Autogenes Training - Prof. Dr. med. Karl Mann - E-Book
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Autogenes Training E-Book

Prof. Dr. med. Karl Mann

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Beschreibung

Autogenes Training ist ideal geeignet, um sich in der Alltagshektik eine Pause zu gönnen und neue Kraft zu tanken. In diesem Buch ist die besonders effektive, vereinfachte Form dieser Methode beschrieben. Zusätzlich helfen individuelle Leitsätze bei verschiedenen körperlichen und seelischen Beschwerden. Dieser erfolgreiche GU Ratgeber gilt mittlerweile als Standardwerk und bietet seit über 20 Jahren eine verlässliche und exakte Anleitung für den Einstieg in das Autogene Training.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 166

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Ein Wort zuvor

• Im Laufe der vielen Jahre, in denen wir das Autogene Training vermittelt haben, lag uns als Rat für den Anfänger stets ein Satz besonders am Herzen: Das Wichtigste am Autogenen Training ist, dass man es macht. Denn was für die meisten Bereiche im Leben gilt, gilt auch fürs Autogene Training – die Erfahrungen, die jeder selbst macht, sind durch nichts zu ersetzen. Deshalb ist dieses Buch sehr praxisorientiert – und es vermittelt eine vereinfachte Form des Autogenen Trainings, die sich auf die Grundübungen beschränkt. Warum?

Zum einen ist das Autogene Training in seiner vereinfachten Form eine praktische Entspannungsmethode, die jeder Gesunde jederzeit für sich anwenden kann. Sie ist so leicht zu erlernen, so unproblematisch und so schnell durchzuführen, dass Übende ihm erfahrungsgemäß länger treu bleiben, als wenn sie versuchen, die ausführliche Form des Autogenen Trainings zu erlernen. Diese ausführliche Form, wie sie Johannes Heinrich Schultz in den 20er-Jahren entwickelte, ist wesentlich komplexer, erfordert mehr Geduld und Durchhaltevermögen. Sie enthält eine Reihe von Übungen, die fast alle Organe des Körpers beeinflussen. Weil es dabei zu Störungen kommen kann, sollte diese Form nur unter ärztlicher Anleitung und Überwachung geübt werden (mehr dazu ab >). Dann allerdings ist dieses Training eine bewährte Therapie bei vielen Beschwerden und Krankheiten.

Im Gegensatz dazu steht Ihnen mit der vereinfachten Form des Autogenen Trainings bald ein wunderbares Mittel zur Verfügung, um sich jederzeit und überall blitzschnell zu entspannen und neue Kräfte zu sammeln. Die tiefe Entspannung, in die Sie sich zu versetzen lernen, ist Voraussetzung für das Zusatzversprechen des Autogenen Trainings: Die Konzentration auf so genannte Leitsätze hilft Ihnen, mit Alltagsproblemen besser fertig zu werden und unerwünschte Verhaltensweisen zu verändern – zum Beispiel Stress abzubauen, mit dem Rauchen aufzuhören oder Schlafstörungen zu beheben. Denn durch das Autogene Training lernen Sie, mit der Kraft Ihrer Gedanken Ihren Körper und Ihre Seele positiv zu beeinflussen.

Prof. Dr. med. Dietrich Langen

Prof. Dr. med. Karl Mann

Erholung für Körper und Geist

Autogenes Training entspannt nicht nur körperlich, sondern trainiert auch den Kreislauf, die Konzentrationsfähigkeit und lehrt Sie, Körper und Geist mit der Kraft Ihrer Gedanken zu beeinflussen. Sie sind in fünf Minuten entspannt und fit, Sie schlafen wunderbar, kalte Hände und Füße sind vergessen, im Sport sind Sie leistungsfähig wie nie, Sie lernen mit Leichtigkeit, und Ihr Gedächtnis spielt Ihnen so schnell keinen Streich mehr.

Über das Autogene Training

Autogen kommt aus dem Griechischen und bedeutet selbsttätig. Autogenes Training ist demzufolge eine Entspannungsmethode, die es jedem ermöglicht, sich selbst durch Konzentration zu erholen. Dabei helfen einfache Leitsätze, die so genannten Formeln. Das Ziel der konzentrativen Selbstentspannung ist es, durch regelmäßiges Üben mehrmals am Tag in den Zustand der organismischen Gesamtumschaltung zu kommen. Diese Umschaltung ist sowohl eine körperliche als auch eine geistige Entspannung und als Zustand dem Einschlafen verwandt. Im Gegensatz zu diesem können sich Körper und Geist in der völligen Entspannung jedoch auch untertags ganz auf die Schnelle erholen und so neue Kräfte sammeln. Dabei nehmen Sie – anders als bei einem Nickerchen – die körperlichen Entspannungsvorgänge bewusst wahr:

Die Abnahme der Muskelspannung spüren Sie als Schwere und die vermehrte Durchblutung der Haut als Wärme.

Den Alltag vergessen

Das Prinzip des Autogenen Trainings ist einfach: Durch die wohlige Besinnung auf die Schwere und die Wärme Ihres entspannten Körpers verlieren die Reize der Außenwelt an Bedeutung. Unangenehme Gefühle werden weniger wichtig, Sie können gelassener reagieren. In der Wissenschaft wird der Effekt eine immer bessere affektive Resonanzdämpfung genannt (siehe >). Auf dem Boden dieser Umschaltung bieten individuelle Formeln, die wie Leitsätze wirken sollen, jedem die Möglichkeit, seine Selbstheilungskräfte zu stärken, mit Problemen besser fertig zu werden und seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Voraussetzung für diese Erfahrung ist es jedoch, die zwei bis drei Minuten dauernden Übungen regelmäßig täglich durchzuführen. Dann können Sie sowohl im körperlichen als auch im seelischen Bereich immer besser die Balance zwischen An- und Entspannung finden: Ihre Grundhaltung und Ihre Lebenseinstellung werden gelassener. Gleichzeitig hilft Ihnen die regelmäßige Konzentration auf die Formeln, Ihre Konzentrationsfähigkeit zu verbessern.

Zusammenfassend lässt sich daher sagen: Das Autogene Training ist eine Entspannungsmethode, die den ganzen Menschen betrifft. Sie wirkt beruhigend, lösend und regenerierend auf Körper, Seele und Geist.

Was im Körper geschieht

Die tief reichende Entspannung und die bessere Durchblutung – Schwere und Wärme – werden über das Nervensystem gesteuert. Um dies nachvollziehen zu können, ist es notwendig, die Funktionen des Nervensystems zu kennen:

Das Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark) verarbeitet unter anderem die Reize der Außenwelt und verbindet so Körper und Umwelt.

Das vegetative (autonome) Nervensystem – auch Vegetativum genannt – reguliert vor allem Atmung, Blutkreislauf, Stoffwechsel, Wärme- und Wasserhaushalt des Körpers. In den Phasen der Anspannung und Leistungsbereitschaft überwiegt dabei der vom so genannten sympathischen Nervensystem (Sympathikus) gesteuerte Anteil. Dagegen werden Phasen der Ruhe, der Regeneration, der Verdauung und der Ausscheidung vom parasympathischen Anteil bestimmt. Diese Vorgänge sind normalerweise nicht dem Willen unterworfen. Und genau hier setzt die Wirkung des Autogenen Trainings ein.

Mit Hilfe des Autogenen Trainings wird ein gewisser Einfluss auf zuvor unwillkürlich ablaufende Vorgänge im vegetativen Nervensystem ausgeübt. Im Wesentlichen bedeutet dies, dass der parasympathische Anteil nach und nach überwiegt. Wie das Ganze funktioniert? Muskelfasern, die bewusst entspannt werden, teilen diese Entspannung über Nervenimpulse bestimmten Hirnregionen mit. Von dort aus werden verschiedene Funktionen zentral gesteuert, so dass sich – sehr vereinfacht ausgedrückt – die Entspannung nun auch auf diese anderen Körperfunktionen überträgt.

Was bringt das Training?

Indem das Autogene Training den Spannungszustand der gesamten Muskulatur (Muskeltonus) vermindert und dadurch der allgemeine Wachheitsgrad sinkt, können Sie aktiv gegen viele Nebenerscheinungen des modernen Alltags angehen, wie Stress, Einschlafschwierigkeiten oder Konzentrationsstörungen. Sie werden fitter, leistungsfähiger und ausgeglichener, und selbst das ein oder andere persönliche Laster lässt sich mit Hilfe des Autogenen Trainings überwinden.

Hilfe bei Stress (Affektive Resonanzdämpfung)

Störende Empfindungen wie Angst, innere Unruhe oder Deprimiertsein können mit Hilfe des Autogenen Trainings in vielen Fällen völlig abgebaut oder zumindest neutralisiert werden. Johannes Heinrich Schultz, der geistige Vater des Autogenen Trainings, nannte diese hilfreiche Wirkung affektive Resonanzdämpfung, was sich in etwa mit Milderung gefühlsmäßiger Reaktionen übersetzen lässt.

Anschaulich macht dies das Beispiel des Waldhornisten: Sein mächtiges Blasinstrument wird in einem Musikstück meist sehr selten gebraucht. Kommt dann endlich sein Einsatz, muss der Hornist auf Anhieb den richtigen Ton treffen. Stellen Sie sich nur vor, in welcher Anspannung so mancher Waldhornist ein Konzert durchstehen muss. Diese Angst vor dem Einsatz ist ein Beispiel für genau die Form von Stress, die sich mit Hilfe des Autogenen Trainings sehr gut abbauen lässt.

Info

regelmässig üben

Durch regelmäßiges Üben gelingt es Ihnen, ganz bewusst auf den Spannungszustand der Muskulatur einzuwirken. Ein gutes Beispiel dafür ist der so genannte Pendelversuch, wie Sie ihn auf > kennen lernen.

In fünf Minuten erholt und fit

Wir leben in einer Zeit, in der die meisten Menschen einem unbändigen Termindruck ausgesetzt sind. Auch deshalb arbeiten die meisten von uns ohne längere Mittagspause durch – egal ob im Büro oder bei der Hausarbeit. Während man früher die Arbeit nach mehrstündiger Mittagspause oder Mittagsschlaf ausgeruht fortsetzte, ist es heute üblich, nicht mehr als eine halbe Stunde Auszeit zu nehmen. Und auch während dieser Zeit hetzen wir uns ab: schnell in die Kantine, das Kostüm in die Reinigung bringen, ein Schulbuch für die Kinder besorgen ... Trotzdem sollen wir auch in der zweiten Tageshälfte die gleiche Leistung erbringen wie am Vormittag, obwohl sich ganz natürliche Ermüdungserscheinungen einstellen. Wesentlich besser erholt gehen Sie in die »zweite Runde«, wenn Sie die Mittagspause nutzen, um mit Hilfe des Autogenen Trainings richtig abzuschalten. Denn der Erholungseffekt ist enorm groß.

Einschlafen ohne Probleme

Unsere Welt wird immer hektischer. Gerade wenn Sie in einer Großstadt leben, können Sie sich dem Stress kaum entziehen. Eine der häufigsten Folgen dieser steten Dauerbelastung sind Schlafstörungen. So ergab eine Umfrage in einem Autogenes-Training-Volkshochschulkurs, dass bis zu 40 Prozent der Kursteilnehmer unter Schlafstörungen litten. Da es Menschen mit Schlafstörungen meist auch in anderen Situationen schwer fällt, sich zu entspannen und loszulassen, brauchen gerade sie Autogenes Training, um wieder gut schlafen zu können.

Erleichterung bei Schmerzen

Es gibt viele Lebenssituationen, in denen wir Schmerzen mildern, nach Möglichkeit sogar ausschalten möchten – beim Zahnarztbesuch zum Beispiel oder während einer Entbindung. Wer das Autogene Training beherrscht, wird feststellen, dass die üblichen Schmerzen wesentlich geringer sind.

Warme Hände und Füße

Zählen Sie auch zu den Menschen, deren Hände oder Füße ständig kalt sind? Vor allem Frauen leiden an diesem Zustand, der zwar nichts Krankhaftes darstellt, von den Betroffenen aber als sehr unangenehm empfunden wird. Auch hier kann Autogenes Training helfen. Denn die Wärme-Übung kann gezielt zu einer Verbesserung der Durchblutung in Händen und Füßen eingesetzt werden.

Leistungsfähiger im Sport

Die Erfolge von Spitzensportlern, die das Autogene Training vor Wettkämpfen anwandten, haben eindeutig bewiesen, dass sich damit eine Verbesserung der Muskelleistung erzielen lässt. Ebenso ließ sich die Treffsicherheit von Sportschützen deutlich vergrößern. Auch Lampenfieber, etwa vor dem Start eines Rennens, oder Angst, wie die eines Skispringers, bevor er in die Anlaufspur steigt, können durch die affektive Resonanzdämpfung des Autogenen Trainings vermindert werden.

Konzentrierter beim Lernen

Dass die Lernfähigkeit durch Autogenes Training verbessert wird, begrüßen nicht nur Schüler und Studenten. Schließlich ist es gleichgültig, ob Sie sich etwas für Ihren Beruf einprägen müssen, für eine Abiturprüfung büffeln oder als Medizinstudent die Zweige einer Arterie lernen. Das Prinzip dahinter ist immer dasselbe: Die Aufmerksamkeit soll auf das fixiert werden, mit dem Sie sich gerade beschäftigen. Lernen heißt ja auch, seine Aufmerksamkeit voll auf das zu richten, was man lernen will. Durch kurze Übungen von etwa zwei Minuten Dauer können Sie sich auf bestimmte Konzentrationen einstellen und so verhindern, dass Ihre Gedanken ausbrechen.

Ein besseres Gedächtnis

Wenn Sie das Autogene Training bereits gut beherrschen, steigern Sie aber nicht nur Ihre Konzentrationsfähigkeit. Sie können das im Gehirn gespeicherte Wissen in dem Augenblick, in dem Sie es brauchen, auch besser abrufen. Im Klartext bedeutet dies, dass sich Ihr Gedächtnis verbessert. Sie alle kennen das Phänomen: Sie treffen einen Bekannten auf der Straße, dessen Name Ihnen zwar auf der Zunge liegt, aber im Moment partout nicht einfallen will. Und es wird umso aussichtsloser, je mehr Sie darüber nachdenken, wie das Gegenüber heißen könnte. Ganz schön peinlich. Wenn Sie stattdessen aber Ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenken, fällt Ihnen plötzlich ein, wonach Sie vorher krampfhaft gesucht haben. Die Situation ist gerettet.

Ähnlich verhält es sich bei Prüfungen. Hier kann es einerseits durch die affektive Resonanzdämpfung, andererseits durch die verbesserte Abrufbarkeit dessen, was Sie gelernt haben, zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit kommen.

Gezielte Hilfe bei Problemen – mit individuellen Formeln

Zuletzt soll noch auf eine besondere Wirkung des Autogenen Trainings hingewiesen werden, die wegen ihrer großen Bedeutung später noch in einem ausführlichen Kapitel beschrieben wird: Es ist die Wirkung dessen, was J. H. Schultz die formelhaften Vorsatzbildungen genannt hat und was in diesem Buch als individuelle Formeln oder wandspruchartige Leitsätze bezeichnet wird.

Keiner von uns ist vollkommen; jeder findet irgendeine Eigenschaft oder Angewohnheit, die ihn stört und die er vielleicht gerne abstellen oder verbessern möchte. Wer Schlafschwierigkeiten hat, möchte wieder gut schlafen können. Der Raucher möchte sich das Rauchen abgewöhnen, der Nervöse gelassener und ruhiger werden. Wer an einem leichten Stottern leidet, will endlich mehr Sprachfähigkeit erwerben und in allen Situationen locker und flüssig sprechen können. Und wer sich nur schwer konzentrieren kann, will lernen, seine Gedanken zu sammeln. All diese Ziele lassen sich erreichen, indem die entsprechende Formel in das Autogene Training hineingenommen wird. Dabei kann sich jeder seine individuelle Formel selbst bilden und mit ihr arbeiten. Wie das gemacht wird, erfahren Sie, sobald Sie die Übungen des Autogenen Trainings beherrschen – im Kapitel »Die individuellen Formeln« ab >.

INFO: Johannes Heinrich Schultz – Leben und Werk

Johannes Heinrich Schultz ist der Begründer des Autogenen Trainings, wie wir es heute kennen. Er veröffentlichte in seinem schaffensreichen Leben über 400 Publikationen und mehrere Bücher. Sein wohl wichtigstes Werk ist »Das Autogene Training. Konzentrative Selbstentspannung« von 1932.

• Ein vater der psychotherapie

Seinen Dank für die Würdigungen zu seinem 70. Geburtstag beendete Johannes Heinrich Schultz im schönsten Berlinerisch: »Aber globen Se’s mir, ick alleene kenne die Kanaille.« Dieses Statement wirft ein bezeichnendes Licht auf die Bescheidenheit und den Humor des Begründers des Autogenen Trainings. Dabei kann er zu Recht als einer der Väter der modernen Psychotherapie betrachtet werden. Sein Verfahren ist ein Beispiel dafür, wie allein mit psychologischen Mitteln – in diesem Fall durch eine gedankliche Konzentration – körperliche Veränderungen erzielt werden können. Es ist somit im besten Sinne ein psycho-somatisches Verfahren. Dieser Umstand sichert dem Autogenen Training einen zentralen Platz in der Entwicklung der Psychotherapie und macht verständlich, warum gerade diese Psychotherapietechnik besonders dafür geeignet war (und ist), mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden ihre Wirksamkeit zu belegen.

Vor diesem Hintergrund ist es interessant, ob und wieweit sich die wissenschaftliche Neugierde und das Interesse an experimentellen Arbeiten in der Biografie von Johannes Heinrich Schultz zurückverfolgen lassen.

• DAs Elternhaus

Johannes Heinrich Schultz wurde am 20. Juni 1884 in Göttingen geboren. Sein Vater, Hermann Schultz, war Professor der evangelischen Theologie an der Universität Göttingen. Seine Mutter, Julie, war französisch-schweizerischer Abstammung. Die gelungene Mischung aus dem norddeutschen Erbe des Vaters und dem südlichen Esprit mütterlicherseits bezeichnete Schultz in seinen Lebenserrungen rückblickend als wesentlich für seine »lebenslange wandernde Suche nach Erkenntnis«. Dabei schrieb er »dem romanischen Erbe die Rolle jener Flasche Sekt zu, die den rein deutschen Lebenssäften oft abgeht«.

Aufgewachsen in der »gesund-bürgerlichen Grundstruktur der Familie«, wurde Schultz schon früh bewusst, dass das »Professoren-Elternhaus« durch die vielfältigen Anregungen nicht nur Sicherheit gab, sondern auch die Gefahr in sich barg, ein zu bequemes, nicht selbstbestimmtes Leben zu führen. Er betrachtete sein an sich privilegiertes Elternhaus als ein Leben, das »zu viel ohne eigene Arbeit und ohne eigene Bemühungen schenkt – es wird so viel mit der Atmosphäre eingeatmet, dass nur allzu leicht später ein Scheinwissen und eine Scheinvertrautheit mit geistigen Dingen entsteht, die vielleicht auf den ersten Blick anderen Menschen Eindruck macht, im inneren Wesen aber etwas Geliehenes, etwas Unechtes und nicht wirklich Eigenes hat«.

• Die Ausbildung

Schultz besuchte in seiner Heimatstadt Göttingen die Volksschule und das Gymnasium. Sein besonderes Interesse galt in dieser Zeit der zeitgenössischen deutschen Literatur – von Frank Wedekind über Hugo von Hofmannsthal, Christian Morgenstern und Rainer Maria Rilke bis zu Gerhart Hauptmann und Thomas Mann. Neben dem intensiven Studium des Schöngeistigen interessierte er sich aber zugleich nicht weniger für die Naturwissenschaften, die sich zu Beginn des letzten Jahrhunderts gerade in bedeutendem Ausmaß entwickelten. So erhielt beispielsweise Wilhelm Conrad Röntgen 1901 den ersten Physik-Nobelpreis für die 1895 von ihm entdeckten und nach ihm benannten Strahlen. Albert Einstein entwickelte seit 1905 seine Relativitätstheorie.

1902 begann Schultz in Lausanne Medizin zu studieren. Bereits nach einem Semester jedoch kehrte er nach Göttingen zurück. Einer seiner damaligen Kommilitonen war der spätere Mediziner und Philosoph Karl Jaspers (1883–1969).

Zurückgekehrt in den Schoß der Familie, galt seine Aufmerksamkeit von nun an vor allem der menschlichen Physiologie. In besonderem Maße beschäftigte er sich auch mit den in diesem Lehrbereich üblichen Experimenten.

Wenig später führte ihn ein Studienjahr an die Universität Breslau, wo er – beeindruckt von dessen Arbeit – sechs Monate in der Klinik des Psychiaters Karl Bonhoeffer ein Praktikum absolvierte. In diese Zeit fallen auch Schultz’ erste Erfahrungen mit der ärztlichen Hypnose – ein Verfahren, dem er noch lange treu bleiben sollte. Seine Vorliebe für diese Methode wuchs gegen Ende des Studiums noch weiter und erweiterte sich auf die Lehre der Gesamten Psychiatrie und Psychotherapie der damaligen Zeit.

• Die ersten Lehrjahre

Zurück in Göttingen, machte Schultz sein Examen, ehe er nach Breslau zurückkehrte, wo er seine ersten ärztlichen Erfahrungen sammeln konnte. Die Arbeit an der dortigen medizinischen Poliklinik gab ihm ausreichend Gelegenheit, sämtliche internistischen Krankheiten ebenso kennen zu lernen wie immer wiederkehrende Notfallsituationen. Zugleich gewann er Einblick in die große Häufigkeit rein funktioneller, nervös bedingter Störungen des menschlichen Körpers und deren Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden.

Schultz’ weitere Ausbildung war gekennzeichnet durch häufige Ortswechsel. Auf diese Weise war es ihm möglich, sich mit dem gesamten Spektrum der Medizin seiner Zeit auseinander zu setzen. Seine Vorliebe für Psychiatrie – und insbesondere für Psychotherapie – setzte sich jedoch zunehmend durch. Schließlich trat er an der Universität Jena in die Klinik für Psychiatrie als Assistent ein. Hier intensivierte er seine wissenschaftlichen Tätigkeiten, so dass er sich zu Beginn des Krieges – obwohl bereits zur Wehrmacht eingerückt – in Jena habilitieren konnte.

• Die Anfänge des Autogenen Trainings

In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen beschäftigte sich Johannes Heinrich Schultz immer intensiver mit dem Autogenen Training und der Entwicklung der Psychotherapie als einer wissenschaftlichen Methode. Schultz war einer der Mitbegründer der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie (AÄGP), die 1926 ins Leben gerufen wurde. An der Entwicklung dieser Gesellschaft und dem fruchtbaren, zum Teil aber auch kontroversen Austausch der verschiedenen psychotherapeutischen Schulen nahm Schultz bis zu seinem Tode 1970 immer wieder regen Anteil.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ er sich in Berlin in eigener Praxis als Nervenarzt nieder. Neben der therapeutischen Tätigkeit war er in den Nachkriegsjahren zunehmend als Redner und Vermittler »seines Autogenen Trainings« gefragt. In diesem Zusammenhang fand er nationale und internationale Anerkennung.

• Wissenschaftliche grundlagen

Die naturwissenschaftlich-experimentelle Herangehensweise an psychotherapeutische Fragen unterschied Schultz von vielen Protagonisten der psychotherapeutischen Entwicklungen in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts. Es war für ihn selbstverständlich, auch in der Psychotherapie Einzelbeobachtungen einer empirischen, experimentellen Forschung zu unterziehen und Erfahrungen intersubjektiv verifizierbar zu machen – wie man es in dieser Zeit vor allem aus den Naturwissenschaften kannte. Spätestens in diesen Jah ren hatte ihn seine frühe Begeisterung für die Naturwissenschaften, die er bereits als Schüler in Göttingen hegte, wieder eingeholt. In diesem Sinne notierte er bereits 1921 »… so ist in der Psychotherapie trotz fast überzahlreicher geistvollster Spekulationen noch sehr viel unbearbeitet und von kritisch-methodologisch einwandfreier Arbeit noch mancher Aufschluss zu erwarten«.

Er selbst hielt sich – im Gegensatz zu zahlreichen zeitgenössischen Kollegen – geradezu penibel an diese wissenschaftlichen Grundsätze. So gelang es ihm zwar bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg, bestimmte immer wieder berichtete Phänomene während der Hypnose zu erkennen und zur Grundlage der Selbsthypnose des Autogenen Trainings zu nutzen. Dennoch dauerte es nochmals mehr als zehn Jahre, bis er sein Verfahren in der ersten Auflage seines Buches »Das Autogene Training« (1932) veröffentlichte. Die dazwischen liegende Dekade war geprägt von intensiven Experimenten, Beobachtungen und systematischen Einzel- und Gruppenbehandlungen mit Autogenem Training. Unter Ausnutzung aller damals verfügbaren physiologischen Methoden, wie zum Beispiel der exakten Temperaturmessung an Hand und Fingern mittels eines Messgerätes der Firma Carl Zeiss, gelang es ihm schließlich mit Herbert Binswanger, einem seiner Mitarbeiter, die Erwärmung an Händen und Fingern während des Autogenen Trainings eindeutig nachzuweisen.

Vor diesem wissenschaftlichen Hintergrund wurde Schultz einer der wichtigsten Vertreter der aktiv-klinischen Psychotherapie. Im Gegensatz zu der abwartend beobachtenden Haltung der diversen psychoanalytischen und tiefenpsychologischen Schulen propagierte Johannes Heinrich Schultz – unter anderem auch gemeinsam mit dem Tübinger Psychiatrieprofessor Ernst Kretschmer – eine aktivere Vorgangsweise, in der auch Ratschläge und konkrete Übungen ihren Platz haben. Sein überragendes Interesse an der wissenschaftlichen Nachweisbarkeit des Autogenen Trainings nahm vorausschauend den heute vorherrschenden Ansatz einer evidenzbasierten Medizin beziehungsweise einer evidenzbasierten Psychotherapie vorweg.

• Aussichten

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist der Ansatz von Johannes Heinrich Schultz aktueller denn je. Schließlich fordert die evidenzbasierte Medizin heute den Nachweis der Wirksamkeit für alle angewandten Therapieverfahren. Allein von dieser macht sie den Einsatz und die finanzielle Abgeltung abhängig.

Rückblickend kann daher festgestellt werden, dass Johannes Heinrich Schultz hierfür im Bereich der Psychotherapie ein wahrer Pionier war.

Die Vorteile der vereinfachten Form

Die ausführliche Form des Autogenen Trainings nach J. H. Schultz sollten Sie nur unter Anleitung eines erfahrenen Therapeuten erlernen. Im Gegensatz dazu können Sie sich die vereinfachte Form, wie sie in diesem Buch gezeigt wird, ohne Schwierigkeiten selbstständig aneignen.

Die vollständige Form ist sehr aufwändig