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Dieses Buch ist kein Roman, keine Fiktion. Es beinhaltet episodenhaft tatsächliche Begebenheiten und Erlebnisse aus dem Leben des Dr. Theodor Bernhard Brauch, Rektor und Historiker, zusammengefasst zu einer Autobiographie. Theodor Brauch verwendet als Schreibstil in Anlehnung an klassische Dramen die Versform und schafft damit einen Kontrast zwischen den grausamen Kriegserlebnissen und dem edlen Geist des Menschen, der aufbauen und nicht zerstören will. Er ist Jahrgang 1920 und durchlebt den 2. Weltkrieg als Funker in Afrika und Russland. Er schildert nicht so sehr das Kriegsgeschehen, sondern mehr die menschlichen Begegnungen zwischen Freund und Feind und wie der Krieg ihnen hart zusetzt. "Russen sind auch Menschen" scheibt er damals in sein Tagebuch. Nehmen die Kriegserlebnisse einen breiten Raum ein, so schildert er aber auch episodenhaft seine Kindheit in den 20er und 30er Jahren, sein Fußfassen nach den Soldatenjahren und schwerer Krankheit und wie aus einem totalen Zusammenbruch - sowohl staatlich wie auch persönlich - familiär und beruflich neues Glück und Erfolg erwuchs. Ergänzt werden die Texte durch eine ausführliche Biographie und Genealogie. Diese Genmealogie nennt nicht nur die Namen der Ahnen, sondern zeigt auch die Lebensumstände, die Nöten und Drangsale einer einfachen Leineweberfamilie von der kurpfälzischen Bergstraße lückenlos bis zurück zum 30-jährigen Krieg. Not, Entbehrung, immer wieder Kriegsfolgen, Naturkatastrophen, Auswanderungsgedanken sind Begleiter der vorangegangenen Generationen. Theodor Brauch ist der erste Akademiker in der langen Reihenfolge seiner Ahnen. Dieses Buch will erzählen, aber auch mahnen, den mühsam erworbenen Schatz von Freiheit und Wohlstand und Frieden nicht zu verspielen. Es steht stellvertretend für viele, viele ähnliche familiäre und persönliche Schicksale von "Normalbürgern", die nicht aufgeschrieben sind. Diese aber ist aufgeschrieben und dokumentiert und daher einer Veröffentlichung wert.
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Seitenzahl: 412
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Zum Geleit
Seine Biographie
Die Stationen seiner Laufbahn
Seine Krankheitsliste
Seine Bücherliste und Ehrungen
Familien-Genealogie
Stammbaum der Familie Brauch
Geschwister Brauch, ältere Generation
Geschwister Brauch, jüngere Generation
Die Enkel und Urenkel
Die Zweige der Familie Brauch 1987
Die ältesten Vorfahren
Ahnentafel, erstellt von TB
Erwähnungen zum Namen Brauch in der Ortschronik von Hemsbach a. d. Bergstraße
Dramatische Ereignisse um 1700
Zwischenwort
Aus Kindertagen
Aus Jugendjahren
Aus Kriegstagen
Seine Odyssee
Alltagsgeschichten
Neue Heimat
Im Alter
Impressionen
Nachgedanken
Bildnachweise und Literatur
Anmerkung:
Der Supplementband mit Kopien von Originaldokumenten, auf den sich die Anmerkungen in diesem Buch beziehen, ist nicht veröffentlicht.
Dr. Theodor Brauch 17.4.1920 - 22.7.1997
Erlebte Geschichten
in eigenen Berichten
aufgeschrieben in feinen
Versen und Reimen.
Dazu in einfachen Worten
seine Biographie mit allen Orten
und Lebensstationen,
samt allen Krankheitsaktionen.
Zur Übersicht über die Vorfahren,
die direkte Vorgänger waren,
ist beigefügt zu allem auch
ein Stammbaum der Familie Brauch.
Damit sich alle heut‘ge Leser
ein Bild machen von jener
äußerst unbequemen Zeit,
die über so viele brachte Leid.
Und wie aus Schutt und Asche dann
das neue Leben Fahrt gewann
und wie aus zweier Menschen Mut
sich neues Glück auftut.
MB
Aus dem Leben des TB
TB war sein Schicksal und TB sind seine Initialen, sowohl was seine beiden Vornamen betrifft, wie auch sein Ruf- und Familienname.1
Seine beiden Vornamen erhielt er im Angedenken an die zwei im ersten Weltkrieg gefallenen Brüder seines Vaters: Theodor und Bernhard. Der Familienname bzw. Nachname ist Brauch.
Die Tuberkulose (TB), Lungentuberkulose, gab seinem Leben die entscheidende Wende, da war er 25 Jahre alt. Von da an verlief sein Leben völlig anders als er es für sich gedacht / geplant hatte. Seine Lebensidee war: nach dem Abitur Studium der Theologie und ein zölibatäres Leben als Kath. Priester. Dies hat er oft selbst über sich gesagt und es geht auch aus Tagebucheinträgen und aus einem Nachruf auf seinen Schulfreund Fritz hervor, der 1941 bei Kiew gefallen ist.2 Beide waren entschlossen, den priesterlichen Weg zu gehen. Wenn auch bei ihm immer wieder Zweifel da waren, bekennt er doch am Ende dieses Textes: „Fritz ich habe Mut!“
Theodor Bernhard Brauch, 1945
Seine Mutter hat ihn schon von klein an zu diesem Ziel erzogen: der ältere Sohn übernimmt das Geschäft und der jüngste Sohn wird Priester. Deshalb hat man ihn auch in ein kath. Internat nach Freiburg geschickt. Seine Mutter stirbt am 4. November 1938 an Blutvergiftung und wird an ihrem 50. Geburtstag beerdigt, ca. 6 Wochen vor den Abiturprüfungen. Nach dem Abitur wird er am 1. April 1939 zum Arbeitsdienst eingezogen und von dort gleich zur Wehrmacht. Am 1.9.1939 bricht der 2. Weltkrieg aus. Der Polenfeldzug ist rasch zu Ende, so wird ein Teil der jungen Rekruten entlassen und er studiert ein Trimester lang Theologie in Freiburg. Dann wird er 1940 erneut eingezogen bzw. kommt der Einberufung zuvor, indem er sich freiwillig meldet, da man dann die Waffengattung wählen kann. Er war sich sicher, dass die Einberufung sowieso bevorstand. Er wählt die Funkerei und lässt sich zum Funker ausbilden. Militärische Grundausbildung in Kutna Hora, ca. 70 km südöstlich von Prag, dann Heeresnachrichtenschule in Halle. Die weiteren Stationen seiner Kriegseinsätze sind auf einer Karte und in einer Aufstellung auf der folgenden Seite verzeichnet.
Die Stationen seiner Kriegseinsätze
1939
Venlo - Holländische Grenze - Grenzsicherung
1940
Kutna Hora - 8-wöchige Grundausbildung
1940
Halle - Heeresnachrichtenschule - Ausbildung zum Funker
1940
Ypern, Belgien und Roubaix, Nordfrankreich
1941
Dt. Afrikacorps - Funker unter Generalfeldmarschall Rommel Tripolis, Arco Fileni, El Aghaila, Mechili, Tobruk, Halfayapass
1941/1942
Rießersee - Lazarett: Auskurierung seiner Ruhrerkrankung
1942
Rußlandfeldzug - Funker, Lemberg bis Prochladny im Kaukasus
1943
Ukraine - Stalino (Donezk), Charkow, Belgorod, Smila, Gaisin
1944
Rumänien - Klausenburg
1945
Ungarn - Gödölö und Kaposvar
1945
Deutschland - Bad Frankenhausen (Kyffhäuser), Halle, Potsdam, Rostock, Pasewalk, Wittenberge, Güstrow bei Schwerin im Mai 1945 zu Fuß von Güstrow nach Hemsbach
TB vor dem elterlichen Haus in Hemsbach Der Fotograph, seine Schwester, hat wohl zu früh auf den Auslöser gedrückt, bevor der Soldat Hab-Acht-Stellung eingenommen hatte.
das elterliche Haus (links) in den 1960er Jahren
Hemsbach an der Bergstraße, eine alte Postkarte, eine alte Gemäldeansicht und eine Fotographie (von TB) aus den 1940er Jahren
Ypern 1939
Unbekannter Ort 1940
März 1941 in den Dünen bei El Aghaila Libyen
August 1944 Klausenburg, Siebenbürgen heute Rumänien auf dem Platz vor der Kath. Kathedrale Dieses Bild schickte TB an seine damalige Brieffreundin, seine spätere Ehefrau, mit dem noch scherzhaft gemeinten Satz: Willst du neben mir Platz nehmen?
Die freiwillige Meldung zum Wehrdienst war für seinen Vater, ein entschiedener Hitler-Gegner, ein Schock. Auch er selbst hegte nach der verbalen Auseinandersetzung mit seinem Vater bald Zweifel an seiner Entscheidung, tröstet sich aber mit dem Gedanken, es wäre ja sowieso so gekommen. Es steht aber für ihn fest: Ein Offizier in Hitlers Armee wird er nicht.
Er erkennt, dass seine freiwillige Meldung im Grunde eine Flucht vor der Hinwendung zum Priesterberuf war, die er aber immer noch in sich spürte. Es kam also alles ganz anders. Anstatt Priesterberuf, wie der Mutter versprochen, trotz instabiler Gesundheit: Eheschließung, Familie mit 5 Kindern, vom Dorfschullehrer zum Dr. phil. und Rektor einer Grund- und Hauptschule, soziales Engagement in Kirche und Kirchenmusik und intensive, heimatkundliche Forschungen und Dokumentationen, Leiter und Gründer einer regionalen Arbeitsgemeinschaft Kath. Religionserzieher, Religionslehrer am Gymnasium, Lektor, Kommunionhelfer und Spender der Krankenkommunion, Vorträge in der Erwachsenenbildung, Leiter, Organisator, Regisseur und Schauspieler von Laienspieltheater, Verfasser von verschiedenen historisch fundierten Ortschroniken, Leiter eines Heimatmuseums, kurze Zeit Privatdozent an der PH Karlsruhe, Verfasser von zahlreichen unveröffentlichten Epen und Dramen mit biblischem Hintergrund, Autor einer großen Zahl von Balladen und Gedichten. Im Laufe der Jahre legte er eine umfassende Datei in Form von Zettelkästen über die Flurdenkmale im Madonnenländchen (= ehemaliger Landkreis Buchen im Odenwald und Randgebiete) an, in der er akribisch und systematisch sämtliche Flur- und Kleinkunstdenkmale zeichnerisch oder per Foto dokumentierte, die Inschriften entzifferte und auch die Aufstellungsgründe erforschte und festhielt. Diese sehr umfangreiche Sammlung ging aus seinem Nachlass an das Bezirksmuseum Buchen.
Die Lungentuberkulose ereilte ihn 1945 nach vermeintlich glücklicher Rückkehr aus dem schrecklichen Krieg, den er von Anfang an als Funker durchlitt an wechselnden Einsatzorten: Tschechien, Holland, Belgien, Frankreich, Italien, Afrika, Russland, Kaukasus, Ukraine, Rumänien, Ungarn. Krankheit (Ruhr), totaler Zusammenbruch, Verwundungen, zum Schluss eine Irrfahrt durch das kriegszerstörte Deutschland von Ungarn bis zur Ostsee und eine kräftezehrende Flucht zu Fuß von Norddeutschland an die Bergstraße. Dem Kriegstod entronnen und dann todkrank.
Krankenhausaufenthalt in Rohrbach, Heidelberg vom 7.2. bis 12.3.19463
Die Kosten muss die Familie vollständig selbst tragen. Eine anschließende Rehabilitationskur war aus finanziellen Gründen unmöglich. Seine älteste Schwester Elisabeth in Villingen nimmt ihn bei sich auf (ihr Mann ist 1946 in russischer Kriegsgefangenschaft gestorben) und sorgt für eine medizinische Versorgung. Sie arbeitet als Wäscherin im Villinger Krankenhaus. Die Ärzte des Krankenhauses behandeln / versorgen ihn, ihr zuliebe, unentgeltlich. Er nennt beides, die Unterstützung durch seine Schwester und die der Ärzte, eine Guttat.
Eine Bewerbung zum Studium der Theologie wurde auf Grund der Diagnose Lungentuberkulose strikt abgelehnt. Auch Medizin war aus dem gleichen Grund nicht möglich. Die Bewerbung ins Lehramt wurde zunächst aus dem gleichen Grund abgelehnt.4 Für ihn eine deprimierende Situation: jahrelang hat er seine Gesundheit, ja sein Leben für das „Vaterland“ aufs Spiel gesetzt und dann wegen der geschädigten Gesundheit kein Studienplatz, keine Berufsperspektive. Letztendlich aber auf Grund erneuter ärztlicher Untersuchungen und günstigeren Prognosen - auch wegen seiner Beharrlichkeit - wurde der Bewerbung in den Schuldienst wenig später zugestimmt.
Inzwischen erlebt er auch die Zuneigung und Liebe zu einer jungen Frau. Die Beziehung begann schon 1944 während des Krieges und hat sich 1945 intensiviert (vgl. Verse S. →). Aber noch während seines Genesungsaufenthaltes in Villingen hält er eine eheliche Verbindung als für ihn nicht gangbar, da er immer noch sein priesterliches Wunschleben vor Augen hat. Seine Lösung: intensive Freundschaft zwischen Mann und Frau. Das geht aus einer Kurzgeschichte, die sehr viele autobiographische Züge hat und die er in den Villinger Genesungstagen geschrieben hat, hervor.5
Theo und Maria, 1947
Es geschieht das Wunder der (vorläufigen) Genesung. Ein langes Theologiestudium ist aber wegen der strikten Ablehnung aussichtslos. Stattdessen die Kurzausbildung zum Volksschullehrer. Damit steht auch einer ehelichen Verbindung nichts mehr im Wege. Heirat im April 1948 mit Maria Keil.
Hochzeitsfoto 1948
Es war wohl eine Liebesheirat von beiden Seiten. Doch bald wird das junge Eheglück getrübt. Das erste Kind Alfons stirbt nach wenigen Wochen an Keuchhusten. 1952 bricht die Krankheit erneut aus. Er hat gerade eine neue Stelle als Hauptlehrer angetreten. Sein Leben steht auf Messers Schneide. Man lässt ihn nur mit medizinischer Begleitung und sofort in die Klinik nach Rohrbach einliefern. Dabei ereignet sich ein Blutsturz (Bluthusten mit Erstickungsanfall). Das fachkundige Eingreifen der begleitenden Krankenschwester Schwester Sturmia rettet ihm wahrscheinlich das Leben. Er ist ihr sein Leben lang dafür dankbar und hat noch bis ins Alter brieflichen Kontakt zu ihr. Die Ärzte haben ihn schon aufgegeben. Und wieder geschieht das Wunder der (vorläufigen) Genesung. Während des monatelangen Klinik- und Genesungsaufenthaltes in verschiedenen Heilstätten 1952/1953 u.a. in Rosenharz, ist die Ehefrau mit zwei kleinen Kindern - 2 Jahre und ein neugeborenes Baby - auf sich alleine gestellt, zig km von ihrer eigenen Familie entfernt und mit ungewisser Zukunft, auch mit dem Wissen: die Krankheit ist ansteckend.6 TB war vom 21.8.1952 bis 15.10.1953 krankgeschrieben - also über ein Jahr. Wie dramatisch sein Gesundheitszustand war zeigt eine Gegenüberstellung von Schriftproben aus zwei Briefen jener Zeit: Weihnachten 1945 und November 1952. In einem nie abgeschickten Brief vom Sept. 1954 schreibt er, wie sehr ihn die Krankheit in seiner Leistungsfähigkeit noch beeinträchtigt. Eine Pilgerfahrt nach Rom im Herbst 1954 bringt ihm wieder neuen Lebensmut.
Nach der Genesung bleiben eine eingeschränkte Lungenfunktion und eine Leberschädigung zurück (d.h. 60 % Kriegsbeschädigung). Der Wille ein Hochschulstudium zu absolvieren ist nach wie vor ungebrochen vorhanden. Aber die körperlichen Kräfte erlauben keine Doppelbelastung von Beruf und Studium und die Familie ist auch noch da.
Auszug aus einem Brief vom Dezember 1945
Auszug aus einem Brief vom 17. November 1952 aus der Heilstätte Rosenharz an seine Ehefrau
Auszug aus einem nie abgeschickten Brief mit Datum 12. Sept. 1954
Die Kinderschar erhöht sich bis Ende der 1950er Jahre auf fünf. Auch die Krankheiten nehmen zu: Gelbsucht, Nierenstein, Augenleiden – sie sind jetzt aber als Folge der TB, wegen ständiger Medikamente, als Kriegsleiden anerkannt.
aus seinem Fotoalbum
Im Jahr 1959, angeregt durch Kollegen und einem heimatkundlichen Gesprächskreis um Dr. Walter in Amorbach, beginnt er neben seinen Verpflichtungen als Volksschullehrer ein Studium der Geschichte, Philosophie, Germanistik und Volkskunde an der Universität Würzburg mit dem Ziel der Promotion. Auf Grund seines gesundheitlichen Zustandes zieht sich das Studium und vor allem seine aufwendigen Recherchen zu seiner Dissertationsarbeit „Lätarebrauchtum am bayrischen Untermain und seinen Randgebieten Spessart und Hinterer Odenwald“ wegen zahlreicher, krankheitsbedingter Unterbrechungen über 10 Jahre hin. 1969 erhält er den Titel Dr. phil. cum laude.7
Eine Zusammenfassung seiner Nachforschungen gibt er in einer Rede vor dem FDA (Freier deutscher Autorenverband) am 10.11.1971.8 Das Ziel eines Lehrstuhls an einer PH ist aber in weite Ferne gerückt, da die Zeit seine Bemühungen überholt hat. Als Trost bleibt die Stelle eines Rektors an einer Grund- und Hauptschule, die auch ohne Doktor Titel zu erhalten gewesen wäre.9
Während der ganzen Zeit war ihm seine Ehefrau nicht nur eine fürsorgliche Mutter der Kinder, sondern auch eine fürsorgliche Unterstützerin und Pflegerin seiner Gesundheit. Ohne Sie hätte er das alles nicht geschafft! Sie war die Stütze und der Anker der Familie, wusste sie doch um den sehnlichen Wunsch einer betrogenen Generation und speziell ihres Mannes auf einen universitären Bildungsabschluss.
Wenn TB voll und ganz auf seine schulische Laufbahn und die Erweiterung seines Bildungshorizonts und seiner wissenschaftlichen Arbeiten konzentriert war, war seine Ehefrau für die Familie da. Sie unterstützte ihn darüber hinaus auch in seiner Arbeit, indem sie ihn begleitete und auch den Fahrdienst übernahm, nachdem sein Augenleiden das Selbstfahren mit dem PKW erschwerte.
1967 am häuslichen Schreibtisch
bei der Recherche bzw. Befragung
beim Orgel spielen
Übergabe der Heidersbacher Ortschronik und Ehrung durch Bürgermeister Matthias Baumann
Ehepaar Maria und Theodor Brauch, Kuraufenthalt in Bad Mergentheim 1973 Auf Grund seines Kriegsleidens waren regelmäßige Kuraufenthalte in Bad Mergentheim nötig. Die Zigarre war ihm - als Sohn eines Zigarrenmachers - ständiger Begleiter. Erst im Alter verzichtete er aufs Rauchen. Man sah ihn auch selten ohne Baskenmütze.
1 Dokument Geburtsurkunde – Supplement S. 7 und Dokument arische Abstammung 1935 – Supplement S. 8
2 Kurzgeschichte: Zum Gedächtnis an meinen Freund Fritz – Supplement S. 71
3 Dokument: Kontobuch – Supplement S. 16
4 Dokument: Dienstunfähigkeit – Supplement S. 17
5 Dokument: Kurzgeschichte „Am Immersberg“ – Supplement S. 74
6 Dokumente: amtsärztliches Zeugnis und Krankmeldung - Supplement S. 44 ff
7 Dokument: Doktorurkunde und Dissertationsarbeit – Supplement S. 49 ff
8 Dokument: Rede vor dem FDA – Supplement S. 79
9 Dokument: Kausalitätsbegründung - Supplement S. 54
Hemsbach, 1927-1932, Volksschule
Freiburg, 1932-1939, Bertholdsgymnasium, Abschluss Abitur
Neuhaus Solling, 1939, Reichsarbeitsdienst
Freiburg 1940, Studium Theologie (1 Trimester)
Afrika bis Russland, 1940-1945, Wehrmacht
Hemsbach, 1946-1947, Schulamtsbewerber
Rippenweier, 1947-1951, außerplanmäßiger Lehrer
Zimmern, 1951-1952, außerplanmäßiger Lehrer
Heidersbach, 1952-1956, Hauptlehrer
Oberscheidental, 1956-1970, Oberlehrer
1959-1969 Studium an der Universität Würzburg, Abschluss Promotion
Östringen, 1970-1982, Rektor der Silcher Grund- und Hauptschule
Östringen, 1982-1997, Ruhestand
Östringen, 1987-1992, Leiter des Heimatmuseums Östringen
Die erste gemeinsame Wohnung bezieht das junge Paar 1948 in Rippenweier, Ortstraße 44, 3. Stock. Der Mietvertrag ist erhalten.10 In der Wohnung gab es kein fließendes Wasser. Es musste eimerweise die drei Stockwerke hochgetragen und das Abwasser wieder hinunter getragen werden. Ebenso das Heizmaterial der Holz- bzw. Kohleöfen. Hier wurden zwei Söhne geboren: am 16. Februar 1949 Alfons Elmar, er starb schon nach 4 Wochen am 4.4.1949 an Keuchhusten und am 6. Januar 1950 Meinrad Heribert.
Der berufliche Wechsel von der Bergstraße in den Odenwald Landkreis Buchen zur Volksschule in Zimmern bei Seckach im Jahr 1951 geschah aus gesundheitlichen Gründen. Das Klima auf ca. 400-500 Meter Höhe war für seine Lungenschädigung erträglicher als das schwülwarme der Bergstraße. Ob er auch mit einem „strengen Verweis“ in seiner Personal-Akte, den er 1949 erhielt, zusammenhängt, ist nicht mehr festzustellen. Auch nicht die Gründe, die zu diesem Verweis geführt haben. Die junge Familie bezog eine Wohnung am Häldegraben bei Familie Greiner.
1952 kann er in Heidersbach die erste Stelle als hauptamtlicher Lehrer antreten, auf die er sich offiziell beworben hat.11 An der Volksschule Heidersbach wurden die Schüler in 2 Klassenzimmern von 2 Lehrern unterrichtet, einem Hauptlehrer und einem 2. Lehrer.
Der Umzug fand zu Beginn des neuen Schuljahres nach Ostern 1952 am 29. April statt. Am 18. April wird Tochter Mechthild geboren, nicht in Zimmern oder Heidersbach sondern wegen des dienstlich bedingten Umzuges zu Hause bei der Schwiegermutter in Kocherbach. Im März 1955 wird eine weitere Tochter Hiltrud in Heidersbach geboren.
Der Umzug von Heidersbach nach Oberscheidental im Jahr 1956 war bedingt durch die Wohnverhältnisse der Lehrerwohnung in Heidersbach: kein Bad, kein Abschluss zum Treppenhaus, durch das andere Mieter in das obere Stockwerk gelangten. Auch war die Wohnung für die größer werdende Familie zu klein.
Die Lehrerwohnung in Oberscheidental lag im oberen Stockwerk des Schulhauses, das gleichzeitig auch Rathaus war. An der Volksschule Oberscheidental wurden die Schüler der 1. bis 8. Klasse von einem Lehrer in einem Klassenzimmer unterrichtet. Im Ortsteil Unterscheidental (ca. 1 km entfernt) gab es eine weitere Volksschule als sogenannte Zwergschule.
Obwohl das nächste Gymnasium in der Kreisstadt Buchen 25 km (Buslinie) entfernt war und die Busverbindung dorthin noch nicht den schulischen Gegebenheiten angepasst war, setzte er sich doch dafür ein, begabte Grundschüler auf eine weiterführende Schule zu schicken oder nach der 8. Klasse eine berufliche Ausbildung z.B. zum Werkzeugmacher zu beginnen, oft gegen große Widerstände der bäuerlich geprägten Elternhäuser.
In Oberscheidental werden zwei weitere Kinder geboren: Tochter Sigrid, Februar 1958 und der jüngster Sohn Rigobert, Januar 1959.
Wohnung in Zimmern bei Seckach 1951-1952
Aufnahme schwarz/weiß 1951 Schwiegermutter und Schwägerin zu Besuch
Aufnahmen in Farbe aus dem Jahr 2012 bzw. 2017
Heutige Adresse: Am Häldegraben 7
Kath. Kirche St. Andreas in Zimmern (2012)
Schulhaus in Zimmern
Heidersbach: Lehrerwohnung im 2. Stock über den Amtsräumen des Rathauses, das Dachgeschoss war ebenfalls vermietet. 1952 – 1956
Neben dem Rathaus das Schulgebäude und vis-à-vis die Kath. Kirche St. Wendelin, hier Aufnahmen aus späteren Jahren.
Scheidental: Schulhaus und alte Kirche (erbaut 1868) 1956 - 1970 Die Bilder entstanden wohl um 1960. Es wurde gerade eine Garage für das Auto des Lehrers und den gemeindeeigenen Leichentransportwagen gebaut.
Die neue Kirche in Scheidental wurde neben der alten 1965 als Zeltkirche erbaut. Die alte Kirche wurde dann abgerissen, da sie auf Grund einer Luftmine, die 1944 hinter der Kirche explodierte, baufällig war. Bei der Planung der neuen Kirche war auch der ortsansässige Lehrer involviert. So gehen die „Zeltschnüre“ auf eine Idee von TB zurück.
An allen Wirkungsorten des Odenwaldes initiierte er Laienspieltheateraufführungen, bei denen er Regie führte und selbst mitspielte. Z.B. führte er in Heidersbach „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal auf.
Die Leidenschaft fürs Theater lag schon in seiner Familie begründet. Sein Großvater Franz gründete zusammen mit dessen Vater Johannes den Hemsbacher Kirchenchor als Cäcilienverein im Jahre 1877 noch als reinen Männerchor und führte immer wieder auch Laienspieltheater auf. Diese Tradition wurde in der Familie fortgeführt, wie eine Aufnahme aus dem Jahr 1931 zeigt mit Vater Augustin Brauch als röm. Legionär (zweiter von rechts) und Bruder Alfons Brauch (kniend Mitte) in dem Theaterstück: „Die letzten Tage Pompeis“.13
Auch TB setzte diese Tradition in Hemsbach fort, z. B. 1949 mit dem Bühnenstück „Das lockende Spiel“, bei dem er Regie geführt und die Hauptrolle gespielt hat.14
Darüber hinaus spielte er in den Odenwaldgemeinden beim Gottesdienst die Orgel und leitete den örtlichen Kirchenchor.
In den 50er Jahren gründete er im Landkreis Buchen eine Arbeitsgemeinschaft Kath. Religionserzieher und war auch lange Jahre (bis 1970) deren Leiter.
Theaterensemble des Cäcilienvereins Hemsbach 1931
Nach dem Abschluss des Studiums mit akademischem Grad suchte er 1970 eine neue berufliche Herausforderung. Seine Bewerbungen zielten auf die Rektorenstellen in Hardheim, Lüzelsachsen, Mingolsheim und Östringen und auf eine Schulratsstelle in Bruchsal. Die Bewerbung nach Östringen war erfolgreich.
1970 verlagerte sich der Lebensmittelpunkt der Familie vom Odenwald in den Kraichgau. TB wird Rektor der Grund- und Hauptschule Östringen, die später mit dem Neubau den Namen Silcherschule erhält. Die Familie bezieht zunächst eine Mietswohnung in der Hauptstraße 202. In der Heinrich Mann Str. 10 am Dinkelberg wird ein Grundstück von der Gemeinde erworben und darauf ein Wohnhaus erstellt, das 1972 bezogen wird.
Östringen wird zur neuen Heimat.
Wohnhaus Heinrich-Mann-Str. 10 ca. 1976 – Luftaufnahme 1982 und eine Aufnahme von 2016
Alte Grund- und Hauptschule, heute Jugendmusikschule
Neubau Silcherschule als Teil des Schulzentrums mit Gymnasium, Realschule und Grund- und Hauptschule
auf dem Schulgelände
Altes Rathaus, jetzt Heimatmuseum und Blick in die Keltergasse
beim Erklären
am Schreibtisch
Wer überreicht was?
Schlachtfest des Lehrerkollegiums der Silcherschule Östringen
Zwei Weggefährten: TB mit Meinrad Hauck, Kollege an der Scheidentaler Nachbarschule Reisenbach und dann Schulleiter in Höpfingen
Verabschiedung in den Ruhestand 1982
am Rednerpult
Familie Brauch im April 1990 zum 70. Geburtstag von Theodor
Pressebericht zum 75. Geburtstag 1995
Anmerkung: TB hat sein Leben lang Presseberichte zu den unterschiedlichsten Themen aus Zeitungen sorgfältig ausgeschnitten und archiviert. Hier kann man sehen, dass ihm das Führen der Schere im Alter von 75 Jahren schwer fiel. Im Jahr zuvor erlitt er einen körperlichen Zusammenbruch wegen einer Nierenschädigung. Er war von da an auf die Dialyse angewiesen.
Familie Brauch im April 1997
geboren 1920
1923 Sturz vom Heuboden, starke Gehirnerschütterung
1925 beinahe im Bach ertrunken
1933 mit Schwung Kopf voraus gegen eine Steinmauer, Gehirnerschütterung
1935 nicht erkannter Beinbruch, vom Erntewagen überrollt, heilt ohne Gips
November 1941 Ruhr, totaler Zusammenbruch wegen Unterernährung, Verwundung am Knie
Februar 1944 Verwundung linke Schädelseite und linke Hand
1945/46 Tuberkulose, Krankenhaus Rohrbach, Pneumothorax
November 1949 Blinddarmoperation
November 1950 Augenverletzung wegen Motoradunfall
August 1952 bis Oktober 1953 erneute TB, Gelbsucht, Nervenentzündung
Juli 1956 Herzinfarktverdacht
Januar 1958 Gelbsucht
Januar 1962 Nierenstein
Juli 1964 Netzhautentzündung auf dem rechten Auge
September 1967 Gelbsucht und Nierenstein
Juni 1987 Glaukom, Augenklinik Heidelberg
März 1988 Magenblutung
1994 Nierenversagen, seit dem Dialyse
1995 Beinamputation beidseitig oberhalb des Knies, seit dem Pflegefall
gestorben am 22. Juli 1997, nachdem er wegen schwindenden körperlichen Kräften freiwillig auf die Fortsetzung der Dialyse verzichtet hat.
In der Östringer Zeit verfasste er diese Ortschroniken:
Östringen, Geschichte einer Stadt (1982), herausgegeben von der Stadt Östringen
Heidersbach im Odenwald (1992), herausgegeben von der Gemeinde Limbach
Tiefenbach, Geschichte eines Kraichgaudorfes (1992), herausgegeben von der Stadt Östringen
Schon früher schrieb er:
Reisenbach im Odenwald (1964), herausgegeben vom Dt. Jugendherbergswerk, Landesverband Baden
Unveröffentlicht schrieb er
Der Landkreis Buchen, Heimatkundliches Lesebuch, 6 Bände (Manuskript)
3 Bände im Manuskript: Dichtungen, Vers-Roman, Melodram zu biblischen Themen, darunter z.B.: Noe - die Sintflut vereinigt und erneuert, Abrahams Opfer, Johannes der Täufer, Saulus zu Paulus, Jesus der Narr Gottes, u.a.
Zahlreiche Balladen und Gedichte
Tagebücher (mehrere Hefte)
1983 erhielt er die Ehrenmedaille der Stadt Östringen
1991 erschien in „Menschen unserer Zeit aus der Region Bruchsal“, Band 1 eine selbstverfasste Biographie.
Auf der Homepage des Heimatmuseums Östringen findet sich eine Biographie und Würdigung seines Schaffens: http://www.museum-östringen.de/index.php/recherche
Übergabe der Ortschronik an Bürgermeister Bamberger und Ehrenurkunde der Stadt Östringen im Jahr 1983
Heinrich-Mann-Str. 10, Wohn- und Esszimmerbereich nach dem Ausräumen 2016
Arbeitszimmer
Obergeschoss
Das Haus wurde zum 1.12.2016 verkauft.
10 Dokument: Mietvertrag Rippenweier - Supplement S. 34
11 Dokument: Bewerbung und Umzugsrechnung nach Heidersbach – Supplement S. 41 ff
12 Dokument: Mietvertrag Scheidental - Supplement S. 47
13 Dokument: Dorfheimat 059 4 - Supplement S. 39
14 Dokument: Theateraufführung - Supplement S. 40
Die Brauche sind in Hemsbach an der Bergstraße bis in die Zeit des 30-jährigen Krieges zurück zu verfolgen. Sie sind seit 1635 in Hemsbach nachweislich ansässig und waren alle Leineweber. Die soziale und finanzielle Situation der Bergsträßer Leineweber ist im 19. Jh. durchaus mit der der Oberschlesischen zu vergleichen. Dort kam es zu einem Aufstand, der auch in die Literatur Eingang fand: Gerhard Hauptmanns Drama: „Die Weber“ und Heinrich Heines Gedicht über die schlesischen Weber „Das Schiffchen fliegt“ (1844). Auch TB hat zu diesem Thema ein Gedicht verfasst, in dem er die Lebensumstände schildert, die zu der Auswanderungswelle aus dem Nordbadischen im 19. Jh. führten (s. S. →).
1838 wollte Johannes Brauch, der Ururgroßvater von TB, im Alter von 61 Jahren wegen dieser Situation mit seiner ganzen Familie - Ehefrau und 5 Kinder im Alter von 25 Jahren bis 2 Monate - nach Polen (Galizien) auswandern. Allein er konnte die geforderten Ansiedlungskosten von 400 Gulden nicht bezahlen und zog sein Gesuch zurück.
Erst der Vater von Theodor Brauch erlernte einen handwerklich anderen Beruf: Friseur und Zigarrenmacher. Er führte zusammen mit seinem Bruder Wunibald ein Friseurgeschäft und gründete eine kleine Zigarrenmanufaktur, die eine der größeren in Hemsbach war und die am längsten Bestand hatte (bis 1958). Theodor Brauch war der erste, der beruflich bedingt aus Hemsbach wegging und einen akademischen Beruf ergriff.
Franz Brauch, der Großvater von Theodor, erbaute 1896 in Hemsbach das elterliche Haus an der Bergstraße, Ecke Mühlberg. Ob sein elterliches Haus (Johann Brauch) beim großen Brand im August 1895 an gleicher Stelle mit abgebrannt oder zumindest stark beschädigt worden ist, ist unklar. Es ist aber eine Erklärungsmöglichkeit, warum es zu einem Neubau an gleicher Stelle kam. Zwischen 1894 und 1896 trieb ein Feuerteufel in Hemsbach sein Unwesen, dem viele Scheunen, Schuppen, Ställe und auch zahlreiche Wohnhäuser zum Opfer fielen, darunter auch die Synagoge. Da die Geldmittel begrenzt waren übernahm Franz Brauch selbst die Bauleitung. Wohl wegen mangelnder statischer Kenntnisse und schlechtem Material ist der Bau (Kellergewölbe) eingestürzt. Das führte zu einem Rechtsstreit mit dem bauausführenden Maurer. Der Rechtsstreit wurde vom Landgericht Mannheim zu Ungunsten des Bauherren entschieden. Franz Brauch musste die Prozesskosten und die Kosten für den Wiederaufbau schultern. Schon sein Vater Johann Brauch hat einen Rechtsstreit wegen Grundstücksgrenzverlauf zur benachbarten Mühle 1865 vor Gericht verloren. - Die Ehefrau von Franz Brauch Eva Katharina, geborene Wind, war Hebamme in Hemsbach.
Sein Sohn Augustin erbte die Schuldenlast. Dazu übernahm er 1920 die Versorgung des verwitweten Vaters und auch die Fürsorge für seinen an Skoliose leidenden jüngsten Bruder Wunibald. Die beiden anderen Brüder sind im ersten Weltkrieg gefallen: Theodor 1915 und Bernhard 1916 in Frankreich. Augustin hat sich durch Flucht der russischen Kriegsgefangenschaft entziehen können. Er führte darüber ein Tagebuch. Durch Fleiß und unternehmerisches Geschick gründete er neben seinem Friseurgeschäft auch eine Zigarrenmanufaktur im Familienbetrieb. Durch Ankauf von Grundstücken wurde das Betätigungsfeld auch im Obst- und Weinbau ausgeweitet. Ende der 1930er Jahre war die Schuld soweit abgetragen, da brach der 2. Weltkrieg aus.
Theodor Brauch war der erste, der von Hemsbach wegging und einen akademischen Beruf ergriff. Seine Kinder sind die erste Generation, die in Frieden, Freiheit und Wohlstand aufwachsen durfte!
Weberschiffchen und Zigarrenmodel aus Familienbesitz
Rasierstube um ca. 1939
Regina - Schwester von TB - vor der Rasierstube
Rasierstube und Zigarrenmanufaktur des Augustin Brauch - die abgebildeten Gegenstände sind noch im Familienbesitz.
Arbeitsplatz eines Zigarrenmachers
Zigarrenkiste, Banderole, Stempel, Zigarrenmodel aus der Zigarrenfabrik des Augustin Brauch
Augustin Brauch 1914
Familienfoto 1915, Ehefrau Monika (rechts), Mutter Eva Katharina geb. Wind (links), Kinder von links nach rechts: Alfons *1914, Anna *1911, Elisabeth *1910 und Veronika *1915. Das Foto wurde für Augustin gemacht, der im 1. Weltkrieg Soldat war, damit er seine Familie bei sich haben konnte.
Elternhaus in Hemsbach als Aquarell (gemalt von Edam, Hemsbach, im Auftrag von TB) vor dem Anbau der Friseurstube und vor der Bachverdohlung, noch mit Birnbaum (vgl. Gedicht in Kapitel „Im Alter“). Das Nachbarhaus war eine Mühle mit sehr großem oberschlächtigem Mühlrad.
in den 1990er Jahren, ohne Birnbaum. Der ging in den 1950er Jahren ein infolge des Anbaus und der Bachverdohlung.
Hemsbach an der Bergstraße, alte und neuere Ansicht Rechts unten, roter Kreis, liegt das Elternhaus von TB.
Der Hoffnungsträger der Familie, Augustins ältester Sohn Alfons, für den man ein neues Friseurgeschäft angebaut hatte und der auch das Zigarrengeschäft weiterführen sollte, kommt 1947 in russischer Kriegsgefangenschaft in Saporashje am Dnjepr, Spezial Hospital 1149 ums Leben.15
Alfons Brauch 27.10.1914 – 5.10.1947
Auch die angeheirateten 3 Schwiegersöhne Alois Wiljotti, Richard Kohl und Hermann Thuer kommen aus dem Krieg bzw. der Kriegsgefangenschaft nicht zurück. Nur der jüngste Sohn Theodor überlebt die Kriegswirren und kehrt Ende Mai 1945 heim, ist aber bald todkrank.
Das Zigarrengeschäft läuft nach dem Krieg nicht mehr so gut wegen den billigeren und gefragteren Zigaretten und den qualitativ besseren Zigarrenimporten. Auch der heimische Tabakanbau lohnt nicht mehr. Eine Zigarrenmanufaktur nach der anderen gibt auf. Die Zigarrenmanufaktur Augustin Brauch, sie hatte 1946 zehn Mitarbeiter, hält von den 10 ortsansässigen am längsten durch und schließt 1958 als letzte – 3 Jahre nach Augustins Tod. Am Ende seines Lebens sah er sein Lebenswerk durch äußere nicht selbst beeinflussbare Umstände und auch dadurch bedingter innerer Resignation zerstört.
Elisabeth, verh. Wiljotti, 1910 – 1962
Anna, verh. Kohl, 1911 - 1987
Alfons, 1914 - 1947
Veronika, 1915 - 1960
Gertrud, verh. Thuer, 1919 – 2001
Theodor, 1920 - 1997
Regina, verh. Schreiber, 1923 – 2000
Geschwister Brauch 1984: Anna Kohl, Regina Schreiber, Theodor Brauch, Gertrud Thuer
Veronika Brauch
1915 - 1960
Schwester von Theodor
Versorgte als 23 jährige nach dem Tod der Mutter Monika
(1938) den Vater und die jüngeren Geschwister.
Von der ältesten Schwester
Elisabeth Brauch
1910 - 1962
gibt es kein Bild. Sie ließ sich nicht gerne fotografieren.
Alfons, 16.2.1949 – 4.4.1949
Meinrad, 6.1.1950
Mechthild, 18.4.1952
Hiltrud, 13.3.1955
Sigrid, 24.2.1958
Rigobert, 28.1.1959
Geschwister Brauch 7.2.1999 Meinrad Brauch, Sigrid Brauch-Huber, Rigobert Brauch, Hiltrud Brauch, Mechthild Stapf
von Meinrad und Erika: Matthias 1982 und Kathrin 1984
von Mechthild und Günter: Florian 1979 und Julian 1983
von Hiltrud (Prof. Dr.)
von Sigrid und Hans: Hans 1987 und Anne 1990
von Rigobert und Andrea: Anna 1991, Sebastian 1992 und Elisabeth 1993
Das sind im Jahr 2020 zum 100. Geburtstag von TB 9 Enkel und 8 Urenkel.
2013: Anna, Julian, Matthias, Hans, Florian, Anne, Elisabeth, Sebastian, Kathrin vor Schloss Bruchsal
Der älteste bekannte Vorfahr ist Andreas Brauch oder auch Braug. Er wird als Weber Andres in der Hemsbacher Ortschronik und in den Heimatblättern von Hemsbach auch als ältester namentlich bekannter Leineweber der Stadt genannt. Woher er kam, ob er in Hemsbach geboren ist oder zugezogen und hier geheiratet und geblieben ist, lässt sich nicht mehr feststellen, da es keine Tauf- bzw. Sterbebücher von seiner Zeit in Hemsbach gibt. Die schriftlichen Aufzeichnungen beginnen erst später. Die Kurpfalz ist im 30-jährigen Krieg lange Jahre Hauptkriegsschauplatz. 75% der Bevölkerung fiel diesem grausamen Krieg zum Opfer. Der pfälzische Kurfürst versuchte Menschen aus anderen Regionen nach dem Krieg in der Kurpfalz neu anzusiedeln.
Andreas Brauch muss wohl ein sehr angesehener Mann gewesen sein. Wie die Ortschronik berichtet, muss er oft bei Streitfällen als Vermittler aufgetreten sein. Einige dieser Fälle werden dort beschrieben (siehe S. →). Die Lebensdaten von Andreas Brauch werden mit geboren 1630 angegeben, an anderer Stelle auch 1625. Todesjahr ist keines bekannt. Er heiratet in Hemsbach 1650 Appolonia Graw, oder auch Graab, geboren 1632.
Weber um 1830
Der älteste Sohn Johann Georg oder Hans Jörg (1652-1729) wird Bürgermeister der Stadt Hemsbach, heute würde man ihn als Stadtrat bezeichnen. Die damalige Ortsverwaltung bestand aus dem Vogt bzw. Schultheiß, der von der Obrigkeit bestimmt wurde und einer bestimmten Anzahl von beigesetzten Bürgermeistern, auch Schöffen genannt, die von der Stadt bestimmt wurden. Dieses Gremium bildete auch die Gerichtsbarkeit vor Ort, die bei Streitigkeiten vom einfachen Diebstahl bis Mord zu Gericht saß. Er muss ein bedeutender Mann gewesen sein, denn wie ein Dokument aus dem Jahr 1696, das die Zuständigkeiten der einzelnen Bürgermeister nennt, ausweist, hatte er gleich drei Aufgabenfelder: Er war Bedesetzer, d.h. er setzte die Abgaben fest und vor allem trieb er die Steuern ein, heute wohl der Kämmerer der Stadt. Er war zum zweiten Schöpfenmeister, Überwachung von Maßen und Gewichte, speziell auch im Weinbau, und er war zum dritten Kirchentreiber, ein Amt, das es hauptsächlich in calvinistischen Gemeinden gab. Den anderen in der Liste erwähnten Bürgermeistern war jeweils nur ein Aufgabenfeld zugewiesen. Daraus lässt sich sicherlich der Rückschluss ziehen, dass Hans Jörg Brauch ein geschätzter, einflussreicher Mann in Hemsbach war.
In Bezug auf das Amt des Kirchentreibers muss man etwas weiter ausholen, da für die Religionsausübung in der Kurpfalz eine besondere Regelung galt. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde auf Betreiben der französischen Krone für die Kurpfalz eine Sonderregelung getroffen. Hier galt nicht „Cuius regio, eius religio“ (wessen Land, dessen Religion), sondern die Religionen mussten nebeneinander geduldet werden. So waren die meisten kurpfälzischen Gemeinden Simultangemeinden, auch die Gotteshäuser waren Simultankirchen. Die Aufgabe des Kirchentreibers war einmal die Sonntagspflicht der Bürger zu überwachen, aber auch die Überwachung der strengen
Regeln während der Gottesdienstzeiten der jeweils anderen Glaubensgemeinschaft. So mussten die jeweils „Anderen“ während des Gottesdienstes in ihren Häusern bleiben und durften keinen Arbeitslärm machen. Von den geduldeten Juden verlangte man sogar ein sogenanntes Schutzgeld, das war die doppelte Steuerlast.
Johannes Georg oder auch Hans Jörg hatte noch 3 Brüder: Casper *1663 - kein Todesjahr bekannt, Georg Adam *1666 - †1734, Johannes *1669 - †1735 und 2 Schwestern: Katharina *1657 - kein Todesjahr bekannt und Anna Barbara *1662 - kein Todesjahr bekannt.
TB hat seine Ahnenreihe bis zurück zu einem Peter Brauch, verheiratet mit Katharina Krug in den Kirchenbüchern von Hemsbach erforschen können (siehe Ahnentafel auf der übernächsten Doppelseite). Lebensdaten zu Peter fehlen bei ihm. Außerdem fand er in Kirchenrechnungsbüchern um das Jahr 1710 die Namen: Johann Georg Brauch und Georg Adam Brauch. Neuere Nachforschungen in den Kirchenbüchern, deren Quellenlage fast lückenlos ist, ergaben, dass Georg Adam Brauch (*1666 - +1734) zweimal verheiratet war. 1687 heiratet er in Hemsbach Margarethe NN. Aus dieser Ehe gingen 9 Kinder hervor, darunter 2 Zwillingspaare: Nicolaus (1688), Maria Catharina (1689), Anna Magdalena (?), Anna Barbara (?), Anna & Katharina (1699), Rosina & Nicolaus (1702), Johann Jacob (1706) und Anna Maria (1709). Unter diesen zahlreichen Nachkommen ist also kein Peter zu finden.
Die Lebensumstände Anfang des 18. Jh. waren in Hemsbach nicht sehr rosig und sehr dramatisch (siehe Kapitel: Dramatische Ereignisse um 1700). Zu all dem muss noch eine Familienkatastrophe hinzugekommen sein. Folgendes Szenarium ist denkbar, aber nicht alles ist gesichert: Die Ehefrau und Mutter Margaretha stirbt bei oder nach der letzten Geburt und hinterlässt 9 Kinder - 5 davon im Alter zwischen 0 und 10 Jahren. Im selben Jahr 1709 steht Georg Adam Brauch auf einer Musterungsliste. Hemsbacher Männer werden zum Kriegsdienst eingezogen. Es ist die Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges, in den die Kurpfalz mitverwickelt ist. Ständig ziehen Truppen durch oder werden einquartiert, die sich aus dem Land und von der Bevölkerung versorgen. Dies bringt, wie die Chronik berichtet, die Bevölkerung an den Rand des Ruins und an den Bettelstab. Zitat aus der Chronik: „Viele mussten von Hemsbach weggehen“. Die gesamte Familie des Georg Adam Brauch zieht (flieht) von Hemsbach fort. Er heiratet zum 2. Mal 1718 in Waldmühlbach (im Mosbacher Raum) eine Elisabeth NN. Es müssen verwandtschaftliche Beziehungen nach Waldmühlbach bestanden haben. Der eingetragene Taufpate des Georg Adam ist auch in Waldmühlbach ansässig. Zwei Töchter aus seiner Hemsbacher Familie sind in Waldmühlbach verheiratet. Aus dieser 2. Ehe gehen weitere 5 Kinder hervor: Maria Elisabeth (2.2.1719), Maria Margaretha (1.8.1721), Johannes Petrus (7.7.1722), Anna Maria (6.9.1728), Georg Thomas (3.4.1730) und Anna Regina (1.10.1732).
Johannes Petrus, genannt Peter, muss wohl nach Hemsbach bzw. Sulzbach zurückgekehrt sein und dort 2 mal geheiratet haben. Er wird auf einer Huldigungsliste aus dem Jahr 1743 genannt, zusammen mit seinem Halbbruder Johann Jakob und seinem Cousin Konrad. Er muss also Bürger von Hemsbach gewesen sein. Aus einer Fronliste aus dem Jahr 1751 geht hervor, dass Peter Brauch in Hemsbach 2 Pferde und ein Haus besessen hat. Die meisten in der Liste hatten, wenn überhaupt, ein Pferd. Hatte er ein Fuhrunternehmen? Auch Johann Jakob hatte dieser Liste nach 2 Pferde und war zu dem auch noch Bürgermeister wie schon sein Onkel Hans Jörg.
Aus 1. Ehe mit Barbara NN ist eine Tochter Elisabeth bekannt, geboren 5.1.1774 in Sulzbach. Aus der 2. Ehe mit Catharina Krug sind 2 Kinder bekannt: Maria Eva (24.6.1777) und Johannes (8.1.1779). Ob es weitere Kinder gab, konnte bis jetzt nicht nachgewiesen werden. Hier ergibt sich auch noch eine andere große Unsicherheit, ob es sich tatsächlich um den Peter aus Waldmühlbach, geb. 1722 handelt. Dann müsste er bei der Geburt seiner Kinder schon über 50 Jahre alt gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass noch eine Generation dazwischen liegt und dass es sich bei Peter, verheiratet mit Katharina Krug, um einen Sohn von Peter handelt. Vielleicht können hier weitere Nachforschungen irgendwann einmal Klarheit bringen.
Die Berufe des Johannes Brauch, geb. 1779, werden in unterschiedlichen Kirchenbucheintragungen mit Tagelöhner (1811) und Webermeister (1816 + 1819) angegeben. Er heiratet als 31-Jähriger 1810 Christina Seib. Aus dieser Ehe gibt es 4 Kinder: Margaretha (28.2.1811), Eva Katharina (26.11.1816), Johannes (2.12.1819) und Eva Katharina (21.8.1821). In seine Lebenszeit fällt die große Hungersnot, die nicht nur durch die napoleonischen Kriege, sondern vor allem durch eine klimatische Naturkatastrophe ausgelöst wurde. Das Jahr 1816 gilt als Jahr ohne Sommer. Es war so nass und kalt, dass es sogar im Juli bis in die Niederungen schneite. Die Feldfrüchte verfaulten schon auf den Äckern. Schuld war, wie wir heute wissen, ein gewaltiger Vulkanausbruch in Indonesien. Die Folge waren Versorgungsengpässe und Hungersnöte, die mit zu der großen Auswanderungswelle im 19. Jh. geführt haben. Auch Johannes wollte 1738 als 60-Jähriger mit der gesamten Familie nach Galizien (Polen) auswandern. Auf der Auswanderungsliste wird noch ein 2 Monate alter Säugling genannt. Es ist der uneheliche Sohn der ältesten Tochter Margaretha mit Namen Johannes. Allein die Familie konnte die 400 Gulden Ansiedlungsgebühr nicht bezahlen und hat das Gesuch wieder zurückgezogen. Davon war an anderer Stelle schon mal die Rede. Aus der bis dahin groß angewachsenen Hemsbacher Brauchen-Sippschaft reihten sich zu dieser Zeit einige in die große Schar der Auswanderer ein, überwiegend nach Amerika, aber auch nach Polen. Was die Menschen dazu bewegte, aus welchen Drangsalen heraus sie diesen Schritt wagten oder gezwungen waren, hat TB in einem Gedicht über die Auswanderungswelle im Südwesten dargelegt (siehe S. →). Die einen trieben die Lebensumstände dazu, das Land zu verlassen, die anderen trieben diese Umstände in die Illegalität und wieder andere lässt sie zu Revolutionären werden. Wie die Brauche fühlten, dachten, involviert waren ist nicht überliefert. Man darf aber davon ausgehen, dass die politischen, sozialen, gesellschaftlichen Umbrüche der Zeit auch ihr Leben beeinflusst und mitgeprägt haben - manche sogar hautnah.
So wurde in der Nacht zum 1. Mai 1811 auf der Bergstraße zwischen Lautenbach und Hemsbach eine Postkutsche mit zwei Schweizer Kaufleuten vom Hölzerlips und seiner Bande überfallen. Hans Jacob Rieter aus Winterthur starb an seinen dabei erlittenen Verletzungen. Die Hölzerlipsbande war eine gefürchtete Räuberbande, die aus der Illegalität heraus handelte, um gegen die sozialen Missstände und feudale Unterdrückung anzugehen.
In Folge der napoleonischen Kriege und der politischen Umwälzungen im Südwesten durch Napoleon wurde die Kurpfalz 1803 aufgelöst und das Herzogtum - später Großherzogtum - Baden gegründet. Hemsbach wurde Badisch und dem Amt Weinheim angegliedert. 1812 wurde die im Süden auf Hemsbacher Gemarkung befindliche Siedlung Sulzbach abgetrennt und selbständig. Zur Erinnerung: es ist die Zeit als Johannes Brauch und Christina Seib geheiratet und eine neue Familie gegründet haben.
Die Ideen der französischen Revolution fielen im Südwesten auf reichen Nährboden und entfachten sich noch mehr, nachdem der Wiener Kongress 1815 eine Neuordnung Europas durch Restauration, also Wiederherstellung der alten Ordnung, verordnete. Ausdruck dieses Freiheitswillens wird das Hambacher Fest 1832 und Symbol der Freiheit und der Vereinheitlichung Deutschlands werden die Farben schwarz-rot-gold. Unter dem Druck der Bevölkerung und revolutionärer Aufstände entsteht in Baden die erste liberale Verfassung Deutschlands mit Parlament und konstitutioneller Monarchie, was der revolutionären Bewegung aber nicht genügte. Die vor allem in Südbaden stattfindenden Freiheitszüge werden blutig niedergeschlagen. Bei einer der letzten blutigen Auseinandersetzung der „Badischen Revolution“ trafen hessische Truppen und badische Aufständische 1849 bei Hemsbach aufeinander und lieferten sich schwere Gefechte. Eine Kanonenkugel in der Außenmauer des Hemsbacher Bahnhofgebäudes erinnert noch heute daran. Drei Jahre zuvor 1846 wurde die Bahnlinie Heidelberg - Frankfurt eröffnet und in diesem Zusammenhang der Hemsbacher Bahnhof erbaut. Das moderne Zeitalter der Dampfkraft war nun auch in Hemsbach angekommen. Zuvor hatte die Dampfmaschine im Zusammenhang mit dem mechanischen Webstuhl bzw. Tuchfabriken die Zunft der Leineweber sehr stark in Existenznöte gebracht. Das Weben von Tuch war dadurch schneller, qualitätsmäßig besser und billiger.
von Theodor Brauch erstellte Ahnentafel
Im gleichen Jahr 1849 jenes denkwürdigen revolutionären Gefechtes hat Johannes Brauch, Urgroßvater von TB, mit der Eintragung der Geburten (und auch Sterbetage) seiner Kinder auf der Innenseite eines neu gekauften Buches begonnen. Dieses Buch ist heute noch im Familienbesitz. Ein Zeichen der neu gewonnenen Zuversicht, nachdem sein Vater noch mit der ganzen Familie auswandern wollte? Die Auswirkungen des heraufkommenden industriellen Zeitalters und die Auswirkungen auf den Weber-Beruf hat er wahrscheinlich noch gar nicht abschätzen können.
Ob den Hemsbacher Webern die Ereignisse in Oberschlesien bekannt waren, die im Jahr 1844 zu einem Aufstand geführt haben? Dort hat der Tuchlieferant Zwanziger - in Gerhard Hauptmanns Drama „Die Weber“, welches ein realistisches Bild der Ereignisse abgibt, heißt die Figur Dreißiger - die Weber gegen sich aufgebracht. Die Abläufe in der Tuchherstellung waren so, dass die Weber beim Tuchhändler die Rohmaterialien eingekauft haben und ihm dann die fertigen Tuche verkauft haben. Auf Grund der automatisierten, mechanischen Webstühle und Einsatz von Dampfkraft konnten vor allem in England Tuche billiger hergestellt werden. Die Tuchhändler haben den Webern die Rohmaterialien teuer verkauft und die Tuche nur zu einem Hungerlohn abgenommen, um konkurrenzfähig zu sein. Das erboste die oberschlesischen Weber und sie protestierten bei Zwanziger. Der hat ihnen jedoch zugerufen: „Wenn ihr Hunger habt, esst doch Gras, das steht dieses Jahr besonders hoch“. Daraufhin gingen die Weber gewalttätig gegen Zwanziger vor. Die Ordnungskräfte schlugen den Aufstand nieder, es gab 10 Tote und 100 Weber wurden verhaftet. Sarkastisch wurde von kritischen Beobachtern konsterniert: „Im Gefängnis hätten die Verhafteten wenigstens 3 Mahlzeiten am Tag sicher“. Heinrich Heine reagierte im selben Jahr mit seinem sarkastischen, die morbide Gesellschaft anklagenden Gedicht: „Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht“. Darin heißt es in der ersten Strophe: Im düstern Auge keine Träne, sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne: Deutschland, wir weben dein Leichentuch, wir weben hinein den dreifachen Fluch - wir weben, wir weben!
Bucheintragungen von Johannes Brauch ab 1849
Ob Johannes Brauch ebenso gedacht hat, ob er Heines Gedicht gekannt hat? Das ist eher unwahrscheinlich. Interessant ist aber, dass er Bücher geschätzt hat. Überliefert sind religiöse Erbauungsbücher und eine Bibel aus dem Jahr 1743, die er ersteigert hat und die seit dem von Generation zu Generation weiter gegeben wird.
Wahrscheinlich ist auch, dass das sehr fruchtbare Gebiet der Bergstraße, das milde Klima, die üppige Vegetation und Blütenfülle, die reichen Obsternten, der Weinbau, die anmutende Landschaft, der weite Blick von den Berghängen des Odenwaldes in die Rheinebene den Charakter der Menschen geprägt, die Selbstversorgung durch Gärten und Ländereien garantierte und die Umwälzungen im Weber-Handwerk abmilderten. Wer weben kann, kann auch Körbe flechten. Ein Betätigungsfeld auf das mancher Weber ausgewichen ist. Damit war zumindest ein bescheidenes Dasein gewährleistet.
Die zweite Hälfte des 19. Jh. brachte weitere politische Umwälzungen und wieder durch kriegerische Auseinandersetzungen. Der Streit um die Vormachtstellung in Deutschland zwischen Habsburg und Preußen wird endgültig 1866 mit der Schlacht bei Königgrätz zu Gunsten Preußens entschieden. Jetzt steht nur noch Frankreich der Bismarckschen Idee nach einer Neugründung des Deutschen Reiches mit einem deutschen Kaiser an der Spitze im Wege. Auch Frankreich wird im Krieg 1870/71 besiegt und der preußische König in Versaille zum deutschen Kaiser ausgerufen. Damit beginnt das glorreiche Wilhelminische Zeitalter, das die deutsche Nation und Kultur aufblühen lässt. In der Kriegsteilnehmerliste für Hemsbach wird mit Nachnamen Brauch nur ein Georg Brauch genannt. Das Verwandtschaftsverhältnis ist unklar.
Johannes Brauch gründet zusammen mit seinem Sohn Franz in Hemsbach 1868 den Cäcilienverein noch als reinen Männerchor. Es war eine der ersten Vereinsgründungen, nachdem die Badische Regierung während der Revolutionsjahre alle Vereine verboten hatte, da sie Keimzellen revolutionären Gedankengutes seien. Diese Vereinsgründung steht in der Tradition der großen Singbewegung des 19. Jh., die allerorten zu vielen Chorgründungen geführt hat. Ein Pendant dazu ist die Turnvater Jahn Bewegung, die zu Gründungen von Turnvereinen führte. Ein anderer Zweig der Familie, der Bruder von Franz Brauch Michael Brauch und seine Nachkommen haben sich auf dem sportlichen Gebiet engagiert und gründeten den Arbeiter-Sportverein. Beide waren in ihren Vereinen nicht nur als Mitglied, sondern später verantwortlich in der Vorstandschaft tätig. Franz Brauch und sein Sohn Augustin pflegten im Rahmen des Cäcilienvereins und der Kath. Kirchengemeinde auch Laientheateraufführungen und waren in der Kath. Kirchengemeinde als Stiftungsrat engagiert. Die Pfarrkirche war zu diesem Zeitpunkt noch Simultankirche. Augustin setzte sich auf kath. Seite für den Neubau einer evangelischen Kirche ein. In der Grundsteinurkunde der 1936 fertig gestellten Kirche wird sein Engagement gewürdigt. Auf der anderen Seite setzte sich Hieronymus Brauch, der Sohn von Michael Brauch, der auch Gemeinderat und Vorsitzender des Sportvereins war, für die Errichtung eines Freibades am Mühlbach ein, das 1927 eröffnet wurde.
Im ersten Weltkrieg sind, wie auf der Hemsbacher Ehrentafel zu lesen ist, 3 Brauche gefallen, darunter - wie schon erwähnt - 2 Brüder von Augustin und dazu ein Alois Brauch, Verwandtschaftsverhältnis unklar. Die Nachkriegsjahre brachten in Deutschland Inflationsjahre ab 1923 und die Weltwirtschaftskrise 1929. Die Preise galoppierten nach oben und die Arbeitslosigkeit stieg enorm an. Z.B. stieg das Briefporto von 10 Pfennig auf 80 Milliarden Mark. Haare schneiden, Rasieren, Zigarre Rauchen war auch in der Krise gefragt und erst recht in den anschließenden „goldenen Zwanziger“.
Obwohl die Platzverhältnisse in dem kleinen Haus beengt waren, begann Augustin Brauch sein Friseurgeschäft im Wohnzimmer seiner Wohnung. Als die Wirtschaft in den 30er Jahren wieder in Gang kam, wurde eine Friseurstube und Abortanlage angebaut. Im hinteren Teil des Grundstückes wurde die Scheune zur Tabakmanufaktur ausgebaut. In den 30er Jahren während der NS-Zeit war die Frisierstube des Augustin Brauch ein Ort des regimekritischen Gedankenaustausches, oft hinter verschlossener Tür. Politische Verfolgungen, Deportationen, Unterdrückung von Kritik wurden hier hinter vorgehaltener Hand besprochen. Wer öffentlich darüber sprach lebte gefährlich. Schon bald nach 1933 wurde der Arbeiter-Sportverein und auch die SPD verboten. Das Vereinsvermögen wurde konfisziert. Hieronymus Brauch, Cousin von Augustin Brauch, war der damalige Vorsitzende des Arbeiter-Sportvereins und er war auch in der SPD engagiert. Er und seine Familie wurden von den Nazis kritisch beäugt. Der etwas geistig behinderte Sohn Fridolin wurde eines Tages abgeholt, deportiert und in Hadamar als nicht lebenswertes Leben 1944 durch Gas umgebracht. Eine Ehrentafel erinnert heute in Hemsbach daran. Das gleiche Schicksal sollte auch Augustins jüngster Bruder Wunibald, der an einer Skoliose litt, ereilen. Die Familie wurde jedoch von einem bekannten SS-Mann kurz vor der bevorstehenden Deportation gewarnt und hat Wunibald wochenlang in einer Wald- bzw. Weinberghütte verborgen.
aus der Akte Fridolin Brauch
Theodor Brauch ist der einzige männliche Nachkomme in seiner Ahnenreihe und Generation, der den 2. Weltkrieg überlebte. Sieben junge Brauche-Männer aus der Hemsbacher Brauchen-Verwandtschaft fielen dem Krieg zum Opfer. Dazu noch 3 Schwager von TB.
Nach der Besetzung Hemsbachs durch die Amerikaner Ende März 1945 wurde am 1. April ein neuer Gemeinderat und neuer Bürgermeister aus Bürgern, die nicht der NSDAP angehörten, bestimmt. Augustin Brauch wurde mit 63 Jahren Gemeinderat und bei der ersten Gemeinderatswahl nach dem Krieg am 26. Januar 1946 auch gewählt. Bei der Wahl 1948, die auf der Basis des neu geschaffenen Gemeindeverwaltungsrechts stattfand, trat er inzwischen 65-jährig nicht mehr an. Der Verlust seiner beiden Söhne, der älteste zunächst vermisst, der jüngste todkrank, hat ihm die Kraft genommen. Gegen Ende des Jahres 1947 kam dann die Todesnachricht zu seinem ältesten Sohn Alfons, obwohl wenige Monate vorher hoffnungsvolle postalische Nachrichten aus der russischen Kriegsgefangenschaft kamen. Dass auch die drei Schwiegersöhne dem Krieg zum Opfer fielen, tat sein Übriges dazu. Zudem war er seit 1938 Witwer. Er zog sich ins Private zurück. Zitat von ihm: „Für wen soll ich noch stunden?“
Die dunkelste Phase deutscher Geschichte hat in allen Familien einen hohen Blutzoll gefordert. Harte, entbehrungsreiche Aufbaujahre brachten dann allmählich einen gewissen Wohlstand. Die fünf Kinder des TB ergriffen alle ebenfalls akademische Berufe. Die meisten traten in die Fußstapfen ihres Vaters und wurden Lehrer: Von der Grundschule bis zum Universitätsprofessor sind in der Familie alle Schultypen und Bildungseinrichtungen vertreten, ebenso Medizin und wissenschaftliche Forschung. Die Enkelgeneration hat durchweg ein Hochschulstudium ergriffen und hat im Jahr 2020 zum größten Teil eigene Familien. Im Ursprungsort Hemsbach ist keiner der Nachkommen mehr ansässig, doch im näheren und weiteren Umkreis, der sich auch bis zu europäischen Hauptstädten erstreckt.
Hier endet die Erzählung von der Brauchen-Familie aber nicht die Brauche-Genealogie. Sie geht weiter, hoffentlich unter glücklichen, menschenwürdigen, friedlichen Umständen. Den kommenden Generationen viel Glück dazu!
das elterliche Haus in Hemsbach um 1915 - die beiden Jungen im Vordergrund sind Augustins jüngster Bruder Wunibald (li.), und beider Cousin Fridolin (re.)
Im elterlichen Haus lebten zu dieser Zeit zwei Generationen: die Familie des Franz Brauch und die Familie des Augustin Brauch (11 Personen) die Personen von rechts nach links: Töchterchen Veronika, Augustin, Ehefrau Monika, Tochter Anna, Schwiegermutter Katharina Hilkert, Sohn Alfons Reihe vorne: Franz, der seinen Hut nie absetzte (Vater von Augustin), Augustins Bruder Bernhard und abgeschnitten NN (evtl. Augustins Bruder Theodor oder Wunibald)
Hemsbach an der Bergstraße im Wandel der Zeit herausgegeben von der Stadt Hemsbach, Verfasser: Julius Friedrich Kastner, Amtsrat 1980
1496
Steuerliste - keine Brauche Liste der Nachnamen in Hemsbach von 1496 bis 1932
S.
→
ein rekonstruierter Kupferstich aus dem Besitz von TB
1521
Einwohnerliste - keine Brauche erwähnt
S. 547
1545
Einwohnerliste - keine Brauche erwähnt
S. 547
1602
Einwohnerliste - nur Vornamen
S.
→
1649
ab 1649 werden Tauf- und Ehebücher in Hemsbach geführt ab 1694 werden auch Totenbücher geführt
S. 425
1655
Einwohnerliste - Name Brauch erwähnt, dann durchgehend bis 1932 Gewann Grüner Wasen seit 1655 Weinberg
S.
→
S.
→
1667
Brauch Andreas
Vertrag im Beisein von Andreas Brauch Zieglerknecht Hans Adam Goll Arbeitsvertrag Dieser hält die vereinbarte Arbeitszeit nicht ein und wird zur vereinbarten Strafe verurteilt. Er gerät darauf mit dem Zieglermeister in handfesten Streit Folge: weitere Geldstrafe
S. 381
1685
Huldigungsliste
S. 549
genannt werden u.a.:
Brauch Andreas
Vater
Brauch Georg Adam, ledig
und Söhne
Brauch Hans Georg
Brauch Nickel
1703
Kellereiorte (Hemsbach, Sulzbach, Laudenbach) mit kaiserlicher Reiterei belegt „womit man bischöflicher wormsischer Seite gar übel zufrieden war“. Die Pfalz lies im nächsten Jahr den Oberst Frankenberg mit seinem Regiment in den Kellereiorten Winterquartier beziehen. Nach Wormsischer Darstellung hausten die Soldaten des Regiments so übel, dass „manch Einwohner davon gehen und den Bettelstab ergreifen“ musste.
S.
→
1705
„gut und freund-brüderlicher Vergleich“ zwischen Kurpfalz und Hochstift Worms: Kellerei Hemsbach zur Kurpfalz.
S.
→
Die Kurpfalz hat den 1485 geschlossenen Kaufvertrag (Kellerei Hemsbach von Kurlinie Mosbach nach Worms verkauft) 200 Jahre später! vor Gericht angefochten (ab 1668). „Hundert Jahre Unrecht sei kein Stück Recht“.
