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Auf der Suche nach dem Hier + Jetzt ist mehr als ein Ratgeber für achtsame Selbstführung. Es ist ein Reiseführer für deinen eigenen Weg in ein Leben mit mehr Präsenz, innerer Ruhe und Verbundenheit. Es unterstützt dich dabei, Orientierung zu finden in einer komplexen Welt, in der Veränderung die einzige Konstante zu sein scheint.
Auf den ersten Wegstrecken wirst du dabei von deinem Reisebegleiter unterstützt, der grundlegende Fragen beantwortet und mit dir persönliche Geschichten und Erkenntnisse teilt. Von ihm lernst du über die Kunst, im Moment zu sein, über die Fähigkeit, dich selbst zu führen, sowie über den Zugang zu deiner Intuition.
Auf deiner Reise lernst du erste Achtsamkeitsübungen sowie Tools zur Selbstreflexion kennen. Passend zu den jeweiligen Themen, werden dir vertiefende Inhalte, angeleitete Meditationen und passende Folgen aus dem Podcast angeboten.
Mit deinem inneren Kompass und einem Rucksack voller nützlicher Tools ausgestattet, wirst du nach der Lektüre bereit sein für deine nächsten Schritte.
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Seitenzahl: 269
Veröffentlichungsjahr: 2023
1. Auflage
© WALHALLA Fachverlag, Regensburg
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Auf der Suche nach dem Hier + Jetzt ist mehr als ein Ratgeber für achtsame Selbstführung. Es ist ein Reiseführer für deinen eigenen Weg in ein Leben mit mehr Präsenz, innerer Ruhe und Verbundenheit. Es unterstützt dich dabei, Orientierung zu finden in einer komplexen Welt, in der Veränderung die einzige Konstante zu sein scheint.
Auf den ersten Wegstrecken wirst du dabei von deinem Reisebegleiter unterstützt, der grundlegende Fragen beantwortet und mit dir persönliche Geschichten und Erkenntnisse teilt. Von ihm lernst du über die Kunst, im Moment zu sein, über die Fähigkeit, dich selbst zu führen, sowie über den Zugang zu deiner Intuition.
Auf deiner Reise lernst du erste Achtsamkeitsübungen sowie Tools zur Selbstreflexion kennen. Passend zu den jeweiligen Themen, werden dir vertiefende Inhalte, angeleitete Meditationen und passende Folgen aus dem Podcast angeboten.
Mit deinem inneren Kompass und einem Rucksack voller nützlicher Tools ausgestattet, wirst du nach der Lektüre bereit sein für deine nächsten Schritte.
Als Berater, Speaker und Coach für Mindful Leadership unterstützt Daniel Rieber Führungskräfte und Unternehmen dabei, die Herausforderungen in Zeiten von Veränderung zu meistern und ihr eigentliches Potenzial zu verwirklichen. Im Zentrum seiner Arbeit steht dabei die Philosophie, dass Veränderung bei einem Selbst beginnt und dass die Fähigkeit im Hier und Jetzt zu sein, die Grundlage für heute benötigte Führungsqualitäten bildet.
Daniel Rieber ist Co-Founder von WEVOLVE, einer Beratung für Führung und Kulturwandel. WEVOLVE unterstützt Organisationen mit Beratung, Transformationsbegleitung, Trainings und Coachings dabei, zu Orten zu werden, an denen sich Menschen als Menschen begegnen und gemeinsam wachsen. Zu den Kunden zählen Unternehmen wie Mercedes-Benz, Zalando und eBay.
Der Wahlberliner kann auf über 14 Jahre Erfahrung in der digitalen Branche zurückblicken, in denen er als Mitarbeiter, Führungskraft und Mitgründer die Herausforderungen einer immer schneller werdenden Welt hautnah miterleben durfte. In seinem Podcast "Auf der Suche nach dem Hier und Jetzt" teilt Daniel auf Spotify & Co seine eigenen Erfahrungen und tauscht sich mit inspirierenden Menschen aus.
Startpunkt
Reisevorbereitungen
Erste Wegstrecke: Achtsamkeit
Zweite Wegstrecke: Selbstführung
Dritte Wegstrecke: Der innere Kompass
Abschied
Danke
Über den Autor
Als ich mich, meine Sitznummer suchend, durch den engen Gang des Fliegers kämpfe, scheinen alle anderen Passagiere bereits auf ihren Plätzen zu sitzen. 23F. Heilfroh darüber, dass ich es auf die letzte Minute geschafft habe, lasse ich meinen Trolley im oberen Fach verschwinden, bedanke mich bei meinen Sitznachbarn fürs Aufstehen, schiebe mich durch die enge Sitzreihe und gleite schließlich in meinen Platz am Fenster. Hier werde ich die kommenden zehn Stunden verbringen. Ich atme tief durch, presse meinen Rücken gegen das kühle Kunstleder und schließe meine Augen.
Mein Puls pocht im ganzen Körper und mein Herz drückt von innen gegen meinen Brustkorb. Meine Handflächen sind feucht und unter meinem Jackett breitet sich eine unangenehme Wärme aus. Mein Nacken ist hart wie Beton und es fällt mir schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Vor meinem inneren Auge blitzen Bilder auf: Ich sehe mich vor dem Netzplan der New Yorker U-Bahn stehen. Sehe den Moment, in dem mir die Bahn zum Flughafen vor der Nase wegfährt. Schließlich sehe ich mich durch die großen Hallen zu meinem Gate laufen.
Ich nehme einige tiefe Atemzüge und beobachte, wie meine Gedanken langsam zur Ruhe kommen. Wie bei einer Schneekugel, die man geschüttelt hat und in der man den herabsinkenden Flocken zuschauen kann, bis das Wasser langsam wieder klar wird. Mein Nervensystem entspannt sich und ich komme immer mehr im Hier und Jetzt an. Unter meinen Füßen spüre ich das Vibrieren der Maschine. Ein Gefühl von innerer Ruhe breitet sich in meinem Körper aus. Erst nur sehr dezent, aber mit jedem Atemzug wird es wahrnehmbarer. Als das Flugzeug schließlich abhebt, genieße ich den kurzen Augenblick der Schwerelosigkeit.
Noch vor wenigen Stunden stand ich auf der Bühne des „Soho House“, einem Hotel mitten in Manhattan. Es war der Moment, auf den ich mich so viele Monate vorbereitet und von dem ich seit meinem ersten Besuch in New York vor vielen Jahren geträumt hatte. Es war der Moment, der den Startschuss für ein neues Kapitel in der Geschichte unseres Unternehmens markieren sollte. Noch vor wenigen Jahren saßen wir als Startup mit acht Leuten in einer kleinen Wohnung am Stadtrand von Berlin. Mit einer ersten Finanzierung und der Idee, mit einer Plattform das Marketing auf Smartphones zu revolutionieren. Und nun eröffneten wir ein Büro auf einem anderen Kontinent und gaben eine Konferenz mitten in Manhattan. Was für eine Reise. Und ich? Mittendrin! Bei meinem Vortrag war der Raum bis auf die letzte Reihe gefüllt und der Applaus fühlte sich ehrlich an.
Doch während ich im Flieger sitze und durch mein Fenster beobachte, wie der Big Apple unter uns immer kleiner wird, wird mir langsam bewusst, dass es sich nicht so anfühlt, wie ich es mir gewünscht hatte. Anstatt erfüllt und glücklich, fühle ich mich erschöpft und ausgelaugt. Wie ein kranker Hund, der sich unter dem Bett verkriechen möchte. Ich versuche mir wieder und wieder bewusst zu machen, wie glücklich ich mich eigentlich fühlen sollte. Klopfe mir vor meinem inneren Auge wieder und wieder auf die Schulter. Doch mein Körper ignoriert die Ansage meines Kopfes und versinkt tiefer und tiefer in diesem Gefühl der Leere und Farblosigkeit.
Um mich von mir selbst abzulenken, öffne ich die Augen und schaue mich im Flieger um. Mein Blick schweift von dem aufgesetzten Lächeln der Flugbegleiterin über die vielen flackernden Bildschirme vor den Gesichtern der Menschen hin zu einem Buch auf dem Schoß meines Sitznachbarn. Der englische Titel lässt erahnen, dass es sich um ein Einsteigerbuch für mehr Achtsamkeit im Leben handelt. Ich erinnere mich an den Beginn meiner eigenen Suche nach dem Hier und Jetzt – meiner Reise in ein Leben mit mehr Präsenz, innerer Ruhe und Verbundenheit. An die vielen Bücher, die ich gelesen, die Gespräche, die ich geführt und die Seminare, die ich besucht habe. Neugierig auf seine Geschichte, spreche ich meinen Sitznachbarn auf das Buch an.
Vincenzo ist Ende 20 und erzählt mir, dass er aus Modena kommt, einer Stadt in Norditalien, in der meine Frau und ich vor Kurzem im Urlaub waren. Als ich ihn auf das Buch anspreche, erzählt er mir, dass er seit einem Jahr in New York lebt und dort bei einem Real-Estate-Unternehmen arbeitet. Er erzählt mir von seinen Zwölf-Stunden-Arbeitstagen und davon, dass er sich Sorgen um sich und seine Gesundheit macht. Das Buch hat er im Zeitungsladen am Flughafen entdeckt und da er sich schon immer mal mit Achtsamkeit beschäftigen wollte, schien es für ihn der richtige Zeitpunkt.
Als ich ihm erzähle, dass ich eine Ausbildung zum Systemischen Coach und Trainer für Achtsamkeit gemacht habe, breitet sich ein Lächeln über sein Gesicht aus. Einem kurzen Moment der Stille folgt eine Reihe an Fragen: Wie lebt man achtsamer? Warum fällt es uns so schwer, uns im Alltag daran zu erinnern? Woran denkt man bei der Meditation? Und wie zum Teufel kann man dieses ständige Gewitter an Gedanken im Kopf ausstellen? Mit großer Freude beantworte ich seine Fragen und teile mit ihm Erkenntnisse, die mir selbst auf meinem Weg geholfen haben. Am Ende unseres Gespräches sehe ich tiefe Dankbarkeit in seinem Gesichtsausdruck. Ich lehne mich zurück in meinen Sitz und schließe die Augen. Das Triebwerk des Flugzeuges surrt leise und friedlich vor sich hin.
Während ich meinen Körper dabei beobachte, wie er ruhig ein- und ausatmet, nehme ich eine tiefe Glückseligkeit in mir wahr. Mein Herz schlägt in seinem eigenen Rhythmus und ichfühle mich verbunden mit mir und meinem Körper. Es fühlt sich so an, als würde alles, was ich in den vergangenen Jahren gelernt und erlebt habe, genau in diesem einen Augenblick zusammenkommen. Ich glaube nicht an Schicksal – und doch fühlt es sich in diesem Moment ein bisschen so an, als würde es einen größeren Sinn dafür geben, dass ich genau in diesem Flieger und auf dem Platz 23F sitze.
Größer könnte der Kontrast nicht sein, den mir das Leben hier auf dem Serviertablett gereicht hatte. Eben noch war ich erschöpft und energielos, obwohl ich mir einen meiner vermeintlich größten Träume erfüllt hatte. Und nur eine gute Stunde später bin ich durchströmt von tiefem Glück und Dankbarkeit. Und alles, was dazwischen passiert ist, war ein Gespräch mit meinem Sitznachbarn über Achtsamkeit.
In diesem Moment, vor mittlerweile fünf Jahren auf dem Flug von New York nach Berlin, wusste ich, dass ich meinen Job kündigen werde. Auch wenn ich keinen Plan für meine nächsten Schritte hatte, meine finanziellen Rücklagen überschaubar waren und ich meine Anteile am Startup verlieren würde. Es war keine rationale Entscheidung, wie ich sie sonst mit einer Pro-und-Kontra-Liste treffen würde, sondern ein Gefühl, das so stark war, dass ich keine Argumente zu suchen brauchte. Es war wie ein innerer Kompass, der mir die Richtung wies.
„Wenn der Schüler bereit ist, erscheint sein Lehrer.“
(Unbekannte Quelle)
Auch wenn ich Vincenzo viele Fragen beantworten konnte, wurde mir im Nachhinein bewusst, dass er in dieser Situation auch mein Lehrer war. Denn durch unsere Begegnung durfte ich lernen, dass ein neuer Lebensabschnitt vor mir lag. Ein Lebensabschnitt, in dem ich nun meine Suche nach dem Hier und Jetzt mit anderen teilen darf.
Reisevorbereitungen
Lerne deinen Reisebegleiter kennen
Ein Rucksack voller nützlicher Tools
Warum möchtest du dich auf den Weg machen?
Und auf einmal war es still
Auf unbekanntem Terrain
Achtsamkeit, Selbstführung und der innere Kompass
Ich freue mich, dass du dich für diese Reise entschieden hast und nun dieses Buch in deinen Händen hältst. Und ich weiß es zu schätzen, dass du mir die Möglichkeit gibst, dich ein Stück auf deinem persönlichen Weg zu begleiten. Bevor wir uns auf die eigentliche Reise machen, lass uns einen Moment für die Vorbereitungen nehmen. Denn wie bei so vielem im Leben kann es sinnvoll sein, erst innezuhalten und sich auszurichten, bevor man losläuft.
Zu Beginn dieses Kapitels erfährst du ein bisschen mehr über mich – deinen Reisebegleiter. Du lernst einige Tools kennen, die beim Lesen dieses Buches hilfreich sein können und du bekommst noch mal einen Moment, um dir bewusst zu machen, warum du dich überhaupt auf die Reise begeben möchtest. Im Anschluss erzähle ich dir etwas mehr zu meinen Beweggründen, mich auf die Suche nach dem Hier und Jetzt zu machen. Wir beschäftigen uns mit den Herausforderungen unserer aktuellen Zeit und den Veränderungen in der Arbeitswelt. Am Ende des Kapitels erfährst du, welche neuen Anforderungen diese Gegebenheiten an uns stellen können und warum Achtsamkeit, Selbstführung und der innere Kompass so wichtig sind.
Da wir auf dieser Reise viel Zeit miteinander verbringen werden, würde ich dir gerne ein bisschen mehr zu mir und meinem Hintergrund erzählen. Manchmal hilft es, den Menschen hinter einem Buch kennenzulernen, um einen besseren Bezug zu den Inhalten zu bekommen. Da dieses Buch vor allem von persönlichen Erzählungen lebt, kann ein wenig Kontext sicher nicht schaden.
Auch wenn wir uns sehr wahrscheinlich noch nicht persönlich kennengelernt haben, würde ich dir gerne das Du anbieten. Wir werden durch dieses Buch viel Zeit miteinander verbringen und ich werde einige persönliche Geschichten mit dir teilen – da würde sich ein „Sie“ für mich merkwürdig anfühlen. Persönlich bin ich eh kein Fan vom „Sie“, denn es erzeugt Distanz und verhindert Nähe. Und auch wenn Hierarchien in Form von Rollen und Strukturen im Berufsleben viel Sinn ergeben, glaube ich daran, dass man Menschen immer als Menschen begegnen sollte – also auf Augenhöhe.
Wenn du meinen Freundeskreis fragen würdest, was für ein Mensch ich bin, würden sie dir vermutlich erzählen, dass ich immer sehr präsent im gegenwärtigen Moment bin. Dass ich eine innere Ruhe ausstrahle, geerdet bin und sehr verbunden mit mir selbst und anderen wirke. So sehr mir diese Einschätzung – die ich tatsächlich schon häufiger hören durfte – auch schmeichelt, nehme ich mich selbst nicht immer so wahr. Jedoch kann auch ich beobachten, dass es in den vergangenen Jahren eine spürbare Veränderung in diese Richtung gab und dass meine Achtsamkeitspraxis einen wahrnehmbaren Effekt auf mein Verhalten hat. Vor allem im Vergleich zu meinen ersten Jahren im Berufsleben.
Bevor ich beschloss, meinen Job zu kündigen und mich auf Achtsamkeit zu fokussieren, hatte ich bereits 14 Jahre in der Businesswelt hinter mich gebracht. Während dieser Zeit habe ich an spannenden Innovationen gearbeitet, Teams geleitet, war im Management eines Mobile-Startups und im Vorstand eines Industrieverbandes. Mit Schwerpunkt auf Digitalisierung und „Mobile Marketing“ habe ich ein Fachbuch veröffentlicht, war an verschiedenen Universitäten als Dozent tätig, habe ein digitales Fortbildungsprogramm für Google unterrichtet, Vorträge gehalten und Unternehmen bei ihrer Marketingstrategie beraten. Ich war begeistert von innovativen Technologien, schnelllebigen Startups und inspirierenden Menschen. Du kannst dir vorstellen, dass es mir in dieser Zeit nicht immer gelungen ist, präsent zu sein, innere Ruhe zu bewahren und mit mir selbst verbunden zu sein. Und tatsächlich hatte meine Lebensweise auch Folgen für meine Gesundheit, mit denen ich bis heute lebe. Aber dazu später mehr.
Zu Beginn dieses Buches beschreibe ich, wie ich auf einem Flug von New York nach Berlin die Entscheidung für eine große Veränderung in meinem Leben getroffen habe. Mein Fokus wechselte von „Mobile“ zu „Mindfulness“ und von der Technologie auf die Menschen. Heute bin ich als Berater, Speaker, Coach und Podcaster tätig. Im Kern meiner Arbeit steht dabei die Philosophie, dass echte Veränderung immer bei uns selbst beginnt. Achtsamkeit bietet hierbei die Grundlage für die heute so dringend benötigten Denkweisen und Fertigkeiten. Es ist die Basis für erfolgreiche Selbstführung, Zusammenarbeit mit Menschen und Führung von Unternehmen.
Basierend auf dieser Philosophie, habe ich meinen damaligen Job bei dem Mobile-Startup gekündigt und gemeinsam mit meinem guten Freund und Wegbegleiter Dr. Nico Rönpagel 2018 das Beratungshaus Wevolve gegründet.
Wevolve ist ein Beratungshaus für neue Führung und Unternehmenskultur. Unser Team unterstützt Unternehmen dabei, zu Orten zu werden, an denen Menschen sich als ganze Menschen begegnen und an denen sie gemeinsam wachsen können. Hierbei arbeiten wir sowohl mit Traditionsunternehmen als auch digitalen Startups, Beratungen und Agenturen zusammen. Neben der individuellen Beratung und der Begleitung von Transformationsprozessen führen wir auch Trainingsprogramme und individuelle Workshops durch. Wevolve ist dabei als Kollektiv organisiert und bringt in seinem Netzwerk Menschen mit Expertise aus allen Bereichen rund um Führungsfähigkeiten und Unternehmenskultur zusammen. Falls du Lust hast, mehr zu erfahren, schau gerne mal auf www.wevolve.company1 vorbei.
Auf meinem eigenen Weg in ein achtsameres Leben durfte ich in den vergangenen zehn Jahren vielen spannenden Menschen begegnen, Praktiken erlernen und wundervolle Orte besuchen. Ich habe Yoga auf Bali praktiziert, in Kyoto an einem Achtsamkeitskurs teilgenommen, auf La Gomera Meditationen nach Osho kennengelernt, im Schweigekloster nach Zen-Tradition meditiert, in Berlin mit verbundenen Augen „Ecstatic Dance“ getanzt und am See in Brandenburg Qigong trainiert – um ein paar Beispiele zu nennen. Auf meiner Reise bin ich wieder und wieder aus meiner Komfortzone herausgekommen. Dabei durfte ich lernen, dass gerade die Erfahrungen, bei denen ich innere Widerstände spürte, meinen Horizont erweitert und mir eine neue Perspektive ermöglicht haben.
Ich habe eine Ausbildung am „Institut für Coaching und Achtsamkeit“ absolviert und an vielen Workshops und Seminaren zu Persönlichkeitsentwicklung, Führung und Kulturtransformation teilgenommen. Unter anderem auch an dem am Campus von Google entwickelten „Search Inside Yourself“-Programm, das mich lehrte, dass Achtsamkeit und Business nicht zwei getrennte Welten sein müssen.
Da meine Erlebnisse und Erfahrungen für immer mehr Menschen um mich herum interessant wurden, habe ich 2018 meinen Podcast „Auf der Suche nach dem Hier + Jetzt“ gestartet. Neben Folgen mit Impulsen von mir und einem regelmäßigen „Check-in“ mit meinem Mitgründer Nico führe ich hier vor allem Gespräche mit Menschen, die mich selbst inspiriert haben. So habe ich zum Beispiel mit Francisco Villanueva gesprochen, der mit 18 erblindete und heute als psychologischer Coach für Vertrauen arbeitet. Ich habe mich mit Frank Hupke unterhalten, der einen Schlaganfall hatte und sich Schritt für Schritt in sein Leben zurückkämpfte. Und mit Lasse Rheingans, dessen Team bei voller Bezahlung nur fünf Stunden am Tag arbeitet. Über die vergangenen Jahre konnte ich über 60 Folgen aufnehmen und eine wachsende Zahl Menschen im deutschsprachigen Raum erreichen. Das positive Feedback auf meinen Podcast hat mich letztlich dazu motiviert, dieses Buch zu schreiben.
Fehlt noch etwas? Ach ja: Ich bin 1981 in Lippstadt – einer Kleinstadt im Herzen Westfalens – geboren und lebe seit 2010 in Berlin. Wenn ich mich mal nicht aktiv mit Achtsamkeit beschäftigen will, verbringe ich viel Zeit mit meiner wundervollen Frau und unseren zwei Katzen, sitze in einem der vielen Cafés in Prenzlauer Berg oder produziere Beats und schreibe Rapsongs – auch eine wundervolle Weise, um in einen Flow-Zustand zu kommen.
Natürlich würde ich gerne auch mehr über dich und deine Motivation, dieses Buch hier zu lesen, erfahren. Wenn du magst, schreib mir gerne eine E-Mail oder kontaktier mich über Instagram, LinkedIn oder YouTube.
E-Mail: [email protected]
Instagram: @danielrieber
LinkedIn: Daniel Rieber
YouTube: @danielrieber
www.wevolve.company
Vor dem Start einer Reise ist es immer sinnvoll, Vorbereitungen zu treffen und sich Gedanken über das wichtigste Gepäck zu machen. Für unsere gemeinsame Reise stelle ich dir nun die wichtigsten Hilfsmittel vor, die du unbedingt in deinen Rucksack packen solltest. Diese Techniken helfen dir beim Lesen des Buches und ermöglichen dir, möglichst viel aus der Zeit mit ihm herauszuholen. Eine Zeit lang habe ich viele Bücher einfach nur „konsumiert“ und musste dann feststellen, dass ich mich bereits am nächsten Tag kaum noch an ihre Inhalte erinnern konnte. Vielleicht kommt dir das ja bekannt vor. Mir fehlte häufig die Zeit zur Reflexion und der Transfer in meinen Alltag fiel mir schwer. Oftmals konnte ich mich auch dabei beobachten, zu lesen, ohne meiner inneren Vorlesestimme wirklich zuzuhören. Also: Rucksack auf und Tools eingepackt, bevor es auf die Reise geht.
Mach bereits das Lesen dieses Buches zu einer Achtsamkeitsübung, indem du versuchst, beim Lesen jedes Abschnitts ganz bei dem jeweiligen Inhalt zu sein. Beobachte, wo deine Gedanken sind und vor allem wie aufnahmefähig du gerade tatsächlich bist. Sollte es dir in einem Augenblick schwerfallen, dich zu konzentrieren, gönn dir eine kleine Pause oder leg das Buch für einen Moment zur Seite. Schaff dir ein Umfeld, in dem es dir leichtfällt, bei der Sache zu bleiben. Wenn du magst, schalte dein Smartphone auf lautlos, mach dir einen Tee und schau, was dir sonst noch guttut und deine Konzentration unterstützt.
Nimm dir nach jedem Abschnitt – in jedem Fall aber nach jedem Kapitel – einen kurzen Moment zur Reflexion. Was habe ich gerade gelesen? Was hat mich besonders angesprochen? Wie kann mir das in meinem Alltag helfen? Wo habe ich Widerstände wahrgenommen? Am besten schließt du dafür kurz die Augen, nimmst einen bewussten Atemzug und stellst dir selbst diese Fragen.
Auch wenn unser Verstand großartig darin ist, sich Inhalte zu erschließen und Erkenntnisse zu erlangen, ergibt es viel Sinn, diese Gedankengänge zu verschriftlichen. Erst durch das „Äußern“ von Gedanken werden sie für uns wirklich greifbar und prägen sich auch langfristig ein. Die Haptik des Stifts beim Schreiben der Worte unterstützt das Verinnerlichen des Geschriebenen, denn unser Bewusstsein lernt gerne mit allen Sinnen. Sei ruhig kreativ: Du kannst in diesem Buch Sätze unterstreichen, Notizen am Rand hinterlassen und Klebezettel zur Orientierung einfügen. Je mehr du mit dem Buch interagierst, desto größer der Lerneffekt.
Sicherlich wirst du an der einen oder anderen Stelle auf inneren Widerstand stoßen oder manches deutlich ablehnen. Hier kommt eines unserer wertvollsten Instrumente zum Einsatz: unsere Neugier. Woher könnte dieser Widerstand kommen und worauf könnte er dich hinweisen? Du wirst nicht mit allem, was in diesem Buch steht, übereinstimmen und das ist auch gut so. Aber selbst, wenn du mit einer Idee gar nicht mitgehen kannst: Nutz die Chance, um daraus etwas über dich selbst zu lernen.
Wenn dich ein Abschnitt besonders begeistert hat oder neue Fragen aufgeworfen wurden, kann es hilfreich sein, diese Gedanken mit jemandem zu teilen. Das Aussprechen von Erkenntnissen in den eigenen Worten, die Rückmeldung des Gegenübers sowie Nachfragen und Diskussionen helfen uns dabei, das Gelesene zu verarbeiten und zum Teil unserer Welt werden zu lassen. Vielleicht hast du ja sogar Lust dazu, dir eine*n Lesepartner*in zu suchen, um regelmäßig über die Inhalte zu sprechen und euch gegenseitig zu motivieren.
Mit diesem Buch möchte ich gerne alle Menschen ansprechen und meinen Beitrag dazu leisten, dass unsere Welt ein bisschen inklusiver und gerechter wird. Nach dem Dialog mit Expert*innen und Personen aus von Diskriminierung und Benachteiligung betroffenen Gruppen habe ich mich für die Benutzung des Gendersternchens entschieden, auch wenn sich dieses zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht als Standard etablieren konnte.
Mir war es wichtig, ein Buch zu schreiben, das leicht zugänglich ist und ein hohes Lesetempo erlaubt. Um dir die Möglichkeit zu geben, tiefer in Themen einzutauchen, wirst du in diesem Buch immer wieder Boxen mit vertiefenden Informationen und weiterführenden Quellen finden. Diese „Ausflüge“ sind kleine Exkursionen, um das Thema bei Interesse vertiefen zu können.
Im Laufe unserer Reise werde ich dir immer wieder Folgen meines Podcasts „Auf der Suche nach dem Hier + Jetzt“ empfehlen, die zum Inhalt des jeweiligen Abschnitts passen. Auch dies gibt dir die Möglichkeit, tiefer in ein Thema einzutauchen und deine Lernreise in einem anderen Medium fortzusetzen. Um es dir leicht zu machen, die jeweilige Folge aufzurufen, findest du zu jeder Episode einen QR-Code sowie die Folgennummer. Scanne die Codes einfach mit der Kamera deines Smartphones ein oder schau in deiner Podcast-App (zum Beispiel Spotify, Apple Podcasts) nach der richtigen Nummer. Wenn du magst, probiere es doch gleich jetzt mit diesem QR-Code aus und schau mal auf meiner Website vorbei:
www.danielrieber.deÜbrigens: Über meinen Podcast kannst du auch nach dem Lesen dieses Buches mit mir in Verbindung bleiben und regelmäßig neue Impulse auf deiner persönlichen Reise erhalten. Wenn du meinen Podcast abonnierst, wirst du automatisch über das Erscheinen neuer Folgen informiert.
Damit du dieses Buch auch ganz konkret für deine eigenen Fragen und deine persönliche Lebenssituation nutzen kannst, biete ich dir immer wieder kleine Reflexionsübungen an. Diese kannst du als Selbst-Coaching-Tools nutzen – sowohl während du das Buch liest als auch im Anschluss daran. Sei dir jedoch bewusst, dass solche Tools ihre Grenzen haben und nicht die Arbeit mit ausgebildeten Coach*innen ersetzen.
Da Achtsamkeit von deiner eigenen Erfahrung lebt – nicht nur von den aufgenommenen Informationen – biete ich dir zu den meisten Kapiteln kleine Übungen an. Diese kannst du direkt ausprobieren und Schritt für Schritt in deinen Alltag integrieren. Stell dir dieses Buch wie ein Buffet vor: Probiere am besten alles einmal aus, bevor du dann für dich entscheidest, was zu dir und deiner Lebensrealität am besten passt.
Zu einigen der Achtsamkeitsübungen in diesem Buch habe ich Meditationsanleitungen aufgenommen. Diese findest du in meinem Podcast oder als QR-Code bei den jeweiligen Übungen. Gerade zu Beginn deiner Praxis kann es hilfreich sein, mit angeleiteten Meditationen zu arbeiten – so wie Stützräder bei den ersten Fahrversuchen mit dem Fahrrad helfen.
Hör dir gerne auch Meditationen von anderen an und schau, welche Stimme und welcher Stil dich am meisten anspricht. Hierfür kannst du entweder eine App nutzen oder auf eine der vielen kostenlosen Meditationen auf Plattformen wie YouTube und SoundCloud zugreifen. So wie ich, bieten auch viele andere Podcaster*innen eingesprochene Achtsamkeitsübungen an.
Wahrscheinlich kannst du es kaum erwarten, endlich zu starten. Doch lass uns noch mal einen Moment zur Reflexion nehmen. Ich würde dir gerne den Raum dafür geben, dir die Frage zu stellen, warum du dieses Buch eigentlich lesen möchtest.
Je nach Lesegeschwindigkeit, wirst du für diese Lektüre einige Stunden benötigen. Zeit ist ein kostbares Gut und du kannst selbst entscheiden, wie du sie bestmöglich für dich einsetzen möchtest. Es gibt viele gute Bücher und unendlich viele andere Möglichkeiten, deine Freizeit zu gestalten. Also: Warum möchtest du deine Zeit mit diesem Buch verbringen? Warum interessieren dich die Themen Achtsamkeit, Selbstführung und der innere Kompass? Welche Veränderung wünschst du dir für dein Leben?
Unser Unterbewusstsein ist wirklich gut darin, uns im Alltag an Dinge zu erinnern und uns Lust auf das verspüren zu lassen, was uns wirklich wichtig ist. Nur wenn du dir selbst bewusst machst, warum dieses Buch für dich relevant ist, wird es für dich die Priorität in deinem Leben erhalten, die du dir wünschst. Nur wenn du dein Unterbewusstsein von der Sinnhaftigkeit der Lektüre überzeugen kannst, wird es dich auf deinem Weg unterstützen und dir Offenheit und Aufmerksamkeit geben.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, weshalb die Frage nach dem „Warum“ so wichtig ist, lohnt es sich, den Vortrag „How great leaders inspire action“2 von Simon Sinek auf YouTube anzuschauen (verfügbar mit deutschen Untertiteln). Unterhaltsam und leicht verständlich, erklärt der Autor des Bestsellers „Start with Why“, dass Entscheidungen zum Großteil von unserem limbischen System – also unserer emotionalen Gehirnregion – getroffen werden und nicht von unserer Ratio. Daher ergibt es Sinn, einen Beweggrund zu identifizieren, der dich wirklich „bewegt“. Mit mehr als 55 Millionen Aufrufen gehört das Video zu den erfolgreichsten TED-Talks aller Zeiten und hat das Denken vieler Menschen und Unternehmen beeinflusst. Falls du TED-Talks noch nicht kennst, lohnt es sich, mal auf dieser Plattform für Vorträge vorbeizuschauen.
Also: Bevor du zum nächsten Kapitel weiterblätterst, nimm dir doch einen Augenblick für diese so wichtige Frage. Wenn du magst, schließ dafür deine Augen und gönn dir einen Moment der Stille. Wenn du so weit bist, nimm einen Stift zur Hand und schreib mindestens drei Punkte auf.
Finde mindestens drei Gründe dafür, warum du dich mit Achtsamkeit, Selbstführung und deinem inneren Kompass beschäftigen möchtest.
www.ted.com/talks/simon_sinek_how_great_leaders_inspire_action
Nachdem du dir etwas Zeit genommen hast, um dir Gedanken über deine persönlichen Beweggründe zu machen, würde ich dir gerne einen Einblick geben, wie meine Suche nach dem Hier und Jetzt begann und was mein Grund dafür war, mich mit Achtsamkeit zu beschäftigen. Auch wenn es ein längerer Prozess war, gab es tatsächlich ein einschneidendes Erlebnis, an dem Achtsamkeit in mein Leben kam und das somit aus heutiger Sicht den Startpunkt meiner Reise markiert.
Ich war Anfang 30, als ich eines Abends nach Hause in meine WG in Berlin kam. Es war schon spät, als ich meinen Schlüssel auf die Kommode legte, die Schuhe in die Ecke schob und direkt in mein Zimmer ging, um dort meine Tasche abzustellen. Bis hierher schien es ein normaler Feierabend zu sein, doch von einem Augenblick auf den anderen traf mich ein dumpfer Schlag auf die rechte Seite meines Kopfes. So, als hätte mich ein Einbrecher mit einem Baseballschläger außer Gefecht gesetzt. Ich strauchelte, versuchte mich noch irgendwo festzuhalten und ging schließlich zu Boden. Mit einem dumpfen Knall verschwand mein Hörsinn und auf einmal war es still. Bis ein schriller, wahnsinnig unangenehmer Piepton erklang. Ähnlich wie die Rückkopplung, die man hört, wenn man auf der Bühne das Mikrofon in Richtung der Boxen hält. Ich drückte mir die Hände auf die Ohren und schrie, nur um mich selbst zu hören.
Nach ein paar Sekunden kam mein Hörsinn wieder, das schrille Geräusch wurde leiser und mein Kreislauf normalisierte sich. Zu Tode geängstigt, fasste ich mir an den Kopf, konnte aber keine äußeren Verletzungen feststellen. Ich setzte mich vorsichtig aufs Bett und fühlte, wie sich mein Nervensystem langsam wieder entspannte. Nur der schrille Ton blieb. Sehr leise, aber präsent.
Nachdem ich an den Folgetagen einige Ärzt*innen konsultiert hatte, war die Diagnose eindeutig: stressbedingter Hörsturz mit Tinnitus. Beim Hörtest in der Charité konnte sogar der Frequenzbereich, in dem mein Hörsinn nachhaltig beschädigt war, grafisch dargestellt werden. Ich konnte meine Augen nicht mehr von dem Zettel mit der Frequenzanalyse lösen: Das alles war keine Einbildung – es war real.
Solltest du wie etwa elf Millionen Menschen in Deutschland3 selbst unter einem Tinnitus leiden, findest du hier ein paar Gedanken von mir zum Leben mit dem unangenehmen Ohrgeräusch. Leider konnte ich trotz aller Recherche keine Wundermittel finden, doch ich habe für mich Wege gefunden, den Tinnitus nicht mehr als störend wahrzunehmen und heute – etwa zehn Jahre später – nehme ich ihn tatsächlich gar nicht mehr wahr. Was mir sehr geholfen hat, war die Empfehlung, absolute Stille zu vermeiden und zum Beispiel mit offenem Fenster, Zimmerbrunnen oder leiser Musik zu schlafen. Denn je mehr man sich auf den Tinnitus konzentriert, desto präsenter wird er. Außerdem habe ich im Laufe meiner Reise meine Beziehung zu dem schrillen Geräusch geändert. Zu Beginn habe ich den Ton als Störgeräusch wahrgenommen, das mir Böses will. Doch irgendwann habe ich ihn als Signal meines Körpers gesehen, der mich auf Stress hinweisen wollte. Tatsächlich berichten viele Betroffene, dass der Ton besonders in stressigen Phasen präsent ist. Alles in allem haben mir meine Achtsamkeitspraxis und ein Leben mit mehr Balance sehr bei der Akzeptanz des Tinnitus und dem Umgang mit ihm geholfen. Ein weiterer möglicher Lösungsweg könnte das sogenannte „Tinnitus Masking“4 sein, von dem ich bei meiner Recherche für dieses Buch häufig gelesen habe. Allerdings fehlt mir hier die eigene Erfahrung, um eine konkrete Empfehlung auszusprechen.
Leider konnte mir die Schulmedizin nicht helfen und so las ich eine Vielzahl an Büchern und Artikeln, recherchierte im Internet, tauschte mich mit anderen Betroffenen aus und kam schließlich über eine Empfehlung zu einer Heilpraktikerin. Auch ihre Behandlung mit Akupunktur konnte mir nicht spürbar helfen, doch durch unsere längeren Gespräche, die aus meiner heutigen Sicht so etwas wie ein Coachingprozess waren, hatte ich einige Erkenntnisse für mich gewonnen.
So kam ich das erste Mal auf den Gedanken, dass der Tinnitus nicht das Problem war, sondern nur das Symptom. Dass ich meinem Körper viele Jahre zu viel zugemutet und nicht auf seine zahlreichen Signale gehört hatte. Und dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist und ich selbst dafür verantwortlich bin, dass es mir heute und auch langfristig gut geht. Durch unsere Sitzungen wurde mir klar, dass ich mit meinen Gedanken die meiste Zeit des Tages in der Vergangenheit oder der Zukunft war und nur selten im Hier und Jetzt. Ich erkannte, dass ich kaum eine Verbindung zu meinem Körper und meinen Emotionen hatte. Und schließlich wurde mir bewusst, dass ich erst fünf Jahre im Berufsleben war und noch mindestens 35 vor mir hatte und dass ich jetzt etwas ändern musste, um nicht in einen Burnout zu laufen. Hätte ich all diese Gedanken ohne den Hörsturz gehabt? Vermutlich nicht.
In dieser Zeit stand ich vor einer schweren Entscheidung: Ich hatte gerade erst begonnen, Berlin für mich zu entdecken, war begeistert von der Welt der Startups und hatte große Pläne für meine Karriere. Gleichzeitig kam es mir so vor, als müsste ich mich gegen meine Träume entscheiden, wieder zurück nach Westfalen ziehen, einen ruhigen Job suchen und mein Leben entschleunigen. Ich nahm mir vor, einen Weg zwischen den beiden Extremen zu finden: Ich wollte mein aufregendes Leben weiterleben – aber mit und nicht gegen meinen Körper. Diese Entscheidung war der Beginn meiner Suche nach dem Hier und Jetzt. Und heute verspüre ich viel Dankbarkeit für den Hörsturz – so absurd es auch klingen mag.
Podcast #30 mit Mathias Riedel über seinen Burn-out und wie ihm Achtsamkeit und Selbstmitgefühl im Leben geholfen haben