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Verliert der Mensch den Bezug zur menschlichen Natur, entfernt er sich von seinem wahren Wesen. Diese unbewusste Schwächung ist Ursache für verschiedene Beschwerden, Ängste, Störungen und Leiden der Neuzeit. Innere Unruhe ist ebenso eine Folge daraus wie gesellschaftliche Zerrissenheit. Anstelle unter den Auswüchsen zu leiden, irrige Tendenzen zu bekämpfen oder einzelne Symptome mühsam zu lindern, bietet der Aufstieg zur Menschlichkeit einen grundlegenden Ansatz. Was macht Humanität aus, wodurch wird sie verhindert, wie dringt man zu ihr vor und was kann sich durch sie verändern? Die 40 Leitsätze vermitteln Antworten und Einsichten, die eine Neuorientierung im Alltag und einen Wandel in der Gesellschaft anstoßen.
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Marc P. Wyss
Aufstieg zur Menschlichkeit
40 erhebende Leitsätze für den Alltag
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Zum Buch
Prolog - Eingangs
Verzeichnis der Leitsätze
Leitsätze zur Menschlichkeit
Glossar - Erläuterung wesentlicher Begriffe
Impressum neobooks
Originalausgabe
Juli 2016
Texte & Titel © 2016 Marc P. Wyss
Niederlenz, Schweiz
Umschlaggestaltung und Fotos,
grafische Symbole und Layout
Marc P. Wyss
Alle Rechte vorbehalten.
Homepage des Autors
www.marcpwyss.com
Die Reihe »Signum Essentia« vertieft essenzielle, wesentliche Themen des Lebens in einer kompakten, eingängigen Form. Die Texte finden sich dazu gegliedert in nummerierten, thematisch abgegrenzten Einheiten. Jede davon enthält eine spezifische Erörterung, ein Axiom - einen Leitsatz.
Alle nachfolgend geäußerten Ansichten beruhen auf bewusster Erkenntnis und Erfahrung. Aus einer solch erhellten Betrachtung lassen sich grundlegende Ansätze über das Dasein und ein tiefgreifendes Verständnis für die Bedeutung und die wahren Mysterien erkennen. Die Sichtweise bleibt nicht begrenzt auf den gedanklichen Horizont, auf Überlegungen, Wissen und Logik, sondern ist erweitern um existenzielle Grundlagen und Einflüsse. Aus den Aussagen ergeben sich so wertvolle Einsichten, die das Leben in sämtlichen Belangen bereichern, wenn man sich ihnen öffnet und sie annimmt.
Um Formulierungen nicht unnötig zu verkomplizieren, sind in vielen Passagen des Textes nicht die weibliche und die männliche Form ausgeführt. Beide Geschlechter sind jedoch in identischer Weise in all den Aussagen eingeschlossen, es sei denn, es sei an einer Stelle explizit etwas anderes erwähnt.
Für jedes Geschlecht und Alter, jede Abstammung oder Herkunft gilt gleichermaßen, dass es notwendig ist, sich eingehend mit den tiefergehenden Ausführungen zu befassen, um deren Bedeutung zu verinnerlichen. Wer sich nur eiligst durch die Worte und Abschnitte liest, wird nicht zu deren Kern vordringen. Schnelle, simple Antworten auf essenzielle Fragen des Lebens lassen sich niemals finden. Erst wer sich mit der Bedeutung auseinandersetzt, sie aufnimmt in das eigene Sein, wird die inneliegende Erkenntnis erfassen. Geduld, Hingabe und Ruhe sind dabei große Hilfe, die darüber hinaus im Alltag viel zu wenig Wertschätzung erfahren. Das ruhige und mehrmalige Lesen fördert die Akzeptanz gegenüber den im Denken oft abwegig erscheinenden Aussagen.
Im eigenen Selbst, in der Seele, ist man unbefangen, zeitlos. Nur im Ego, im Denken, ist man rastlos, rennt nach dem Takt der Zeit, verrennt sich in imaginären Betrachtungen und eingebildeten Sehnsüchten - und übersieht die wesentlichen, wertvollen und bedeutsamen Belange, die erkennen lassen, was man in sich trägt und und diesem menschlichen Dasein erlangen kann.
»Menschlichkeit ist kein Gedankengut,
sondern ein Wesenszug,
der die Missverständnisse im Denken,
die Arroganz im Ego,
ebenso wie viele andere Leiden
aus den Köpfen vertreiben kann,
einzig durch Offenheit und Herzensgüte.«
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»Wer Menschlichkeit verkörpert,
braucht weder gedankliche Ethik noch Moral.
Alles ethische Philosophieren, sich unterordnen
und den Regeln der Sittlichkeit folgen
führt an kein höheres Ziel -
erst der Aufstieg zur Menschlichkeit.«
Mit Begriffen wie Ethik, Moral, Menschenrecht und Menschenwürde gehen große Erwartungen einher. Bereits in der antiken griechischen und der alten chinesischen Philosophie, vor weit mehr als 2000 Jahren, wurden deren Grundlagen definiert und bedeutende Aspekte diskutiert.
Trotz der unzähligen tiefgründigen Überlegungen, den geflügelten Worten und hochtrabenden Ideen hat sich über all die Zeit wenig Zählbares daraus ergeben. Was Menschen und ihre Lebensweise weitaus stärker prägten, waren das erlangte Wissen, neue Technologien, kultureller Wandel, soziale Strukturen und Wohlstand. Ethische Philosophie und moralische Regeln konnten nachhaltig kaum etwas bewirken. Durch alle Generationen hindurch sind Intoleranz, Hass, Lüge, Gewalt und Krieg noch immer an der Tagesordnung.
Ethik, als philosophische Disziplin, entsteht im Denken. Moral, als ein gesellschaftlich etabliertes Regelwerk, dirigiert das sittliche, zwischenmenschliche Verhalten. Menschenrechte brauchen eine Instanz wie ein Gericht, welche sie zur Anwendung bringen und Menschenwürde solche, die diese kennen und dir entgegenbringen. Gedankenspiele, Regeln, gerichtliche Instanzen oder Kenntnis - für Menschlichkeit ist all dies nicht von Nöten. Sie ist kein gedanklich ersonnenes Ideal, welches intellektuell verbreitet werden muss, sondern eine Wesensart, die in uns haust, ein Attribut, das wir beherbergen. Einzig durch eigene Bemühungen lässt sich diese natürliche Seite neu entdecken. Sie lebt in uns als zeitlose, unabhängige Gesinnung, bedarf nichts und niemanden, um fortzubestehen. Sich mit ihr zu befassen ist gesund und ehrenwert.
Über Ethik und Moral kann man tausende Meinungen bilden, tausend Jahre diskutieren und streiten. Menschlichkeit, im Gegensatz dazu, muss man einzig verkörpern und leben. Regeln und Meinungen können grundlegend falsch sein oder falsch verstanden werden. Wer einfach nur Menschlichkeit lebt, gelangt damit kaum je auf falsche Pfade.
Alle philosophischen Überlegungen und Regeln der Sittlichkeit haben nicht, können nicht und werden nicht zu einem höheren Ziel führen. Der Aufstieg zur Menschlichkeit stößt diese Türe jedoch auf. Mit ihr ändert sich das Denken, das Verhalten und die Umgangsformen. Man wird intuitiver, gelangt näher zu Bedeutung und dem eigenen Selbst, fördert ein bewussteres Wesen und damit erfüllteres Sein.
Indem man Humanität verkörpert wird gedankliche Ethik und gesellschaftliche Moral nebensächlich, unbedeutend, überflüssig und nutzlos. Man erlangt Güte, Einsicht und Mitgefühl ohne eine bestimmte Gesinnung. Damit lässt man sich nicht mehr so leicht fehlleiten, gleitet nicht einfach ab in gewissenloses oder selbstzerstörerisches Denken und Handeln.
Kong Qui, besser bekannt unter dem Namen Konfuzius, chinesischer Philosoph, 551 bis 479 vor Christus, wird wie folgt zitiert: »Dem Menschen, der der Menschlichkeit entbehrt, helfen keine frommen Gesten.«
Fromme Worte, gläubig Sprüche oder moralische Fingerzeige sind oft leere Gesten, die Weisheit, Bedeutung oder Menschlichkeit bloß vorgeben. Verkrieche dich nicht hinter religiösen Glaubenssätzen, sittlichen Richtlinien oder philosophischen Anschauungen. Lebe nicht in der Idealisierungen einer falschen Wahrheit. Wertvoller ist jederzeit die Sicht des Herzens. Wahre Herzensgüte verhilft zu einem gesteigerten Lebensgefühl, intuitiverem Verhalten, gesunder Leichtigkeit und bedingungsloser Verbundenheit.
Lass dein humanes Wesen nicht verkümmern in endlosen Gedankenspielen und wertlosen Verlangen. Lass es nicht zurück hinter fragwürdigen Regeln und Vorschriften. Verabschiede dich von den Ausreden und Ausflüchten im Verstand, die dich daran hindern, deine menschliche Verantwortung zu leben. Einzig auf die Weise bleibt sie nicht länger eine vage Idee oder Möglichkeit, sondern wird zu einem Faktum, welche die Menschheit gemeinsam verkörpert.
Nicht die äußeren Unwegsamkeiten sind es, die den Weg zur Menschlichkeit verbauen, sondern die eigene Ignoranz und Engstirnigkeit im Ego. Sie hält dich auch ab von Lebensfreude, Heiterkeit, Liebe und Toleranz. In sich verbittert oder gefühlskalt, narzisstisch oder voreingenommen verlieren wir unser wahres Sein, unsere menschliche Seite.
Verhält der Mensch sich nicht mehr menschlich, schwächt er damit sich und das Kollektiv. Maßlos und gierig, willenlos oder unterwürfig nimmt die eigene Entwicklung Schaden und die Strukturen werden brüchig und instabil. Sind es nur noch soziale Regeln, staatliche Gesetze und egoistische Verlangen, nicht mehr Vernunft, Rücksicht und Herzlichkeit, welche die Gesellschaft bestimmen, wird diese anfällig für allerlei Krankheiten. Der Mensch und mit ihm sein Umfeld sind nicht mehr widerstandsfähig gegen falsche Einflüsse, Manipulation, Ausnützung oder Neid.
Jede Gewalt, zu der sich Leute anstiften lassen und jeder Krieg, jedes verbrecherische Regime, das Anhänger findet, genauso wie jede sektiererische Organisation zeigen, wie der Mensch sich blenden und durch übertriebenen Gehorsam manipulieren lässt. Solche Einschnitte sind unnötig, würde man sich mehr an die eigenen Instinkte halten, sich weniger abbringen lassen vom natürlichen Wesen. Intellekt, Wissen, Logik oder Ratio sind eine Ebene. Sie ersetzen oder kompensieren jedoch nicht eine gesunde Einstellung zum Leben, eine mutige, offene und freiheitsliebende Wesensart.
Ob in zivilisatorischem Aufschwung oder Niedergang, in Wohlstand oder Armut, Leichtigkeit oder Schwermut, Freude oder Trauer - Menschlichkeit ist in jeder Lebenslage eine Gabe, förderlich und hilfreich. Innerer Wandel hin zur menschlichen Natur benötigt keinerlei äußere Voraussetzungen, liegt stets in den eigenen Händen und verändert das Dasein beständig und von Grund auf. Jede Veränderung im Umfeld ist dagegen von weitaus geringerer Wirkung, unvorhersehbar in den Folgen und immer von beschränkter Dauer.
