Babylonische Wandrung oder Hochmut kommt vor dem Fall - Alfred Döblin - E-Book
Beschreibung

Döblins großer Exilroman Seit den Psalmen und Ovids ›Tristia‹ wird vom Exil in der Regel im traurig-elegischen Ton erzählt. Döblins ›Babylonische Wandrung‹ ist eines der herausragenden Beispiele dafür, dass vom Exil auch mit Witz und Humor erzählt werden kann. Es ist die turbulent-pikareske Geschichte von Konrad, dem hochmütigen babylonischen Gott, der seinen Thron verlassen und sich auf der Erde durchschlagen muss, weil er »Konkurs« gegangen ist. Mit einem Nachwort von Moritz Wagner

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EPUB

Seitenzahl:1032


Alfred Döblin

Babylonische Wandrung oder Hochmut kommt vor dem Fall

FISCHER E-Books

Mit einem Nachwort neu herausgegeben von Moritz Wagner

Inhalt

Ein großer Herr ist [...]Erstes Buch Vorspiel im HimmelKonrad wacht auf und vermißt sein Frühstück.Von den Kolbennasen der Himmlischen und ihrer Diät.Der Oberräuber beschuldigt einen andern und läßt ihn holen.Einholung des Entflohenen und Festkonzert im Himmel.Verhör des Flüchtlings, schreckliche Neuigkeiten von der Erde, ein Fluch von unbekannter Seite.Vergebliches Parlamentieren. Es muß geschieden sein.Abfahrt, erster Achsenbruch, die alten Beförderungsmethoden.Astronomiestunde.Die Erde kommt, sie riecht penetrant, aber nicht schlecht.Zweites Buch BabylonErste Bekanntschaft mit irdischen Bräuchen wie Essen, Trinken, Frieren, Stehlen.Ein Opfer und ein menschliches Mißgeschick.Konrad schwelgt in Erinnerungen, sie werfen sich Grobheiten an den Kopf, ziehen aber gemeinsam nach Babylon.Loblied auf Babylon und unerschütterliche konservative Gesinnung.Annäherung an den Ort der Sehnsucht.Erster Eindruck von Babylon, wir greifen nicht vor.Ein Doktor aus Bremen ist entzückt von Konrads Interesse an Babylon und redet Wasserfälle.Konrad stürzt zweimal.Pause. Man erfrischt und zankt sich.Abschluß der Besichtigung. Auch Nebukadnezar ist hin. Der Doktor weiß alles.Abend, Klagen vor einer Höhle.Dunkelheit. Sie saßen am Eingang der Höhle.Nachts. Verzweiflung in der Höhle.Die Liebesgeschichte der Astarte, einer babylonischen Venus.Huldvolle Ansprache und Feldzugsplan.Drittes Buch BagdadBeginn der Fahrt nach Bagdad.Methodische Betrachtung: Ein Verkehrshindernis und seine Folgen.Zweite methodische Betrachtung: Untaugliche Mittel zur Beseitigung des Unglücks.Das Zusammenspiel der irdischen Dinge und die endliche Erlösung vom Warten.Sie fahren! Heil uns!Konrads des widerspenstigen Büßers erster Gruß an Bagdad! Ein Loblied auf das menschliche Dasein.Kleiner erster Spaziergang.Begegnung mit den Juden.Von einem Hotel und von Wanzen, die in Bagdad fehlen.Überraschung: Ein dritter Babylonier!Verschiedene Meinung zweier Diener über ihren Herrn.Die babylonische Überlegenheit soll durch Unterricht befestigt werden, ein schwieriges Manöver, die erste Stunde beginnt.Ihr Schreck: Sie verstanden sein Babylonisch nicht, und erheitern sich mit Geschichten aus ihrer persischen Heimat.Zweite babylonische Stunde. Der Alte schießt mit schwerem Geschütz, die Schüler halten sich schwer.Ein neuer Lehrer wird gesucht. Wir stellen vor: Nadschi, der Säufer.Erster Teil des neuen Unterrichts. Immerhin ein Anlauf.Nadschi äußert auf vielfache Weise sein Erstaunen über die Absicht der Fremden, grade Babylonisch zu lernen.Der Weisheitsstrom Nadschis wird durch eine großartige Eröffnung der Fremden gestoppt: Sie wollen gemeinsam Schatzgräber werden.Hoffnungsvoller Fortgang der Vorbereitungen zum Unterricht. Niederschrift eines Vertrags für die Schürfungen.Der Unterricht findet endlich statt, aber die Welt zeigt sich wieder erbärmlich.Kleines Nachspiel und stolzer Entschluß Konrads: Geradeswegs Rückkehr nach Babylon!Das Kamel, seine Herkunft, seine Verwendung und seine Meinung.Konrad befragt das Orakel über sich selbst.Was Konrad dem grauen Orakel antwortet, und wie er sich doch auf ihren Höcker setzt und nach Babylon reitet.Es ist aus mit dem heldischen Plan. Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder.Die kriminellen Erlebnisse Waldemars, des sanften Heinrichs. Der tote Schimmel vertreibt sie aus Bagdad.Nachruf auf Bagdad.Viertes Buch KonstantinopelErster TeilIhr seid Menschen, und wie ihr euch dreht, ihr entgeht euch nicht.Fahrt durch Kleinasien mit reicher historischer Aufklärung.Wie Irak ein freier Staat wurde.Geschichten von Urfa und das sehenswerte Verhalten eines kurdischen Eides.Waldemar führt ein Sonderdasein im Packwagen.Kephalos, zur Erheiterung und Zerstreuung eine Zaubergeschichte.Abschluß der Fahrt. Sie nähern sich wie zarte Wolken der Stadt Istambul.Melusine ist anderer Meinung und zieht den Fischschwanz vor.Erschlaffung und Trauer.Keine Unterbrechung. Die erste Liebesgeschichte.Der erste Spaziergang.Die erste Nacht.Traum nachher.Grauer Morgen.Ein Schwede und ein Franzose machen gewaltige Anstrengungen, um zu eindeutigen gradlinigen Handlungen zu kommen.Meinungsaustausch über Liebe zwischen zwei Männern, es kommt zu Beleidigungen.Der Autor seufzt, die Leser klagen.Numero zwei: Das Konkurrenzmädchen.Konrad lernt die Liebesfolter kennen.Die Kleine liebt, blickt zum Fenster hinaus und weint.Süßer Traum eines enttäuschten Mädchens.Waldemar, der Greis, spaziert durch Istambul, und nichts zu suchen, das war sein Sinn.Die Tücke der Großstadt zeigt sich in neuer Form.Einiges Interessante von den Zigeunern, besonders über ihre Beziehung zu dem Igel.Der Igel und der Zigeuner.Fortsetzung Erster TeilWaldemar, das Schaf, läßt man leben, weil man seine Wolle will.Wie es der Bonbonmamsell noch erging, ein zartes Kapitel.Spaziergang und Traum im Wald.Murmeln des Quells und Traum zu zweien.Rückkehr aus dem Wald.Ausgespielt.Reden bei der Festtafel. Großes und fast vollständiges Loblied auf Konstantinopel.Ein völlig neues Kapitel: Das Geld, die Regeln seines Auftretens und seine Unzugänglichkeit.Der Fall Sisyphus.Ein Fall von Berufstreue.Kleine Vorkommnisse in Istambul.Man beginnt Münzen zu prägen, ohne die Münzhoheit zu besitzen.Aufblühendes Geschäft.Münzverbrechen und ihre Sühnung nach dem Schweizer Strafgesetzbuch.Erklärung des Autors in eigener Sache.Erstes Gespräch Konrad – Georg über die Basis ihrer Existenz. Hohnrede auf das Geld und die menschliche Dummheit.Zweites Gespräch Konrad – Georg: Kleine Korrektur am Ergebnis des ersten.Drittes Gespräch Konrad – Georg. Man hat den Ausgangspunkt längst verlassen. Es ist von römischen Hinrichtungen die Rede.Von der römischen Technik im Töten.Man kommt endlich auf des Pudels Kern, den persischen Außenminister.Konrads Werdegang.Die Geiß von Prinkipo.Wie recht Georg hatte! Die Geiß, ihre Sitten und Gebräuche.Gefährliche Spionagepläne wachsen am Grabe der Kaiserin.Irenes Hintergründe und frauliche Regungen.Konrad, Georg und Irene werden der Mittelpunkt großer politischer Vorgänge.Konrad, das Opfer, wird präpariert.Wie Konrad die Maßnahmen Irenes aufnimmt. Ein genialer Vorschlag.Irene fährt endlich ihr schweres Geschütz auf. Die ersten und letzten Stunden einer mißbrauchten Liebe.Die Wahl der Schönheitskönigin Plesire Nasib.Die Politik macht einen großen Schritt und eine gewisse Jemand bleibt auf der Strecke, ein anderer staunt, aber nicht lange.Behaglicher Ausklang der Liebesgeschichte, Ablehnung eines philosophischen Trostes.Von antiken und modernen Tröstungen.Der Autor blickt in Konrads Zukunft. Er vertraut auf den Trichter und die Schraube.Fünftes Buch KonstantinopelZweiter TeilNeben der Liebe der Alkohol. Planmäßige Ergründung der Erkältung Waldemars.Erprobung eines Liebestranks am untauglichen Objekt.Wettschlafen zwischen Waldemar und der Zigeunerin, Punktsieg Waldemars.Der Liebeszauber wird vollzogen, Waldemar erliegt doch!Waldemar wandert auf die Polizei, aber seine Freundin bleibt verschwunden.Von der Leistung der Polizisten und der Gegenleistung einiger Zigeuner.Alexandra wirft ihren Schatten voraus.Alexandra.Ein Mirakel. Betende untertänige Liebe.Es ist mit Frauen nicht einfach, jede Frau hat etwas anderes.Das schreckliche Geheimnis Alexandras.Konrad stellt eine Frage und Alexandra antwortet.Der Strudel.Die Stadt Istambul wird sichtbar.Zum Gedächtnis Justinians. Von dem wilden Tier »Mensch« und wie man hier Ordnung macht.Alexandra, eine Kentaurin.Alexandra, die Kentaurin, reißt Konrad, den Kentauren, mit sich.Herunter auf die Erde!Der nächste Tag, immer der nächste Tag.Das Ende von einem Lied, das kein Lied wurde.Sanfte Autofahrt. (Illustriert).Schwierigkeiten im Frachtverkehr.Von leidenden Menschen und der Entartung des Fleisches.Der Riese Atlas.Ich rufe Euch an wegen eines Mannes, der krank und betrübt ist.Das Ende Alexandras.Alexandra lebt fort.Die Eroberung Konstantinopels.Konrad sieht in den Spiegel.Von der Tyrannei des Leibes und der Herrlichkeit des Opiums.Der Opiumkrieg.Andeutungen über den Alkohol.Ein Bettler steht vor einem reichen Mann. Wer aber ist der Bettler und wer der reiche Mann?Großaufräumen bei Georg.Waldemar im Delirium und drohender Urteilsspruch gegen Konrad.Heute ist heute, Politik, Wirtschaft in der Türkei, von Haselnüssen und feinen Likören.Drei Liebchen tanzen noch einmal an. Aber heute ist heute und gestern bleibt gestern.Das Urteil gegen Konrad.Vollstreckung des Urteils.Georgs Ansichten über Chrisostomus Wolfgang Theophil Mozart.Der reiche, unbedenkliche Georg überblickt die möglichen Beschäftigungsarten.Begegnung mit dem russischen Zaren.Waldemar stirbt. Konrad verläßt die Stadt.Sechstes Buch ZürichEinsame Fahrt. Gespräch mit dem Mond.Halt in Straßburg, die Verbrennung der zweitausend Juden.Zürich, die sanfte Stadt, ausgegossen über Hügel am See.Barbara.Balthasar.Das Wettrennen mit einem Anhänger Zwinglis.Endspurt im Zürichhorn.Barbara bringt alles ins Gleiche.Siebentes Buch ParisAnonyme Ankunft.Von König Midas und dem Wasserschloß.Der erste Spaziergang, die Metro, Gespräch im Café.Anschließend Festessen und eine geschäftliche Verrichtung.Der elektrische Schiffsantrieb mit besonderer Berücksichtigung der Schiffahrt auf dem Genfer See.Es war aber an der Seine die Stadt Paris aufgebaut.Die aufgerissene Brust der Stadt. Konrad läßt sich von einem Querulanten Rechtsgeschichten erzählen.Was in den Hörsälen vorgeht und von dem jungen Mann, der sich eines andern annimmt.Er heißt Gaston.Fahrstühle, und was mit ihnen zusammenhängt.Gesang hinter fortgeschwommenen Fellen.Die Polizei tut auch Sonntags ihre Pflicht und weiß nichts.Die erste Nacht auf der Metrotreppe.Sturz der Titanen.Auf der Metrotreppe.Tanz der Sarazenen.Man trinkt auf die Zukunft und besonders auf Rache.Man säuft und läßt den lieben Gott einen guten Mann sein.Weihnachten.Wiedersehen macht jedenfalls einem Freude.Konrad muß sich den Bart schneiden lassen. Georg behandelt ihn wie Scipio die Stadt Numantia, bezw. umgekehrt.Feines Lokal in Passy.Georg will seinen Triumph. Einleitung einer Sonderfahrt.Der Sonderfahrt erster Teil.Der entschlossene König Mithridates.Und wie man auch in Rom munter ist.Sie landen. Paris ist keine Einbeere. Auch nicht der Sohn des Priamos.Schwere Wirkung der Fahrt auf Konrad.Wie kann ich dir helfen, Gott?Noch bist du nicht verloren!Konrad steigt aus dem Grab hervor.Unmutsausbruch einer Anzahl Leser. Der Autor läßt sie sprechen, begründet die Stoffwahl.Beschluß in Contumaciam gegen Konrad wegen übler Entwicklung etc.Der erste Schritt Konrads.Folgenschwerer Unfall eines Triumphators: Er gerät unter seinen geplanten Triumphwagen.Das neue Leben Konrads beginnt. Die Taten des Herakles. Kampf mit dem Drachen.Ein hörbares Hm stellt sich ungezwungen ein.Konrad verficht sein Recht vor dem englischen Unterhaus und wird in Disziplinarstrafe genommen.Amalie.Erste Begegnung mit dem Heroismus.Erklärung Suchomlinows.David Lloyd George.Der Fall Calas.Sturm auf die Bastille.Verzweiflung eines beschäftigungslosen Monarchen.Kleine alltägliche Gegengifte.Wie es Amalien mit Konrad nicht so glückte wie mit ihrem ersten Mann.Konrad spricht zu Amalie vom Geld, aber seine Stimme ist nicht klar.Konrads großes Weinen über die Städte.Der Entschluß.Die Glocke schlägt.Von diesem Tag an war Konrad im Innern und Äußern verändert.Im Süden.Das ist der Humor davon.Die lichte Wahrheit.Die alte Rüstung klirrt.Der Tauschkönig.Das Königstier bietet sich an.Da fiel die Rüstung von ihm.Die Burg Namenlos und Konrads Ende.AnhangEditorische NotizDaten zu Leben und WerkNachwortEntstehungskontextPublikationsgeschichteRezeptionsgeschichteBabylonische Gefangenschaft – Klage, Trauer und Erneuerung im ExilGötter im Exil – Schelme zwischen Melancholie und HeiterkeitQuellen und Stoffe – Altorientalische Mythologie und ›Hure Babylon‹Babylonische SprachverwirrungForm und Stil – Der humoristische und enzyklopädische »Dichtererzähler«Konrads WandlungLiteraturhinweise1. Texte von Alfred Döblin2. Texte über Alfred Döblin und sonstige Literatur3. Unpublizierte Quellen aus ArchivenDöblins Gesammelte Werke im Taschenbuch

Ein großer Herr ist in zeitgemäße Schwierigkeiten geraten und muß auf seinen bisherigen Aufwand verzichten. Er führt gemeinsam mit zwei anderen, die ihm anhängen und nicht besser als er sind, das Leben eines armen Schluckers, passiert viele Städte, von denen wir nur Bagdad, Konstantinopel, Paris nennen, um den Umfang ihrer Anstrengungen und der vorhandenen Widerstände anzudeuten.

Vieles aus dem Gebiet der Liebe, des Trunkes, der Betrügerei tritt dabei an sie heran, dem sie sich aktiv und passiv bisher nicht ausgesetzt hatten. Die herrlichen Städte zeigen ihre Baulichkeiten, ihre Tugenden und Laster, ihre geschichtlichen Hintergründe, ihr reges Geschäftsleben, woran sie sich in verschiedener Weise beteiligen.

Langsam gelingt es dem großen Herrn, auf den Schultern der beiden andern stehend, festen Fuß zu fassen. Er hält mit Seelenruhe durch.

Am Schluß muß er, der sich nicht freiwillig den Strapazen unterzogen hat, gestehen: die Reise war lang, aber es hat sich gelohnt.

Nebenbei ist es die Geschichte eines Adams, der viele Evas, aber keine Sünde trifft und schwer das Paradies verläßt.

Nebenbei die Geschichte eines Gewaltherrschers, der sich gottähnlich vorkommt, er wird durch den Spaß und das Elend unseres Daseins gejagt, sein Aufstieg zu einem armen Menschen.

Erstes BuchVorspiel im Himmel

Ein hochmütiger reicher Herr, Konrad mit Namen, erfährt zu seiner Bestürzung, daß er konkurs ist. Er muß, nur begleitet von einem Gefährten, sein kostbares Schloß verlassen und sich zu einer völligen Änderung seiner Lebensweise verstehen.

Konrad wacht auf und vermißt sein Frühstück.

Konrad war ein babylonisch-chaldäisch-assyrischer Gott und saß mit hochgezogenen Beinen auf seinem gewaltigen Thron aus Stein. Auf dicken Polstern ruhte der struppige alte Räuber und rieb sich Kinn und Nase. Ganz zusammengeschrumpft saß er in einer Ecke seines Throns, wie ein altes Äffchen, und kämpfte gegen die schreckliche Müdigkeit, die ihn nicht losließ. Sein Kopf hing nach vorne, er schnarchte.

Eine Mütze mit zwei Hörnern hatte er auf. Die kollerte auf seinen Schoß. Da glaubte er, ihm küsse jemand die Hand. Er machte eine segnende Bewegung und streifte die Mütze von seinem Schoß herunter auf seinen nackten Fuß. Er zuckte, riß die Augen auf, gähnte: »Wie spät ist es?« Die Mütze gab selbstverständlich keine Antwort. Konrad stemmte sich hoch und befahl: »Mir ist die Mütze runtergefallen.«

Die Mütze bewegte sich nicht. Auch sonst bewegte sich nichts. Rätselhafte Stille.

Da wurde der alte Held ganz wach, sog an seinen Zähnen, griff nach seinem Bart, schrie voll Zorn: »He, holla, keiner da, wer setzt mir meine Mütze auf? Mir ist die Mütze runtergefallen. Ich will frühstücken.«

Darauf bewegte sich nichts.

Er drehte den Kopf, sah an sich herunter. Gräßlich lang waren seine Fingernägel gewachsen, krumm wie Säbelscheiden. Er mußte schauerlich lange geschlafen haben. Sein rotes, mit Goldtressen besetztes, mit Tierfiguren besticktes Überkleid war zerdrückt, rissig, ausgebleicht. Es hing an ihm, er steckte drin wie in einem Gehäuse. Er ließ seine dürren Beine herunter. Ein Stock aus Pappelholz gehörte zu seinen Machtzeichen, der lehnte vorschriftsmäßig an seinem Stuhl. Danach langte er, stieß auf den Steinboden, krähte mörderisch: »Meine Mütze ist mir runtergefallen. Ich will frühstücken!« Ja, Konrad, der Pascha, der zur Ruhe gesetzte Löwe wollte seine Ordnung.

Und da kamen sie vom Estrich hoch, einer nach dem andern. Sie waren noch mehr verkommen und zusammengeschmolzen als er. Sie lagen wie trockene Äste, wie erstarrte Schlangen kreuz und quer auf dem Boden, und wanden sich jetzt hoch. Das Bild war so toll, daß dem Konrad oben auf seinem steinernen Thron der Mund offen stehen blieb und er nicht weiter schimpfte. Er stülpte sich die Mütze auf, schloß die Augen, öffnete sie entsetzt. Sie waren uralte Männer, an sechzig Stück, mit einem ganzen schimmlig weißen Haarwald an sich, der floß vom Kopf und den Bärten, mit langen tastenden Armen in weiten Überröcken. Eine Verwirrung befiel Konrad.

Das Lumpenpack unten fing an zu husten, sich die Mäntel zu raffen, die Bärte über die Schultern zu werfen, sich vor ihm zu verbeugen, durcheinander, windschief wie verregnetes Getreide. Sie wollten sich bücken, aber es ging nicht, sie machten gymnastische Übungen. Der alte Räuber oben tobte. Da stand der Chor still.

Nunmehr sann Konrad nach, schnüffelte um sich, besah sich den Schaden und knurrte: »Wie war das eigentlich? Wir haben wohl allesamt geschlafen?« Sie waren imstande das zu bejahen. »Eine tolle Sache!« brüllte Konrad, »warum habt Ihr denn geschlafen? He? Was? Wer hat hier gearbeitet? Wie war der Dienst verteilt? Wer hat die Sonne heraufgeholt, heruntergeführt? Wo ist sie überhaupt? Und wann bekomm ich zu frühstücken?«

Sie verbeugten sich stumm, krachten mit den Gelenken, es ging schon besser. Konrad beobachtete das Pack mit Wut. Aus den Kerlen war nichts heraus zu kriegen, man mußte mit ihnen Geduld haben. Nach einer Weile krähte er sie wieder an, sie blickten schon vernünftiger: »Wer ist der Türhüter? Wer hat die Sonnenpferde zu füttern gehabt, wer?« Und als sie sich ansahen, fiel der ganze Schreck auf ihn: »Die Pferde, die Pferde sind verhungert.« Und diese Sache und die ganze Situation war so ungeheuerlich, daß er schallend loslachte. Er lachte und schrie auf seinem Sessel. Er lachte helle Tränen. Die Kerle hatten die Pferde verhungern lassen, nicht auszudenken, und was sonst passiert war.

Er wischte sich die Tränen ab. »Ich bin doch,« sagte er still für sich und näherte sich der Zentralfrage, »ich bin doch Konrad und habe die Welt geschaffen?« (Wir bedienen uns des modernen Namens Konrad, weil wir ihm nicht gestatten wollen, sich hinter seinen großartigen alten Namen zu verstecken.)

Zwei von den Bartträgern sahen ihn demütig an. Es schien, sie verstanden ihn. »Ich habe doch, ich, die Welt geschaffen?« Sie nickten. Er seufzte, schnüffelte wieder um sich: »Zeigt sie mir!«

Darauf zogen die beiden zwischen den Säulen ein paar Vorhänge hoch. Mörtel kollerte herunter, Ziegelsteine lösten sich, krachten in den Saal. Konrad brüllte: »Aufhören.« Sie sagten: »Da ist die Welt.« Konrad schnüffelte: »Das ist sie nicht.«

Er roch schon den Braten, aber der alte Wüterich wollte die Schuld auf sie abwälzen, das war seine Methode. Wie die zittrigen Dummköpfe noch mehr Vorhänge aufziehen wollten, klatschte er in die Hände.

Er saß auf seinem Platz. Ja, es war sein Thron, wenn auch eine Armlehne abgebrochen war. Wenn er schrie, er merkte es beklommen, donnerte es nicht. Wo waren seine Blitze. Da lagen zwei am Boden. Er langte danach, ließ sie heimlich fallen. Sie klirrten bloß, altes Eisen. Er richtete sich auf.

Von den Kolbennasen der Himmlischen und ihrer Diät.

Es ist an dieser Stelle nötig, die Herrschaften, die wir in ihrer letzten Verkommenheit vorführen, zu beschreiben. Man kennt die Bilder, die von den babylonischen Oberherren überliefert sind. Ich verrate keine Neuigkeit, wenn ich mitteile, die Bilder stimmen nicht. Sie sind von einfältigen Menschen aus dem Kopf angefertigt. Sie sahen anders aus, diese ehemaligen Löwen, Verderber, Gewaltherren, Räuber und Prasser.

Ihre bärenstarke Brust, ihre gewaltigen Arme, die Beinmuskeln waren längst verkümmert. Allesamt waren sie aufgeschwemmt und hatten ein mächtiges Fettpolster an sich gesammelt. Sie saßen bei einander in ihrer schummrigen alten Halle, die sie sich in ihren starken Zeiten gezimmert hatten. Waffen und Streitwagen standen nebenan im Stall. Kaum daß sie noch ein paar Schritt gehen konnten. Einige von sich hatten sie dressiert, das Notwendigste für die Welt zu verrichten, die Sonne herauf und herunter zu führen, den Regenfall zu regeln, die Wolken entsprechend hin und her zu schieben, auch von Zeit zu Zeit mit Hagelschlag zu zeigen, daß man noch da war. Aber es wäre verkehrt anzunehmen, daß auf diese Bedienung Verlaß war.

Die Oberherren, Konrad der Hauptkämpfer an der Spitze, hatten damenhaft feine Arme, die sie zu eleganten Bewegungen beim Sprechen benutzten. Ihre Beine waren kurze dicke Klumpen, zum Stehen und für kleine Schritte ausreichend. Essen und Trinken, Schmausen war die Hauptsache bei der verrotteten Gesellschaft. Das sah man ihrem Gesicht an. Sie lebten von Opfern auf der Erde, besonders Rauch- und Brandopfern. Dafür hatten sie kolossale Augen, ferner ungeheure Nasen. Die Augen sprangen ihnen gewaltig wie Fäuste unter den Stirnen hervor, mit diesen Augen spähten sie unausgesetzt nach ausgelegten Speisen auf der Erde, besonders nach solchen, die ihre Nasen nicht bemerkten, wie rohes Gemüse und Obst, denn sie verschmähten nichts.

Das Hauptorgan in ihrem Gesicht war die Nase. Statt eines weisen Gehirns, eines gütigen Herzens hatten sie sich diese ungeheuren Nasen angeschafft, mit denen sie meilenweit und unausgesetzt rochen. Sie ähnelten darin dem Vieh auf der Weide, das, wenn es nicht schläft, auch unausgesetzt rupft und kaut. Konrad konnte aus jedem Geruch herausriechen, woher er kam, ob von einem gesunden oder kranken Tier, ob es ein Stier, eine Kuh, ein Schaf, ein Lämmchen war, ob es guter Wein war, den man ihm hinstellte, oder Gepansch, ob frisches oder altes Brot.

Wohl uns, meine Damen und Herren, wären auch wir mit solcher Nase begabt und wären auch unsere Ernährungsorgane so eingerichtet, daß sie schon durch den Geruch befriedigt würden! Denken wir an die Arbeitslosigkeit, diese Plage unserer Welt, welcher Sorge wären wir enthoben, wenn die Armen statt zum Stempeln auf das Arbeitsamt, vor die Verkaufsläden oder in staatliche Magazine gingen und da alles, was ihr Herz begehrt, bloß röchen, Brot, Braten, Schinken, Wurst, Käse, Suppen, Bier, Wein aller Sorten, Kognak und Champignons, Steinpilze, Bratheringe, gebackene Hühner, Tauben, Bratgänse mit Zwiebeln und Äpfeln, falscher und echter Hase, Krammetsvögel, jede Sorte Wildpret, und da steht man je nach Appetit eine viertel oder halbe Stunde und schlemmt. Kranken könnte man die Speisen in die Wohnung bringen, die Erfindung eines Fernriechers würde nicht auf sich warten lassen. Wie gut wäre das alles.

Statt dessen erzeugt uns der Geruch vermehrten Appetit. Um den Neid auf die himmlischen Prasser freilich zu dämpfen, muß ich auf etwas aufmerksam machen, was man auf den alten Bildern nicht erkennt; ihre Nasen waren wenig schön. Es waren, wie ihre Ernährungsweise verständlich macht, dicke Zwiebeln, Zinken, gewaltige Erker, die ihnen vor dem Mund hingen.

Es waren, seien wir offen, regelrechte scheußliche lappige Blumenkohlgebilde. Solche Gurken hindern natürlich direkt beim Sprechen. Aber darauf kam es ihnen auch garnicht an. Um ihrer Leidenschaft zu fröhnen, versteckten sie sich vielmehr in den äußersten Winkel des Himmels, damit ihnen auch ja kein Luftzug entginge.

Vernünftige Priester kannten diese Zustände und wußten auch von den furchtbaren Zwiebeln und Knollen, die die Götter an Nasenstatt im Gesicht trugen. Aber sie deckten einen Schleier darüber und verbreiteten die Lehre: jeder stürbe, wer der Gottheit ins Angesicht sähe. Und so blieb die Sache unter ihnen, und wiederum die Götter haben ihnen allerhand nachgesehen.

Es ist eigentlich in der ganzen Weltgeschichte nur ein einziger Fall bekannt geworden, wo Kenner gegen die Diskretion verstießen. Das war in der letzten Zeit des Regiments dieses Räubers Konrad, der es mit seiner Faulheit und Korruption wirklich arg trieb. Es war in Borsippa, wo die Priester frech wurden, Opfer unterschlugen, Konrad mit Donner und Blitz dazwischenfuhr und auf seinem Schein bestand. Da plauderten sie aus, Konrad hätte eine Riesengurke, er solle sich einer Nasenoperation unterziehen, dann würde es in der Welt besser werden. Wir wissen, was für einen Stich das Konrad gab. Er war an seiner empfindlichsten Stelle getroffen. Er hat damals geschwiegen. Und das war schlecht. Das Nasengerede ging weiter, das Opferunterschlagen ging weiter, man unterdrückte noch einmal die Revolte, aber das Vertrauensverhältnis zwischen Konrad und der Welt war hin, zu einer autoritären Regierung langte es nicht, es war der Anfang vom Ende.

Wir kompletieren die Figur unserer babylonischen Oberherren mit der Schilderung ihrer Ohren. Es ist die gewaltigste Täuschung, der man sich über ihre Ohren hingibt, wenn man glaubt, sie hatten da, um Gebete zu hören, zu beiden Seiten des Kopfes mächtige Schalltrichter sitzen. Sie hatten gewiß kolossale Ohren, aber lappige wedelnde Elefantenohren, die ihnen wie Umhänge auf die Schultern herabhingen. Diese Organe wären an sich groß und empfindlich genug gewesen, um jedes Wort von der Erde aufzufangen. Aber grade daran lag den Herrschaften nicht. Die Riesenohren ließen sie nur dekorativ an sich herunter wallen, auch bedienten sie sich ihrer morgens und abends, wenn es zu heiß wurde, zu einem leichten Fächeln. Besonders aber traten die Ohren in Funktion, wenn die Nahrung knapp herauf kam. Dann fächelte jeder, was er fächeln konnte und suchte seinem Nachbar den Wind wegzuhaschen, ein klägliches, aber typisch babylonisches Schauspiel.

Der Oberräuber beschuldigt einen andern und läßt ihn holen.

Wie der struppige Oberräuber da also saß, schnüffelte, nichts roch – es kam nichts Riechbares – und nur eine mäßige Helligkeit da war (waren nicht eigentlich die Sonnenpferde schon tot? Wie reimte sich das zusammen?), da dachte der Restbestand eines Großen, oh wäre er auf seiner Höhe, in der Blüte seiner Kraft dahingerafft worden; es hat mich einer überfallen, mir die Zügel aus der Hand genommen und ich liege mit meinem ganzen Troß unter den Rädern. Denn offenbar geht der Weltbetrieb noch weiter. Er dachte an eine Art Familienstreit unter seinesgleichen. Und da fiel ihm, irrsinniger, fantastischer Gedanke, ein gewisser Georg ein, mit dem er sich viel herumgezankt und den er schließlich hier in seiner Halle an eine Säule gebunden hatte. Wer kann es sein, dachte der Tropf, als Georg? Wollen mal gleich nachsehen. (Wieder eine Möglichkeit sich zu drücken.)

Da stand der große Babylonier, einstmals Schrecken verstreuend, glänzend, jetzt eine vertrocknete wacklige Figur, von seinem Riesenthron auf, stellte sich auf die Beine, so fest es ging, kletterte steif die Stufen herunter, und schräg marschierte er, den Überrock nachschleppend, die Hörnermütze bis auf die Ohren, mit bösem Gesicht durch seinen Chor. Er konnte sich nicht enthalten, sich zu legitimieren, indem er einem, der nicht rasch genug auswich, eins in die Seite gab.

Und dann sah er sich um, die beiden Säulen an der Tür, und siehe da, hab ichs doch gedacht, nichts von Georg. Der Schuft ist ausgerückt. (Der Mann, wir wissen es schon, roch den Braten, aber unangenehme Dinge ließ er schwer an sich herankommen. Wir werden diese Charaktereigenschaft bei ihm noch in voller Blüte sehen.) Schau mal an, luge mal, gucke mal, sprach der Held sich diplomatisch zu, der Bursche ist ausgerückt, soll ihm übel bekommen.

Und schleppte sich entschlossen zurück, hing wieder oben. Die Bande, die Klappergestelle hatten sich inzwischen Trompeten und Trommeln verschafft und fingen damit ein schändliches Konzert an. Erst gefiel das dem alten Knaben. Vielleicht, vermutete er, renkt sich alles wieder ein. Dann mußte er seine Wut von sich geben. Er schrie: »Aufhören! Die Sache draußen stimmt nicht. Georg ist weg. Georg, mein alter Feind. Ihr habt ihn weggelassen. Er wird uns aushungern. Er ist schon mitten dabei. Euch aber, Ihr Schlafmützen, was soll ich mit Euch machen. Ich sollte Euch anfassen und in die eisigste Hölle stecken (ihm fiel ein, die Hölle wird auch nicht mehr da sein, aber die Esel merken ja nichts). Ich sollte meinen Blitz nehmen und ihn Euch zwanzigmal von rechts nach links um die Ohren schlagen, – wollen mal sehen, was dann noch von Euch übrig bleibt, Ihr Strolche, Ihr Verräter!«

Und plötzlich wurde er so von Wut auf die Gesellschaft gepackt, dazu von Raserei und Verzweiflung, daß er sie verfluchte und selbst glaubte was er sagte.

»A-aggazu« fluchte er, »o kibaka ammte kasaxaten gales.«

Das wiederholte er siebenmal. Wir lesen es als mexikanisch oder als Druckfehler, aber es war babylonisch, jetzt freilich völlig wirkungslos. Die 60 Mann glaubten, nun wäre es aus mit ihnen. Konrad hatte genug Besinnung die ausbleibende Wirkung vorauszusehen, sodaß er rasch das Notwendige tat, um sein Renommee zu wahren: Er sagte denselben Spruch rückwärts auf, wodurch er wieder aufgehoben wurde. In Grimm über sein vielfaches Pech befahl er der Männerriege jetzt aufzustehen und gab ihnen auf, koste es was es wolle, tot oder lebend, den Georg her zu schleppen. Er würde dann die ganze Angelegenheit untersuchen. So sagte er, redete er, der alte Räuber, der sich in der Falle sah. Er schickte sie übrigens auch weg, um festzustellen, was denn draußen überhaupt los war. Er selbst traute sich nicht.

Einholung des Entflohenen und Festkonzert im Himmel.

Was die sechs, die zum Erstaunen Konrads wirklich abfuhren, sich eigentlich bei ihrem Flug dachten, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich garnichts. Denn, daß die Bedienung des faulen alten Konrad die Intelligenz besonders schärft, ist nicht anzunehmen. Sie marschierten jedenfalls, sechs Mann hoch, ausgetrocknet wie die leibhaftige Hungersnot, ohne Waffen los, verließen sich, scheint es, auf den Schreck, den ihr bedauernswerter Anblick einflößen mußte.

Und wie sie nun draußen vor der Tür standen, bemerkten sie als erstes: es war so ziemlich alles weg, die Hallen für die Sonnenpferde, die großen Einfahrtstore, die Beratungsräume, besonders die Treppe und der große Fahrweg auf die Erde herunter. Man hing buchstäblich in der Luft. Es war eine verzweifelte Situation, bei der auch stärkere Nerven versagt hätten. Aber die Alten sagten sich mit Recht: Um so mehr müssen wir machen, daß wir hier wegkommen.

Sie schlichen an die Hinterseite des Baus und holten sich aus der Vorratskammer Flügel, schwarze riesige Fledermausflügel, die man unten gelegentlich bösen Geistern abgenommen hatte, so daß sie nur noch ein bescheidenes Dasein als Spaziergänger führen konnten. Diese Flügel schnallten sie sich um und flogen ab.

Was sie nun sahen, war hocherfreulich. Sie fielen von einem Staunen ins andere. Hier war massiv aufgeräumt. Die Reise war zwar alles eher als eine Märchenfahrt, aber hatte, je länger sie flogen, einen stark märchenhaften Charakter. Sie kamen durch riesige Räume und trafen nichts. Gelegentlich erkannten sie an einem Brummen, daß noch irgend etwas da war, ein einsamer großer Stern, sie hielten inne, langsam näherte er sich, der Lärm wurde gewaltig, die Helligkeit nahm schrecklich zu, dann sauste er ernst vorbei, ohne Notiz von ihnen zu nehmen. Sie setzten sich auf einen Kometen, die staunenden alten Herren in den verschossenen babylonischen Überröcken, und hielten sich umschlungen wegen des Gleichgewichts, die Beine angezogen. Obwohl sie froren, war es herrlich. Gleichmäßig sauste der Komet, dunkel lag das Weltall um sie. Mit einmal ruckte der Komet, als wenn er bremste, sie hielten sich fest und wollten schon abspringen, da bäumte sich der Vorderteil des Kometen, machte einen Bogen, streckte sich wieder. Die sechs drehten sich um, was da hinten war. Und herunter von dem Kometen, wie Schwimmer ins Wasser.

Und da lag auf einem sehr langsamen kleinen Stern etwas wie ein großer Müllhaufen und bewegte sich. Sie erkannten sofort, dies ist eine Filiale unserer Firma. Und bei einem gab es den entscheidenden Ruck: dies ist Georg. Und drauf und dran.

Mit Gebrüll gingen sie vor, mit Steinen bombardierten sie den Haufen. Der schüttelte sich bald, und aus dem braunen Ascheberg steckte einer seine rostrote Pfote, mit langen unnatürlich gewucherten Krallen wie ihre eigenen, alsdann kam eine zweite Pfote und zuletzt eine lange, zum Skelett abgemagerte fuchsartige Person, die schniefte, kroch hervor und legte sich oben zum Schlafen. Sie gaben keine Ruhe, er sei erkannt, es würde ihm schlecht gehen, diesmal gebe Konrad keinen Pardon. Da stellte sich dieser Fuchs auf die Beine, schüttelte ungläubig den klugen Kopf: »Höre ich recht, Konrad? Den gibts noch?« »Wirst es bald merken.« Der Fuchs blickte zweifelnd von einem zum andern und nickte: »So so. Wenn es denn stimmt, dann also weiter.« Er leistete sonderbarerweise keinerlei Widerstand. Es stellte sich heraus, daß er hier herumlag, weil er nicht weiter konnte. Sie mußten ihn auf den Rücken nehmen. Er roch grauenhaft und verhielt sich entsprechend ruhig. Als sie aber beim Abtransport ihm die Schönheiten des neuen Himmels zeigten und Konrad deswegen lobten, fiel er von einem Lachkrampf in den andern und war schwer zu tragen.

Wie sie oben stolz mit ihrer Beute antraten, hatte sich da ein Hochbetrieb entwickelt. Man feierte – man höre und staune, – den Sieg über Georg. Die Halle scholl von Siegeshymnen. Die Bartträger, kaum fähig sich auf den Beinen zu erhalten, glaubten einen Beweis ihrer Existenz liefern zu müssen, indem sie durcheinander krähten, paukten und posaunten: »Du bist der Große Konrad. Du hast den Himmel über die Erde gewölbt, mit Pflöcken hast du ihn am Meer befestigt. Im Staub liegt der schreckliche Georg, der Widersacher. Heil dir, großer Konrad, wir haben Hunger, was geht hier vor, heil dir.«

»Herr über Akkad, Elam, Amurru bist du, Herr über Akkad, Elam, Amurru bist du, die Pflöcke hast du befestigt, wir haben Hunger, was geht hier vor, wir fallen um, in Staub mit Georg, dem Widersacher.«

Der Fuchs an der Schwelle bewegte sich nicht. Das gabs also immer noch: den alten Räuber und Oberregierer Konrad, wie sah der aus, Hymnen, die Sternbilder.

Konrad blies sich auf, rückte seine Hörnermütze zurecht und legte frech und schallend los:

»Wir, Konrad, sehen dich, Georg, unsern schändlichen Widersacher. Du bist ausgerückt. Du hast vermeint, unserer Hand zu entrinnen. Es ist dir nicht gelungen. Mit unserer strahlenden Macht sind wir über dich gefallen und haben dein schändliches Werk zunichte gemacht. Wir werden nunmehr alles, was du angerichtet hast, ferner dich selber und deinen Anhang mit Stumpf und Stiel ausrotten. Gestehe, daß du geschlagen bist. Falle nieder!«

Darauf ungeheures Hallo, Begeisterung. Georg kroch näher. Er legte sich unten am Thron hin und sagte gleichgiltig: »Ich beuge mich.« Darauf neues Hallo. Nunmehr kletterte Konrad von seinem Thron und wollte sich auf den Fuchs setzen. Das war altbabylonische Göttersitte. Aber Georg rutschte beiseite und meinte: »Kommt nicht in Frage.« Konrad kreuzte die Arme: »Warum nicht? Bin ich Konrad, der Herr, oder bin ichs nicht? Bitte.« Es war ihm selber nicht klar. Der Männerchor tobte drauf los: »Akkad, Elam, Amurru, die Pflöcke eingesetzt, den Himmel befestigt.« Er unterbrach sie, die Sache war ihm schon bekannt: »Also,« und wollte sich abermals auf den Fuchs setzen. Der rutschte noch weiter: »Kommt nicht in Frage.« »Warum nicht?« »Die Zeiten ändern sich. Ich bin froh, wenn ich allein sitze.«

Daß den alten Held dieser Ton beleidigte, läßt sich nicht verschweigen. Immerhin, die 54 sahen ihm gespannt zu. Er merkte, er müsse hier was zeigen, griff nach dem Blitz. Die Garde warf sich auf den Bauch, schielte aber nach oben. Der Alte schwang den Blitz hin und her und, wie er voraussah, der Fuchs grinste. Er grinste ganz offen und flüsterte, für Konrad ausreichend hörbar: »Konrad, bloß nicht.«

Darauf legte der den Blitz beiseite. Der Fuchs wußte etwas. Man mußte die Leute entfernen. Sie fegten mit ihren Bärten ab.

Verhör des Flüchtlings, schreckliche Neuigkeiten von der Erde, ein Fluch von unbekannter Seite.

Der struppige Herr raffte seinen Rock, kletterte auf seinen Thron, setzte sich geängstigt, doch großartig in die Mitte und wollte mit einer geschwollenen Phrase beginnen. Da kam ihm Georg zuvor und fragte sehr ruhig: »Na wie gehts denn, Konrad? Nichts im Magen, was?« Der Fuchs zwinkerte gutmütig dem da oben zu. Der brüllte: »Sprich nicht, ohne daß man dich fragt. Hier ist Gericht. Was hast du getan, was treibst du in unserer Welt, unverbesserlicher Schuft?« »Was soll man tun? Man lebt.« »Und?«

»Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang und ihre vorgeschriebene Reise vollendet sie mit Donnergang.«

Konrad verstand kein Wort. Er winkte einen der Abgesandten von der Tür her: wo sie ihn gefunden hätten? »Er hat auch geschlafen, in einem fürchterlichen Müllhaufen.« Der Weltenherr staunte, schrie aber den Fuchs an: »Du bist ausgerissen.« »Stimmt, Stimmung.« »Also es stimmt.«

Der Gott war außer sich und höchst beklommen: »Was ist mit dem? Er ist verrückt.«

Darauf gab es ein langes stummes gegenseitiges Beschnüffeln, Begaffen, wütend von seiten Konrads, gemäßigt und trostvoll von Seiten des Fuchses. Der Bote mußte auf ein Kopfnicken Konrads wieder hinaus. Und jetzt scholl die Halle von einem Geräusch, das sie nie gehört hatte, von dem unverschämten Lachen des Fuchses. Der hatte sich auf seine langen dünnen Hinterbeine gestellt, nur Fell und Knochen war er, sein langer Körper schwankte, er stand Konrad gegenüber, der auf seinem Thron zurückgefallen war und lachte. Er lachte böse, hohnvoll, rachsüchtig. Er lachte so lange, bis er den alten Herrscher, das zusammengeschrumpfte Äffchen oben zittern und die Hände falten sah. Dann drehte er sich um und lachte gegen die Wände und Säulen. Dann hob er den struppigen Kopf und sank vor Vergnügen nieder beim Anblick der staubigen verbogenen Sternbilder.

Er lief einmal im Kreis im Saal herum, biß in die Säule, an die er einmal gefesselt war. Er sprang in die Höhe, um ein Sternbild zu schnappen, sprang zu kurz. Eins fiel von selbst herunter, und da zerkrallte er das Blechzeug und rollte es wonnig wütend über den Boden. Jetzt bellte er und trabte quer durch die Halle auf den Alten zu, der sich in eine Ecke des Throns verkroch. Konrad wagte nicht nach seinem Stock zu greifen. Der Fuchs knurrte den Stab an, biß hinein, der Stab ließ es sich gefallen, im Maul hielt der Fuchs dem erschrockenen Weltenherrn den Stock hin, der weiße Speichel lief ihm aus den Mundwinkeln, seine Augen funkelten vor Grimm. Und weil der oben sich nicht bewegte, ließ der Fuchs den Stock fallen, kroch vorsichtig die sechs Stufen zu dem Thron hinauf, beschnupperte Konrads herunterhängenden Göttermantel, riß einen Fetzen daraus. Konrad fuhr hoch: »Was tust du, Fuchs?« Der stellte sich auf den Hinterbeinen auf, schlug mit den Vorderpfoten auf den dürren Arm des Alten, der Speichel des Fuchses fiel auf Konrads Schoß, er gab dem Alten noch einen Schlag auf den Arm. Dann setzte er sich neben den Thron an Konrads Seite. Er legte den Kopf sich zwischen die Füße: »Es war die Begrüßung, die Einleitung. Das war zwischen uns beiden.« Konrad stöhnte: »Jetzt gehst du weiter, du Strolch.« »Noch immer das Hofzeremoniell. Das war nur unsere Privatabrechnung. Die Hauptsache kommt erst. Du wirst bald eine Neuigkeit hören. Dann wirst du nicht mehr Wert auf Zeremoniell legen.«

Konrad ließ die Beine herunter: »Was gibts?«

»Zunächst dich! Erlaube erst, daß ich mich erhole. Ich staune noch. Aber du mußt nicht glauben, du bist bloß dafür aufbewahrt. Man hat etwas mit dir vor. Jawohl, mein Lieber. Was du angerichtet hast, scheint alles zu übersteigen, was man sich ausdenken kann. Es wollen noch andere mit dir abrechnen. Darum ist etwas über dich verhängt.«

Die geborstene Säule. Jetzt klammerte er sich an die Lehne mit seinen kurzen Fingern: »Was?«

»Immer langsam. Wir haben Zeit, viel Zeit. Ich habe dir eine Botschaft zu bringen. Ich wollte sie dir schon lange ausrichten. Aber ich war behindert. Damals, du weißt, sind hier nach und nach die Opfer ausgeblieben. Ihr seid schwach geworden. Das Wedeln mit den Ohren hat Euch nichts genutzt, Ihr hättet die Ohren auch manchmal zum Hören benutzen sollen. Ich war Hunger gewöhnt. Als Ihr wie die Fliegen umfielt, konnte ich mich von der Säule losreißen. Ich hätte Euch ohne weiteres alle umbringen können. Ich hatte mehr zu tun. Das Haus krachte in allen Fugen. Es war ein Erdbeben, ein Himmelbeben. Ich machte mich jedenfalls aus dem Staub. Ich dachte, an Euch bleibt nichts ganz. Ich flog ab. Was es draußen gab, wirst du ja noch erleben. So was von Überlebtheit, mein Herr, wie Euch gibt es nirgends. Ich sage dir, Konrad, ein 200 jähriger Elefant ist gegen Euch ein Säugling, ein Greis ist mit Euch verglichen überhaupt noch nicht geboren. Ich kam auf die Erde. Da merkte ich allerhand, was mit Euch zusammenhängt, genauer mit dir, ein Gerede. Und dann Konrad, bin ich einem Fluch auf die Spur gekommen, der über dich und über Babylon ausgesprochen ist. Ein fürchterlicher Fluch, Konrad. Ihr sollt runter. Wir sollen alle runter. Wir sollen nicht sterben. Wir sollen erst am eigenen Leibe erfahren, was wir angerichtet haben. Darum sollen wir Menschen werden. Es ist Rache, Konrad, Gerechtigkeit. Ich war außer mir, als ich es hörte. Ich dachte mir, so wild haben wir es doch nicht getrieben. Aber jetzt, wo ich dich alten Verbrecher mit deinem Lumpenpack sehe, muß ich schon sagen, daß hier etwas notwendig ist.«

Konrad stöhnte: »Ich versteh nichts. Es muß ein Mißverständnis vorliegen. Was haben wir denn getan?«

»Die Flüche auf dich haben einen unglaublich robusten Text. Der Berg des Verderbens soll über dich kommen, weil du die ganze Erde verderbt hast. Die Quellen deines Landes sollen versiegen, Babel soll zum Trümmerhaufen werden, zur Behausung der Schakale, zum Entsetzen und Gespött, zur menschenleeren Stätte. Ein Land der Dürre und Steppe soll es werden. Die breiten Mauern Babels sollen bis auf den Grund zerstört, seine hohen Tore verbrannt werden. Du wirst der Heimsucher genannt, der Doppeltrotz, das Entsetzen der Völker. Du heißt Krieg und Verderben. Der Text stammt von einem gewissen Jeremias. Ich zitiere die Übersetzung von Luther.«

Konrad schüttelte sich und riß die Augen auf: »Ich kenne die Leute überhaupt nicht. Wer ist denn das? Wie kann man so etwas über mich sagen. Ich hoffe, Georg, du hast die Beschuldigungen zurückgewiesen.«

»Babylon ist durch dich zu einem gräßlichen Bild der Gewalt, der Tobsucht, des Mordes und des Schreckens geworden. Du hast Babylon zur Furcht und zum Angsttraum aller Menschen gemacht. Es ist das Bild der Zügellosigkeit, der Wüstheit und der Prasserei geworden. Wo der freche Hochmut triumphiert und wo die Menschenverachtung stolziert, nennt man deinen Namen. Ihr seid das scheußliche Bild der tierischen Gemeinheit und der glatten Bestialität geworden.«

Konrad schlug die Hände zusammen, die Augen quollen ihm vor, er keifte: »Eine Gemeinheit ist das. Daß ich mir solche Frechheiten anhören muß. Ich habe regiert, Ordnung geschaffen, befohlen. Ich werde gegen die Leute vorgehen.«

»Mein Lieber, dein Geschrei kommt zu spät. Man kennt dich vollkommen, bis auf die Nieren. Die Menschen und die Völker, die du heimsuchtest, sind verschmachtet, als sie in ihren Städten Speisen suchten, um ihr Leben zu fristen. Sie starben, denn sogar die Luft über ihnen war verpestet. Schakale haben ihre Brust entblößt, um menschliche Kinder, deine Opfer, zu säugen. Die Kinder liefen in Scharen auf die Landstraßen um Brot. Sie fielen wie Heuschrecken über die Felder her und zerbissen grünes Gras. Sie zerrieben die Borken von den Bäumen, um sich den Mund zu füllen. So hast du gewütet. Das hat dein Schwert, das nicht ruhen wollte, deine Grausamkeit gemacht. Die zarten Töchter sind verzweifelt und haben Menschen angefallen, wild wie die Strauße in der Steppe.«

»Das war nicht ich, Georg. Glaub es mir. Ich weiß davon nichts. Ich saß hier oben. Du mußt es doch wissen.«

»Es waren deine Könige, Gewaltherrscher, Unterdrücker, deine Priester. Was du oben machtest, machten sie unten. Keiner wäscht dir das ab. Und weil das so ist, so soll an dir die Schuld heimgesucht werden. Du Untier der Gewalt, dein Hochmut soll gefällt werden!«

»Das sind furchtbare Übertreibungen, Georg. Es ist ja entsetzlich.«

»Weine nicht, es nützt nichts mehr. Was du angerichtet hast, wirst du erfahren. Es steht dir bevor. Weil du die Gewalt besaßt, hast du geglaubt, dich der Verantwortung entziehen zu können. Aber die Gerechtigkeit ist stärker als du. Wenn du kommen wirst und die Menschen dich erkennen, werden sie in Jubel ausbrechen, wie du lang ausgestreckt daliegst, du Drache, Bösewicht, gefräßiges Haupt der Bösen.«

»Das hast du wohl alles auswendig gelernt, du Schuft?«

»Ich leugne nicht. Die Sprache hat Wucht, man behält sie gut, ein einprägsamer Stil. Ich wollte es dir schon lange überbringen, aber ich blieb liegen. Die Gerechtigkeit, mein Lieber, kennt kein Ende, trotz allem was dagegen spricht.«

Konrad zog die Beine wieder an, kroch in seine Ecke, hielt sich die Fäuste vor die Augen, die voll Wuttränen standen. Und in ihm war die Erinnerung wach an seine ehemalige Riesenmacht, an die Scharen, die er kommandierte, an seine grandiosen Schlachten, an die Könige, die ihm dienten, die vor der Sündflut von Sutaru Larsa bis Surupat 200000 Jahre lang, die nach der Sündflut von Kis, Uruk, Dandikassu, Chaldäa. Ich habe ihnen befohlen mir zu opfern, dazu sind sie ja geschaffen, sie sollen meine Knechte sein und alle Völker, so viele sich ihnen stellen, knechten, damit man mir Frondienste leistet, in neue Kriege zieht und uns herrliche Paläste baut, wie sich das für uns gehört. Das war an der Ordnung. Was soll denn plötzlich daran nicht an der Ordnung sein. Vielleicht hat einer hie und da übertrieben, man kann nicht hinter allen Leuten her sein. Und jetzt soll ich Schuld sein und nun verfluchen sie mich.

Und der vertrocknete alte Tyrann rieb seine mageren langen Beine, bitter sah er sie an, sein dürrer Kopf legte sich plötzlich rückwärts, die Hörnermütze fiel wieder herunter. Weißgesichtig hing er da oben.

Vergebliches Parlamentieren. Es muß geschieden sein.

Auf den Ankläger, den grauen Fuchs, machte das keinen Eindruck. Er wußte, der Alte spielte gern Theater, besonders wenn es ihm schlecht ging. Immerhin alarmierte er in den Kammern draußen die versammelten Bartträger, die da beieinander hockten und klatschten. Trommeln, Pauken und Flöten schleppten sie in den wüsten zerbröckelnden Saal. Unheimlich still war es drin. Konrad lag oben ohnmächtig schräg rückwärts. Der Fuchs beobachtete ihn kalt und mit Genugtuung. Die Alten fingen sofort an zu wimmern. Sie merkten, es wurde ernst. Sie beschworen den Babylonier sich zu erheben. Das alte Lied umzog wieder den Thron:

»Vater, Herr, Großer, Haupt der Götter! Dessen Königsherrschaft vollkommen ist.« Dreißig sangen, dreißig verneigten sich und murmelten: »Vater, Herr, Großer, Haupt der Götter.«

»Der in voller Majestät näher schreitet«, Murmeln, Verbeugen, »Vater, Haupt der Götter.«

»Oh starker junger Stier mit starken Hörnern, vollkommen an Gliedern, mit vollem Bart, Pracht und Fülle, selbsterzeugte, entwickelte Frucht, schön anzuschauen«. »Vater, Herr, Großer, Haupt der Götter, dessen Königsherrschaft vollkommen ist.«

»Erschaffer des Landes, in dessen Hand das Leben der ganzen Welt ruht, Erschaffer der Länder, Verkünder ihrer Namen, du Rüstiger, dessen Kniee nicht wanken.«

Mit großen Augen saß Konrad oben. Noch sind wir nicht verloren. Wir lassen uns nicht ins Bockshorn jagen. »Sagt mir, wer stand mir noch immer zur Seite?«

Sie schnurrten beglückt ihr Abc herunter: »Adua, Anu, Assur, Bal, Balit, Gaga, Gurru, Jamlet, Julu, Dagan, Ea, Ira, Istar, Kadi, Chami, Nabo, Nama, Ningel, Nargal, Ninib, Nusku, Sin, Schala, Schalman, Schamasch, Sibitte, Taschinitum.«

»Meine Könige, meine Knechte, meine Löwenwagen, meine Kriegsmacht, meine Beile? Wo sind sie?«

Es war Georg zuviel. »Fängst du schon wieder an? Du hörst doch, es ist aus damit. Du hast ausgespielt.« Und er kläffte so wütend, daß die Bartträger auseinanderstoben. Der Fuchs kroch zu dem Großen herauf, der aus Angst wieder die Beine hochzog und bettelte: »Ich hab ja bloß Hunger, Georg, solchen Hunger.« »Glaub ich,« schimpfte Georg, »ich auch. Wir müssen eben weg.« »Müssen wir wirklich, Georg? Muß ich mein herrliches Schloß verlassen? Ein Umzug in meinem Alter. Was werden sie mit uns machen. Es wird uns doch schlecht gehen, bei solchem Fluch. Vielleicht liegt eine Verwechselung vor.«

Der andere zerrte an ihm: »Heule nicht vor dem Pack. Sonst blöken sie wieder los. Du hast dir die Suppe eingebrockt.«

»Ich, der Sieger von Akkad, Balit, Gaga.«

»Büße, Konrad!«

»Ach ich mag nicht zu den Menschen. Wer ist überhaupt Jeremias? Es ist doch eine unerhörte Zumutung. Geh’ du runter und opfere für mich.«

»Ich denke nicht dran.« Georg tat, als ob er aufbrach, übrigens war er genau so ängstlich wie Konrad.

Da mußte der Alte sich aufrichten. Er ließ sich seinen Stab reichen, seine Mütze festsetzen, der alte Weltenschreiber trat unten mit seinem Buch vor, Konrad diktierte das Schlußprotokoll, wie es die ewige Himmelsordnung erforderte:

»Wir, Konrad, babylonisch-assyrisch-chaldäischer Weltenherr, Besieger von und so weiter, Erschaffer und Baumeister des Himmels, der Erde und so weiter, waren durch Unpäßlichkeit längere Zeit verhindert Eintragungen zu machen. Wir waren mit unserm ruhmreichen Geschwader von Göttern und göttergleichen Gehilfen (das Siechenhaus) von unsern unsterblichen Siegen überwältigt gewesen und haben uns ausgeruht. Erfrischt und wieder wach stehen wir da, und siehe, wie wir die Welt, die wir, siehe oben, gebaut und so weiter haben, anblicken, so finden wir sie in Unordnung. Ja, es scheinen verbrecherische Gewalten an der Arbeit zu sein, aus der Schar unserer Widersacher, die die Opfer, die für uns gebracht werden, Stiere, Schafe, Hammel, Wein, Honig, uns wegnehmen, so daß wir hungern. Darum brechen wir jetzt auf und werden …« Der Fuchs unterbrach: »Werden sehen, wie wir was zu essen kriegen.« »Und werden wieder die alte, strenge, von uns errichtete Ordnung in das Weltall bringen.«

Es blieb noch zu erörtern, was man mit den Alten machen sollte.

Georg spottete: »Segne sie.« Das tat Konrad. Er segnete sie ergiebig. Es schien auf die mißtrauischen Herren keinen Eindruck zu machen. Sie wollten wissen, was mit ihnen geschehen würde. Da gelang es Konrad zu seiner eigenen Verwunderung, sie wenigstens für den Augenblick zu beruhigen. Er erhob sich, ließ sich Überkleid, Mütze und Stock abnehmen. Er hieß sie auf den Stuhl, seinen Sitz legen und gab zu Protokoll: »Unser Überkleid, unsere Mütze, und unsern Stab aus Pappelholz, dazu unsern Blitz, haben wir beim Verlassen unseres Hofsitzes im äußersten Himmel auf unserm Thron niedergelegt, zum Zeichen, daß wir unsere Herrschaft eisern festhalten und gegen unsere armseligen Feinde verteidigen werden. Mögen die Welten Akkad, Elam, Amurru wissen, diese Zeichen unserer Gewalt, unser (zerrissenes) Überkleid, unsere (durchlöcherte) Hörnermütze, unser (wurmstichiger) Stab aus Pappelholz und nicht zuletzt (das Stück Eisen) unser Blitz warten hier oben. Und wir übergeben sie für die kleine Zeit unserer Abwesenheit, während der kommenden Kriegsoperationen, des Vormarsches, der Frontentwicklung Euch, unseren göttlichen sechzig Gehilfen, zur Aufsicht, und dem Ältesten unter ihnen zur rücksichtslosen Anwendung.«

Darauf taperte die gebückte Heldenfigur die Treppe herunter. Die Senatoren wußten nicht, was sie zu dem Ganzen sagen sollten. Es war ein Überraschungssieg Konrads. Er gab seine Unterschrift unter das Protokoll. Oben hing der Rock, die Mütze, auf dem Sitz lag der Stock und der Blitz. Ein erneutes Krächzen und Pauken war noch einmal um Konrad. Die 60 rochen den Braten, dem Konrad war sehr flau, Georg trieb zum Abmarsch.

Die Hände rang draußen der Verbannte: »Was soll aus ihnen werden?«

Georg schimpfte: »Delinquent du, paß lieber auf, was aus dir wird.«

Abfahrt, erster Achsenbruch, die alten Beförderungsmethoden.

Vor Jammer mußte sich Konrad draußen am Umgang des Palastes hinsetzen. Daß die Treppe ab war, hatte er gleich bemerkt. Ihm war jetzt aber alles egal. Er ließ die Beine in den Weltenraum baumeln. Und dabei passierte ein Unglück. Er fiel nämlich herunter.

Ich sagte schon, daß beim Blick von dieser halbabgebrochenen Walhalla herunter die Nerven der schwindelfreisten Alpinisten versagt hätten. Konrad stierte nun friedlich dumm in den Abgrund und tat in seiner nicht weniger tiefen Ahnungslosigkeit das, was er zeit seines Lebens getan hatte, wenn er einen Ortswechsel vornehmen wollte: Er dachte nämlich an den Ort. Das genügte früher. Für ihn war es dasselbe, an den Ort denken und da sein. So war er seinerzeit bequem gereist, wenn ihm oben das Anhimmeln zuviel wurde und wenn er auch – lang ist es her – auf Abenteuer ging.

(Wohin kämen wir freilich in dieser Welt, wenn irgendwer so den Ort wechseln könnte.

Wo kämen etwa die Mädchen hin, die ein Kavalier irgendwo einlädt, er läßt mächtig auftafeln, sie essen, trinken, amüsieren sich nach Strich und Faden, und mit einmal, quasi aus heiler Haut, steckt er sich eine Zigarette an – und liegt prompt zu Hause im Bett! Solo! Wen er alles geschädigt hat, ist garnicht auszudenken. Das Mädchen, wie wäre sie blamiert, nehmen wir den geringsten günstigsten Fall an, es ist noch nichts weiter vorgekommen, es war nur eine erste vertrauliche Fühlungnahme, aber es gibt Kojenkaffees mit Vorhängen und diskreten Kellnern, es gibt auch Separees, Mädchen sind ahnungslos oder neugierig oder beides, und mit einmal ist er weg einschließlich Hut und Mantel, und bloß eine schäbige Zigarettenschachtel mit drei Zigaretten zu fünf steht noch auf dem Tisch, und sie wartet und wartet, und dann fragt sie den Ober, und dann sehen sie auf der Toilette nach, dann ist er wohl zum Fenster rausgestiegen, der Strolch, aber keiner hat was gesehen, sowas, die Schupo findet auch nichts, der liegt einfach zu Hause zu Bett und raucht seine Zigarette zu Ende, dolle Sache, aber Gott sei Dank völlig unmöglich.

Oder stellen Sie sich das bei Einbrechern vor, bei Verhafteten und Verurteilten. Nun sitzt der mit sechs Jahren Zuchthaus wegen Rückfall, sitzt eine Woche, vielleicht noch einen Tag, und dann – spaziert er plötzlich wieder in der Gollnowstraße oder in Weißensee natürlich mit Hornbrille und Schnurrbart. Wohin, fragt man angesichts solcher Ausblicke, käme man da mit dem ganzen Strafvollzug? Das Gebäude unseres Rechtslebens geriete ins Wanken. Aber, wie gesagt, es ist unmöglich.

Und dann Haremssituationen. Welcher undelikate Mensch – und leider sind die meisten Menschen undelikat, schließen wir uns nicht aus –, welcher undelikate also Mensch möchte nicht mal, wenn er per Zufall an einem Harem vorbeispaziert, und er sieht die vergitterten Fenster, und ein Eunuch wetzt oben mangels anderer Organe sein Schwert, – wer möchte nicht plötzlich rein und möchte alles, meinetwegen zunächst unbeteiligt, ansehen? Und wohin kämen da die Damen Suleika, Mallorka und Minorka, und was hätte ein so betrogener Haremsherr von seinem ganzen Harem, der ihn viel Geld kostet? Er würde ihn einfach auflösen. So würde auch für den Orient der gedankenmäßige Ortswechsel schwere Folgen nach sich ziehen.

Ich lasse beiseite die Einbuße der Eisenbahnen, Autos, Schiffe und so weiter. Ganze blühende Industrieen würden ruiniert werden. Übrigens auch der Frachtverkehr, denn natürlich wer sich irgendwohin frei durch Gedanken versetzen kann, kann auch mittelschwere Körbe, Koffer, Kisten mitnehmen.)

Konrad aber kannte den Transport durch bloßes Denken. Und darum beäugte er jetzt die furchtbare Demolierung seines Palastes, plärrte ein bißchen und – dachte – an Babylon.

Und weil er merkte, er war nicht gleich da, gab er sich einen kleinen Ruck. Und da geschah etwas Komisches. Von der Balustrade war er herunter, die Balustrade und sein abgebröckeltes Schloß war von ihm entfernt, erst auf Handbreite, dann mehr. Aber nun verschob sich alles! Der Götterherr fiel nicht, er watete, klebte, kam nicht von der Stelle. Er ruderte mit Armen und Beinen, um zur Halle zurückzukommen. Seine Beine gehorchten nicht, sie nahmen eine unnatürliche Stellung ein. Der große Konrad ging schräg in einem Winkel von 40 Grad, also so <, aber ohne zu fallen! Jetzt trat er mit den Füßen weit auseinander wie ein unglücklicher Skiläufer und pendelte mit den Armen. Ach, er war wagerecht umgelegt, und einem merkwürdigen Trieb folgend stellten sich seine Beine sogar nach oben! Welche Demütigung. Da merkte Konrad, daß es ein eigentümliches Ding mit dieser neuen Welt war. Er wußte nicht, er war in den zähen, starren Äther dieser Welt geraten. Die Bodenplatte des Schlosses sah Konrad zwischen seinen Beinen, das Schloß entfernte sich schwimmend von ihm, ihm kam vor, als wenn er jetzt über dem Schloß schwebte. In die offenen Fenster sah er hinein, wirklich, da kauerten die Alten, da hing über dem leeren Thronsessel sein Mantel! Welch Jammer.

Wäre nicht Georg gewesen, wir müßten unsere Geschichte schließen, die den Bußgang Konrads auf unserer Erde schildern sollte. Denn die Alten, die Sechzig halfen nicht. Da erschien Georg auf der leeren Balustrade mit zwei Flügelpaaren! Er sah sich um, er rannte herum, er ließ vor Schreck die Flügel fallen. Konrad abgestürzt? Aber da hing er, der Unglückliche, jämmerlich geknickt, im Kopfstand, dicht vor ihm, nur fünfzig Schritte geradeaus. Sein Flügelpaar schnallte sich Georg an, und mit einem kleinen Schlag war er bei Konrad, der noch nicht den Arm ausstrecken konnte. Das Anlegen der Flügel ließ der Babylonier sich gefallen. Aber Georg sah ihm an, er hatte nur vor, gradeswegs in seine Halle zurückzufliegen. Dem verwöhnten alten Knaben paßte dieser Reisebeginn nicht. Georg war seiner Aufgabe gewachsen. In einem leichten Luftkampf drängte er den andern von der Halle ab. Ihre große Fahrt begann wie ein Gefangenentransport. Konrad grämte sich eine ganze Weile: »Du willst mich meinen Schindern und Folterern in die Hand geben. Du bist mein Feind.« Sagen wir ehrlich, Georg, der alte Untertan, war stolz auf seine Rolle. Stolz, zärtlich und glücklich nahm er seinen Herrn, den großen Lumpen, in Empfang.

Er verschwieg, daß er sich allein unten nicht bewegen konnte, der große Strolch fehlte ihm. Jetzt hatte er ihn. Ich werde ihn schon durchbringen. Es ist alles halb so schlimm. Er soll mal sehen, wer ich bin.

Astronomiestunde.

Sie flogen und flogen. Das Fliegen beruhigte den Alten. Nach einer Weile hörte Georg hinter sich Konrads Stimme »Wer hat uns eigentlich verflucht?« »Wird sich schon zeigen, wenn wir da sind. Werden sich schon melden.« »Eigentlich ist es merkwürdig,« vollendete Konrad, »daß sie es getan haben. Denn wenn sie uns nicht verflucht hätten, wären wir doch schon tot, und so leben wir wenigstens.«

Es schien ihm zu gefallen. Sie setzten sich auf einen kleinen erloschenen Stern, der grade vorbeikam.

Da fing der Alte, der einen trunken glücklichen Ausdruck hatte, zu sprechen an: »Georg, nein, das habe weder ich noch du gemacht! Das stammt wirklich nicht von uns! Das ist herrlicher, als alles, was ich sah.« Und der Alte sang auf dem erloschenen Stern sitzend, die Welt, den schwarzen Äther, die vielen Lichter an.

Er wunderte sich, daß sein Lied von keiner Seite widertönte und rein verschluckt wurde. Sterne, Kometen, Nebel, nichts veränderte sich oder antwortete. Er fragte: »Was ist mit ihnen, Georg?« Der Fuchs rieb sich die Nase und meinte gleichmütig: »Es sind die Keplerschen Gesetze, damit sind sie vollauf beschäftigt und können nicht singen. Jeder Planet bewegt sich um die Sonne in einer Ebene, welche man die Ekliptik des betreffenden Planeten nennt, und zwar so, daß die von der Sonne nach dem Planeten gezogene Linie bei der Bewegung in gleichen Zeiten gleiche Flächenräume bestreicht. Die Bahn jedes Planeten ist eine Ellipse, in deren einem Brennpunkt der Mittelpunkt der Sonne steht. Für verschiedene Planeten verhalten sich die Quadrate der Umlaufszeiten wie die Kuben, dritten Potenzen der großen Halbachsen ihrer Ellipsen.«

Der Gott war sprachlos. Der Fuchs spazierte auf dem kleinen Stern herum. Konrad zog sich den Mantel über die Ohren, saß: »Ist das wahr?« »Natürlich. Wie sollen sie unter diesen Umständen singen können. Oder Fragen beantworten. Dann haben sie noch den Newton.«

»Wen?« »Njuten. Die Erdanziehung ist nur ein spezieller Fall einer allgemeinen Anziehung, welche je zwei Massen im Weltall aufeinander ausüben. Wir wollen einmal die Kraft ƒ die allgemeine Schwere oder Gravitation nennen, m und n, zwei Massen. So lehrt die unmittelbare Betrachtung, daß die Anwesenheit jeder dieser Massen eine besondere Kraft hervorruft, die auf die andere Masse einwirkt. Der Größe nach sind nun die Kräfte ƒ dem Produkt der Massen m und n, direkt proportional und umgekehrt proportional dem Quadrat ihres gegenseitigen Abstandes. Es sind ferner die Beschleunigungen, welche zwei Körper infolge der zwischen ihnen wirksamen allgemeinen Schwere erhalten, umgekehrt proportional ihren Massen.«

Schweigen. Konrad rieb sich die Stirn: »Wie kommt man eigentlich dazu, sowas zu behaupten?« »Einfache Tatsachen, ob sie einem passen oder nicht. Tja. Es verläuft alles streng wissenschaftlich. Ich fahre fort. Jeder sich selbst überlassene Körper, der also keiner Kraft unterworfen ist, bewegt sich entweder gradlinig und mit konstanter Geschwindigkeit oder bleibt in Ruhe. Denn: mutationem motus proportionalem esse vi motrici impressae et fieri secundum lineam rectam, qua vis illa imprintur. Das ist lateinisch und heißt auf deutsch: die Bewegungsänderung ist proportional der wirkenden Kraft und hat mit ihr die gleiche Richtung. Das bedeutet: die Beschleunigung ist in jedem gegebenen Augenblick der wirkenden Kraft proportional und hat mit ihr die gleiche Richtung. Schließlich actioni contrariam semper et aequalem esse reactionem, Wirkung und Gegenwirkung sind stets einander der Größe nach gleich und der Richtung nach entgegengesetzt, die Wirkungen zweier Körper sind immer gleich auf einander und nach entgegengesetzten Seiten gerichtet.«

Konrad, der Babylonier, betrachtete ihn starr: »Wovon du sprichst. Du sprichst von der Welt? Von dieser hier?« »Von der Welt. Jawohl. Dir sind vielleicht auch die vielen Sonnen aufgefallen? Wir hatten bloß eine. Man kommt jetzt nicht mehr mit einer aus, wie wir in unserm kleinen Betrieb, wo wir täglich früh aufstehen mußten und unsere Sonne aus dem Berg des Aufgangs über den Horizont zum Berg des Untergangs führten, wo sie übernachtete, mühselige Sache, hat sich nicht bewährt. Es sind viele da.« »Und wem dient ihr Licht? Und ihre Wärme? – »Das ist leicht gesagt. Die bei der Zusammenziehung der Sonne aus unendlich zerstreuter Materie in jeder Masseneinheit freigewordene Wärme ist gleich 0,6 der Wärmemenge q, welche entstehen würde, wenn diese Masseneinheit jetzt aus unendlicher Entfernung auf die Oberfläche der Sonne stürzen würde. Nun ist –.«

Konrad sah ihn feindselig an. Dann flüsterte er: »Wir wollen weiter.« Sie verließen mit einem Hechtsprung den kleinen Stern.

Und wie sie flogen, sang der Große hinter dem Rücken des andern wieder den Stern und die Lichter an.

Sie antworteten nicht!

Sie antworteten nicht!

Ihn grauste.

Er verstummte.