Aus freiheitlicher Perspektive - Till Mansmann - E-Book

Aus freiheitlicher Perspektive E-Book

Till Mansmann

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Beschreibung

Vier Liberale aus dem hessischen Landkreis Bergstraße geben in sechs Beiträgen Denkanstöße aus ihrer individuellen, aber immer freiheitlich geprägten Perspektive. Das Buch macht Mut in einem von Verzagtheit bestimmten Umfeld. Mut, das Schicksal der Gesellschaft selbst aktiv mitzugestalten und die Zukunft zu meistern. Hinfallen erlaubt - Liegenbleiben nicht Till Mansmann ruft dazu auf, die Arbeitswelt von morgen, die durch Digitalisierung bestimmt sein wird, nicht zu beklagen, sondern als Chance zu begreifen, die - richtig genutzt, das heißt für ihn: mit der bestmöglichen Bildung, - sogar Antworten auf große Herausforderungen wie die CO2-Reduktion bereithält. Marx oder Erhard? Roland von Hunnius bekennt zur Sozialen Marktwirtschaft als ordnungspolitischer Leitidee. und nimmt zu der Gerechtigkeitsfrage Stellung. Marktwirtschaft ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Wohlstand und Wachstum. Politik muss den Handlungsrahmen setzen, darf aber die Innovation durch "schöpferische Zerstörung" nicht abwürgen. Von liberalen Frauen Birgit Grüner spannt einen Bogen von der fast vergessenen mittelalterlichen Beginenbewegung bis zu heutigen FDP-Politikerinnen um zu zeigen, dass Frauen ihre Lebenschancen auch ohne Quote durchsetzen können. Die Freiheit des Einzelnen ist begrenzt durch die Freiheit der Anderen Frank Sürmann will die Schockstarre der europäischen Politik beenden, die seit Donald Trumps Einzug ins Weiße Haus besteht. Sein Rezept: konsequent auf Freihandel und Subventionsabbau setzen. Er will "mehr Europa" mit einheitlicher Wirtschafts- und Finanzpolitik, einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft und besserer Kommunikation. Der lange Abschied und das große Schweigen Birgit Grüner erinnert an das Schicksal der 14 Millionen Deutschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Sie fordert eine Begegnungsstätte für eine lebendige Erinnerungskultur. Nur wer sich an das Vergangene erinnert und sich damit auseinandersetzt, kann daraus die richtigen Folgerungen für die Gegenwart ziehen, meint sie mit Blick auf die Flucht- und Vertreibungsschicksale, die überall auf der Welt zu beklagen sind. Die organisierte Idee der Freiheit Till Mansmann bekennt sich ausdrücklich zum Leistungsprinzip, sieht die FDP aber auch als soziale Partei und lehnt den überall in Mode kommenden Kollektivismus entschieden ab. Im Mittelpunkt steht der Mensch und seine freie Entfaltung.

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Seitenzahl: 63

Veröffentlichungsjahr: 2018

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„Ich behaupte nicht, dass alles in diesem Staat in Ordnung sei. Das kann ein Demokrat gar nicht behaupten.

Eine Demokratie ist immer auf dem Weg zu sich selbst. Sie ist nie fertig. Nur Staaten, in denen die Freiheit nicht viel gilt, behaupten von sich, sie hätten das Klassenziel erreicht. Nur Menschen, die von Freiheit nichts wissen, behaupten, sie hätten ein Rezept, wie der ideale Staat zu verwirklichen sei. Freiheit und unvollkommener Staat, das gehört zusammen – ebenso wie der ideale Staat mit Unfreiheit und Unmenschlichkeit zusammen geht. Die Demokratie ist nicht zuletzt deshalb die beste Staatsform, weil sie sich ihre eigenen Mängel eingesteht. Nur Mangelhaftes kann man verbessern. Was sich selbst zum Ideal erklärt, muss sich gegen jede Änderung zu Wehr setzen.

Die Mängel der Demokratie haben einen ganz einfachen Grund: Der Mensch selbst ist ein mangelhaftes Wesen … Kritik ist das Lebenselixier der Demokratie …“

Rede Walter Scheels zur 500-Jahr-Feier der Tübinger Universität.

Inhalt

Zum Geleit

Hinfallen erlaubt, Liegenbleiben nicht

Von Till Mansmann, MdB

Marx oder Erhard?

Von Roland von Hunnius

Von liberalen Frauen

Von Birgit Grüner

Die Freiheit des Einzelnen ist begrenzt durch die Freiheit der Anderen

Von Frank Sürmann

Der lange Abschied und das große Schweigen

Von Birgit Grüner

Die organisierte Idee der Freiheit

Von Till Mansmann, MdB

Zum Geleit

„Wir wollen uns zusammenfinden als ein Gesinnungsverband, der sich gebunden fühlt durch ein ebenso einfaches wie verwegenes Wort, nämlich, es sind hier Menschen, Männer und Frauen zusammengekommen, die von dem und in dem Glauben an die Freiheit der Menschen leben.“(Theodor Heuss)

Diese Worte aus der Rede des Parteivorsitzenden Heuss auf dem Gründungsparteitag der FDP 1948 in Heppenheim sind Programm. Heuss mahnte in seiner Rede an, sich für den Rechtsstaat und die Kräfte des freien Marktes einzusetzen und stellte den schöpferischen Menschen in den Vordergrund, der nur in Freiheit agieren kann.

Der Gründungsparteitag war ein „Gesamt-Vertretertag“ der liberalen, demokratischen Parteien, der nicht von den Sowjets besetzten Landesteile.

Ein Jahr zuvor, am 17. März 1947, war ein gesamtdeutscher Gründungsversuch der „Demokratischen Partei Deutschlands“ gescheitert. So traf man sich zur Gründung der „Freien Demokratischen Partei“ am 11./12. Dezember in Heppenheim. Dieser Ort ist nicht zufällig gewählt. Heuss nahm deshalb in seiner Rede Bezug auf die Heppenheimer Versammlung vom 10. Oktober 1847. Liberale Politiker aus Süd- und Westdeutschland nahmen an diesem damals nicht ganz ungefährlichen Treffen teil und setzten mit ihrem Programm eine liberale Bewegung im Vorfeld der 1848er Revolution in Gang.

In diesem Jahr jährt sich der Gründungstag der „Freien Demokratischen Partei“ zum siebzigsten Mal.

Das Leitmotiv des Gründungsparteitages war „Einheit in Freiheit“.

In diesem kleinen Buch wollen wir auch an dieses so wichtige Ereignis erinnern.

Friedrich Schiller lässt den spanischen König Philipp in seinem „Don Carlos“ sagen: „Der Mensch erträgt die Freiheit nicht.“

Dem wollen wir mit unseren Beiträgen vehement widersprechen. Erziehung zur Mündigkeit als die Fähigkeit zum selbstverantworteten Gestalten, „Erziehung zum Konflikt und zur Toleranz – statt falscher Harmonielehre“ (Liselotte Funcke) gehören zu den Voraussetzungen. Und vor allem gehört Mut dazu, sich die Freiheit, frei zu sein, zu nehmen.

Es heißt für uns nicht nur: Freiheit in Verantwortung. Vielmehr muss es auch heißen: Wir haben immer Verantwortung für die Freiheit.

Till Mansmann

Roland von Hunnius

Birgit Grüner

Frank Sürmann

ESIST KEINE SCHANDE HINZUFALLEN,ABER ES IST EINE SCHANDE LIEGENZUBLEIBEN.

THEODOR HEUSS

Hinfallen erlaubt, Liegenbleiben nicht

Digitalisierung und die Chance zu neuer FlexibilitätVon Till Mansmann, MdB

Es ging den schlesischen Webern nicht gut, wirklich nicht, damals, 1844, als sie sich entschlossen, zu revoltieren. Es ist verständlich, dass sie in den neuen mechanischen Webstühlen, mit denen die Massenanfertigung von Stoff in guter Qualität möglich war, ein Teil ihres Problems sahen: Die Maschinen waren teuer, führten aber zu hoher Produktion – und ließen so die Preise sinken, mit denen die Handarbeit immer weniger konkurrieren konnte.

Bei allem Verständnis für die Anprangerung von Missständen in der industriellen Revolution: Die schnelle Entwicklung immer besserer Maschinen, der Beginn der industriellen Massenproduktion, war nicht aufzuhalten – und ein Aufhalten hätte auch die Lage nicht verbessert, im Gegenteil. Heute wissen wir: Maschinen haben unser Leben und unsere Arbeit nicht verschlechtert, sondern verbessert. Der technische Fortschritt der letzten Jahrzehnte hat uns sehr viel mehr Wohlstand gebracht als jede wirtschaftliche Umwälzung zuvor.

Nicht wenige Wissenschaftler, die sich mit der Entwicklung der Arbeit, mit technischem Fortschritt oder wirtschaftlichem Strukturwandel beschäftigen, gehen jedoch davon aus, dass uns jetzt wieder eine Revolution bevorsteht, die mit der industriellen Revolution vergleichbar ist: Die Digitalisierung hat unser Arbeits- und Privatleben schon stark beeinflusst, und die Veränderungen könnten noch viel größere Umwälzungen nach sich ziehen. Und natürlich ist das mit Problemen verbunden – das ist die negative Sichtweise. Positiv betrachtet liegen aber auch enorme Chancen für uns alle in den neuen Möglichkeiten, die Datenverarbeitung, elektronische Kommunikation und die massenweise Verfügbarkeit von Endgeräten bieten.

Veränderungen gestalten, nicht ablehnen

Die einen haben, wie die Weber 1844, Angst, ihre Arbeit und vertraute Strukturen zu verlieren. Andere sind hingegen überzeugt, dass das Leben von sehr vielen besser wird, wenn die staatliche Verwaltung effizienter und bürgerfreundlicher wird, indem viele Dienste rund um die Uhr von zu Hause aus in Anspruch genommen werden können, wenn immer speziellere Bedürfnisse zielgenau befriedigt und Wünsche passgenau bedient werden können.

Eine generelle Ablehnung, die Hoffnung, eine Art Maschinensturm könnte die Veränderungen aufhalten, erscheint vor diesem Hintergrund nicht nur unrealistisch, sondern grundfalsch: Klug ist es, sich den Herausforderungen zu stellen und die Veränderungen zu gestalten anstatt sie abzulehnen oder einfach über sich hereinbrechen zu lassen. Im Grunde gilt das Motto eines unserer Wahlplakate der letzten Bundestagswahl: „Manchmal muss ein ganzes Land vom 10er springen.“ In anderen Worten: Manchmal muss eine ganze Gesellschaft zum Unternehmer werden.

Kultur des Scheiterns

Gerade Deutschland, das als rohstoffarmes, aber ideenreiches Land dringend darauf angewiesen ist, im internationalen Wettbewerb in vielen Gebieten Innovationsführer zu sein und zu bleiben, muss sich politisch darauf einstellen. Das gilt insbesondere für Hessen, in Deutschland zentral gelegen und mit zahlreichen Wirtschaftszentren und Universitätsstandorten in vielen Bereichen vorne mit dabei.

Der Weg, den wir beschreiten, ist kein ausgetretener Pfad, keine befestigte Straße, keine gerade Schiene in die Zukunft, sondern geht durch unwegsames, unübersichtliches Gelände – gelegentliches Stolpern nicht ausgeschlossen. Deswegen brauchen wir gerade wegen der vielen Unwägbarkeiten auch eine Kultur des Strauchelns und Stolperns: Hinfallen ist erlaubt, nur Liegenbleiben nicht. Wir brauchen auch eine Kultur des Scheiterns, die es erlaubt, aus Fehlern zu lernen. Wer einmal eine Pleite erlebt hat, sollte nicht vernichtet, sondern gestärkt aus ihr hervorgehen. Nur so können wir sicherstellen, dass aus guten Ideen gute Unternehmen werden – und nicht gute Ideen bleiben, die nie umgesetzt werden. Nur so können wir gewährleisten, dass auch in einigen Jahren noch deutsche Unternehmen, deutsche Unternehmer weiter Arbeitsplätze schaffen, Produkte anbieten und damit auch das Steuersubstrat sichern können, das wir für unseren Sozialstaat, für unsere Zivilgesellschaft, für die Zukunft unserer Kinder brauchen.

Das heißt aber auch, bisher Gewohntes, vielleicht sogar Vertrautes immer neu zu hinterfragen. Für die Politik bedeutet das, gesetzliche Regelungen, die Auswirkungen auf unser Wirtschaften haben, immer neu darauf zu prüfen, ob sie den Anforderungen der Gegenwart und Zukunft noch genügen, ob sie nicht bremsend oder gar verhindernd wirken. Die Digitalisierung bietet vor allem die Chance zu ganz neuer Flexibilität – starre Vorschriften sind praktisch das Gegenteil davon. Das heißt nicht, auf Kontrolle zu verzichten – im Gegenteil: Intelligente Mechanismen müssen sicherstellen, dass unsere hohen rechtsstaatlichen Standards zum Beispiel im Schutz der Privat- und gar Intimsphäre weiter eingehalten werden können,