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Die meisten Menschen sehnen sich danach, einfach glücklich zu sein! Doch im Leben begegnen wir verschiedenen Widrigkeiten, die uns genau dieses Glück zu verwehren scheinen. Es mutet wie ein Dilemma an, das keine Lösung hat. Wenn wir aber erkennen, dass dieser scheinbare Glücksverlust weniger mit dem zu tun hat, was uns im Außen begegnet, sondern so viel mehr, in welcher inneren Verfasstheit wir diese lebensnahen "Herausforderungen" anschauen, dann ergibt es sehr viel Sinn, unser Innenleben aufmerksam und sehr bewusst wahrzunehmen. Auf dieser inneren Entdeckungsreise wird uns sehr schnell deutlich werden, auf welchen gedanklichen Vorstellungen und emotionalen Prägungen unsere Wahrnehmung von uns und der Welt aufgebaut ist und wie sehr wir damit identifiziert sind. Wenn wir es uns ermöglichen, diese Identifikationen als das zu erkennen, was sie sind und uns nicht mehr von ihnen beherrschen zu lassen, dann kann es sehr leicht gelingen, ein glückliches Sein zu erleben, das nichts mehr braucht als unsere Bereitschaft. Dieses Buch begleitet mit Klarheit und Inspiration auf dem spannenden und wohltuenden Weg der Erforschung unserer Innenwelt. Spirituelle Fragen werden geklärt, die Selbstwahrnehmung verfeinert, das Wesentliche vom Unwesentlichen unterschieden und viele praktische Übungen helfen, das Verstandene zu verinnerlichen. Es ist ein Buch für Menschen mit Forschergeist und hält viele Entdeckungen für all jene bereit, die spirituellen Lebensfragen auf den Grund gehen und die dabei gemachten Erfahrungen in ihr Leben integrieren wollen. Die Erfahrung eines glücklichen-Seins ergibt sich dann meist in der Einfachheit, die diesem Zustand zugrunde liegt.
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Seitenzahl: 347
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Alexander Stephan
Auf der Spur des
glücklichen Seins
Eine Wegbegleitung durch den Irrgarten der spirituellen Selbsterforschung
Texte: © Copyright by Alexander StephanUmschlag: © Copyright by Alexander Stephan
Hintergrund Rückseite: © Copyright Hildegard Stephan
Potrait-Foto: © Copyright Leonard Stephan
Kontakt:
Alexander Stephan
Sprengelstraße 313353 [email protected]
www.seelisches-wachstum.de
https://www.facebook.com/AufderSpurdesgluecklichenSeins
Dieses Buch ist meinem Sohn Leonard gewidmet
Dank
Ich möchte allen Menschen danken, die mich auf meinem Lebensweg unterstützt und begleitet haben. Aus jeder Begegnung ist vermutlich etwas in dieses Buch eingeflossen. Ganz besonders möchte ich denjenigen danken, die immer wieder den Mut hatten, mir den Spiegel vorzuhalten und mir damit die unangenehmen Situationen bescherten, die mich am meisten wachsen ließen.
Inhaltsverzeichnis
1 Warum nicht den direkten Weg gehen? 13
1.1 Vom Wesen und Sinn des glücklichen Seins 17
1.2 Glücklich-Sein als EGO-Trip!? 23
2 Was dir helfen kann 26
2.1 Selbstliebe 27
2.2 Gefühle fühlen und innehalten 46
2.2.1 Was wir aus unseren Gefühlen machen 47
2.2.2 Unsere emotionale Ausrichtung 58
2.2.3 Einige spezielle Fragen zu Emotionen 67
2.2.4 Unsere Emotionen 70
2.3 Durch die Gedanken hindurch schauen 77
2.3.1 Projektionen: Ich sehe in dir, was ich in mir trage 86
2.3.2 Die ICH-Identität wahrnehmen 91
2.3.3 Was Bewertungen mit uns machen 94
2.3.4 Glaubenssätze und wie du sie loslassen kannst 101
2.3.5 Was tun mit diesen vielen Anregungen? 124
2.4 Die innere Verbindung herstellen oder wie du dir und der Welt Vertrauen kannst 126
2.5 Vergib dir ….. und allen anderen 138
2.6 Danken und Bitten 149
2.7 Mit dem zu Sein, was gerade ist 156
2.8 Wie du dich als Geschenk in die Welt bringst 167
2.9 Das Leben im JETZT 181
2.10 Hingabe 191
3 Was dich vielleicht verwirren wird 204
3.1 Unbewusste Strategien, mit denen du dich selbst betrügst 206
3.1.1 Die Vermeidungsstrategie 207
3.1.2 Projektions- und Bewertungsstrategie 209
3.2 Licht- und Schattenarbeit 211
3.3 Meditation 219
3.4 Spirituelle Grundsätze und deren Zusammenwirken 223
3.5 Bedürfnis und Wahrheit 231
3.6 Körperbewusstsein 238
3.7 Der Verstand ist an allem schuld!? 244
3.8 Lehrer und Umfeld 256
3.9 Woher der Schmerz kommt 262
3.10 Das Paradoxon des spirituellen Wollens und Wu wei 271
4 Der Übergang zum erwachten Dasein 277
5 Orientierung in der Vielfalt der Möglichkeiten 287
Vorwort
Seit meiner Jugend hatte ich mich sehr ausgiebig mit philosophischen Themen und Fragen der persönlichen Entwicklung auseinander gesetzt. Allerdings hatte ich hierbei immer den Eindruck, als ob das Ziel, auf das diese Art der Auseinandersetzung ausgerichtet war, in einem Bereich lag, in dem die essentiellen Lebensfragen niemals beantwortet werden können. Es fühlte sich für mich so an, als würde ich in dieser Art der Erforschung in einer Sackgasse enden. Die philosophischen Betrachtungen erschienen mir als eine Art geistige Spielwiese, auf der man sehr abstrakte Gebilde entwerfen konnte, die jedoch den Kern des von mir erlebten Lebens niemals sehr nahe kamen, jedoch meinen Geist mit immer neuen und weitgehend abstrakten Sichtweisen beschäftigten. Ich hatte dabei zeitlebens das Gefühl, als ob es sehr viel mehr gibt als das, was uns als Realität erscheint. Als ob hinter der sichtbaren Realität eine verborgene, unsichtbare Realität existiert, die das sichtbare durchdringt und zu großen Teilen auch steuert. Bei mir äußerte sich das insbesondere auch darin, dass ich die scheinbar „realen“ Lebenszusammenhänge nicht ernst nehmen konnte. Ich blickte darauf und fragte mich, was dieses Leben mit seinem lebenspraktischen Rahmen überhaupt soll. Was ist dahinter? Was ist hinter mir? Irgendwann wurden mir diese scheinbar undurchdringlichen Fragen zu viel und ich beschloss das Leben zunächst aus streng wissenschaftlicher Sicht zu untersuchen und studierte in akademischer Form die ökologischen Zusammenhänge dieser Welt. Dieses Studium gab mir zwar eine gewisse Sicherheit, aber konnte natürlich nicht die weiterhin offenen Fragen beantworten. Es folgte eine mehrjährige Pause und die Ursprungsfragen gerieten so für eine Weile in Vergessenheit. Durch eine Begegnung mit einem sich sehr intensiv fragenden Menschen wurde allerdings bald wieder alles an die Oberfläche katapultiert. Die sich anschließende Erforschung der spirituellen Lebenszusammenhänge brachte mich dabei häufig an meine persönlichen Grenzen und die Vielfältigkeit der darin enthaltenen Kontexte stifteten zeitweise einige Verwirrung in meinem Leben, für die ich heute sehr dankbar bin. Besonders dankbar ich all jenen Wegbegleitern, die mich immer wieder mit Sichtweisen konfrontierten, die so gar nicht in mein inneres System zu passen schienen und mir eine Auseinandersetzung ermöglichten, die sonst nie stattgefunden hätte!
Um so mehr ich mich mit spirituellen Fragen beschäftigte, fielen mir bei den verschiedensten Autoren, Lehrern und Sprechern erstaunliche Parallelen in bestimmten Themen auf. Ich machte mich daher auf die Suche nach den Übereinstimmungen in den Themen und deren Antworten darauf, die ich in all diesen Kontexten finden konnte. Es wurde immer klarer, dass sich die wesentlichen Lebensfragen oder auch empfohlenen Praktiken um dieselben Themen drehten. Noch offensichtlicher wurde dabei, dass die Antworten auf diese Lebensfragen in ihrer Essenz auf das selbe verwiesen. Damit ließen sich meine anfänglichen Verwirrungen und Fragen und scheinbaren Widersprüche immer leichter klären und gleichzeitig wurde durch eine ständige Praxis mein Leben so viel unbeschwerter und schöner, als ich es zuvor nie für möglich gehalten hätte.
Der eigentliche Impuls für dieses Buch war daher, diese Erfahrungswerte zu teilen, um vielleicht anderen Menschen eine Inspiration bei ihren persönlichen Fragestellungen anbieten zu können.
Gleichzeitig fiel mir beim Schreiben auf, dass ich nicht nur abstrakt über das glückliche Sein schreiben will, sondern Menschen dazu bringen möchte, auch ganz persönliche Erfahrungen zu machen und diesen zu vertrauen. Mir erscheint eine rein geistige Auseinandersetzung mit spirituellen Themen wie ein netter Zeitvertreib, der keine Früchte tragen kann, weil diese sich erst in der persönlichen Erfahrung und der Integration in das eigene Leben entwickeln können. Vermutlich sind in diesem Buch deswegen so viele Praxisanregungen enthalten.
Daher richtet sich dieses Buch an Entdecker und Erforscher, die an einer praktischen Spiritualität interessiert sind. Menschen, die ein Gespür oder einen Geschmack dafür bekommen haben, dass es etwas hinter den Dingen gibt, das noch offen gelegt werden möchte. Etwas, was vielleicht eine größere Dimension besitzt, als wir uns momentan vorstellen können, geschweige hautnah erleben.
Es liegt mir fern, jemanden etwas beweisen oder von etwas überzeugen zu wollen, vielmehr ist dieses Buch ein Angebot, Hinterfragungen anzustellen und Erfahrungen zu machen und dabei zu beobachten, was diese mit dir machen.
Aufgrund meiner langjährigen Beschäftigung mit dem spirituellen Themenkanon habe ich in dieser Zeit verschiedenste Inhalte aufgefangen, dass ich nur noch selten sagen kann, aus welcher Quelle diese ursprünglich stammen. Wo es mir eingefallen ist, habe ich es angegeben.
Man könnte auch sagen, dass vermutlich NICHTS in diesem Buch allein meinem Geist entsprungen ist! Alles ist irgendwann im Laufe der Zeit irgendwo aufgeschnappt, verglichen, erprobt worden und hat sich auf die ein oder andere Weise bei mir niedergeschlagen. Und alles, von dem ich hier schreibe, lässt sich bestimmt in der ein oder anderen Form auch woanders finden. In meinen Augen existiert auch gar kein persönliches Wissen – wir bekommen alles aus unserem Umfeld, verarbeiten es, aktualisieren es und erreichen bestenfalls eine gewisse Originalität. Doch wie gering ist der Beitrag des Einzelnen dabei im Vergleich dessen, was uns durch das Leben beschert wurde? Was uns schon die ganze Zeit umgibt! Deswegen möchte ich hier nichts als mein geistiges Eigentum betrachten, sondern als eine Interpretation dessen, was mir bisher in meiner Reichweite zugänglich wurde.
Daher beinhaltet dieses Buch auch keine neue Glücks-Formel, eine vollkommen neue Einsicht, die alles andere in den Schatten stellt oder gar eine Methode, die dich in Kürze zur Erleuchtung führt. Nichts von dem ist hier enthalten.
Bei allem, was ich bisher erfahren durfte, ist mir vor allem aufgefallen, dass es niemals an Wissen gefehlt hat! Wir wissen alles, um glücklich werden zu können. Das Wissen hierzu ist uralt und über Jahrtausende immer weiter entwickelt worden.
Die Zusammenhänge sind so offensichtlich, dass sie eigentlich nicht übersehen werden können, wenn wir bereit sind hinzuschauen.
Das, woran es am meisten mangelt, ist die Bereitschaft, in die Praxis zu gehen. Und sich diesem Wissen hinzugeben!
Deswegen ist dieses Buch auch eine herzliche Einladung dazu, sich dem zu übereignen, was unser Mensch-Sein ermöglicht.
Hinsichtlich des Sprachgebrauchs in diesem Buch möchte ich sagen, dass mir das „du“ und das „wir“ näher liegt als das „Sie“ und das „man“. Mir kommt es so vor, als ob wir in ein und demselben Boot unterwegs sind und die scheinbaren Unterschiede zwischen uns soviel kleiner sind als die Gemeinsamkeiten, die uns vereinen.
Vielleicht mag dies für den ein oder anderen Leser ungewohnt sein, doch ich hoffe, dass es kein Hindernis darstellt, sich den Inhalten zu widmen.
Ich hatte mich schon seit meiner Kindheit und Jugend gefragt, warum dieses Leben, das wir haben, so gelebt wird, wie wir es leben. Für mich war es immer wie ein Rätsel, wenn ich die Kluft betrachtete zwischen dem, was meiner inneren Sehnsucht entsprach bzw. auch der, die ich bei anderen vermutete und dem, wie die meisten Menschen ihr Leben gestalteten. Ist das Leben tatsächlich nur eine Aneinanderreihung von Notwendigkeiten und emotionalen Ergüssen, bei denen in den Pausen Bonbons verteilt werden, um das ganze erträglich zu gestalten? Etwas in mir schien angesichts dieser Betrachtung zu verkümmern und so ließ mich diese Frage nicht mehr los. Es wechselten dann in meinem jungen Lebensjahren Phasen der Lebensentdeckung und des resignierten Rückzugs miteinander ab.
In meiner Zeit als Erwachsener wurde dieser Blick differenzierter und es konnten Gründe für bestimmte „Notwendigkeiten“ gefunden werden, doch schien es mir immer noch so, dass wir einen Großteil unserer Lebenszeit damit verbringen, Dinge zu tun, die uns niemals befriedigen, sondern wir uns wie in der Kindheit Bonbons kaufen müssen, damit wir unser inneres Unbefriedigtsein ausgleichen können. Natürlich sind es mittlerweile größere Bonbons geworden, die materieller oder immaterieller Natur sein können. Aber sind wir nicht die meiste Zeit damit beschäftigt, unsere eigene Unerfülltheit mit anderen Dingen zu kompensieren? Wir drehen uns dabei im Kreis und verpassen das Leben und irgendwie ist auch keine Ende in Sicht. Und ich stelle mir dabei die Frage, ob wir nicht diese Erfüllung im Leben gerade dadurch verhindern, weil wir das, was uns erfüllen könnte, längst aus den Augen verloren haben? Vielleicht könnten wir wissen, was uns wirklich erfüllen würde und uns dem stetig annähern, doch ständig arbeiten wir mit Flickzeug an unserem Leben und sind uns nicht gewahr, nach was unsere Seele wirklich strebt …..
Welche Sehnsucht wartet in unserem Inneren auf Erfüllung?
Es gab immer wieder Zustände des Unbeschwert-Seins und der natürlichen Freude, wo ich diese Erfüllung spüren konnte, die manchmal nur ein Frieden war. Nichts, von dem man hätte Eindrucksvolles erzählen können, weil vielleicht nichts Besonderes passierte, aber doch alles da war.
Ist es dieser Zustand, nach dem wir uns sehnen? Dieser Zustand, in dem nichts zu fehlen scheint …... wir uns leicht und unbeschwert und zugleich erfüllt fühlen.
Ist es das? Ist es vielleicht nur meine Sehnsucht und nicht deine?
Ist es das, was wir glücklich-sein nennen könnten?
Ich möchte diese Fragen bei dir lassen …..
Vielleicht könnte man die Frage auch von einer anderen Seite anschauen.
Wer würde von sich sagen, NICHT glücklich sein zu wollen?
Und wenn man Menschen fragt, ob sie glücklich sind, wie viele können tatsächlich mit einem klaren JA antworten?
Und wie viele von den Menschen, die sich weniger glücklich fühlen, sind bereit für ihren glücklichen Zustand genau so viel zu tun wie für ihre körperliche Fitness oder genau so viel Zeit aufzuwenden wie für ihren Medienkonsum oder genauso viel Geld zu investieren wie in Urlaub, Auto oder Luxus-Artikel.
Aus meiner Sicht gibt es ein großes Missverhältnis in Bezug auf unser Glücklich-Sein zwischen dem, was wir möglicherweise im Grunde wollen und dem, was wir tun.
Vielleicht wirst du in diesem Moment einwenden wollen, dass es ja auch gar nicht so einfach ist, glücklich zu sein und es fast so etwas wie ein ungelöstes menschliches Rätsel ist.
Möglicherweise denkst du auch, dass es manchen Menschen sehr viel leichter fällt, glücklich zu sein als anderen und daher das Glück sehr ungleichmäßig verteilt ist.
Vielleicht wirst du auch sagen, Glück ist nur so etwas wie ein flüchtiger Begleiter im Leben, der nie lange verweilt. Ich werde später noch etwas näher darauf eingehen, doch meine ich mit dem Glücklichen-Sein gerade nicht das flüchtige und vielleicht manchmal auch ekstatische Glückserlebnis, sondern vielmehr ein Grundgefühl, mit dem man durch das Leben geht. Ein ständiger Begleiter, der vielleicht mal mehr und mal weniger im Vordergrund, doch immer spürbar ist.
In meinem Leben habe ich lange gebraucht um herauszufinden, was ich im Leben wirklich will. Ich habe Sinn und Erfüllung in Musik und Kunst gesucht als auch in Beziehungen und mir ist dabei aufgefallen, dass ich offensichtlich im Grunde etwas anderes anstrebe und meine Leidenschaften eigentlich nur ein Umweg sind, um das zu erfahren, was meiner inneren Sehnsucht entspricht. Im Grunde wollte ich einfach nur glücklich sein. Musik und Kunst waren hierbei Mittel um Erfüllung erfahren zu können, doch merkte ich auch, dass sie mich auch von dem eigentlichen Ziel mehr ablenken als hinführen. Das ist natürlich nur meine persönliche Erfahrung und möchte es nicht verallgemeinern. Kunst und Musik und vieles andere können für andere Menschen sicherlich ein elementarer Teil für ein erfülltes Dasein sein.
Es gibt sehr viele unterschiedliche Wege, wie wir im Leben Erfüllung finden können und gleichzeitig kannst du nur deinen einzigartigen Weg gehen.
Doch wer geht diesen Weg? Vielleicht jeder …..... ein bisschen? Es liegt auf der Hand, dass ein „bisschen“ vermutlich zu wenig für ein erfüllendes Leben ist.
Warum fällt es vielen Menschen so schwer, sich für ein glückliches Leben zu entscheiden, obwohl es so eine naheliegende Entscheidung wäre?
Aus meiner Sicht liegt es daran, weil wir nicht bereit sind, die Dinge in unserem Leben zu verändern, die dafür notwendig wären. Oder kurzum: wir wollen den Preis nicht bezahlen!
Glücklich zu sein hält einige Herausforderungen für uns bereit. Altbekannte Orte der Sicherheit lösen sich womöglich auf. Wir werden uns vielleicht nicht neu erfinden, aber zumindest neu justieren müssen. Vertraute Dinge werden wir in Frage stellen uns vielleicht auch von einigen Menschen und bisher akzeptierten Gewohnheiten trennen. Vieles wird von Zweifel und Ungewissheit begleitet sein. Das kann zu Beginn sehr ungewohnt sein und wird mit der Zeit glücklicherweise zu einem freudigen Spiel, das uns mehr und mehr zum Lachen bringt. Und gleichzeitig werden wir uns ehrlicher im Spiegel anschauen als bisher, unsere Schwächen annehmen und uns vor unserem Schmerz nicht mehr fürchten.
Das ist mit Sicherheit nicht immer leicht! Doch die Leichtigkeit im Schwerem nimmt stetig zu!
Entscheide für dich selbst, ob du den Eindruck hast, dass du in deinem Leben wirklich glücklich werden willst …..... und bereit bist, dafür etwas zu tun.
Was meinst du? Welche Priorität hat es für dich, glücklich zu sein (z. B. Auf einer Skala von 1 – 10)?
Falls das Glücklich-Sein eine innere Sehnsucht von dir ist, möchte ich dir empfehlen, dich klar auf dieses Ziel auszurichten und es nicht in der Schublade der aufgeschobenen Lebensvorsätze verkümmern zu lassen. Ich glaube nicht, dass man auf diesem Weg etwas verlieren könnte, was am Ende noch vermisst werden würde.
Was ist Glück? Ist Glück, wenn uns auf unerwartete Weise etwas Schönes zufällt? Sozusagen ein unerwartetes Geschenk vom Leben erhalten. Oder ist es vielleicht vielmehr ein Glücksgefühl, wenn wir etwas Außergewöhnliches erreicht haben und freudig die Zielerfüllung bejubeln. Oder fühlen wir uns glücklich, wenn wir ein ekstatisches Erlebnis beim Tanzen, Essen, Sex oder bei anderen körperlichen Genüssen genießen können. Vielleicht ist Glück auch einfach nur, wenn wir zufrieden sind. Oder wenn wir eine Sinnerfüllung in etwas finden. Glück kann uns in vielen Facetten erscheinen und sicherlich gibt es vermutlich ebenso viele persönliche Definitionen von Glück.
Es gibt auch soziologische und psychologische Studien dazu, wie man Glück messen kann. Doch welche Maßstäbe man auch hier zu Grunde legt, erscheint es sehr schwierig, eine objektive Messung durchzuführen. Gleichzeitig gibt es immer ein klares Gefühl, das wir wieder erkennen, wenn wir glücklich sind. So sehr wir das Gefühl auch kennen, so schwierig ist es doch, dieses Glücksgefühl in Kategorien zu erfassen. Vielleicht ist das auch nicht notwendig…...
Vielleicht reicht es auch aus, die Frage nach dem, was wir unter glücklich-sein verstehen, für uns selbst beantworten können.
Deshalb möchte ich mir in diesem Buch die Freiheit nehmen von dem Glücklichen-Sein zu schreiben, wie ich es erfahre.
Das Glückliche-Sein ist nicht etwas, was kommt und geht, sondern etwas, was permanent vorhanden ist. Etwas, was durch uns hindurch scheint. Etwas, was uns trägt, auch wenn wir traurig oder enttäuscht sind. Etwas, was ekstatisch sein kann, aber nicht muss. Etwas, was vielleicht einem inneren Frieden gleich kommt, der sich durch äußere Umstände nicht mehr erschüttern lässt. Etwas, was uns leicht und besonnen macht. Etwas, was immer da ist, ganz gleich, welches Gefühl gerade im Vordergrund ist. Dieses Glückliche-Sein ist bei näherer Betrachtung auch kein Gefühl.
Es ist ein Sein, das nichts mehr braucht.
Kommt dir davon etwas bekannt vor?
Vielleicht wird dir diese Beschreibung auch zu abstrakt sein. Ich möchte dich auch von nichts überzeugen, was nicht deiner Erfahrung entspricht. Lass uns auf eine kleine Forschungsreise gehen, dann wird es dir vermutlich klarer werden, was damit gemeint sein kann. Das Schöne am Forschen ist, dass es im Grunde nur einer gewissen Neugier und Bereitschaft zur Selbsterfahrung bedarf, um die Dinge erfahren zu können, die sich so unzureichend in Worte fassen lassen.
Vielleicht können wir zunächst der Sache näher kommen, wenn wir uns fragen, welches „Glück“ für uns Sinn ergibt.
Du hast in deinem Leben die Möglichkeit, kurzzeitige Glücksgefühle zu erzeugen oder in gewisser Weise auch zu kaufen bzw. zu konsumieren. Dazu kannst du außergewöhnliche Erlebnisse, Reisen und vieles mehr buchen oder die Klamotten, das Haus, das Auto kaufen, die dich für einen Moment glücklich machen und an denen du vielleicht auch längere Freude haben wirst. Aber macht das wirklich satt? Ist es wirklich das, nach dem sich deine Seele sehnt?
Mit diesem kurzen Glück wird in unserer Gesellschaft viel geworben. Vermutlich haben wir uns schon daran gewöhnt, dem einen und dann dem anderen kurzen Glück hinterherzulaufen. Vielleicht ist das schon irgendwie normal. Ein Teil vom Leben, wie wir es kennen. Doch für was brauchen wir diese kurzzeitigen Glücksgefühle? Dient es nicht in vielerlei Hinsicht zur Kompensation dessen, dass wir uns eben die meiste Zeit nicht glücklich fühlen? Dass immer etwas zu fehlen scheint? Und wir konsumieren das flüchtige Glück wie ein Stück Schokolade, wenn es uns gerade wieder nicht gut geht ….
Ergibt es nicht Sinn, sich zuerst danach zu fragen, was wir uns eigentlich am meisten wünschen? Was unsere Seele am meisten braucht?
Wenn du das herausfinden möchtest, könntest du dir folgende Frage stellen.
Wenn du alles Materielle in deinem Leben hättest, was du dir wünschst, und alle sozialen Beziehungen gut sind, was bleibt dann? Welche Sehnsucht würde dann zum Vorschein kommen? Was ist es, was du dir dann für dich am meisten wünschst?
Welche Antwort kommt bei dir? Beachte dabei bitte, dass du so ehrlich bist, darauf zu antworten, was du dir für DICH wünschst und nicht für deine Liebsten oder den Weltfrieden. Bleib diesen Moment ganz bei dir.
Was ist es, was du dir für DICH am meisten wünschst (, wenn du schon alles materiell-körperliche einschl. Gesundheit hättest und deine Beziehungen gut wären)?
[Falls du magst, schreib es jetzt einfach auf]
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Viele Menschen möchten vielleicht so etwas wie Liebe und Sich-angenommen-Fühlen, Vergebung, Nähe, Frieden, vielleicht auch Stille erfahren, vielleicht auch etwas Großartiges in die Welt bringen.
Geh ruhig mit dieser Frage noch etwas tiefer, in dem du fragst, welche Sehnsucht noch da ist, wenn sich das, was du aufgeschrieben hast, schon erfüllt hat.
Jedes Mal, wenn du mit dieser Frage noch etwas tiefer gehst, kommst du dem näher, nach dem dein Inneres ausgerichtet ist. Vielleicht kannst du dir vorstellen, was für eine umwälzende Bedeutung es für dein Leben hätte, wenn du deine tiefste Sehnsucht stillen könntest. Vermutlich würde es sich durch all deine Lebensbereiche ziehen.
Und vieles, was jetzt für dich unabdingbar ist, wäre dann nicht mehr notwendig.
Was meinst du, welche Belastungen würden vielleicht in deinem Leben nicht mehr existieren, wenn du „glücklich“ wärst? (Vielleicht magst du „glücklich“ in diesem Zusammenhang als den Zustand definieren, wenn deine tiefste Sehnsucht aus der letzten Frage gestillt wäre).
Vielleicht ergibt sich für dich aus der Beantwortung dieser Fragen auch eine Antwort darauf, ob es für dich Sinn ergibt, einem glücklichen Zustand näherzukommen.
Vielleicht zweifelst du auch, hast Bedenken …
In meinen Augen gehört es zum menschlichen Wesenskern glücklich zu sein. Andere Zustände erscheinen mir wie Hüllen, die sich um diesen Wesenskern legen und ihn dann verdecken. Wenn alle Sorgen, Ängste, Zweifel usw. gegangen sind. Was bleibt dann?
Auch wenn Gefühle wie Trauer, Wut und Enttäuschung vordergründig ausagiert werden, ist ein Kontakt mit diesem Wesenskern möglich. Es existiert hier kein Widerspruch und es ergibt für mich auch keinen Sinn, seine Gefühle nicht so zu fühlen, wie sie gerade sind.
Das Wunderbare am Glücklichen-Sein ist vor allem, dass wir es teilen können und wir damit nicht nur uns, sondern auch unserem Umfeld bereichern können. Wir gehen sehr viel wohlwollender und mitfühlender mit anderen Menschen in Kontakt. Wer glücklich ist, hat keinen Grund sinnlose Streits vom Zaun zu brechen und wird viel mehr Interesse an sinnvollen Lösungen als an Schulzuweisungen haben. Er wird vermutlich anderen Menschen mit viel mehr Empathie und auf Augenhöhe begegnen. Was meinst du, würden glückliche, mitfühlende Menschen einen Krieg beginnen können? Wie viel mehr Liebe wäre wohl in dieser Welt, wenn die Menschen einfach glücklich wären?
Natürlich meine ich mit glücklich-sein kein abgehobenes Glücksgefühl, bei dem man seine tatsächlichen Gefühle verleugnet und sich nur in einer Luftblase eines selbst kreierten, scheinbaren Glücks aufhält. Es muss ALLES gefühlt und aufrichtig angeschaut werden, was einem begegnet, auch wenn es schmerzhaft ist. Dazu gibt es keine Alternative. Ich spreche hier auch nicht von einem Glück, das noch von einem egozentrischen Antrieb gleitet wird und in dem Mitgefühl nur wenig Raum hat.
Man kann sich darüber streiten, ob das Glückliche-Sein oder das Glück hier im Grunde der richtige Ausdruck ist oder nur eine Chiffre für etwas, für das die Begrifflichkeit fehlt, weil es größer und umfassender ist als das, was wir zumeist unter dem Wort „Glück“ in Verbindung bringen.
Ich bin kein Freund von Begriffsdefinitionen und möchte dich vielmehr dazu einladen, für dich selbst zu entdecken, was du unter Glücklich-Sein verstehst.
:)
Natürlich gibt es auf dem Weg zu einem glücklichen Sein verschiedene Verlockungen, die uns vielleicht sehr subtil auf einen Weg bringen, der sich irgendwie glücklich anfühlt und trotzdem das ganze Glück in das Gegenteil umkehren kann. Eine der elementarsten Fallen ist in meinen Augen, dass wir nur noch der Idee vom Glück hinterher jagen und es zu einem ultimativen Ziel werden lassen. Der Fokus darauf kann sehr groß werden und unser Blickfeld für alles andere im gleichen Maße einengen.
Gerade weil es sich so gut anfühlt, wenn wir glücklich sind, gerät man leicht in die Versuchung, sich diesen Seinszustand „erschaffen“ und ihn dann behalten zu wollen. Doch unser menschliches Dasein ist zu vielfältig, als dass wir es auf einen glücklichen Seinszustand reduzieren könnten. Das glückliche Sein ergibt sich von alleine und braucht viel innere Freiheit, damit wir es nicht einengen.
Leider passiert es all zu schnell, dass wir nur noch an uns und UNSER Glück denken und die Verbindungen zu allem, was nicht in dieses Glücksschema passt, zu kappen bereit sind. Dabei kann es sein, dass wir unangenehme Gefühle unterdrücken, die uns scheinbar vom glücklich sein abhalten. Wir vermeiden vielleicht auch den Kontakt von Menschen, die uns ein guter Spiegel wären, weil wir der Wahrheit nicht mehr ins Gesicht schauen wollen, sondern nur noch auf gute Gefühle oder positive Gedanken fixiert sind.
Möglicherweise möchten wir uns auch darin sonnen, wie gut es uns geht und dabei gerne anderen etwas vormachen, damit wir im guten Licht erscheinen. Und vielleicht bemerken wir auch, wie wir uns und andere dahingehend bewerten, wie weit sich das Glück entwickelt hat. Dies kann sowohl sehr offensichtlich als auch sehr subtil passieren. Was mich immer am meisten abgeschreckt hat, ist die Beobachtung, wenn diese Suche nach dem glücklichen und unbeschwerten Seinszustand deutlich egozentrische Züge annimmt und das Mitgefühl für andere Menschen dabei zu großen Teilen verloren geht, weil man die ganze Zeit nur mit sich und seiner Suche beschäftigt ist.
Und wenn ein glückliches Sein gefunden wird? Dann wollen wir es möglicherweise einfach nur für uns behalten. Wir werden vielleicht geneigt sein, alle Störenfriede zu vertreiben und das Glück, was wir teilen könnten in einer Schatztruhe aufzubewahren.
Auch wenn meine Worte hier recht polarisierend sind, möchte ich dabei betonen, dass all dies eben auch sehr subtil zu Tage treten und leicht übersehen werden kann.
Aus meiner Sicht kann eine solche Suche nur erfolgreich sein, wenn wir im aufrichtigen Kontakt mit uns und anderen bleiben und immer genügend Raum für alles einräumen, was wir nicht sind. Das können Aktivitäten sein, die uns scheinbar nichts nützen. Zum Beispiel, wenn wir uns in einen Dienst stellen, der etwas „Größeres“ unterstützt, vielleicht konkrete Hilfe anbieten, wo sie gebraucht wird und wir für andere Menschen da sind. Und wenn wir bereit sind, uns nicht zu ernst zu nehmen, sondern uns und unserem Tun immer mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Uns mit Abstand und Wohlwollen anschauen können.
Wenn wir uns zu sehr auf unser Ziel fokussieren, wird es schnell eng in uns. Das macht etwas mit uns und den Menschen, die uns begegnen. Es ist spürbar, wenn Menschen nur noch einem Ziel hinterher hängen und ihr Gegenüber zu großen Teilen nur durch die Brille dieser Zielerfüllung wahrnehmen.
Dabei ist es ein schmaler Grat des Innerlich-ausgerichtet-Seins, auf dem wir uns bewegen. Zum einen braucht es immer einer gewissen „Weite“ in unserem Innern, damit wir nicht „eng“ werden. So können wir den Raum um uns vollständig wahrnehmen und sind mitfühlend anderen gegenüber. Gleichzeitig brauchen wir eine klare Ausrichtung, damit unsere Bewegung sich nicht in der Weite verliert.
Es ist sehr hilfreich, dafür ein Gefühl zu entwickeln, ob wir hier in einer guten Balance sind.
Ein gutes Zeichen dafür ist, wenn unsere Liebe über uns hinaus geht und keinen Zweck verfolgt. Und wir gleichzeitig eine gerichtete Bewegung in unserem Leben wahrnehmen können.
Diese Suche nach dem glücklichen Sein ist natürlich auch eine spirituelle Suche und schließt sehr viele Lebensthemen mit ein. Es ist wie ein inneres Aufräumen, ein Bewusstseinsprozess, der sich immer weiter ausweitet.
Glück kommt, wenn Liebe alles einschließt.
In den Jahren der spirituellen Suche sind mir auf meinem Weg die unterschiedlichsten Themen, Sichtweisen und Standpunkte begegnet. Einige davon waren wie ein schön gefiederter Vogel, der für eine kurze Zeit meine Aufmerksamkeit fesseln konnte und dann wieder entschwand. Andere Themen begegneten mir immer wieder und schienen nicht nur für mich, sondern auch für viele andere Wegbegleiter eine essenzielle Bedeutung zu haben. Genau von diesen Themen möchte ich hier schreiben. Dabei habe ich nicht den Anspruch, eine Vollständigkeit in der Darstellung oder die Durchleuchtung sämtlicher Tiefendimensionen zu erreichen. Die Auswahl entspringt letztendlich meinen persönlichen Erfahrungen und die Abfolge der Kapitel ist nicht streng aufeinander aufbauend, doch ergibt die Aneinanderreihung der Kapitel einen gewissen Sinn hinsichtlich möglicher Entwicklungsschritte.
Damit diese Themen nicht nur verstanden, sondern auch erfahren werden können, sind viele Übungen zur eigenen Praxis enthalten, denn das gelesene Wort ergibt aus meiner Sicht nur einen Sinn, wenn es in das eigene Leben integriert werden kann!
Lass uns von hier aus starten …..
Egoistisch sind wir nicht deshalb, weil wir uns selber zu sehr lieben, sondern weil wir uns zu wenig lieben. Wenn wir uns beispielsweise im tiefsten Innern ungeliebt fühlen, uns aber um dieses Gefühl nicht kümmern, weil wir es verdrängt haben, dann werden wir bedürftig, gierig, ja süchtig sein nach der Liebe anderer. (Safi Nidiaye, Das Tao des Herzens)
Alle Liebe dieser Welt ist auf Eigenliebe gebaut. Hättest du die gelassen, so hättest du alle Welt gelassen. (Meister Eckhart, Mystische Schriften)
Wenn du die Liebe deines Lebens sehen willst – schau in den Spiegel(Byron Katie)
Selbstliebe. Was ist das?
Jetzt in diesem Moment, in dem du diese Worte liest, könnte Selbstliebe vielleicht sein, dich ganz auf dieses Buch einzulassen – denn warum hast du dich entschlossen, es zu lesen? Um es nebenbei zu konsumieren und einige kleine Anregungen zu bekommen. Vielleicht ist es dann besser jetzt etwas anderes zu tun – was meinst du, was ist im Moment das beste für dich? Welche Aktivität hätte jetzt die größte Übereinstimmung mit dir?
Selbstliebe braucht vor allem gerichtete Aufmerksamkeit. Es ist ein Zuhören, ein Lauschen zu dir und zu deiner Umgebung. Daraus ergibt sich Verbindung und es fallen Entscheidungen, die im im Einklang mit dir und deiner Umwelt sind. In Liebe.
Doch wie fühlt sich dieses Wort für dich an? Nimm dir vielleicht einen kurzen Moment Zeit und versuch dir deine spontanen Assoziationen zu vergegenwärtigen. Wie reagierst du auf dieses Wort? Gehst du innerlich auf Abstand? Öffnet sich etwas in dir? Was macht das Wort mit dir? Genau jetzt in diesem Moment – ohne lange zu überlegen!
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Vor unserem christlich geprägten kulturellen Hintergrund wird meist die Nächstenliebe sehr betont und die Selbstliebe ist eher verpönt, weil sie einen egoistischen Beigeschmack hat. Der vielleicht bekannteste Satz von Jesus ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ (Mk 12,31). Wenn wir das tun würden, wäre sicher schon viel getan. Doch wenn wir uns selbst nicht lieben, welche Liebe können wir dann an unseren Nächsten weitergeben?
Im weiterführenden Sinne bedeutet daher der Satz von Jesus in meinen Augen auch: Liebe dich selbst, damit du diese Liebe deinem Nächsten schenken kannst! Sozusagen den Fackelstab der Liebe weitergeben, wie es Eltern vielleicht bei ihren Kindern tun.
Was ist nun diese Selbstliebe, die in unserer Gesellschaft häufig mit argwöhnischen Blick betrachtet wird?
Selbstliebe erkennt man daran, dass man sich mit allen guten und schlechten Eigenschaften angenommen hat und sich als Person einfach liebt, wie man vielleicht sein eigenes Kind unvoreingenommen liebt, ganz gleich welche Unzulänglichkeiten es mit sich trägt. Diese Liebe kennt keine Konkurrenz, Eifersucht und urteilt nicht. Sie liebt dich selbst völlig unvoreingenommen. Das ist der Unterschied zum Egoismus und zur narzisstischen Selbstliebe.
ExkursSelbstliebe – Narzissmus – EgoismusWeil diese Begriffe schnell durcheinander gebracht werden, möchte ich sie kurz erklären: Der Narzisst sieht sich immer an erster Stelle. Die Liebe zu sich ist wichtiger als alles andere. Er muss immer zuerst mit Liebe bedient werden und wird schnell eifersüchtig. Im Grunde ist er selbstsüchtig und sein Verhalten versucht, eine gefühlte Nichtangenommenheit auszugleichen. Der Egoist neigt dazu, den anderen nicht in seinen Befindlichkeiten zu sehen und seine Interessen über die seines Gegenübers stellen zu wollen. Das hat beides nichts mit Selbstliebe zu tun und wird trotzdem gelegentlich damit verwechselt.
In der Selbstliebe liebt man einfach nur sich selbst OHNE Vorbehalte und achtet jeden anderen Menschen genauso wie sich selbst. Im günstigsten Fall unterscheidet man in dieser Liebe nicht einmal zwischen ich und du, sondern fühlt den anderen wie sich und handelt einfach nach dem, was in einer Situation notwendig ist. Mit Selbstliebe sorgt man für sich und ist bereit, sich von Menschen oder einer Umgebung zu trennen, die einem nicht guttun. Man ist in der Lage, sich die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen und diese mit den Bedürfnissen anderer Menschen abzuwägen. Und es fällt mit Selbstliebe sehr leicht, sich anderen Menschen zu zuwenden, unabhängig von deren vermeintlichen „Fehlern“.
Vielleicht mag dir meine Beschreibung der Selbstliebe ein wenig idealistisch klingen: ja, das ist sie! Aber auch wenn man vielleicht ein Ideal nicht immer erreichen kann, so ist es doch ein hervorragender Kompass!
Ich hoffe, der Begriff ist für dich verständlich geworden. Falls du dich immer noch schwer mit dem Begriff tust, ersetze ihn vielleicht im Moment noch durch Selbstannahme, Selbstachtung, Selbstwertschätzung, Selbstempathie oder etwas Vergleichbares. In meinen Augen beschreiben diese zuletzt genannten Begriffe etwas wie Vorstufen zur Selbstliebe.
Wieso schreibe ich hier über Selbstliebe? Warum ist es mir ein Bedürfnis, dir das näher bringen? Es liegt einfach daran, weil die Fähigkeit zur Selbstliebe entscheidend dafür ist, ob wir glücklich werden oder nicht! Wenn du dir keine Selbstliebe entgegenbringst, wie willst du dich dann anderen Menschen liebevoll zuwenden? Und wenn du eine Neigung in dir hast, anderen deine Liebe geben zu wollen, aber die Liebe zu dir nicht stark ausgebildet bist, wie schnell bist du dann erschöpft vom unablässigen Geben? Wenn du keine Selbstliebe hast, wie willst du dich selbst respektieren, wenn du von anderen Menschen angefeindet wirst? Wie willst du dann für deine Werte eintreten? Wie willst du gesunde und gleichberechtigte Beziehungen eingehen? Wenn du wenig Selbstliebe hast, kannst du dich dann angstfrei zu dem Menschen weiterentwickeln, der du bist?
Sicherlich könnte man sich hier noch viele ähnliche Fragen zu stellen, um der Selbstliebe ein wenig auf die Spur zu kommen.
Ich möchte dazu ein bildhaftes Beispiel machen: Stell dir vor, du würdest dir ein Haus bauen, in dem deine Seele wohnen und glücklich werden soll. Jedes Haus braucht ein Fundament, das es trägt. Auf dem du die Steine setzen und es in jeder Richtung ausgestalten kannst. Was ist, wenn die Erde ein wenig bebt oder ein heftiges Unwetter naht? Wie schnell kommt das Haus ins Schwanken, wenn das Fundament nicht wirklich stabil ist! Die Selbstliebe ist ein ganz wesentlicher Teil dieses Fundaments. Sie gibt Stabilität, Halt und Frieden.
Wenn deine Selbstliebe nicht weit entwickelt ist, wird dich schon ein kleiner Wind leicht ins Straucheln bringen und Teile von deinem Haus werden leicht abbröckeln, sodass du die meiste Zeit damit verbringst, das Eingestürzte wieder aufzubauen. Wenn die Selbstliebe aber sehr stark ist, hast du eine gute Grundlage trotz aller Hindernisse und Wirbelstürme, die das Leben so mit sich bringt, an deinem Haus immer weiterzubauen.
Es ist immer eine gute Investition das Fundament zu stärken, gerade wenn dein Haus vielleicht ein Schloss werden soll! Und von der anderen Seite betrachtet, möchte ich sagen: Wer ein starkes Fundament der Selbstliebe in sich trägt, der traut sich zu, sein Selbst im Leben zu verwirklichen.
Den Wert der Selbstliebe kannst du in deinem Leben vielleicht am besten erkennen, wenn sie weitgehend fehlt. Wenn du dich selbst nicht gut annehmen kannst, wie du bist, wird dich immer das Gefühl umschleichen, nicht gut genug zu sein, versagen zu können und vielleicht wirst du dieses Gefühl auch auf dein Umfeld und die Welt projizieren. Dann sind die anderen Menschen nicht richtig und die Welt ist die meiste Zeit schlecht. Im Grunde lebst du ohne Selbstliebe im ständigen Selbst- und Weltzweifel. Vertrauen kannst du dann natürlich nirgends finden. Es braucht daher nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie mangelnde Selbstliebe dich in deinem Leben auf allen Ebenen ausbremsen kann. Umgekehrt ist es sicherlich genauso ersichtlich, dass die befreiende Kraft der Selbstliebe, dein Leben sehr leicht gelingen lässt, weil deine Angst schwindet und Gelassenheit zu deinem ständigen Begleiter wird.
Selbstliebe macht uns unabhängig, weil wir nicht mehr die Anerkennung und Liebe anderer Menschen erhaschen wollen. Dadurch können wir klarer entscheiden, denn mögliche Ablehnung und Scheitern erzeugt keine Angst mehr bei uns.
Letztendlich gründet alle Liebe auf unserer Selbstliebe und ist in ihrem Ursprung die Liebe zu Gott, dem Universum oder wie du die höhere Instanz in unserem Leben nennen möchtest.
Ein schönes Bild, was gut entwickelte Selbstliebe mit dir macht, ist vielleicht dieses:
Stell dir vor, du hättest in deinem Innern ein Fass mit Selbstliebe. Wenn das Fass mit Selbstliebe voll ist, wo willst du dann mit der Liebe hin, wenn es überlauft ….? Die Liebe kann nur zu deinen Nächsten fließen und du kannst es nicht steuern. Es geschieht, weil es nicht aufzuhalten ist und es geschieht absichtslos ohne Bedingungen. Wenn das Fass mit Selbstliebe aber nur halb gefüllt oder ziemlich leer ist, ist es dann nicht wirklich anstrengend anderen Menschen noch etwas von deiner Liebe abzugeben? Und ist man bereit, von seiner Liebe etwas her zu schenken, wenn man dafür keine zurückbekommt? Das überlegt man sich gut. Da wird man schnell eng mit der Liebe. Da verfolgt man schnell (und meist unbewusst) Ziele, damit man nicht zu kurz kommt.
Vielleicht kennst du das, wenn du verliebt bist: Du möchtest nicht nur deine(n) Liebste(n) umarmen, sondern hast soviel Liebe in dir, dass du am liebsten die ganze Welt umarmen möchtest? Das ist ein gutes Beispiel dafür, wenn das innere Fass der Liebe gerade überlauft.
Wenn du der Selbstliebe auf die Spur kommen willst, frag dich vielleicht folgendes und lass dir Zeit diese Fragen zu beantworten:
Kennst du einen Menschen, von dem meinst, dass er sich wirklich gut selbst lieben kann (ohne in Egoismus oder Narzissmus zu verfallen)? Hast du den Eindruck, er gehört zu den glücklicheren Menschen auf der Welt?
Ist dir schon einmal ein Mensch begegnet, der sich innerlich ablehnt und gleichzeitig glücklich ist?
Bist du glücklich im Verliebt-Sein, weil du dich dann selbst geliebt fühlst?
Liebst du dich selbst mit allen Stärken und Schwächen?
Wie würde dein Leben aussehen, wenn du voller Selbstliebe wärst? Wie viele Konflikte hättest du dann noch? Wie würdest du mit den verbleibenden Konflikten umgehen können?
Wie würdest du dich fühlen, wenn du nur halb so viel Selbstliebe hättest, als du jetzt hast?
Würdest du mir zustimmen, wenn ich sage, Selbstliebe hat einen ganz entscheidenden Anteil daran, glücklich zu werden und anderen Menschen wohlwollend gegenüberzutreten?
Wenn du die letzte Frage mit „JA“ beantwortet hast, möchte ich fragen, warum tun wir uns so schwer damit, uns selbst vollständig zu lieben? Wieso ist das, was uns so sehr hilft und so natürlich ist, gleichermaßen für sehr viele Menschen nicht leicht umzusetzen?
Möglicherweise gibt es hierzu verschiedene Antworten. Sicherlich können wir uns nicht so gut leiden, geschweige denn lieben, wenn wir in unserer Kindheit das Gefühl hatten, nur dann geliebt zu werden, wenn wir den Vorstellungen unserer Eltern entsprachen. Welchen Ausdruck das bei uns findet, hängt natürlich auch von unserer genetischen Veranlagung bzw. unserem Karma ab. Auch der innere Drang sich mit anderen zu vergleichen, führt sehr zielgerichtet dazu, der Selbstliebe wenig Chancen zu geben, sich natürlich in uns entfalten zu können.
Am Ende steht meist der Zweifel und die Angst nicht gut genug zu sein. Manchmal auch das Gegenteil, wenn wir glauben, wir wären ganz großartig und irgendwie doch besser als die Anderen. Das sind zwei Seiten derselben Medaille.
Jeder kann für sich ergründen, was bei ihm vielleicht der Auslöser war, sich nicht oder nicht vollständig selbst lieben zu können. Das kann helfen, weil es dir die Möglichkeit gibt, z. B. Glaubenssätze aufzuspüren und dich anschließend davon zu befreien (dazu habe ich einige Übungen in Kap. 2.3.4 aufgeschrieben).
Trotzdem ist es aus meiner Sicht unerlässlich, sich auch selbst lieben zu lernen! Denn sich als ganz gut zu empfinden, heißt nicht, dass man sich bereits liebt mit Allem, was man mit sich trägt, also das anscheinend Gute wie das vermeintlich Schlechte.
Vielleicht wirst du dich gerade fragen, warum du all deine schlechten Seiten auch annehmen und lieben solltest, wo es doch so viel besser wäre, diese einfach nicht mehr zu haben! Und besteht nicht die Gefahr, dass wir vollkommen unkritisch mit uns werden, wenn wir versuchen, das Gute wie das Schlechte in uns liebend anzunehmen?
Erst wenn du dich liebend angenommen hast, kannst du dich von deinen leidvollen Aspekten befreien. Klingt das paradox für dich? Ich möchte es so sagen: Solange du etwas von dir nicht (wahr)haben willst, wirst du es unbewusst festhalten oder verdrängen wollen. Es klebt dir an den Fersen. Was du verstößt, kannst du nur kurzzeitig in einen Bereich verbannen, den du nicht anschauen musst oder du benennst deinen Schatten einfach in etwas um, mit dem du ganz gut leben kannst. Trotzdem bleiben seine Leid verursachenden Eigenschaften erhalten. Erst wenn du dich voll und ganz anerkennst mit allem, was du mit dir trägst, kann es gelingen, dich mit dir und all deinen Licht- und Schattenseiten zu entspannen. Dann kannst du dich ganz lieben, als der Mensch, der du bist und der, der von seinen Schatten weiß und der sich seiner Verantwortung bewusst ist.
