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Die Australischen Samtgeckos der Gattung Oedura galten vor vielen Jahren noch als Raritäten unter den Terrarientieren. Da alle Vertreter dieser Echsen aus Australien stammen, gab und gibt es aufgrund des im Ursprungsland bestehenden Ausfuhrverbotes keine Tiere aus Importen zu erwerben. So waren und sind die Terrarianer außerhalb Australiens darauf angewiesen, den bereits in Privathand vorhandenen, geringen Bestand an Terrarienexemplaren der Gattung Oedura durch Nachzuchten zu erhöhen. Wie gut dies zumindest bei einigen Arten in den vergangenen Jahren gelungen ist, zeigt die Tatsache, dass die gesamte Gattung von der Meldepflicht gemäß Bundesartenschutzverordnung befreit wurde, noch bevor diese Verordnung im Zuge der Angleichung geltenden EU-Rechts wegfiel. Der Gesetzgeber begründete die Maßnahme mit dem Hinweis auf die hohe Anzahl an Nachzuchten innerhalb der Gattung. Durchaus ein Erfolg für die Terraristik, doch auch nur eine Momentaufnahme. Art für Art stellen Ihnen die Bücher dieser Reihe die beliebtesten Terrarientiere vor. Jeder Band bietet Ihnen detaillierte, praxisnahe Pflegeanleitungen und Sie finden alle Informationen, die Sie brauchen, um Ihre Tiere erfolgreich zu vermehren. Alle wichtigen Fragen von der erforderlichen Beckengröße über die Terrarieneinrichtung, die technische Ausstattung, die artgerechte Ernährung bis zur Vorbeugung von Krankheiten werden mit zahlreichen Tricks und Kniffen beantwortet. Erfahrene, langjährige Züchter verraten, wie Sie die Tiere zur Fortpflanzung bewegen und die Jungtiere gesund aufziehen können. Das alles durchgängig farbig, großzügig bebildert und attraktiv gestaltet nur über Ihr Terrarientier - Art für Art!
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Seitenzahl: 67
Veröffentlichungsjahr: 2016
Andreas Laube und Christian Langner
Oedura castelnaui Foto: A. Laube
Vorwort
Verwandtschaft
Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise
Kennzeichen aller Oedura-Arten
Bestimmungsschlüssel
Beschreibung der Arten
Oedura castelnaui
Oedura marmorata
Oedura monilis
Oedura tryoni
Haltungsvoraussetzungen
Gesetzliche Bestimmungen
Erwerb
Transport und Quarantäne
Haltung im Terrarium
Terrarientechnik
Einrichtung
Tierbesatz und Vergesellschaftung
Pflegearbeiten
Ernährung
Temperaturen, Wasserversorgung und Feuchtigkeit
Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen
Gesundheit
Geschlechtsbestimmung
Paarungsverhalten
Trächtigkeit und Eiablage
Inkubation
Aufzucht der Jungtiere
Weitere Arten der Gattung Oedura im Kurzüberblick
Danksagung
Weitere Informationen
Weiterführende und verwendete Literatur
Bildnachweis
Titelbild: Oedura marmorata Foto: A. Laube
Kleines Bild: Oedura marmorata, Westaustralische Form Foto: Ch. Langner
Seite 1: Oedura marmorata, Männchen Foto: A. Laube
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eISBN 978-3-86659-339-8
© 2007 Natur und Tier - Verlag GmbH
An der Kleimannbrücke 39/41
48157 Münster
www.ms-verlag.de
Geschäfsführung: Matthias Schmidt
Lektorat: Heiko Werning & Kriton Kunz
Layout: Sibylle Manthey, Barbara Schmücker
DIE Australischen Samtgeckos der Gattung Oedura galten vor vielen Jahren noch als Raritäten unter den Terrarientieren. Da alle Vertreter dieser Echsen aus Australien stammen, gab und gibt es aufgrund des im Ursprungsland bestehenden Ausfuhrverbotes keine Tiere aus Importen zu erwerben. So waren und sind die Terrarianer außerhalb Australiens darauf angewiesen, den bereits in Privathand vorhandenen, geringen Bestand an Terrarienexemplaren der Gattung Oedura durch Nachzuchten zu erhöhen. Wie gut dies zumindest bei einigen Arten in den vergangenen Jahren gelungen ist, zeigt die Tatsache, dass die gesamte Gattung von der Meldepflicht gemäß Bundesartenschutzverordnung befreit wurde, noch bevor diese Verordnung im Zuge der Angleichung geltenden EU-Rechts wegfiel. Der Gesetzgeber begründete die Maßnahme mit dem Hinweis auf die hohe Anzahl an Nachzuchten innerhalb der Gattung. Durchaus ein Erfolg für die Terraristik, doch auch nur eine Momentaufnahme. Nicht selten verlieren vormals engagierte Terrarianer ihr Interesse an Tierarten, die den Status einer Rarität verloren haben. Oft genug bedeutet dies, dass Nachzuchten gedankenlos auch an unerfahrene oder wenig begeisterte Terrarianer weitergegeben werden und die zuvor erfolgreichen Züchter ihren Bestand auflösen. Als Folge kommt es zur Bestandsverringerung solcher vormals reichlich vermehrten Arten. Eine Konsequenz, die den Spezies der Gattung Oedura hoffentlich erspart bleibt. Das in den letzten Jahren erworbene Wissen um die Haltung und Zucht dieser Geckos, verbunden mit dem nach wie vor hohen Bestand an Tieren und deren Attraktivität, bildet unserer Meinung nach optimale Voraussetzungen, die interessanten und schönen Echsen dauerhaft der Terraristik zu erhalten. Das vorliegende Buch soll seinen Teil dazu beitragen. Wer sich für Geckos und die Gattung Oedura interessiert, dem sollen die vorliegenden Ausführungen helfen, einen ersten Eindruck von der Vielfalt und der Faszination Australischer Samtgeckos zu erhalten. Es ist nicht dazu gedacht, eine komplette Anleitung zur Pflege und Zucht aller Arten dieser Gattung zu geben. Dazu reicht der Umfang dieses Bandes nicht aus. Vielmehr soll es den interessierten Einsteiger mit dem Thema vertraut machen, einige grundsätzliche Ratschläge und Tipps mit auf den Weg geben und ihm vier Arten der Gattung näher vorstellen, die wir für einen möglichst problemlosen Einstieg in die Haltung Australischer Samtgeckos ausgewählt haben. Pflegehinweise hinsichtlich dieser vier Arten können teilweise auch auf andere Oeduren-Arten übertragen werden. Wer nach dem Lesen des Buches ein noch stärkeres Interesse an Geckos dieser Gattung hat, was eines unserer Ziele ist, dem stellen wir am Ende eine Auswahl an Literatur zur Verfügung, die zur weiteren Vertiefung des Wissens geeignet ist. Auch haben wir Organisationen aufgeführt, bei denen man Ansprechpartner finden kann, die praktische Erfahrungen weitergeben.
Andreas Laube
und Christian Langner
Berlin und Billerbeck,
im Frühjahr 2007
Oedura tryoni Foto: A. Laube
Oedura monilis Foto: A. Laube
DIE Klassifizierung von Geckos durch die Systematiker ist ein „Buch mit sieben Siegeln“ für alle, die sich zum ersten Mal mit dieser Thematik beschäftigen. Dennoch soll hier zumindest eine kleine Einführung in dieses Thema geboten werden, da Grundkenntnisse der wissenschaftlichen Einordnung durchaus auch praktischen Wert für die Haltung haben können. Die Einteilung in Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung und Art, die der Naturforscher Carl von Linné in der 10. Auflage seiner „Systema Naturae“ perfektionierte, bildet auch heute noch das Gerüst der Systematik. Die Bezeichnung der Arten wird noch immer nach der von ihm entwickelten binären Nomenklatur durchgeführt, bei der sich der wissenschaftliche Name aus lateinischen bzw. latinisierten Gattungs- und Artnamen zusammensetzt. Aufgrund der im Verlauf der Forschungen immer stärker werdenden Komplexität wurden zusätzliche Zwischenkategorien geschaffen. Australische Samtgeckos der Gattung Oedura gehören wie alle anderen Geckos zur Zwischenordnung der geckoartigen Echsen, der so genannten Gekkonomorpha. Aufgrund immer detaillierterer Untersuchungsmöglichkeiten im Bereich der Phylogenetik (Analyse und Vergleich der Gene zum Zwecke der Bestimmung der Verwandtschaft) wurde die systematische Zuordnung in jüngster Zeit mehrfach modifiziert. Bis vor kurzem wurde die Gattung zur Unterfamilie der Diplodactylinae gestellt, wobei diese Unterfamilie nach KLUGE (1967) zur Familie der Gekkonidae (Eigentliche Geckos) gehörte. Später wurde sie dann nach KLUGE (1987) zur Familie der Pygopodidae (Flossenfüße) gestellt. Die Unterfamilie der Diplodactylinae wurde bei beiden Betrachtungsweisen in die Unterabteilungen (Tribi) Carphodactylini und Diplodactylini unterteilt. BAUER (1994) folgte dabei der Ansicht von KLUGE (1967), dass Oedura zum Tribus der Diplodactylini gehört. KING (1987a, b) und KING & MENGDEN (1990) ordneten die Gattung Oedura allerdings dem Tribus Carphodactylini zu. Nach neusten Erkenntnissen (HAN et al. 2004) wird sowohl dem Tribus Diplodactylini als auch dem Tribus Carphodactylini Familienrang zugesprochen.
Oedura obscura, Mitchell Plateau, Kimberleys, Westaustralien Foto: D. Knowles
WUSSTEN SIE SCHON?
WILSON & KNOWLES (1988) zeigen einen wissenschaftlich noch unbeschriebenen Australischen Samtgecko aus dem Berrawah-Distrikt in Queensland. So können wir damit rechnen, dass die Artenzahl innerhalb dieser Gattung bald auf 14 ansteigt. Außerdem werden in den unzugänglichen Regionen Australiens regelmäßig weitere neue Geckoarten entdeckt, und daher erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass sich die Artenzahl in Zukunft weiter erhöht.
Hierbei gehört die Gattung Oedura zur Familie der Diplodactylidae.
Derzeit besteht die Gattung aus 13 Arten. Unterarten gibt es nicht. Letzte systematische Änderungen auf Artniveau mit insgesamt vier neu beschriebenen Arten resultieren aus den Arbeiten von KING & GOW (1983) mit der Neubeschreibung von O. gemmata sowie von KING (1984) mit den Arten O. filicipoda, O. gracilis und O. obscura.
Oedura gracilis, Mitchell Plateau, Kimberleys, Westaustralien Foto: D. Knowles
DAS Verbreitungsgebiet der für Australien endemischen (nur dort vorkommenden) Samtgeckos erstreckt sich fast über das gesamte Kontinental-Australien. Nur der äußerste Süden entlang der Küste wird von dieser Gattung nicht besiedelt. Ein deutlicher Anstieg der Artenzahlen ist im Norden und entlang der Ostküste zu verzeichnen. Dies ist vermutlich auf die vielfältigeren ökologischen Nischen der Lebensräume zurückzuführen, welche diese Regionen bieten. Oeduren kommen in allen australischen Bundesstaaten mit Ausnahme von Victoria und Tasmanien vor, wobei Tasmanien der einzige Bundesstaat ist, in dem generell keine Geckos leben. Die Gattung Oedura, die durch die Struktur ihrer Zehen hervorragend an eine kletternde Lebensweise angepasst ist, hat sich auf zwei Lebensraumbereiche spezialisiert: Die Arten O. lesueurii, O. tryoni, O. filicipoda, O. obscura, O. gemmata, O. gracilis und O. coggeri zeichnen sich in erster Linie durch eine saxicole (felsbewohnende) Lebensweise aus, wobei Felsspalten, Höhlungen, lose aufliegende Felsplatten oder Gesteinsbrocken als Tagesverstecke genutzt werden. Die zweite Gruppe, bestehend aus O. castelnaui, O. monilis, O. rhombifer und O. reticulata, ist überwiegend arboricol, also baumbewohnend, wobei die aufgeplatzte Rinde abgestorbener und lebender Bäume, Astlöcher u. Ä. die bevorzugten Tagesverstecke bilden. Bei den Arten O. marmorata und O. robusta gibt es Populationen, die sowohl den einen als auch den anderen Lebensraum bewohnen. Die überwiegend felsbewohnenden Arten O. tryoni und O. coggeri
