BAD MOM - Silke Schröckert - E-Book

BAD MOM E-Book

Silke Schröckert

0,0
15,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Sie wollte den gesündesten Babybrei kochen, die meisten Frühentwicklungskurse besuchen, den spektakulärsten Kindergeburtstag organisieren und ganz nebenbei die am besten erzogenen Kinder dieser Welt großziehen. Ja, Silke Schröckert hatte sich vom ersten positiven Schwangerschaftstest an fest vorgenommen, eine richtig gute Mutter zu sein. Vielleicht sogar die beste. Das hat nicht geklappt. Stattdessen hat sie herausgefunden, dass es allen in der Familie besser geht, wenn sie hin und wieder einfach eins ist: eine "Bad Mom". Die Hotdogs zum Frühstück serviert, wenn die Kinder danach verlangen. Die ihre Tochter nach der Kita direkt in die Eisdiele schickt – nahezu täglich. Und die ihren Sohn vor der Spielkonsole parkt, wenn sie einfach einmal ein paar Minuten durchatmen muss. Denn erstaunlicherweise sind es oft genau die Dinge, die angeblich nur "schlechte Mütter" tun, die nicht nur die Kinder kurzfristig glücklich machen – sondern langfristig auch die Eltern.   Bad Mom – Happy Family. Ein persönliches Plädoyer gegen zu viel Perfektionismus in der Elternschaft. Zum Nachmachen empfohlen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 155

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



IMPRESSUM

© 2023

JUNIOR MEDIEN GMBH & CO. KG

Willy-Brandt-Straße 51, 20457 Hamburg

Tel. 040/357 29 19-0, Fax 040/357 29 19-29

[email protected]

IDEE, KONZEPT & TEXT: Silke Schröckert

PROJEKTKOORDINATION UND LEKTORAT: Nina Schnackenbeck

ART-DIREKTION: Anja Jung

MIT BEITRÄGEN VON: Yvonne Küppers, Corinna Bäck, Christina Meyer, Eva Gardé, Katrin, Anja Mensing, Mona Diop

BILDNACHWEISE:

Cover: Malte Müller

Innen: Malte Müller, ilyast, medesulda, Aysel Zamanli

ePub-Konvertierung: Datagrafix GmbH Berlin

Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved.

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

e-ISBN: 978-3-910509-03-0

leben-und-erziehen.de

INHALT

MARIA EHRICH:VORWORT

THE GOOD. THE BAD. THE MAMA.WIE ICH ENTSCHIED, DIESES BUCH ZU SCHREIBEN

GOOD MOM.

ALLER ANFANG IST PERFEKTWIE ICH MIR VORNAHM, DIE BESTE MUTTER ALLER ZEITEN ZU WERDEN

FILTER, FILTER IN DER HANDWIE INSTAGRAM, ELTERNRATGEBER UND MAMA-BLOGS MICH ZU MOMZILLA MACHTEN

YVONNE KÜPPERS:UNTERWEGS AUF INSTAGRAMWIE ICH MIR „MUTTI-CONTENT“ UND EINE GEHÖRIGE PORTION MINDERWERTIGKEITSKOMPLEXE GEGÖNNT HABE

DIE PERFEKTEN ALTEN ZEITENWIE IN MIR DAS BILD DER SUPERMOM ENTSTAND

CORINNA BÄCK:WIE DIE TOCHTER, SO DIE MUTTERWIE AUCH ICH EINE PERFEKTE MUTTER SEIN WOLLTE

HOCHMUT KOMMT VOR DEM FAILWIE ICH VERSTAND, DASS ICH NOCH NICHTS VERSTANDEN HATTE

HAPPY BIRTHDAY TO THE DECORATIONWIE MIR AN SEINEM ERSTEN GEBURTSTAG DIE TISCHDEKO WICHTIGER WAR ALS MEIN EIGENER SOHN

BAD MOM?

EINMAL TIEF AUSRASTENWIE ICH ENTSCHIED, DASS ICH MEIN BABY IM RÜCKBILDUNGSKURS NICHT DABEIHABEN MÖCHTE

MILCH. GEFÜTTERT, NICHT GESTILLTWIE ICH VERSTAND, DASS STILLEN FÜR MICH LEIDER NICHT DIE NATÜRLICHSTE SACHE DER WELT IST

CHRISTINA MEYER:JEDE MAMA KANN SCHLAFEN LERNENWIE ICH MICH VOM GEDANKEN DES ELTERNSCHLAFZIMMERS VERABSCHIEDETE

ESSEN IST FERTIG! MAMA AUCH.WIE ICH ZUM ERSTEN (UND ZUM LETZTEN) MAL DAS WEIHNACHTSESSEN SELBST ZUBEREITETE

SOMMER, SONNE, SPIELPLATZSCHREIWIE ICH MERKTE, DASS ICH NICHT IMMER AUF DIE SUPER NANNY HÖREN KANN

MAMA, DU DARFST UM DEINEN JUNGEN WEINENWIE ICH IN DER KITA-GARDEROBE PLÖTZLICH LOSHEULTE

EVA GARDÉ:PYJAMA-DRAMAWIE ICH ENTSCHIED, NICHT JEDEN TAG EIN GEPELLTES EI ZU SEIN

ICE, ICE, MAMAWIE ICH MEINE TOCHTER EINEN (OKAY, ZWEI) SOMMER LANG TÄGLICH IN DIE EISDIELE SCHICKTE

BACKE, BACKE FLUCHENWIE ICH DAS (VERMUTLICH) LETZTE MAL IN MEINEM LEBEN EINEN KINDERGEBURTSTAGSKUCHEN BACKTE

DER ERSTE PFANNKUCHEN GELINGT NIE. DER ZWEITE AUCH NICHT.WIE ICH BACKMISCHUNGEN IN MEIN LEBEN LIESS

DIE NERVIGSTE MAHLZEIT DES TAGESWIE MEINE KINDER HOTDOGS ZUM FRÜHSTÜCK WOLLTEN (UND ICH KEINE ZEIT FÜR DISKUSSIONEN HATTE)

OUTFIT OF THE NIGHTWIE ICH DIE KINDER IN STRASSENKLAMOTTEN SCHLAFEN LIESS, DAMIT ICH SIE MORGENS NICHT ANZIEHEN MUSS

BABYSITTER AUF VIER PFOTENWIE DIE PAW PATROL MIR DEN TAG (UND DEN SCHLAF) RETTETE

KATRIN:VIEL GLÜCK ZUM NICHTGEBURTSTAGWIE ICH ES NICHT GEBACKEN BEKOMMEN HABE, DEN VIERTEN GEBURTSTAG MEINES SOHNES ZU ORGANISIEREN

SENDUNG MIT DER MAMAWIE ICH DIE WICHTIGEN (UND UNWICHTIGEN) FRAGEN DER MAUS UND CHECKER TOBI ÜBERLIESS

DAS ESSEN IM BUS SCHMECKT SUPERGUT, SUPERGUT, SUPERGUTWIE ICH MEINEN KINDERN IHR ABENDESSEN IN DER BUSLINIE 5 SERVIERTE

ELTERN INKLUSIVEWIE ICH MEINEN SOHN BEIM FUSSBALL-CAMP ANMELDETE, OHNE DAS KLEINGEDRUCKTE ZU LESEN

IHR ELTERNLEIN KOMMET (TEIL I)WIE ICH DEN TAG DER OFFENEN TÜR AN DER SCHULE VERPASSTE (AUS VERSEHEN)

IHR ELTERNLEIN KOMMET (TEIL II)WIE ICH DEN TAG DER OFFENEN TÜR AN DER SCHULE VERPASSTE (MIT VOLLER ABSICHT)

LOOK AT ME! AH NE, DOCH NICHTWIE ICH MICH VON MEINER BESTEN MAMA-SEITE ZEIGEN WOLLTE (UND VERSAGTE)

ME-TIME AUF DEM EDEKA-PARKPLATZWIE ICH LIEBER DIESEN TEXT SCHRIEB, ALS NACH HAUSE ZU MEINEN KINDERN ZU FAHREN

CARPE SHITTY DIEMWIE ICH AKZEPTIERTE, DASS MANCHE TAGE EINFACH BESCH***EN SIND

ANJA MENSING:DAS ZWEIFELHAFT SCHMEICHELHAFTE ABZEICHENWIE ICH OFFIZIELL EINE BAD MOM WURDE

BEST MOM!

ALLES NUR EINE PHASEWIE ICH DEN BEGRIFF „MUTTERTÄT“ KENNENLERNTE (UND JETZT UNBEDINGT WEITERVERBREITEN MÖCHTE)

MAMA GUT, ALLES GUTWIE ICH ERKANNTE, DASS EINE GUTE MUTTER SICH VOR ALLEM UM SICH SELBST KÜMMERN MUSS

MONA DIOP:REISEN MIT LEICHTEM GEWISSENWIE ICH OHNE MEINE KINDER IN DEN FLIEGER NACH DUBAI STIEG

DIE BESTE SCHLECHTE MAMA DER WELTWIE ICH REALISIERTE, DASS ICH FÜR MEINE KINDER DIE BESTE MUTTER DER WELT BIN (UND DU FÜR DEINE!)

DANKE!

VORWORTVON MARIA EHRICH

Der kleine Plastiklöffel in meiner Hand zittert nervös hin und her, während ich mir mit dem linken Handrücken ein paar Schweißtropfen von der Stirn wische. Der Brei kleckert links und rechts über den Löffelrand. Natürlich ist er viel zu dünn und wässrig geraten, dabei habe ich mir mindestens zwei Stunden lang Brei-Tutorials auf YouTube angesehen, bei denen ich mich immer wieder gefragt habe, seit wann ich eigentlich begonnen habe, aus Gemüsekochen und -pürieren so eine Raketenwissenschaft zu machen.

Meine sechs Monate junge Tochter schaut mich verständnislos (und zunehmend sauer) an und öffnet immer wieder, wie ein kleiner Vogel sein Schnäbelchen, ungeduldig den Mund, um mir zu signalisieren, dass – Ja, zum Kuckuck! – sie absolut bereit für ihren ersten Löffel Beikost ist! Bevor ich ihr aber den Gefallen tue, checke ich zum dritten Mal die Temperatur des Breis mit einem Fleischthermometer, das ich eines Nachts um 2:43 Uhr für exakt diesen Moment hier bestellt habe.

Zack – der Löffel versenkt sich im kleinen Schnatterkasten meiner Tochter. Einen Moment starre ich sie gespannt und ohne zu blinzeln an. Kein gefürchtetes Verschlucken, keine dramatischen Szenen, die sich abspielen. Ich atme aus und sacke ausgepowert in meinem Stuhl zusammen.

Da kämpft sich in Zeitlupe ein Gedanke durch mein von Schlaflosigkeit gebeuteltes Hirn: Wann bin ich so geworden? Wann sind meine Zuversicht und mein Optimismus gegenüber dem Mama-Sein einer allummantelnden Angst und Nervosität gewichen? Ich kann mich an keinen speziellen Moment erinnern – beim besten Willen nicht. Die letzten Monate sind ein einziger Nebel ohne klare Begrenzung, und eben habe ich einen Artikel gelesen, in dem steht, dass bei Frauen in der Schwangerschaft das Gehirn schrumpft! (Gruselig! Zum Glück werde ich das gleich wieder vergessen haben.)

Mir schwant, dass der Ursprung meiner Unsicherheit die Ansammlung all der gut (und nicht so gut) gemeinten „Ratschläge“ ist. Sie ist eine Ausgeburt der perfekt bunten Highlight-Reels anderer Mütter in den sozialen Medien, der ständigen Warnungen in Mama-Foren und Krabbelgruppen, die mir regelmäßig meinen Atem, den Instinkt und den Verstand rauben.

Ich wünsche mir Echtheit, Offenheit und Ehrlichkeit im Gespräch mit anderen Eltern. Ein bisschen mehr „Je ne sais quoi“. Das viel zitierte Dorf, was es definitiv braucht, um Kinder großzuziehen – auch wenn man manchmal nur im Geiste miteinander verbunden sein kann.

Und hier kommt Silke ins Spiel. Ich weiß noch, dass ich ziemlich beeindruckt von ihr war, als ich sie das erste Mal getroffen habe. Wir saßen uns in einem der frühen Meetings zu unserer Serie „Filmgorillas“ gegenüber, und Silke hatte ALLES dabei. Blöcke voller Notizen, Stifte in sämtlichen Neonfarben und, das muss ich neidvoll eingestehen, die allerbesten Ideen. Dabei sprühte sie vor Begeisterung, und ich habe mich ernsthaft gefragt, wie sie das macht mit der ansteckenden guten Laune und dem nicht abreißenden Gedankenstrom. Irgendwann wurde es mir aber klar. Silke ist eine Menschenkennerin. Sie versteht ihr Umfeld und weiß sehr genau, was emotional gerade gebraucht wird. Eine absolute Mama-Kunstfertigkeit, würde ich mittlerweile behaupten.

Zur Geburt unserer Tochter hat Silke mir ein Care-Paket zugeschickt, in dem ihr erstes Buch „101 Dinge, die in keinem Elternratgeber stehen“ enthalten war. Es ist bis heute eins meiner liebsten, tröstendsten, witzigsten Bücher über das Elternsein.

„Bad Mom“ geht ebenso ins Herz und an die Lachmuskeln. Silke hat wieder einmal ihre feine, empathische Seite, gemixt mit ihrem wohltuend ehrlichen Humor, auf die Tastatur losgelassen und Geschichten aus ihrem Leben niedergeschrieben, in denen ich mich so oft wiederfinde. Dieses Buch ist eine Einladung dazu, unsere Elternschaft mit mehr Leichtigkeit zu nehmen und vermeintliche Fehltritte als das wahrzunehmen, was sie sind: Chancen. Zum Lernen, zum Verändern oder einfach zum Annehmen und Endlich-mal-locker-durch-die-Hose-Atmen.

Wenn das bedeutet, dass ich eine „Bad Mom“ bin, dann trage ich diesen Titel wie ein Abzeichen mit großem Stolz auf der (mit Brei besabberten) Brust.

THE GOOD. THE BAD. THE MAMA. WIE ICH ENTSCHIED, DIESES BUCH ZU SCHREIBEN

„Wir haben die Eltern-Nummer einfach raus!“, sage ich stolz zu meiner Freundin Mona.

Mona schaut auf das Kaltgetränk in ihrer Hand. Die Dosen haben wir reingeschmuggelt, denn mitgebrachte Speisen und Getränke sind verboten im Hüpfburg-Paradies. Unser schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen: Wir haben unfassbar viel Eintrittsgeld auf den Tisch gelegt für uns und unsere insgesamt vier Kinder. Die toben gerade über eine der zahlreichen aufgeblasenen Riesenrutschen, schmeißen sich mit Anlauf die Rutschfläche hinab, quietschen dabei vor Glück und rennen direkt wieder zur kleinen Klettertreppe, um den wabbeligen Hüpfberg erneut zu erklimmen.

Mona und ich liegen mit besagten Dosengetränken in der Hand und Sonnenbrillen auf der Nase in zwei der für die Eltern bereitgestellten Liegestühle. Auf dem riesigen Gelände des „Dschungel-Jump“, wie die Attraktion heißt, haben wir es geschafft, genau die eine Ecke zu finden, in der wir unseren Nachwuchs zwar im Blick behalten können – die vier uns jedoch nicht. Ja, wir verstecken uns vor unseren eigenen Kindern. Weil wir uns mal wieder in Ruhe unterhalten wollen. Weil wir dabei nicht alle 90 Sekunden auf ein gebrülltes „Guck mal, Mama, guckst du? Siehst du, was ich mache?“ reagieren wollen. Weil wir beide müde sind von der Woche, von dem frühen Aufstehen und von all den To-dos und To-care-abouts, die im Mama-Leben vollkommen normal sind. Weil wir finden, dass wir an einem Sonntag im schweineteuren Hüpfburg-Paradies auch ein kleines bisschen „Paradies“ verdient haben. Oder zumindest einen kurzen Moment des Durchatmens.

Und es funktioniert: In den letzten anderthalb Stunden haben unsere Kinder kein einziges Mal nach uns gefragt. Die vier toben und sind happy, wir unterhalten uns und sind es auch. Besser kann man sechsmal überteuerten Hüpfburg-Park-Eintritt nicht investieren, finde ich.

„Mal ehrlich, das ist doch richtig gut, was wir hier machen!“, schiebe ich deshalb hinterher. Doch Mona ist skeptisch: „Ich glaube, das würden so ziemlich alle anderen Eltern anders beurteilen“, sagt sie und lacht.

Sie hat vermutlich recht. Wir beobachten Eltern, die ihre Kinder von Hüpfburg zu Hüpfburg begleiten. Sie machen Fotos und feuern ihren Nachwuchs lautstark an. Sie ermutigen ihre Kinder, die nächstgrößere Burg zu erklimmen, weil sie doch schon so groß sind, oder halten sie davon ab, weil sie genau dafür noch zu klein sind. Sie weichen nicht von der Seite ihrer Kinder, und bei jedem „Guck mal, Mama, guckst du?“ gucken sie auch wirklich. Es gibt Tage, an denen kann ich das auch, da habe ich die Energie dafür. Heute ist keiner dieser Tage. Doch eine gute Mutter macht das eigentlich trotzdem. Eine gute Mutter versteckt sich nicht vor ihren Kindern. Oder?

Nach weiteren zwei Stunden, als unsere Kinder müde gehüpft und glückselig erschöpft sind, sammeln wir die vier ein. Um richtig zu kochen, ist es viel zu spät geworden, also bestellen wir am Imbissstand schnell noch Crêpes für alle zum Abendbrot. Das Gemüse zu Hause muss bis morgen warten. „Wie fandet ihr es denn?“, will ich auf dem Heimweg wissen. „Das war der BESTE Tag!“, urteilt meine Tochter. „Es war perfekt!“, findet mein Sohn.

Ich finde das auch. Die Kinder sind glücklich. Ich bin es auch. Obwohl ich heute alles andere als „eine gute Mutter“ war. Oder vielleicht gerade deswegen? Was ist das überhaupt, „eine gute Mutter“? Warum habe ich sofort so ein konkretes Bild vor meinem geistigen Auge, wenn ich diese Formulierung höre? Und: Wie bekomme ich das wieder weg?

Genau darum geht es in diesem Buch.

ALLER ANFANG IST PERFEKT WIE ICH MIR VORNAHM, DIE BESTE MUTTER ALLER ZEITEN ZU WERDEN

Hi, wir kennen uns noch gar nicht. Ich bin Silke, und ich bin eigentlich ganz nett.

Wirklich.

Ich muss das dazusagen, weil du dieses Buch vermutlich chronologisch liest. Und ich sehe ein: Wenn man die folgenden Seiten liest, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich meine sympathische Art, sagen wir mal, nicht auf den allerersten Blick durch und durch erschließt. Also, vielleicht auch gar nicht. Okay, nennen wir das Kind beim Namen: Du wirst mich beim Lesen des ersten Teils dieses Buches vermutlich für eine komplette Idiotin halten. Du wirst leise mit dem Kopf schütteln und laut über mich lachen, du wirst dich fragen, was eigentlich in mir vorgegangen ist und wie ich es geschafft habe, zwei Kinder großzuziehen (obwohl: Sechs und neun Jahre ist ja noch nicht „groß“, nennen wir es, halb großzuziehen).

Die Wahrheit ist: Ich selbst tue das auch, wenn ich mich an diese Zeit zurückerinnere. An diese Anfangszeit als werdende und frischgebackene Mama. (Da fällt mir ein, dass ich mich schon in meinem letzten Buch über das Wort „frischgebacken“ aufregen wollte: Synonyme für „frischgebacken“ sind „ungebraucht“ und „fabrikneu“. Ganz im Ernst: Weiter weg vom Körpergefühl einer Mutter im Wochenbett könnte diese Beschreibung wirklich nicht sein. Ich plädiere künftig für einen etwas realistischeren Terminus, „frisch überrumpelt“ vielleicht oder „frisch überwältigt“. Aber zurück zum Thema.) Wenn ich mich heute an meine Zeit als werdende und frisch überwältigte Mama zurückerinnere, kann ich selbst kaum fassen, dass ich das alles wirklich einmal ernst gemeint habe. Doch so war es: Ich war felsenfest überzeugt von den Dingen, die du jetzt lesen wirst.

Aber vielleicht schüttelst du an der ein oder anderen Stelle dann doch nicht mit dem Kopf. Vielleicht wird das Auslachen leiser und die Erkenntnis lauter, dass du dich zwischen den Zeilen (oder auch mittendrin) selbst ein wenig wiedererkennen kannst. Denn ich bin der festen Überzeugung: Ich war und bin nicht allein mit dieser grundnaiven Vorstellung, die mich schon vor dem ersten positiven Schwangerschaftstest komplett eingenommen hatte:

Ich wollte perfekt sein.

Nicht einfach nur „eine gute Mutter“. Sondern die beste.

Ich wollte besser sein als die Weißwäsche waschenden und Filterkaffee kochenden Strahle-Mütter, die ich in den 80ern und 90ern in der TV-Werbung gesehen hatte (zu denen komme ich später noch ausführlich). Ich wollte besser sein als die Stilettos tragenden und Anwaltskanzleien leitenden Hochglanz-Muttis, die ich in Hollywood-Filmen und Pro7-Serien erlebt hatte. Ich wollte besser sein als die Strampler häkelnden und Brei kochenden Grinse-Moms auf Instagram. Und ohne jeden Zweifel (und jetzt kommen wir zu dem unsympathischen Teil, es tut mir leid) wollte ich auch eine bessere Mutter sein als du.

FILTER, FILTER IN DER HANDWIE INSTAGRAM, ELTERNRATGEBER UND MAMA-BLOGS MICH ZU MOMZILLA MACHTEN

Zu meiner Verteidigung (denn ich habe das Gefühl, mich an dieser Stelle dringend verteidigen zu müssen): Es ist heute wirklich schwer, kein überzogen-unrealistisches Bild des Mutterwerdens und Mutterseins im eigenen Unterbewusstsein heranzuzüchten. Noch bevor überhaupt ein zweiter Strich auf meinem Schwangerschaftstest erschien, habe ich schon Facebook-Videos und Insta-Inszenierungen verschlungen, in denen andere Mütter ihren Nachwuchs ankündigten. Glaubt man dem Internet (und das ist bekanntlich der erste Fehler), dann herrschen drei angemessene Arten vor, die frohe Kunde zu verbreiten: Entweder man backt die geheime Botschaft in ein aufwendig gestaltetes und mindestens dreistöckiges Kuchenkunstwerk ein. Oder aber man engagiert einen angesagten Fotografen für Familienfotos, der kurz vorm Drücken des Auslösers statt „Bitte lächeln“ laut „SILKE IST SCHWANGER!“ ruft, um dann direkt die emotionsreichen Reaktionen aller Abgelichteten für die Ewigkeit festzuhalten, naaaaw! Oder aber natürlich der Klassiker für die ganz Geduldigen, die so lange warten können: Man setzt das erste Ultraschallbild aufmerksamkeitsstark in Szene, zum Beispiel am Boden einer (dann hoffentlich schnell) leer gegessenen Pralinenschachtel, am Ziel einer aufwendig ausgeklügelten Schnitzeljagd oder ganz einfach auf einer eigens gebuchten Plakatfläche in der Innenstadt, an der man dann zufällig gemeinsam vorbeispaziert. Okay, der letzte Punkt kommt nicht allzu häufig vor. Aber: In Sachen Schwangerschaftsverkündung gibt es wirklich nichts, was es nicht gibt. (Ich schwöre, dass ich letzte Woche ein Video gesehen habe, in dem die werdende Mutter den positiven Schwangerschaftstest als Eisstiel verwendet hat und den nichts ahnenden Vater so lange an dem DIY-Wassereis rund um das angepinkelte Stäbchen hat lutschen lassen, bis er endlich gemerkt hat, was er da gerade im Mund hat.) Ja, die Inszenierung der frohen Kunde kennt keine Grenzen. Zumindest auf Instagram.

Auf Instagram kocht auch fast jede Mutter den Babybrei selbst. In ihrer picobello aufgeräumten Küche. Bevor sie sich dann an den ebenfalls aufgeräumten und mit frischen Blumen geschmückten Esstisch mit der DIY-Fensterdekoration im Hintergrund setzt und sich für „das Chaos“ entschuldigt, wenn ein Breiklecks doch einmal danebengeht. Ups, hihi, schnell wegwischen. So, alles wieder perfekt.

Während in den pastellfarbenen Fotokacheln und inszenierten Reels gezeigt wird, wie das perfekte Mama-Leben in der Praxis aussieht, steht in den Elternratgebern die passende Theorie dazu. Natürlich ist es falsch, seine Kinder anzuschreien. Also macht das auf Instagram auch niemand. Wutanfälle der Kleinen muss man mit Liebe und Verständnis beantworten, deshalb gehen Videos viral von Eltern, die minutenlang geduldig neben ihren brüllenden Kindern sitzen. Und Holzspielzeug ist pädagogisch wertvoller als Plastikkram, deshalb wird – klar – online auch lieber die Brio-Eisenbahn als die Barbie in Szene gesetzt. Du hast deinem Kind Kunststoffautos von Paw Patrol gekauft? Was machst du noch alles falsch?

An dem Tag, an dem ich diese Zeilen schreibe, sind unter dem Hashtag #instamom knapp über sechs Millionen Beiträge veröffentlicht. Vermutlich sind es jetzt, während du das hier liest, schon deutlich mehr. Mehr als sechs Millionen Einblicke in das Elternleben, die zeigen, wie (gut) andere es machen. Und ja, ich weiß, es ist eine erlesende Handvoll an Beiträgen dabei, die sich auf sympathische Art mit dem Scheitern oder dem Nicht-perfekt-Sein beschäftigen. Aber Hand aufs Herz: Das ist die absolute Minderheit. Und die allermeisten davon sind auch nicht vollständig ehrlich, sondern präsentieren einen sehr kleinen, erträglichen, nicht völlig peinlichen Teil des wahren Chaos.

Natürlich ist es jeder selbst überlassen, wie sie mit dieser Flut an Eindrücken umgeht. Manch eine juckt es nicht, wenn Experte A im Interview sagt, wie gesund selbst gekochter Brei ist, und Influencerin B bis Z sich daraufhin strahlend beim Möhrchenschnippeln und Pastinakenpürieren filmen – die kauft trotzdem weiter unbeirrt die Hipp-Gläschen. Andere schauen sich die Fülle an Inspirationen an und ziehen sich nur genau diejenigen Informationen heraus, die passend für sie sind. Weil sie zum Beispiel ein Händchen fürs Kochen haben und sich für Breirezepte interessieren, dafür aber auf Ordnung und Inneneinrichtung nicht so viel Wert legen. Und sich deshalb von einem Kinderzimmer, das wie im Schöner-Leben-Katalog inszeniert ist, auch nicht verunsichern lassen.