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Athletic Bilbao – Es gibt nichts Besseres Der Athletic Club, hierzulande als Athletic Bilbao bekannt, ist einer der großen Traditionsvereine des spanischen Fußballs. Neben dem FC Barcelona und Real Madrid sind die Basken der einzige Klub, der immer in der 1. Liga war. Und das, obwohl Athletic nur Spieler einsetzt, die im heimischen Baskenland geboren oder in der Jugend dort ausgebildet worden sind. Dirk Segbers legt mit diesem Buch ein unterhaltsames Vereinsporträt vor, in dessen Zentrum die Menschen dieses außergewöhnlichen Klubs stehen, genauso wie Philosophie, Geschichte und natürlich die großen Spiele des besten Klubs der Welt
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Seitenzahl: 289
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Für unsere Sommerkinder
Dirk Segbers
AUS PRINZIP EINZIGARTIG
Bildnachweis:
Archiv Athletic Club: 63, 85, 99, 100, 118, 119, 145, 187, 219
Imago Images: 122, 131, 159, 161, 172, 174/175, 198, 205, 209, 214/215
picture alliance: 188
Bao Bilbao Ediciones: 199, 200
Wappen auf Seite 42 aus: Hardy Grüne: Fußballwappen.
Seite 13 oben: Tommie Hansen (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cityscape_-_Bilbao,_Spain_-_panoramio_(1).jpg), „Cityscape - Bilbao, Spain - panoramio (1)“, https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/legalcode
Seite 13 unten: Planet Labs, Inc (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bilbao_Spain_13Mar2018_SkySat.jpg), https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode
Seite 89: Photo by NL-HaNA, ANEFO / neg. stroken, 1945-1989, 2.24.01.05, item number 929-9172 Cropped by Danyele (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Iribar_(Athletic)_-_2.jpg), „Iribar (Athletic) - 2“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/nl/deed.en
Seite 194: Javieruricitar (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aritz_Aduriz.jpg), https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode
Seite 55 bis 60: privat, Seite 60: Carlos Aiestaran
Anmerkung: Trotz umfangreicher Recherchen konnten in einigen Fällen die Urheber von Abbildungen nicht ermittelt werden. Der Verlag bittet um Nachricht, damit berechtigte Ansprüche abgegolten werden können.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
1. Auflage
Copyright © 2022 Verlag Die Werkstatt GmbH
Siekerwall 21, D-33602 Bielefeld
www.werkstatt-verlag.de
Alle Rechte vorbehalten
Coverabbildung: Getty Images/DeFodi Images
Satz und Gestaltung: Die Werkstatt Medien-Produktion GmbH, Göttingen
eISBN 978-3-7307-0631-2
„Denn das Spielfeld (und die Tribüne) bietet Raum für alle Arten von Geschichten: über Erfolg und Scheitern; über Liebe, Hass und Gleichgültigkeit; über das Schicksal und die Möglichkeit oder Unmöglichkeit, es auszudribbeln; über Leben und Tod. Der Ball birgt das Potenzial für all diese Geschichten. Man muss ihn nur ins Rollen bringen.“
Galder Reguera, „Hijos del fútbol“
Vorwort
Atlantik (m.): Ozean zwischen Afrika, Europa und Amerika, der in die Ría von Bilbao mündet.
„Loch“ oder „Hauptstadt der Welt“?
Hauptstadt der Herzen
Die Basken und der Sport
Sprache als Identitätsstifter
Euskal Herria und Euskadi
Der Fußball vereint
Gastronomisches Paradies
Baskischer Nieselregen
„Gewinnen können oder verlieren können. Was ist schwieriger?“
Vom Café García in die weite Welt
Kampflose Copa
José María Belaustegigoitia „Belauste“
Alles Eisen, oder was?
Rafael Moreno Aranzadi „Pitxitxi“
Die Liga kommt – und Athletic ist ganz vorn dabei
Frederick Beaconsfield Pentland
Das Wappen
Guillermo Gorostiza
Historische Klatsche für Barça
„Mit elf Jungs vom Dorf haben wir sie fertiggemacht!“
Athletic im Bürgerkrieg – Abenteuer in Mexiko und die Jugend als Schlüssel zum Wiederaufbau
Jorge Kirschner
Raimundo Pérez Lezama
Telmo Zarraonandia „Zarra“
Ein Heiliger als Namensgeber, Rosenkranz im Mannschaftsbus und ein Wappen im Kirchturm
Agustín „Piru“ Gainza
Schlacht im Schnee gegen die Busby Babes
Ferdinand Daučík
Elf Jungs vom Dorf vermiesen Real das Triple
Koldo Aguirre
„Ich bin schon bei einem großen Klub. Ich muss nirgendwo anders hin.“
Mythos Lezama – 50 Jahre „Dorfjugend“
José Ángel Iribar
Die Stunde der baskischen Torhüter
Fankultur – Zerbrochene Flaschen, Baskenmützen und Support von London bis Tokio
Horstmanns Geschenk oder das Tor, das keins war
Die Magie der Sommerturniere oder des Kaisers blanker Hintern
José Francisco „Txetxu“ Rojo
Lustlose Komparsen und ein selbst geschaufeltes Grab
Verein durch und durch – Auf dem Weg zur direkten Demokratie
„Der Stamm der alten Eiche hat neues Grün zum Treiben gebracht.“
Aus Alt mach Neu – Das Estadio San Mamés
Javier Clemente
Die Hymne – Gänsehaut seit 1983
Wenig Fußball, viel Anspannung und ein Zufallstreffer
Feiern auf dem Wasser – Sehnsucht nach der Gabarra
Andoni Goikoetxea
Jubelsturm dank Kabeljau
Andoni Zubizarreta
Bange finale Minuten wegen Dirk Heynes „Erfindung“
Die Präsidenten regieren aus einem Palast
„Die sind gerannt ohne Ende. Gekämpft haben sie immer, wie verrückt.“
Josef „Jupp“ Heynckes
Trikotkunde – Titanic, Tante Pauli und Werbung auf der Brust
Die Löwinnen kommen
Julen Guerrero
Große Gesten des Publikums – Die Symphonie von San Mamés
Dragoslav Stepanović
Erster Athletic-Titel seit 1984
Ana Urquijo
Joseba Etxeberria
„Seit ich klein bin, hast du mir gezeigt, was träumen heißt.“
Wer durfte, wer darf und wer wird dürfen? Die Klubphilosophie
Vanesa Gimbert und Erika Vázquez
Fest im Stadion, Tragödie auf den Straßen
Iribars Tränen und Albtraum Falcao
Aritz Aduriz
Iñaki und Nico Williams
Zeichnen für den guten Zweck
Iker Muniain
Athletic Club Fundazioa – Die Abteilung, die ein Lächeln schenkt
Die One-Club Men rocken sich zum Titel
Ernesto Valverde
Athletic Club in Zahlen
Im Oktober 2021 unternahm ich einen meiner Buch-bedingten Kurztrips nach Bilbao. Seit etlichen Jahren lebe ich mit meiner Familie nur eine knappe Autostunde entfernt. Vom Museum im Estadio San Mamés erhoffte ich mir zündende Ideen für meine Themenauswahl und anschließend wollte ich ein Buch über die Klubgeschichte ergattern, das überall vergriffen war. Aber auch im Athletic-Shop neben dem Museum war es nirgends zu sehen. Es war Brückentag und der Laden voll. Ich wollte bereits unverrichteter Dinge abziehen, stellte mich schließlich aber doch noch in eine der beiden langen Schlangen vor den Kassen. Als ich endlich an die Reihe kam und mein Anliegen vortrug, bemerkte ich, wie ein Kunde aus der anderen Schlange immer wieder interessiert zu mir herüberschaute. „Leider nach wie vor ausverkauft“, teilte mir die Verkäuferin mit. Da sprach es plötzlich von nebenan: „Entschuldigung, ich bin der Autor des Buches.“ Carlos Ranedo und ich sprachen ein paar Minuten miteinander und tauschten unsere Karten aus. Wenige Tage später steckte sein Buch „El mejor equipo del mundo“ (dt. „Die beste Mannschaft der Welt“) in meinem Briefkasten. Problem identifiziert, wenige Worte darüber verloren, Problem gelöst: baskischer Pragmatismus. Der Zauber dieses zufälligen Treffens zweier Autoren, die beide just an jenem Tag von außerhalb angereist waren (Carlos lebt in Madrid), trug mich durch den Schreibprozess. Carlos’ Hilfe bei kniffligen historischen Angelegenheiten ließ mich zudem so manche Blockade überwinden.
Wie bekommt man zehn Basken in einen Seat 600? Indem man ihnen sagt, dass sie nie im Leben reinpassen. Wie bekommt man aber fast 125 Jahre in ein Buch?
Die Historie des Athletic Club ist unfassbar reich an Erfolgen, Niederlagen, Anekdoten, Legenden. All das flankiert von einem Unikum in der Fußballwelt: einer einzigartigen Philosophie. Ein jahrzehntealtes regionales Konzept, das in der heutigen Zeit aktueller denn je ist, da es verspricht, wonach der Fußball in aller Welt strebt: eine nachhaltige Entwicklung, sportlichen Erfolg und eine grenzenlose Identifikation mit Klub und Umgebung.
In diesem Buch habe ich Geschichten aufgeschrieben, die jeweils ein kleines Puzzleteil darstellen – Menschen, historische Spiele und Gegebenheiten, Vereinsleben und Traditionen. Zusammen mit dem einleitenden Kapitel über Land und Leute ergibt sich daraus ein – wie ich hoffe – stimmiges Gesamtbild. Abgerundet wird es durch meine unvergesslichen Erfahrungen in Lezama, wo mir der Klub einen Blick hinter die Kulissen der Ausbildungsarbeit ermöglichte, und auf der Pressetribüne in San Mamés für das Fußballmagazin „ballesterer“ im Viertel- und Halbfinale der Copa del Rey 2021/22. Dieses Buch ist mein Seat 600. Der eine oder andere wird der Meinung sein, dass noch ein bisschen mehr reingepasst hätte, oder vielleicht andere Inhalte. So wie er jetzt ist, halte ich meinen „Elefantenrollschuh“ für ordentlich besetzt und dennoch in der Lage, zum Derby von Bilbao nach San Sebastián zu zuckeln.
Mein besonderer Dank gilt Jorge Kirschner Sanz für den bewegenden Austausch über seinen Vater, der in den 1930er-Jahren kurzzeitig das Athletic-Tor hütete, und über das Schicksal seiner deutsch-spanischen Familie. Wie absurd klein und groß zugleich der Fußball manchmal sein kann!
Bilbao ist voller Kontraste. Welche andere Stadt kann schon von sich behaupten, zum einen den wenig schmeichelhaft klingenden Beinamen „El Botxo“ (das Loch) zu tragen und zum anderen von seinen Bewohnern als „Hauptstadt der Welt“ oder wahlweise „schönste Stadt der Welt“ bezeichnet zu werden? Zugegeben, das mit dem „Loch“ hört sich schlimmer an, als es in Wahrheit gemeint ist. Die Stadt ist auf allen Seiten eingekesselt von Hügeln und Bergen, daher der Spitzname, der auf die baskische Benennung für die Aushöhlung zurückgeht, die Kinder für das Murmelspiel gruben. Und da das „Loch“ voll und somit keine städtebauliche Expansion möglich ist, verändert sich das Stadtbild seit etwa vier Jahrzehnten im Innern, und das vielerorts mit großem Sinn für Ästhetik. Vorbei die Zeiten, in denen „El Botxo“ für heruntergekommene Häuser, verlassene Industrie und eine verdreckte Ría (spanisch für eine fjordähnliche Flussmündung) stand. Mit dem Eintritt Spaniens in die Europäische Union 1986 und dem schleichenden Untergang der Werften und des Bergbaus begann die städtebauliche Revolution, die in den späten 1990ern und frühen Nullerjahren in dem Bau der futuristischen Gebäude des Guggenheim-Museums und des neuen Flughafens kulminierte. Und so ragt heute das moderne Hochhaus Torre Iberdrola 165 Meter hoch zwischen einem Mix aus älteren und neuen Wohngebäuden hervor, während auf der anderen Seite der Ría die Altstadt mit historischen Kleinoden wie dem 1890 erbauten Teatro Arriaga aufwartet. Ganze Stadtviertel wurden umgestaltet, U-Bahn und Straßenbahn gebaut. Nicht zuletzt das neue Estadio San Mamés, dem 2013 die alte „Fußball-Kathedrale“ mit gleichem Namen weichen musste. Die Tränen über den Verlust der Kultstätte waren bei den Athletic-Fans schnell getrocknet, viel zu gut fügt sich der Fußballtempel in die neue Modernität der baskischen Metropole ein und versprüht gleichzeitig Fußballtradition. Wer Bilbao besucht, versteht schnell, warum die Bilbainos stolz auf ihre Heimat sind – und auf ihren Fußballklub.
José María Mateos,erster Chronist der Athletic-Geschichte
Über die Engländer wundert sich niemand mehr in Bilbao Ende des 19. Jahrhunderts. Seitdem sie in Scharen gekommen sind, um ihr Knowhow in den entstehenden örtlichen Industrien in die Praxis umzusetzen, gehören sie zum Stadtbild wie der Nieselregen. Auch dieses kuriose Spiel, das sie auf den Wiesen entlang des Flusses Nervión spielen, findet zu Anfang kaum Beachtung. Wer will schon gegen einen Lederball treten, wenn man traditionelle Sportarten wie Pelota Vasca hat? Der Football zieht dennoch bald immer mehr Neugierige an, besonders die jungen Männer, die über das Glück und finanzielle Vermögen verfügen, um in England studiert zu haben. Das neuartige Spiel kennen sie von dort und in ihrem typisch bilbainischen Selbstverständnis gehen sie wohl davon aus, dass eine Truppe lokaler Kicker doch die Engländer besiegen können müsste!
Und so findet am 3. Mai 1894 das erste Freundschaftsspiel in der Provinz Bizkaia statt. Schnell wird klar, dass sich die Jungs aus Bilbao überschätzt haben. 0:3 liegen sie zur Halbzeit zurück. Der Legende nach lassen die siegessicheren Engländer ihrem Gegner in der Pause gebratene Hähnchenschenkel schicken, damit diese sich für die zweite Hälfte stärken können. Am Tag darauf berichtet die Lokalzeitung „El Nervión“: „Gestern um zehn in der Früh war auf den Feldern von Lamiako ein Football-Spiel zwischen Engländern und Spaniern zu verzeichnen. Erstere gewannen das Spiel mit fünf Punkten.“ Tore, Punkte, im Laufe der nächsten Jahre wird sich auch die Presse an die richtige Terminologie zum Spiel gewöhnen. Großen Anteil daran hat Juan Astorquia, der in Manchester studierte und dort den Football kennenlernte. Zusammen mit sechs Freunden, die sich wie er im Turnverein langweilen, nimmt er sich vor, einen festen Sportplatz zu suchen und Freundschaftsspiele auszutragen. Die Gruppe nennt sich, durch Astorquias Erfahrung in England geprägt, Athletic Club. Parallel dazu gründet Carlos Castellanos Ende des Jahres 1900 den Bilbao Football Club, den ersten Dauerrivalen des Athletic Club bei diversen Freundschaftsspielen, die immer mehr Interessierte anlocken. Der Football wird zum Stadtgespräch.
