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Mundartliteratur muß nicht “kracherte Lederhosen-Poesie” sein: In ihren Texten in Münchner Mundart stößt uns die Autorin auf unser aller kleinen und großen Schwächen, Ungereimtheiten und Eitelkeiten. Sie hinterfragt frotzelnd das sogenannte "Normale" und beschreibt Alltagssituationen mit deren bisweilen unvorhersehbaren und skurrilen Folgen. Hintersinn und Tiefsinn in Gedichtform, Sketchen und Bonmonts - zum Schmunzeln, Lachen und Nachdenken.
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Seitenzahl: 59
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Da schene Sigi
Am schena Sigi geht a Liacht auf
Aus 'm Bauch
Fallbeispiel
Unerklärlich
Koa Schodn ohne Nutzen
Feierlich und himmlisch
Alle Jahre wieder
Vorsätzlich
Weihnachten
Feierwerk
Flucht aus dem Paradies
Flügellahm
Im Himmi nix Neis
Ned ganz so lustig
Kinderaung
Lebenszeichen
Sichtkontakt
Wos bleibt
Zeitspiegel
Nebenwirkung
Kultur
Heidenröslein
Meinungsbildung
Faust für Anfänger
Das Lied von der Glocke
Wanderers Nachtlied
Vernissage
Moderne Zeiten
Steckerlvirus
Lösungsmittel
Guada Grund
Faszination
Koa Zeit
Absatzschwierigkeiten
Webomanie
Einfach bayerisch
Sportlerherz
Feldstudie
Richtungswechsel
Weißwursts Betrachtungen
Es kummt immer anders
Wortgewalt
Ganz einfach
Tiefenwirkung
Neigschmeckt
Ratgeber
Guad glaffa
De Andern und mia
Bläde bis gscheide Sprüch
Entzug
Asylanten
A Oanzlfoi
Temperamentssach
Farbenblind
Gordischer Knoten
Alphabetisches Register
Boid kummt sei Neie - d’ erste Nacht
und de ghert zu wos Bsondam gmacht.
Da Sigi hod a Lampn kafft, mit Dimmer.
De soi in seim Schlafzimmer
sanfte Dämmerung vabreitn,
de willig macht fia Lustbarkeitn.
No is s eipackt im Karton,
wart auf ihrn Einsatz am Blafon.
Da Sigi hod normalerweis
fia sowos sein Bekanntenkreis.
Aber ausgerechnet heid
hod auf de Schnelle koana Zeit.
Mit Schraumziaga, Loata und Zanga
wird d Liachtmontage oganga.
Er hod koa Taschnlampn gfundn
und se a Kerzn vor d Stirn bundn.
Und sei Schwimmbruin no umgschnoit,
de s Flüssigwachs vom Aug fernhoit.
Da Sigi hangelt se voipackelt
auf d Loata nauf, de wackelt.
Je größer d Höh, desto mehr Pausn:
da Sigi kriagt leicht Ohrensausn.
An Loatagipfe beinah gnumma
sigt da Sigi Sterndl kumma.
D’ Umgebung taumelt kreiz und quer,
Kopf und Mong spuin Kreisverkehr.
D Loata schwankt,
da Sigi wankt.
Er laßt oiss foin, wui se festhoitn,
und gspiat d Schwerkraft woitn:
landt weich auf m Bett – gottseidank.
D’ Loadda rammt an Spiaglschrank.
Da Sigi liegt no schmerz-zerkringelt,
ois sei Handy klingelt:
Sei Neie is, druckst rum:
„Mei, bist ma bös, wenn i ned kumm?
„Is ned mei Art, so kurz obsong,
aber irgendwie spinnt heid mei Mong.“
Kaum aufglegt, leits aa no an Sigis Dia,
a Spezi is: „Jetz passat s doch bei mir
wega da Lampn mit dem Dimmer.
Oder brauchst mi nimmer?“
Aufbretzlt fia sei Disko-Tour,
hautenge Hosn, glänzade Schuah;
Flittergel ins Haar neigschmiert
nomoi im Spiagl kontrolliert
Da Sigi vo vorn, vo da Seitn:
Knopflöcher, de se weitn.
Bloß mit diafm Luftohoitn
vastecka se da Schlaffheit Foitn.
Sunst hängt sei Bauch hoibrund
vorn übern ganzn Hosenbund.
Am nächstn Dog scho rennt a
ins Bodybuilding-Center,
laßt se an Trainingsplan erstein
zum kontrollierten Muskelquäin.
De erste Übung: null Problem!
Er is vui Radl gfahrn im Lebn.
Des moi aber gehts bergauf,
steht aufm Trainingszettl drauf.
Noch drei Minutn auf m Radl
brennt ’s in de Schenkel und de Wadl.
Vui friahra, ois im Plan eidrong,
muaß a se vom Sportgrät plong,
weil d Knia vom Strampen bebn
und beim Geh aa no nochgebn.
Mit kloane Schritt, recht bleiern,
muaß a zua da nächstn Übung eiern.
Erleicht'rung bis in d Zehaspitzn:
beim Hanteltraining derf a sitzn!
Noch oa Minutn mit de Gwicht
vaziagts am Sigi s Gsicht.
De untrainierten Oberarm
jauln scho bei fünf Kilogramm.
Von da Schwerkraft arg dableckt,
wern d Hantln ins Regal zruckglegt.
Ois nächsts: hilegn, d Fiaß eiklemma
und an Oberkörper aufwärts stemma.
D Bauchmuskln lacha Hohn:
da Sigi hebt kaum ob vom Bodn.
Er reißt se hoch mit olla Gwoit,
sitzt fast aufrecht, da Muskel hoit.
Glei drauf a Stich - er muaß vaharrn:
Es is eahm wos ins Kreiz neigfahrn.
Zur Unbeweglichkeit vadammt,
muaß a wartn, bis wer spannt.
Hod währenddessen Zeit zum Denga,
daß Unglück aa Erkenntnis schenga:
Nächste Woch geht a zum Schneider,
der macht eahm sei Gwand weider.
Soboid de ersten warma Stroihn
vom Sommerhimme runtafoin,
werd auf de Gehweg zammagruckt,
se an Zwergerltisch hidruckt,
wern d’ Leit ausgricht und gschaugt,
ob ned wer zum Flirten daugt.
Und - wia kannts aa anders sei -
da schene Sigi find se ei:
De schwarzen Haar mit Gel higschleckt,
an Brustbewuchs mit Goid bedeckt.
Des kontrastiert dekorativ
zum Seidenhemad in oliv.
Dem Leinensakko in bordeaux
sigt ma d’ noble Herkunft o.
Im Goid-Etui lieng d’ Zigaretten,
ums Handglenk schewan Panzerketten.
An de volla Tisch rundrum
drahn se d’ Leit zum Sigi um.
Der nimmt soiche Huidigung
quasi ois Entschuidigung
oi jener, de ’s ned sann,
aber so gern wia da Sigi waarn!
Er is am Plotz da schenste Hirsch
und a Profi auf da Pirsch:
Er lächelt, pfeift und winkt,
zu jeder, de de Hüftn schwingt.
Und teils offen, teils vadruckt,
lacha d’ Madl meistens zruck.
Manche kichern aa vastoihn,
wissen ned, ob s’ hischaung soin.
Da Sigi is sei Wirkung gwohnt;
er sitzt aa nimma, sondern thront
und spreizt se wia a Gockel
auf seim seiberbauten Sockel.
Bloß, daß auf seine Flirtmaniern
aa sehr vui Männer reagiern,
des kennt a ned, des war no nia.
Er wissat aa koan Grund dafia.
Später is er eahm dann klar,
nochdem a auf ’m Örtchen war:
Wos er fia Bewundrung ghoitn,
hod seiner offna Hosn goitn.
Da Mangel is zwar jetz behobn,
doch da Weg vom Kloo noch drobn,
naus zu seim Tisch und zu de Leit!
De ham des gseng de ganze Zeit!
Da Sigi zoagt se auf da Straß,
trotz Sonnastudio leichenblaß.
Sei Blick hod jetz aa nimma
des Verführers Siegesschimmer.
Da gspreizte Gang hod aa valorn,
is zu am kloalaut Schleicha worn.
Er zoiht, valaßt den Ort da Schand -
doch auf am neia Kenntnisstand:
Jede Seibstgefälligkeit
werd eighoit vo da Wirklichkeit.
Da Omd hod sche ogfanga:
mit seina Neuen zum Essen ganga.
Da schene Sigi hod ned gspart
und mit am Stern aufgwart.
Noch Hummer, Schampus und Soufflé
hoam zu eahm - auf an Kaffee.
Den hod ma auf da Couch eignumma,
d’ Hormone sann auf Touren kumma.
Am End vo da Vaführungspistn
gaabs an neier Strich in seiner Listn.
Wollust und Gier dränga -
und da Sigi - laßt oiss hänga!
In da Vaführer-Zunft
sigt a se zum Zwergal gschrumpft.
Damit des ned zur Gwohnheit grodt,
hoid a se Apotheker-Rat.
Huat, Sonnabruin, an Mantelkrong
bis über d’ Ohrn naufgschlong.
Er wart, bis d’ Kunden weniger werdn,
redt ganz leise, kaum zum hern:
"I brauchat wos fia unten rum,
damit i konn, oder kumm."
D’ Vakäuferin frogt interessiert:
"Sie kenna ned, aa wenn s pressiert?
Weil ’s z hart is? Koa Problem,
do konn i wos zum Obführn gebn".
Da Sigi schluckt, fangt nomoi o:
"Na, na - do liegts ned dro.
Es is ned innen, ma konn ’s seng."
D Vakäuferin denkt noch a weng:
"Ach so? Koa Grund zum schama:
Hämorrhiden-Soim, de ham ma."
Unterm Huat rinnt da Schweiß
auf immer neie Gleis.
Oa Vasuach noch m andern
laßt Arznein aufn Tresn wandern:
Soibn, Tabletten, Tropfa, Saft,
aber nix fia d Lendenkraft.
