Baby-led Weaning - Das Grundlagenbuch - Gill Rapley - E-Book

Baby-led Weaning - Das Grundlagenbuch E-Book

Gill Rapley

4,6
19,99 €

  • Herausgeber: Kösel
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2013
Beschreibung

Baby-led Weaning ist DER neue Baby-Ernährungstrend aus Großbritannien. Dabei bekommen Kinder ab dem Beikostalter feste Nahrung angeboten, die sie selbstständig essen können. Baby-led Weaning (auf Deutsch: »babygeleitete Beikosteinführung«), kurz BLW, räumt auf mit dem Mythos, dass Babys mit Brei vom Löffelchen gefüttert werden müssen, und zeigt, warum das eigenständige Essen von Beginn an der gesündeste Weg für Kinder ist.

Baby-led Weaning

- unterstützt das Kind in seinen Entwicklungsschritten,

- ermöglicht, dass es von Anfang an am Familienessen teilnimmt,

- fördert Babys Eigenständigkeit,

- macht Schluss mit den gewohnten »Brei-Fütter-Schlachten«,

- hilft ihnen, ernährungsbewusste Erwachsene zu werden.

Das Grundlagenbuch von Gill Rapley und Tracey Murkett wird von Eltern schon sehnsüchtig auf Deutsch erwartet. Zahlreiche Foreneinträge verdeutlichen dies.

»Das Buch gibt es leider noch nicht auf Deutsch. Ich versteh auch nicht warum.« (kiki2012 im Eltern-Forum zum Thema Beikost)

»Wir haben das mit unserer Kleinen auch gemacht. Es funktioniert soooo gut! Und es ist für beide Seiten so viel schöner. Sie isst mit so viel Genuss und das von Anfang an. Wenn ich da an das Breifüttern mit unseren Großen denke - kein Vergleich.« (ein Gast-User im Forum von www.eltern.de zum Thema Beikost)




Brei war gestern – die neue Beikost
Babys anders ernähren
Das Grundlagenwerk endlich auf Deutsch

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Seitenzahl: 359

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Das Buch

Beim Erfolgskonzept Baby-led Weaning (kurz BLW) bekommen Kinder ab dem Beikostalter statt Brei feste Nahrung angeboten, die sie selbstständig essen können. BLW unterstützt das Kind in seinen Entwicklungsschritten, fördert seine Eigenständigkeit, macht Schluss mit den gewohnten »Brei-Fütter-Schlachten« und hilft Kindern, ernährungsbewusste Erwachsene zu werden.

Mit diesem Grundlagenbuch von Rapley und Murkett wurde BLW auch in Deutschland populär. Unter Berücksichtigung des neuesten Stands der Wissenschaft wurde es komplett überarbeitet und erweitert. Ergänzt wurden u.a. neueste Informationen zu Allergien, sicherem Füttern und der Anwendung von BLW in der Kinderbetreuung.

Die Autoren

Gill Rapley ist die Begründerin und gilt weltweit als herausragende Expertin für Baby-led Weaning, der babygeleiteten Beikost-Methode. Sie war mehr als 20 Jahren als Mütterpflegerin, Hebamme und Stillberaterin und unter anderem für die UNICEF-Initiative »Baby Friendly« tätig. Gill Rapley lebt mit ihrer Familie in Kent.

Tracey Murkett arbeitet als freiberufliche Journalistin. Die positive Erfahrung, die sie mit ihrer eigenen Tochter und Baby-led Weaning gemacht hat, möchte sie gerne an andere Mütter weitergeben. Sie lebt mit ihrer Familie in London.

Gill Rapley | Tracey Murkett

Baby-led Weaning

Das Grundlagenbuch

Der stressfreie Beikostweg

Komplett überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe

Aus dem Englischen von Ulla Rahn-Huber, Königstein

Kösel

Copyright © Gill Rapley & Tracey Murkett 2008/2019

First published in 2008/2019 by Vermillion, an imprint of Ebury Publishing.

A Random House Group Company.

Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Copyright der deutschsprachigen Ausgabe © 2013/2021 Kösel-Verlag, München,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Umschlaggestaltung: Weiss Werkstatt, München

Umschlagmotiv: © Janice Milnerwood (Baby), © Shutterstock (Stuhl)

Redaktion: Kattrin Stier

E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

ISBN 978-3-641-12142-6V005

www.koesel.de

Inhalt

Einleitung

1. Was ist Baby-led Weaning?

Was bedeutet »Weaning«?

Warum BLW anders ist

Warum BLW sinnvoll ist

Ab wann sollte ein Baby feste Nahrung bekommen?

BLW ist nichts Neues

Eine kurze Geschichte der Säuglingsernährung

Was man Ihrer Mutter beibrachte

Ein gesundes Verhältnis zum Essen entwickeln

Warum das Füttern mit dem Löffel problematisch ist

Die Vorteile von BLW

Gibt es Nachteile?

2. Wie funktioniert BLW?

Wachsende Fähigkeiten

Selber essen – eine natürliche Fähigkeit

Die Motivation, feste Nahrung zu probieren

Der Bedarf an zusätzlichen Nährstoffen

Die Bedeutung von Milchmahlzeiten

Die Kaufähigkeit entwickeln

Ein »Entwicklungsfenster«?

Genug, aber nicht zu viel essen: Den Appetit kontrollieren, was heißt das?

Kann mein Kind auch nicht ersticken?

Wissen Babys wirklich, was sie brauchen?

BLW bei Frühgeborenen

BLW in besonderen Fällen

Babys mit Verdauungsproblemen

3. Anfangen

Vorbereitungen für BLW

Wann ist Essenszeit?

Sicherheitshinweise

Fingerfood

Wachsende Koordinationsfähigkeit

Anbieten statt geben

Welche Mengen?

Lebensmittel ablehnen

Dem Kind beim Lernen helfen

Gemeinsam essen

Gematsche und Geschmiere? Normal!

Ausrüstung

So wird BLW zum Erfolg

Fragen und Antworten

4. Erste Lebensmittel

Grundprinzipien

Ungeeignete Lebensmittel

Lebensmittel, auf die Babys anders reagieren als Sie

Was ist mit Allergien?

Tipps und Tricks für das Essen in den ersten Monaten

Halbflüssiges oder flüssiges Essen

Getränke

Frühstück

Einfache Snacks und Essen für unterwegs

Nachspeisen

5. Nach der ersten Zeit

Das Tempo gibt Ihr Baby vor

Experimentierfreudige Geschmacksknospen

Konsistenzen erforschen

Schlemmen und fasten

Genug essen: Dem Baby vertrauen lernen

Wie ein Baby zeigt, wann es genug hat

Gelüste

Babys lieben Milchmahlzeiten

Drei Mahlzeiten täglich?

Der Stuhlgang Ihres Babys

Tasse einführen

Essen mit Besteck

Auswärts essen

BLW in Kita und Betreuung

6. Gesunde Ernährung für alle

Gesund essen von Anfang an

Ausgewogenes Essen für die ganze Familie

Welche Nahrung wir brauchen und warum

Abwechslung ist das Salz in der Suppe!

Bio kaufen

Die optimale Zubereitung

7. Mit BLW aufwachsen

Den kindgelenkten Ansatz beibehalten

Abwertungen vermeiden

Die Lust auf Selbstbedienung fördern

Tischmanieren

Bestechung, Belohnung, Bestrafung

Das emotionale Schlachtfeld umgehen

Die Milchmahlzeiten einstellen

Zum Schluss

Die Geschichte des BLW

Grundregeln für sicheres Essen

Dank

Anhang

Quellen

Register

Erfahrungsberichte

Anna(nicht mit dem Löffel gefüttert)

Arne(Baby entscheidet selbst, was es isst)

Benjamin(BLW und Brei)

Elinor(Eltern sind Vorbild für gesunde Ernährung)

Fern(Allergien)

James(Baby sitzt mit am Familientisch)

Lidia(Machtkämpfe beim Essen vermeiden)

Madeleine(gibt zu verstehen, wann die Mahlzeit beendet ist)

Max(großes Kind)

Mia(Vertrauen, dass das Baby genug isst)

Owen(Baby nimmt an Mahlzeiten teil)

Saskia(Eltern haben intuitiv BLW praktiziert)

Zephaniah(Babys mit Verdauungsproblemen)

Hinweis

Die in diesem Buch enthaltenen Informationen dienen der allgemeinen Orientierung über das jeweils angesprochene Thema. Sie sollen keinesfalls die Einholung von fachlichem Rat zu medizinischen, pflegerischen, pharmazeutischen oder anderen Fragen bezüglich der jeweils spezifischen Umstände und lokalen Gegebenheiten ersetzen und in diesem Sinne zur Richtschnur des Handelns werden. Eltern wird empfohlen, ihren Arzt oder ihre Hebamme zu konsultieren, wenn sie sich Sorgen bezüglich der Gesundheit oder Entwicklung ihres Kindes machen oder bevor sie eine medizinische Behandlung verändern, beenden oder beginnen. Die in diesem Buch enthaltenen Informationen sind nach Wissen der Autorinnen korrekt und entsprechen dem aktuellen Stand im März 2019. Gepflogenheiten, Gesetze, Vorschriften und Empfehlungen ändern sich laufend, und die Leser sind aufgefordert, sich hierzu jeweils aktuellen Expertenrat einzuholen. Autorinnen und Verlag lehnen innerhalb des gesetzlichen Rahmens jegliche Haftungsansprüche ab, die sich direkt oder indirekt aus der Anwendung oder Falschanwendung der in diesem Buch gegebenen Informationen ergeben.

Es handelt sich hier um ein Sachbuch. In den Fallstudien wurden einige Namen geändert, um die Privatsphäre der Betroffenen zu wahren.

Einleitung

Wenn ein Baby zum ersten Mal feste Nahrung zu sich nimmt, ist das für viele Eltern ein Meilenstein – ein neues Kapitel in seinem Leben wird aufgeschlagen, und das ist immer eine aufregende Sache. Und während ihr Kind seinen ersten Bissen in den Mund nimmt, drücken sie die Daumen in der Hoffnung, dass es ein »guter Esser« werden möge. Sie wünschen sich, dass ihm das Essen Spaß machen wird, es einen gesunden Appetit entwickelt und sich die Mahlzeiten im Kreis der Familie möglichst problemlos und stressfrei gestalten werden.

Die Zeit, in denen ihr Baby lernt, den Übergang zu fester Nahrung zu meistern, empfinden viele Eltern dennoch als schwierig – für sich selbst und für das Kind. Probleme lauern überall, ob es nun darum geht, das Baby zum Essen der Stückchen im Püree zu bewegen, mit Mäkeligkeit umzugehen oder die Mahlzeiten nicht zum Machtkampf ausarten zu lassen. Am Ende besteht die Lösung oft darin, dass Erwachsene und Kinder getrennt essen.

Der Einstieg in den Verzehr von fester Nahrung sieht für die meisten Babys immer noch so aus, dass ihnen die Eltern zu einem von Erwachsenenseite gewählten Zeitpunkt die ersten Löffel Brei in den Mund schieben. Aber was ist, wenn Ihnen diese Art des Fütterns nicht liegt? Was würde passieren, wenn Sie Ihr Kind entscheiden ließen, wann und wie es mit dem Verzehr von fester Nahrung beginnen will? Was würde geschehen, wenn es »richtiges« Essen vorgesetzt bekäme, statt gefüttert zu werden? Mit anderen Worten: Was wäre, wenn Sie Ihrem Baby die Führung überließen?

Nun, wie sich in immer mehr Familien zeigt, würden Sie und Ihr Baby mit ziemlicher Sicherheit mehr Spaß an dem ganzen Abenteuer haben. Wenn Sie sich nämlich auf diese Art der Umstellung auf feste Nahrung einlassen, zeigt Ihnen Ihr Kind, wann es bereit ist, loszulegen. Es sitzt von Anfang an bei den Mahlzeiten am Tisch mit dabei. Nach und nach lernt es durch Kosten und Probieren und Selberessen, wie man sich im Kreis der Familie gesund ernährt – nicht mit Brei oder Püriertem, sondern mit richtigem Essen. Sobald es etwa sechs Monate alt ist, ist der richtige Zeitpunkt gekommen.

Natürlich ist es nichts Revolutionäres, einem Baby vom sechsten Monat an Fingerfood anzubieten. Das Besondere an BLW ist, dass es nichts anderes bekommt und damit die Zubereitung von Brei und Pürees und das Füttern mit dem Löffel entfallen. Mit der Methode des Baby-led Weaning – also der vom Baby gesteuerten Umgewöhnung auf feste Nahrung – trainiert das Kind seine Kaufähigkeit, Fingerfertigkeit und Hand-Augen-Koordination. Mit Ihrer Hilfe entdeckt es eine breite Palette an gesunden Lebensmitteln und eignet sich wichtige soziale Kompetenzen an. Da es nur so viel isst, wie es braucht, läuft es weniger Gefahr, mit der Zeit übergewichtig zu werden. Und das Wichtigste ist: Es hat Spaß dabei, ist zufrieden und glücklich bei den Mahlzeiten und fühlt sich nicht verunsichert.

Baby-led Weaning ist sicher, natürlich und einfach – und wie die meisten guten Ideen zum Thema Erziehung nichts Neues. Seit Generationen entdecken Eltern die Methode von sich aus, indem sie ihrem Baby einfach zuschauen. Sie funktioniert, ganz gleich ob das Kind voll gestillt wird, die Flasche bekommt oder teils mit Muttermilch, teils mit Milchnahrung ernährt wird. Und nach Aussagen von Eltern, die beides ausprobiert haben – Füttern mit dem Löffel und BLW – ist Letzteres nicht nur viel einfacher, sondern insgesamt auch eine vergnüglichere, entspanntere Angelegenheit.

Bei BLW gibt es kein Programm, das einzuhalten und keine »Stufen«, die zu absolvieren sind. Ihr Kind braucht sich nicht durch eine Reihe von Feinpüriertem, etwas gröber Püriertem und Brei mit Stückchen vorzuarbeiten, bevor man es an »richtiges« Essen heranlässt – und Sie brauchen keinen komplizierten Zeitplan im Hinblick auf seine Mahlzeiten einzuhalten. Stattdessen können Sie sich zurücklehnen und vergnügt zuschauen, wie sich Ihr Baby dem Abenteuer des Essens auf seine Weise nähert.

Die meisten Bücher zur Umstellung auf feste Nahrung (oder »Beikost«) enthalten Rezepte und Essenspläne. Dieses hier ist anders. Es zeigt Ihnen eher, wie Sie Ihrem Baby ermöglichen können, sich selbst zu ernähren, und weniger, was Sie ihm vorsetzen sollen. Sie finden darin praktische Tipps für den Anfang und Informationen darüber, was Sie bei dieser Methode erwartet. Kurz, es verrät Ihnen eines der bestgehüteten Geheimnisse zum stressfreien Elterndasein.

Plant man spezielle Babymahlzeiten, geschieht das in der Annahme, dass ein so kleines Kind nicht essen kann, was alle anderen in der Familie auch essen, und dass das, was man ihm vorsetzt, speziell zubereitet werden muss. Doch vorausgesetzt, Ihre eigene Ernährung ist gesund und enthält alle notwendigen Nährstoffe, werden Sie merken, dass sich die meisten Gerichte ganz einfach so abwandeln lassen, dass Ihr Baby sie mit sechs Monaten ohne Weiteres auch essen kann. Wir geben in diesem Buch einige Vorschläge zu Lebensmitteln, die für den Anfang geeignet sind, bzw. die es zu meiden gilt. Wenn Sie weitere Ideen für Gerichte oder Tipps zur Gestaltung der gemeinsamen Mahlzeiten suchen, empfehlen wir Ihnen unsere Kochbücher: The Baby-led Weaning Cookbook oder The Baby-led Weaning Quick & Easy Recipe Book. Da viele Eltern im BLW eine Gelegenheit sehen, ihre eigenen Essgewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen, erklären wir Ihnen in diesem Buch außerdem die Grundregeln einer gesunden, ausgewogenen Ernährung für die ganze Familie.

Baby-led Weaning kann Ihnen und auch Ihrem Kind sehr viel Freude bereiten. Selbst wenn Sie schon miterlebt haben, wie ein anderes Baby auf diese Weise den Übergang zu fester Nahrung geschafft hat, werden Sie wahrscheinlich beeindruckt sein, wie schnell es Ihrem kleinen Liebling gelingt, mit den verschiedensten Lebensmitteln und Speisen umzugehen, und wie experimentierfreudig es im Vergleich zu anderen Kindern auf ungewohnte Geschmackseindrücke reagiert. Babys gehen mit größter Begeisterung an alles heran, was sie selbst machen können – und sie lernen dabei am besten.

Viele Eltern, deren Babys den Übergang vom Stillen bzw. der Flasche zur Normalkost nach dem BLW-Prinzip gemeistert haben, haben mit ihren Erfahrungsberichten zur Entstehung dieses Buches beigetragen. In der vorliegenden überarbeiteten Neuausgabe sind weitere Einsichten und Geschichten aus dem realen Familienalltag dazugekommen. Manche der Eltern hatten schlechte Erfahrungen mit dem Füttern gemacht; andere stießen aus Frust auf die Methode, weil sich ihr Kind nicht mit dem Löffel füttern lassen wollte. Es waren Eltern dabei, die gehört hatten, dass die Festkost-Umstellung mit BLW etwas so Sanftes und Logisches sei, dass sie es gleich bei ihrem ersten Kind ausprobieren wollten. Und was wir immer und immer wieder zu hören bekamen: Die Babys sind total begeistert, und es werden aus ihnen glückliche und gesellige Esser.

In den Jahren, die seit der ersten Veröffentlichung dieses Buches vergangen sind, hat BLW bei der Umstellung auf feste Kost deutlich an Bedeutung gewonnen. Familien auf der ganzen Welt haben dafür gesorgt, dass sich bei anderen Eltern, im Familienkreis und beim Personal von Betreuungseinrichtungen mehr und mehr herumgesprochen hat, wie sinnvoll der Ansatz ist. Die Prinzipien haben mittlerweile Eingang in nationale und internationale Beikost-Empfehlungen gefunden, und in verschiedenen Ländern laufen zurzeit Forschungsprojekte dazu. Das Füttern von Brei mit dem Löffel erweist sich zunehmend als unnütze, überkommene Methode in der Babyernährung.

Wir hoffen, dass Ihnen dieses komplett überarbeitete und auf den neuesten Stand gebrachte Buch dabei helfen wird, selbst zu entdecken, wie einfach sich der Übergang zum gemeinsamen Essen am Familientisch gestalten kann und wie sich mit diesem vom Baby gelenkten Ansatz die Grundlage für eine lebenslange gesunde, genussvolle Ernährung legen lässt.

1. Was ist Baby-led Weaning?

»Für die meisten Eltern scheinen Mahlzeiten ein Albtraum zu sein. Bei Emily ist das einer der großen Kämpfe, die wir nicht auszufechten brauchen. Wir haben bei den Mahlzeiten richtig Spaß. Essen ist bei uns überhaupt kein Problem.«

Jess, Mutter von Emily, zwei Jahre

»Es ist so viel leichter, einen neuen Geschmack einzuführen, wenn alle am Tisch das Gleiche essen. Anders als bei meinen beiden anderen Kindern, die ich mit dem Löffel gefüttert habe, mache ich mir einfach keine Gedanken darüber, ob Ben etwas mag oder nicht. Das Ganze fühlt sich so natürlich an – und es macht wesentlich mehr Freude.«

Sam, Mutter von Bella, acht Jahre, Alex, fünf Jahre, und Ben, acht Monate

Was bedeutet »Weaning«?

»Weaning« ist das englische Wort für »Entwöhnung«, also die allmähliche Umstellung von der ausschließlichen Ernährung mit Brust oder Flasche bis zu dem Zeitpunkt, zu dem ein Baby gar keine Muttermilch bzw. Milchnahrung mehr bekommt. Dieser Übergang dauert normalerweise mindestens sechs Monate, kann sich aber – besonders bei voll gestillten Kindern – manchmal auch durchaus über mehrere Jahre in die Länge ziehen. In diesem Buch geht es vor allem um den Anfang dieses Entwöhnungsprozesses, der beginnt, wenn das Baby seine allererste feste Nahrung zu sich nimmt.

Das erste feste Essen – auch »Beikost« genannt – soll die Brust oder Flasche nicht ersetzen, sondern diese ergänzen, sodass sich der Speiseplan des Babys nach und nach erweitert.

Bei der konventionellen Entwöhnung kommt den Eltern die führende Rolle in diesem Prozess zu. Indem sie entscheiden, ab wann mit dem Löffel gefüttert wird, bestimmen sie, wann und wie sie feste Kost einführen wollen. Und sie legen fest, wann abgestillt bzw. keine Flasche mehr gegeben wird, das Baby also nicht mehr mit Milch ernährt wird. Bei dieser herkömmlichen Herangehensweise sind die Eltern diejenigen, die über den Entwöhnungsprozess bestimmen. Man könnte von »Parent-led Weaning«, also elterngelenkter Entwöhnung, sprechen. Beim Baby-led Weaning (BLW) hingegen übernimmt das Baby die Führung selbst und vollzieht die Umstellung auf eine instinktive, seinen Fähigkeiten entsprechende Weise. Es entscheidet eigenständig, wann die Entwöhnung beginnen und enden soll. Wenn wir uns einmal näher anschauen, wie sich die kindliche Entwicklung vollzieht, dann ergibt es absolut Sinn.

Warum BLW anders ist

Wenn man an die Einführung der ersten festen Nahrung bei einem Baby denkt, stellt man sich das meist so vor, dass ein Erwachsener dem Kind mit dem Löffel ein wenig pürierte Karotte oder Apfelmus reicht. Manchmal öffnet es den Mund bereitwillig, um sich den Brei hineinschieben zu lassen – doch es kann gut sein, dass es ihn gleich wieder ausspuckt, den Löffel wegschiebt, zu schreien anfängt oder das Essen verweigert. Manche Eltern probieren mit allerhand Spielen, das Baby zum Essen zu bewegen, nach dem Motto: »Ein Löffel für Mama …« Was das Kind zu essen bekommt, ist meist etwas anderes als das, was die anderen Familienmitglieder auf dem Teller haben, und gefüttert wird meist nicht, wenn alle anderen auch essen.

Bis vor wenigen Jahren wurde diese Art der Babyernährung nur sehr selten infrage gestellt. Die meisten Menschen nehmen es als gegeben hin, dass das Füttern mit dem Löffel das normale Verfahren ist, um ein Kind an Beikost zu gewöhnen. Liest man jedoch in Lexika nach, wie Füttern definiert wird, stößt man dort unter anderem auf Aussagen wie »(jemanden) so behandeln, dass er von eigenständigem Denken oder Handeln abgebracht wird«1 oder auf den Hinweis, dass der Begriff in bestimmten Kontexten nicht benutzt werden sollte.2 Durch Baby-led Weaning hingegen werden das Selbstvertrauen und die Eigenständigkeit des Kindes gestärkt, denn es kann seinen eigenen Wahrnehmungen und Empfindungen folgen. Das Baby fängt an, feste Nahrung zu sich zu nehmen, sobald es selbstständig zu essen beginnt, und bestimmt ganz allein das Tempo des Umstiegs. Dabei kann es sich von seinem natürlichen Nachahmungstrieb leiten lassen und sich am Verhalten von Eltern und Geschwistern orientieren, sodass es nach und nach auf eine ganz natürliche, genussvolle Weise das Essen lernt.

Fast alle Babys zeigen ihren Eltern – sofern man sie lässt –, dass sie bereit sind, etwas anderes außer Milch zu probieren, indem sie nach Essbarem greifen und es in den Mund nehmen. Sie brauchen keine Erwachsenen, die für sie entscheiden, wann es Zeit ist, Beikost einzuführen. Man muss ihnen die Nahrung nicht Löffel für Löffel in den Mund schieben. Babys können selber essen.

BLW funktioniert so:

Das Baby sitzt mit allen anderen am Familientisch und isst mit, sobald es bereit dazu ist.Sobald es Interesse zeigt, indem es mit den Händen nach Lebensmitteln greift, wird es ermutigt, sie auf diese Weise selbst zu erforschen – es kommt nicht darauf an, ob es tatsächlich irgendetwas davon isst.Statt das Essen zu pürieren oder zu passieren, werden Nahrungsmittel in handliche Portionen zerteilt, die das Baby gut greifen kann.Niemand schiebt dem Baby Essen mit dem Löffel in den Mund. Es isst von Anfang an selbst.Es bleibt dem Baby überlassen, wie viel es isst und wie schnell es die Palette der Lebensmittel erweitert, die es mag.Das Baby bekommt weiterhin Muttermilch bzw. Milchnahrung, wann immer es mag, und entscheidet selbst, wann es Zeit ist, mit der Reduktion der Milchmenge zu beginnen.

Wie ein Kind sich fühlt, wenn es zum ersten Mal feste Nahrung zu sich nimmt, kann noch jahrelang Einfluss darauf haben, wie es das Essen erlebt. Es lohnt sich also, dafür zu sorgen, dass es das Ganze als genussvoll empfindet. Doch für viele Babys – und ihre Eltern – ist die Einführung von fester Nahrung alles andere als ein Spaß. Natürlich sperren sich nicht alle Babys dagegen, sich auf konventionelle Weise mit dem Löffel füttern zu lassen, doch viele scheinen es eher resigniert mit sich geschehen zu lassen, als es wirklich zu genießen. Babys, die man selbst essen lässt und die am Familientisch mit dabeisitzen, scheinen dagegen mit Begeisterung bei der Sache zu sein.

»Als Ryan etwa sechs Monate alt war, traf ich mich gelegentlich mit einer Gruppe anderer Mütter, die auch Babys im gleichen Alter hatten. Sie waren die ganze Zeit damit beschäftigt, Essen in ihre Kinder hineinzuschaufeln und ihnen mit dem Löffel den Brei vom Kinn zu kratzen und zu schauen, dass auch ja nichts danebenging. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich das Leben fürchterlich schwer machten, und es war deutlich zu sehen, dass die Babys keinen Spaß dabei hatten.«

Suzanne, Mutter von Ryan, zwei Jahre

Warum BLW sinnvoll ist

Ein kleines Kind fängt an zu krabbeln, zu laufen und zu sprechen, wenn es bereit dazu ist. Diese Meilensteine der Entwicklung passieren nicht früher und auch nicht später als zu dem für das Kind individuell passenden Zeitpunkt – es muss nur Gelegenheit bekommen, diese Schritte zu tun.

Wenn wir ein Neugeborenes auf den Boden legen, damit es strampeln kann, geben wir ihm damit die Gelegenheit, sich auf die andere Körperseite zu rollen. Sobald es dazu in der Lage ist, wird es dies tun. Entsprechend geben wir ihm Gelegenheit, aufzustehen und zu laufen. Mag sein, dass das ein bisschen länger dauert. Aber wenn wir dem Kind immer wieder Gelegenheit zum Üben geben, wird es irgendwann so weit sein. Warum sollte es sich mit dem Essen anders verhalten?

Die meisten gesunden Babys sind von Geburt an in der Lage, ganz allein von der Brust zu trinken. Mit etwa sechs Monaten können sie mit der Hand nach Nahrung greifen und sie in den Mund nehmen. Wir wissen seit jeher, dass sie dazu fähig sind, und seit vielen Jahren rät man Eltern, ihren Kindern etwa ab dem sechsten Monat in handliche Stücke zugeschnittenes Essen – sogenanntes »Fingerfood« – anzubieten. Seit einiger Zeit aber liegen Studien vor, nach denen Babys vor Erreichen dieses Alters generell keine feste Nahrung bekommen sollten (siehe das folgende Kapitel). Wenn Babys nun ab dem sechsten Monat selber Fingerfood essen können, gibt es eigentlich keinen Grund, sie überhaupt mit Brei zu füttern.

Obwohl wir heute wissen, dass Babys sowohl über den Instinkt als auch die Fähigkeit verfügen, zum richtigen Zeitpunkt selber mit dem Essen von fester Nahrung anzufangen, ist das Füttern mit dem Löffel noch immer die am häufigsten praktizierte Ernährungsform während des ersten Lebensjahrs – und manchmal weit darüber hinaus.

Ab wann sollte ein Baby feste Nahrung bekommen?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt seit 20023 und das Britische Gesundheitsministerium seit 2003, dass alle Babys nach Möglichkeit bis zum Ende des sechsten Lebensmonats ausschließlich Muttermilch bekommen und anschließend schrittweise Beikost eingeführt werden sollte.4 Studien zeigen, dass ein früherer Beikoststart nicht gut ist, weil:

feste Nahrung nicht so viele Nährstoffe und Kalorien wie Muttermilch oder Milchnahrung enthält. Säuglinge haben kleine Mägen und sind auf eine konzentrierte, leicht verdauliche Kalorien- und Nährstoffquelle angewiesen, wie sie nur Muttermilch oder Milchnahrung bieten.das Verdauungssystem eines Babys nicht in der Lage ist, alle Nährstoffe aus der festen Nahrung herauszulösen, sodass diese seinen Körper passiert, ohne ihn in ausreichender Weise mit dem Notwendigen zu versorgen.ein Baby, das zu früh feste Nahrung bekommt, beim Stillen oder Trinken der Flasche weniger Appetit hat und darum noch weniger von dem aufnimmt, was es an Nährstoffen braucht.Babys, die zu früh feste Nahrung bekommen, häufiger zu Infekten neigen und ein höheres Allergierisiko haben als solche, die bis zum sechsten Lebensmonat mit Brust oder Flasche ernährt werden. Dies liegt daran, dass ihr Immunsystem vor diesem Zeitpunkt noch nicht richtig ausgereift ist.

Warum steht auf manchen Etiketten von Babynahrung, sie sei ab vier Monaten geeignet?

Der von der Weltgesundheitsorganisation WHO verabschiedete unverbindliche »Internationale Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten«,5 der den Verzicht auf Werbung für Babynahrung und -getränke für unter sechs Monate alte Säuglinge vorsieht, wurde zwar von fast allen Nationen der Welt unterzeichnet. Doch in vielen Ländern, so auch in Großbritannien und Deutschland, bleibt er, was er von Anfang an war: unverbindlich. Mit anderen Worten: Die Lebensmittelindustrie muss ihn nicht befolgen. Um ihre Verkaufszahlen möglichst in die Höhe zu treiben, fassen viele Hersteller von Babynahrung die Beschreibungen auf ihren Produkten so ab, dass diese auch für Babys unter sechs Monaten geeignet erscheinen, selbst wenn das nicht stimmt. Bis sich also die gesetzliche Lage ändert, wird es weiterhin Säuglingsnahrung mit der Aufschrift »für Babys ab vier Monaten« geben.6

Wissenschaftlichen Studien zufolge erhöht sich das spätere Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, wenn Babys vor dem sechsten Monat mit fester Nahrung gefüttert werden.

BLW ist nichts Neues

Der Name mag zwar relativ neu sein, doch das Prinzip ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Viele Eltern, besonders solche, die drei oder mehr Kinder haben, sind eher zufällig zu der Erkenntnis gelangt, dass sich das Leben für alle Beteiligten deutlich leichter und entspannter gestaltet, wenn man dem Baby die Führung überlässt. Die meisten beschreiben es so: Beim ersten Kind haben sie sich an das gehalten, was man ihnen gesagt hat, und dabei festgestellt, dass die Einführung von fester Nahrung jede Menge Geduld erforderte, die nur mäßig entlohnt wurde. Beim zweiten Kind gingen sie etwas gelassener an die Sache heran. Sie brachen manche der »Regeln« und stellten fest, dass das Abstillen dadurch etwas einfacher wurde. Und als dann das dritte Baby kam, hatten sie so viel um die Ohren, dass sie es »einfach machen ließen«.

Diese Eltern erzählen oft, dass das erste Kind – nach allen Regeln der Kunst mit dem Löffel gefüttert – sich zu einem ziemlich mäkeligen Esser entwickelte. Das zweite war schon etwas weniger heikel. Das dritte aber war und blieb eindeutig am unkompliziertesten – von allen dreien war es am wenigsten wählerisch und dafür um so experimentierfreudiger. Die Eltern hatten BLW entdeckt. Leider erzählten sie es niemandem aus Angst, als schlechte Eltern – oder einfach nur als faul – dazustehen.

»Mit je mehr Leuten ich spreche, desto klarer wird mir, dass diese Art, ein Baby an feste Nahrung zu gewöhnen, nichts Neues ist. Wie oft bekomme ich zu hören: ›Genau so habe ich es auch gemacht, ich habe bloß nicht darüber geredet.‹ Eltern praktizieren es seit Jahren – bloß hatte es bisher keinen Namen.«

Clare, Mutter von Louise, sieben Monate

Erfahrungsbericht

Als ich bei Miguel mit BLW anfing, sagte mir meine brasilianische Großmutter, dass sie es mit ihren eigenen Kindern genauso gemacht hatte – sie ließ sie einfach selber essen. Als sie meinen Sohn essen sah, fing sie vor Rührung zu weinen an. Sie erzählte mir, dass meine Eltern mich als Baby mit dem Löffel gefüttert hätten, als es Zeit zur Einführung fester Nahrung wurde, und sie hatten deswegen immer wieder gestritten. Meine Großmutter konnte nicht verstehen, warum meine Eltern das machten, und meine Eltern hielten ihr vor, sie sei von gestern. Dass ich nun BLW praktizierte, machte sie daher sehr glücklich. Meine Mutter dagegen meinte, ich wollte was Besonderes sein und würde es nur machen, weil es gerade im Trend lag. Sie warf mir sogar vor, dass mein Essen nach nichts schmeckte, weil ich weder Salz noch Zucker verwendete. Aber nach ein paar Monaten sah sie selbst, dass sich Miguel zu einem selbstbewussten, geschickten, guten Esser entwickelte, der gerne Obst und Gemüse aß. Zwei Jahre später bei Alice war ihr dann schon klar, dass auch diese mit BLW aufwachsen würde, und sie versuchte gar nicht erst, uns umzustimmen.

Meine Großmutter fand es richtig, Miguel selbst essen zu lassen, und meinte, so habe sie es gelernt: Kinder müssen mit der Familie essen, alle gemeinsam am Tisch. Sie sagte, zu ihrer Zeit habe es noch keine Hochstühle gegeben. Man hätte stattdessen einfach eine Holzkiste an den Tisch gerückt, in der das Baby absturzsicher sitzen und essen konnte. Mit ihren Worten stärkte sie mir sehr den Rücken. Sie machte mir klar, dass es sich nicht um eine Modeerscheinung handelte, sondern ganz natürlich und sicher war.

Ein paar Monate nachdem wir bei Miguel mit BLW angefangen hatten, fragte ich die Großmutter meines Mannes, die Japanerin ist, wie sie es gehalten hatte. Sie sagte das Gleiche: Auch sie hatte ihr Baby selbst feste Nahrung essen lassen! Und sie kannte ein altes Sprichwort: »Wenn das Baby sitzt, isst es.« Keine der Großmütter konnte sich an irgendwelche offiziellen ärztlichen Ratschläge erinnern. Das Wissen wurde stets von Mutter zu Tochter, von Großmutter zu Enkelin weitergegeben. Jedes Kind brauche seine eigene Zeit, sagten sie, und Eltern sollten ihr Baby beobachten und abwarten, bis es sitzen kann. Die angebotene Nahrung solle einfach sein und nicht zu hart. Und man solle das Baby selbst danach greifen lassen, wenn es essen will. Es klang so einfach. Auch wenn keine von beiden je von Baby-led Weaning gehört hatte, wurde es doch in meiner Familie seit jeher praktiziert.

Melina, Mutter von Miguel, fünf Jahre, Alice, drei Jahre und Cecilia, ein Jahr

Eine kurze Geschichte der Säuglingsernährung

Historisch gesehen ist wenig bekannt, wie Säuglinge vor dem ausgehenden 19.Jahrhundert an feste Nahrung herangeführt wurden. Was man über Kindererziehung und Kinderpflege wusste, wurde von Mutter zu Tochter weitergegeben. Schriftliche Aufzeichnungen gab es nur sehr wenige. Wahrscheinlich aber fanden viele Familien damals wie heute von allein zum BLW. Doch obwohl einige Erfahrungsberichte bezeugen, dass im Laufe des 20.Jahrhunderts tatsächlich in der einen oder anderen Familie Säuglinge auf diese Weise Bekanntschaft mit fester Nahrung machten, sah die Realität für die Mehrzahl der Kinder ganz anders aus.

An der Wende zum 20.Jahrhundert war es nicht üblich, Säuglingen vor dem achten oder neunten Lebensmonat oder sogar noch darüber hinaus Beikost zu geben. Obwohl man Kindern ab dem siebten oder achten Monat manchmal einen glatten Knochen oder eine harte Brotkruste in die Hand drückte, tat man dies nur, um das Erlernen des Kauens zu fördern oder das Zahnen zu erleichtern. 1960 hingegen wurde die Ernährungsumstellung manchmal schon mit zwei bis drei Monaten begonnen, was sich im Laufe der Zeit allmählich wieder nach hinten verschob, sodass in den 1990er-Jahren die meisten Säuglinge etwa ab dem vierten Monat ihren ersten Brei bekamen. Dass man bei der Umstellung auf feste Nahrung im Laufe der Zeit so unterschiedlich verfuhr, hat viel mit dem sich ändernden Stillverhalten der Mütter zu tun.7 Es gab kaum ernsthafte Forschungen zum Thema Säuglingsernährung, und bis 1974 fehlten jegliche offiziellen Empfehlungen zur Einführung von Beikost.

»Meine Großmutter war begeistert, als sie sah, wie Rosy selbst aß. Als Älteste von sieben Kindern hatte sie miterlebt, dass ihre Mutter ihre Geschwister genauso an das Essen von fester Nahrung gewöhnt hatte. Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass in ihrer Familie je mit dem Löffel gefüttert worden war. Sie meinte, sie hätte meine Mutter nur deshalb mit dem Löffel gefüttert, weil man ihr gesagt hatte, sie sollte im dritten Monat mit der Beikost anfangen.«

Linda, Mutter von Rosy, 22 Monate

Anfang des 20.Jahrhunderts wurden Babys ausschließlich gestillt – entweder von der eigenen Mutter oder von einer Amme (eine Frau, die von den Eltern für das Stillen bezahlt wurde).8 In dem Maße, wie Ammen mehr und mehr an Bedeutung verloren und Geburten zunehmend in den medizinischen Bereich rückten, sahen sich Ärzte auf einmal in der Rolle von Beratern, die Müttern Ratschläge beim Stillen gaben. Die Dinge dem Gefühl der Mutter – oder gar des Säuglings – zu überlassen, hielt man für unzuverlässig, und man ging dazu über, die Ernährung vom Augenblick der Geburt an aufs Sorgfältigste zu überwachen.

Obwohl das Stillen weiterhin als die beste Ernährungsweise für einen Säugling galt, begriff man nicht, dass ein Kind häufig an die Brust angelegt werden muss, damit die Mutter ausreichend Milch produziert. Man wies Mütter an, einen strikten Zeitplan einzuhalten, begrenzte die Zeit, die der Säugling trinken durfte, und bestand auf der Einhaltung einer mehrstündigen Stillpause zwischen den Fütterungszeiten. Dies führte dazu, dass viele Frauen »nicht genug Milch hatten«. Kein Wunder also, dass die wenigen Ersatznahrungen für Muttermilch, die damals erhältlich waren, sich einer immer größeren Beliebtheit erfreuten und von Ärzten empfohlen wurden, denn schließlich wollte man sicherstellen, dass ein Säugling alle Nährstoffe bekam, die er brauchte.

Während sich das »Füttern nach der Uhr« immer weiter ausbreitete und immer mehr Mütter zu den neuen Säuglingsnahrungen griffen, machte sich bei Ärzten die Erkenntnis breit, dass diese Produkte für Babys eben doch nicht so vorteilhaft waren, wie in der Werbung behauptet wurde. Säuglinge, die ausschließlich mit solchen Produkten ernährt wurden, wurden nicht nur häufig krank und neigten zu Unterernährung, oft waren die angebotenen Milchnahrungen zudem kompliziert zuzubereiten, sodass Fehler an der Tagesordnung waren.

Da die meisten Mütter zumindest in der ersten Zeit immer noch stillen wollten, selbst wenn sie dies (wegen des strikten Fütterungszeitplans) nur wenige Monate lang durchhalten konnten, sahen Ärzte – und die Autoren der immer populärer werdenden Elternratgeber – die Lösung darin, das Stillen nach der Geburt zu empfehlen, gleichzeitig aber Beikost einzuführen, sobald absehbar war, dass die Muttermilch nicht mehr reichte.9 Dies war in der Regel der Fall, sobald ein Säugling den zweiten bis vierten Lebensmonat erreicht hatte. Speckige Babys galten als besonders gesund, und da Mütter angehalten wurden, ihre Babys rund und mollig zu füttern, wählte man für den Anfang oft Beikost auf Getreidebasis.

Etwa um dieselbe Zeit kamen sogenannte Kindermehle in den Handel, und in den 1930er-Jahren wurde eine ganze Reihe von Babynahrungen auf Obst- oder Gemüsebasis in Dosen oder Gläsern angeboten. Diese waren für Kinder ab dem sechsten Lebensmonat gedacht, doch man war sich weitgehend einig, dass man sie durchaus auch schon früher geben konnte.

Nachdem sich eingebürgert hatte, Säuglingen feste Nahrung zu geben, lange bevor sie kauen konnten, verlor sich der Brauch, ihnen Knochen oder Brotkrusten in die Hand zu drücken. Und obwohl man es durchaus für notwendig hielt, sie an Lebensmittel aus der normalen Alltagsküche heranzuführen, zerkleinerte man diese und fütterte sie mit dem Löffel, statt sie in handliche Stücke zu schneiden, die das Baby selbst greifen konnte.

In den 1960er-Jahren setzte sich die Erkenntnis durch, dass Babys üben müssen zu kauen und den Speisebrei im Mund zu bewegen, um zu geschickten Essern zu werden. Darum riet man Eltern, ihren Kindern etwa ab dem sechsten Monat feste Lebensmittel in handlichen Stücken anzubieten. Da man aber glaubte, Babys müssten sich zunächst an ganz fein pürierte Speisen gewöhnen, bevor sie das Kauen lernen konnten, hielten es die meisten Eltern für notwendig, noch vor dem sechsten Lebensmonat Breimahlzeiten einzuführen, um dann zum richtigen Zeitpunkt Lebensmittel geben zu können, die gekaut werden mussten.

Als 1974 in Großbritannien die ersten offiziellen Ernährungsrichtlinien10 herauskamen, wurden die meisten Säuglinge bereits ab dem dritten Monat mit Brei zugefüttert (meist bekamen sie speziell für Babys angebotenen Reisbrei, Haferbrei oder Zwieback). Jetzt lautete die Empfehlung, Kindern vor dem vierten Lebensmonat gar keine feste Nahrung, bis zum sechsten Lebensmonat aber zumindest etwas Beikost zu geben. Bei dieser offiziellen Linie blieb es, bis man 2003 die aktuelle Empfehlung herausgab, Säuglinge bis zum sechsten Monat ausschließlich mit Muttermilch bzw. Milchnahrung zu ernähren.

Erfahrungsbericht

Als ich meine Tochter bekam, beschloss ich instinktiv, ihr keine feste Nahrung zu geben, bis sie dazu bereit war. Mir waren noch gut die schrecklichen Erfahrungen in Erinnerung, die ich bei meinem ersten Kind, Jack, gemacht hatte. Ihn hatte ich, so wie es damals noch empfohlen wurde, ab dem vierten Monat mit Beikost gefüttert. Inzwischen ist mir natürlich klar, dass er damals weder körperlich noch psychisch so weit war. Er hasste diese Art des Essens!

Anna wurde voll gestillt, und sie war damit rundum zufrieden, sodass ich mir die Sache mit dem Brei ganz gespart habe. Wir gingen nur selten zum Kinderarzt, aber wenn wir es taten und man mich fragte, log ich einfach. Ich erinnere mich, wie ich mit ihr zur Vorsorgeuntersuchung ging, als sie acht Monate alt war. »Ja, sie bekommt jetzt drei Mahlzeiten täglich, und sie genießt sie«, behauptete ich. In Wirklichkeit aber kaute sie nur auf ein paar Brocken von dem Essen herum, das wir anderen auch aßen. Sie ging vom Stillen direkt dazu über, sich selbst Essen in den Mund zu schieben und sich so zu ernähren. Es gab keine aufeinanderfolgenden Phasen: erst Brei, dann etwas gröber Püriertes, dann Essen mit Stückchen.

Die meisten Kinder bekamen damals bereits mit sechs Monaten drei komplette Breimahlzeiten. Leute, die wussten, dass ich die Kleine nicht mit dem Löffel fütterte, reagierten mit Verwunderung, aber sie sahen ja mit eigenen Augen, dass es ihr gut ging. Sie dachten wahrscheinlich, ich sei einfach nur bequem. Und als Anna dann wirklich mit dem Essen anfing, war sie etwas über acht Monate alt. Sie zeigte allen, dass sie sehr gut mit normalem Essen zurechtkam, und sie war ein ziemlich zufriedenes Kind.

Lizzie, Mutter von drei mittlerweile erwachsenen Kindern

Was man Ihrer Mutter beibrachte

Wenn Sie in den 1970ern, 80ern oder 90ern geboren sind, haben Ihre Eltern über die Art und Weise, wie feste Nahrung eingeführt werden sollte, bestimmt etwas ganz anderes gelernt. Das Mindestalter für das Füttern von Beikost lag bei vier Monaten, und man riet Eltern, auf bestimmte Zeichen zu achten, wann ihr Baby für diesen Schritt bereit sei. Die meisten dieser Zeichen aber waren schlicht Teil des normalen kindlichen Entwicklungsprozesses und hatten mit dem Alter des Babys zu tun und nicht damit, dass es nun andere Nahrung brauchte oder verdauen konnte. Andere hatten mit Faktoren wie dem Gewicht statt mit dem Nahrungsbedarf zu tun. Die meisten basierten auf einem Missverständnis der kindlichen Entwicklung und fehlenden wissenschaftlichen Studien dazu, was Babys wirklich brauchen. Manche dieser veralteten Ratschläge haben sich jedoch bis heute hartnäckig gehalten, und so hat man vielleicht auch Ihnen geraten, auf folgende Zeichen zu achten:

Falsche Zeichen der Bereitschaft für die Umstellung auf feste Nahrung

Nächtliches Aufwachen. Babys wachen aus den verschiedensten Gründen nachts auf, und es gibt keine Beweise dafür, dass sich dieses Problem durch das Füttern von fester Nahrung lösen ließe. Wenn Babys unter sechs Monaten wirklich Hunger haben, sollten sie mehr Muttermilch (bzw. Milchnahrung) und keine feste Nahrung bekommen.Die Gewichtszunahme stagniert leicht. Forschungen haben gezeigt, dass dies besonders bei gestillten Babys um den vierten Monat herum ganz normal ist.11 Es ist kein Zeichen dafür, dass ein Kind feste Nahrung braucht.Den Eltern beim Essen zuschauen. Ab dem vierten Monat sind Babys fasziniert von dem gewöhnlichen Treiben der Menschen, die es im Familienalltag beobachten kann: anziehen, rasieren, Zähne putzen – und essen. Doch sie wissen noch nicht, worum es da eigentlich geht. Sie sind nur neugierig.Aufhören, mit der Zunge zu »schieben«: Mit etwa vier Monaten verliert sich allmählich der Reflex, alles Feste aus dem Mund zu befördern. Das erleichtert zwar das Füttern mit dem Löffel, ist aber kein Zeichen dafür, dass das Baby von jetzt an in der Lage ist, feste Nahrung zu verdauen.Kleines Kind: Wenn ein Baby aufgrund einer Mangelernährung (und nicht aufgrund seiner genetischen Veranlagung) klein ist, braucht es zum Wachsen nährstoffreiche Muttermilch oder Milchnahrung und keine feste Nahrung. (Für Frühgeborene können besondere Empfehlungen gelten.) Großes Kind: Wenn ein Baby besonders groß ist, kann das an seinen Genen liegen oder bei einem Flaschenkind auch daran, dass es mehr Milch bekommt, als es wirklich braucht. Sein Verdauungs- und Immunsystem ist aber nicht eher als das anderer Babys bereit, feste Nahrung zu verarbeiten. (Die Koppelung von Gewicht und Beikoststart geht auf die 1950er-Jahre zurück, als man glaubte, dass Babys feste Nahrung bräuchten, sobald sie ihr Geburtsgewicht verdoppelt oder ein Gewicht von fünfeinhalb Kilo überschritten hätten.)

»Ich habe nie verstanden, warum manche Leute sagen: ›Oh, das ist aber ein großes Kind! Da müssen Sie ihm feste Nahrung geben!‹, denn die Lebensmittel, die man einem Baby gewöhnlich als Beikost gibt – Birne, gedämpfte Zucchini, Karotte – sind doch alles Sachen, die man essen würde, wenn man Diät halten will.«

Holly, Mutter von Ava, sieben Jahre, Archie, vier Jahre, und Glen, sechs Monate

Erfahrungsbericht

Max war schon immer groß für sein Alter (98. Perzentile). Darum bekam ich von den Leuten immer wieder entsprechende Ratschläge zu hören: Dass große Babys besonders hungrig seien und ab dem vierten Lebensmonat zugefüttert werden müssten und so weiter. Aber ich überließ ihm einfach selbst die Führung.

Und obwohl er so groß war, schien er sich nicht wirklich für Essen zu interessieren. Nach dem Inhalt seiner Windeln zu urteilen, fing er mit etwa acht Monaten an, andere Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, aber wirklich nennenswerte Mengen wurden daraus erst mit etwa zehn Monaten.

In den ersten sechs Monaten hatte ich den Eindruck, dass es für ihn bei BLW nur darum ging, Geschmacksrichtungen und Konsistenzen zu erforschen. Ich machte mir keine Sorgen, weil ich anders als meine Freundinnen, die ihre Kinder mit Brei fütterten, nicht wirklich sagen konnte, wie viel er aß. Mich hat die Methode von dem ganzen Druck befreit. Ich hatte bei meinen Neffen erlebt, was es heißt, Kinder mit dem Löffel zu füttern. Es ging ständig darum, dass sie eine bestimmte Portion aufessen sollten, und ich empfand es als ziemlich stressig, wenn sie dann einfach keine Lust mehr hatten.

Bei BLW muss man das Ganze anfangs gelassener angehen und das Kind sein eigenes Tempo wählen lassen. Da könnte man schon Angst bekommen, dass es nichts isst und verhungern wird und man es doch mit dem Löffel füttern muss. Ich habe mir gesagt: »Warum soll ich mir Sorgen machen? Muttermilch enthält doch viel mehr Nährstoffe als eine halbe Karotte.« Ich bin davon ausgegangen, dass der Kleine beim Stillen alles bekommt, was er braucht. Und das Stillen ließ sich so gut mit den Mahlzeiten in Einklang bringen. Er bekam die Brust, wann immer er wollte, und es fügte sich alles problemlos ineinander.

Charlotte, Mutter von Max, 16 Monate

Auf ähnliche Weise spiegelt sich in den alten Empfehlungen dazu, wie feste Nahrung eingeführt werden sollte, die schlichte Tatsache, dass Babys mit vier Monaten noch nicht in der Lage sind, selbst Nahrung zu sich zu nehmen oder zu kauen. Die in diesem Alter noch sehr unausgereiften oralen Fähigkeiten und das wenig entwickelte Verdauungs- und Immunsystem machten den Hinweis erforderlich, dass die einzelnen Schritte sorgfältig geplant sein wollten, nur einfache Lebensmittel gereicht werden dürften und das Essen mit dem Löffel geübt werden müsse. Ihre eigenen ersten Erfahrungen mit fester Nahrung dürften Sie darum wohl mit einem klümpchenfreien, beinahe flüssigen Getreidebrei gemacht haben, der Ihnen mit dem Löffel gefüttert wurde. Im nächsten Schritt gab es dann täglich eine Mahlzeit in Form von Fruchtmus oder Gemüsebrei, wobei man jeweils drei Tage verstreichen ließ, bevor das nächste neue Lebensmittel eingeführt wurde (für den Fall, dass es zu unerwünschten Reaktionen kam). Mit sechs Monaten hätten Sie drei Mahlzeiten täglich bekommen, und es wäre Zeit gewesen, Breie mit Stückchen einzuführen und das erste Fingerfood zu reichen. Wahrscheinlich hat man Ihnen nicht erlaubt, mit dem Essen zu spielen, denn das galt als unartig. Ziel war es, die Muttermilch oder Milchnahrung so schnell wie möglich durch Mahlzeiten mit fester Nahrung zu ersetzen und Sie bis zum Ende des ersten Lebensjahrs komplett abzustillen.

Heute wissen wir natürlich, dass das Verdauungs- und Immunsystem von Babys mit vier Monaten einfach noch nicht bereit ist, etwas anderes als Muttermilch oder Milchnahrung zu verarbeiten, und dass Muttermilch mindestens in den ersten zwei Lebensjahren gut für sie ist. Diese Erkenntnis erfordert einen völlig anderen Ansatz bei der Einführung von fester Nahrung – ein Prozess, der erst begonnen werden sollte, wenn das Baby von seiner Entwicklung her dazu in der Lage ist. Und das beste Zeichen dafür ist, wie wir im Kapitel »Wie funktioniert BLW?« sehen werden, dass ein Baby anfängt, selbst Essen in den Mund zu nehmen – was es nur tun kann, wenn man ihm dazu Gelegenheit gibt.

»Wenn sich das Kind, das Sie auf dem Schoß sitzen haben, eine Handvoll Essen von Ihrem Teller greift, es kaut und schluckt, könnte es an der Zeit sein, den Teller näher zu ihm hinzuschieben.«

Gabrielle Palmer, Ernährungsberaterin und Autorin

Ein gesundes Verhältnis zum Essen entwickeln

Die Erfahrungen, die ein Kind in seinem ersten Lebensjahr mit dem Essen macht, können sein Verhalten und seine Einstellung zu diesem Thema ein Leben lang prägen. Wenn Sie jetzt, im Erwachsenenalter, an Ihr eigenes Verhältnis zum Essen denken, ist es gut möglich, dass Sie manche Aspekte darin entdecken, die in Ihre Kindheit zurückreichen – in eine Zeit, in der sich Gefühle und Essen leicht miteinander verstricken. Vielleicht hat man Ihnen etwas Essbares als Belohnung fürs Bravsein gegeben oder dafür, dass Sie etwas aßen, das sie nicht mochten. Oder sie wurden womöglich überredet, ihr Sättigungsgefühl zu übergehen und »noch einen Löffel für die Oma« zu essen oder Ihren Teller leer zu machen. Erwachsene essen aus allen möglichen Gründen – nicht nur, weil sie Nährstoffe brauchen oder hungrig sind. Wir essen aus Gewohnheit, weil die Uhr uns sagt, dass Essenszeit ist, oder weil andere ringsum gerade etwas essen. Wir essen, bevor wir das Haus verlassen, damit wir später keinen Hunger bekommen. Manchen dienen bestimmte Nahrungsmittel als Trostpflaster gegen Stimmungstiefs, als Mittel gegen Langeweile oder als Belohnung, die man sich gönnt. Es kommt vor, dass Leute Dinge essen, damit andere zufrieden sind oder damit keine Lebensmittel auf dem Müll landen. Viele dieser Gewohnheiten haben wir in frühester Kindheit erlernt und sie können unsere Einstellung zur Ernährung ein Leben lang verzerren. BLW sorgt dafür, dass dies gar nicht erst passiert, denn Babys können dabei in ihren Körper hineinspüren und von Anfang an ein gesundes Verhältnis zum Essen entwickeln.

Erfahrungsbericht