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Der Bestseller jetzt vollständig aktualisiert und erweitert! Gesund und glücklich sollen ihre Kinder sein, das wünschen sich alle Eltern. Doch oft sind sie unsicher, was denn nun das Beste für ihr Kind sei, und haben viele Fragen: Woran lassen sich wirklich schwere Krankheiten erkennen, was ist die beste kindgerechte Behandlung, und in welchen Fällen kann man selbst etwas tun? Wann sind sanfte Heilmethoden angebracht, und wann wirkt Schulmedizin besser? Wie kann man Erste Hilfe leisten, und welche Fragen sind beim Thema Impfungen wichtig? Wie können Säugling und Kleinkind gesund ernährt werden, und woran sind Nahrungsmittelallergien zu erkennen? Welche Pflege ist wichtig, wie löst man Schlafprobleme, und welche Betten und Kindersitze sind zu empfehlen? Die Kinderärztinnen Dr. Gisela Brehmer und Dr. Barbara Beland geben einfühlsam und unter Einbeziehung sanfter Heilmethoden praktische Antworten auf die Fragen, die ihnen von den Eltern ihrer kleinen Patienten immer wieder gestellt werden. Eine leicht verständliche Einführung über die seelisch-geistige Entwicklung des Kindes vom Säugling bis zum Schulkind hilft Eltern, das Verhalten ihrer Kinder besser zu verstehen und gelassen darauf zu reagieren. Ein Buch, das unbedingt in jede Familie gehört. Von Hebammen empfohlen.
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Seitenzahl: 660
Veröffentlichungsjahr: 2014
Gisela Brehmer • Barbara Beland
Sanfte Heilmethoden – Gesundes Leben – Sinnvoll impfen
Gesund und glücklich sollen ihre Kinder sein, das wünschen sich alle Eltern. Doch oft sind sie unsicher, was denn nun das Beste für ihr Kind sei und haben viele Fragen:
Woran lassen sich wirklich schwere Krankheiten erkennen, was ist die beste kindgerechte Behandlung und in welchen Fällen kann man selbst etwas tun? Wann sind sanfte Heilmethoden angebracht und wann wirkt Schulmedizin besser? Wie kann man Erste Hilfe leisten und welche Fragen sind beim Thema Impfungen wichtig? Wie können Säugling und Kleinkind gesund ernährt werden und woran sind Nahrungsmittelallergien zu erkennen? Welche Pflege ist wichtig, wie löst man Schlafprobleme und welche Betten und Kindersitze sind zu empfehlen?
Die Kinderärztinnen Dr. Gisela Brehmer und Dr. Barbara Beland geben einfühlsam und unter Einbeziehung sanfter Heilmethoden
praktische Antworten auf die Fragen, die ihnen von den Eltern ihrer kleinen Patienten immer wieder gestellt werden. Eine leichtverständliche Einführung über die seelisch-geistige Entwicklung des Kindes vom Säugling bis zum Schulkind hilft Eltern, das Verhalten ihrer Kinder besser zu verstehen und gelassen darauf zu reagieren.
Ein Buch, das unbedingt in jede Familie gehört. Von Hebammen empfohlen.
Der Bestseller jetzt vollständig aktualisiert und erweitert!
Dr. Gisela Brehmer, geboren 1943 in Hamburg, legte ihr medizinisches Staatsexamen 1971 in München ab. Nach acht Jahren Facharztausbildung auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendmedizin, der Kinderneurologie und der Kinderchirurgie ließ sie sich 1982 als Kinderärztin in Hamburg nieder. Parallel zu ihrer Facharztausbildung hat sie sich intensiv mit der Naturheilkunde, der Homöopathie und der Umweltmedizin beschäftigt. 2008 beendete sie ihre Praxistätigkeit.
Dr. Barbara Beland, geboren 1968 in Berlin, schloss ihr Medizinstudium im Jahr 1992 in Berlin ab. Sie ist Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde sowie für Anästhesiologie mit Zusatzstudium der Neurowissenschaft und der Kinderpalliativmedizin (Behandlung von lebensbegrenzenden Erkrankungen). Während der Weiterbildung zur Kinder- und Jugendärztin war sie in der Praxis von Frau Dr. Brehmer tätig. 2009 ließ sie sich in eigener Praxis in Hamburg nieder.
Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg, März 2014
Copyright © 1988, 2014 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, 2025 by Rowohlt Verlag GmbH, Hamburg
Covergestaltung ZERO Werbeagentur, München
Coverabbildung dtimiraos/Getty Images
ISBN 978-3-644-50481-3
Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation
Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp
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Alle Ratschläge und Informationen sind sorgfältig geprüft und erwogen. Jeder Leser ist aufgefordert, eigenverantwortlich zu handeln und in Fällen ernsthafter Erkrankungen sowie bei unklaren Symptomen rechtzeitig ärztliche Hilfe einzuholen. Auch beim Einsatz von naturheilkundlichen Mitteln muss auf genaue Anwendung und Dosierung geachtet werden. Irrtümer und Druckfehler sind vorbehalten. Garantie und Haftungsansprüche jeder Art sind ausgeschlossen.
Liebe Mütter und Väter!
Dieses Buch ist aus unserer täglichen Praxiserfahrung als Kinderärztinnen entstanden. Es soll Antworten geben auf die häufigsten Fragen von Eltern. So geht es um eine kindgerechte Umwelt, gesunde Ernährung, um das Erkennen und Behandeln der häufigsten Krankheiten, um Sinn und Unsinn verschiedener Vorbeugungsmaßnahmen einschließlich Impfungen und um Anleitungen für Erste Hilfe im Notfall. Damit Sie Ihr Kind besser verstehen können und auch seine psychische Gesundheit im Auge behalten, geben wir eine kurze Einführung in die seelisch-geistige Entwicklung des Kindes vom Beginn in der Schwangerschaft bis zum Schulalter.
Wir möchten Ihnen Grundkenntnisse über Kindermedizin vermitteln und Ihnen damit etwas Sicherheit geben, leichte und schwere Krankheiten besser unterscheiden zu können. Bei leichteren Krankheiten können Sie oft selbst etwas für Ihr Kind tun.
Keinesfalls soll das Buch die Ärztin oder den Arzt ersetzen. Die angegebenen Medikamente sind unsere persönlichen Empfehlungen und sollen nur Ihrer Orientierung dienen; vielleicht empfiehlt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt für Ihr Kind eine andere Behandlung oder ein anderes Medikament. Lassen Sie sich beraten, welche Therapie im Einzelfall am sinnvollsten ist.
Sie werden bemerken, dass unsere Empfehlungen eher in Richtung «sanfte Medizin» weisen. Allerdings sind wir keine kompromisslosen Anhängerinnen von Homöopathie oder Naturheilkunde. Oft vertrauen wir auf die Selbstheilungskräfte des Kindes, unterstützt von liebevoller Pflege durch die Eltern. Aber wir entscheiden uns durchaus auch für die Methoden der klassischen Schulmedizin, wenn es darum geht, Notfälle und wirklich bedrohliche Krankheiten zu behandeln.
Im letzten Teil des Buches wird die in Stufen verlaufende seelisch-geistige Entwicklung des Kindes beschrieben, die schon vor der Geburt in der Schwangerschaft begonnen hat. Die Lektüre soll Ihnen helfen, Ihr Kind in seiner jeweiligen Entwicklungsphase zu verstehen und altersgerecht auf seine Bedürfnisse zu reagieren. Wir haben bewusst weitgehend auf Ratschläge zur Erziehung verzichtet, denn ein allgemeiner Rat wird selten die Situation des einzelnen Kindes und seiner Familie treffen. Sie als Eltern müssen immer wieder Ihr Kind in seiner Lebensphase betrachten und vor allem auch Ihre eigenen Reaktionen und Gefühle hinterfragen. Versuchen Sie zu erkennen, was in Ihnen selbst vorgeht, und versetzen Sie sich zugleich in die Lage des Kindes, um zu guten Lösungen zu kommen.
Dieses Buch wird Ihnen bei vielen auf Sie zukommenden Entscheidungen helfen, und wir wünschen Ihnen, dass Ihre Kinder so «heil» wie möglich ihren Lebensweg beginnen.
Wir danken zwei Expertinnen für ihre Unterstützung bei dieser Neuausgabe des Buches: Frau Pamela Koch, Ökotrophologin, zum Thema Ernährung und Frau Dr. Frauke Wittkugel, IBCLC-Stillberaterin, zum Thema Stillen.
Und wir danken unseren Patienten und ihren Eltern, unseren Arzthelferinnen, unseren Eltern, Ehemännern und Kindern für ihre Begleitung, ihr Vertrauen, ihre Unterstützung und ihre Geduld!
Dr. med. Gisela Brehmer
Dr. med. Barbara Beland
Dieses Buch heißt «Aus der Praxis einer Kinderärztin», und so verstehen wir uns auch – als Ärztinnen. Zum Zwecke der Lesbarkeit bleiben wir bei der Bezeichnung Ärztin und schließen die männlichen und diversen Kollegen ein.
In diesem Kapitel wollen wir Ihnen praktische Tipps für das Alltagsleben und die Ausstattung geben – vom Windelwechseln bis zum Fahrradtransport. Meist ist weniger mehr.
Im täglichen Miteinander gilt es, dem Baby Geborgenheit und liebevolle Zuwendung zu geben. Dabei soll man nicht aus dem Blick verlieren, dass das Neugeborene schon ein eigener kleiner Mensch ist. Verlangen Sie nicht von sich, dem Kind einen paradiesischen Lebensbeginn ohne Frustration zu bereiten. Schon in der Zeit vor der Geburt hat das Kind mit Ihnen Konflikte und Mühen des Lebens durchstanden. Sie sollen als Eltern mehr FÜR das Kind sorgen als dass Sie sich UM das Kind sorgen.
Eltern sind keine Dauerunterhalter und Allzeitretter. Vieles in seinem Innern muss und kann das Kind von Beginn an selber fühlen und darauf reagieren: z.B. Hunger wahrnehmen und äußern, Sättigung wahrnehmen und aufhören zu trinken, Müdigkeit wahrnehmen und einschlafen. Sie können dabei nur helfen. Versuchen Sie, sich in das Kind hineinzuversetzen, seine Signale zu verstehen und ihm das zu geben, was es von Ihnen braucht, um seine Bedürfnisse zu stillen: Brust, Milch, Nuckel, Tragen, Unterhaltung, zum Schlafen legen – oder manchmal auch nichts. Alle Eltern wollen gute Eltern sein. Das Ziel dabei ist «gut genug», nicht «perfekt», denn auch die reale Welt, auf die das Kind vorbereitet sein soll, ist niemals perfekt.
Dieses Miteinander muss vom Kind und Ihnen gelernt werden, und nicht alle Eltern-Kind-Paare haben es dabei leicht (s. Regulationsstörungen S. 282 und Schlafstörungen S. 488). Lesen Sie die entsprechenden Hinweise ruhig einmal zu Beginn, um späteren Schwierigkeiten vorzubeugen.
Bitte lesen Sie schon jetzt die Seiten 128 bis 130 (Kinder, Eltern und Medien) und begrenzen Sie Ihren eigenen Smartphonekonsum.
Die Windel wechseln Sie entsprechend dem Rhythmus des Kindes: eventuell vor den Mahlzeiten, wenn das Baby üblicherweise während des Trinkens einschläft, sonst aber nach der Mahlzeit, da besonders die jungen Säuglinge während des Trinkens Stuhlgang haben. Nachts sollte die Windel nur bei Stuhlgang gewechselt werden! Ist die Windel nachts nur nass, wird sie nachts nicht gewechselt, damit das Kind nicht unnötig wach gemacht wird.
Der Windelbereich lässt sich leicht mit warmem Wasser und einem Waschlappen reinigen. Verwenden Sie Feuchttücher (parfümfrei und sensitiv) nur für unterwegs. Wenn noch etwas Stuhl an den Pobacken klebt, macht das gar nichts.
Im Windelbereich sollten nur gelegentlich und dann dünn Kindercremes verwendet werden, da sie die Atmungsfähigkeit der Haut einschränken und zum Feuchtigkeitsstau führen. Dadurch werden Wundsein und das Wachstum von Hefepilzen (Soor) gefördert, also gerade das, was Sie bekämpfen wollten. Geeignet ist Zinksalbe mit möglichst wenig Zusatzstoffen und ohne ätherische Öle (d.h. nicht duftend).
Bei Wundsein hat sich «Desitin»-Salbe bewährt (s.S. 314). Verwenden Sie bei normalem Wundsein keine Salbe mit antibiotikaartigen Stoffen gegen Pilze («Nystatin» z.B. in «Multilind»), da diese Resistenzen der Pilze fördern. Bei echtem Pilzbefall (Soor) (s.S. 316) sind heute meist stärkere Mittel nötig. Lassen Sie dies die Kinderärztin entscheiden.
Der Nabel des Neugeborenen bedarf normalerweise keiner Reinigung mit Desinfektionsmittel. Er wird nur trocken und sauber gehalten. Wenn er leicht riecht, macht das nichts. Einen entzündeten Nabel erkennt man am geröteten Nabelwall. Dann sollte mit «Octenisept»-Lösung desinfiziert werden. Ist die Bauchhaut um den Nabel herum gerötet, stellen Sie das Kind unbedingt der Hebamme oder der Kinderärztin vor.
Spätestens 14 Tage nach der Geburt fällt der Nabelrest ab. Achten Sie darauf, dass sich aus dem Nabelstumpf kein wucherndes Knötchen (Nabelgranulom) entwickelt. Das macht sich auch dadurch bemerkbar, dass der Nabel nach Wochen weiter nässt. Sie können dann versuchen, das Granulom durch Aufstreuen von Salz auszutrocknen. Ansonsten wird es von der Kinderärztin (schmerzlos) geätzt, weil es später unschön aussieht.
Kurz baden können Sie den Säugling selbst dann, wenn der Nabelschnurrest noch nicht abgefallen ist, am besten bei 36 °C Wassertemperatur und ohne weitere Zusätze. Das Baden ist meist sehr beliebt und gehört in manchen Familien zu einem fröhlichen allabendlichen Ritual. Aus Gründen der Reinlichkeit brauchen Sie Ihr Kind nur höchstens einmal pro Woche zu baden; tägliches Baden kann sogar den Nachteil haben, dass die Haut überfordert wird, da sie jedes Mal einen Teil des natürlichen Säure- und Fettschutzes verliert. Fast alle Badezusätze sind parfümiert und enthalten (selbst wenn parfümfrei) eine chemische Substanz (Emulgator) zur Auflösung des Öls im Wasser, der die Haut auf Dauer durch den Verlust der körpereigenen Fette schwächt. In der Regel ist reines Wasser günstiger, eventuell mit etwas Speiseöl.
Cremes sollten Sie nur verwenden, wenn die Haut trocken oder gerötet ist. Öl trocknet sie sogar zusätzlich aus. «Trockene» Haut braucht Fett und Wasser, dies bekommt sie durch Cremes, aber nicht durch Öl, da dem Öl das Wasser fehlt. Sollte die Haut wirklich einmal zu trocken sein, so können Sie Ihr Kind z.B. mit folgenden Salben aus der Apotheke eincremen: Neuroderm Creme/Dermapharm Basiscreme oder (etwas fetter) Neuroderm Lipo/Dermapharm Basissalbe. Achten Sie bei der Auswahl von konventionellen Pflegeserien auf parfümfreie Sensitiv-Produkte. Zur Pflege bei Ekzemen lesen Sie bitte S. 312.
Hautfalten oder gereizte Hautstellen können dünn(!) mit Windelcreme gecremt werden, bei starker Rötung der Falten sollten sie mit abgekühltem konzentriertem schwarzem Tee abgetupft und mit Zinksalbe gepflegt werden (s.S. 314).
Wenn sich der Säugling kratzt, können die Nägel schon gleich nach der Geburt geschnitten werden. Dazu legen Sie das Kind auf den Bauch, oder Sie schneiden die Nägel, während es schläft. Kürzen Sie die Nägel mit einer Baby-Nagelschere mit abgerundeten Spitzen gerade und nicht rund. Alternativ kann man die Nägel feilen.
Haare waschen ist bei kleinen Säuglingen nicht notwendig. Bei älteren Säuglingen/Kleinkindern kann man die Haare bei Verschmutzung oder höchstens wöchentlich waschen. Meist mögen die Kinder dies eh nicht.
Fettige Kopfhautschuppen («Gneis», nicht «Milchschorf») beim Säugling kann man mit Öl einweichen und dann die aufgelösten Schuppen abwaschen/auskämmen (s.S. 314). Mit fertigen Öl-/Salzmischungen (z.B. «baby bene») geht dies leichter. Nötig ist die Entfernung des Gneis nur dann, wenn die Kopfhaut darunter gereizt ist und das Kind kratzt. Gneis bildet sich nach der Entfernung oft neu und bleibt bei einigen Kindern unter den Haaren einige Jahre bestehen. Spätestens im Schulalter verschwindet er vollständig.
Bei Jungen soll die Vorhaut am Penis nicht zurückgezogen werden, um sie zu weiten oder zu reinigen. Das wurde zwar früher empfohlen, ist aber unnötig und führt zu Narbenbildung und Verengung. Sie reinigen den Penis nur von außen. Das Kind darf zerren und ziehen, so viel es will.
Die Vorhaut ist beim Säugling immer eng. Sie weitet sich meist von allein bis zum 6. Lebensjahr. Zur Vorhautverengung oder -entzündung s.S. 306.
Die Schamlippen der Mädchen benötigen im Säuglingsalter keine Pflege. Die angesammelten Sekrete beim neugeborenen Mädchen belässt man zunächst. Nach einigen Tagen sollte die Scheide dann aber auch zwischen den Schamlippen bei Verschmutzung mit Stuhlresten gereinigt werden, um Verklebungen zu vermeiden. Verwenden Sie hierfür nur Wasser und weiche Waschlappen, keine Seife oder Reinigungstücher. Zur Schamlippenverklebung und Scheidenreizung s.S. 303.
Einmalwindeln sind in aller Regel für die Haut am besten verträglich, weil sie die Feuchtigkeit gut aufnehmen und nur ganz selten die Haut reizen. Aus ökologischer Sicht ist der Gebrauch von Standard-Einmalwindeln, auch als Ökovariante, problematisch, da sie durch den Superabsorberkern nur verbrannt werden können, um aus der Umwelt zu verschwinden. Für Stoffwindeln gibt es diverse Fertigsysteme, die auch secondhand gekauft/verkauft werden können.
Der Verzicht auf jegliches Windeln durch Abhalten erscheint uns als seltsame moderne Erziehungsmethode. Die Aufmerksamkeit des Kindes wird zu einem Entwicklungszeitpunkt auf seine Ausscheidung gerichtet, in der das Kind eigentlich oral mit Aufnahme beschäftigt ist. So erfordert das Abhalten (zu) viel Aufmerksamkeit von Eltern und Kind.
Empfindliche Kinder vertragen eventuell nur reine Baumwolle und Seide direkt auf der Haut, nicht aber Synthetik und Wolle.
Ab einem Alter von 4 Wochen soll ein Kind nicht wärmer angezogen werden als Sie selber. Durch den hohen Wachstums-Stoffwechsel produzieren die Kinder im Vergleich zu Erwachsenen mehr Wärme. Deshalb ist noch nie ein Kind unter unseren Lebensumständen erfroren, wohl aber an Überwärmung (schwitzt, ist rot, schreit) gestorben. Nur bei Kindern, die infektanfällig sind, kann man versuchen, die Anfälligkeit durch eine Schicht warme Wolle-/Seideunterwäsche zu bessern. Gesunde Kinder müssen nicht warm angezogen werden, es sei denn, sie frieren! Ein Kind, das schwitzt, ist in jedem Falle zu warm angezogen!
Bei kleinen Säuglingen soll insbesondere beim Schlafen nicht zu viel angezogen werden (s.S. 18). Die Hände dürfen kalt sein! Orientieren Sie sich beim Fühlen an der Temperatur am Rumpf und achten Sie auf warme Füße.
Vorsicht! Babys ab 4 Wochen nicht wärmer anziehen als sich selber! Überwärmte Babys sind vom Wärmetod bedroht!
Vorsicht mit Fellen, Decken, Mützen, Handschuhen, Schneeanzügen und Ähnlichem! Überwärmung ist gefährlich! Auch in der Trage!
Ab einem Alter von 4 Wochen können Sie Ihr Kind nur noch zu warm und nie zu kalt anziehen! Wenn es ihm zu kalt ist, wird es sich beschweren, aber wenn es im Schlaf zu warm wird, kann es am plötzlichen Säuglingstod sterben.
Alle Kleidung sollte vor dem ersten Tragen einmal so warm wie möglich gewaschen werden. Benutzen Sie möglichst – besonders bei Ekzemkindern – enzymfreie Waschmittel (z.B. «Sodasan»). Weichspüler ist überflüssig und kann (weil er in der Wäsche bleibt) die Haut trocken und spröde machen. Bei Ekzemen im Nacken oder oberhalb des Pos die Schilder entfernen oder besser: die Unterwäsche auf links anziehen.
Insbesondere Unterwäsche sollte weiß oder naturfarben sein. Vermeiden Sie Kleidung mit dem Hinweis «separat waschen» oder «kann abfärben», da hier die Schadstoffbelastung besonders hoch ist. Wenn sie doch gekauft wurde, bei Kindern unbedingt vor dem ersten Tragen wachen. Den geringsten Schadstoffgehalt hat Secondhand-Kleidung. Außerdem ist die Wieder-/Weiterverwendung von Dingen aus ökologischer Hinsicht wünschenswert. Teure Kleidung ist oft nicht schadstoffarmer als billige.
Lassen Sie Ihr Kind zu Hause gerne barfuß laufen. Für draußen eignen sich leichte Schuhe mit gut biegsamer Sohle im Vorfuß und stabiler Ferse, die nicht teuer sein müssen. Keinesfalls sollten Sie für Kleinstkinder stützende Stiefel kaufen; die brauchen die Füße nicht, im Gegenteil, die Kinder werden eher noch beim Laufen behindert. Für den Winter sind fellgefütterte Lederstiefel den unförmigen, wenn auch praktischen Canadian Boots aus Kunststoff vorzuziehen, da Leder die Füße besser atmen lässt. Kaufen Sie ab 5 Jahren lieber Schuhe mit Schnürbändern statt Klettverschluss, damit die Kinder lernen, diese zu binden, und die Feinmotorik geübt werden kann.
In den ersten beiden Lebensjahren benötigen Kinder in der Regel drei verschiedene Schuhgrößen, später sind es zwei Schuhgrößen pro Jahr. Kaufen Sie Schuhe beim Neukauf nicht zu klein (sonst sind sie zu schnell wieder herausgewachsen) und nicht zu weit. Bei weiten Schuhen rutscht der Fuß unter Belastung nach vorne, sodass die Zehen gestaucht werden. Neugekaufte Schuhe sollen immer eine gute Kinderdaumenbreite größer sein als der Kinderfuß. Fühlen Sie dann alle paar Wochen, ob noch Platz vor den Zehen ist.
Kaufen Sie Schuhe lieber eine Nummer zu groß und eine Weite enger!
Sie können unbesorgt von Geschwistern getragene Schuhe weiterverwenden oder Schuhe secondhand kaufen, wenn diese nicht besonders ausgetreten oder verformt sind. Da benutzte Schuhe weniger Schadstoffe enthalten, sind sie aus dieser Sicht sogar besser.
Die Wichtigkeit des Schuhkaufes und des passenden Kinderschuhes wird aus Marketing-Gründen deutlich überbewertet.
Der wichtigste Hinweis zur Schadstoffvermeidung ist: weniger ist mehr, vieles braucht man einfach nicht. Alles Neue ist im Zweifel schadstoffbelastet, deshalb neue Möbel, Matratzen, Teppiche, Spielzeuge rechtzeitig auspacken und auslüften.
Kaufen Sie weniger Spielzeug, aber dafür bessere Qualität («spiel gut», GS-Zeichen). Kaufen Sie secondhand.
Verwenden Sie keine desinfizierenden oder antibakteriellen Reinigungsmittel. Nur der Verzicht auf Reinigungsmittel ist umweltfreundlich, dosieren Sie sparsam.
Durch regelmäßiges Lüften werden Innenschadstoffe deutlich verringert.
Der «Säugling» heißt so, weil er gerne saugt.
Natürlich an Brust bzw. Flasche, aber das Saugbedürfnis ist auch unabhängig davon groß. Manche Kinder finden den Daumen (s.u.), manche Eltern können mit Brust und Finger das Saugbedürfnis stillen.
Am Anfang sollte es nur die Brust bzw. Flasche sein, bis das Trinken wirklich gut funktioniert, dies dauert etwa 2–4 Wochen. In dieser Zeit ist noch kein Schnuller nötig. Gesaugt wird an Brust, Flasche oder Finger eines Elternteils.
Wenn der Trinkrhythmus gut eingespielt ist, kann zur Beruhigung der Schnuller ins Spiel kommen: wenn der Bauch drückt, das Baby nicht in den Schlaf findet, die stillende Mutter eine Pause braucht.
Zeigt ein Kind Anzeichen, Daumen zu lutschen (meist mit 1–2 Monaten), so fördern Sie dies gerne, indem Sie dem Kind keinen Schnuller geben.
Daumenlutschen ist eine Fähigkeit, die nur wenigen Säuglingen gelingt, da es motorisch für das kleine Baby schwierig ist. Meist erinnert sich ein Elternteil, dass er/sie Daumen gelutscht hat. Daumenlutschen ist eine wunderbare Möglichkeit, Selbstwirksamkeit zu erfahren und zu verinnerlichen. Daumenkinder sind oft sehr zufriedene ausgeglichene Kinder. Um das Abgewöhnen brauchen Sie sich als Eltern auch keine Sorgen zu machen, weil das Kind seine Hand zum Spielen braucht. Die Verantwortung der Eltern für den Schnuller ist viel höher als beim Daumen.
Findet das Baby den Daumen nicht und reichen Brust und Finger nicht zur Beruhigung, so bieten Sie dem Kind nach den ersten Wochen einen Schnuller an (zur Frage welchen und wie s. nächste Seite). Seien Sie sich aber der Probleme des Schnullers bewusst, erstens wird er immer zu viel benutzt und zweitens ist es schwer, ihn wieder loszuwerden.
Ein Kind mit einem Schnuller beruhigen ist viel viel einfacher als ohne. Dadurch droht in die Eltern-Kind-Beziehung Stille einzuziehen. Das Kind ist still und die Eltern müssen sich auch nicht mehr mit dem Kind auseinandersetzen. Machen Sie sich als Eltern immer bewusst, dass der Schnuller ein totes Plastikding ist und dass das Kind Sie als lebende Bezugspersonen braucht. Hören Sie dem Kind zu, auch seinem Schreien, Schimpfen und Weinen. Der Schnuller soll dem Kind helfen, nicht Ihnen als Eltern.
Der Schnuller stört die Mundmotorik und Kieferentwicklung. Der Oberkiefer wird zu schmal, die Zunge schiebt nach vorne. Es entsteht ein Rückbiss, manchmal sogar offener Biss und ein schwer zu behandelndes Lispeln, wenn das Kind über 2, 3 oder gar 4 Jahre hinaus schnullert. Die Kinder sabbern oft anhaltend und sprechen wenig und schlecht.
Nach 18 Monaten wird die Schnullerentwöhnung immer schwieriger und schwieriger, weil die Gewohnheit immer festgefahrener wird. Der Daumen hat nie das Problem des Zuviel, weil das Kind seine Hand braucht und im Zweifel einfach weiter schimpft, wenn es will. Dadurch führt der Daumen auch nicht zu den Kiefer- und Sprachstörungen wie der Schnuller.
Unser dringender Rat: So viel Schnuller wie nötig, so wenig Schnuller wie möglich!
Schnuller zum Ende des ersten Lebensjahres zunehmend abgewöhnen: Spätestens ab dem ersten Geburtstag bleibt der Schnuller tagsüber im Bett und wird nicht mehr mitgenommen.
Bis 18 Monate den Schnuller ganz verlieren.
Wenn das Kind sich wehgetan hat oder sonst weint, erst trösten und dann vielleicht den Schnuller anbieten, wenn er noch nötig ist.
Den Schnuller nur geben, wenn das Kind ihn verlangt. Aber auch dann nicht immer.
Der Schnuller sollte aus möglichst unbedenklichem Material hergestellt sein. Silikon kann spröde werden, Latex und Naturkautschuk können theoretisch (selten) eine Latex-Allergie nach sich ziehen. Wir wissen nicht, ob es Kunststoffe gibt, die auf Dauer harmlos sind.
Für die Kieferverformung ist nicht entscheidend, welche Form der Schnuller hat, sondern wie intensiv er benutzt wird (s. Fehlbisse S. 267).
Zunächst müssen Sie über einen längeren Zeitraum den Schnuller festhalten, weil die Säuglingszunge ihn reflexhaft immer wieder ausstößt. Denken Sie also nicht, dass das Baby den Schnuller nicht will und absichtlich ausspuckt. Eine Schnullerkette erspart ständiges Aufheben und Suchen, muss aber entweder so kurz sein, dass sie nicht um den Hals geht, oder einen Sicherheitsverschluss haben. Die Schnullerkette soll ab 6 Monate verschwinden, um die Schnullernutzung zu verringern.
Abgesehen von den ersten Lebensmonaten wird der Schnuller dem Kind von den Erwachsenen nicht direkt in den Mund gesteckt, sondern dem Kind in die Hand gegeben. Er ist kein Stöpsel, um dem Kind den Mund zu stopfen, sondern ein Hilfsmittel zum Beruhigen, das dem Kind selbst gehört.
Ab 7 Monaten bildet sich der Saugreflex normalerweise zurück. Beginnen Sie bereits jetzt, den Schnuller abzugewöhnen, indem Sie ihn seltener und kürzer geben. Dazu gehört auch, dem zufriedenen Kind den Schnuller wieder wegzunehmen mit dem Hinweis «Den brauchst du jetzt nicht mehr». Ein spielendes Kind braucht nie einen Schnuller.
Zur Reinigung in den ersten Monaten alle 3 Tage im Topf 2 Minuten in Wasser kochen. Später eigentlich gar nicht mehr. Bei Soor kann man den Schnuller 15 Minuten kochen. Benutzen Sie keine fertigen Reinigungsbäder, sie enthalten chemische Stoffe und wirken nicht gegen Pilze. Lecken Sie den Schnuller nicht ab! Sie übertragen dabei eine große Menge Ihrer Kariesbakterien, die für das Kind viel ungesünder sind als der Dreck auf dem Boden. Schnuller müssen NICHT sauber sein.
Das Wesentliche ist, die Zeit der Schnullernutzung zu begrenzen. Schnuller immer seltener und kürzer geben. Lassen Sie spätestens ab einem Jahr den Schnuller tagsüber im Bett («Er muss sich ausruhen von der Nacht»). Notfalls kann das Kind ihn sich dort holen. Auch in der Krippe darf der Schnuller nur zum Schlafen gegeben werden. Denn tagsüber soll das Kind lernen, sich ohne Schnuller zu regulieren. Es darf dabei (z.B. im Auto) auch schreien/weinen/nörgeln, um seinen Unmut auszudrücken. Auch wenn das Kind bei anderen Belastungssituationen (z.B. Impfungen) weint, hilft es ihm mehr, wenn Sie es trösten, als wenn man ihm mit dem Schnuller im wahrsten Sinne des Wortes den Mund stopft. Kinder sind im 2. Lebensjahr mit Schnuller zwar oft umgänglicher – aber soll das so sein? Geben Sie dem Kind den Schnuller nur, wenn es ihn verlangt, und nehmen Sie ihn wieder weg, wenn das Kind sich beruhigt hat. Er kommt dann zurück ins Bett.
Kommt das Kind tagsüber ohne Schnuller aus, ist auch der «Bettschnuller» bis spätestens 18 Monate rasch abzugewöhnen:
Eines Abends finden Sie ihn nicht mehr, am nächsten Tag vergessen Sie, einen neuen zu kaufen. Das merken Sie natürlich leider erst abends beim Ins-Bett-Bringen, wenn die Läden schon geschlossen sind! Und am nächsten Tag haben Sie leider wieder vergessen, einen neuen zu kaufen …
An diesen Tagen beschäftigen Sie das Kind tagsüber gut, sodass es müde ist, und abends trösten Sie das Kind mit einem besonders kuscheligen und ausführlichen Bett-geh-Ritual («Du kannst sicher auch so einschlafen. Ich helfe dir dabei»). In drei Tagen ist das Kind ohne Schnuller. Nach 18 Monaten funktioniert das oft nicht mehr. Das Kind wird Sie nämlich erinnern, einen neuen Schnuller zu kaufen.
Sie können den Schnuller auch mit einer Eiklar-Kohletabletten-Mischung schwarz färben («Ist krank»). Das klappt sogar noch bei Zweijährigen, die nämlich noch nicht wissen, dass Schnuller nicht krank werden können (s. Kindliches Denken S. 461) und vom «kranken» Schnuller sehr beeindruckt sind.
Wenn das Kind älter als zwei ist, funktionieren obige Methoden nicht mehr, dann müssen Sie anfangen zu verhandeln, Abschiedsrituale vereinbaren, den Schnuller an ein kleineres Kind verschenken, an einen Schnullerbaum hängen oder die Schnullerfee kommen lassen.
Schnuller bis 1½ loszuwerden ist einfach, bis 2 ist es schon schwierig und ab 3 Jahren wird es sehr schwierig.
Sollten Sie bis zum fünften Geburtstag trotz vielen, vielen Lobens bei anfänglichem Gelingen, trotz Schnullerfee, Austauschgeschenkes, ärztlicher Ermahnung und Kieferverformung es nicht geschafft haben, den Schnuller loszuwerden, kann durch einen Kieferorthopäden eine Mundvorhofplatte als Schnullerersatz angepasst werden.
Logopädie bei Sprachstörung oder dauerndem Speicheln hat leider keinen Erfolg, solange der Schnuller noch benutzt wird.
Den Daumen müssen Sie nicht abgewöhnen, weil das Kind die Hand tagsüber zum Spielen braucht und deshalb gar nicht zu viel nuckeln kann. Wenn das Kind im 4. Lebensjahr noch nuckelt, dürfen Sie es immer mal wieder daran erinnern, den Daumen aus dem Mund zu nehmen. Sie können auch einen Kalender führen, in dem daumenfreie Tage positiv notiert werden. Benutzt das Kind den Daumen nur selten oder kurz zum Einschlafen, ist das völlig in Ordnung. Zieht sich das Kind mit vier bis fünf Jahren noch anhaltend zum Daumenlutschen zurück und vermeidet dabei altersgerechte soziale Kontakte, ist eine Rücksprache mit der Kinderärztin notwendig. «Daumen-Kinder» sind aber oft eher ausgeglichen, da sie Selbstwirksamkeit gelernt haben. Der Daumen ist selbst kontrolliert, der Schnuller ist fremdkontrolliert. Niemand steckt dem Kind den Daumen in den Mund.
Bärbel Spathelf, Susanne Szesny: Ein Bär von der Schnullerfee, 2008
Maria-Theresia Rössler, Maria Blazejovsky: Simon Daumenlutscherkind, 2013
Sabine Bohlmann: Ein Löffelchen voll Zucker … und was bitter ist, wird süß!, 2018 (verschiedene Abschiedsmethoden für ältere Kinder)
www.urbia.de → Kleinkind → Erziehung → Abschied vom Schnuller
Insbesondere für gestillte Kinder empfiehlt sich die Anschaffung eines Beistellbettes. Kaufen Sie das Beistellbett groß genug (100 × 50 cm), dann können Sie es das ganze erste Lebensjahr nutzen. Alternativ können Sie auch ein Kindergitterbett mit abnehmbarer Seite in Eigenkonstruktion an Ihr Bett anbauen.
Beim Kinderbett mit Stäbchengitter dürfen die Gitterstäbe maximal 9 cm auseinanderstehen, da das Kind sonst seinen Kopf hindurchstecken kann. Das Bett sollte eine Matratze aus Latex (Naturkautschuk) oder notfalls auch Schaumgummi haben, dann aber möglichst mit Belüftungskanälen, damit die Feuchtigkeit aus der Matratze ziehen kann. Alle übrigen Naturprodukte sind für Säuglinge zu hart.
Ein Kopfkissen braucht Ihr Baby im ersten Jahr noch nicht.
Für das Familienbett eignet sich nach der Zeit des Beistellbettes ein Matratzenlager oder ein zwei Meter breites Elternbett oder eine Kindermatratze auf dem Boden neben dem Elternbett. Es soll kein Elternteil dauerhaft aufs Sofa, ins Gästezimmer oder ins Kinderzimmer. Beide Eltern im Elternbett signalisieren dem Kind eine stabile Partnerschaft von Vater und Mutter, bei denen es geborgen ist.
Wipper, die einem Liegestuhl ähneln, sollten Sie grundsätzlich so kurz wie möglich zum Füttern mit dem Löffel benutzen, da sie die Bewegungsfreiheit einengen. Außerdem wird dadurch das Blickfeld des Säuglings vorzeitig relativ groß, sodass er unzufrieden wird, wenn Sie ihn wieder in die normale Bauch- oder Rückenlage bringen. Er möchte dann am liebsten ununterbrochen herumgetragen werden, wenn er nicht gerade in seinem Wipper sitzt. Das Gleiche gilt für Auto-Babyschalen oder die sogenannten Newbornsets für Hochstühle.
Babys gehören (auf den Arm oder) auf den Fußboden! Auf einer Decke können die Eltern ihr Kind zu Hause dorthin mitziehen lassen, wo etwas los ist. Denn ab dem 4. Monat möchten Babys immer dabei sein.
Für die geistige Entwicklung ist es zunächst am besten, wenn der Nahsinn stimuliert wird und die Säuglinge alles lange beschauen und betasten. Im Vergleich zum Wipper bewegen sich die Säuglinge mehr, wenn sie auf dem Boden liegen, vor allem in Bauchlage. Sie spüren ihren Körper besser, das Sichtfeld ist begrenzt. Dadurch entwickelt und vernetzt sich ihr Ichgefühl besser (s.S. 426). Beim Tragen oder auf dem Schoß soll das Kind seitlich oder zum Erwachsenen gerichtet sein, nicht mit dem Blick nach vorne, damit Blickkontakt aufgenommen werden kann. Der Rücken des Kindes wird beim Sitzen auf dem Schoß nie überfordert, höchstens der Rücken der Eltern beim ständigen Tragen.
In einen Hochstuhl zu den Mahlzeiten sollten Sie Ihr Kind erst mit etwa 8–10 Monaten setzen. Das Kind muss stabil frei sitzen können, es muss sich aber noch nicht selber hinsetzen können.
Ein Spielgalgen über dem Kopf des Säuglings engt den Blick in eine Richtung ein. Außerdem fehlt dann die Motivation, sich zu drehen und fortzubewegen. Begrenzen Sie die Zeit darunter.
Vor Hopser und Gehfrei (Gestell mit Sitz, in dem die Kinder laufen lernen sollen) ist dringend zu warnen. Sollten Sie unwissend diese angeschafft oder geschenkt bekommen haben, verschenken/verkaufen Sie sie nicht weiter, sondern entsorgen Sie sie wirkungsvoll auf den Müll. Lebensgefährliche Unfälle von Kindern in einem «Gehfrei» sind eine ernste Gefahr, weshalb diese Gerätschaften in vielen Ländern verboten sind. Sowohl Hopser als auch Gehfrei stören die natürliche (langsame!) Entwicklung (s.S. 428). Knochenverformungen (O-Beine) und Gehstörungen (bleibender Zehenspitzengang) können die Folge sein.
Die Sinne werden in unnatürlicher Weise überstimuliert und das «normale Leben» damit langweilig. Das Kind wird überaktiv und unruhig.
Schaffen Sie nach der Geburt für den Säugling einen allmählichen Übergang von der Ruhe, Geborgenheit und Wärme des Mutterleibes in die Außenwelt. Deshalb gilt nach wie vor die gute alte Regel, nach der Sie während der ersten 40 Tage mit dem Kind weder auf laute Geselligkeiten noch bei extremer Witterung auf die Straße gehen sollten. Bei gutem Wetter, in ruhiger Umgebung und nicht zu grellem Licht können Sie dagegen von Anfang an mit Ihrem Kind spazieren gehen.
Sie eignen sich von Geburt bis zum Laufen für den Transport des Kindes. Besonders empfehlenswert bei den Tragesystemen sind Ergo-Carrier oder Manduka. Der Säugling sollte dabei eng am Körper und mit Blick zum Tragenden getragen werden (nicht nach vorne!). Für die Entwicklung des Hüftgelenkes ist es wichtig, dass die Beine des Babys nicht gestreckt nach unten hängen, sondern im Hüftgelenk gebeugt und leicht abgespreizt sind. Wenn ein Kind eher unruhig ist und viel auf den Arm muss, ist das Tragesystem/Tragetuch dem freien Tragen vorzuziehen, weil es dem Kind mehr Halt gibt. Bewegen Sie sich beim Tragen «normal», vermeiden Sie anhaltendes Hopsen oder Hüpfen oder Wippen mit dem Kind auf dem Arm. Gehen Sie spazieren oder erledigen Ihre Haushaltstätigkeit mit dem Tragling und sprechen Sie dabei mit dem Kind. Wippen, Hopsen und ständiges Bewegen führen zur Überstimulation des Kindes und verstärken oft die Unruhe.
Manche Babys gewöhnen sich durch langes freies Tragen auf dem Arm zu sehr an die senkrechte Körperhaltung und schreien, wenn sie hingelegt werden. Diese Babys können im zweiten Lebenshalbjahr anstrengend werden, weil sie, anstatt in Bauchlage das Robben und Krabbeln zu üben, ständig herumgetragen werden oder stehen und wippen wollen.
Andererseits gibt es Babys, die nur in der Senkrechten ruhig sind. Vielleicht reagiert ihr Gleichgewichtsorgan mit unangenehmen Gefühlen, wenn sie liegen, manchmal auch, wenn sie schnell hingelegt oder zu arg geschaukelt werden. Wieder andere Kinder genießen den intensiveren Körper- und Blickkontakt, wenn sie auf dem Arm sind. Sie lernen das Krabbeln und Laufen auch ohne viel Übung. Nutzen Sie für diese Kinder ein Tragetuch/Tragesystem.
Auch hier lässt sich keine Norm aufstellen; die meisten Mütter finden intuitiv heraus, was ihr Baby mag und was ihm guttut. Aber überfordern Sie sich als Eltern nicht als Allzeitunterhalter.
Achten Sie darauf, dass Ihr Baby auch die Fähigkeit entwickelt, sich selbst zu beruhigen, indem es z.B. die Lage ändert, den Daumen oder ersatzweise den Schnuller nimmt, ein Tuch bewegt, schaut, greift usw. Eltern müssen eine Balance finden zwischen hinreichend sicherem Kontakt und dem Für-sich-Sein und der Selbstregulation des Babys.
Im Kinderwagen soll das Baby (später auch das Kleinkind) Blickkontakt zur Mutter (oder der entsprechenden Bezugsperson) haben, da es die vielen visuellen Eindrücke anfangs noch gar nicht verarbeiten kann. Achten Sie bei der Anschaffung darauf, dass die Schale des Kinderwagens groß genug ist – sie muss auch für ein 10-Kilo-Kind noch Platz bieten. Der Sitz des Kinderwagens sollte nahezu waagerecht eingestellt werden können für die Schlafposition.
Ungeeignet zur längeren Fortbewegung und als alleiniger Kinderwagen bei jungen Säuglingen sind Kinderwagen, in denen das Kind wie in einer Autoschale angeschnallt wird. Sie schränken wie die Wipper die Bewegungsfreiheit des Kindes zu sehr ein.
Nach dem zehnten Monat genügt auch ein einfacher Buggy mit verstellbarer Rückenlehne (Schlafstellung). Zum teuren Kinderwagen gehört ein Fahrradschloss zum Anschließen. Nicht überall können Wagen mit hineingenommen werden.
Im Auto sollte das Kind so lange wie möglich in der Babyschale transportiert werden. Wenn der Beifahrer-Airbag auszuschalten ist, ist der Transport der Babyschale beim Alleinefahren vorne sicherer, als wenn Sie sich ständig umdrehen. Erst wenn das Kind wirklich frei stabil sitzen kann und wirklich nicht mehr in die Schale passt (zum Ende des ersten Lebensjahres), können Sie auf den Sitz wechseln. Bei älteren Kindern verwenden Sie reine Sitzerhöhungen nur in Ausnahmefällen, da sie keinen Seiten- und Kopfschutz bieten. Denken Sie daran, dass der Kindersitz und alle Airbags Sie und Ihr Kind niemals vollständig schützen können. Fahren Sie umsichtig und ausgeruht ohne überhöhte Geschwindigkeit. Wer zu schnell fährt, kommt unwesentlich früher an – und vielleicht sogar gar nicht.
Für den Transport des Kindes auf dem Fahrrad gibt es inzwischen hervorragende Möglichkeiten. Radfahren dient Ihrer Gesundheit, Sie und das Kind sind an der frischen Luft, und es schont die Umwelt. Mit einer Babyschale oder der passenden Zubehörschale können auch kleinste Säuglinge schon in einem Fahrradanhänger oder Lastenrad transportiert werden. Der Fahrradsitz ist möglich, sobald das Kind stabil frei sitzen kann. Für ältere Kinder bietet sich für Fahrrad fahrende Familien bei längeren Strecken ein Nachläufer an. Nicht nur die Kinder, sondern auch die begleitenden Eltern sollten selbstverständlich einen Helm tragen.
Kinder können Laufrad fahren, wenn die Beine lang genug sind, um mit den Füßen sicher auf den Boden zu kommen.
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Über die Ernährung können wir etwas für unsere Gesundheit und die unserer Kinder tun. Die wichtigsten Hinweise zum Essen sind: Einschränkung tierischer Nahrungsmittel, weniger Eiweiß, mehr Kohlenhydrate in Form von Getreide, vorzugsweise Vollkornprodukte, rohes Obst und Gemüse aus ökologischer Anbauweise, wenig Zucker und Saft, Vermeiden von Zusatzstoffen und industriell hergestelltem Essen sowie:
Regelmäßig gemeinsam als Familie und mit Freude essen.
Vollwertige Ernährung verlangt eine ausgewogene Mischung von Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißbestandteilen sowie von Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. .
Durch Ihr Konsumverhalten können Sie Einfluss darauf nehmen, dass die Umweltbelastung vermindert wird und weniger Energie zur Nahrungserzeugung aufgewendet werden muss. Verzichten Sie darauf, die übertriebene Vielfalt des Nahrungsangebotes zu nutzen: Es müssen nicht Chiasamen aus Bolivien oder Obst aus Übersee sein.
Meiden Sie Fertigprodukte, die Zusatzstoffe wie Glutamat, Konservierungs-, Farb- oder Süßstoffe enthalten. Wenn Fertigprodukte aus Zeitgründen gelegentlich gewählt werden, so ist Tiefkühlware die beste Alternative, da sie ohne Konservierungsmittel auskommen kann und am wenigstens bearbeitet ist. Im Einzelfall müssen Sie je nach Geldbeutel Ihre Entscheidungen treffen. Sich mit wenig Geld gesund zu ernähren, erfordert Geschick, ist aber möglich. Bevorzugen Sie in jedem Falle Obst und Gemüse der Saison, vorzugsweise von einem lokalen, kontrollierten Anbau.
Wenn Sie die Kinder an der Zubereitung oder zumindest am Tischdecken beteiligen, werden diese eine andere Beziehung zum Essen entwickeln, als wenn ihnen alles vor die Nase gesetzt wird. Und dann, sehr wichtig: gemeinsam, langsam und genussvoll essen – ohne Fernsehen, Smartphone oder Tablet-PC! Nach Studien sind zwar nur zwei gemeinsame Mahlzeiten in der Woche nötig, um das Risiko von Essstörungen bei Kindern zu verringern. Trotzdem ist es natürlich wünschenswert, zu möglichst vielen Mahlzeiten mit der ganzen Familie am Tisch zu sitzen und sich für den Essensgenuss und füreinander Zeit zu nehmen.
Ideal ist für Kinder eine Ernährung, die zu gut der Hälfte aus Kohlenhydraten, zu einem Drittel aus Fetten und zu einem Sechstel aus Eiweiß besteht. Das Eiweiß soll zu einem Drittel tierischer (Milch, Fleisch, Fisch, Ei) und zu zwei Dritteln pflanzlicher Herkunft sein (Getreide, Gemüse).
Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Linolsäure und die neun essenziellen Aminosäuren müssen dem Körper unbedingt und in ausreichender Menge zugeführt werden. Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße hingegen kann der Organismus bis zu einem gewissen Maß je nach Bedarf selbst «herstellen», indem er z.B. mit der Nahrung aufgenommenes Fett in Zucker oder Eiweiß in Fett umwandelt.
Mit einer halbwegs ausgeglichenen Ernährung entstehen bei unserem Nahrungsmittelangebot keine Mangelerscheinungen. Kritisch ist lediglich die Versorgung mit Jod, weshalb jodiertes Speisesalz sogar in der optimalen Vollwerternährung empfohlen wird.
In der Praxis empfiehlt sich als Orientierung die auf der nächsten Seite abgebildete Ernährungspyramide:
1 Portion Extras (Süßes, Snacks)
2 Portionen Fette/Öle
3 Portionen Milch/Milchprodukte + 1 Portion Fleisch/Wurst/Fisch oder Ei
4 Portionen Brot/Getreide/Reis/Kartoffel
5 Portionen Gemüse/Salat/Obst
Die Ernährungspyramide
Quelle: aid-Infodienst
Es geht heute nicht mehr um die Vermeidung des Mangels, sondern eher um die Vermeidung des Zuviels: zu viel Eiweiß, zu viel Fett, zu viel Zucker, zu viel künstliche Vitamine, zu starke Verarbeitung und zu viel Konservierungsstoffe. Gerade Nahrungsmittel, die von der Industrie als «gesund» angepriesen werden (z.B. Fruchtzwerge, Milchschnitte, Multivitaminsäfte und -süßigkeiten), sind besonders un-gesund. Quetschfrüchte und Smoothies aus dem Kühlregal sind kein Obstersatz. Durch die Verarbeitung enthalten sie kaum noch natürliche Vitamine und kaum Ballaststoffe, dafür aber oft künstliche Zusätze.
Empfehlenswerte übersichtliche Ratgeber zur Kinderernährung und zum Einkaufen erhalten Sie bei der Bundeszentrale für Ernährung (z.B. «Das beste Essen für Babys/Kleinkinder/Kinder», www.ble-medienservice.de).
Zum ausführlichen Nachlesen empfiehlt sich das Buch «Vollwert-Ernährung» von K.von Koerber, 2012.
Einkaufsratgeber zum Thema Essen und Nachhaltigkeit erhalten Sie von Greenpeace (www.greenpeace.de).
