Sterben - Pakhi E. Powels - E-Book

Ästhetisches Sterben E-Book

Pakhi E. Powels

0,0

Beschreibung

Dieses Buch ist nicht nur interessant für Menschen, deren Tod bevorsteht. In gewisser Weise sind wir alle Sterbende, es mag eine Frage der Zeit sein, wann uns der Tod begegnet. Jeder von uns muss sich ihm stellen - warum nicht in einer so fröhlichen, unbeschwerten und schönen Weise, wie es dieses Buch vorschlägt? Noch nie wurde Humor so direkt mit dem Thema Sterben verbunden. Das Buch macht einem Mut, sich auf sein Sterben zu freuen. Es beschreibt die verschiedenen Sterbeprozesse, gibt praktische Hinweise, wie man sich dem eigenen Tod stellen kann, wie man einen Sterbenden begleitet. Ein vielseitiges Buch, schön gemacht und in einer unbeschwerten, fröhlichen und einfühlsamen Weise geschrieben, durchzogen von lustigen Witzen und wunderbaren Haikus. Pakhi beschreibt ausführlich die einzelnen Sterbephasen, und berichtet von Erfahrungen mit Sterbenden, die sie während ihrer Arbeit als Altenpflegerin beobachtet hat. Einfühlsam geht sie auf Themen wie Liebe, Lachen und Meditation ein, auf Himmel und Hölle, Zenmeister und deren Lächeln, Begräbnis oder Verbrennung und Totenfeier.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 252

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Ästhetisches Sterben

© 2016 Pakhi

2. Auflage

Alle Rechte vorbehalten www.aesthetisches-sterben.de

Satz: Deva Radhika

Umschlag: Hermann Brandner

Illustrationen: Pakhi

Fotos: OSHO International Foundation, Switzerland,

Foto auf Titel: glitzer glitzer 2 © Patrizia Tilly - Fotolia.com, Nummer: 688089

Witze: Aus dem Englischen übersetzt,

“Take It Really Seriously”

Druck und Verlag:

epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de

Mit 21 Jahren führt mich mein Weg zu Osho. Er gibt mir als seiner Schülerin den Namen Ma Anand Pakhi, was glückseliger Vogel bedeutet. In seiner Gegenwart lerne ich viel über mich und das Leben. Eine gewisse Sensitivität entsteht, die mir hilft, Zusammenhänge besser zu verstehen.

Als meine Mutter Pflege benötigt, gebe ich mein Edelsteingeschäft auf, um sie beim Sterbeprozess zu begleiten.

Durch diese Erfahrung entdecke ich meine Liebe für die Altenpflege und lasse mich zur examinierten Altenpflegerin ausbilden. Ich arbeite in einem Altenpflegeheim.

Pakhi

Dieses Buch ist meinem Meister und Freund Osho gewidmet

Inhalt

VORWORT9

EINFÜHRUNG. 10

1. DIE GESELLSCHAFT UND DAS STERBEN UND DER TOD. 12

Das Tabu Tod. 12

Die Furcht vor dem Tod. 13

Die Androhung des entsetzlichen Todes. 14

Die Androhung des entsetzlichsten Todes. 14

2. DIE CHRISTLICHE RELIGION UND IHRE SYMBOLE BEIM STERBEN. 17

Die christliche Religion und ihre Symbole. 17

Das Christentum und das Sterben. 20

Die Spaltung in einen wahren Rückzug und eine erzwungene Außenorientierung. 21

Die Verstärkung des Leidens. 23

3. DAS INDIVIDUUM UND SEIN STERBEN. 25

Das individuelle Leben. 25

Vertrauen zum eigenen Organismus. 26

Vom ästhetischen Leben zum ästhetischen Sterben. 27

Wahrheit, Bewusstheit, Schönheit– das religiöse Leben. 28

Ohne Belastungen, mit Leichtigkeit vorangehen. 29

Das alleinsein im Sterben. 30

4. DER STERBEPROZESS – DER PROZESS DES LOSLASSENS. 32

Die Aufgabe des Sterbeprozesses. 32

Die Phasen des Loslassens. 33

Der Weg. 33

1. Die Phase der inneren Sammlung. 35

2. Die freudige, entspannte Phase. 36

das sterben meiner mutter37

der unterschied von meditierenden und nicht meditierenden menschen. 38

3. Die Phase des Aufschliessens von Unterdrücktem und Unbewusstem. 42

hilfreiches auf dem weg in dieser phase. 42

4. Die Phase der Zentrierung. 42

sich dem tod stellen. 42

der tod des ichs. 43

5. Die Phase des Abgrunds. 45

die still stehende stille. 46

6. Die Phase der Erhebung. 47

wir sind nur der zuschauer47

7. Phase des inneren Feierns und des Lachens48

die leere. 49

5. DAS VERLASSEN DES KÖRPERS. 51

Das Mysterium öffnet sich. 51

Der Flug des Vogels in andere Welten. 51

Meine Erlebnisse. 52

Das Lachen des Zen-Meisters. 53

Liebe und Meditation. 55

Leben und Tod – das gleiche Phänomen. 56

Nahtod-Erfahrungen. 57

Himmel und Hölle – von der Notwendigkeit zu verstehen. 58

Die Ablehnung von Natürlichkeit und die Anziehung von Destruktivität60

Wir schaffen uns selbst eine Hölle – wegen unserer Schuldgefühle. 60

Der Himmel ist immer da. 61

Die Beschreibung eines Todes. 62

Die Erfahrungen des begleitenden Freundes. 62

Die tiefe Hilflosigkeit, das sich Ergeben. 63

Der iWtz über den Tod – der Sprung in die Wahrheit64

Liebe und Stille, Ekstase und Dankbarkeit66

Vorsichtsmaßnahmen gegen die negativen Entladungen des Toten. 66

Wahrnehmungen beim Toten. 67

Liebe, die ewige, goldene Brücke. 68

Die Todesfeier danach. 70

Die Versorgung des toten Körpers. 70

Verbrennen oder Begraben?. 71

Die Feier des Todes. 71

Der Platz der Erinnerung. 72

6. DIE BEDEUTUNG VON LACHEN UND MEDITATION. 74

Zorba, der Buddha, oder die verborgene Harmonie. 74

Was ist Lachen?. 75

Leben, Lieben, Lachen. 76

Der Schock des Lachens. 77

Was ist Meditation?. 77

Die Basis der Meditation. 78

Das A und O der Meditation. 79

Meditation bedeutet beobachten, zuschauen, Zeuge sein. 80

Der Leere Spiegel81

In der Meditation beurteilt man nicht und man wählt nicht aus. 82

Meditation – ein Spielen mit Disziplin. 84

Meditation ist immer hier und jetzt85

Einige Meditationen. 85

Eventuelle Schwierigkeiten bei der Meditation. 91

Die Segnungen der Meditation. 96

Meditationen und andere Vorschlägefür eine Begegnung mit dem Tod. 98

Meditationen. 98

Hypnose. 100

Den Tod betrachten. 101

Bücher102

7. HINWEISE FÜR DEN STERBENDEN UND DEN WEGBEGLEITER103

Hinweise für den Sterbenden. 103

Hinweise für den Wegbegleiter109

Die körperlichen Bedürfnisse von Sterbenden. 117

Die Vorteile des Pflegeheimes und Hospizes gegenüber einer Versorgung zuhause. 121

8. DIE VISION EINES STERBEZENTRUMS. 123

Das Haus – ein Tempel123

Die Besucher124

Die Aktivitäten. 125

Die Möglichkeit der Euthanasie. 126

Die Organisation des Sterbezentrums. 127

Eine neue Lebensweise. 128

Mein Tod. 128

INTERNETADRESSEN. 130

vorwort

Ästhetisch zu sterben, ja, das möchte ich wirklich. Eine tiefe Sehnsucht in mir ist berührt. Und doch habe ich nie wirklich darüber nachgedacht, wie ästhetisch sterben aussehen könnte.

Dieses Buch hat mir eine völlig neue Perspektive gege-ben. Es ist möglich, erfüllt zu sterben. Es ist möglich, einen würdigen Tod zu erleben, der nicht das Ende ist, sondern einen Höhepunkt und tiefe Befriedigung in sich trägt.

Der Untertitel des Buches war ein kleiner Schock: “Lachen und Meditation”. Was, der Sterbeprozess soll mit Lachen verbunden sein? Ist das nicht ein wenig übertrie-ben? Lächeln wäre vielleicht möglich, doch lautes Lachen?

Pakhi antwortet:

“Auch wenn der Sterbeprozess eine ästhetische und sensible, subtile Sache ist, dann gehört doch das laute Lachen dazu. Es ist wirklich ganz wichtig! Kein Lächeln, nein, ein Lachen. Das Lachen bringt uns immer wieder auf eine neue Ebene, oder man könnte auch sagen, es bringt uns immer wieder auf den Boden, an den Anfang. So können wir wieder neu anfangen und damit weitergehen.”

Pakhis Antwort entlarvt ungeprüfte Glaubenssätze über die Zeit vor dem Tod und das Sterben selbst und lässt mich unwissend zurück, erstaunt erkennend, wie wenig ich wirklich weiß und wie sehr ich es vermieden habe, mich mit dem Sterben zu befassen.

So habe ich dieses Buch wie einen Kriminalroman gelesen. Voller Spannung wie es weiter geht. Gefesselt von Pakhis Erfahrungsberichten, praktischen Hinweisen, den lustigen Witzen und bezaubernden Haikus. Den Hauch einer freudigen Ahnung bekommend, dass auch für mich das Undenkbare möglich ist – mich lachend und mit Meditation auf den Tod vorzubereiten und in innerer Glückseligkeit zu sterben.

Ein Haiku:

Der Duft der Pflaumenblüte Und der Mond Er leuchtet.

Samarpan

einführung

Die Worte “Sterben” und “Tod” sind sehr traurig besetzte, dunkle Worte. Lieber würde ich in diesem Buch stattdessen von “Loslassen” und “den Körper verlassen” sprechen. Doch würde ich das tun, gäbe es Missverständnisse und es klänge ziemlich kompliziert und abgehoben. Ich möchte mich an die gängigen Worte halten, doch an dieser Stelle immer daran erinnern, dass die Worte Sterben und Tod positiv bei mir besetzt sind. Es sind Worte, die Ästhetik, Schönheit, subtile Freude, Dankbarkeit an die Existenz und Liebe vermitteln.

Vielleicht lernt der Leser meinen Ansatz schätzen, viel-leicht ist ihm dieses Buch eine Inspiration, mit dem Sterben und dem Tod in einer konstruktiven und sensitiven Art umzugehen. Der Tod ist nichts, was es zu fürchten gäbe, ebenso nicht der Sterbeprozess. Es handelt sich um eine ganz harmonische und natürliche Sache, die wenn sie verstanden wird, einlädt, auf eine mysteriöse Reise zu gehen. Je nachdem wie wir fähig sind zu verstehen, um was es geht, was die natürliche Harmonie des Moments mit sich bringt, werden wir erhoben und können uns an dem Prozess des Loslassens erfreuen. Die Schwierigkeit beim Sterben liegt also nicht in der Sache an sich, sondern in unserem Verständnis, in wieweit wir fähig sind, mitzugehen mit den Harmonien, die sich bilden wollen aus unserem Leben und dem Mysterium, das immer wirkt.

Können wir uns entspannen in die Prozesse der Loslösung und vertrauen auf das Gute und die Schönheit des Moments, wird unser Sterben und Tod eine Erhebung für uns sein.

In diesem Buch möchte ich meinen Ansatz des erhebenden Todes darstellen. Meine positiven Erfahrungen dazu stammen aus vielen Situationen der Meditation und auch Krankheiten. Die negativen Erfahrungen habe ich selbst zum Teil in mir getragen, so lange, bis ich mit dem Tod in vielerlei Hinsicht konfrontiert wurde. In meiner Jugendzeit versuchte ich zwei Selbstmorde, mein dritter gelang dann, da wurde ich Schüler meines Meisters Osho. Er half mir zu verstehen, was Tod wirklich bedeutet, dass der körperliche Tod keiner ist und daher auch keine Lösung darstellt bei Problemen.

Später pflegte ich meine Mutter, als sie einen zweijährigen Sterbeprozess erlebte. Leider konnte ich ihr dabei nicht so helfen, wie ich es gerne gewollt hätte, da ich ihr meinen positiven Ansatz nicht vermitteln konnte; die Gründe hierfür werde ich später ausführen.

Kurz darauf entschied ich mich, Altenpfleger zu werden. Ich besuchte eine Schule und arbeitete in einem Pflege-heim, in dem der Sterbeprozess Alltag und der Tod ein häufiges Ereignis ist. Es war dort nur schwer möglich, meinen Ansatz des ästhetischen Sterbens umzusetzen, oder ihm Ausdruck zu verleihen.

Dies liegt an kollektiven und religiösen Aspekten, nicht etwa am Unwillen von den einzelnen Menschen, mit denen ich zusammen arbeitete.

Die vielen Vorzüge eines gewöhnlichen Pflegeheimes im Vergleich zu einer Familienbetreuung beim Sterben werde ich noch ausführen. Auch werde ich auf die Nachteile von beiden Pflegeweisen zu sprechen kommen.

In diesem Buch möchte ich auf das eingehen, was ist. Zugleich möchte ich auch meine Vision bekannt geben, wie es sein könnte, ohne dass sich sehr viel ändern müsste. Alleine einen ästhetischen Ansatz zu haben, würde schon vieles von selbst entstehen lassen. Mir persönlich, da ich ein meditierender Mensch bin, wäre jedoch ein Sterbezentrum zum Sterben am liebsten, in dem alles völlig anders wäre, als es jetzt im Moment ist. Meine Vision eines Sterbezentrums werde ich noch ausführen.

Sprachlich benutze ich das Neutrum. Ich spreche von einem Freund, nicht von einer Freundin, von einem Weg-begleiter, nicht von einer Wegbegleiterin, von einem Sterbenden, nicht von einer Sterbenden. Leider ist die neutrale und männliche Form im Deutschen die gleiche. Das heißt nicht, dass ich mich nicht auch auf die weibliche Form beziehe, doch für mich ist der neutrale Ausdruck derjenige, den ich für den besten halte.

Kapitel 1

Die Gesellschaft und das Sterben und der Tod

das tabu tod

in unserer westlichen Gesellschaft wird der Tod tabuisiert, ebenso wie der Sterbeprozess. Niemand schaut auf das, was dabei wirklich passiert. Es gibt zwar Ansätze, Nah-toderfahrungen zu erforschen, doch sind dies nur erste vorsichtige Versuche, sich dem Tod anzunähern.

Die Gesellschaft vermeidet den Tod, wo sie nur kann, das sieht man schon darin, dass Jugendlichkeit, Vitalität überall gefördert und erwünscht wird. Sogar bei den alten Menschen gibt es die stille Forderung, dass sie sogenannte “junge Alte” sind, also ihre Vitalität behalten.

In Zeitungen und Werbung werden nur gesunde und junge Menschen gezeigt, ebenso in Spielfilmen, in denen der Tod hauptsächlich als hässliches Unglück dargestellt wird.

Als meine Mutter das Aussehen des jungen Alten ver-lor und krank wurde, wollte sie keinen ihrer Freunde oder Bekannten mehr empfangen. Sie schämte sich wegen ihres Aussehens, wegen ihrer Schwäche,wegen ihrer Unfähigkeit, etwas zu leisten.

Oft höre ich von alten Menschen, wie sie sagen: “Ich bin nichts wert, erschießen Sie mich.” Gerade sie messen sich an den Jungen und fühlen sich daher verbraucht und unwert. Nur die Leistung zählt, die Person an sich wird keinesfalls als ein schönes Phänomen gesehen. Auch Äußerlichkeiten, wie das Aussehen oder Vitalität werden bei geschwächten Menschen vorrangig beachtet.

In unserer westlichen Kultur herrscht ein starkes Klima von körperlicher Ausrichtung, von Materialismus. Wenn der Körper nicht mehr so reibungslos funktioniert, begin-nen wir uns schlecht zu fühlen. Verfällt er, sind wir zutiefst betroffen davon, denn jeder von uns denkt, dass er der Körper ist.

Wir sind identifiziert mit ihm, das heißt, wenn er gesund ist, denken wir, wir sind gesund, ist er hinfällig, sind wir es auch. Als ob wir nur diese uns umgebende Materie sind, nichts sonst. Diese materialistische Ausrich-tung hat viele Implikationen. Zum Beispiel auch die, dass wir den Tod extrem fürchten. Denn eines ist klar: Im Tod stirbt der Körper, er vergeht. Und somit wir scheinbar auch.

die furcht vor dem tod

hinter allen Ängsten, die uns heimsuchen, steht immer nur eine Angst: Die tiefe Angst vor dem Tod. Das hat mit unserer unbewussten Identifikation mit dem Körper zu tun. Würden wir mehr verstehen und auch wahrnehmen, wer wir wirklich sind, würden wir diese Angst verlieren. Aber in unserer Gesellschaft will man sich nicht mit solchen Themen auseinander setzen. Jemand der sich fragt, wer er wirklich ist, wird als Spinner verleumdet, als Weltflüchtiger, denn es zählt nur die Materie und der Materialismus. Nach Geld und Macht zu streben gilt als menschlich, als normal, danach zu streben, was einen im Innersten ausmacht, gilt als krank.

Sich mit dem Tod zu beschäftigen gilt als morbide, sich der Möglichkeit eines sofortigen Todes bewusst zu sein, gilt als ungesund, sich gar auf den Tod einzulassen in Form von Meditation wird als lebensverneinend dargestellt. Man will nicht auf subtile Zusammenhänge schauen, sondern ist den groben und gewalttätigen Ansätzen der momentanen Wissenschaft ausgeliefert.

Subtiles Einfühlungsvermögen wird unterdrückt mit vielen Mitteln. Ich nenne nur ein paar davon: Der konstante Lärm und die konstante Beschallung mit aufreiben-den Tönen, das Überangebot an Farben und Bildern und es werden im Fernsehen Geschichten erzählt, die den Anschein erwecken, dass Gefühle und der Körper das Wichtigste sind.

So ziemlich jedes Element der Gesellschaft versucht uns zu vergröbern und zu drücken, so dass wir nicht empfindsamer und sensibler werden. Es soll erst gar nicht aufkommen, dass wir an der Wahrheit interessiert sind, denn es würde den Status Quo gewaltig ändern, wären mehr Menschen als heute daran interessiert, herauszufinden, wer sie wirklich sind und was die Wahrheit ist. Gäbe es mehr sensible Menschen, die subtile Prozesse schätzen, würde die Welt sicherlich schnell Wege gefunden haben, um den Hunger, die Umweltverschmutzung und anderes Leid aufzulösen. Die Mittel dazu sind da, es fehlt doch nur am Verstehen.

Die Probleme, die sich stellen, bestehen meines Erachtens, weil die meisten Menschen in Träumen leben, die die Religionen und Gesellschaften geschaffen haben und unter allen Umständen aufrecht halten wollen. Diese Träume verhindern, dass sich die Formen ändern, dass die Gelder konstruktiv verteilt werden, dass die Güter sinnvoll genutzt werden, dass die Welt zu einer wird, in der jeder gleich behandelt wird, in der jedes Lebewesen in seiner Natürlichkeit unterstützt wird. Sie blenden unseren Sinn für das Wahre, Gute und Schöne.

Und es gibt nicht nur angenehme Träume von Ehe, Familie, geordnete Staatsverhältnisse, Gerechtigkeit und sonstiges, es gibt auch Alpträume, die den Menschen vermittelt werden. Sozusagen wird von den Religionen und den Gesellschaften mit Zuckerbrot und Peitsche gearbeitet.

Zwei Freunde treffen sich. “Na, wie war´s gestern mit deiner neuen Flamme?”

“Ach, enttäuschend” meint der andere. “Warum? Hat´s nicht geklappt?”

“Doch, zuerst schon. Wir waren essen, dann gingen wir in eine Bar, dann in die Disco. Sie fragte mich, ob ich noch auf einen Kaffee mit zu ihr kommen wollte, und ich sagte freudig Ja. Nachdem wir den Kaffee getrunken hatten, zog sie sich vor meinen Augen aus, schlüpfte in ihr Bett und machte das Licht aus.” “Und was dann?”

“Na, was soll dann schon geschehen sein – ich hab´ ihre Andeutung natürlich verstanden, und bin gleich nach Hause gegangen!”

die androhung des entsetzlichen todes

einer dieser Alpträume ist die Androhung eines entsetzlichen Todes. Überall wo wir etwas tun, was nicht den Vorstellungen der Gesellschaft entspricht, wird uns dieser Tod als Warnung aufgezeigt. Und funktionieren wir zum Beispiel in unserer Arbeit nicht so, wie wir es sollten, wird uns die Kündigung und das schlimme Leben in der Gosse und letztendlich der entsetzliche Tod unter der Brücke angedroht. Letztendlich steht hinter jeder dieser Drohung die Vision des fürchterlichen Todes. Das Bild besteht in unseren Köpfen, es ist eingebrannt. Wenn wir nicht funktionieren, werden wir in Schmach und Schmerz und ohne Unterstützung und alleine sterben.

Darüber hinaus werden überall Bilder von schlimmen Toden gezeigt von den Gewalttätigkeiten auf der ganzen Welt. Sie dienen als Zeugnisse für die Angst der Menschen, so dass jeder es sieht: Pass auf! So wird dein Tod sein, wenn du nicht das machst, was wir wollen. Es ist eine sub-tile Versklavung. Mit der Androhung des entsetzlichen Todes werden wir Menschen dazu gebracht, gar nicht erst neue und andere Schritte unternehmen zu wollen.

Die Verschwörung der Politiker ist groß, sie wollen, dass die alten, überholten Formen der Regierung und damit die Formen des Umgangs der Menschen untereinander bestehen bleiben, denn nur so können auch die Machtverhältnisse bestehen bleiben.

In den Filmen, die zur Entspannung für die Menschen produziert werden, ist der Tod und das Sterben sehr negativ besetzt. Da wird abgemurkst und Ängste geschürt, als wäre es das Wichtigste, diese Lüge des entsetzlichen Todes auf-recht zu halten.

Ein dunkles Ahnen um den Tod wird verbreitet. Geschürt wird es über die Horrormeldungen der Medien von gewaltsamen Toden, die Menschen werden damit über-flutet. Nachrichten genauso wie Actionfilme, Spielfilme aller Art bringen ein sehr destruktives Bild des Sterbens und des Todes. Zugleich wird der Anschein erweckt, dass der Tod nur mit Verbrechen zu tun hat, dass er kein natürlicher Vorgang ist. Selbst in Schmusefilmen wird der Tod und das Sterben nicht etwa als ästhetischer Prozess gezeigt, sondern als ein Unglück, als ein Schmerz für alle Beteiligten. Es scheint, als ob es die Wahrheit wäre, dass Tod etwas Hässliches und Vermeidenswertes wäre.

die androhung des entsetzlichsten todes

doch wenn die Politiker die Lüge des entsetzlichen Todes verbreiten, so gibt es durch die Priester und Pfarrer noch eine Steigerung, einen zusätzlichen Alptraum, mit dem sie uns Menschen bedrohen undin Angst und Schrecken versetzen: Es ist der entsetzlichste Tod in Sünde und Schuld. Sie haben kein Erbarmen mit uns, wir werden dazu gebracht, uns wegen ganz natürlicher Wünsche, wie etwa Sexualität oder der Wunsch nach Lachen, schuldig zu fühlen. Auch wenn wir Impulse des Ärgers haben, oder wenn wir die Maxime der Religionen nicht erfüllen, müssen wir uns schuldig fühlen. Und wir müssen befürchten, in die Hölle zu kommen. Schon wegen Kleinigkeiten, die völlig normal wegen unserer versklavten Lebensweise sind, befürchten wir tief in uns negative Konsequenzen. Wir möchten vielleicht andere Partner suchen, wir haben vielleicht Schwierigkeiten mit unseren Kindern oder mit den Angehörigen. Wir haben vielleicht Probleme in der Arbeit mit den Kollegen oder wir wollen einfach nichts mit Gott zu tun haben und als Folge davon fühlen wir, dass wir Schuld auf uns laden. Das Unglück begleitet uns im Innern, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Meist ist es uns das nicht, denn um diesen Schmerz zu vermeiden, haben wir viele Strategien entwickelt, um uns abzulenken, wo wir nur können.

Selbst wenn uns diese Versklavung der Religionen nicht klar ist, denn das gehört zu der Verschwörung dazu, dass wir nicht fühlen, wie sehr wir behindert werden in unserem Wachsen und in unserer Lebendigkeit, selbst dann wirkt sie tief in unserem Unterbewusstsein. Wir müssen uns ihr stellen und uns fragen, ob wir nicht lieber einen eigenen Weg gehen wollen, fernab von dem der Priestern und Pfarrern. Diese Lüge des entsetzlichsten Todes in der Hölle, die uns den Lebensatem raubt, ist es, was die Menschen in ihren Religionen festhält, was sie bei der Stange hält. Sonst hätten sie sie längst aufgelöst wegen Untragbarkeit und der Verbreitung von Lügen und Unglück. Zusätzlich wird den Menschen noch erzählt, dass diese Untragbarkeit die Wahrheit ist.

Eines Morgens sieht die Frau zu, wie sich die Nachbarn vor der Haustüre umarmen. Da sagt sie zu ihrem Mann: “Das ist das zärtlichste Paar, das ich jemals gesehen habe. Jedes Mal, wenn er weggeht, küsst er sie. Warum tust du das nicht?”

“Warum sollte ich das tun?” antwortet der Ehemann, während er in seiner Zeitung liest, “ich kenne die Frau doch kaum!”

Kein Mensch, der sich einer Religion zugehörig fühlt, ist frei von dieser Versklavung. Wir werden alle in bestimmte Lebensformen gepresst, die unserer Natürlichkeit nicht entsprechen. Hinzu kommt, dass jedes Wesen ein Individuum ist und damit einen individuellen Ansatz in Bezug auf die Existenz hat, der durch jede Religion in gröbster Weise zerstört wird. Nur angenommen, man könnte die Maxime der Religion, zu der man sich zugehörig fühlt, erfüllen, so wäre der Schmerz trotzdem gewaltig, denn das würde einem Verrat an sich selbst gleichkommen. Wie immer man es dreht und wendet, die Religionen verursachen größte Schmerzen für die Menschen. Und da ist es erst einmal egal, um welche es sich handelt. Ob Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus oder Voodoo, alle Religionen bilden ein System, in das sie ihre Anhänger mittels Androhungen eines entsetzlichsten Todes zwingen. Innerhalb der Systeme gibt es kein Entrinnen, die Aufgabe der eigenen Natur ist ihre Voraussetzung.

Die Menschen versuchen, diese Bedrohung zu überwinden, indem sie sich gegenseitig bestätigen, dass es keine Bedrohung gibt, und dass ihre Religion recht hat. Und das soll heißen, dass sie recht haben, wenn sie ein Mitglied dieser Religion sind.

Alles Unglück entsteht, weil die Menschen von ihren Priestern gelernt haben, sich selbst zu misstrauen, sich für schlecht und verdammenswert anzusehen, sich schuldig zu fühlen. Sie halten sich für unfähig, die Wahrheit der Existenz selbst herauszufinden. Und da die Priester genau wissen, dass das das Schlimmste für ihre Machtposition wäre, ist das auch die größte Sünde: Sich selbst auf den Weg zu machen; alleine ins Unbekannte zu gehen und Erfahrungen zu erleben, die sicherlich denen der Priester widersprechen.

Das Schüren der Alpträume verursacht großen Schmerz in der Welt. Dabei wird die Religion als Schleier benutzt, als kollektive Rationalisierung, um die Machtverhältnisse zu vertuschen. Die Politiker unterstützen die Religionen, um an der Macht zu bleiben, sie brauchen die Priester und deren Religionen, um ausbeuten zu können.

Niemand will begreifen, dass er liebenswert ist, so wie er ist. Vielleicht brauchen wir alle ein bisschen Feedback, wenn wir uns destruktiv verhalten. Doch wir werden schnell begreifen, was es heißt zu zerstören, wenn wir Konsequenzen fühlen, wenn wir destruktiv sind. Das sind jedoch nur Kleinigkeiten, das ändert nichts an unserer Liebenswürdigkeit. Ein Mensch, der sich selbst schätzt, wird automatisch auch andere schätzen, schützen und lie-ben. Lieben wir unsere Einzigartigkeit, unsere Schönheit, unser Gutsein, wird sich die Welt schlagartig verändern. Diese ganzen Horrors werden sich von selbst auflösen. Und damit auch der Horror des entsetzlichsten Todes.

Jeder wird verstehen, was es bedarf, wenn jemand seinen Körper verlässt und wie man sich selbst und ihn dabei unterstützen kann. Denn es ist keine sonderlich esoterische oder sonst irgendwie schwierige Angelegenheit, mit dem Tod umzugehen. Krankheit und Tod sind natürlich für den Körper, man tut, wie sonst auch, das, was unterstützt und hilfreich für den einzelnen ist. Das Verlassen des Körpers ist keine unnatürliche Angelegenheit, der man mit irgend-welchen Zaubersprüchen oder sonstigen Ritualen begegnen müsste, um Verderben abzuwenden. Kein Priester ist von Nöten, der einen vor der Hölle beschützen oder gar mit Gott in Verbindung bringen soll.

Jeder Mensch, der sich aus dem Griff der Religion und der Gesellschaft befreit hat und seinen eigenen Weg geht, wird ihn auch beim Verlassen des Körpers weiter gehen, so wie er eben immer gegangen ist. Und wenn man einem Sterbendem zur Seite stehen will, reicht der ganz normale Sinn für Harmonie, Ästhetik und Freude völlig aus.

Kapitel 2

Die christliche Religion und ihre Symbole beim Sterben

die christliche religion und ihre symbole

das Christentum in einem christlichen Land zu kritisieren ist eine heikle Angelegenheit. Denn keinesfalls will ich die Gefühle der Menschen und meiner Freunde verletzen, die vielleicht dieses Buch lesen werden. Ich werde das beschreiben, was ich als wahr empfinde, doch es ist mir klar, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem Christen und einem Menschen. Ich habe mich entschieden, den Menschen zu sehen und mit ihm zu kommunizieren, daher spreche ich auch so, als ob die Christen Wesen fern ab von meiner Realität sind. Das Christentum greife ich an, wohl wissend, dass es der ein-zelne ist, der es unterstützt und dass es nur dadurch leben kann. Doch möchte ich, wie gesagt, niemanden verletzen, so beziehe ich mich auf diese vage Masse der Christen und des Christentums.

Ich arbeite in einem christlichen Heim, mein Weg hat mich dorthin geführt. Nicht dass ich es mir gewünscht hätte, ausgerechnet in ein christlich orientiertes Heim zu kommen, doch es ist eben passiert. Freundlich und unterstützend im Rahmen der Möglichkeiten bin ich dort empfangen worden und auch mein Sannyasname, ein deutliches Zeichen, dass ich ein Schüler Oshos bin, wurde nicht negativ aufgenommen. Die Menschen, die mir in diesem Heim begegnen, sind mir gegenüber alle freundlich und herzlich. Vielleicht hat mein Weg mich deshalb in dieses Heim geführt, damit ich Studienobjekte habe, damit ich noch besser sehen lerne, was so die gängigen Praktiken des Christentums beim Sterben sind. Im Grunde genommen wäre es egal gewesen, ob ich in einem speziell christlichem Pflegeheim arbeite, oder in einem privatem Heim, denn es ist überall das Gleiche. Die Art und Weise, wie man mit dem Tod umgeht, ist eben in diesem Land christlich geprägt.

Safari.

Die feine Dame fragt den Führer Löcher in den Bauch. “Was ist ein Löwe? Wie sieht er aus?” “Ein Löwe hat ein braungelbes Fell mit einer Mähne und Sie kommen ihm besser nicht zu nahe.”

“Und woher weiß ich, dass ein Nashorn vor mir steht?” fragt die Dame weiter.

“Nun, das erkennen Sie am Horn auf der Nase und am fülligen Körper. Wenn Sie ein Nashorn sehen, sollten Sie sich möglichst nicht mehr rühren.” “Und wie erkenne ich einen Elefanten?”

Der entnervte Safariführer antwortet:

“Oh, das ist doch ganz einfach! Wenn Ihnen ein Elefant begegnet, dann erkennen Sie ihn sofort daran, dass er leicht nach Erdnüssen aus dem Maul riecht.”

Jede Religion bringt Illusionen auf, die als Wahrheit angesehen werden sollen. Das ist ein Grundtrick der Priester, denn so verlieren wir die Fähigkeit, Wahrheit von Illusion zu unterscheiden. Wir halten mit einer Lüge am Anfang als Basis dann jede weitere Lüge für möglich. Es gibt dies in jeder Religion. Im Buddhismus heißt es, dass Buddha von seiner stehend gebärenden Mutter auf die Füße fiel, zwei Schritte ging und dann sagte: “Ich bin das erleuchteste Wesen, das es gibt”. Im Hinduismus gibt es Krishna, der 16 000 Frauen geraubt und verführt hat, außerdem einen Gott mit einem Elefantenkopf und einen Affengott. Im Taoismus gibt es den unüberwindbaren Krieger, der Wunder vollbracht hat, Mohammed flog mit seinem Pferd gen Himmel und Jesus wurde von einer jungfräulichen Mutter geboren, die vom Heiligen Geist geschwängert worden ist. Jesus weckte Tote auf und ausserdem ist er am Kreuz gestorben, danach fuhr er gen Himmel.

Diese Geschichten sind der Anfang der Religion und sie dienen dazu, den Verstand auf etwas Irrationales einzu-stimmen. Als gläubiger Christ kann man es sich nicht erlauben, die Himmelfahrt von Jesus anzuzweifeln. Und dann geht es weiter, wer A sagt, muss auch B sagen. Der Papst ist dann unfehlbar, die Rituale sind sinnvoll und selbstverständlich werden die Predigten für wahr genommen. Dass man alles auch anders sehen kann, wird unmöglich für den Christen.

Es ist eine lustige Sache, damit zu spielen, wie andere Religionen den Leidensweg Christi beurteilen. Ein Buddhist würde zum Beispiel sagen, dass ein Mensch, der so leiden muss, der sogar gekreuzigt wird, schlechtes Karma auf sich gezogen hat. Er muss in einem früheren Leben ein sehr böser Mensch gewesen sein. Ein Taoist würde vielleicht sagen, dass dieser Jesus von dem Sinn des Lebens nichts verstanden hat, denn das Leichte ist das Richtige und Jesus hat sich’s wirklich schwer gemacht. Ein Jaina (eine indische Glaubensgemeinschaft) würde sich nur in Grausen vor so einem Fleisch essenden und Wein trinkenden Menschen abwenden, der sich noch dazu mit Prostituierten herum-treibt, der den Anspruch von Gewaltlosigkeit in keiner Weise erfüllt, wenn er zornig die Geldwechsler aus dem Tempel treibt. Osho sagt unter anderem, dass Jesus ein psychisch kranker Mensch war, der die Hilfe von Psychiatern in Anspruch hätte nehmen müssen, denn wenn jemand von sich behauptet, der einzige Sohn Gottes zu sein, dann ist das nichts anderes als krank.

Es gibt viele verschiedene Ansätze, wie man Jesus Leben sehen kann. Das Christentum hat sich für eine Variante entschieden, die destruktiv wirkt. Das Leiden und der Schmerz wird betont, und dann kommen wieder diese Lügen. Jesus soll uns alle am Kreuz erlöst haben von unseren Schmerzen. Er konnte sich selbst nicht erlösen, und mich hat er auch nicht von meinen Schmerzen erlöst, obwohl ich getauft war. (Osho hat mich übrigens auch nicht von meinen Schmerzen erlöst, das musste (durfte) ich dann schon selbst machen.)

Rein theoretisch hätte ein christliches Symbol auch der heilende Jesus, ein segnender junger Mann, ein Berg, weil Jesus dort mit Gott in Verbindung trat oder das Feuer sein können. Jesus war ein sehr feuriger Mann und das Feuer steht in der Bibel für Gott. Doch das Christentum wählte den gefolterten und barbarisch sterbenden Jesus am Kreuz. Diese Entscheidung sagt für mich genau das aus, worum es mir hauptsächlich geht: Im Christentum wird Schmerz und entsetzliche Foltermethoden als etwas Gutes dargestellt.

Es ist als ob man einen bitteren Bonbon mit den Worten bekommt: Der ist aber süß! Glaube an die Süße oder du kommst in die Hölle! Wir sind alle schon so auf dieses Leid geprägt, dass wir es nicht mehr sehen. Wenn in Horrorfilmen abgeschlachtet und gemordet wird, dann erregen wir uns darüber, wir fürchten, dass die Kinder und auch alle anderen Zuseher negative Auswirkungen erleben.

Doch überall im Lande hängen diese Jesuse am Kreuz, die offensichtlich gemachten Zeichen von der Folter und Unmenschlichkeit. Jeder ästhetische Mensch, der diesen leidenden Christus sieht, bekommt eine Gänsehaut, denn diese unverhohlene Darstellung und Anbetung von Grausamkeiten bringt einen in tiefste Verzweiflung. Der Bonbon ist bitter, nicht süß! Wenn man es sich erlaubt, ihn wirklich zu schmecken, dann erfährt man seine Bitterkeit, von Süße keine Spur.

Eine weitere für mich ziemlich abartige Tatsache des Christentums sind die Leidenswege und Passionen, die von Pilgern nachgereist oder gegangen werden. An jeder Station sieht man die Menschen um Jesus und ihn selbst in psychisch fürchterlichen Situationen, die einem das Herz brechen können. Die Pilger, die sich freiwillig auf solch einen Pilgerweg begeben, sind für mich psychisch krank. Und zwar genauso wie diejenigen, die man oft in den Psychiatrien findet: Menschen, die sich Zigaretten auf dem Arm ausdrücken oder sich mit Messern schneiden. Das Leiden ist wie eine Lust, es ist eine Befriedigung für sie, zu leiden. Im Gegensatz zu den Pilgern bekommen sie verschiedene Therapien und Medikamente und alles wird versucht, sie von ihrer Perversion zu heilen. Pilger werden dafür heilig gesprochen.

Diejenigen, die sich größtes Leid zufügen, oder denen größte Schmerzen zugefügt werden, werden in den Kirchen zu Heiligen. Man stellt die Qualen der Foltermethoden, mit denen sie umgebracht wurden, genüsslich dar. Ich mache die christliche Kirche und ihre perversen Praktiken für die psychisch kranken Menschen verantwortlich, die sich selbst verstümmeln.

Die Welt ist in einem verrückten Zustand, wenn man sie mit klaren Augen betrachtet. Selbst dort, wo es nicht offensichtlich Mord und Totschlag gibt, wird subtil oder offen versklavt, wird ausgebeutet, weggenommen und gedemütigt. Es werden überall Ängste und Horrors geschürt und der Einzelne wird dazu gezwungen, sich an allem zu beteiligen. Es gibt das Rennen um Macht und Ansehen. Dieser wahnsinnige Wettlauf hat sich scheinbar zufällig gerade besonders in den christlichen Ländern ausgebreitet, mit all seinen Begleiterscheinungen. Ich ver-stehe nicht genau, womit das zusammenhängt, doch ist es offensichtlich, dass dieser Wahnsinn in christlichen Ländern besonders ausgeprägt ist.

Vielleicht hängt das auch mit der Frauenfeindlichkeit zusammen, die das Christentum so deutlich darstellt. Bei den Katholiken ist sie offensichtlich, bei den Protestanten subtiler. Nicht dass ich sagen würde, dass es sich in der heutigen sogenannten kultivierten Zeit noch jemand erlaubt, offen gegen Frauen zu sein, doch subtil wird eine Frau abgelehnt, wenn sie sich wie eine Frau gibt. Weibliche Energien sind tabu im Christentum, da wird nur die männliche Aggression akzeptiert. Die männliche Herangehensweise an die Dinge wird aufrechterhalten, das war früher so und ist heute immer noch so. In der Dreieinigkeit gibt es keine weibliche Energie, und außer als Mutter oder Dienerin wird eine Frau nicht geschätzt. Wir Frauen müssen uns in dieser christlichen Kultur sehr männlich geben, um überhaupt überleben zu können.