Aufbruch in die Freiheit - Tom Doyle - E-Book

Aufbruch in die Freiheit E-Book

Tom Doyle

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11,99 €

Beschreibung

"Aufbruch in die Freiheit" von Tom und JoAnn Doyle erzählt die Geschichte von Frauen, die mitten in extremen Situationen zu Jesus gefunden haben. Farah liebt ihren Beruf und die schicken Klamotten, die sie sich leisten kann. Als die Familie dringend Geld braucht, um eine lebensrettende OP für ihre Mutter bezahlen zu können, wird Farah zwangsverheiratet. Ihr Leben als Ehefrau und Mutter entwickelt sich zur Hölle. Regelmäßig wird sie von ihrem Mann verprügelt. Mit ihrem alten Leben schließt sie ab und bringt ihre schicken Kleider zur Sammelstelle bei einer christlichen Kirche. Dort trifft Farah auf syrische Flüchtlingsfrauen, die zum Glauben an Jesus Christus gefunden haben. Sie ist fasziniert von ihren strahlenden Gesichtern. Nach anfänglichem Zögern beschließt auch Farah, an Jesus zu glauben. Eine Entscheidung, die ihr Leben radikal verändert. Diese packende Geschichte und viele weitere Berichte von Frauen, die in der islamischen Welt Jesus begegneten und deren Leben sich veränderte, sind in diesem Band gesammelt. Prädikat: Aufwühlend! "Die Geschichten in diesem Buch haben mir das Herz gebrochen, mir Tränen ins Gesicht getrieben und mich im Gebet für Frauen, die alles riskiert haben, um Jesus zu folgen, auf die Knie gezwungen." Anne Graham Lotz (Tochter von Billy Graham) "Diese verblüffenden Geschichten werden Sie begeistern und in ihren Bann ziehen!" Lee und Leslie Strobel (Autoren: Der Fall Jesus)

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Seitenzahl: 283

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Tom und JoAnn DoyleGreg Webster

Aufbruch

in die

Freiheit

Frauen in der islamischen Weltbegegnen Jesus

Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel:

„Women who risk – Secret Agents for Jesus in the Muslim World“

In Nashville, Tennessee bei Thomas Nelson, bei W Publishing Group,

einem Imprint von Thomas Nelson

Die Lizenzausgabe wurde veröffentlicht aufgrund einer Vereinbarung mit

Thomas Nelson in der Verlagsgruppe HarperCollins Christian Publishing, Inc.

©2021 Thomas James Doyle und JoAnn Marie Doyle

Deutsch von Dr. Friedemann Lux

Sure 4,34 nach: Der Koran, aus dem Arabischen übersetzt von Max Henning,

© 1960 Reclam Verlag, Stuttgart

Sure 46,9 nach Der Koran. Das heilige Buch des Islam nach der Übertragung von Ludwig Ullmann neu bearbeitet und erläutert von Leo Winter,

© 1959 Goldmann Verlag, München

NGÜ: Neue Genfer Übersetzung. Neues Testament und Psalmen. Copyright

© 2011 Genfer Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung.

Alle Rechte vorbehalten.

NLB: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM

R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen

LÜ: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

1. Auflage 2021

© 2021 der deutschen Ausgabe: Brunnen Verlag GmbH, Gießen

www.brunnen-verlag.de

Lektorat: Stefan Loß

Umschlagfotos: Adobe StockUmschlaggestaltung: Jonathan Maul

Satz: DTP Brunnen

ISBN Buch 978-3-7655-3746-2

ISBN E-Book 978-3-7655-7629-4

Wir widmen dieses Buch in Liebe all denen,

die ein Leben im Schatten geführt haben,

die sich vergessen, übersehen, überhört gefühlt haben.

Der, der euch erschaffen hat, sieht euch und liebt euch

von ganzem Herzen.

Sein Name ist Jesus.

Ihr seid nicht vergessen.

Wir widmen dieses Buch denen, die in Jesus allein Erlösung

gefunden haben

und ein Leben in Gefahr leben.

Ihr habt den Preis bedacht und alles riskiert.

Ihr habt es richtig gemacht, denn Er allein ist würdig.

Aus meinem Mund wird man hören, wie du deine Treue erweist,

den ganzen Tag will ich davon reden, dass du Rettung schenkst.

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft du schon geholfen hast!

Ich will zum Heiligtum kommen,

um die mächtigen Taten Gottes, des HERRN, zu verkünden.

Deine Treue will ich preisen, dich allein will ich rühmen.

Psalm 71,15-16 (NGÜ)

Inhaltsverzeichnis

Eine unaufhaltsame Kraft

Kapitel 1:Erlöse uns von dem Bösen

Kapitel 2:Die schlimmste Ehe in ganz Syrien

Kapitel 3:„Heirate ihn, oder deine Mutter stirbt!“

Kapitel 4:„Dieses Licht kann man nicht kaufen“

Kapitel 5:Keine Hoffnung – bis Jesus kam

Kapitel 6:In Gaza gefangen

Kapitel 7:Flucht aus Mekka

Nachwort:Was kann ich tun?

Danksagungen

Über die Autoren

Der Dienst von Open Doors

Eine unaufhaltsame Kraft

Die offensichtlichste Bedrohung für die Menschen im Nahen Osten ist der Terrorismus. Doch seit Kurzem gibt es eine neue Bedrohung – eine, die den Menschen noch mehr Angst einjagt als der Terrorismus.

Diese Bedrohung heißt Veränderung.

Der Prozess der Veränderung kann einerseits alte Gegner wie Saudi-Arabien und Israel zusammenführen, weil sie in Iran einen gemeinsamen Feind haben. Aber es kann auch vorkommen, dass eine ganze Religion durch Veränderung bedroht ist, weil sie auf ihren innersten Kern abzielt.

Die Frauenrechtskonvention der Vereinten Nationen (CEDAW) wurde im Jahr 1979 verabschiedet. Das ist jetzt eine ganze Weile her. Aber die Umsetzung dieser Konvention in den Ländern des Nahen Ostens steht auf einem anderen Blatt. Noch vierzig Jahre später, im Dezember 2019, bezeichneten mehrere einflussreiche Familienclans in der West Bank sie als unvereinbar mit der islamischen Religion. Sie würde zu vieles verändern.

Und so ist und bleibt die große Frage: Werden die Frauen im islamisch dominierten Nahen Osten jemals ihre vollen Menschenrechte bekommen?

Jesus hat diese Frage mit einem eindeutigen Ja beantwortet. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass zur Zeit so viele muslimische Frauen zu ihm finden wie noch nie zuvor. Wir glauben, dass Gott möchte, dass wir seine wunderbaren, fantastisch anmutenden, aber trotzdem wahren Geschichten von der Jesusbewegung im Nahen Osten den Christen in der ganzen Welt weitererzählen.

Die Reaktionen auf meine letzten drei Bücher lassen JoAnn und mich immer wieder staunen. Aber erst, nachdem wir in jedem Land des Nahen Ostens gearbeitet hatten, erkannten wir den dringenden Bedarf für das Buch, das Sie jetzt in Händen halten.

JoAnn hat mich von Anfang an in dieser Arbeit begleitet. Es berührt uns immer wieder, wenn wir Menschen begegnen, die uns sagen: „Ihre Geschichten haben mein Leben verändert.“ Die Menschen, über die wir schreiben, sind reale Personen. Und wenn das Lesen ihrer Geschichten Ihr Leben verändert, hat das wahrscheinlich etwas damit zu tun, dass das Schreiben dieser Geschichten unser Leben verändert hat. Dieses Buch ist das erste, das JoAnn und ich offiziell gemeinsam schreiben. Sie ist immer schon an meiner Seite gewesen, aber jetzt hören Sie zum ersten Mal ihre Stimme und erleben ihre Perspektive.

Ich habe miterlebt, wie Gott JoAnn darauf vorbereitete, muslimischen Frauen im Nahen Osten das Licht Jesu zu bringen. Anfangs war sie zögerlich. Sie fühlte zwar mit diesen Frauen mit, aber die Angst war zunächst einmal stärker und verhinderte ein stärkeres Engagement. Glauben Sie mir: JoAnn kann es gut verstehen, wenn Ihnen der Gedanke, Muslime zu missionieren, Angst macht.

Aber wenn Gott uns einen Ruf gibt, dann sorgt er auch für die nötige Vorbereitung.

Gott hat JoAnn zu einer erstaunlich furchtlosen Frau gemacht, selbst in den gefährlichsten Situationen in der Welt des Islam. Es war wirklich spannend, ihre Verwandlung mitzuerleben. Wo wir auch gehen und stehen, kommt sie durch ihre italienische, kontaktfreudige, liebevolle und entwaffnende Art bestens bei den Menschen an.

Wie Anne Graham Lotz, die Tochter von Billy Graham, mir einmal sagte: „JoAnn ist eine kleine Frau, aber für Jesus ist sie eine Stange Dynamit!“ Ganz meine Meinung.

Ein Wort von JoAnn

Tom hatte schon immer ein riesengroßes Herz für Menschen, die Jesus nicht kennen. Und er ist schon immer der geborene Abenteurer gewesen. Zusammen mit seiner unkomplizierten, gewinnenden Art macht ihn das zu einem geistlichen Pionier, der an Orte geht, wohin sich niemand sonst traut.

Nach den „9/11“-Terroranschlägen in New York im Jahr 2001 öffnete Toms erste Reise in den Gazastreifen seine Augen neu für die ungeheure geistliche Not der Muslime. Nachdem er den Menschen dort begegnet war, spürte Tom eine persönliche Berufung, sie mit dem Evangelium zu erreichen. Dass ich an seiner Seite diesen lieben Menschen die Liebe Christi bringen durfte, hat mich zu einem anderen Menschen gemacht. In seinen Büchern lässt Tom das von seinem irischen Vater geerbte Erzähltalent weiterleben. Dieses Buch ist keine Ausnahme – es sei denn, Sie entdecken hier und da einen eher „femininen“ Gedanken oder einen besonders blumigen Ausdruck; der stammt dann wahrscheinlich von mir.

Zurück zu den Büchern

Im Jahre 2012 schrieb ich (Tom) das Buch Träume und Visionen: Wie Muslime heute Jesus erfahren. In diesem Buch nahmen wir Sie mit auf eine Reise durch den Nahen Osten, um Sie mit ehemaligen Muslimen bekannt zu machen, die in Träumen und Visionen Jesus erlebt hatten: Sie kamen nicht zur Ruhe, bis sie die Botschaft Jesu verstanden. Sie begannen, heimlich die Bibel zu lesen, oder suchten den Kontakt zu Christen, um das Evangelium von Tod und Auferstehung Jesu kennenzulernen. Die Bekehrungserlebnisse der 25 Menschen, die wir in dem Buch vorstellten, waren ein Weckruf für viele Leser im Westen. Bis dahin hatten sie keine Ahnung davon gehabt, dass es Muslime gab, die zum Glauben an Jesus Christus kamen.

Im nächsten Buch, Im Angesicht des Todes: Der Mut verfolgter Christen im Nahen Osten, stellten wir Ihnen frischbekehrte Christen vor, die bereit waren, für Jesus zu sterben. Viele von ihnen gingen tatsächlich in den Tod und warten jetzt im Himmel auf ihre Märtyrerkronen. Wir konfrontierten Sie in diesem Buch auch mit den beiden Fragen, die wir Muslimen im Nahen Osten stellen, um zu prüfen, ob sie reif dafür sind, Jesus als ihren Herrn anzunehmen:

• Bist du bereit, für Jesus zu leiden?

• Bist du bereit, für Jesus zu sterben?

Da Jesus selbst gesagt hat, dass Christen damit rechnen müssen, für ihn zu leiden, denken wir, dass jeder Christ sich diesen Fragen immer wieder stellen sollte – egal, wo er lebt. Wir kommen mit Menschen aus den USA, Südamerika, Europa, dem Nahen Osten und Asien zusammen, die sich diese Fragen jeden Tag stellen.

Das nächste Buch trug den Titel: Im Sturm der Verfolgung: Sie erleben Gottes Kraft – Christen im Nahen Osten. Darin stellten wir Ihnen Menschen vor, die in der Erwartung lebten, ebenfalls bald die Märtyrerkrone zu tragen. Aber wunderbarerweise starb kein Einziger von ihnen, und sie sind alle heute noch am Leben. Diese Männer und Frauen leben in einer modernen Version des Feuerofens aus dem biblischen Buch Daniel: Sie sind umgeben von muslimischen Terroristen, aber Gott hat sie unbesiegbar gemacht. Bis er sie in den Himmel ruft, werden sie weiterhin ohne Hemmungen anderen erzählen, wer Jesus ist, und sie zum Glauben führen, egal, wie groß die Gefahr ist.

Was uns zurück zu diesem Buch bringt. Aufbruch in die Freiheit: Frauen in der islamischen Welt begegnen Jesus möchte Ihnen einige neue Freunde vorstellen. Sie lernen ehemals muslimische Frauen kennen, die in einem gefährlichen Umfeld leben, aber über den Gefahren stehen, getrost in Christus und voller Zukunftshoffnung. Da sie aus praktizierenden muslimischen Familien kommen, mussten sie noch vor ihrer Bekehrung die Frage klären: Bin ich bereit, für Jesus zu sterben? Um sie zu schützen, haben wir ihre Namen und gewisse Details geändert, aber jede der Geschichten ist authentisch.

Für diese Frauen ist das ultimative Risiko der Tod. Doch selbst im Leben sind sie mit einem Alptraum konfrontiert, dem schlimmsten Alptraum einer Mutter: Werde ich meine Kinder verlieren? Aber sie haben alle ihr Kreuz auf sich genommen (nach Matthäus 16,24) und sind vorbildliche Nachfolgerinnen Christi. Jede von ihnen ist eine moderne Ester, die Gott genau in die Situation gestellt hat, wo sie sich befindet. Jede hat den gleichen Auftrag: andere zu Christus zu führen, angefangen bei ihren eigenen Familien.

Alle diese Glaubensheldinnen leben in muslimisch beherrschten Ländern, in denen ihre Rechte eingeschränkt sind, weil sie Frauen sind. Und ihre strikt muslimischen, oft sogar fundamentalistischen Verwandten beschneiden ihre Rechte noch mehr.

Doch Gott hat den Frauen eine Gabe gegeben, die keine Verwandtschaft, keine Regierung, keine Religion ihnen nehmen kann. Sie sind die geistlichen Torwächter ihrer Familien. Gleichgültig, welcher Religion sie folgt – und ob sie überhaupt eine hat –, der religiöse Einfluss der Frau auf ihre Familie ist eine natürliche Folge dessen, wozu Gott sie erschaffen hat. Er hat ihr dementsprechend eine ganz besondere Rolle beim Bau seines Reiches gegeben.

Wenn der Vater das Haupt der Familie ist, dann ist die Mutter ihr Herz. In einer religiösen muslimischen Familie gibt es fast immer eine starke muslimische Mutter. Bedenkt man, wie wenig Rechte der Islam den Frauen einräumt, sollte man eher das Gegenteil erwarten, aber dem ist nicht so.

Ein ehemaliger Imam erklärte uns: „Es war nicht meine Aufgabe, unseren Kindern den islamischen Glauben zu vermitteln. Ich las den Koran, betete fünf Mal am Tag und ging freitags in die Moschee. Für alles andere war meine Frau zuständig. Sie war es, die die Kinder religiös unterrichtete und sie zu guten Muslimen erzog. Das war ihr Job, nicht meiner.“

Bei der Schöpfung

Jesus ist gekommen, um die Frauen zu befreien und ihnen ihren biblischen Ehrenplatz zurückzugeben, aber der Teufel will das genaue Gegenteil. Er will die Frauen versklaven, unterdrücken, kontrollieren. Seit dem Garten Eden hat der Satan etwas gegen Frauen. Es war seine Begegnung mit Eva, die zu Gottes Verdammungsurteil gegen ihn führte; und durch eine zweite Frau – Maria –, die den Messias gebar, hat Gott das Schicksal des Satans in alle Ewigkeit besiegelt.

Schon im 3. Kapitel der Bibel startete der Teufel seinen großen Angriff auf die Frauen. Heute ist er, der große Zerstörer, immer noch am Werk. Eine seiner schärfsten Waffen im Kampf gegen die Frauen von heute ist die Religion des Islam und dort vor allem die Praxis der Scharia. Sexuelle Ausbeutung, Zwangsehen, Kinderbräute, sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, Inzest und Genitalverstümmelung sind nur einige der Verbrechen an Frauen, die in muslimischen Gesellschaften geschehen.

Die am meisten übersehene, marginalisierte und missbrauchte Person in der islamischen Religion lebt hinter einem Schleier. Die Geschichte des Islam ist voll von Misshandlung, Grausamkeit und Entrechtung der Frauen.

Nein, wir behaupten nicht, dass alle muslimischen Männer Frauen schlecht behandeln oder dass jede muslimische Frau solch ein Leben durchmachen muss. Aber wo die Scharia praktiziert wird, sind Frauen Menschen zweiter Klasse. Selbst nicht muslimische Frauen sind Freiwild, die von Zwangsbekehrung und der anschließenden Zwangsehe bedroht sind.

Und was ist mit muslimischen Frauen, die ihr Leben Jesus übergeben und den Islam verlassen? Bei ihnen ist ein plötzlicher Tod nie auszuschließen. Wer wäre in dieser Situation so unvorsichtig, Christus anzunehmen und dies anschließend auch noch anderen Menschen zu verraten? Aber genau das tun heute erstaunlich viele Frauen aus muslimischen Familien.

Auftrag des Himmels

Jesus hat einen Plan. Er will Seelen retten.

In der Johannesoffenbarung lesen wir, dass eines Tages alle Völker der Welt den großen Generalaufstand gegen Gott starten werden. Doch bis dahin befindet Jesus sich auf einer göttlichen Rettungsmission. Weil für ihn jede einzelne Seele wichtig ist.

Während seines irdischen Wirkens ging Jesus hinaus zu denen, die ignoriert und verachtet waren und mit denen niemand etwas zu tun haben wollte. Wo er ging und stand, schockierte er die Leute, weil er die religiöse Elite links liegen ließ und sich mit den „Niemanden“ abgab – von dem besessenen Mann über die Frau am Jakobsbrunnen und die zehn Aussätzigen bis zu den Zöllnern und Sündern.

Der Messias stieß nicht nur die Tische der Geldwechsler im Tempel um, er warf die ganze damalige Gesellschaftsordnung zum Fenster hinaus. Und nach unserer jahrelangen Arbeit in der muslimischen Welt sind wir davon überzeugt, dass Jesus heute das Gleiche mit der islamischen Religion macht. Jesus hat die muslimischen Frauen nicht vergessen. Dank seines göttlichen Eingreifens sind diese neuen Christinnen dabei, den Nahen Osten auf den Kopf zu stellen.

Wo muslimische Frauen Jesus finden und ihm ihr Leben anvertrauen, bekommen sie nicht nur eine neue Freiheit in ihm, sondern werden auch zu einer unaufhaltsamen Kraft in der muslimischen Welt. Weil Frauen die geistlichen Torwächter des Islam sind und weil so viele von ihnen ihren Posten verlassen, um Jesus nachzufolgen, steht die Haustür plötzlich weit offen. Ganze Familien entscheiden sich dadurch für Christus und kehren dem Islam für immer den Rücken.

Der Islam befindet sich in einer schweren Krise. Ganze Familien verlassen ihn und fangen an, Jesus nachzufolgen. Die Frauen trotzen den Gefahren und ihr Einfluss greift langsam, aber sicher auf ihre Kinder, die weitere Verwandtschaft und oft sogar auf ihre Ehemänner über.

Möchten Sie sich diese erstaunlichen Entwicklungen einmal aus der Nähe ansehen? Dann begeben Sie sich auf den folgenden Seiten mit uns auf eine Reise in den Nahen Osten. Sie werden staunen. Die Begegnungen mit diesen Christinnen, die an der Front des im Nahen Osten tobenden geistlichen Krieges leben, werden Ihrem eigenen Glauben Mut machen.

Wie einst die Frauen am leeren Grab Jesu entdecken heute muslimische Frauen, dass Jesus lebt; und sie behalten das nicht für sich. Manche arbeiten im Untergrund, heimlich, still und stetig. Andere haben sich bereits als Christen geoutet und halten der Verfolgung durch Verwandte und Freunde stand, für die sie Abtrünnige sind.

In der Geschichte des modernen Nahen Ostens ist ein neues Kapitel aufgeschlagen worden. Jesus ist dabei, Frauen frei zu machen, ihnen Wert und Würde zu geben – und es tut ihnen gut! Warum sollte es ihnen auch nicht guttun? Jesus ist gekommen, und seine Truppe aus ehemaligen Musliminnen erregt Aufsehen und verändert die Herzen der Menschen in der ganzen Region.

Kapitel 1

Erlöse uns von dem Bösen

Omar und Nasreen Kahn waren den durchdringenden Krach nächtlicher Explosionen längst gewöhnt. Sie lebten im jordanischen Mafraq, nur 15 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Aber der Lärm, der an diesem Abend die Stille in ihrem Viertel zerriss, kam aus ihrer eigenen Wohnung.

Das Brüllen und Kreischen, das ihnen die Haare zu Berge stehen ließ, kam aus dem Mund ihrer 27-jährigen Tochter Nori. Die Dschinn1 waren wieder da und ließen Nori toben. Kurz nach Sonnenuntergang hatte es angefangen.

„Ich hasse euch! Kratzt endlich ab!“, zischte Nori, ihr Gesicht verzerrt, die Augen groß und leer. „Ihr seid schlechte Menschen und furchtbare Eltern!“

Omar und Nasreen lagen sich zitternd in den Armen angesichts dieser fremden Macht, gegen die sie und ihre Tochter hilflos waren, wie sie nur zu gut wussten. Und wie schon so oft, wenn Nori einen ihrer Horror-Anfälle hatte, schrien sie zu Allah um Hilfe.

Die einzige Antwort auf ihre Gebete waren die Teller und Tassen, die Nori in ihre Richtung schleuderte. In das Klirren und Splittern des Geschirrs mischte sich eine Männerstimme, die aus Noris Kehle Obszönitäten brüllte. Die in Hörweite wohnenden Nachbarn schlossen resigniert die Fenster und versuchten, ihre Kinder von dem furchtbaren Lärm abzulenken, der da wieder einmal aus der Wohnung der Kahns schallte.

Ein überraschender Rat

„Schwester Kahn, bitte sofort auf Zimmer 217!“

Nori sprintete durch den ersten Stock des King-Talal-Militärhospitals, aber es war zu spät. Als sie das Zimmer erreichte, war ihr Lieblingspatient gerade gestorben. Die Arbeit auf der Krebsstation war stressig und ging ihr an die Nieren. Jedes Mal, wenn wieder einer ihrer Patienten starb, bekam Nori Schuldgefühle.

Das liegt bestimmt an den Dschinn! An was sonst? Mein Leben ist verflucht, und jeder, dem ich nahekomme, stirbt. Irgendwann werden die hier merken, wie gefährlich ich bin.

Eine Stunde nach dem Tod ihres Patienten saß sie im Pausenraum. Ihr Kopf war wieder klarer nach dem Anfall am Vorabend. Sie starrte ihr Mittagessen an. Mit der Pitabrot-Gabel schob sie die Oliven auf ihrem Teller herum, dann stieß sie das Brot in die Hummus-Creme.

He, was ist mit dir?, zischte die nur zu vertraute Stimme in ihrem Kopf. Dann ließ sie eine andere Stimme zusammenzucken.

„Nori, was ist mit Ihnen?“ Dr. Jalal Aziz’ Stimme war sanft, als er sich neben sie setzte. „Jetzt bin ich schon eine ganze Weile im Raum, und Ihr Gesichtsausdruck ist immer noch derselbe. Ich möchte Ihnen nicht zu nahetreten, aber Sie sehen aus wie versteinert. Ich weiß, dass Sie in den letzten Monaten miterleben mussten, wie einige Patienten gestorben sind. Aber dies ist die Krebsstation, Nori; so ist das hier nun mal.“

Nori vergewisserte sich kurz, dass sie die Einzigen in dem Raum waren. Dann holte sie tief Luft, rollte die Augen nach oben und sagte, langsam und stockend: „Aber – warum sterben so viele von meinen Patienten? Sagen Sie mir nicht, dass Sie das nicht auch gemerkt haben, Doktor. Mit mir stimmt etwas nicht. Ich bin ein böses Omen. Es fühlt sich an, als würde der Teufel in mir sitzen.“

Ihr Blick wanderte von der Decke, und sie schaute Dr. Aziz direkt in die Augen. „So, jetzt ist es raus. Wahrscheinlich werde ich jetzt gekündigt, weil Sie denken, ich wäre verrückt. Dabei habe ich Ihnen noch gar nicht alles gesagt, Dr. Aziz: Ich höre auch Stimmen. Wirklich. Und ich habe furchtbare Angst, weil ich absolut gar nichts dagegen machen kann.“

Der Arzt sah die Angst in ihren Augen, als er antwortete: „Ach Nori, hören Sie mir mal zu. Sie sind meine Lieblingsschwester auf diesem Stockwerk. Sie sind ein Sonnenschein. Aber manchmal, Nori, versinken Sie in einem schwarzen Loch, und dann sind Sie nicht mehr Sie selbst.“

Betrübt schüttelte er den Kopf. „Wie kann ich Ihnen nur helfen, Nori? Die meisten Krankenschwestern auf unserer Station schmeißen nach ein paar Jahren das Handtuch; sie schaffen das einfach nicht mehr.“

Dann legte er warnend einen Finger auf seine Lippen, beugte sich etwas näher zu ihr und flüsterte: „Ich möchte Ihnen noch was sagen, Nori: Sie sollten in eine Kirche gehen; dort kann man Ihnen vielleicht helfen.“

Nori zuckte zusammen, als habe er sie geschlagen, und schaute ihn aus ungläubigen Augen an.

„In eine Kirche? Dr. Aziz, wir sind doch Muslime! Was, um alles in der Welt, haben Sie oder ich in einer Kirche verloren? Das Christentum ist eine falsche Religion, die absolut nichts bringt! Vielleicht sind Sie derjenige, der … den Verstand verloren hat.“

Sie war schockiert von ihren eigenen Worten.

Mit einem knappen Lächeln reagierte Dr. Aziz auf die Beleidigung. „Ich wusste, dass Sie so antworten würden, Nori. Noch vor ein paar Jahren hätte ich dasselbe gesagt. Ich bin ein praktizierender Muslim, jawohl, aber ich kenne keinen Imam, der je einem Menschen geholfen hätte, der Stimmen hörte und von Dschinn angegriffen wurde. Oder kennen Sie einen? Die bösen Dschinn setzen sich in ihren Opfern fest und verändern deren Leben für immer.“

Nori presste ihre Augen fest zusammen, öffnete sie wieder und funkelte den Doktor voller Emotionen an. Was sie noch keiner Menschenseele anvertraut hatte, platzte jetzt heraus: „Ich war noch ein kleines Mädchen, als die Dschinn zum ersten Mal zu mir kamen. Es war in der Nacht. Mein Vater war gerade in meinem Zimmer gewesen. Dann passierte etwas Böses, aber ich weiß nicht mehr, was es war. Ich glaube, ich war damals vier Jahre alt. Ich sehe das Gesicht meines Vaters noch vor mir. Er grinste sarkastisch, als ob er sich über mich lustig machte. Dann ging er aus dem Zimmer, und ein paar Minuten später hatte ich meine erste Begegnung mit den Dschinn. Seitdem hab ich jeden Abend Angst vor dem Einschlafen.“

Dr. Aziz nickte. „Ich sollte das jetzt vielleicht nicht sagen, Nori; Ihr Vater ist ja ein Sheikh. Er lehrt den Islam und bildet Imame aus. Aber hat er Ihnen helfen können? Was Sie da sagen, klingt mir eher so, als ob er ein Teil des Problems ist, weil er die Dschinn in Ihr Leben gebracht hat.“

Nori schwieg. Was sollte sie auch sagen? Sie nahm das, was Dr. Aziz da sagte, nicht persönlich, es war ihr auch nicht peinlich. Es war nichts anderes als eine exakte Beschreibung ihrer Situation. Aber zum ersten Mal in ihrem Leben machte ihr das Hoffnung.

Durch die Ungläubigen zum Glauben

Nasreen sog das Aroma des schwarzen arabischen Kaffees ein und sah ihre Tochter über den Tassenrand hinweg an.

„Wohin gehst du denn so früh am Morgen?“

Nori, die an der Eingangstür stand, drehte sich kurz um. „Ich muss ein paar Besorgungen machen, bevor ich zur Arbeit gehe.“

Sie ging rasch hinaus und holte tief Luft. Nun ja, „Besorgungen“ … Sie hatte ihre Mutter gerade angelogen oder ihr zumindest einen Bären aufgebunden.

Ein zwanzigminütiger Fußmarsch brachte sie zu dem Eingangstor einer römisch-katholischen Kirche. War sie wirklich schon so verzweifelt, dass sie bei einer christlichen Kirche versuchte, Hilfe zu finden?

„Allah, bitte gib, dass das aufhört, jetzt!“, betete sie laut. Sie neigte ihren Kopf und starrte ein paar Sekunden auf den Boden. Nervös hob sie den Kopf und richtete ihren Blick fest auf das Tor.

„Ich weiß, dass die Christen Ungläubige sind. Mein Vater würde mich wahrscheinlich umbringen, wenn er wüsste, dass ich einen katholischen Priester um geistlichen Rat bitte.“ Ihre Stimme senkte sich zu einem Flüstern. „Rette mich vor den Dschinn! Sie zerstören mein Leben.“

Sie packte das zerschlissene Seil, das von der Türglocke herabhing, holte tief Luft und zog heftig daran. Dann schaute sie wieder zu Boden; hatte sie gerade den größten Fehler ihres Lebens gemacht?

Sie hörte ein schlurfendes Geräusch und schaute wieder hoch. Ein schwarz gekleideter älterer Mann kam auf das riesige Eingangstor zu gehumpelt. Eine Armeslänge entfernt blieb der Priester auf der anderen Seite des Torgitters stehen.

Nori murmelte: „Ich habe ein Problem und brauche Hilfe. Ich höre Stimmen, und nachts bin ich von ihnen besessen.“

Sie beobachtete die Augen des Priesters und glaubte, einen Funken Mitleid zu sehen. Aber dann schaute der Mann verstohlen nach links und rechts. Auf einmal war er der Verlegene. Er sprach leise, fast war es nur ein Flüstern.

„Wenn ich Sie hier reinlasse, können die Fanatiker wer weiß was anstellen. Sie verstehen das sicher. Sie sind selbst in Gefahr, einfach dadurch, dass Sie hier mit mir reden. Bestimmt hat uns schon jemand gesehen.“

Er holte tief Luft. „Ich bin sicher, dass Sie ein netter Mensch sind, aber dies hier ist nicht das beste Viertel. Es tut mir leid, ich muss jetzt gehen.“

Und ohne auf eine Antwort zu warten, drehte sich der Priester traurig um und ging zurück in seine Kirche.

Nori starrte ihm hinterher. Ihre Hände packten die Stäbe des Eisengitters, und einen Augenblick hielt sie sich an ihnen fest, als ob sie ihr das geben konnten, was der Priester ihr versagt hatte.

Einige Augenblicke stand sie so da, um dann zu zischeln: „Ich wusste es ja, dass die mir nicht helfen würden.“

Die Wut machte sie nur noch entschlossener, und sie ging weiter durch die Abdul-Malik-Straße in Richtung des Stadtviertels, in dem die Christen lebten. Zwei Stunden hatte sie noch Zeit, bis sie ihren Dienst im Krankenhaus antreten musste.

Als sie die Ecke zur Thani-Straße erreichte, sah sie etwas in der Morgensonne glitzern. Es war das vergoldete Kreuz der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Mafraq, die einen halben Häuserblock entfernt stand.

Fünf Minuten später hatte man Nori ein zweites Mal am Eingangstor einer Kirche abgewiesen. Ein anderer Priester. Aber auch er hatte Angst vor den Konsequenzen, wenn er mit einer muslimischen Frau sprechen würde. Er entschuldigte sich, dass er leider „viel zu tun und keine Zeit“ hatte. Auch er war traurig zurück in seine Kirche gegangen und hatte die Tür hinter sich geschlossen.

Was jetzt? Nori kochte innerlich. „Wie können diese Christen mich so behandeln?“, murmelte sie halblaut. „Und ich habe gedacht, Jesus wäre stark. Das hat doch dieser komische Pastor aus Ägypten letzte Woche im Fernsehen behauptet.“

Nori hatte sich eine Woche zuvor wahllos durch die Fernsehprogramme gezappt. Als sie zu SAT-7 kam, hörte sie die Worte: „Jesus kann jede Kette zerbrechen.“

Die Worte hatten sie aufhorchen lassen. Sie hatte der Predigt des Mannes kaum eine Minute lang gelauscht, aber das hatte gereicht, um die Hoffnung in ihr zu entzünden, dass Christen ihr vielleicht helfen konnten. Aber jetzt war sie ziemlich sicher, dass kein Christ ihr helfen konnte – oder helfen wollte.

Die glauben das doch selbst nicht, dass ihr Jesus jede Kette zerbrechen kann. Die scheinen ihre eigenen Ketten zu haben – Ketten der Angst, denke ich.

„Guten Morgen!“

Die Stimme riss Nori aus ihrem Selbstgespräch. Sie hob den Blick und sah ein gut gekleidetes Paar auf dem Bürgersteig stehen, nur zwei Schritte entfernt. Angesprochen hatte sie die Frau. Nori sah, wie sie kurz Blickkontakt aufnahm mit dem Mann, bevor sie weitersprach.

„Ist alles okay bei Ihnen? Sie sind im Kreis rumgelaufen und haben mit … ich schätze, mit sich selber gesprochen. Sie scheinen eine Muslima zu sein. Da dachten wir, Sie haben sich vielleicht hier im Christenviertel verlaufen.“

In dem Blick der beiden lag so viel Güte, dass Nori auf der Stelle beschloss herauszufinden, ob die beiden ihr helfen konnten. Wie es aussah, waren sie ein christliches Ehepaar.

„Ich habe ein großes Problem und glaube, ich brauche einen Rat von einem christlichen Pastor oder Priester oder wie immer man die nennt. Heute Morgen habe ich schon bei zwei Kirchen angeklopft und gefragt, ob mir jemand helfen kann, diese Stimmen loszuwerden, die ich höre und die mir keine Ruhe lassen. Beide Male ist ein Mann mit einem Priesterkragen rausgekommen, aber sie wollten mir beide nicht helfen. Sie hatten Angst, weil ich – ja, da haben Sie ganz recht – eine Muslima bin. Sie hatten Angst, dass die Fundamentalisten uns sehen würden und dass sie dann dafür büßen müssten.“

Nori schüttelte immer noch enttäuscht den Kopf. „Kennen Sie zufälligerweise einen anderen Pastor?“

Die Frau lächelte warm und nahm die überraschte Nori in den Arm.

„Ob ich einen Pastor kenne? Ich bin mit einem verheiratet! Dies ist mein Mann, Pastor Daniel Hashwa, und ich bin Sarah. Wie ist Ihr Name?“

„Ich bin Nori.“ Sie lachte und rollte die Augen. „Entschuldigen Sie, wenn ich wie eine Verrückte aussehe, die auf der Straße Selbstgespräche führt. Ich war gerade drauf und dran, es aufzugeben und nie mehr einen Christen anzusprechen. Ich war so wütend auf diese Priester.“

Daniel Hashwa beugte sich zu der jungen Frau in dem schwarzen Hidschab hinunter und fragte leise: „Nori, haben Sie Probleme mit Dämonen?“

Er sagte dies so nüchtern, dass es Nori weder ärgerte noch peinlich war.

„Ja, doch.“ Sie nickte ruhig und froh, endlich eine Gelegenheit zu haben, offen über ihr Problem zu reden. „Die Dschinn beherrschen mich. Wissen Sie vielleicht, wer mir helfen kann?“

Daniel lächelte, hob den Zeigefinger und deutete über seine Schulter. „Kommen Sie mit.“

Daniel und Sarah führten Nori zur Baptistenkirche von Mafraq. Sie traten in einen leeren Nebenraum, wo die beiden ohne ein weiteres Wort anfingen, zu Christus zu beten, dass seine Kraft den Raum erfüllen und Nori befreien möge.

Die beiden knieten nieder und beteten über ihren geöffneten Bibeln. Nori staunte über die Leidenschaft in ihren Worten. Die Gesichter dicht über dem Boden, zitierten sie Bibelverse, während Nori danebensaß und aus großen Augen zuschaute und zuhörte. Es dauerte mehr als eine halbe Stunde. Dann legten Daniel und Sarah Nori unvermittelt und sanft ihre Hände auf die Schultern und sahen sie an. In ihren Blicken spürte sie eine tiefe Liebe.

„Nori“, sagte Sarah. „Bist du bereit, frei zu werden?“

„Ja!“, rief Nori aus und stand auf. „Ich tue alles, was nötig ist.“

Sie begann, hin und her zu laufen. „Ja, ich bin bereit! Solche Gebete hab ich noch nie gehört. Wie machen Sie das? Können Sie mir das beibringen?“

Daniel stellte sich neben sie. „Nori, es fängt alles mit Jesus an.“

Dreieinhalb Stunden später waren die Dämonen fort. Nori war frei von ihrer Folter und von ihrem Gefängnis. Die Dschinn, die sie angegriffen hatten, seit sie ein Kind war, hatten keine Chance gegen die ungeheure Vollmacht und Kraft Christi. Als Nori die Kirche von Daniel und Sarah wieder verließ, war sie eine Nachfolgerin Jesu geworden.

Bevor Daniel und Sarah mit ihren Gebeten begannen, hatte Nori in der Klinik angerufen und sich für den Tag beurlauben lassen. Sollte sie jetzt doch noch zur Nachmittagsschicht gehen oder besser direkt nach Hause? Sie überlegte hin und her und beschloss dann, den Stier bei den Hörnern zu packen und direkt zu ihren Eltern zu gehen, um ihnen zu berichten, dass Jesus sie freigemacht hatte.

Katastrophe

Nori bog in die Straße ein, in der die Wohnung ihrer Eltern lag – und blieb abrupt stehen. Die zuckenden roten Lichter von Krankenwagen. Sie löste sich aus ihrer Erstarrung und rannte zum Haus. Auf dem Bürgersteig stand Noris Tante und sprach hektisch in ihr Handy.

„Tante Samira, was ist los?“

Die Tante unterbrach ihren Redefluss und sah ihre Nichte an. „Nori! Wir haben dich gesucht. Wo warst du die ganze Zeit?“ Sie presste ihre Augen zusammen, rieb sich mit der freien Hand über die Stirn und sah Nori wieder an. „Es – tut mir so leid.“ Ihre Stimme wurde weicher. „Dein Vater ist tot.“

Nori keuchte auf und rannte in die Wohnung. Ihre Mutter saß auf dem Boden des Wohnzimmers. Sie warf sich ihr in die Arme.

„Dein Vater ist früher vom Freitagsgebet zurückgekommen.“ Nasreen presste die Worte hervor. „Er sagte, dass er sich nicht gut fühlte, und da hab ich ihm gesagt, er soll sich hinlegen. Zwei Stunden später, als ich nach ihm sehen wollte, hat er … hat er nicht mehr reagiert. Nori, wenn ich gewusst hätte, dass es was Ernstes war, hätte ich sofort was gemacht. Stattdessen hab ich in der Küche das Geschirr gespült, während dein Vater im Schlafzimmer lag und … gestorben ist.“

Sie begann laut zu weinen. „Das ist alles meine Schuld! Ich hätte ihm das Leben retten können, aber ich hab nichts gemacht. Omar, lieber Omar – warum bist du gegangen?“

Nori presste ihre Mutter an sich, aber sagte nichts. Ihre Gedanken rasten. Sie hatte den schönsten Tag ihres Lebens erlebt, sie hatte Jesus kennengelernt – und jetzt das! Ja, Omar Kahn hatte Furchtbares in ihr Leben gebracht, aber er war doch ihr Vater. Und jetzt – war er nicht mehr.

Leben nach dem Tod

Verwandte und Freunde aus ganz Jordanien kamen, um Familie Kahn ihr Beileid auszudrücken. Sie vermieden es, über die Politik von König Abdullah zu reden. Auch theologische Streitfragen wurden nicht diskutiert. Es war ruhig. Nori genoss diesen Familienfrieden. Aber wie gerne hätte sie wenigstens ein paar von ihren Verwandten, die möglicherweise offen dafür waren, von ihrem neuen Glauben an Jesus erzählt, der sie erlöst und ihr ein neues Leben geschenkt hatte!

Sie wusste, dass ihre rund zwanzig Vettern und Kusinen genug hatten vom Islam, und sie konnte es kaum erwarten, ihnen die gute Nachricht zu erzählen. Aber irgendwie spürte sie, dass der Geist Gottes sie bremste. Nein, Nori, jetzt noch nicht … Die rechte Zeit, sie würde noch kommen.

Bei der Beerdigung von Noris Vater wurden Verse aus dem Koran vorgelesen. Man schloss Augen und Mund des Toten, wusch den Leichnam und wickelte ihn in ein schlichtes weißes Tuch. Muslimische Geistliche beteten um Vergebung für Omars Sünden. Amtsbrüder kamen, um dem bekannten Sheikh die letzte Ehre zu erweisen und mit der Familie zu trauern. Schließlich legte man Omars Leichnam nur mit einem Leichentuch umwickelt in die Erde. Das Gesicht nach Süden, Richtung Mekka.

Nori grübelte, versuchte zu verstehen, was in dieser Woche geschehen war. Die Dschinn waren weg. An dem Tag, an dem Daniel und Sarah sie durch ihre Gebete vertrieben hatten, war Noris Vater gestorben. Das konnte kein Zufall sein.

Obwohl Nori Jesus erst seit ein paar Tagen kannte, wusste sie, dass sie einen besseren Weg gefunden hatte. Sie saß in der trost- und hoffnungslosen Trauerfeier und fragte sich, warum ihr diese geradezu greifbare innere Leere bei den muslimischen Begräbnissen noch nie zuvor aufgefallen war. Es war deprimierend. Ihr Vater hatte sein Leben damit verbracht, Allah anzubeten und den Propheten Mohammed zu ehren; trotzdem wusste niemand, ob er genug geleistet hatte, um sich das Paradies zu verdienen.

Lauter Fragen und keine Antworten. Alle Blicke waren gesenkt, die Gesichter von Gram und Sorge gezeichnet. Nori spürte förmlich, wie die Frage in der Luft hing, womit Omar den Zorn Allahs so sehr herausgefordert hatte, dass er schon mit 49 Jahren sterben musste.

Sie hatte Lust, aufzuspringen und laut zu rufen: „Das muss doch nicht so sein! Der Islam ist nicht der Weg, der Weg heißt Jesus!“

Aber sie schwieg.