Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Haben Sie schon visualisiert, entrümpelt, beim Universum bestellt, den Jakobsweg begangen und es ist NICHTS passiert? Jedenfalls nicht wirklich? Sie haben sich scheiden lassen, nur um ein Jahr später in der nächsten fatal stagnierenden Beziehung festzustecken, Sie haben Ihren Job gekündigt und auf magischem Wege diesmal wieder eine ausweglose Situation vorgefunden? Sie haben alles Gerümpel aus Ihrer Bude geschmissen, um vor dem Nichts zu stehen und alles was passiert ist, ist die Erbschaft Ihrer Tante, die Ihnen leider keine Louis XVI.- Möbel sondern nur von der Katze angekratzte und vom Hund bepisste 70er Jahre-Kommoden eingebracht hat? DANN ist dieses Buch genau das Richtige für Sie!
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 106
Veröffentlichungsjahr: 2013
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Edith Seo
Aus-/ Durchgebrannt
Äh?!? - Bitte hier entlang...oder nach da...
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Aus- / Durch gebrannt
Impressum neobooks
Haben Sie schon visualisiert, entrümpelt, beim Universum bestellt, den Jakobsweg begangen und es ist NICHTS passiert? Jedenfalls nicht wirklich?
Sie haben sich scheiden lassen, nur um ein Jahr später in der nächsten fatal stagnierenden Beziehung festzustecken, Sie haben ihren Job gekündigt und auf magischem Wege diesmal wieder eine ausweglose Situation vorgefunden?
Sie haben alles Gerümpel aus ihrer Bude geschmissen, um vor dem Nichts zu stehen und alles was passiert ist, ist die Erbschaft ihrer Tante, die ihnen leider keine Louis XVI.- Möbel sondern nur von der Katze angekratzte und vom Hund bepisste 70er Jahre-Kommoden eingebracht haben?
DANN ist dieses Buch genau das Richtige für Sie!
Diesmal muss es klappen, alles anders werden und Sie wollen nie mehr in alte Muster zurückfallen.
Vorab muss ich ihnen sagen: Ich möchte nicht zwischen Dale Carnegie und „The Secret“ im Bücherregal vor mich hinstauben. Nicht einfach dazugelegt werden, nur um ein gutes Gewissen zu haben. Ich habe auch nichts davon, wenn man bestenfalls über das Buch sagt, die Ansätze seien ja ganz gut, aber irgendwie doch aus Bibel, Koran, Thora oder ungeschriebenen Maya-Dogmen plagiiert.
Es geht um Sie!
Sie fühlen sich ausgebrannt, haben aber keine Kraft, etwas zu ändern, deshalb
brauchen Sie klare Ansagen und Regeln, die Sie beizeiten wieder über den Haufen werfen und neu ausrichten können. Insofern geht es hier schon los. Ein neues
Leben erfordert eine neue Identität. Eigentlich sind Sie mit sich ja ganz zufrieden,
mögen Sie jetzt denken, nur Ihr Chef, Ihr Partner, Ihre Schwiegermutter wollen einfach
Ihre Qualitäten nicht richtig einschätzen.
Womit identifizieren Sie sich? Mit Ihrem Job? Ich kann ihnen garantieren, selbst als Bundespräsident können Sie nach einem halben Jahr vergessen sein. Mit ihrer Beziehung? Mit ihrem Hobby? Wenn sich mal ihr bisheriges Leben betrachten, ist demnach ihre Identität etwas variables. Sie waren mal Schüler, mal Reitbeteiligte, mal Fußballer, mal Krückengänger, mal Amateur-Pokerspieler oder mal Leichtflugzeug-Pilot. Manches davon sind Sie vielleicht heute noch, oder wieder, manches haben Sie schon lange ad acta gelegt.
Schauen Sie genau hin, wer Sie sind und wer Sein wollen.
Grenzen Sie sich ab, schließen Sie sich an, lösen und binden sie neu. Schauen Sie, wie vielfältig Sie selbst sind.
Wenn Sie Ihr Leben betrachten, wird Ihnen auffallen, dass die Dinge, die Sie am meisten nerven, jene sind, die sich ständig wiederholen. Jeden Sonntag ruft die Schwiegermutter an und wenn sie schon Ihre „krächzende“, „quietschende“, „knatschige“ Stimme hören, merken Sie, wie ihnen übel wird. Oder die jeden Montag um 10 am stattfindende Teambesprechung, bei der Ihr Chef sie immer übergeht, kritisiert oder nicht ausreden lässt. Die ganze Woche ist dann schon wieder gelaufen. Immer sind es die Anderen. Das mag stimmen, aber der Punkt, um den es geht ist: Sie lassen es zu!
Die Anderen haben in vieler Hinsicht eine Bedeutung in unserem Leben. Indem Sie uns nerven, uns mobben, uns loben oder uns bremsen. Alles dient dem Zweck, uns zu fixieren und uns eine Rolle zuzuweisen.
Machen Sie nicht den Fehler, sich an den Menschen zu orientieren, die Ihnen ihre geballten Weisheiten angedeihen lassen. Die Leute, die mir von Müßiggang im ersten Semester oder Schokolade abgeraten haben, sind bereits verstorben (ganz ohne Müßiggang und Schokolade). Ihre Freundin, die den schrägen Vogel kritisiert, den Sie neuerdings daten, brennt selbst vielleicht schon morgen mit einem Bauarbeiter aus Marokko durch. Lassen Sie sich nicht vom Dünkel und den „perfekten“ Lebensentwürfen der anderen irritieren. Die ändern sich (was ihnen zu wünschen ist) oder verstauben. Gehen Sie ihren Weg und lassen Sie sich nicht aufhalten.
Besteht Ihre belastende Situation schon länger als ein Jahr? Diese Variante ist ziemlich wahrscheinlich. Vielleicht sogar schon 10 Jahre oder länger. Vielleicht haben Sie bereits irgendeine Krankheit (beliebt sind Migräne, Allergien und alle Arten von Verdauungsstörungen) entwickelt, um zu entkommen. Dann ist es allerhöchste Zeit zu reagieren. Ihr Körper sendet Ihnen Warnzeichen. Auch wenn mancher Heiler sich trotz dieses Wissens nicht retten konnte, sollten Sie sich davon nicht abschrecken lassen. Ich kenne eine Inka-Priesterin, die ein Geschwür hatte, sich aber nicht operieren lassen wollte. Sie hat, vielleicht, aufgrund ihrer Heilkünste, noch einige Jahre überlebt, aber ist letztlich doch daran gestorben. Heiler und Menschen aus Heilberufen allgemein haben es besonders schwer, weil von Ihnen Erfolg erwartet wird. Sie dürfen auch mal ausbrennen, aber am Ende sollten sie wie Phönix aus der Asche wieder aufstehen. Wenn sie das nicht tun, ist ihr ganzes Konzept im Eimer. Vielleicht aber war ihr Konzept ganz in Ordnung, nur dass sie zu sehr von ihm überzeugt waren, statt zu sagen, an diesem Punkt hilft es nicht, ich muss etwas anderes zulassen, selbst wenn es etwas ist, das ich früher immer verdammt habe.
Wenn Ihr Problem also schon über einen langen Zeitraum besteht, so erfüllt es keinen Sinn mehr. Sicher muss man sich am Anfang durchkämpfen, jede neue Aufgabe ist zu Beginn ein Kraftakt und niemandem ist hier geraten, innerhalb von zwei Wochen das Handtuch zu werfen, denn die Probleme der ersten Wochen lösen sich häufig in Luft auf.
Wenn Sie allerdings bei dem hinterhältigen Chef oder dem untreuen Partner verweilen, bremst das Ihre Entwicklung und ist auf jeden Fall ungut.
Stagnation ist ungesund, weil sie den Wachstumsprozess behindert. Der Wachstumsprozess kann horizontal, vertikal oder chronologisch stattfinden, manchmal ist er auch längst überfällig, dann ist er besonders schmerzhaft, weil er auch Angelegenheiten, die schon längst hinter einem liegen, wieder aufwühlt.
Melanie, 24, hatte ein schlaues Buch gelesen, nachdem sich ihr langjähriger Freund von ihr getrennt hatte. Da stand drin, sie müsse sich aufraffen, alles anders machen, sich nie wieder an jemand anderen hängen und die Verantwortung übernehmen. Normalerweise hätte Melanie so ein Buch an die Wand geknallt, wie sie es mit ihrem Goldhamster gemacht hatte, was sie sich heute noch vorwarf und überhaupt, dachte sie, hätte sie ab 16 alles anders machen müssen. Wenn sie nicht Klaus für Rocco (ein beliebter Name für Draufgänger, in Wahrheit hieß der Betreffende Hermann-Josef, aber bleiben wir bei Rocco) verlassen hätte, wäre sie heute verheiratet und müsste nicht mehr hinaus in die kalte Welt. Aber Rocco würde nun für ein halbes Jahr nach Australien gehen, vielleicht auch für immer, denn er passte optisch und intellektuell perfekt nach Surfer´s Paradise.
Nun beschloss Melanie, nie mehr das kleine Mädchen sein zu wollen, das Rocco verlassen hatte. Sie wollte über sich hinauswachsen. Irgendetwas Neues musste her. Etwas Atemberaubendes, etwas, dass sie vergessen ließe und dass alle anderen anders über sie denken lassen würde.
Und wie es der Zufall wollte- er will immer irgendetwas, dürfte Ihnen auch schon passiert sein- stieß sie an der Uni-Pinnwand auf eine Ausschreibung für ein Praktikum bei einem großen Unternehmen in Abu Dhabi. Melanie sah sich im Geiste als orientalische Prinzessin durch goldgetäfelte Gemächer lustwandeln, umschwirrt von Eunuchen und gesalbt für einen hinreißend monogamen Scheich mit geheimnisvollen Augen. Sie bewarb sich und bekam das Praktikum.
Die erste Woche war die Hölle. Sie sass (bei 45 Grad Aussentemperatur) mit einer Erkältung im unterkühlten Bürogebäude mit akustischer und visueller Präsenz der ringsherum liegenden Baustellen. Der gleichaltrige Kollege wurde zu Geschäftsreisen nach Djidda und Riad mitgenommen, sie jedoch, die in Saudi-Arabien aufgrund der rigiden Gesetze nur als lästiges Anhängsel betrachtet wurde, zunächst in einer Ecke geparkt. Verzweifelt rief sie am Ende der Woche ihre Mutter an:
„Ich halt das nicht aus, ich muss abends meine Stimme ölen, weil ich mit keinem gesprochen habe, ich lasse mich krankschreiben und dann komme ich wieder nach hause.“
Was mit Melanie passiert war? Sie war fern der Heimat, sie war auf sich gestellt und sie hatte sich, nach all ihren Heulkrämpfen, die der Ex provoziert hatte, in Träume geflüchtet, die sich so nicht realisiert hatten. Sie hatte alles auf eine Karte gesetzt, war mutig gewesen und wollte etwas ganz anderes machen als bisher. Genau wie Sie vielleicht mit ihrer Ananas-Diät. Aber dann ist alles so unzumutbar, dass man wieder aufgibt, weil die Herausforderung einfach zu groß ist und sich „sonst niemand“ so etwas antut. Mit einer gewissen Genugtuung lässt man sich zurückfallen in das alte Muster mit der neuen, alten Erfahrung, dass man nun mal ein Pechvogel und die Welt grausam ist.
Melanie hatte Glück im Unglück, denn ihre Mutter teilte ihr mit, dass sie für eine Woche verreist und damit telefonisch nicht erreichbar sei. Sie solle eine weitere Woche durchhalten, wenn es dann gar nicht mehr ginge, na ja, dann würde man weiter sehen. Aber während dieser Woche solle sie alles geben. So tun, als sei es die letzte Woche und sie könne danach sowieso wieder nach hause.
Nach einem einsamen Wochenende in der Shopping Mall, in der Sie endlich echte Scheichs zu sehen bekam und Inderinnen in Saris, erschien Melanie montags morgens wieder im Büro. Da saß Penelope Cruz im Gucci-Kostüm und stellte sich als Dalia Abu Dingbums vor und außerdem als ihre neue Chefin. Sie warf ihre Haare zurück und ließ Melanie Platz nehmen. Na, toll, dachte Melanie, eine zickige Schönheit als Chefin hat mir gerade noch gefehlt. Aber sie beschloss, bei ihrem Vorsatz zu bleiben. Alles, was Dalia will, wird gemacht, befahl sie sich wie eine Soldatin.
Dalia kam zurück, warf wieder das Haar über die Schulter und lächelte freundlich:
„Ich hab schon gehört, hier hat sich keiner richtig um dich gekümmert. Ich war bis letzte Woche in Urlaub, eigentlich wollte ich vorbeikommen um dich zu begrüßen, aber sorry, ich hatte irgendwie keine Lust.“ Sie zwinkerte kameradschaftlich. „Erst durch die Hitze und dann wieder hier rein, na ja, sorry, dass ich dich hab hängen lassen.“
Melanie verzieh ihr sofort, denn mit so einem Ton hatte sie in dem sterilen und anonymen Glaspalast schon gar nicht mehr gerechnet.
„Jetzt wird´s aber auch erstmal nicht besser, ich muss auf die Baustelle und du musst leider mit. Danach gehen wir aber ins Emirates Palace zum Lunch mit dem Investor. Na, komm...“Dalia warf ihr lässig einen Helm zu und es ging los. Ende der Woche vergaß Melanie, ihre Mutter anzurufen, da sie gerade mit Dalia auf einer Party war und Dalia im Folgenden so was wie ihre große Schwester wurde, mit der sie loszog und die ganze Arabische Welt unsicher machte. Zwei Jahre lang blieb sie dort. Mit Dalia gingen Türen zu Palästen auf, konnten unbezahlbare Pferde geritten und kühne Projekte angegangen werden, die Melanie tatsächlich vergessen ließen, was vorher war.
Nach zwei Jahren aber heiratete Dalia und ließ Melanie allein in der Firma. Ein neuer Chef, ein neuer Umgangston, vergessen geglaubte Erkältungen und laute Baustellen waren wieder da. Weihnachten fuhr Melanie nach Hause und hatte plötzlich gar keine Lust mehr auf Abu Dhabi. Alles dort war künstlich und überhaupt nicht ihr Ding. Dalia war super, aber ohne sie war nichts mehr übrig von all dem. Rocco war längst zurück aus Australien, hatte sich beim Surfen den Oberschenkelhals in einer Welle verkeilt und sah längst nicht mehr so spannend aus wie gleich nach der Trennung. Auch kam er ihr kleiner vor. Trotzdem ging es ihr schlecht.
Ja, werden sie sagen, weil sie sich vorgenommen hatte, sich nicht mehr an jemand anderen zu hängen, doch dann hat sie mit Dalia gewisser Maßen wieder das alte Muster aufgenommen.
Nein! Das meine ich nicht, sondern sie hatte einfach wieder einen Abschnitt beendet. Ein Aspekt ihrer Persönlichkeit hatte durch Dalia entfaltet werden können, doch als er voll ausgelebt war, war sie satt und Sattheit bedeutet immer Stagnation und Stagnation kündigt immer, wenn man sich nicht vorsieht einen Bruch an. Letzterer wird meist als unangenehm wahrgenommen und deshalb klappte Melanie wieder in sich zusammen. Trotzdem hatte sie tolle Erfahrungen gemacht und konnte diese, soviel sei gesagt, drei Jahre später wieder sehr gut nutzen. Ihre Entscheidung nach Abu Dhabi zu gehen, war also keineswegs falsch gewesen, sondern zum gegebenen Zeitpunkt genau richtig. Auch die Entscheidung, trotz aller Widrigkeiten eine Woche länger auszuhalten, war richtig, denn diese Woche hatte ihr zwei fantastische Jahre eingebracht, von denen sie, wenn sie die jetzige Misere überwunden hatte, noch lange würde zehren könnten. Trotzdem, und an diesem Punkt war sie gerade, ändern Zeiten sich und als sie mit dem neuen Chef nicht klar kam und das Negative wieder verstärkt wahrnahm, hielt sie nichts mehr. Auch das war in Ordnung.
Es geht um Sie! Und wenn Sie sich ausgebrannt fühlen, dann brennen Sie besser durch.
Gezeiten
