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Nach meiner Autobiografie One For The Road und meinen drei folgenden Büchern Hamburgensie, Der Kolumbianer, Der Flügelschlag des Schmetterlings, möchte ich mit diesem Bändchen, AUFGELESEN, eine kleine Sammlung Gereimtes und Geschriebenes anbieten, manches davon besinnlich, anderes heiter und mit Augenzwinkern zu verstehen. Die Gedanken dazu haben sich über eine ganze Zeit hinweg angesammelt. Etwas Eigenes zu reimen, hat mir schon immer Freude bereitet und manches, insbesondere die kleineren Geschichten und Essays, Kurioses, Unbekanntes, Altes und Neues, ergab sich aus zufälligem Kennenlernen bei Gesprächen, in Büchern, bei Begegnungen und Erlebnissen und vielleicht ist etwas darunter, was zum Nachdenken anregt oder einfach Freude macht.
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Seitenzahl: 87
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Autor: Hans Jürgen Domnick, geboren 1938 in Königsberg/Ostpreußen, heute wohnhaft im norddeutschen Stade, war über fünfzig Jahre in seinem Beruf als Außenhandelskaufmann auch Weltreisender und teilnehmender Beobachter. Erlebnisse, Erfahrungen und Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen finden sich in seiner Autobiografie sowie in seinen Romanen, Erzählungen und ‚Short Stories‘, die Gedanken und mögliche Geschehnisse aus dem ‚Leben‘ aufgreifen und die der Autor seinen geneigten Lesern zu eigener Überlegung und Lesefreude anbietet.
Das nun vorliegende Buch „AUFGELESEN“ beleuchtet in kleinen Episoden Heiteres und Besinnliches – Anstöße dazu im Lauf der Zeit gefunden, eben aufgelesen, und dann bearbeitet oder gestaltet. Das Geschriebene, in Betrachtungen oder kurzen Essays, wird ergänzt durch eigene Reime und Verse, die zumeist mit einem ‚Augenzwinkern‘ zu verstehen sind. Zu guter Letzt dürfen einige Gedichte nicht fehlen, vielleicht so etwas wie Lieblingsgedichte, die den Autor seit der Schul- und Lernzeit begleitet haben – oft verschüttet doch nie verschwunden. Darunter - auch wenn nicht jedem alle Sprachen geläufig sein mögen – findet sich je eines in Englisch, Französisch und Spanisch, sowie das wohl bekannteste Lied aus Indonesien, alles ist reine Poesie.
Seelenschokolade
Naturschutz verkehrt
Im Metronom
Wortspiele
Lichtenberg vermisst Stade
Über Fehler
Urlaub
Philosophie
Schloss und Schlüssel
Maimärchen
Herz
Mord oder Selbstmord
So geht’s auch
Missverständnis
Reich Kräutchen
Winter
Frühling
Herbst
Über das Lesen
Nikolaus Kopernikus
Über Galileo Galilei
Erinnerungen an Goethe
Zum Geburtstag
Das Lied der Nase
In der Nacht
Bismarck oder Matjes
Zeit und Alter
Als Zugabe – Poesie
(Der Begriff entstammt wohl einem Aphorismus von Georg Christoph Lichtenberg, Physiker, Naturforscher, Mathematiker, Schriftsteller)
Irgendwo habe ich diesen Ausdruck einmal gehört oder gelesen - was ist sie, was tut sie? Ich meine, Georg-Christoph Lichtenberg hat sie vor langen Jahren erwähnt - beschrieben.
Vor langen Jahren? Aber heute – wo ist sie, die ‚Schokolade für die Seele‘? Ja, wo ist die Seele selbst?
Vielleicht ist Seele ein etwas aus der Mode gekommener Begriff. Ich schaue einmal bei ‚Google‘ nach und finde in 0,09 Sekunden die Zahl von 15.400.000 Einträgen über die Seele, das raubt mir fast den Atem – so viel, so schnell - ja, zu viel und zu schnell, denn die Seele scheint in der alltäglichen Hektik heute fast wie verschüttet, wenn nicht gar ganz verloren zu sein.
Ich denke –
Die Welt heute ist nicht gut, sie ist in keinem guten Zustand.
Es gibt Hunger und Durst.
Es gibt Überfluss, Verschwendung und Gier.
Es gibt Kriege und tägliches Blutvergießen.
Es gibt Frevel an Mensch und Natur.
Der Mensch selbst ist dabei, und das wider besseres Wissen, die Natur, die Erde - sich selbst – zu zerstören.
Es gibt unermessliche Dummheit, jedes Augenmaß scheint verloren, kein Innehalten, keine Muße, kein Nachdenken – immer größer, immer schneller, immer mehr! Ist denn schon alles verloren, ist schon alles zu spät, haben wir uns selbst, haben wir unsere ‚Seele‘ vergessen?
Mir fällt der alte Spruch ein - wohl aus der Bibel – ‚Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele‘.
Doch aufgeben? Nein, das darf nicht sein, alle Hoffnung verlieren?
Niemals!
Wie schwer die Zeiten dir auch immer erscheinen mögen, es gibt Erlebnisse, es gibt Augenblicke, da scheint so etwas wie die Seele ganz nahe bei dir zu sein ……
Du liegst auf einer Sommerwiese und siehst weiße Wolken über den blauen Himmel gleiten, du schwebst mit ihnen, deine Gedanken sind leicht…...
Eine kalte klare Winternacht – du siehst auf zu den Sternen, unermessliche Weiten, du fühlst dich unendlich klein und doch verbunden, allein – alone – und das ist dann: ‚Alles in einem – all in one‘……
Ich schaue aus 10.000 Metern Höhe aus dem Flugzeug hinunter auf Sand und Felsen einer Wüste oder auf die endlose Tundra Sibiriens – und mitten im Nichts plötzlich Wege – der Rauch eines Feuers - kleine Hütten und, kaum erkennbar, Menschen, Tiere – winzig und einsam - wer lebt da und wie und wovon, was machen die Menschen dort in der Einsamkeit?
Mich berührt diese scheinbare Verlorenheit……
Ich besuche den Ort, an dem ich aufgewachsen bin, von nahen Hügeln sehe ich hinab auf die kleine Stadt, gebettet in Grün, von Seen umgeben – nirgendwo erfasst mich so ein merkwürdiges, fast vergessenes Gefühl – Heimat?......
Ich höre eine Melodie und sehe meinen Vater vor mir, schon fast neunzig Jahre alt, am Klavier, wie er dieses Lied aus seiner Jugend spielt……
Ich sehe meine Kinder, lange zurück, wie sie sich zanken, ich sehe mich, noch weiter zurück, wie ich meinen kleinen Bruder schlage und dann weine, weil es mir leid tut……
Ich gehe in einer Stadt spazieren und finde im kleinen Schaufenster einer Buchhandlung etwas, das so viele Jahrzehnte zurückliegt, ein Büchlein aus allerfrühester Kindheit ‚Wie Engelchen seine Mutter suchte‘, Bilder und Worte aus weiter Vergangenheit, tief vergraben im Gedächtnis und plötzlich wieder da – ein seltsames, ein schönes Gefühl……
Du gehst an einem Maitag unter blühenden Linden und dich erfasst dieser himmlische, süße, schwere Duft – ja, ‚unsterblich duften die Linden‘, oder, wenn die Wiesen gemäht sind und die Luft erfüllt ist von diesem wundersamen Geruch nach frischem Heu……
In deinem Dorf stehen noch immer die hohen Kastanienbäume mit den reifen Früchten, darunter die blanken, braunen Kastanien in den grünweißen Schalen – und dann der alte Apfelbaum, auf den du schon vor mehr als sechzig Jahren als Kind geklettert bist und von den süßen Äpfeln genascht hast, er steht immer noch da, alt, verwachsen - ein Bild aus langvergangenen Tagen. Und da ist auch noch der Steinofenbäcker – einen Augenblick einatmen – der Duft nach frischem Brot – es dringt tief und weckt unbestimmte, doch schöne Erinnerungen……
Die vielen Reisen – Indonesien, der fremdartige, doch süße und so typische Geruch nach Hitze, Nelkenzigaretten, schwelenden Bananenblättern……
Es ist heiße Mittagszeit, ich will einen Maler auf Bali besuchen und auf dem Weg zu seinem Haus gehe ich einem Flötenspiel nach – ein Junge sitzt dort allein und spielt auf einer einfachen selbstgemachten Flöte eine fremde Melodie……
Melodie! Einer meiner Lieblingsfilme – „Das Boot“ – der Kapitän (‚Na, Männer?‘) und sein Erster allein in der engen Kajüte, Stille, alles schläft, nur im Hintergrund leise ein Chanson - eine Schallplatte dreht sich – ‚J’attendrai…‘ – so traurig, so verloren, so einsam……
Ja, und dann - du kommst von einer langen Reise nach Hause, deine Frau öffnet die Tür, nimmt dich in ihre Arme „Da bist du endlich, Lieber“……
Und irgendwann findest du vielleicht in einem Gedichtband auch wieder die Zeilen:
Über allen Gipfeln ist Ruh.
In allen Wipfeln spürest Du kaum einen Hauch.
Die Vöglein schlafen im Walde. Warte nur, balde, ruhest du auch……
So bin ich, so bist du, so sind wir gewandert und fanden diese Augenblicke, alle scheinbar alltäglich, jeder für sich klein und oft übersehen und dennoch, sie berühren unsere Seele, sie sind die Schokolade, die die Seele erfüllt, ein Leben lang und vielleicht darüber hinaus.
(Den Spruch ‚Schützt den Wald, esst mehr Spechte‘ sah ich auf der Plane eines Holztransporters)
Im dunklen Walde lebt der Specht,
hackt Löcher in die Bäume.
Aus seiner Sicht mit Fug‘ und Recht,
auch er hat seine Träume.
Denn Nahrung sucht er dort und Halt,
dem Förster wird schon schlechte,
und der verkündet: „Schützt den Wald,
ihr Leute, esst mehr Spechte.“
Der Maulwurf ist ein scheuer G’sell,
man sieht ihn äußerst selten,
denn unten in der Erde drin
schafft er sich seine Welten.
Den Rasenfreund, den ärgern sehr
die Hügel dort im Garten
und er verflucht das kleine Tier,
will gleich Vernichtung starten.
Der frühe Vögel singt mit Lust
sein Lied aus voller Kehle,
ein Mensch der sagt sich, ‚welch ein Frust,
dass der mich damit quäle!‘
Voll Wut denkt er, ‚das darf nicht sein,
ich brauche meine Ruhe‘,
daher - weg mit dem Vögelein,
die Flinte aus der Truhe.
Die Biene – nützliches Insekt -
sie sammelt süße Sachen.
Wird sie dabei von uns erschreckt,
dann sticht sie - nichts zu machen.
Und mancher Dummkopf denkt sich keck,
‚fort mit dem Tier, dem frechen‘.
Am besten alle Bienen weg,
dann kann auch keine stechen.
Es laufen Rehe auf der Straße,
da, wo die Autos rasen,
und anderes kleines Wildgetier,
Kaninchen und auch Hasen.
So mancher Autofahrer meint,
das sollte es nicht geben,
verbieten muss man solches Tun
in seinem Alltagsleben.
Die Qualle lebt im großen Meer in ihrem Element.
Doch kommt der Mensch, den stört es
sehr,
wenn er sich mal verbrennt.
Er schimpft und zetert, ‚So ein Mist,
warum muss es die geben?‘
Vergisst dabei, dass er es ist,
der stört, wo Quallen leben.
Mit Schlangen ist es ebenso
die hält man für verschlagen,
für aggressiv ja sowieso -
doch dazu möcht‘ ich sagen:
Nur wenn ein Mensch erschreckt das Tier,
das ruht allein und friedlich,
schnell beißt es zu und glaube mir,
erst dann wird’s ungemütlich.
Die Pflanze hat es auch nicht leicht,
die doch nur wachsen wollte.
Schon kommt der Mensch und meint sogleich,
dass er sie stutzen sollte.
Viel gibt es, was nur scheinbar stört,
der Mensch verbannen will.
Das ist natürlich ganz verkehrt
am besten, er ist still.
Wenn Tier und Pflanze denken könnten,
dann wär’s vielleicht entschieden –
Am besten alle Menschen weg
und endlich wäre Frieden.
(Der Metronom ist ein Bahnunternehmen in Norddeutschland)
Gestern fuhr ich im ‚Metronom‘
von Hamburg nach Cuxhaven.
Ganz ruhig war‘s, so wollte ich
einfach ein wenig schlafen.
Der Zug glitt sanft und leicht voran,
auf dem bekannten Gleise,
bis Buxtehude, aber dann
war’s plötzlich laut statt leise.
Es nahte der Herr Kontrolleur,
der wollte Karten sehen.
Das klappte denn auch ziemlich gut,
doch bei mir blieb er stehen.
Dabei ging’s nicht um mich direkt,
denn neben mir die Dame,
die wurde ebenfalls gecheckt
und Olga war ihr Name.
„Ich habe noch nicht Karte, denn
will ich im Zug bezahlen.“
„Wo wollen Sie denn aber hin?“
„Noa, bis nach Bremerhaven.“
„Wo aber stiegen Sie hinzu,
in Hamburg, Harburg, oder?“
„Ich weiß doch nicht, ich fahr doch nur,
will ich nach Bremerhaven.“
„Dann sind Sie eh im falschen Zug,
doch irgendwie wird’s gehen,
Sie steigen in Cuxhaven um,
dann werden Sie schon sehen.
Das kostet fünfundzwanzig dann,“
sagt er und danach stoppt er.
„Waas? Nein! Das ist zu teuer mir,
da krieg ich Helikopter.“
„Sie müssen aber, andernfalls,
