Auf guad Münchnerisch - Karin Zick - E-Book

Auf guad Münchnerisch E-Book

Karin Zick

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Beschreibung

Mundartliteratur muß nicht “kracherte Lederhosen-Poesie” sein: In ihren Texten in Münchner Mundart stößt uns die Autorin auf unser aller kleinen und großen Schwächen, Ungereimtheiten und Eitelkeiten. Sie hinterfragt frotzelnd das sogenannte "Normale" und beschreibt Alltagssituationen mit deren bisweilen unvorhersehbaren und skurrilen Folgen. Hintersinn und Tiefsinn in Gedichtform, Sketchen und Bonmonts - zum Schmunzeln, Lachen und Nachdenken.

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Seitenzahl: 59

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt:

Da schene Sigi

Am schena Sigi geht a Liacht auf

Aus 'm Bauch

Fallbeispiel

Unerklärlich

Koa Schodn ohne Nutzen

Feierlich und himmlisch

Alle Jahre wieder

Vorsätzlich

Weihnachten

Feierwerk

Flucht aus dem Paradies

Flügellahm

Im Himmi nix Neis

Ned ganz so lustig

Kinderaung

Lebenszeichen

Sichtkontakt

Wos bleibt

Zeitspiegel

Nebenwirkung

Kultur

Heidenröslein

Meinungsbildung

Faust für Anfänger

Das Lied von der Glocke

Wanderers Nachtlied

Vernissage

Moderne Zeiten

Steckerlvirus

Lösungsmittel

Guada Grund

Faszination

Koa Zeit

Absatzschwierigkeiten

Webomanie

Einfach bayerisch

Sportlerherz

Feldstudie

Richtungswechsel

Weißwursts Betrachtungen

Es kummt immer anders

Wortgewalt

Ganz einfach

Tiefenwirkung

Neigschmeckt

Ratgeber

Guad glaffa

De Andern und mia

Bläde bis gscheide Sprüch

Entzug

Asylanten

A Oanzlfoi

Temperamentssach

Farbenblind

Gordischer Knoten

Alphabetisches Register

Am schena Sigi geht a Liacht auf

Boid kummt sei Neie - d’ erste Nacht

und de ghert zu wos Bsondam gmacht.

Da Sigi hod a Lampn kafft, mit Dimmer.

De soi in seim Schlafzimmer

sanfte Dämmerung vabreitn,

de willig macht fia Lustbarkeitn.

No is s eipackt im Karton,

wart auf ihrn Einsatz am Blafon.

Da Sigi hod normalerweis

fia sowos sein Bekanntenkreis.

Aber ausgerechnet heid

hod auf de Schnelle koana Zeit.

Mit Schraumziaga, Loata und Zanga

wird d Liachtmontage oganga.

Er hod koa Taschnlampn gfundn

und se a Kerzn vor d Stirn bundn.

Und sei Schwimmbruin no umgschnoit,

de s Flüssigwachs vom Aug fernhoit.

Da Sigi hangelt se voipackelt

auf d Loata nauf, de wackelt.

Je größer d Höh, desto mehr Pausn:

da Sigi kriagt leicht Ohrensausn.

An Loatagipfe beinah gnumma

sigt da Sigi Sterndl kumma.

D’ Umgebung taumelt kreiz und quer,

Kopf und Mong spuin Kreisverkehr.

D Loata schwankt,

da Sigi wankt.

Er laßt oiss foin, wui se festhoitn,

und gspiat d Schwerkraft woitn:

landt weich auf m Bett – gottseidank.

D’ Loadda rammt an Spiaglschrank.

Da Sigi liegt no schmerz-zerkringelt,

ois sei Handy klingelt:

Sei Neie is, druckst rum:

„Mei, bist ma bös, wenn i ned kumm?

„Is ned mei Art, so kurz obsong,

aber irgendwie spinnt heid mei Mong.“

Kaum aufglegt, leits aa no an Sigis Dia,

a Spezi is: „Jetz passat s doch bei mir

wega da Lampn mit dem Dimmer.

Oder brauchst mi nimmer?“

Aus ’m Bauch

Aufbretzlt fia sei Disko-Tour,

hautenge Hosn, glänzade Schuah;

Flittergel ins Haar neigschmiert

nomoi im Spiagl kontrolliert

Da Sigi vo vorn, vo da Seitn:

Knopflöcher, de se weitn.

Bloß mit diafm Luftohoitn

vastecka se da Schlaffheit Foitn.

Sunst hängt sei Bauch hoibrund

vorn übern ganzn Hosenbund.

Am nächstn Dog scho rennt a

ins Bodybuilding-Center,

laßt se an Trainingsplan erstein

zum kontrollierten Muskelquäin.

De erste Übung: null Problem!

Er is vui Radl gfahrn im Lebn.

Des moi aber gehts bergauf,

steht aufm Trainingszettl drauf.

Noch drei Minutn auf m Radl

brennt ’s in de Schenkel und de Wadl.

Vui friahra, ois im Plan eidrong,

muaß a se vom Sportgrät plong,

weil d Knia vom Strampen bebn

und beim Geh aa no nochgebn.

Mit kloane Schritt, recht bleiern,

muaß a zua da nächstn Übung eiern.

Erleicht'rung bis in d Zehaspitzn:

beim Hanteltraining derf a sitzn!

Noch oa Minutn mit de Gwicht

vaziagts am Sigi s Gsicht.

De untrainierten Oberarm

jauln scho bei fünf Kilogramm.

Von da Schwerkraft arg dableckt,

wern d Hantln ins Regal zruckglegt.

Ois nächsts: hilegn, d Fiaß eiklemma

und an Oberkörper aufwärts stemma.

D Bauchmuskln lacha Hohn:

da Sigi hebt kaum ob vom Bodn.

Er reißt se hoch mit olla Gwoit,

sitzt fast aufrecht, da Muskel hoit.

Glei drauf a Stich - er muaß vaharrn:

Es is eahm wos ins Kreiz neigfahrn.

Zur Unbeweglichkeit vadammt,

muaß a wartn, bis wer spannt.

Hod währenddessen Zeit zum Denga,

daß Unglück aa Erkenntnis schenga:

Nächste Woch geht a zum Schneider,

der macht eahm sei Gwand weider.

Fallbeispiel

Soboid de ersten warma Stroihn

vom Sommerhimme runtafoin,

werd auf de Gehweg zammagruckt,

se an Zwergerltisch hidruckt,

wern d’ Leit ausgricht und gschaugt,

ob ned wer zum Flirten daugt.

Und - wia kannts aa anders sei -

da schene Sigi find se ei:

De schwarzen Haar mit Gel higschleckt,

an Brustbewuchs mit Goid bedeckt.

Des kontrastiert dekorativ

zum Seidenhemad in oliv.

Dem Leinensakko in bordeaux

sigt ma d’ noble Herkunft o.

Im Goid-Etui lieng d’ Zigaretten,

ums Handglenk schewan Panzerketten.

An de volla Tisch rundrum

drahn se d’ Leit zum Sigi um.

Der nimmt soiche Huidigung

quasi ois Entschuidigung

oi jener, de ’s ned sann,

aber so gern wia da Sigi waarn!

Er is am Plotz da schenste Hirsch

und a Profi auf da Pirsch:

Er lächelt, pfeift und winkt,

zu jeder, de de Hüftn schwingt.

Und teils offen, teils vadruckt,

lacha d’ Madl meistens zruck.

Manche kichern aa vastoihn,

wissen ned, ob s’ hischaung soin.

Da Sigi is sei Wirkung gwohnt;

er sitzt aa nimma, sondern thront

und spreizt se wia a Gockel

auf seim seiberbauten Sockel.

Bloß, daß auf seine Flirtmaniern

aa sehr vui Männer reagiern,

des kennt a ned, des war no nia.

Er wissat aa koan Grund dafia.

Später is er eahm dann klar,

nochdem a auf ’m Örtchen war:

Wos er fia Bewundrung ghoitn,

hod seiner offna Hosn goitn.

Da Mangel is zwar jetz behobn,

doch da Weg vom Kloo noch drobn,

naus zu seim Tisch und zu de Leit!

De ham des gseng de ganze Zeit!

Da Sigi zoagt se auf da Straß,

trotz Sonnastudio leichenblaß.

Sei Blick hod jetz aa nimma

des Verführers Siegesschimmer.

Da gspreizte Gang hod aa valorn,

is zu am kloalaut Schleicha worn.

Er zoiht, valaßt den Ort da Schand -

doch auf am neia Kenntnisstand:

Jede Seibstgefälligkeit

werd eighoit vo da Wirklichkeit.

Unerklärlich

Da Omd hod sche ogfanga:

mit seina Neuen zum Essen ganga.

Da schene Sigi hod ned gspart

und mit am Stern aufgwart.

Noch Hummer, Schampus und Soufflé

hoam zu eahm - auf an Kaffee.

Den hod ma auf da Couch eignumma,

d’ Hormone sann auf Touren kumma.

Am End vo da Vaführungspistn

gaabs an neier Strich in seiner Listn.

Wollust und Gier dränga -

und da Sigi - laßt oiss hänga!

In da Vaführer-Zunft

sigt a se zum Zwergal gschrumpft.

Damit des ned zur Gwohnheit grodt,

hoid a se Apotheker-Rat.

Huat, Sonnabruin, an Mantelkrong

bis über d’ Ohrn naufgschlong.

Er wart, bis d’ Kunden weniger werdn,

redt ganz leise, kaum zum hern:

"I brauchat wos fia unten rum,

damit i konn, oder kumm."

D’ Vakäuferin frogt interessiert:

"Sie kenna ned, aa wenn s pressiert?

Weil ’s z hart is? Koa Problem,

do konn i wos zum Obführn gebn".

Da Sigi schluckt, fangt nomoi o:

"Na, na - do liegts ned dro.

Es is ned innen, ma konn ’s seng."

D Vakäuferin denkt noch a weng:

"Ach so? Koa Grund zum schama:

Hämorrhiden-Soim, de ham ma."

Unterm Huat rinnt da Schweiß

auf immer neie Gleis.

Oa Vasuach noch m andern

laßt Arznein aufn Tresn wandern:

Soibn, Tabletten, Tropfa, Saft,

aber nix fia d Lendenkraft.