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Der Autor lässt seine Leser an seinen Erlebnissen teilhaben und beschreibt seine persönlichen Erfahrungen. Der Ratgeber ist authentisch und behandelt alle wichtigen Aspekte, die notwendig zum Gelingen des Neubeginns in Paraguay sind. Das reicht von den Vorbereitungen der Abreise bis zu Frage der Wahl des Wohnsitzes und der Steuern. Bemerkenswert ist, dass der Autor nicht nur alles durch eine rosarote Brille sieht, sondern auch Themen behandelt, die in ähnlichen Ratgebern nicht zur Sprache kommen. Der Leser spürt, dass der Autor weiß, worüber er schreibt und dass er vielleicht sogar ein bisschen in das Land und seine Bewohner verliebt ist. Sein Optimismus und Tatendrang wirken ansteckend und inspirierend.
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Seitenzahl: 126
Veröffentlichungsjahr: 2023
Ralf Reber
Auswandern nach Paraguay
Erfahrungsbericht eines Rentners
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Inhaltsverzeichnis
Titel
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Impressum neobooks
Auswandern nach Paraguay
Erfahrungsbericht eines Rentners
von Ralf Reber
Mein Name ist Ralf Reber und ich gehöre zum Jahrgang 1957. Zurzeit wohne ich noch in einer kleinen Stadt in der Nähe von Nürnberg. Ich habe schon immer gern geschrieben und auf diesem Gebiet viele Erfahrungen gesammelt. Meine Geburtsstadt ist Greiz in Thüringen, die sich mit dem Beinamen “Park und Schlossstadt” schmückt. Nach der Öffnung der Grenzen 1989 ging es mir wie vielen Ostdeutschen. Mein Leben nahm eine radikale Wende. Für mich bedeutete das ein Jobangebot einer Firma in Südafrika. Da ich ein wenig abenteuerlustig veranlagt bin, bewarb ich mich und erhielt den Job. In den Jahren von 1991 bis 2001 lebten meine damalige Frau und ich in Springs bei Johannesburg. Diese Zeit prägt mich bis heute.
Weil sich die beruflichen Perspektiven für Ausländer in Südafrika verschlechterten, kehrten meine Frau und ich 2001 nach Deutschland zurück. Dort lebte und arbeitete ich so lange, bis ich 2020 aufgrund einer Krankheit vorzeitig in Rente gehen musste. Spätestens seit diesem Zeitpunkt trug ich mich mit dem Gedanken auszuwandern. Zuerst hatte ich Paraguay gar nicht auf dem Radar, sondern wollte aus persönlichen Gründen nach Ecuador ziehen. Meine Pläne waren schon so weit gediehen, dass ich eine Erkundungstour in die Hafenstadt Guayaquil unternahm. Weil die ecuadorianische Regierungen die Konditionen des Rentnervisums praktisch über Nacht änderte, musste ich mein Vorhaben begraben und wandte meine Aufmerksamkeit Paraguay zu.
Mittlerweile sind meine Pläne zur Auswanderung nach Paraguay bereits weit fortgeschritten. Vor kurzem kam ich von einer dreimonatigen Erkundungstour zurück, die mich in die Hauptstadt Asunción und nach Ciudad del Este führte. Dazwischen lag ein vierwöchiger Aufenthalt in Posadas, Argentinien, um die Lebensbedingungen in den beiden Nachbarländern vergleichen zu können. Im Verlauf meiner Reise entschied ich mich für Paraguay und beantragte die befristete Aufenthaltsgenehmigung, die mittlerweile vorliegt. In meinem Buch fließen somit zum großen Teil meine persönlichen Erfahrungen ein, die ich machen konnte, sowohl gute als auch schlechte.
Seit es Menschen gibt, verließen sie ihre Heimat und begaben sich auf Wanderschaft. Auf diese Weise bevölkerte die Menschheit, ausgehend von Afrika, nach und nach alle bewohnbaren Gebiete der Welt. Migration ist also nichts Neues und prägt auch heute noch den Alltag.
Wird Deutschland unter dem Aspekt der Migration genauer betrachtet, ergibt sich ein komplexes Bild. Aus dem Sichtwinkel der Statistik ist Deutschland ein Einwanderungsland, da die Zugänge die Wegzüge deutlich übersteigen. Im Jahr 2021 erreichte der Überschuss fast 350.000 Menschen. Bei deutschen Staatsbürgern ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Seit Jahrzehnten steigt die Zahl der Deutschen an, die ihren Wohnsitz dauerhaft ins Ausland verlegen. Waren es 1991 noch weniger als 100.000 Menschen, überstieg die Zahl der Auswanderer 2021 die Marke von 250.000. Der Ehrlichkeit halber muss aber auch gesagt werden, dass die Mehrheit der Auswanderer nach einigen Jahren wieder in die Bundesrepublik zurückkehrt.
Was bewegt Deutsche dazu, die Bundesrepublik mit ihrer sozialen Absicherung und dem ausgezeichneten Gesundheitssystem zu verlassen? Die meisten Auswanderer haben mehrere Gründe. In einer Studie aus dem Jahr 2015 wurden 1.700 Personen nach ihren Motiven gefragt, die sie bewegten, Deutschland zu verlassen. Nahezu Dreiviertel gaben an, dass sie neue Erfahrungen sammeln wollten (Abenteuerlust und Neugier). Bei Zweidrittel waren berufliche Gründe das Hauptmotiv. Sie suchten nach neuen Jobs im Ausland und erhofften sich dort ein besseres Leben. Die Rechnung ging bei den meisten auf, denn unabhängig von Qualifikation und Bildungsniveau lebt die Mehrzahl der Auslandsdeutschen in ihrer neuen Heimat tatsächlich besser. Der Preis dafür ist allerdings oft der Verlust von Freunden und Bekannten und Probleme mit der sozialen Integration im Gastland.
Die knappe Hälfte der Befragten gab Unzufriedenheit mit dem politischen System Deutschlands als Grund der Auswanderung an. Von ihrer neuen Heimat erhoffen sie sich mehr persönliche Freiheiten und weniger Regulierungen und Einschränkungen durch die Behörden. In der letzten Zeit steigt die Zahl der Auswanderer stark an, die Deutschland aus finanziellen Gründen verlassen. Das Leben in der Bundesrepublik, insbesondere die Kosten für Miete und Energie, sind ihnen zu hoch. Zu dieser Gruppe gehören immer mehr Senioren, die sich mit ihrer niedrigen Rente ein Leben in Deutschland einfach nicht mehr leisten können. Auch für mich ist dieser Grund (neben Abenteuerlust) der wichtigste, der mich zum Auswandern bewegt. In meiner neuen Heimat Paraguay habe ich mit meiner Rente ein gutes Auskommen und kann es mir leisten, ab und zu ein Restaurant zu besuchen oder in den Urlaub zu fahren.
Viele Deutsche haben von Paraguay noch nie gehört. Manche verwechseln es sogar mit Uruguay, obwohl die beiden Staaten nicht aneinander grenzen. Paraguay ist ein Binnenstaat in Südamerika und liegt auf der Südhalbkugel. Das bedeutet, die Jahreszeiten sind im Vergleich zu Deutschland vertauscht. Weihnachten wird im Hochsommer am Strand gefeiert und Ostern im Herbst. Mit mehr als 400.000 Quadratkilometern Fläche ist Paraguay etwa so groß wie Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen, hat aber nur 7 Millionen Einwohner. Die Mehrzahl von ihnen lebt in der Hauptstadt Asunción am Rio Paraguay. Die zweitgrößte Stadt, Ciudad del Este, erstreckt sich an den Ufern des mächtigen Rio Paraná, der zweitlängste Strom Südamerikas.
Nachbarländer sind Bolivien, Brasilien und Argentinien. Weite Landesteile sind nur dünn besiedelt. Es gibt keine richtigen Gebirgszüge. Der höchste Berg Paraguays ist kaum mehr als 800 Meter hoch. Die Landschaft wird vom Rio Paraná und seinem größten Nebenfluss, dem Rio Paraguay, sowie weiten Ebenen geprägt. Das Klima Paraguays ist subtropisch warm. Der Winter ist ungefähr mit den deutschen Temperaturen im Oktober vergleichbar, während es im Sommer sehr heiß werden kann. Die Einwohner müssen über Wochen mit einer Hitze von +35° C und mehr zurechtkommen. Wie in Deutschland die Heizung gehört in Paraguay die Klimaanlage zur Grundausstattung der Wohnung. Der Winter ist kurz. Im Juli kann es in den Nächten empfindlich kalt werden und ab und zu sogar Bodenfrost geben. Schnee ist dagegen nahezu unbekannt.
Aus ökonomischer Sicht ist Paraguay ein Entwicklungsland mit einer Wirtschaft, die zum größten Teil auf landwirtschaftlicher Produktion basiert. Das Land gehört zu den weltweit bedeutendsten Erzeugern von Sojabohnen. Das größte industrielle Projekt des Landes ist der Itaipú-Damm unweit von Ciudad del Este. Itaipú (auf Guarani Fels) ist ein Wasserkraftwerk, das als Gemeinschaftsprojekt von Brasilien und Paraguay 1984 fertiggestellt wurde. Gemessen an der aktuellen Stromerzeugung ist es das größte Wasserkraftwerk der Welt und deckt 90 Prozent des Strombedarfs Paraguays und 17 Prozent des von Brasilien. Der industrielle Sektor wird durch die Lebensmittel- und Möbelindustrie sowie andere Zweige der Leichtindustrie dominiert. Tourismus spielt eine wachsende Rolle.
Nach dem Ende der Stroessner-Diktatur 1989 nahm Paraguay eine demokratische Entwicklung und ist bis heute stabil geblieben. In den letzten Wahlen im April 2023 gewann die konservative Colorado-Partei erneut die Mehrheit. Die Colorados stellen bereits seit Jahrzehnten die Regierung. Insgesamt betrachtet, sehen die langfristigen Perspektiven Paraguays gut aus. Die Auslandsschulden sind gering, die Währung stabil und die Inflation vergleichsweise niedrig. Die niedrigen Steuern und stabilen Verhältnisse ziehen ausländische Investoren an. Paraguay wächst rascher als Deutschland. Über die letzten beiden Jahrzehnte hat sich der Lebensstandard vieler Paraguayer deutlich verbessert, obwohl er noch lange nicht mit dem hohen Niveau Deutschlands mithalten kann.
Insgesamt leben mehr als 3,5 Millionen Deutsche im Ausland. Zu den beliebtesten Zielen gehören die USA, die Schweiz, Österreich und andere Länder der EU. Paraguay nimmt dagegen nur den 20. Platz ein und zog 2022 knapp 1.300 deutsche Auswanderer an. Auch ich zog den Binnenstaat ursprünglich nicht in Betracht, sondern wollte nach Ecuador gehen.
Weil mein Hauptgrund für das Verlassen Deutschlands, die hohen Lebenshaltungskosten, jedoch nach wie vor bestanden, entschied ich mich für Paraguay als meinen persönlichen Plan B. Die Entscheidung habe ich nicht bereut. Ich reiste von Februar bis Mai 2023 nach Paraguay und schaute mich im Land um. Aktuell habe ich bereits meine Aufenthaltserlaubnis, die ich bei meiner Rückkehr abholen werde. Meine Gründe, ausgerechnet nach Paraguay auszuwandern und nicht nach Bali oder Thailand, sind zwar persönlicher Natur, werden aber von vielen Deutschen geteilt.
Zu den wichtigsten gehören die niedrigen Lebenshaltungskosten. Laut der Website Numbeo, die Lebenshaltungskosten in Städten auf der ganzen Welt miteinander vergleicht, sind die Verbraucherpreise in Berlin um 131 Prozent höher als in Asunción, die Mieten sogar um 225 Prozent. Benzin ist in Berlin 77 Prozent teurer und Strom sogar um sagenhafte 436 Prozent! Lediglich die Handytarife sind in Berlin durchschnittlich 4 Prozent günstiger als in Asunción.
Ein weiterer wichtiger Punkt, der für Paraguay spricht, sind die leicht zu erfüllenden Voraussetzungen für die Erteilung einer (zunächst befristeten) Aufenthaltsgenehmigung. Was nützt es, wenn andere Länder als Traumziele angepriesen werden, aber entweder das Leben dort teuer ist oder man über ein hohes Einkommen verfügen muss oder einen guten Job haben muss, um eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen? Einwanderer aus den DACH Staaten sind in Paraguay definitiv willkommen, da sie Geld ins Land bringen und Arbeitsplätze schaffen.
Dazu gesellen sich noch weitere natürliche und gesellschaftliche Vorteile. Paraguay ist ein ruhiges, friedliches Land. Das trifft sowohl auf die Natur als auch auf die Menschen zu. Große Naturkatastrophen kommen kaum vor. Es gibt weder Vulkanausbrüche noch zerstörerische Erdbeben oder Wirbelstürme. Erdrutsche, Lawinen oder Tsunamis sind ebenfalls kein Thema. Die Paraguayer sind ein friedliebendes Volk, die das Leben leicht nehmen. Seit dem Ende der Stroessner-Diktatur hat sich das Land zu einer stabilen Demokratie entwickelt. Ausländer werden akzeptiert und freundlich behandelt. Das habe ich am eigenen Leib erlebt. Die Leute hatten Geduld mit meinem schlechten Spanisch und zeigten keinen Ärger oder Vorurteile.
Wirtschaft und das Finanzwesen stellen weitere Pluspunkte dar. Die Wirtschaft wächst und überall wird investiert. Bei Asunción erwartet eine neue Brücke über den Rio Paraguay in Kürze ihre Fertigstellung und die Fernstraße nach Ciudad del Este wird ausgebaut. Es gibt gute Investitionsmöglichkeiten und ein Geschäft zu eröffnen ist einfach. Der Höchstsatz der Einkommenssteuer und die Mehrwertsteuer betragen gerade einmal 10 Prozent. In Paraguay gilt das Prinzip der territorialen Besteuerung. Das bedeutet, Einkommen wie Renten, Mieteinnahmen oder Kapitalerträge, die außerhalb Paraguays erzielt werden, sind in der Regel nicht steuerpflichtig. Die Währung heißt Guarani, abgekürzt PYG. Lass dich durch den hohen Wechselkurs von knapp 8.000 Guarani für einen Euro nicht täuschen. Der Guarani gehört zu den stabilsten Währungen Südamerikas und existiert bereits seit mehr als 80 Jahren.
Ganz allgemein lässt sich sagen, dass die Menschen in Paraguay mehr Freiheit genießen als im streng reglementierten Deutschland. Natürlich gibt es auch in Paraguay Gesetze und Bestimmungen, die das Zusammenleben der Menschen regeln, aber die Behörden mischen sich nicht so intensiv in das Alltagsleben ein. Man ist toleranter und nimmt aufeinander Rücksicht. Das läuft in der Regel gut ab. In den Städten ist das Leben jedoch aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte stärker geregelt als auf dem Land. Auf dem eigenen Grund und Boden hast du in Paraguay weitgehende Freiheiten.
Vielen Einwanderer gefällt auch das schöne Wetter. Nach mitteleuropäischen Begriffen ist es in Paraguay fast das ganze Jahr über warm bis heiß. Der Winter ist kurz. Nur gelegentlich gibt es kalte Tage oder nachts leichten Bodenfrost. Die Häuser haben zwar keine Heizungen, moderne Klimaanlagen können jedoch durch ein paar Änderungen an den Einstellungen vom Kühlen zum Heizen umgestellt werden.
Es wäre dir gegenüber nicht ehrlich, wenn ich nicht auch die Schattenseiten des Lebens in Paraguay erwähnen würde. In keinem Land der Welt sind alle Aspekte des Lebens positiv. Das ist auch in Paraguay nicht anders. Zuerst wirst du mit der langen Anreise konfrontiert. Die einzigen Direktflüge von und nach Europa werden von der spanischen Fluggesellschaft Air Europa von und nach Madrid angeboten. Von Deutschland aus gibt es keine Direktflüge. Da die Flugzeit von Madrid bis Asunción bereits etwa 11 Stunden beträgt, musst du sogar bei einer schnellen Verbindung mit einer Reisedauer von mindestens 15 Stunden rechnen. Dann bist du aber erst einmal in Asunción. Je nachdem, wo dein endgültiges Ziel liegt, kommt noch eine stundenlange Fahrt mit dem Auto oder dem Bus dazu.
Mich persönlich hat auch die unterschiedliche Zeitzone und die Geschichte mit der Sommer- und Winterzeit gestört. Mehr als einmal wurde ich durch WhatsApp Nachrichten aus Deutschland mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, weil die Absender sich der unterschiedlichen Zeitzonen nicht bewusst waren. Dazu kommt die Verwirrung mit der Zeitumstellung. Auch in Paraguay gibt es Sommer- und Winterzeit. Weil das Land aber auf der Südhalbkugel liegt, gilt immer die entgegengesetzte Zeit wie in Deutschland. Im deutschen Sommer, wenn die Uhren vorgestellt werden, gilt in Paraguay die Winterzeit und die Uhren werden zurückgestellt. Dadurch vergrößert sich der Zeitunterschied auf 6 Stunden. Im deutschen Winter ist es umgekehrt. Dann ist in Paraguay Sommer und die Uhren werden vorgestellt. In Ciudad del Este ist die Verwirrung noch größer, da die Stadt direkt an der Grenze zu Brasilien und Argentinien liegt. In beiden Ländern gibt es keine Zeitumstellung. Dadurch beträgt beispielsweise der Zeitunterschied im paraguayischen Winter zum 4 Kilometer entfernten Foz do Iguaçu in Brasilien eine Stunde.
