Aufbruch zur Dimension der Tiefe - Franz Weber - E-Book

Aufbruch zur Dimension der Tiefe E-Book

Franz Weber

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Beschreibung

In den zwischenmenschlichen Beziehungen, aber auch in den eigenen Seelentiefen tun sich in heutiger Zeit vielfältige Abgründe auf, die das kulturelle und gesellschaftliche Leben mitunter sehr stark beeinflussen und belasten können. Was spricht sich darin aus, was ist der tieferliegende Sinn und zu was sind wir dadurch aufgerufen, das Bestmögliche für uns und die Welt daraus hervorgehen zu lassen? Somit werden hier Beziehungs- und soziale Fragen, sowie politische, kulturelle und gesellschaftliche Aspekte, wie auch religiöse und spirituelle Anforderungen angesprochen, die uns die menschheitliche Entwicklung stellt. Dazu sind in der vorliegenden Schrift hilfreiche Gedanken, Impulse und Antworten mitgegeben.

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Seitenzahl: 236

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Herausgeber: Perceval-Institut für Kosmologie und christliche Hermetik

Die Vervielfältigung dieses Werkes – auch auszugsweise – ist nur mit der schriftlichen Genehmigung des Herausgebers gestattet. Alle Rechte sind dem Verfasser vorbehalten.

Franz Weber im Frühjahr 2019

Den Genien des Friedens im Menschen und im Erdenreich

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Konfliktreiche Beziehungen

Die Ehe

Beziehungsarbeit

Am Abgrund der Sucht

Das dritte Jahrtausend – globale Aspekte

Harmonische Beziehungen

Kunst und Kultur

Deutschland – ach – Deine Kultur

Was ist die Wirklichkeit?

Die Zukunft der sozialen und gesellschaftlichen Werte

Dienen dem Glück

Weltversöhnung

Neue Impulse für das Land

Schlusswort oder: „Wie werde ich ein guter Mensch?“

Literaturverzeichnis

Teil 1

Hilfen für das Leben in der sozialen Welt

Vorwort

Die folgenden Kapitel sind Auszüge aus der zuerst erschienen Schrift: Aufbruch zur Dimension der Tiefe – eine praktische Lebenshilfe.

Deren Inhalte sind jedoch relativ breit gestreut; sie umfassen einen spirituellen, also einen seelisch-geistigen Schulungsweg, sowie Ansätze für eine Integration des inneren, des ethisch und moralisch sich selbst bestimmenden Menschen innerhalb der Gesellschaft. Ich denke, dass der innere, der spirituelle Weg grundsätzlich mit dem äüßeren Leben in der sozialen Welt immer auch verbunden ist, da es eine stetige Wechselwirkung zwischen beiden Wegen gibt. Doch mancher Zeitgenosse wird sich gegenüber den inneren, den spirituellen Welten und deren Gesetzen nicht so leicht öffnen können.

Die Gedanken, die für eine Impulsierung und Erneuerung des gesellschaftlichen und des zwischenmenschlichen Lebens in der obengenannten Schrift enthalten sind, sind meines Erachtens sehr wichtig für ein gesundes Weiterschreiten in den menschlichen Zusammenhängen, so dass hier der Versuch unternommen ist, diese darin enthaltenen gesellschaftlichen und sozialen Themen hier ohne die entsprechenden Kapitel für einen christlich-esoterischen Schulungsweg darzulegen.

Sicherlich wird dadurch das ursprüngliche Werk geteilt, da beide Bereiche schließlich zusammengehören. Doch viele Menschen sind heutzutage mehr im Äußeren „verankert“, so dass sie da auch abgeholt werden dürfen.

Eine Änderung der Außenwelt bedingt schließlich auch eine Wandlung des inneren, des seelisch-geistigen Menschen und umgekehrt natürlich auch. Für eine tiefergehende Betrachtung des inneren Weges steht dann die oben genannte Schrift und weitere Werke des Verfassers zur Verfügung. Jedoch, als ein Einstieg, hin zu einem tieferen Verständnis in die komplexe und vielfältige Zeitlage kann das hier vorliegende Werk auf jeden Fall dienlich sein.

Für eine tiefer- und weitergehende Beschäftigung mit zentralen Themen des Menschseins und des Menschwerdens steht das Gesamtwerk des Verfassers oder dann auch der zweite Teil zu dem hier vorliegenden Werk bereit, mit dem Titel: Aufbruch zur Dimension der Tiefe – eine Hilfe für den Weg zum inneren Leben.

Hier nun werden Gedanken dargelegt, die zunächst Anregungen geben wollen, um sich ein tieferes Verständnis unserer Zeitlage aneignen zu können. Ich hoffe, das ist mir ein Stück weit gelungen.

Als eigenen Titel hierfür hätte ich auch wählen können: Aufbruch zur Dimension der Nähe oder auch der Weite, weil es im sozialen Leben immer auf die Pole Nähe und Distanz beziehungsweise auf die Gesten der Empathie, des sich Hingebens und denen der Selbstbehauptung ankommt, die in einem gesundenden und harmonisierenden Ausgleichen immer wieder neu miteinander korrespondieren und sich dabei abwechseln sollen, damit Innen und Außen in einem gesunden Maß zusammenwirken können.

Diese Schrift wurde zuerst im Jahre 2008 verfasst. Vieles hat sich bis heute bewahrheitet, so dass ich das Werk nun im Jahre 2019 der Öffentlichkeit in leichter Überarbeitung in Buchform präsentieren kann.

Konfliktreiche Beziehungen

Viele Menschen wünschen für sich den optimalen Partner, den Märchenprinzen, mit dem alles harmonisch verläuft und der zu einem passt. Solche Beziehungen mag es auch geben, doch sie sind eher die Ausnahme.

Sicherlich ist zu Beginn einer Liebe das Schöne und Harmonische überwiegend. Mit der Zeit treten jedoch verstärkt die jeweiligen Einseitigkeiten und Charakterzüge auf, die das harmonische Gefüge recht leicht zu Fall bringen können. So denke ich, wird es gut sein, in einer Partnerschaft mit diesen Zerwürfnissen und Disharmonien zu rechnen, denn das Leben besteht eben nicht nur aus eitel Sonnenschein. Regentage und reinigende Gewitter gehören einfach mit dazu. Davon sollte man sich aber nicht unterkriegen lassen, denn diese Tage gehen vorbei und wir lernen meistens mehr über uns in Konflikten, als wenn alles nur schön und harmonisch verläuft. Beides ist wichtig.

So ist es in Partnerschaften und Familien ganz normal, wenn man längere Zeit zusammen ist, dass man sich an den Ecken und Kanten des Anderen stört. Ja, irgendwann kann die Beziehung dadurch ziemlich unerträglich werden, wenn man es nicht schafft, tolerant und gütig zu sein und den Anderen ertragen zu lernen, so wie er eben ist. Ansonsten sieht man fortan meist nur noch das Negative in ihm und man nörgelt und kritisiert bis hin zum ständigen Streiten.

Da ist es dann gut, eine Auszeit zu nehmen. Eine Beziehung lebt von der Nähe und von der Distanz. Zu viel Nähe schadet auf Dauer, denn man verliert sich sehr schnell darin, vernachlässigt eigene Aufgaben und droht mit der Zeit darin zu „ersticken“.

Wie fühlt sich denn die Distanz an? Erst wird man froh sein, wieder zu sich kommen zu können, wenn man es geschafft hat, sich rechtzeitig abzunabeln. Alleinsein können, man braucht dafür auch wieder Zeit, denn man merkt recht schnell, dass man dieses gar nicht mehr so leicht ausfüllen kann und so dauert es meistens einige Tage, bis man seinen eigenen Rhythmus wiederfindet. Dann können alte Bekannte aufgesucht oder es kann eigenen Interessen nachgegangen werden. Jeder für sich.

Neue Bekanntschaften und alte Beziehungen sind zu pflegen, Freundschaften gilt es aufzubauen oder zu erhalten, die in der Zweierbeziehung oftmals vernachlässigt werden. So kann sich die Familie oder die Zweierbeziehung in ihrem sozialen Umfeld mit der Zeit erweitern und vergrößern. Alle profitieren davon.

Bei länger andauernder Distanz oder gar einer Trennung ist der Partner nach einer gewissen Zeit auch wieder ins Gedächtnis zu rufen. Was hat sich verändert in der Abwesenheit? Kommt Sehnsucht auf und werden die Gefühle und Sichtweisen wieder besser und positiver? Oder bleibt vielleicht ein Desinteresse und die negativen Seiten im Vordergrund? Braucht man noch mehr Zeit für sich oder sieht man wieder das Gute und damit auch das Ganze im Anderen und nicht nur das Negative?

Dieses Gute, den guten Menschen in ihm sehen zu lernen, das ist die wichtigste Aufgabe in einer Partnerschaft, wie auch in der Familie und überhaupt in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen, denn dadurch bestärkt man diese Seite. Sieht man dagegen nur noch das Schlechte, Unreife und Unvollkommene, das natürlich jeder in sich trägt, wird dieses gerade noch mehr heraufbeschworen.

Zeiten der Trennung sind daher auch Zeiten der Läuterung, in denen wir uns von unseren negativen Sichtweisen häuten können, um wieder klar und rein das Liebewesen im Anderen schauen zu dürfen. Dann können wir, mit frischen Kräften und Impulsen erneuert und gestärkt, wieder auf uns zugehen und diese Liebe miteinander und im Weiteren auch mit der Umgebung, mit den Kindern und Bekannten teilen. Die nächsten Schwierigkeiten kommen sicher und bestimmt, denn der Alltag ist manchmal grau und schwer. Doch wir wissen dann, dass die Probleme und alltäglichen Aufgabenstellungen in einer Partnerschaft das Licht und die Liebe, die in uns sind, nur zeitweise überdecken können. Und mit den Jahren werden wir durch den Rhythmus von Nähe und Distanz, im gegenseitigen Schwingen von Zusammensein und bei sich selbst sein, bemerken, wie die Liebe gerade in diesem Rhythmus von Austausch und Reflexion, von Hingabe und Freiheit wachsen und gedeihen kann. Im Zwischenraum von Nähe und Distanz kann sich die Liebe bilden und finden, auch wiederfinden. Wir müssen sie nur zulassen und versuchen, sie bewusst und kreativ in die Partnerschaft einbringen zu wollen.

Nur harmonische Partnerschaften sich zu wünschen, ist ein Wunsch des Egos, des niederen Teils in uns, denn Konflikte bieten wesentlich mehr Lernstoff für persönliche Entwicklungen. Nur gilt es auch hier, das Maß zu finden zwischen den Reibungen und Unterschiedlichkeiten und der gemeinsamen Freude, dem gegenseitigen Vertrauen und der wärmenden Liebe.

Sicherlich sind wir durch die Erziehung, die Mitwelt und die Gene auch seelisch und charakterlich in der Persönlichkeit vorgeprägt. Das kann sich in Partnerschaften ergänzen, zusammenklingen oder auch sehr verschieden, sich gegenseitig störend und hemmend sein. Männer und Frauen sind nun einmal, allein schon durch die Geschlechtsunterschiedlichkeiten, so polar und verschieden, dass es zwangsläufig zu Differenzen und Spannungen kommen muss. Zusätzlich bestehen immer auch karmische Belastungen, die irgendwann einmal gelöst werden wollen. Wer weiß schon, was wir in früheren Leben uns alles angetan haben und was nun darauf wartet, ausgeglichen und wieder gutgemacht zu werden.

Doch man hüte sich, zu sehr in alten Wunden herumzustochern und zu bohren. Denn hierbei bedarf es sehr viel an Takt und an einer objektiven Betrachtungsweise. Sicherlich steigen manchmal alte Gefühle und Verletzungen in uns auf, zum Beispiel in Träumen oder in schicksalhaften Begebenheiten, die etwas Altes berühren. Man soll sich aber nicht von unerklärlichen, meist affektiven Gefühlsausbrüchen, wie zum Beispiel einer plötzlichen Wut, Trauer, Angst, Eifersucht oder einem Neid überrumpeln lassen. Wir sollen und können uns im Ich dagegen behaupten, denn das Ich steht über allem Seelischen. Vom Ich aus gilt es, sich nicht zu sehr in emotionale und launische Ausdünstungen des Unterbewussten reinziehen zu lassen. Abstand bewahren, das ist meistens das Gebot solcher Stunden, die ganz plötzlich und unerwartet auftauchen können und manchmal wie ein Gewitter zwischen den Partnern einschlagen.

Können wir uns da behaupten und lassen uns auch nicht fortreissen von solchen bedrängenden Emotionen, so können wir sie allmählich besser betrachten und einordnen lernen. Sicher, manchmal muss auch Dampf abgelassen werden, das sollte aber nicht unbedingt den Partner treffen. Sport oder ein langer Spaziergang in der Natur kann hier eine gute Alternative sein zum nur „Rausbrüllen“. Hier braucht es daher ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin.

Manchmal zeigen sich alte Muster auch nur in Träumen und in seelischen Mißstimmungen. Da will sich die Seele reinigen und diese Energien loswerden. Ein zu starkes Beschäftigen damit würde dies vereiteln, da ein Psychologisieren und Analysieren das Problem nicht beseitigt, sondern manchmal nur noch verstärkt, denn man richtet seine Aufmerksamkeit und Energie darauf, wo die Seele sich vielleicht gerade davon befreien will. Wir sollen eben nicht am Alten hängen bleiben. Wir dürfen es anschauen, daraus lernen und es dann auch loslassen.

Selbstbestimmt unser Leben ergreifen, die Zukunft aus Einsicht und Liebe heraus gestalten, das ist die Aufgabe, die uns der seelisch-geistige Fortschritt innerhalb der Menschheitsentwicklung vorgeben will. Diese Aufgabe anzunehmen, ist aber in unsere Freiheit gestellt.

So sind wir natürlich auch frei, sich für die Partnerschaft oder für eine dauerhafte Trennung zu entscheiden. Wir gestalten unsere Zukunft eigenständig, in innerer Übereinstimmung mit der eigenen inneren Wahrheit, mit dem, was wir als wahr erkannt haben und hoffen, dass diese eigene Einsicht mit dem Geist der Wahrheit korrespondiert beziehungsweise in Resonanz damit ist, denn die Wahrheit macht bekanntlich frei.

Meine Wahrheit für mich finde ich nur in mir selbst. Natürlich ist die eigene Wahrheit oftmals noch subjektiv gefärbt, so dass man zwangsläufig auch Fehlentscheidungen trifft und in mancherlei Sackgassen des Lebens gerät, um daraus lernen und neue Wege suchen zu wollen. Entscheidend dabei ist nicht das fehlerfreie Agieren, sondern das innere Streben nach der Wahrheit. Denn dann kann diese uns helfend beistehen und uns innerlich begleiten, so dass immer eine rechtzeitige Korrektur unserer Handlungen erfolgen kann.

Und niemals ist ein Konflikt oder ein falsches Verhalten so mächtig, dass wir nicht etwas daraus lernen und damit sogar etwas gewinnen können. Die Selbsterkenntnis, auch unserer „Ecken“ und Charakterschwächen, ist eine Bedingung für einen seelisch-geistigen Schulungsweg, den jeder Mensch zu beschreiten hat, wenn er nicht auf einer bestimmten seelischen Stufe stehen bleiben will. Die Menschheitsentwicklung, also die evolutionäre und seelisch-geistige Entwicklung der Menschen als eine kosmische Aufgabe, erfordert schließlich auch den sozialen Menschen, nicht nur den Techniker und „Überlebenskünstler“ oder den sogenannten Selbstverwirklicher, der nur seine eigenen Bedürfnisse und Interessen ausleben will. Den sozialen Menschen kann man am Besten in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbilden und erringen.

Selbstbestimmung heißt aber nicht nur, dass man sich alles am Schönsten und Nützlichsten ausmalt und darauf eisern hinarbeitet, damit es auch so klappen muss, wie man sich das so vorstellt. Zukunft kommt uns immer auch entgegen und man weiß nie ganz, was uns da noch alles erwartet. Doch das, was uns entgegenkommt, an Schönem, Freudigen oder auch an Belastungen und Aufgaben, es will ichhaft gestaltet werden.

Das Karma, das Schicksal erscheint oft als ein Ereignis, das uns aufruft, damit umgehen zu lernen. Doch es gibt auch Zeiten, in denen nichts Äußeres und Zwingendes mehr stört oder uns zu einer Tätigkeit und Anschauung ruft. Dann muss man halt auch einmal warten können. Doch können wir auch solche Zeiten sinnvoll nutzen, wenn man sich innerlich stärkt, durch Muse, durch Bildung, durch gesunde, kreative und nützliche Tätigkeiten, die uns sehr gut auf Zeiten vorbereiten können, in denen die Welt beziehungsweise das Schicksal wieder mehr von uns fordert und uns neue Aufgaben stellen will.

Eine Zweisamkeit kann manchmal auch eine Zurückgezogenheit und einen gewissen Stillstand mit sich bringen. Das ist auch nicht immer nur einfach. Eine Zweisamkeit oder Einsamkeit will daher auch gestaltet sein. Vielleicht entdecken wir darin ganz neue Fähigkeiten oder Kommunikationsformen mit Bereichen, die uns im irdischen, im alltäglichen Leben meist verschlossen sind. Die Stille und das Alleinsein hat Möglichkeiten und Kräfte inne, die wir bei Weitem noch nicht genügend kennen und ausschöpfen gelernt haben.

So soll unser Karma, das Schicksal dahin bewegen, dass wir lernen, es umzuschaffen zu etwas Besserem, zu etwas, das uns freier, zufriedener, wahrhaftiger und liebender werden lässt. Dies ist möglich in jeder Zeit und auf jeder Stufe des Lebens. Mit Geduld, Ausdauer und einem Mut für Neues können wir jedes Problem und jede Schwierigkeit, die das Leben uns stellt, lösen, denn das Vertrauen zu sich selbst und zur geistigen Welt wird uns immer Wege weisen, wo wir das Seiende in einem positiven und gesundenden Sinne betrachten lernen. Daraus erwachsen Kräfte für die nächsten Schritte und damit für den Weg zu einem gemeinsamen und liebevollen Tun.

Die Ehe

Die meisten Ehen werden heute nur noch aus Tradition und aus gesellschaftlicher Konvention geschlossen. Hochzeitsmessen finden statt, um den „schönsten“ Tag des Lebens gebührend feiern zu können. Ein Hauch von Romantik und schönem Schein lässt etwas erahnen von der hohen Zeit, die mit der Hochzeit beginnen sollte.

Der Alltag jedoch lehrt etwas anderes. Hier erst hat die Ehe sich zu bewähren. Ein teures Brautkleid und üppige Feiern nützen da den Eheleuten nicht mehr viel, nur den Geschäftemachern, die an Hochzeiten verdienen.

Was ist der tiefere Sinn einer Hochzeit? Das mannigfache Scheitern vieler Ehen zeigt ganz deutlich, dass mit dem herkömmlichen Verstehen, auch mit dem guten Willen alleine, den Angriffen innerhalb der Ehe, also im Zwischenmenschlichen, nicht genügend geholfen werden kann.

Eine standesamtliche Ehe und damit eine Gemeinschaftsbildung vor dem Gesetz, hat oftmals nicht die Kraft, diese durch seelische Abgründe, die sich in der heutigen Zeit vermehrt auftun, hindurchzuführen, damit die eheliche Partnerschaft lebendig bleiben kann und nicht in Konventionen, Streitereien und Sachzwängen erstarren muss.

Die Ehe ist ein Sakrament, hier hat sie ihren geistigen Grund, der sie immer wieder neu impulsieren und beleben kann. Das christliche Sakrament der Ehe findet ihren geistigen Ursprung im biblischen Geschehen bei der Hochzeit zu Kana, wo das Wasser in Wein verwandelt wurde. Dies geschah durch das Zusammenwirken des Christus Jesus mit der göttlichen Mutter. „Frau, was ist zwischen uns“ oder „was webt zwischen uns“, bei Luther „was habe ich mit dir zu schaffen“.

Diese Anrede des Christus weist hin auf das Weben zwischen den Geschlechtern und ist also der eigentliche Grund für die Ehe. Die Substanz, auf der die Ehe aufbaut, zeigt sich im Verhältnis von Mann und Frau und dann auch vom Wasser und dem Wein. Damit kann gearbeitet werden. Denn die Ehe ist nicht einmal geschlossen und dann fertig. Bei der Hochzeit wird nur der Grund gelegt, das Ziel der Ehe ist damit noch lange nicht erreicht.

Das Wasser steht für das Leben. Lebenskräfte ziehen die Partner an. Die Anziehung der Geschlechter beruht darauf, dass sich polarisierte Lebenskräfte bei Frau und Mann austauschen und damit ausgleichen wollen, so wie dies symbolisch gesehen sehr gut mit den Yin- und Yang-Kräften in der chinesischen Kultur beschrieben ist. Die erotische Anziehung will letztlich ein Verschmelzen auf der ätherischen Ebene bewirken, damit die energetische Dualität überwunden und ausgeglichen werden kann.

Das Leben auf der seelischen Ebene zeigt zunächst eine Polarität in den Sympathie- und Antipathiekräften. Ein Austausch und Annehmen dieser Kräfte im Seelischen bedeutet und verlangt zudem eine Annahme und ein Verstehen der Anima- und Animuskräfte. Diese wollen erkannt und allmählich auch veredelt werden.

Das Leben auf der geistigen Ebene zeigt sich schließlich auf der Zeitenschiene; von der Vergangenheit in die Zukunft tragen und fordern die Schicksalskräfte, die natürlich nicht nur in Ehen, sondern auch in sonstigen Freundschaften oder in beruflichen Partnerschaften ausgelebt werden können, so wie die seelische und leibliche Ebene natürlich auch.

Für den Austausch der Lebenskräfte, für das „Wasser“ braucht es somit noch keine Ehe, das geht auch in losen Formen des Zusammenseins.

Bei der Hochzeit zu Kana ist den Eheleuten der Wein ausgegangen. Der Wein steht für die Liebe. Er wird im Gegensatz zum Wasser durch die menschliche Arbeit gewonnen; Trauben müssen angepflanzt, geerntet und gekeltert werden.

Ja, in der Ehe kann es durchaus passieren, dass der Wein, dass die Lebensfreude und die Liebe ausgehen. Christus wurde von der Mutter darauf hingewiesen und so wollte er helfen. Die Mutter sprach zu Christus: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Christus antwortet ihr: „Weib, achte auf die Kraft, die da webt zwischen mir und dir. Noch ist meine Stunde nicht gekommen“. Die Mutter spricht zur Hochzeitsgesellschaft: „Tut, was er euch sagen wird“ (Johannes Evangelium Kap.2 in der Übersetzung von Emil Bock).

Es wurden darauf sechs Krüge mit Wasser gefüllt. Sechs ist die Zahl der Venus. Venus ist die Göttin der irdischen Liebe, der Harmonie und des Ausgleichs. Dahinein das Wasser, das Leben und dieses wird durch Christi Kraft, Leben und Segen durchdrungen und in Wein verwandelt – in warme, lebensvolle Liebe, die allen Hochzeitsgästen mundet.

Wasser in Wein verwandeln bedeutet folglich, dass noch etwas Höheres einziehen kann in die Lebensbegegnung zweier Menschen. Das Sakrament der Ehe baut auf die Liebe, die alles annehmen kann, auch was das Leben an Schwerem und Kantigen an sich hat. Der Ring der Liebe rundet die Ecken.

Eine Ehe beinhaltet somit verschiedene Ebenen, wo und wie sie gelebt sein will. Vordergründig ist sie natürlich eine Tisch- und Bettgemeinschaft. Dafür braucht es heutzutage aber keinen Trauschein mehr. Die bürgerliche, standesamtliche Ehe bekräftigt nur den Willen, einen gemeinsamen, gesellschaftlichen Weg mit den zugehörigen juristischen Rechten und Pflichten gehen zu wollen. Das Sakrament der Ehe, die Heirat vor der geistigen Welt, will noch einen Schritt weitergehen.

Auf der irdisch-leiblichen Ebene der Ehe gilt zunächst ein Füreinander. Eine Solidarität ist verlangt, was die wirtschaftlichen Belange, aber auch die körperlichen und die sinnlichen Bedürfnisse der Ehepartner betrifft. Ätherisch, also im Lebensgefüge ist ein Ineinander, ein Austausch und ein Verschmelzen angesagt. Seelisch geht es dagegen eher um ein Miteinander, um ein gleichberechtigtes Ringen und sich Entwickeln. Anima- und Animuskräfte wollen gleichwertig anerkannt und geachtet sein, denn erst im Miteinander erreichen sie die Fülle einer Ganzheit. Geistig dürfen die Eheleute nebeneinander vorwärts schreiten. Hier muss Freiheit walten, jeder soll sich eigenständig entwickeln dürfen, um seine individuellen Fähigkeiten ausbilden und anwenden zu können. Dies sind die Grundlagen für die vier Ebenen in einer partnerschaftlichen Ehe. Damit kann der Lebensalltag gestaltet, können die Schicksalskräfte, die Wasser des Lebens durchdrungen werden.

Die Ehe bedeutet praktisch gesehen ein unbedingtes Ja zum gemeinsamen Schicksal und damit zum Partner, zum „Du“. Die Aufarbeitung und Umwandlung des gemeinsamen Schicksals, das mitunter karmisch stark belastet sein kann, ist oftmals eine schwierige Aufgabe, die ichhaft ergriffen werden will. Dafür muss man reif sein und auf vieles verzichten können, das dieser Aufgabe im Wege steht, wie zum Beispiel das nur sich selbst Ausleben und Amüsieren wollen oder nur eigenen Interessen nachgehen oder nur Nehmen zu wollen.

Das gemeinsame Schicksal will willentlich, also ichhaft gegründet sein. Die Ehe ist ein Willensschritt, den beide ganz bewusst gestalten sollen. Dabei dürfen die höheren Mächte und Wesen einbezogen sein. Dadurch bilden sich nämlich mit der Zeit die Engel der Ehen und Familien, das heißt, Engelwesen verbinden sich mit den Eheleuten, wenn diese sich dem Spirituellen hinwenden lernen. Diese Wesen wirken als die guten Geister und Wächter über den zwischenmenschlichen Gemeinschaften, denn sie stehen über unseren irdischen und schicksalhaften Sorgen und Verpflichtungen und sind über unsere alltäglichen Mühen und Kleinlichkeiten erhaben. Von ihnen dürfen wir uns, vor allem in Krisenzeiten, führen und beraten lassen. Diese geistigen Engel-Wesen dürfen immer gerne bewusstseinsmäßig angesprochen und dann auch eingeladen werden.

Die Entwicklung und Bewusstwerdung der sieben Sakramente von der Taufe an beginnend, zur Kommunion und Firmung beziehungsweise zur Konfirmation und zur sogenannten Beichte und zum Abendmahl, dann zur Ehe, zur Priesterweihe und schließlich zur letzten Ölung oder Initiation, diese Reihenfolge kann aufzeigen, dass die Ehe eine wichtige Stelle, nämlich die fünfte Ebene, eben noch vor der Priesterweihe innehat. In analoger Weise entsprechen die Sakramente in diesen Stufen der Entwicklung der Chakren in einem christlichen Sinne, so wie ich dies in früheren Schriften genauer ausgeführt habe und in einem späteren Kapitel noch einmal aufgreifen werde.

Die Ehe kann folglich mehr als eine Tisch- und Bettgemeinschaft sein. Sie beinhaltet vor allem auch einen seelisch-geistigen Entwicklungs- und Schulungsweg für die Partner.

Was webt zwischen Mann und Frau, leiblich, seelisch und geistig?

Leiblich natürlich die Geschlechteranziehung und der Eros, an dem zeitlebens gearbeitet werden kann, damit das Eheleben lebendig, anziehend und kreativ bleibt.

Seelisch stellt sich die Aufgabe eines Schicksalsausgleiches dieser Schicksalsgemeinschaft und der Aussöhnung der männlich-weiblichen Seelenanteile, also von Anima und Animus, um allmählich eine Ganzheit in der eigenen Seele finden zu können. Der Partner spiegelt oder provoziert die eigenen Seelenanteile, er reizt sie solange, bis sie aufbrechen und zwar immer wieder, damit sie bewusst werden und dann angenommen, gewandelt und letztlich integriert werden können. Die Ehe will also ein Weg sein zur Ganzheit des menschlichen Wesens.

Das Geistige bei Mann und Frau ist ebenfalls polar ausgerichtet. Beim Mann strebt es mehr nach Außen, in die Welt, in die Ratio und in das tätige Schaffen; bei der Frau nach Innen, zum inneren Leben, zum Rhythmus des Leibes und des seelischen Erlebens, hin zu einer inneren Weisheit. Da können Männer und Frauen sich anregen und ergänzen. Der Mann soll Weibliches in sich aufnehmen, die Frau Männliches. Die Geschlechtertrennung darf auf diesem Wege einmal überwunden werden, das ist Weltenwille.

In der Ehe soll eine Vermählung des Geistes mit der Seele und der Seele mit dem Geist geschehen und zwar im Leib, im irdischen Leben; bis dereinst ein Leib alles enthält. Der Geist steht für das männliche, die Seele für das weibliche Prinzip. Eine sakrale Verbindung schließt folglich den Tisch, das Bett beziehungsweise den Leib mit ein. Eine Vermählung von Himmel und Erde, von Geist und Seele im Leib will sich im tiefsten Grund ereignen. Das bedeutet die hohe Zeit, die Hochzeit, wenn die Seele den Geist findet und der Geist in der Seele Wohnung nimmt, sich mit ihr vereint, im Leib, im irdischen Leben. „Wo zwei in meinem Namen versammelt sind, da will ich mitten unter ihnen sein“.

Hieraus ergeben sich die Ideale für ein gemeinsames spirituelles Wachsen, jeder auf seine Weise, aber doch in dem gemeinsamen Dritten verbunden, das sie auch in schwierigen Zeiten zusammenhält.

Das Christuswesen ist das Zentrum einer sakramentalen Ehe. Ohne dieses Ideal, ohne diesen geistigen Kraftquell einer Ehe haben es Eheleute heute sehr schwer über die alltäglichen Belange, Mühen und Streitereien hinauszukommen.

Die Ehe beinhaltet somit selbst ein Ideal, nämlich immer mehr dem Christus nahe zu sein und sich im tiefsten Sinne mit ihm zu vermählen, auf dass daraus eine größere Gemeinschaft erwachsen kann, die jeden Menschen als Bruder und Schwester sehen lernt. Aus solchen Ehen, die wie Lichtkeime in der Welt wirken, können folglich auch ganz neue Aufgaben und Möglichkeiten für die Welt und in der Welt entstehen.

Die Ehe in ihrem ganzheitlichen Sinne bietet nicht nur ein wohliges Zuhause für die Partner und Kinder, sie bietet auch einen Weg und den Grund für eine große spirituelle Gemeinschaft von Mensch zu Mensch, von Frau zu Mann und von zwei Menschen zur oder mit der göttlichgeistigen Welt.

Hier erst hat sie ihren tiefen Sinn, ihre Aufgabe und ihr Ziel. Hier ist sie Kraftquell und das Licht, das alle und alles erleuchtet. Wie zarte Keime mögen solche Ehen an vielen Orten erstehen, damit ihr Licht und ihre Kraft einer zukünftigen Welt zugute kommen kann.

Im Wein der Liebe, im verwandelten Wasser des Christus, von diesem Wein dürfen die Eheleute immer wieder kosten, auf dass sie ihr Leben und ihr Schicksal mehr und mehr durchtränken können mit dieser Liebe, mit diesem Wein. Aber nicht nur für sich, denn die ganze Hochzeitsgesellschaft, alle sollen davon trinken dürfen. Die Ehe will sich weiten, sie will Gemeinschaft sein für viele, die sich darin einleben, mitwachsen und erfreuen können und sie will den Himmel mit der Erde vermählen. Darauf kommt es letztlich an.

Beziehungsarbeit

Die zwischenmenschlichen Beziehungen dauerhaft zufriedenstellend und bereichernd zu gestalten, wird in unserer Zeit immer schwieriger. Natürliche Lebenszusammenhänge wie Familien und Freundschaften werden immer brüchiger. Scheidungen, Einsamkeitsgefühle, Konflikte und Streitereien nehmen zu, das soziale Klima wird zusehends kälter. Die Reichen horten, die Armen werden mehr, die Armut wird größer. Das, was man hat, will man immer weniger teilen mit denen, die weniger haben, zum Beispiel was die Arbeit und das Vermögen betrifft. Der Egoismus, wie auch ein Mangelbewusstsein, wächst und wächst; man will lieber nehmen als geben, sei es beruflich, privat oder in der Gesellschaft, so dass darunter mit der Zeit zwangsläufig das Gemeinwohl leiden muss.

Kaum wird dabei wahrgenommen, dass eigentlich jeder von anderen abhängig ist. Niemand kann sich in unserer Gesellschaft mehr alleine selbst versorgen. Doch ist dies bewusstseinsmäßig noch nicht genügend realisiert, denn es herrscht mehrheitlich noch eine Selbstversorgungsmentalität, wo jeder meint, nur für sich und die Seinen arbeiten und sorgen zu müssen. In einer arbeitsteiligen Fremdversorgungsgesellschaft, so wie diese heute eine Wirklichkeit ist, arbeitet jeder für den Anderen beziehungsweise für das Gemeinwohl, also für das Ganze. Die negative Seite dieser an sich richtigen Entwicklung zeigt sich jedoch darin, dass es immer mehr Menschen gibt, die andere für sich arbeiten lassen, ohne selbst einen großen Beitrag zu leisten beziehungsweise lässt man das Geld für sich arbeiten.

Wenn nur noch ein Teil der Erwachsenen von einem Arbeitseinkommen lebt und ein immer größer werdender Teil von Transferleistungen, also vom Staat oder von Miet- und Kapitaleinnahmen, so zeigt dies recht deutlich an, dass zwischen den Menschen ein Gefälle eingetreten ist, wo nicht mehr ein Geben und Nehmen, also ein Ausgleich von Waren und Dienstleistungen besteht, sondern das Geld an die Stelle von menschlichen Tätigkeiten und Leistungen getreten ist.

Die Reichen schotten sich ab, ein Polizeistaat wird aufgebaut, der diese schützen und bewerkstelligen soll, dass dieses System immer weiter funktioniert. Tatsächlich wird seit Jahren eine Geldumverteilungsstrategie betrieben, die die Reichen und Mächtigen noch reicher macht. In meiner Schrift: „Zeitfragen im Lichte der hermetischen Philosophie“ sind dafür vertiefende Gedanken angeführt.

Somit stoßen immer öfter Interessenkonflikte aufeinander. Jede Partei beziehungsweise jede Gruppe pocht auf die Ausübung ihrer Interessen und letztlich setzt sich der „Stärkere“, der Mächtigere durch, so dass dieser zunächst am meisten Vorteile für sich herausziehen kann. So ist es im Großen wie im Kleinen.

Immer wird dabei die grundsätzliche Frage berührt zwischen dem Gegensatz beziehungsweise zwischen den Polen der persönlichen Entfaltung und dem Gemeinwohl, also der sozialen Verantwortung für das Ganze. Gerät die Waagschale zu sehr in eine Richtung, wird daraus Krankheit entstehen. Entweder der Einzelne leidet unter den Direktiven und Pflichten der Gemeinschaft oder der Gemeinschaftssinn wird zu wenig gefördert, was letztlich zu einem Zusammenbruch des Gemeinwesens führen kann.

Somit wird es hier sehr leicht ersichtlich, dass es eine enorme Arbeit ist, menschliche Beziehungen so zu gestalten, damit sie zu einer Zufriedenheit und Gesundheit von allen innerhalb einer Gemeinschaft beitragen können.

Beziehungsarbeit bedeutet die Arbeit mit dem Mitmenschen, wie auch die Beziehung und die Arbeit an sich selbst, denn da gibt es oftmals auch widerstreitende Interessen. Die Vernunft, als Beispiel, würde vielleicht so entscheiden, die Wunschnatur oder gewisse Begehrlichkeiten und Triebe wieder ganz anders. Diese inneren Konflikte erfordern meistens sehr viel Energie und müssen erst einmal ausgestanden sein, bevor eine Ausgeglichenheit und Zufriedenheit entstehen kann. Immer hat man es jedoch mit der Polarität des Einzelnen und der Gemeinschaft zu tun beziehungsweise einem Einzelinteresse oder auch mehreren Einzelinteressen und dem Wohl des Ganzen.