Spirituelle Gemeinschaftsbildung - Franz Weber - E-Book

Spirituelle Gemeinschaftsbildung E-Book

Franz Weber

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Beschreibung

Spirituelle Führer und Eingeweihte brachten in den vergangenen Zeiten zahlreiche Impulse in das Erdenleben, woran sich die einzelnen Menschen ausrichten konnten. Sie waren Wegweiser für uns. Zukünftig wird es jedoch immer wichtiger werden, dass sich spirituelle Gemeinschaften bilden, die an die Stelle solcher Eingeweihter treten können. Die Menschengruppe wird dabei zu einem "Gefäß", in das sich geistige Kräfte und Wesen einleben. In welcher Weise sich solche Gruppen formieren und strukturieren wollen, ist aber nicht nur der freien Willkür überlassen. Kosmische Gesetzmäßigkeiten dürfen sich in der Menschen-gemeinschaft wiederfinden. Dazu bedarf es eines Schulungsweges, der hier in Ansätzen und aus Erfahrungen selbsterlebter Gemeinschaftsprozesse wiedergegeben ist. Gemeinschaften, die aus dem Geist heraus neu erschaffen und gepflegt, mit viel Geduld gebildet und erbaut werden, können zu Keimzellen einer neuen Kultur heranreifen.

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All jenen gewidmet, die mit den herkömmlichen gesellschaftlichen Strukturen nicht zufrieden sind und sich ein Leben in Verbundenheit und innerem Frieden wünschen

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Kapitel 1:

Mitten hindurch

Zum Geleit

Gedankensplitter und Ideenschätze

Warum Gemeinschaft?

Frei, sich selbst zu wandeln

Quellen der Kraft (Teil 1)

Initiativen finden

Selbstverwaltung

Vorstellungen einzelner Initiativen

Kapitel 2:

Miteinander

Einleitung

Das Ereignis der Gemeinschaft

Motive der Beteiligten

Übertragen - beziehen - begegnen

Über die Wärme des Herzens

Quellen der Kraft (Teil 2)

Kapitel 3:

Verwandeln

Einleitung

Zur inneren Struktur der Gemeinschaft

Gruppenbildung – Gruppenleben

Vom Umgang mit dem Geld

Arbeitszeit und finanzielle Existenzregelung

Handeln können

Handeln aus dem Geiste

Sekte oder Gemeinschaft

Ökologie, Ökosophie und Therapie

Vom Lernen und Lehren

Ausblick

Kapitel 4:

Dem Zeitgeist entgegen

Einleitung

Anthroposophie verstehen

Vom Wesen der Kunst

Freiheit und Liebe

Bloß ein Traum?

Soziale Kunst

Sonnen-Orte im Erdensein

Spirituelle Gemeinschaftsformen

Ein Nachwort

Literaturverzeichnis

Einführung

Vor über 30 Jahren entstand im süddeutschen Raum eine Initiative, die sich vornahm, bessere und gesündere Lebensbedingungen für alle Beteiligten zu schaffen. Viele Wünsche und Sehnsüchte kamen so zusammen, es wurde ein Verein gegründet, ein lebendiges Miteinander gepflegt, ein Haus angemietet und einzelne Initiativen und Projekte begonnen.

Doch schon bald gab es die ersten Differenzen, zumeist recht persönlicher Natur, denn die Mitwirkenden waren noch relativ jung und im Gemeinschaftsleben nicht sonderlich vorbereitet und ausgebildet. Die Gemeinschaft zerbrach, doch es wurde damals ein Same gepflanzt, der dann nach 33 Jahren, im sogenannten Sonnen-Rhythmus, wieder in meinem Leben auftauchte.

Vor allem brachte es die Corona-Zeit mit ihren einseitigen und teilweise fragwürdigen Maßnahmen mit sich, dass den daraus entstandenen Spaltungstendenzen etwas Ausgleichendes entgegengesetzt werden muss. Und das sind vor allem Gemeinschaftsbildungen, die in einem spirituellen Geist gegründet werden. Denn diese können ein Kraftfeld erzeugen, das eine positive und heilende Wirkung auf die Umgebung ausüben kann.

Aber auch spirituell motivierte Menschen sind nicht davor gefeit, an persönlichen und allzumenschlichen Hürden zu verzweifeln und zu versagen, denn gerade durch eine spirituelle Ausrichtung meinen ja viele, sie wüssten so manches besser und wollen sich dadurch gerne hervortun oder man folgt von vorneherein einem spirituell fortgeschrittenen „Führer“, dem man nur noch nachzufolgen braucht.

Die Zeiten, in denen jemand sagen wird, was und wie wir zu leben haben, sind aber vorbei. Jeder Einzelne hat in sich eine Instanz, die ihm mitteilen kann, wohin sein individueller Weg ihn führen will. Der Mitmensch wird ihn dabei spiegeln, vor allem bei den Eigenschaften, an denen er an ihm anstößt, weil er zuvorderst die eigenen Unvollkommenheiten, also die eigenen Schatten- und Doppelgängerseiten aufzeigt. Am Mitmenschen kann man folglich erwachen, aber nicht nur im negativen Sinne, wenn er mir die eigenen Fehler zeigt und spiegelt, denn auch sein höheres Wesen, seine Geistnatur kann sich offenbaren, wenn wir es immer besser verstehen und allmählich lernen, seinen inneren Intentionen und Motiven zu lauschen. Dazu wollen die nachfolgenden Abhandlungen einige Hinweise mit auf den Weg geben.

Als der Verein Perceval damals gegründet wurde, sollte jeder Teilnehmer seine Wünsche und Motive schildern, warum er an diesem Projekt und Prozess mitmachen will. Das ist im Nachhinein betrachtet sehr aufschlussreich, denn wenn man keine tiefen Motive und sinnvollen Ziele formulieren kann, wird es sehr schwer werden, bestimmte Wünsche und Neigungen in die Realität umzusetzen.

Wünsche und Träume für ein besseres Leben reichen noch nicht aus, damit diese auch verwirklicht werden können. Viel eher muss man sich auf einen Weg begeben und dabei einen sozialen Prozess durchlaufen, der nicht immer nur einfach ist.

Auch wenn dieser Prozess letztlich damals scheiterte, kann daraus sehr viel gelernt werden. Von diesem Lernen und von diesem Prozess soll nun im Folgenden berichtet werden, denn davon können wir auch noch heute Mannigfaches herausschälen und für zukünftige Gemeinschaftsbildungen fruchtbar werden lassen.

So wie es im Irdischen physikalische und chemische Gesetzmäßigkeiten gibt, so gibt es auch Gesetze im sozialen und geistigen Leben. Ohne diese zu kennen, wird es sehr schwer sein, eine harmonische Gemeinschaft aufzubauen. Doch diese Gesetze drängen sich nicht auf, viel eher müssen sie erkannt, erprobt und immer wieder geübt werden, damit sie im zwischenmenschlichen Alltag förderlich und gesundend wirken können.

In den folgenden Kapiteln sind nun zahlreiche Gedanken mitgeteilt, die vor mehr als 30 Jahren entstanden sind, als einige Mitglieder des Vereins Perceval sich mit solchen Fragen und Herausforderungen beschäftigten. Aber auch neuere Gesichtspunkte sind hier dargelegt, die erst vor kurzem entstanden sind. Und so mögen die Erkenntnisse daraus für heutige spirituelle Initiativen, sowie für zukünftige Gemeinschaftsbezüge anregend und erhellend sein.

Kapitel 1: Mitten hindurch

Vom Weg der Erkenntnis zum Leben

Zum Geleit

Mit dieser Schrift ist die Absicht verbunden, vielen „Samen“, die in unserer Zeit in so manchen Herzen zu keimen beginnen, einen geistigen Nährboden zu bereiten. Und dies, in dem sich unsere Ziele, Ideale und Wünsche zu einem tatkräftigen Leben wandeln und damit in eine zukünftige Verwirklichung kommen können.

Zumeist spielen in viele positiv formulierte Ziele immer wieder persönliche oder gar egoistische Wünsche mit hinein. Man sucht oftmals eine Gemeinschaft, weil man noch nicht wirklich mit sich selbst zurecht kommt oder man träumt von einem harmonischen und freudigen Miteinander, ohne sich dabei bewusst zu sein, dass wir immer noch mehr in einem Nehmen als im Geben sind.

Eine Gemeinschaft mit vielen egoistischen Motiven wird nicht lange bestehen, da es meistens immer dieselben sind, die sich für die notwendigen Aufgaben und Pflichten zuständig fühlen. Andere drücken sich davor, bis irgendwann Regeln aufgestellt werden, damit die unangenehmen Arbeiten gleichmäßig verteilt werden können. Aber mit solch „alltäglichem Kram“ hört der Spaß in der Gemeinschaft recht bald auf, es bilden sich öfters kleinere Grüppchen von Gleichgesinnten oder es zerfällt die Gemeinschaft.

Der Alltag wird uns immer wieder an die Punkte heranführen, an denen wir in unserer persönlichen Entwicklung lernen, reifen und wachsen können. Gemeinschaft heißt eben nicht, nur ein sorgenfreies und spaßiges Leben verwirklichen zu können. Ganz im Gegenteil fordert sie uns heraus, über die eigenen Grenzen hinauszuwachsen.

Was sind meine wirklichen Bedürfnisse, was kann ich anderen und der Gemeinschaft geben, was ist mein Anliegen und mein Dienst innerhalb der Gruppe, warum überhaupt will ich Gemeinschaft und warum erfüllt mich mein momentanes Leben nicht wirklich? Wie viele Wünsche und Sehnsüchte sind unerfüllt geblieben in meinem bisherigen Leben?

Zunehmende Ungerechtigkeiten und Krisen in der Welt können uns allzuleicht in eine Verbitterung oder in eine Resignation hineinführen, sei es am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Familie oder im weltpolitischen Geschehen. Oder aber wir ziehen uns in ein „Schneckenhaus-Dasein“ zurück und wollen nur noch das sehen, was uns angenehm ist.

In dieser seelischen Zerrissenheit lebt der heutige Zeitgenosse. Das drückt sich auf der einen Seite im immer noch stärker werdenden Konsumzwang aus, was schließlich dazu führen muss, dass wir die Erde und damit auch uns selbst zerstören.

Eine enorme Suchtproblematik, sei es durch das Fernsehen und den Medienkonsum, sei es Alkohol, Nikotin und Drogen oder die seelischen Süchte der Ehr-, Hab- und Machtsucht, sie finden letztlich in dieser seelischen Disharmonie ihre eigentliche Ursache.

Auf der anderen Seite finden wir Menschen, die diese modernen Errungenschaften und stressigen Zeiten als furchterregend empfinden und am liebsten den Reißaus machen würden, indem sie sich irgendwo eine heile Welt kreieren, sei es in Urlaubsregionen oder in sektenähnlichen Gemeinschaften oder sie flüchten in alte Formen, in denen es noch von „Außen“ beziehungsweise von „Oben“ geprägte Werte und Ordnungen gab. Sämtliche nationalistische, ethnische und autoritär-politische Tendenzen, als auch die Volks-, Rassen- und Familienbande zählen hierzu.

Die Zeiten, in denen Bluts- und Volksverbände die Geschicke des Einzelnen regelten, sind für uns jedoch vorbei. Wir sind zum Einzelmenschen bestimmt beziehungsweise erwacht und damit ziemlich rausgerissen aus allem, was uns bisher getragen hatte.

Somit stellt sich heutzutage für jeden mündigen Menschen die Frage und Aufgabe: Was kann und will ich diesem zerrütteten und beängstigenden Zeitgeschehen entgegenstellen?

Das Rad der Zeit scheint sich mit immer schnellerer Geschwindigkeit fortzubewegen und als Einzelner erfahre ich allzuleicht eine grenzenlose Ohnmacht bei dem Versuch, dieses „Gefährt“ in von mir gewünschte und bestimmte Bahnen zu lenken.

Ein blindes Vertrauen den führenden Politikern gegenüber, denen ich ja meine Entscheidungsgewalt mit meinem Stimmzettel für die nächsten Jahre abgegeben habe, kann meine Seele auch nicht wirklich zufrieden und sicher stimmen.

Was für Möglichkeiten habe ich überhaupt noch und wie kann ich mir selbst gegenüber ehrlich, aufrichtig und wahrhaftig sein und den vielen Anforderungen und Zwängen des Lebens in der Welt gerecht werden?

Viele Fragen, die vor allem in den Herzen jüngerer Menschen brannten, waren vor etlichen Jahren in einer Gruppe von Menschen der Anlass, um gemeinsam Antworten und Möglichkeiten zu suchen für etwas, das uns neu verbinden kann, nicht aus den alten Traditionen, sondern aus den Notwendigkeiten der Zeit heraus.

Und wir sind damals als noch recht junge und unerfahrene Menschen ein Stück gemeinsamen Weges im Gespräch, im Spiel, im Zusammenarbeiten und Zusammenleben gegangen und möchten aus diesen Erfahrungen alle interessierten Menschen daran teilnehmen lassen, an dem bereits Entstandenen und vielleicht auch an dem, was noch werden will und kann.

Beabsichtigt war zunächst, dass jeder damals Beteiligte, wenn er denn möchte, einen Beitrag leisten darf, was für ihn wesentlich und anzustreben ist. Es ist jedoch nicht möglich, diesen früheren Versuch hier ganz wiederzugeben. Vieles wird inzwischen neu gesehen, da es vielfältige Enttäuschungen, Lernaufgaben und Anregungen gab und aus dem anfänglichen seelischen Bedürfnis, das uns damals zusammenführte, ist bei manchen ein konkreteres Bild entstanden, was er gerne für sein eigenes Leben verwirklichen möchte. Daher werden in dieser Schrift Gedanken, Erkenntnisse und Impulse vorgestellt, die von einzelnen Gliedern der Gruppe mitgetragen wurden. Es ist nun unsere heutige Aufgabe, Wege und Formen zu finden, solche Impulse und Ideale erneut aufzugreifen, sie miteinander zu verbinden und allmählich Realität werden zu lassen. Dafür wird sehr viel Engagement und Mithilfe benötigt und jeder Einzelne kann sich überlegen, in welcher Form er zum guten Gelingen beitragen kann. Ein wohlwollender Gedanke ist ja auch schon hilfreich.

Zuletzt möchte ich anmerken, dass diese Schrift nicht als ein fertiges Weltbild oder als eine Weltanschauung angesehen werden soll. Wir sind immer Lernende und auf dem Wege, daher werden viele Ideen, die hier zusammengetragen sind, in der alltäglichen Praxis ihre Berichtigung erfahren. Wir haben uns damals bemüht, etwas zu erarbeiten, was uns in unserem inneren Wesen mit den Mitmenschen und mit der Erde verbinden kann, so dass daraus Gesundes und Heilsames für Mensch und Natur erwachsen und so aus dem keimenden Samen allmählich eine stattliche Pflanze erstehen kann.

„Ich glaube, dass wir einen Funken jenes ewigen Lichts in uns tragen, das im Grunde des Seins leuchten muss und welches unsere schwachen Sinne nur von ferne ahnen können. Diesen Funken in uns zur Flamme werden zu lassen und das Göttliche in uns zu verwirklichen, ist unsere höchste Pflicht“.

J.W. von Goethe

Gedankensplitter und Ideenschätze

In diesem Abschnitt werden Gedanken und Ideen mitgeteilt, die von Mitgliedern der Gruppe ausgesprochen wurden. Zudem sind uns aus den Mündern verschiedener Dichter und Denker zahlreiche Sprüche und Aphorismen überliefert, die für unser Thema hilfreich sind. Sie können als „Feuerfunken“ verstanden werden, die unsere Motive und Ideale erwärmen sollen.

Es gibt heutzutage in unserer, ach so hochgelobten Zivilisation, kaum mehr Menschen, die wirklich zufrieden sind – zumindest wirklich tief zufrieden sind.

Wenn nun jemand eine Idee verkündet, um mit dieser eine neue Gesellschaft zu gründen, wird er von vielen verlacht und als Irrer, Kommunist, Utopist oder Revolutionär verschrien. Jedoch, auch der Schneider von Ulm, ein Galileo und viele weitere Erneuerer wurden verlacht; die Geschichte lehrt uns aber, dass aus einer Notwendigkeit oder aus einem Menschheitstraum heraus, Erfindungen und dadurch mit der Zeit gesellschaftliche Veränderungen erwuchsen, die vorher undenkbar waren.

Zum Beispiel wurde die Dampfmaschine erfunden, als sie für die bestehenden Manufakturen gebraucht wurde. Später wurde die Dampfmachine in Form der Eisenbahn auf Räder gestellt, um für die stationären Dampfmaschinen die benötigte Kohle heranschaffen zu können. Und so weiter und so fort bis in unsere moderne Zeit hinein.

In unseren Tagen haben wir keine existentiellen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten mehr, aus denen eine neue, andere oder bessere Zukunft erwachsen könnte. Heute geht es vor allem um die gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhänge, die nicht zufriedenstellend sind. Waren es früher hauptsächlich wirtschaftliche Probleme, die gemeistert wurden, so besteht heute doch ein berechtigter Grund zur Hoffnung, dass auch die innere Unruhe und Leere wieder mit Sinn und Zufriedenheit erfüllt werden könnte, vor allem, wenn wir uns aufmachen, ein seelisches Miteinander und Füreinender schaffen zu wollen, das dann vielleicht auch ganz neue Formen des Zusammenlebens und Arbeitens hervorbringen kann.

Thomas

Wo kämen wir hin,

wenn jeder sagte

wo kämen wir

und keiner ginge

um zu schauen,

wohin man käme,

wenn man ginge.

Warum Gemeinschaft?

Es ist nicht ganz einfach, ein „Modell“ zu beschreiben, dessen Inhalte ich mir zwar ganz gut vorstellen, nicht aber die vielfältigen Erfahrungen vorwegnahmen kann, die von den Einzelnen erbracht und erlebt werden müssen, um den Sinn und Zweck des Modells zum Tragen bringen zu können. Das Alte und Starre zu beleuchten und daraus Ziele zu formulieren, die den gewollten Weg in eine bewusstere und freiere Zukunft führen können, ist dann auch eher in einer funktionierenden Gemeinschaft möglich, als in gesellschaftstheoretischen Abhandlungen.

Wenn wir auch noch so viel von alternativen Utopien träumen, solange wir nicht auf dem Wege eines Miteinander-Handelns zusammenkommen und arbeiten, können keine wirklichen Fortschritte erzielt werden. Und gerade diese gemeinsamen Fortschritte können an dem Unvermögen unserer Mainstream-Gesellschaft rütteln, wenn sie auf Destruktives verzichten, um etwas Konstruktives fördern zu können.

Jede Gesellschaft braucht eine Ordnung, braucht bestimmte Regeln, die für die Bereiche Wirtschaft, Soziales und Kultur gelten, um diese miteinander verbinden zu können. Man braucht aber kein Staatsfeind zu sein, um zu erkennen, dass die Grundregeln unserer Gesellschaft prinzipiell zwar gut getroffen, leider aber oft nicht zum Wohle der einfachen Bürger angewandt werden. Viele Entscheidungen, die dafür verantwortlich sind, werden in erster Linie aus gewissen Sachzwängen und Interessengruppen heraus getroffen, wie im Lobbyismus der Agrar-, Öl-, Pharma-, Nahrungsmittel- oder Auto-Industrie.

„Der Grund aller Verkehrtheit in Gesinnungen und Meinungen ist die Verwechslung des Zweckes mit dem Mittel“.

Novalis

Das Grundübel unserer Zeit ist neben dem verantwortungslosen und selbstsüchtigen Menschen vor allem das Geldsystem, das seine berechtigte Funktion als Tauschmittel längst zugunsten von Macht und ihrer Konservierung verwandelt hat. Menschen, die durch ihre Stimme bei Wahlen und der Geldanlage bei einer Bank alle Möglichkeiten mitzuentscheiden abgeben, haben dadurch jede direkte Einflussnahme verloren. Was übrigbleibt ist nur, dass sie sich ein Urteil bilden können über die Auswirkungen der immensen Misswirtschaft, deren Folgen wir immer stärker zu spüren bekommen (Umwelt, Klima, Gesundheit, Soziales).

Diese negativen Tendenzen ließen sich durch einen vernünftigeren Umgang mit dem Geld umkehren. Praktische Ansätze hierzu sind zum Beispiel die durch Sparsamkeit und Austausch von Betriebs-und Arbeitsmitteln freiwerdenden Gewinne, um sie in andere Bereiche zu leiten. Durch die Unterstützung der Fähigkeiten Einzeler und ihrer Initiativen können Ideen umgesetzt, ein lebenswertes Umfeld geschaffen und das Kultur- und Geistesleben gefördert werden. Im Mittelpunkt dieser Überlegungen steht das Verhältnis zwischen Natur, Mensch und Erde. Nicht nur die Natur und die Erde sind für den Menschen da, sondern auch umgekehrt, der Mensch für die Natur. Durch eine Erweiterung und Verwandlung des anlalytisch-abstrakten Denkens in ein ganzheitlich-lebendiges Denken und der wahrnehmenden und erkennenden Betrachtung unserer Lebenszusammenhänge lassen sich Schritte entwickeln, die unser zerstörtes Gleichgewicht mit der Erde wieder gesunden.

„Man kann Zeit in Geld verwandeln, wie man elektrischen Strom in Licht und Wärme verwandeln kann. Irrsinnig und gemein an jenem dümmsten aller Menschheitssätze ist ja nur dies, dass Geld unbedingt als Bezeichnung für einen höchsten Wert gesetzt wird.

Das Geld, das Geschäft, die Maschine und der Staat sind die Erscheinungsformen des Teufels in unserer Zeit. Es verdirbt uns Speise und Luft, Schlaf und Traum. Dennoch müssen wir aus- und standhalten und uns nicht unterkriegen lassen, sonst hat unsere Zeit der nachfolgenden nichts zu vererben“.

Hermann Hesse

Für das wirtschaftliche Leben wird zukünftig ein brüderliches Verhältnis mit der Erde und mit der Natur angestrebt. Die Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen dürfen der Natur keinen allzu großen Schaden zufügen. Notwendige Umweltbelastungen müssen auf ein Mindestmaß reduziert werden. Alte Hochkulturen haben uns Pyramiden, Tempel und Kathedralen hinterlassen, aber keinen Müll. Allein der heutige Atommüll verstrahlt unsere Nachkommen undenkliche Zeiten lang. Welch ein Armutszeugnis für die ach so eingebildete, technikaffine und materialistische Kultur.

Transportwege verkürzen, regionale Wirtschaft stärken, eine Bedarfsorientierung im Dialog von Verbrauchern, Händlern und Produzenten, um Unnützes und eine Überproduktion, wie auch schlechte Qualität der Waren zu verhindern, das ist sehr leicht machbar, wenn der politische Wille vorhanden wäre.

Viele Verbesserungsvorschläge und Anregungen gibt es ja schon, die zunächst erst im „Kleinen“ angewendet werden müssen, wo dann auch jeder für sein Tun und Lassen selbst verantwortlich ist. Doch die Gemeinschaft soll die kreativen Impulse der Einzelnen mittragen, auch was das Verhältnis von Lohn und Leistung betrifft. Das macht ja erst den Segen einer Gemeinschaft aus, dass sie die Einzelnen in ihrer persönlichen Entfaltung fördern will. Daraus entspringt dann auch die Quelle für ein sittliches Handeln und ein Verständnis für die Motive der Anderen.

Durch einen bewussten, wahrnehmenden Umgang miteinander werden soziale Fähigkeiten entwickelt, die nötig sind, um als freie Menschen in eine offene und lebendige Gemeinschaft hineinwachsen zu können.

„Kostet das Glück der Hingabe, das Glück der Bedürfnislosigkeit, das Glück hilfsbereiter Zusammenarbeit! Kein anderer Weg führt euch so rasch und so sicher in das Wissen von der Einheit und Heiligkeit des Lebens. Kein anderer Weg auch führt euch so sicher zum Ziel aller Lebenskunst, zur freudigen Überwindung des Egoismus – nicht aber durch Verzicht auf Persönlichkeit, sondern durch deren höchste Entwicklung“.

Diese hier genannten Ideen, die Ansätze liefern sollen für eine konkrete Zusammenarbeit, sind Teilergebnisse unserer bisherigen gemeinsamen Arbeit und natürlich noch lange nicht vollkommen oder gar vollständig. So sind sie nur kleine Schritte auf dem Weg, den die Gemeinschaft gehen muss, um zusammen zu wachsen und den spirituellen Forderungen unserer Zeit gerecht zu werden. Wir sind nämlich zu der Überzeugung gelangt, dass eine Gemeinschaftsbildung der erste Schritt sein muss, bevor konkrete praktische Dinge unternommen werden können.

Für den Anfang wollten wir damals einen eingetragenen, gemeinnützigen Verein gründen. Aber auch andere rechtliche Rahmen können gewählt werden, die für das jeweilige Gruppenziel eventuell besser geeignet sind. Eine gültige Rechtsform hat die Aufgabe, unsere Vorstellungen nach außen zu tragen, um noch mehr Menschen für das Projekt und damit für unsere Ziele begeistern zu können.

Die Gemeinschaft kann sich in einen wirtschaftlich ausgerichteten, in einen zwischenmenschlichen und in einen kulturellen Bereich aufgliedern. Im Wirtschaftsbetrieb sollen eigenverantwortliche Initiativen zusammenarbeiten. Im Vereinsbereich findet die Kommunikation zwischen den Mitgliedern statt. Der Verein darf Anregungen vermitteln, beraten, die einzelnen Initiativen fördern, Gedanken nach außen tragen und den Mitgliedern und Freunden die Teilnahme am Gemeinschaftsleben und an Veranstaltungen ermöglichen. Der Kulturbetrieb soll der Öffentlichkeit den Zugang zum Projekt eröffnen und geistige beziehungsweise kulturelle Ideen und Veranstaltungen fördern.

Peter

„Die Welt schreit nach Wahrheit, nach neuen Richtlinien, nach neuen Gesetzen, nach neuen Gemeinschafts- und Lebensmöglichkeiten für die erschütterte Menschheit. Aber die neuen Wahrheiten und Gesetze werden Schatten sein, wie die alten von Macht und Krieg es waren, wenn sie nur aus Technik und äußerer Not entstehen. Sie müssen aus Selbsterkenntnis erwachsen. Und zur Selbsterkenntnis führt jeden von uns nur der Weg ins eigene Herz“.

„Wahrer Beruf für jeden ist nur das eine: zu sich selbst zu kommen. Er mag als Dichter oder Wahnsinniger, als Prophet oder als Verbrecher enden – dies ist nicht seine Sache. Seine Sache ist, das eigene Schicksal zu finden, nicht ein beliebiges, und es in sich auszuleben, ganz und ungebrochen. Alles andere ist halb, ist Versuch zu entrinnen, ist Rückflucht in Ideale der Masse, ist Anpassung und Angst vor dem eigenen Innern“.

Hermann Hesse

(Auch die oben genannten Zitate sind von ihm).

Im Folgenden ein Auszug aus einer Schrift aus der Bewegung für die „Dreigliederung des sozialen Organismus“.

„Wir befinden uns bewusstseinsgeschichtlich betrachtet in einem Stadium des alleranfänglichsten Herantastens an das höhere Wesen im Menschen. Im sozialen Leben ist das Übungsfeld hierfür jener von Rudolf Steiner sogenannte „freie Verkehr von Individualität zu Individualität“, durch den ich mein eigenes ideales Wollen dem fremden idealen Wollen entgegentrage, in dem Bestreben, nicht das ausschließende Urteil im Entweder - Oder, sondern die gegenseitige Bestärkung im Sowohl-als-Auch zu suchen.

Nicht um „Kompromisshaftigkeit“ im geläufigen Sinne handelt es sich, denn diese hat im geistigen Leben nichts zu suchen. Ich prüfe meine Intentionen und Taten nicht daran, ob sie mit fremden Intentionen und Taten einig gehen oder irgendeiner allgemeinverbindlichen Idee von Fortschritt und Allgemeinwohl entsprechen, sondern daran, ob sie in all ihrer Eigenständigkeit soviel Freiheits-, das heißt Liebessubstanz in sich bergen, dass ich andersartige Intentionen und Taten, die ebenfalls aus Idealismus geboren sind, nicht zurückweisen muss, sondern gesprächsbereit begrüßen kann. Selbst- und Geltungssüchtige, nur auf persönlichen Vorteil, Lust- und Machtlustbefriedigung gerichtete Bestrebungen kollidieren, freie Bestrebungen kommunizieren. Das ist ein Gesetz.

Es ist ein Grundirrtum der bürgerlich-kapitalistischen Weltanschauung, dass sie von der Möglickeit der Kommunikation blanker Egoismen ausgeht.

„Freiheit im Geistesleben“ ist nicht nur die Freiheit, die ich für mich beanspruche, sondern auch und vor allem diejenige, die ich aktiv toleriere, das heißt, die ich für alle beanspruche. Die Freiheit des Nebenmenschen wird für den Freien zum höchsten Anliegen, - aber nicht im Sinne des Vernunftegoismus, der mir sagt: Lasse den anderen gewähren, dann wird er dich gewähren lassen, sondern aus Liebe zur Wahrheit. Denn die Liebe zur Wahrheit belehrt mich rasch darüber, dass sie kein quantifizierbarer Bestandteil ist, von dem der eine mehr, der andere weniger zusammenraffen und besitzen kann. Denn sie zeigt eine prozessuale Qualität, eine Ereignis-Qualität, ein Dialoggeschehen, in das jeder sein Ur-Eigenstes einbringt, den Nebenmenschen in seiner Ureigentüm-lichkeit mit ebensolcher Vorfreude erwartend, wie lange getrennte Freunde einander erwarten.