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Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Die Frau schrie gellend auf. Dann wurden die Schreie spitz wie Dolche und gingen in ein regelmäßiges Intervall über. Sie stand mit dem Rücken zum Fenster, und ihre Hände hoben sich angstvoll zum Hals, als der breitschultrige Mann mit langsam, schleichenden Schritten auf sie zukam. In seiner rechten Hand lag ein Schürhaken, den er bereits zum Schlag erhoben hatte. »Zum Teufel, warum schlägt er nicht zu?« sagte Mike Rander ärgerlich vor sich hin. »Sie hätte es wirklich verdient«, flüsterte Butler Parker zustimmend und hob erwartungsvoll seinen Kopf, als der Mann den Schürhaken zum Schlag erhob. Der gellende Schrei der Frau brach plötzlich ab. Es gab einen dumpfen Laut; die Frau sackte langsam in die Knie und rollte dann unter den Tisch. Der Mann ließ den Schürhaken klirrend fallen und lief zurück zur Tür. »Gott sei Dank, der hat's geschafft«, sagte Mike Rander aufatmend. »Eine beachtenswerte Tat, die fast zu spät kam«, kommentierte Butler Parker. Beide sahen sich lächelnd an und standen von ihren Sitzen auf, als schwacher Beifall im Theater zu hören war. Sie verließen die Seitenloge, gingen schnell den Gang hinunter und stellten sich in die geöffnete Tür, die zur Seitenpassage des Theaters führte. Mike Rander zündete sich eine Zigarette an. Butler Parker zog sein Zigarettenetui aus der Rocktasche, öffnete es, suchte lange in seinen Vorräten herum und entschied sich dann für einen schwarzen Torpedo, den er mit Genuß aus seiner Bauchbinde herausschälte. Mike Rander warf einen mißtrauischen Blick auf seinen Butler, der seine Zigarre umständlich in Brand setzte.
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Seitenzahl: 146
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Die Frau schrie gellend auf.
Dann wurden die Schreie spitz wie Dolche und gingen in ein regelmäßiges Intervall über. Sie stand mit dem Rücken zum Fenster, und ihre Hände hoben sich angstvoll zum Hals, als der breitschultrige Mann mit langsam, schleichenden Schritten auf sie zukam. In seiner rechten Hand lag ein Schürhaken, den er bereits zum Schlag erhoben hatte.
»Zum Teufel, warum schlägt er nicht zu?« sagte Mike Rander ärgerlich vor sich hin.
»Sie hätte es wirklich verdient«, flüsterte Butler Parker zustimmend und hob erwartungsvoll seinen Kopf, als der Mann den Schürhaken zum Schlag erhob.
Der gellende Schrei der Frau brach plötzlich ab. Es gab einen dumpfen Laut; die Frau sackte langsam in die Knie und rollte dann unter den Tisch. Der Mann ließ den Schürhaken klirrend fallen und lief zurück zur Tür.
»Gott sei Dank, der hat’s geschafft«, sagte Mike Rander aufatmend.
»Eine beachtenswerte Tat, die fast zu spät kam«, kommentierte Butler Parker.
Beide sahen sich lächelnd an und standen von ihren Sitzen auf, als schwacher Beifall im Theater zu hören war. Sie verließen die Seitenloge, gingen schnell den Gang hinunter und stellten sich in die geöffnete Tür, die zur Seitenpassage des Theaters führte.
Mike Rander zündete sich eine Zigarette an. Butler Parker zog sein Zigarettenetui aus der Rocktasche, öffnete es, suchte lange in seinen Vorräten herum und entschied sich dann für einen schwarzen Torpedo, den er mit Genuß aus seiner Bauchbinde herausschälte. Mike Rander warf einen mißtrauischen Blick auf seinen Butler, der seine Zigarre umständlich in Brand setzte.
»Ich bin äußerst zufrieden, daß die Darstellerin endlich ermordet Worden ist«, sagte Butler Parker. »Ihr Spiel war grauenhaft schlecht! Und Sie dürfen mir in der Beziehung Urteilskraft Zutrauen, Mister Rander. Seinerzeit war ich Butler bei Sir William Hastings. Sie wissen, er ist schwerer Charakterheld und wurde vom König geadelt.«
»Die Schauspielerin war wirklich schlecht«, meinte Mike Rander schnell, bevor sein Butler weiter in seinen Erinnerungen herumkramen konnte.
»Was halten Sie davon, Parker, wenn wir jetzt schon gehen?«
»Man sollte vielleicht noch den zweiten Akt abwarten«, schlug Butler Parker vor. »Mit Sicherheit ist ja damit zu rechnen, daß sie nicht noch einmal auftritt. Übrigens, Mister Rander, es hat zum zweitenmal geklingelt.«
»Gut, gehen wir noch einmal zurück«, sagte Mike Rander. Er wollte seinem Butler nicht die Freude verderben. »Sehen Sie mal, Parker, da scheint’s einer aber eilig zu haben.«
Mike Rander machte eine Kopfbewegung, und Butler Parker sah einen kleinen, untersetzten Mann, der sich ohne jede Rücksicht durch die einströmenden Zuschauer bohrte.
»Man sollte den Mann vielleicht warnen«, sagte Butler Parker. »Wahrscheinlich wird er enttäuscht sein, wenn er den zweiten Akt sieht.«
Mike Rander grinste und trat seine Zigarette aus. Butler Parker warf einen bedauernden Blick auf seine geliebte Zigarre und legte sie dann vorsichtig auf das eiserne Geländer der breiten Eisentreppe. Nach knapp einer Minute saßen Rander und Parker wieder in ihrer Seitenloge.
Mike Rander unterdrückte ein Gähnen und verbiß sich ein lautes Auflachen, als auf der Bühne der Mann mit dem Schürhaken in einen großen Monolog ausbrach, in dem er umständlich, aber präzis darlegte, warum er die Frau erschlagen hatte.
Als es klopfte, stutzte der Mann, sah zur Tür und sprang dann mit Riesensätzen hinter einen Schrank. Vom Zuschauerraum aus sah man nur noch seinen Schürhaken, der auf und ab wippte.
»Wahrscheinlich bringt er gleich den Koch des Hauses um«, flüsterte Butler Parker amüsiert zu Rander hinüber.
»Der hat’s eigentlich auch verdient«, sagte Rander leise. »Der kann nämlich auch nicht spielen.«
»Wenn ich auf Ihren Vorschlag zurückkommen dürfte«, meinte Butler Parker. »Ich bin jetzt Ihrer Meinung, daß man besser gehen sollte.«
»Schön, gehen wir also, aber möglichst schnell«, sagte Mike Rander aufatmend.
Sie standen beide auf, gingen leise in den Vorraum der Loge und sahen einen Mann, dessen Gesicht verzweifelt und entschlossen zugleich wirkte.
»Bleiben Sie stehen«, sagte der Mann mit hastiger Stimme.
Mike Rander erkannte ihn auf einmal wieder. Es war der Untersetzte, der sich durch die Zuschauer in der Seitenpassage geboxt hatte.
»Darf man fragen, was der Revolver in Ihrer Hand bedeuten soll?« erkundigte sich Butler Parker höflich.
»Schnauze halten«, zischte der Mann sie an. »Es passiert nichts, wenn ihr keine Dummheiten macht. Ich brauche den Mantel und den Hut.«
Er machte mit dem Kopf eine entsprechende Bewegung zur Garderobe, aber die Lage des Revolvers änderte er nicht.
»Meinen Mantel und meinen Hut?« sagte Butler Parker empört.
»Los schon«, sagte der Mann schnell. »Ich habe nicht viel Zeit. Du kannst dafür meinen Mantel behalten. Umdrehen!«
»Wer ist denn hinter Ihnen her?« fragte Mike Rander in sachlichem Ton. Er bekam keine Antwort und drehte sich deshalb sofort zur Wand. Natürlich hätten Parker und er mehr als eine Chance gegen den Mann gehabt. Aber sie wollten es nicht darauf ankommen lassen. Ein verirrter Schuß hätte in dem dicht gefüllten Zuschauerraum zu leicht Unheil anrichten können.
Rander und Parker hörten das Rascheln von Stoff, von der Bühne her drangen wieder spitze Schreie in die Loge, und dann klappte eine Tür. Als Butler Parker in einem erstaunlichen Hechtsatz zur Logentür springen wollte, grinste Mike Rander.
»Meinen Sie, Parker, der Mann hätte die Tür aufgelassen?« fragte er.
»Weshalb regen Sie sich so auf? Ich bin eigentlich sehr froh, daß bei der Gelegenheit Ihre Melone zum Teufel gegangen ist. Hätte der Mann noch etwas gewartet, wäre ihm ’ne Belohnung sicher gewesen.«
»Was hatte dieser Besuch wohl zu bedeuten?« fragte der Butler, der wieder Platz genommen hatte.
»Entweder wollte er seinen alten Mantel gegen einen halbwegs besseren Umtauschen, oder er wurde verfolgt und suchte sich jetzt zu tarnen. Ich glaube mehr an die zweite Möglichkeit.«
»Er hatte es sehr eilig, ins Theater zu kommen«, erinnerte sich der Butler laut. »Wahrscheinlich wurde er wirklich verfolgt. Aber wieso kam der Mann ausgerechnet in unsere Loge?«
»Sehr einfach«, meinte Rander lächelnd. »Unsere Seitenloge hat eigene Garderobe und liegt am Ende des Ganges. Er brauchte also nicht mit Überraschungen zu rechnen, unser Klopfen wird man nicht so schnell hören, und er hat die Möglichkeit, durch die Gangtür hinter die Bühne zu kommen. Von da aus wird er auch verschwinden wollen.«
»Vielleicht sind wir einem Verbrechen auf der Spur«, sagte Butler Parker, und seine sonst ewig vereiste Miene belebte sich etwas bei dieser Aussicht. »Man müßte den Fall näher untersuchen, Mister Rander.«
»Gut, untersuchen Sie den Mantel des Mannes«, sagte Rander. »Aber wahrscheinlich hat er ihn ausgeräumt.«
Würdevoll, mit steifen Bewegungen, ging Parker in den Garderobenteil der Loge und begann den Mantel des Mannes fachmännisch zu durchsuchen. Mike Rander war ihm gefolgt und sah grinsend zu.
»Na, was haben Sie herausgefunden?« fragte Rander, als sein Butler die Taschen durchsucht hatte.
»Dieser Mantel befindet sich in einem ungewöhnlichen Zustand«, erwiderte Butler Parker. »Beide Taschen sind zerrissen und das Futter existierte kaum noch.«
»Schmeißen Sie den Fetzen hin«, sagte Mike Rander. »Mit dem Ding ist ja doch nichts mehr anzufangen.«
»Ich werde meine Hände eine Viertelstunde bürsten müssen«, sagte Josuah Parker und warf den Mantel über eine Sessellehne. »Sie haben recht gehabt, Mister Rander, es war nichts zu find …«
»Was haben Sie denn?« fragte Mike Rander grinsend, als sich der Butler wieder über den Mantel stürzte. Mit spitzen Fingern fühlte er den Saum des Mantels ab.
»Eine Visitenkarte«, sagte Parker, nachdem er das Futter einfach aufgerissen hatte, um an den Gegenstand zu kommen, den er gefühlt hatte.
»Zeigen Sie mal her«, reagierte Mike Rander überrascht. Er hatte mit allem gerechnet, aber nicht mit einer Visitenkarte. Butler Parker reichte ihm ein Stückchen Karton herüber. Auf der Rückseite der Karte waren ein paar Zahlen aufgekritzelt.
»Tony Glubb, Chicago, Gate Street, 1238«, las Mike Rander laut.
»Dieser Mantel sieht nicht nach der Gate Street aus«, meinte Josuah Parker. »Dort wohnen doch nur Leute, die ein gewisses Einkommen haben.«
»Womöglich hat er sie nur gefunden«, meinte Mike Rander und steckte die Karte ein.
»Sollen wir das Kleidungsstück der Polizei übergeben?« fragte der Butler.
»Während der Pause besorgen Sie ein Stück Papier«, schlug Rander vor. »Das heißt, meinetwegen können Sie sich den Mantel auch anziehen. Vorerst nehmen wir ihn mit nach Hause.«
»Ich werde doch lieber Papier besorgen«, sagte Butler Parker erschreckt.
»Da ist schon die Pause. Wie viele mag man auf der Bühne noch umgebracht haben?«
»Wir fragen den Logenschließer.« Rander lachte. »Wahrscheinlich hat noch ein halbes Dutzend dran glauben müssen.«
Schon nach dem ersten Klopfen wurde die Loge von außen geöffnet. Der Logenschließer stellte keine Fragen, und Butler Parker verschwand, um einen Bogen Papier zu holen.
Mike Rander nutzte die Gelegenheit und erkundigte sich nach den Morden. Er war sehr zufrieden, als Parker zurückkam.
»Wir können beruhigt sein«, sagte er zu Parker und grinste. »Ich habe soeben erfahren, daß der Mann mit dem Schürhaken inzwischen das Zeitliche gesegnet hat. Er wurde erschossen.«
»Wir müssen es glatt überhört haben«, sagte Butler Parker. »Schade, den Genuß hätte ich mir nicht entgehen lassen sollen.«
Sie gingen den Korridor hinunter, bis sie die durchgehende Halle erreicht hatten. Vor dem Ausgang zur Seitenpassage staute sich eine Menge Zuschauer, die laut und erregt diskutierte.
»Was ist denn hier los?« fragte Butler Parker einen Mann, der vor ihm stand. »Werden hier Dollars verteilt?«
»Nicht Dollars, Blei«, erwiderte der Mann. »Man hat einen Mann in der Passage gefunden. Er ist erschossen worden!«
»Bekannter Mann?« fragte Rander.
»Sie sagten draußen gerade, daß er einen dunklen Mantel und eine Melone getragen hat«, gab der Mann bereitwillig Auskunft …
*
»Nehmen wir erst einmal einen Drink«, sagte Mike Rander. »Anschließend lassen wir uns bei Leutnant Handy sehen. Vielleicht erfahren wir von ihm, wer der Tote ist.«
Für Mike Rander und Butler Parker war es aussichtslos, durch die Menge an den Toten heranzukommen. Sie machten kehrt und verließen das Theater durch den Haupteingang. Schräg gegenüber vom Theater war eine Bar, die sie beide anliefen.
»Ihre zweite Möglichkeit ist demnach eingetroffen«, sagte Butler Parker, als die Drinks serviert waren. »Der Mann wurde verfolgt, flüchtete sich ins Theater, wurde aber trotz seiner veränderten Kleidung erkannt und ermordet. Um was mag es gegangen sein? Wer mag der Tote sein?«
»Sie stellen eine Menge Fragen an mich«, sagte Mike Rander grinsend. »Und dabei weiß ich nicht mehr als Sie. Ich nehme an, daß es sich um einen kleinen Gauner gehandelt hat.«
»Sie meinen wegen des Revolvers, den er in der Hand hielt?« sagte Butler Parker.
»Nicht nur wegen des Revolvers«, entgegnete Mike Rander. »Der Mann sprach auch so, fanden Sie das nicht auch, Parker? Die Zeiten werden besser, die Gangster und Gauner bringen sich gegenseitig um.«
»Das sagen Sie als Strafverteidiger?« entrüstete sich der Butler. »Mister Rander, immerhin …«
»Sie wissen doch auch, daß mir dieser Beruf zum Halse heraussteht«, sagte Rander und nahm einen Schluck Whisky. »Wenn etwas an der Sache sein sollte, wollen wir uns dahinterklemmen. Falls Sie keine moralischen Hemmungen haben.«
»Gut, daß wir die Visitenkarte haben«, meinte Butler Parker. »Man sollte diesen Mister Glubb aufsuchen.«
»Dabei wird zwar nicht viel herauskommen«, meinte Rander nachlässig. »Aber versuchen wir’s immerhin. Ich glaube, daß wir zum Stadthaus fahren können. Die Mordkommission ist bereits seit zehn Minuten wieder verschwunden.«
Mike Rander und Butler Parker verließen die Bar, gingen zum Parkplatz des Theaters, und wenige Sekunden später fuhr ein dunkler Studebaker in verwegener Fahrt auf die Straße. Parker liebte es nämlich, etwas schneller als die anderen zu fahren.
»Sie brauchen keineswegs einen neuen Rekord aufzustellen«, sagte Mike Rander warnend. »Das Stadthaus ist nicht weit, und wir werden nicht erwartet.«
»Ich werde mich befleißigen, langsamer zu fahren«, versprach Josuah Parker, ohne allerdings seinen Fuß vom Gaspedal zu nehmen.
Gemeinsam betraten sie das Stadthaus, erkundigten sich nach Leutnant Handy und fuhren anschließend mit dem Lift in den vierten Stock. Sie hatten Glück, denn der Polizeioffizier, ein leitender Beamter des Kriminal-Departements, war erst vor wenigen Minuten zurückgekehrt und befand sich in seinem Büro.
»Hallo, Mister Rander?« fragte Leutnant Handy und sah erstaunt auf, als Rander und Parker das Office betreten hatten. »Tag, Parker!«
»Ich hatte große Sehnsucht nach Ihnen«, lächelte Mike Rander verschmitzt. »Was gibt’s denn Neues in der Stadt?«
»Was soll es schon geben?« fragte Handy zurück. »Täglicher Kleinkram, täglicher Ärger. Nur um das herauszufinden, haben Sie mich besucht?«
»Warum so mißtrauisch?« erkundigte sich Rander harmlos.
»Ich kenne doch Sie und Parker«, sagte Handy lächelnd. »Was liegt denn nun wirklich vor, Rander?«
»Sie fanden vor knapp einer halben Stunde einen Toten im ›Lonely-Theater‹, ja?« schickte Rander voraus. »Sagt Ihnen das was, daß Parker und ich in dem Kriminalstück waren?«
»Da sind Sie aber auf der falschen Fährte«, entgegnete Handy auflachend. »Stimmt übrigens, man hatte einen Mann in der Passage restlos fertiggemacht.«
»Ist der Mann Ihnen bekannt?« fragte Rander mit neutraler Stimme.
»Warum interessiert Sie das?« erwiderte Handy. »Hatten Sie mit dem Toten zu tun?«
»Wie soll denn der Mann heißen?« fragte Mike Rander. »Ich habe nur zufällig gehört, daß in der Passage ein Mann ermordet worden ist.«
»Wir haben keine Ahnung, wer der Mann ist«, erwiderte Leutnant Handy.
»Er ist nicht im Familienalbum, und in seinen Taschen befindet sich auch nichts, was uns weiterbringen könnte. Sie sehen mich allerdings erstaunt, Mister Parker!«
»Sie sind erstaunt?« fragte Butler Parker vorsichtig. »Darf man sich nach dem Grund erkundigen?«
»Sie tragen keinen Mantel, Ihre steife Melone fehlt. Mich hat’s fast vom Schlitten gehauen, als ich Sie gesehen habe. Vielleicht interessiert es Sie, der Tote trug eine Melone und einen dunklen Mantel. Ihre Sachen, Parker!«
»Deshalb sind wir ja hier«, schaltete sich Mike Rander ein. »Wir wollten einen Diebstahl anmelden, Handy.«
»Diebstahl?«
»So ist es allerdings«, übernahm Butler Parker weiter das Gespräch. Nach dem Hinweis, den Rander gegeben hatte, konnte er allein weitermarschieren.
»Man hat meinen Mantel gestohlen und mir dafür diesen Lumpen zurückgelassen.«
Der Butler legte das Paket auf den Schreibtisch des Leutnants und riß die Umhüllung auf.
»Das müssen Sie mir der Reihe nach erzählen«, meinte Handy verblüfft.
»Wir waren zusammen im Lonely-Theater«, begann Parker. »Es wurde ein Kriminalstück uraufgeführt. Es war ein gräßliches Stück, es wimmelte nur so von Toten, und doch wußte man von Anfang an, wer der Mörder war. Im zweiten Akt erschien der Mörder und hatte einen …«
»Sie wollten mir erzählen, wie Ihnen der Mantel gestohlen worden ist«, ermahnte ihn der Polizeioffizier.
»Ich werde Ihnen den Fall präzis erklären«, schickte Butler Parker voraus. »Wir saßen also in der linken Seitenloge des Theaters, und in Anbetracht des grausam schlechten Stücks entschlossen Mister Rander und ich uns, frühzeitig das Haus zu verlassen. Können Sie mir folgen?«
»Klar, machen Sie schon weiter«, sagte Handy etwas ärgerlich.
»Also, wir wollten frühzeitig das Haus verlassen und gingen in den rückwärtigen Teil der Loge, wo die Einzelgarderobe ist. Als ich meinen Mantel vom Haken nehmen wollte, fehlte er. Dafür fand ich diesen Putzlappen.«
»Sie haben nicht gemerkt, daß der Dieb in die Loge gekommen ist?« wollte Handy wissen.
»Aber Leutnant«, protestierte der Butler. »Dann hätte ich noch meinen Mantel und Sie den Dieb.«
»Haben Sie den Mantel schon durchsucht?« fragte der Leutnant.
»Aber natürlich nicht«, erwiderte Butler Parker entrüstet. »Trauen Sie mir zu, daß ich solch einen Arbeitnehmer auch nur mit den Fingerspitzen berühre?«
»Ulkiger Zufall«, sagte Handy mißtrauisch. »Verschweigen Sie mir auch nichts?«
»Handy, machen Sie sich nicht lächerlich«, mischte sich Rander in die Unterhaltung. »Wie denken Sie über den Fall?«
»Der Mann wurde ermordet, als er das Theater verlassen wollte«, sagte Handy nachdenklich. »Er wurde ermordet, als der zweite Akt noch lief. Um einen kleinen Gauner scheint es sich nicht zu handeln. Wahrscheinlich wollte er mit den Sachen Parkers vor irgendwelchen Leuten, die ihm auf der Spur waren, verschwinden. Kleiderdiebe und Gauner erschießen sich nicht gegenseitig.«
»Sie kennen den Mann wirklich nicht?« erkundigte sich Mike Rander.
»Wir haben nicht den kleinsten Anhaltspunkt«, sagte Handy kopfschüttelnd. »Seine Anzugtaschen waren wie leergefegt. Den Mantel lassen Sie uns hier.«
»Damit hätten wir unsere Pflicht getan«, erklärte Mike Rander in verabschiedendem Ton. »Hören wir von Ihnen, wenn sich etwas getan hat?«
»Klar, ich rufe Sie dann an«, gab der Polizeioffizier zurück.
»Ob Handy den Toten wirklich nicht kennt?« fragte Butler Parker, als sie das Stadthaus verlassen hatten.
»Bis jetzt sieht’s so aus«, erwiderte Rander. »Fahren wir doch gleich mal rüber zu Glubb. Vielleicht kann der uns auf die Sprünge helfen.«
Butler Parker steuerte den schweren Wagen mit gewohnter Meisterschaft durch die City. Nach knapp zehn Minuten hatten sie den Stadtteil erreicht, der am See lag. Nach Durchfahren einiger Querstraßen erreichten sie die Gate Street.
»Nicht so schnell«, sagte Mike Rander. »Stop, Parker, wir sind schon vorbei. Nein, lassen Sie den Wagen hier stehen.«
Sie gingen ein paar Schritte zurück und standen vor einem schmiedeeisernen Gartentor. Parker drückte die Klinke herunter, die Tür gab nach. Das Haus, ein ebenerdiger, langgezogener Bau, war nach vorn heraus nicht beleuchtet. Als sie vor der Haustür standen, versuchte Parker es noch einmal mit der Klinke und hatte wieder Glück.
»Im Haus brennt kein Licht«, sagte Mike Rander. »Parker, wir können uns in aller Ruhe umsehen.«
»Das Haus ist bewohnt«, erwiderte Butler Parker. »Im Keller scheint man Holz zu sägen. Hören Sie, Mister Rander!«
»Der Holzsäger ist ein Phänomen.« Rander grinste. »Beim Sägen schläft er sogar. Hier aus dem Nebenzimmer kommt das Schnarchen, Parker …«
*
Butler Parker wollte gerade etwas erwidern, als eine Tür aufging und Licht angedreht wurde. Im Türrahmen zu einem Nebenzimmer stand ein junges Mädchen. Sie trug einen Morgenmantel, den sie sich nachlässig übergeworfen hatte.
»Guten Abend, meine Dame«, sagte Butler Parker mit einem seiner Meinung nach vertrauenerweckenden Ton. »Sie werden, wie ich Ihrem Gesichtsausdruck entnehmen kann, gewiß einigermaßen erstaunt sein, uns hier zu sehen.«
Das Mädchen im Morgenmantel gab vor Verblüffung ihre Absicht auf, laut zu schreien. »Guten Abend«, erwiderte sie nach einer kurzen Schaltpause.
»Guten Abend«, erwiderte Butler Parker noch einmal.
