18,99 €
In der Hauptstadt des Flamencos steht nicht nur Musik, Tanz, Kunst und Leidenschaft auf dem Programm, sondern auch Spanien schönster Platz, das Schloss der spanischen Könige und ein Garten in dem man wie eine Prinzessin durch das Grün wandelt. Aber da gibt es noch viel mehr! Wussten Sie, dass es auch in Madrid in Chinatown gibt oder eine Skipiste im Einkaufszentrum? Außerdem ist der Großmarkt der größte Lebensmittel-Umschlagsplatz Europas und im Thema Seafood sogar auf Platz 2 weltweit, obwohl es ganze 400 km bis zum Meer sind. Im Herzen Spaniens wird man mondsüchtig. Baedeker entführt Sie in magische Momente wie zu Vollmond, wenn die helle Scheibe zwischen Königspalast und Almudena-Kathedrale steht und die beiden Gebäude in ein fantastisches Licht taucht. Solche Momente erlebt man nur einmal…
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 423
Veröffentlichungsjahr: 2018
Ihr digitaler Baedeker
Verkehrsplan Madrid
Preiskategorien & Legende
Top 15
10 Souvenirs
Baedekers Top-Ziele
Magische Momente
Die Sonne verabschieden
Mondsüchtig
Der Garten der Lüste
Innehalten
Sich treiben lassen
In der Nacht
Das Leben spüren
Schwerelos
Eine Zeitreise
Feuer-Fest
Überraschendes
6 x Unterschätzt
6 x Einfach unbezahlbar
6 x Erstaunliches
6 x Durchatmen
6 x Typisch
Das ist Madrid
Touren
Tour 1: Im historischen Zentrum
Tour 2: Museen und Monumente
Tour 3: Durch die grünen Oasen Madrids
Tour 4: Salamanca-Viertel – Shoppingfreuden
Sehenswertes Von A Bis Z
Alcalá de Henares
Aranjuez
Casa de Campo · Parque del Oeste
Centro Cultural Conde Duque
Centro de Arte Reina Sofía
Ciudad Universitaria
Convento de la Encarnación
Ermita de San Antonio de la Florida · Panteón de Goya
El Escorial
Baedeker Wissen: Escorial – symbolträchtiges Monument
Estación de Atocha
Baedeker Wissen: Königliche Teppichmanufaktur – Malen mit farbigen Fäden
La Granja de San Ildefonso
Gran Vía
Madrid Río
Monasterio de las Descalzas Reales
Museo Arqueológico Nacional
Museo de Historia
Museo del Prado
Baedeker Wissen: Museo del Prado – Hort der Kunst
Museo Lázaro Galdiano
Museo Thyssen-Bornemisza
Palacio Real
El Pardo
Parque del Retiro
Paseo de la Castellana
Paseo del Prado
Plaza de España
Plaza de Cibeles
Plaza de la Villa
Plaza del Dos de Mayo
Plaza de Oriente
Plaza de Santa Ana
Plaza Mayor
Puerta del Sol
El Rastro
Baedeker Wissen: Die Zarzuela
Real Academia de Bellas Artes de San Fernando
Las Salesas Reales
San Andrés
San Antonio de los Alemanes
San Francisco el Grande
Segovia
Baedeker Wissen: Alcázar von Segovia – mächtiges Castillo
Toledo
Las Ventas
Baedeker Wissen: Stierkampf – blutiges Relikt
Viaducto
Hintergrund
Die Stadt und ihre Menschen
Baedeker Wissen: Madrid auf einen Blick
Stadtgeschichte
Baedeker Wissen: Madrids Stadtentwicklung
Kulturgeschichte
Interessante Menschen
Baedeker Wissen: Spaniens Royals
Erleben und Geniessen
Ausgehen
Baedeker Wissen: ¡Viva la noche!
Essen und Trinken
Baedeker Wissen: Typische Gerichte
Baedeker Wissen: Schinken – In der Eichel steckt das Geheimnis
Baedeker Wissen: Madrid tischt auf
Feste
Baedeker Wissen: König Fußball
Baedeker Wissen: El Clásico – Real Madrid vs. FC Barcelona
Museen
Baedeker Wissen: Galerienszene – zwischen provinziell und international
Shoppen
Stadtbesichtigung
Übernachten
Praktische Informationen
Kurz & bündig
Anreise · Reiseplanung
Auskunft
Etikette
Gesundheit
Lesetipps
Preise · Vergünstigungen
Reisezeit
Sprache
Telekommunikation · Post
Verkehr
Verzeichnis der Karten und Grafiken
Impressum
Karl Baedeker erfindet den Reiseführer
So nutzen Sie Ihr E-Book optimal
Sie möchten direkt alle Informationen zu einem bestimmten Ort erhalten oder gezielt nach einem Ort oder einer Einrichtung suchen? Nutzen Sie die interne Volltextsuche des E-Books, um schnell alle relevanten Suchergebnisse aufgelistet zu bekommen.
Der Baedeker listet im Kapitel „Touren“ schon einige der schönsten Reiserouten auf. Sie können jedoch auch Ihre ganz persönliche Route planen, indem Sie die Lesezeichenfunktion Ihres E-Books verwenden. Setzen Sie dazu einfach an allen Stellen im E-Book, die Sie für Ihre individuelle Route berücksichtigen wollen ein Lesezeichen.
Laden Sie sich die Karten des Baedeker auf Ihr Endgerät herunter und und nutzen Sie sie überall, ob daheim oder unterwegs, online oder offline.
Grafik herunterladen
Preiskategorien für ein Hauptgericht
€€€€über 40 €€€€25 – 40 €€€12 – 25 €€bis 12 €Preiskategorien für ein Doppelzimmer
€€€€über 170 €€€€100 – 170 €€€60 – 100 €€bis 60 €Textspecial, Infografik, 3D
Top-Sehenswürdigkeiten
Herausragende Sehenswürdigkeiten
Lesen Sie faszinierende Geschichten, die man sonst eher selten zu hören bekommt.
Entdecken Sie das Besondere, Orte zum Durchatmen und einfach Unbezahlbares.
Kommen Sie zur rechten Zeit an den richtigen Ort und erleben Sie Unvergessliches.
Die Top-Sehenswürdigkeiten in Madrid
Die Sommerresidenz der Könige und die berühmten Palastgärten locken Madridbesucher auch nach Aranjuez. Mehr >>>
Picasso, Miró, Dalí – die großen Namen der spanischen und europäischen Moderne in Madrids Museum für zeitgenössiche Kunst Mehr >>>
In nur 120 Tagen malte Goya die Kuppel der Kapelle aus, in der sich auch seine letzte Ruhestätte befindet. Mehr >>>
Das Klosterschloss Phillips II. am Rand der Sierra de Guadarrama ist UNESCO-Welterbe. Mehr >>>
Verborgen hinter alten Klostermauern: eine der prächtigsten Kunstsammlungen Spaniens Mehr >>>
Alle unter einem Dach: die schönsten Schätze der spanischen Kultur-geschichte Mehr >>>
Überwältigende Fülle an Meisterwerken vom 12. bis ins 19. Jahrhundert. Mehr >>>
Spaziergang durch 800 Jahre Kunstgeschichte Mehr >>>
Das Schloss der spanischen Könige: erlesene Kunstgegenstände in Hülle und Fülle! Mehr >>>
Hier ist Madrid grün und entspannt. Der alte königliche Park ist einer der liebsten Treffpunkte der Hauptstädter. Mehr >>>
Die besten Tapas-Bars und Musikclubs: Mitten im Dichterviertel machen Madrilenen und Touristen die Nacht zum Tag. Mehr >>>
Dies ist Madrids »Open-air-Salon« und Spaniens schönster Platz. Mehr >>>
Sonntagvormittag ist Rastro-Zeit – schlendern, gucken, kramen auf Madrids Flohmarkt. Mehr >>>
Römisches Aquädukt und Alcázar ziehen die Besucher in das kastilische Städtche. Mehr >>>
Einzigartiges Freilichtmuseum kastilisch-spanischer Geschichte Mehr >>>
Diesen Magischen Moment in Madrid möchte ich Ihnen ganz besonders ans Herz legen: Verbringen Sie einen Freitagoder Samstagabend im Huertas-Viertel oder auf der Gran Vía. Sie spüren es sofort: Die Lebensfreude hier ist ansteckend, das Nachtleben von Madrid Garant für einen unbeschwerten Moment, ganz gleich, woher man kommt oder wie alt man ist. . . . Schließlich sind die selbst erlebten Geschichten die schönsten, um sie zu Hause zu erzählen.
Wir wünschen Ihnen lebendige Eindrücke und Zeit für das Wesentliche! Entdecken Sie mit Baedeker das Außergewöhnliche, lassen Sie sich inspirieren und gestalten Sie Ihr persönliches Programm nach Ihren Vorlieben.
Herzlichst
Rainer Eisenschmid, Chefredakteur Baedeker
10 Dinge und Erinnerungen, die ich mitnehme
Ein Foto von der Mitte Spaniens, dem Kilometer O auf der Puerta del Sol . . .
Ein paar der fast 3000 Sonnenstunden, die Madrid durchschnittlich im Jahr verzeichnet
Eine Postkarte von Picassos berühmtem Gemälde »Guernica«
Ein Abendessen um 22 Uhr, weil das die »normale« Zeit der Madrider ist
Ein Spaziergang über die Gran Vía, die niemals schläft
Die Überraschung, dass die U-Bahn aus der »falschen« Richtung kommt
Den leidenschaftlichen Rhythmus einer Flamenco-Aufführung
Die Hilfsbereitschaft der Madrider – auch wenn es mit dem Englisch nicht immer klappt
Den Geruch in einem »Schinkenmuseum« und den Geschmack seiner Exponate
Die Eintrittskarte ins Bernabéu-Stadion zu einem Spiel von Real Madrid. Oder wahlweise von Atlético im Vicente Calderón.
Grafik herunterladen
Die Sonne verabschieden
> > >
Mondsüchtig
> > >
Der Garten der Lüste
> > >
Innehalten
> > >
Sich treiben lassen
> > >
In der Nacht
> > >
Das Leben spüren
> > >
Schwerelos
> > >
Eine Zeitreise
> > >
Feuer-Fest
> > >
Genau hinsehen, nicht daran vorbeigehen, einfach probieren! > > >
Erlebnisse, die für Geld nicht zu bekommen sind > > >
Hätten Sie das gewusst? > > >
Entspannen, wohlfühlen, runterkommen > > >
Dafür fährt man nach Madrid! > > >
D
Madrid
Die großen Themen rund um den schönsten Ort der Welt. Lassen Sie sich inspirieren!
© mauritius images/Rene Mattes
Zwar weilt der König hier selten, königliche Pracht gibt es im Palacio Real aber reichlich.
Prado, Thyssen-Bornemisza, Reina Sofía – das sind die drei berühmten Kunsttempel von Madrid. Geografisch bilden die nah beieinander gelegenen Museen ein »Dreieck der Kunst«, das »Tríangulo del Arte«, ein Begriff, den jeder Spanier kennt. Die Meisterwerke in ihren Sälen sind weltbekannt und trotzdem sind sie nur ein Teil der Kunst, die Madrid heute zu bieten hat.
© awl images/Carlos Sanchez Pereyra
Das ehemalige Elektrizitätswerk ist heute Sitz des CaixaForum. Eine besondere Attraktion ist der vertikale Garten auf dem Vorplatz.
WÄHREND des »Siglo de oro«, des Goldenen Zeitalters, und noch im 18. Jh. besaß Spanien eine ungeheure Anziehungskraft auf bekannte Künstler aus aller Welt. Aber auch als die Blütezeit vorbei war, zog Madrid noch schöpferische Kräfte an. Das gilt bis in die Gegenwart. So verbrachte der britische Künstler Francis Bacon (1909 bis 1992) seine letzten Lebensjahre in Madrid. In vielen seiner berühmten Papst-Studien würdigte er Velázquez, von dessen berühmtem Papstporträt »Innozenz X« er nach eigenen Aussagen geradezu besessen war. Auch Günter Grass (1927–2015) war vom künstlerischen Erbe der Stadt fasziniert. Der Literaturnobelpreisträger und Liebhaber der Malerei wohnte zwischen 2005 und 2006 in einer Dachkammer in der Nähe der Plaza Mayor, von wo aus er zu Fuß zum Prado gehen konnte, um dort die »Pinturas Negras«, die »Schwarzen Gemälde« von Goya zu studieren, einem seiner meistverehrten Maler.
Die Sammlung des Centro de Arte Reina Sofía beginnt da, wo der Prado mit seinem königlichen Bilderschatz aufhört, im 20. Jahrhundert. Auch hier muss man beim Museumsbesuch den Mut zum Auslassen mitbringen. Es ist schlicht unmöglich, an einem Tag alles anzuschauen. Bis 1965 diente das Gebäude aus der 2. Hälfte des 18. Jh.s als Krankenhaus. 1988 eröffnete es nach einem Umbau als Museum. Damals erhielt es die gläsernen Aufzugstürme an der Hauptfassade. 2005 ist es nochmal »gewachsen«. Nach Plänen des französischen Architekten Jean Nouvel entstanden ein beeindruckender Anbau aus Stahl, schimmerndem Aluminium und vor allem Glas sowie ein beliebter öffentlicher Platz. Meistbesuchter Raum ist der Saal 206. Hier hängt Pablo Picassos Monumentalgemälde »Guernica« von 1937. Auch sehr interessant und deutlich weniger umlagert sind Picassos Vorstudien zu dem berühmten Bild und Fotografien von Dora Maar, die Picasso beim Malen zeigen (in einem Nebenraum). Mit Werkstätten, Kunstläden, Bibliotheken und Lokalen ist das Reina Sofía auch ein Treffpunkt für Kunstbegeisterte.
1992 eröffnete das dritte im Bund, das Museum Thyssen-Bornemisza. Fast tausend Kunstwerke laden zu einem Spaziergang durch die Geschichte der Malerei vom 13. bis ins 20. Jh. ein. Das Museum geht auf die Privatsammlung von Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza (1921–2002) zurück, und seiner spanischen Frau Carmen ist es zu verdanken, dass diese Kunstschätze nun in Madrid zu Hause sind.
Madrid hat noch mehr als diese drei berühmten Museen. Anfang des 21. Jh.s entstanden in kurzer Zeit verschiedene Einrichtungen für Installationen, digitale oder experimentelle Kunst. Dazu gehören La Casa Encendida, Medialab Prado und CaixaForum. Letzteres beeindruckt schon von außen. Das von den Basler Architekten Herzog & De Meuron umgebaute ehemalige Elektrizitätswerk vom Ende des 19. Jahrhunderts scheint zu schweben. Ein echter Hingucker ist die bepflanzte Hauswand, der 24 m hohe vertikale Garten auf dem Vorplatz von dem französischen Gartenkünstler Patrick Blanc. Die großen Kunstpaläste haben auch viele Galerien angezogen, u. a. in der nahen Calle del Doctor Fourquet. Auch La Neomudejar ist einen Besuch wert. Dieses Zentrum im alten Eisenbahnlager im hinteren Teil des Atocha-Bahnhofs hat sich auf Avantgarde- und Videokunst spezialisiert und präsentiert die junge lateinamerikanische Kunstszene. Nicht weit entfernt und auch sehr bekannt ist die Tabacalera. Die ehemalige Tabakfabrik, heute ein Kunstzentrum, ist ein Beispiel für die beste Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts. Die Fassaden in den Straßen Miguel Servet und Embajadores dienen einmal im Jahr als »Leinwand« für internationale Street-Art-Künstler. In Sachen Kunst unter freiem Himmel hat Madrid auch ein Museum, das nie schließt und keinen Eintritt kostet: Unter einer Brücke stehen 17 Skulpturen spanischer Künstler, unter anderen von Eduardo Chillida und Joan Miró. Das Museo de Arte Público liegt zwar nicht im Einzugsbereich des Triangolo d’Arte, man findet es jedoch am Paseo de la Castellana 40 ...
Madrid richtet sich nicht nur an die Liebhaber von Malerei und Skulptur. Das »Museo del Traje« ist ein ausgezeichnetes Kostümmuseum und ein Besuchermagnet für alle Modeinteressierte. Vorgestellt wird die Entwicklung von den ersten Stoffbändern über spanische Regionaltrachten bis zu Designern des 20. Jh.s wie Cristóbal Balenciaga, Fortuny und Paco Rabanne (Ciudad Universitaria >>>, Avenida Juan de Herrera 2; Metro: Moncloa)
Jeder weiß, dass Paris an der Seine oder London an der Themse liegt. Aber Madrid? Bis vor Kurzem hatten sogar die Madrilenen fast vergessen, dass ihre Stadt einen Fluss hat: den Manzanares.
© laif/Lucas Vallecillos/VWPics/Redux
Brückenschlag: Die Pasarela de la Arganzuela ist ein Hingucker.
Im 17. Jh. wurde er von prominenten Zeitgenossen verspottet. Lope de Vega schrieb über ihn: »Ihr (Madrilenen) besitzt eine herrliche Brücke, die auf einen Fluss hofft.« Vor hundert Jahren wurde er begradigt und in einen Kanal gepresst. Im Rahmen der Stadtvergrößerung wuchsen später am Westufer des Manzanares Wohnblocks in die Höhe. In den 1970er-Jahren wurde er durch Spaniens meistbefahrene Verkehrsader in die Zange genommen: Auf beiden Seiten des Flussen entstand die drei- bis sechsspurige Ringstraße M-30. Im Jahr 2003 – noch vor Ausbruch der Finanz- und Immobilienkrise – beschloss der Stadtrat unter dem konservativen Bürgermeister Alberto Ruiz-Gallardón Europas anspruchsvollstes urbanes Begrünungsprojekt. Für mehr als vier Milliarden Euro wurde zwischen 2006 und 2011 der Autobahnring über mehrere Kilometer unter die Erde verlegt und trotz verlockender Angebote von großen Investoren auf der neu geschaffenen Fläche ein gigantischer Uferpark angelegt. Planerisch verantwortlich waren die Architekturbüros Burgos & Garrido, Porras & La Casta, Rubio & Álvarez Sala. Seit 2011 liegt Madrid nun wieder am Wasser und ist »zusammengewachsen«. Da die M-30 eine regelrechte Barriere zwischen dem Zentrum und dem Südwesten gebildet hatte.
Die Zeit des Umbaus war eine Zumutung für die Bewohner Madrids. Die Untertunnelung begann 2003 und führte zu Staus, einer riesigen Baustelle, Lärm und Dreck. Das Projekt ist immer noch nicht ganz abgeschlossen. Das Fußballstadion Vicente Calderón von Atlético Madrid unterbricht noch die Parklandschaft – aber nicht mehr lange, denn der Verein hat 2017 seinen neuen Sitz im Osten der Stadt bezogen. Und auch wenn Madrids Steuerzahler noch über Jahrzehnte die Baukosten abbezahlen müssen, die Entscheidung zu diesem radikalen Rückbau war das Beste, was Madrid passieren konnte. Städtebaulich haben vor allem die Bewohner rund um Legazpi profitiert. Einst verlief die Stadtautobahn nur ein paar Meter vor ihren Haustüren. Jetzt finden ihre Sozialbauten ein ganz neues Ambiente vor.
Madrid ist zwar eine der am dichtesten bevölkerten Städte Europas, trotzdem sind öffentliche Debatten über Luftverschmutzung oder Nachhaltigkeit genauso neu wie die Fahrradfahrer auf den Straßen. Madrid Río spiegelt ein steigendes Umweltbewusstsein wider, die Veränderung ist überall spürbar. Seit 2014 gibt es einen städtischen E-Bike-Verleih. Ein Fahrradweg verläuft rund um die Stadt und im Zentrum haben immer mehr Straßen eine mit Tempo 30 km/h markierte Radspur.
Diese Entwicklung hat auch die Politik beeinflusst. 2015 gab es nach 24 Jahren konservativer Regierung einen Wechsel im Rathaus. Die aktuelle Bürgermeisterin Manuela Carmena wird von einem breiten Linksbündnis unterstützt. Ihre jüngste Entscheidung, ab 2018 den privaten Autoverkehr auf der berühmten Gran Vía einzuschränken, ist sehr umstritten und wäre noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen.
Madrid Río >>> ist ein Symbol und ein gelungenes Beispiel für diese Dynamik und auch architektonisch gibt es auf dem Gelände einiges zu sehen. Also, bequeme Schuhe anziehen oder ein Fahrrad mieten und schon ist man mitten im angesagten Freizeitvergnügen der Madrilenen ...
© laif/Ana Nance/Redux
Noch ein Hingucker: die Puente del Matadero; im Hintergrund das angesagte gleichnamige Kulturzentrum
In dem Park selber, im Matadero >>>, gibt es praktischerweise einen Fahrradverleih. Ein guter Ausgangspunkt für eine Radtour ist die Plaza de España beim Königspalast (Räder verleiht »Mi Bike Río >>>«). Von hier geht es am Bahnhof Príncipe Pío vorbei Richtung Madrid Río. Eine Alternative für die Rückfahrt ist die gelbe Metrolinie ab Legazpi. Am schönsten ist der Ausflug am Wochenende, dann kommen die Madrilenen in den Park. Außerdem ist der Radverleih durchgehend offen und die Beförderung des Rads in der U-Bahn uneingeschränkt erlaubt.
Morgens, zwischen 9 und 10, beginnt das Leben in den Markthallen von Madrid. Hier einzukaufen hatte Tradition. Erst führten die Supermärkte und später die Wirtschaftskrise zu immer mehr geschlossenen Ständen. Das Konzept schien zum Aussterben verdammt. Aber es ist ganz anders gekommen. Madrids Markthallen haben sich neu erfunden.
© awl images/Mauricio Abreu
Einkaufen ist hier ein Genuss: die hübscheste Markthalle Madrids, der Mercado de San Miguel
Das berühmteste Beispiel, der Mercado de San Miguel >>>, war schon im Mittelalter ein populärer Treff- und Handelspunkt, allerdings unter freiem Himmel. 1809 verwandelte er sich in den ersten auf Fisch spezialisierten Markt. Zwischen 1913 und 1916 bekam er seine mit Glas kombinierte Eisenstruktur. Die Jugendstilkonstruktion des Architekten Alfonso Dudé Díaz wurde 2009 von Privatinvestoren in einen Gourmettempel verwandelt. Den Ständen merkt man das Lifting von Designern und Innenarchitekten an, das kulinarische Angebot dominieren außergewöhnliche Leckerbissen – der Mercado ist heute ein Anziehungspunkt für Feinschmecker mit dem nötigen Kleingeld.
Das Konzept funktionierte, und zwei Jahre später eröffnete ganz in der Nähe der Gran Vía, im Viertel Chueca, der dreistöckige Mercado San Antón >>>. Er ist einer der 46 Märkte, die der Stadtverwaltung unterstehen. Sie vergibt die Konzessionen, und wer eine bekommt, behält sie ein Leben lang. Über die Geschicke der jeweiligen Markthalle entscheiden die Standinhaber dann gemeinsam.
So hat sich zum Beispiel der eher alternative Mercado de San Fernando >>> in der Calle de Embajadores 41 zu einem Zentrum für verschiedene kulturelle Aktivitäten entwickelt. Zwischen Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch gibt es Kunsthandwerk, Textilien, ökologische Kosmetik oder Stände, an denen Möbel restauriert werden. Essen kann man natürlich auch.
Dass aus Märkten unter freiem Himmel Markthallen wurden, hatte hygienische und logistische Gründe. 1835 ordnete die Stadtverwaltung erstmals den Bau von festen Holzständen an. Die ersten Mercados, die ein Dach bekamen, waren San Ildefonso >>> und La Cebada. Letzterer ist einer der größten Märkte und hat sich bis heute viel von seiner Ursprünglichkeit bewahrt. San Ildefonso dagegen wurde 1970 abgerissen und 2014 ein paar Meter entfernt neu erbaut, nun aber als avantgardistischer »street food market«, wie man sie aus New York, London, Singapur oder Bangkok kennt.
Neben der wirtschaftlichen Funktion haben Märkte seit ihrem Bestehen auch eine gesellschaftliche Bedeutung. Sie sind ein Treffpunkt – nicht nur zum Austausch von Waren, sondern auch von Neuigkeiten und Ansichten. Der Professor für Anthropologie an der Madrider Universität Autónoma, Julio Ignacio Robles Picón beschäftigt sich seit Jahren mit diesem soziokulturellen Aspekt. »Vor allem für Alleinstehende sind die Mercados eine Möglichkeit, zumindest für die Zeit des Einkaufs aus der Isolation der eigenen Wohnung herauszutreten und am Nachbarschaftsleben teilzuhaben.« Das scheint auch im Fall der Immigranten zu funktionieren. Bestes Beispiel ist der Mercado de los Mostenses >>>. Er besteht seit 1875 und ist bis heute alles andere als chic. Im Erdgeschoss des roten Backsteingebäudes vereint er asiatische, lateinamerikanische und spanische Produkte und spiegelt damit die Vielfalt der Zuwanderer wider, die in diesem Viertel ganz in Nähe der Plaza España leben. Wer Lust hat, kann im Restaurant Lily-Xu zu günstigen Preisen die exotische Mischung einer peruanisch-chinesischen Küche ausprobieren. Sie heißt »chifa« und kommt ursprünglich von den in Peru lebenden Chinesen.
Einkaufen ist zur Nebensache geworden. Genießen und geselliges Beisammensein sind die neuen Stichwörter. Und der Trend scheint unaufhaltbar. Im 2014 eröffneten Mercado de Barceló >>>, ein Projekt des Architekturbüros Nieto Sobejano, findet man eine Bibliothek, Sporteinrichtungen, Dachterrasse und Kunstausstellungen. Niemand würde vermuten, dass man hinter seiner modernen Fassade auch Kartoffeln und Möhren kaufen kann.
© laif/Suse Multhaupt
In den Mercado San Ildefonso kommt man nicht nur zum Einkaufen ...
Eine ganz eigene Atmosphäre erlebt man abends in den Markthallen. Wenn die Lebensmittelstände längst geschlossen haben, füllen sich vor allem donnerstags, freitags und samstags in den Mercados Antón Martín (Santa Isabel 5) und Chamberí (La Chispería, Alonso Cano 10) die kleinen Restaurants und Bars mit Einheimischen – eine gute Gelegenheit für ein spontanes Abendessen ...
Seine Wurzeln liegen in Andalusien, aber einige der bekanntesten Bühnen, Tablaos, sind in Madrid. Marlene Dietrich, Ava Gardner, Ernest Hemingway, Gary Cooper, John F. Kennedy, Nicole Kidman, Richard Gere, Lady Diana oder Bill Clinton – alle haben die Mischung aus Tanz, Gesang und Rhythmus in Madrid im Original erlebt und sich mit einheimischen Künstlern auf Fotos verewigt.
© lookphotos/SagaPhoto
Lebendige Flamenco-Szene in der Casa Patas
Das heißt aber nicht, dass die Tablaos nur von Berühmtheiten oder Touristen leben, sie gehören zur spanischen Kultur. Eine Bühne mit Holzfußboden, der mindestens einmal im Jahr erneuert werden muss, Schuhe mit Nägeln in Absätzen und Spitzen, Kastagnetten, Gitarren, das alles verbindet man mit Flamenco. Der Name, Oberbegriff für Musik, Tanz und Gesang, bedeutet nicht Folklore, sondern Kunst. 2010 wurde der Flamenco von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.
Seine historischen Wurzeln sind jahrhundertealt. Sie liegen im Milieu sozialer Randgruppen und sind untrennbar mit dem umherziehenden Volk der Gitanos verbunden. Das stammte wohl aus Nordindien. Von dort zogen die Sinti und Roma im 10. Jh. als Musiker erst an den persischen Hof und dann immer weiter Richtung Westen. In Südspanien fassten sie schließlich Ende des 15. Jh.s Fuß. Dort gehörten die Gitanos, wie andernorts auch, zu den Ausgegrenzten, den Fremdkörpern in der Gesellschaft. Die Musik, der im Laufe der Zeit aufkeimende Flamenco, spendete Trost und gab Mut. Er ließ der Wehmut freien Lauf und stärkte das Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Heute ist der Flamenco eine Wissenschaft mit verschiedenen Stilrichtungen und in ständiger Entwicklung. Seine Grundelemente sind Gesang (cante), Gitarrenspiel (toque) und Tanz (baile). Der dominante Rhythmus wird durch das Aufstampfen, Klatschen, Fingerschnalzen oder den Einsatz von Kastagnetten unterstützt. Versuchen Sie mal, die atemberaubend schnellen Fußbewegungen der Bailaoras zu beobachten.
Anfang des 20. Jh.s wurde Madrid Hauptstadt des Flamenco, weil alle, die Rang und Namen hatten, in der Hauptstadt ihre Kunst zur Schau stellen wollten. Noch heute wohnen viele herausragende Flamenco-Künstler in Madrid.
Blanca del Rey ist eine von ihnen. 1946 im andalusischen Córdoba geboren, hatte sie ihren ersten Auftritt in Madrid mit gerade einmal 14 Jahren. Und zwar im Tablao Corral de la Morería >>>, vielleicht eine der berühmtesten Flamencobühnen überhaupt. Ihn gibt es seit 1956, und auf seinen Holzbrettern traten alle herausragenden Flamenco-Künstler auf. Die international bekannte Bailaora ist mittlerweile seine Direktorin. Seit 1983 leitet sie außerdem das Ballett Flamenco Blanca del Rey.
Eine weitere Institution in Sachen Flamenco ist die Casa Patas >>>. Wie im Corral de Morería kann man hier die Flamenco-Aufführung mit einem Abendessen verbinden. Die gleichnamige Stiftung organisiert neben Unterricht auch Konferenzen zu dem Thema. Tradition hat auch die Villa Rosa >>> an der Plaza Santa Ana. Hier hat übrigens Pedro Almodóvar die erste Szene von »Tacones lejanos« (»High Heels«) gefilmt.
Dass der Flamenco in Madrid auch heute sein Publikum hat, zeigt der Erfolg des Festivals Suma Flamenca. »Madrid hat ein solches Festival seit Langem verdient«, meinte die berühmte Sängerin Carmen Linares, als sie das Event 2006 vorstellte. Seitdem ist die Teilnehmerliste jedes Jahr das Who is who der Szene, und die Eintrittskarten, zu durchaus moderaten Preisen, sind im Nu ausverkauft. Tomatito, Enrique Morente, José Mercé, El Güito, El Cigala, Farruquito, Eva Yerbabuena, die übrigens in Frankfurt geboren ist, Blanca del Rey und natürlich Carmen Linares selbst – sie alle waren schon mindestens einmal dabei. Und für den Nachwuchs ist das Festival die Chance, sich einen Namen zu machen.
Die Arbeit junger Talente fördert auch das Tablao Las Carboneras >>> mit einem Tanzwettbewerb. Drei Bailaoras haben das Untergeschoss des Conde-de-Miranda-Palastes in einen Flamenco-Treffpunkt verwandelt, in dem auch Kunstausstellungen stattfinden.
Seit Oktober 2017 gibt es noch eine Bühne: das Teatro Flamenco >>>. Ein neues Konzept, denn hier wird erstmals ein Theater zum Tablao. Mit Getränken, aber ohne Essen und mit zwei Aufführungen am Tag. Die künstlerische Leitung haben die Bailaora Úrsula Morena und der Gitarrist Antonio Andrade. Sein Bruder Javier ist der Direktor – und beide können alles auf Deutsch erzählen, denn sie sind im Schwabenland aufgewachsen. Auf ihrer Webseite liest man: »Flamenco ist ein Gefühl der Seele, das getanzt, gesungen und gespielt wird.« Das Zitat ist anonym, aber die Flamenco-Liebhaber unterschreiben es sicher.
Wer herausfinden will, wie man sich im klassischen Flamenco-Outfit fühlt, sollte Don Flamenco in der Calle de Santa Isabel 7 einen Besuch abstatten. Vor allem die Schuhauswahl ist riesig. Hier können Sie sich sogar Ihr persönliches Modell anfertigen lassen (www.donflamenco.com). Denn nicht nur zum Tanzen, auch zum normalen Laufen sind die Schuhe geeignet!
In Madrid isst man nicht nur später als in anderen europäischen Hauptstädten, es gibt auch eine kulinarische Besonderheit: Tapas. Das Wort hat zwar verschiedene Bedeutungen, doch wenn es ums Essen geht, kommt der Name von »tapar«, »zudecken«. Ursprünglich handelte es sich wohl um ein Deckelchen auf dem Glas, damit keine Insekten im Wein, Sherry oder Bier ertrinken.
© mauritius images/Mira/Alamy
Laut einer Legende war ein spanischer Monarch unterwegs in Andalusien, entweder Alfonso VII. oder Alfonso XII., hier widersprechen sich die Quellen. In einer bescheidenen Taverne wurde er zu einem Glas Wein eingeladen. Aus Angst, dass eine der vielen Fliegen im Getränk des berühmten Besuchers landen könnte, schnitt der Kellner eine Scheibe Schinken ab und legte sie auf das Glas – ein improvisiertes Deckelchen, spanisch »tapa«. Heute versteht man unter Tapa einen Appetithappen, der als Begleitung zu einem Getränk serviert wird.
Die Tapas-Varianten sind endlos. Sie reichen von Chips, eingelegten Oliven, Käsestreifen oder luftgetrocknetem Schinken bis zu kleinen kulinarischen Kunstwerken mit raffinierten Zutaten. Egal ob bodenständig, rustikal oder ganz aufwendig zubereitet, ob auf einer Scheibe Brot, am Spieß oder wie auch immer serviert, die sehr bedingt saugfähige Papierserviette – meistens findet man sie in einer Box auf dem Tresen oder dem Tisch – gehört zu dieser Tradition dazu. Unbedingt gleich mehrere nehmen! Noch in den 1990er-Jahren war es üblich, alle Reste, einschließlich der Servietten, einfach auf den Boden fallen zu lassen. Heute ist das eher selten – sicher zur Freude der Kellner.
Geselliges Beisammensein, mittags oder abends, ist für die Madrilenen fast ein Synonym für Tapas – am liebsten in Verbindung mit Bier, »cerveza«. Das Getränk erfreut sich in der Hauptstadt großer Beliebtheit. Die häufigsten einheimischen Marken sind Mahou, Estrella Galicia, Alhambra und Cruzcampo. Allein in Madrid gibt es über zehn kleine Brauereien, darunter La Cibeles, La Virgen, Mad Brewing, Enigma und Freaks Brauen.
Für Nichteinheimische besteht die Kunst darin, das gezapfte Bier zu bestellen. Sehr populär ist die kleinste Variante, in der Regel 20 cl: »la caña«. Etwas größer ist der »tubo«, Röhre, in Anlehnung an das lange, hohe Glas, in dem das Getränk serviert wird. Einen halben Liter bestellt man als »jarra«. Die Tapas dazu kommen von selbst ...
Das Konzept der kleinen Köstlichkeiten aber hat sich geändert. Es ist längst mehr als nur ein Häppchen zum Getränk. Immer mehr Lokale, und nicht nur in Madrid, konzentrieren sich auf Tapas, aber nicht als Gratiszugaben, sondern zu unterschiedlichen Preisen und in ständig neuen Kreationen. Das gilt sowohl für traditionelle Lokale wie zum Beispiel die Bodega de la Ardosa (rechts), die seit 1892 in der Calle Colón 13 zu finden ist, als auch für moderne Gourmettempel, wie das Platea in der Calle Goya 5–7.
Seit 2010 hat das Phänomen sogar sein eigenes Festival: »Tapapiés« – Namens geber ist der Veranstaltungsort im multikulturellen Stadtviertel Lavapiés. Im Oktober konkurrieren hier zehn Tage lang die ansässigen Restaurants um eine Auszeichnung für ihre Tapas. Und natürlich kann jeder, der vorbeikommt, probieren ...
Angeblich hat Madrid in Europa die höchste Dichte an Lokalen pro Einwohner. Ob das stimmt, ist nicht bewiesen, aber das Ausprobieren dieser kleinen Häppchen – im Stehen oder auf einem Barhocker, sprich eine Tapastour zu machen, ist überall in der Stadt möglich.
Die Calle Ponzano im Stadtviertel Chamberí ist ein beliebter Treffpunkt für Tapas-Liebhaber. Hier findet man alteingesessene Lokale mit traditionellen Kachelbildern an der Wand, darunter »El Doble« (Nr. 15), gleich neben avantgardistischen Konzepten wie »Sala de Despiece« (Nr. 11), wo per iPad bestellt wird und die Dekoration an eine Metzgerei erinnert. Einige Lokale haben durchgehend offen. Abends empfiehlt es sich, vor 21 Uhr zu kommen, um einen Platz zu erwischen (Metro: Iglesia).
© laif/Gunnar Knechtel
T
Durchdacht, inspirierend, entspannt
Mit unseren Tourenvorschlägen lernen Sie Madrids beste Seiten kennen.
© getty images/Danita Delimont
Zweisprachig ans Ziel in Madrid
Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: Madrid ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. In der spanischen Hauptstadt gibt es unendlich viel zu entdecken, sodass man für einen Kennenlerntrip schon drei bis vier Tage veranschlagen sollte. Wer allerdings die weltberühmte Madrider Museenlandschaft und/oder die aristokratische Pracht und die Schauplätze großer Geschichte im Umland von Madrid erkunden möchte, dazu gehören das Escorial oder die Städte Segovia, Toledo, Alcalá de Henares und Aranjuez – alles UNESCO–Welterbestätten –, der sollte schon etwas mehr Zeit mitbringen und für jeden Ausflug einen Tag einplanen.
Madrid ist Ziel von Kunstfreaks aus aller Welt, die im »Kunstdreieck« zwischen den Museen Prado, Centro de Arte Reina Sofía und Thyssen-Bornemisza Stunden und Tage verbringen. Aber auch Opern- und Musicalfans kommen auf ihre Kosten. Sie alle vereint der Genuss der spanischen Küche und des typisch spanischen Lebensgefühls, das die Stadt durchweht.
Grafik herunterladen
Madrid ist riesengroß und auch die Highlights in der City liegen nicht immer nur einen Spaziergang weit auseinander. Die bequemste Art, sich von einem Ort zum anderen zu bewegen, ist die Metro. Das U–Bahn–Netz ist dicht geknüpft, die Züge sind schnell, zuverlässig und sauber, die Tickets billig. Die für eine systematische Stadterkundung strategisch günstigsten Unterkünfte liegen deshalb alle in der Nähe von Metro-Stationen. Zwar fahren in Madrid auch Busse, doch sind die Fahrpläne und die Streckenführung unübersichtlich. Auf Fahrten mit dem Auto sollte man alleine wegen des hohen Verkehrsaufkommens und der chronischen Parkplatznot ganz verzichten. Für Ausflüge nach Toledo und ins Escorial-Städtchen San Lorenzo de El Escorial nimmt man am besten den Zug, nach Segovia kommt man mit Linienbussen.
Start und Ziel: Plaza Mayor | Dauer: mind. 3 Std.
Bei gutem Wetter lässt sich das pulsierende Zentrum Madrids zwischen der Puerta del Sol und dem Palacio Real gut zu Fuß erkunden.
Grafik herunterladen
Es geht los an der Plaza Mayor, seit dem 17. Jh. der zentrale und für viele Spaniens schönster Platz. Über die Calle de Ciudad Rodrigo erreicht man den Mercado de San Miguel. Hier kommen Gourmets und solche, die es zumindest gerne für einen Tag wären, auf ihre Kosten. Eine Einkehr ist ein Muss! Nun folgt man der Cava de San Miguel und ihrer Fortsetzung Calle de Cuchilleros. Die »Gasse der Messerschmiede« mündet in die Puerta Cerrada (»verschlossenes Tor«), einst stand hier ein gleichnamiges Stadttor. Nun geht es hügelauf durch die Calle de San Justo, an der gewölbten Fassade der Kirche San Miguel vorbei und durch die Calle Puñonrostro. Die Nonnen des Convento de las Jerónimas del Corpus Christi (17. Jh.), auch Las Carboneras genannt, stellen köstliches Gebäck her (Calle del Codo; tgl. 9.30 – 13, 16 – 18.30 Uhr, am Schild »Monjas« klingeln). Nach ein paar Metern steht man auf Madrids stimmungsvollem Rathausplatz, der Plaza de la Villa. Der Stadtpalast Torre de los Lujanes ist der älteste Profanbau Madrids! Auf der geschäftigen Calle Mayor geht es ein Stück abwärts. An ihrem Ende führt die Calle de San Nicolás auf die Plaza de Ramales. Ein Stück weiter geradeaus öffnet sich die weit ausladende Plaza de Oriente mit dem grandiosen Königspalast, dem Palacio Real. Zwar weilt der König hier selten, königliche Pracht gibt es jedoch reichlich. Wer all die prunkvollen Sälen besuchen möchte, sollte mindestens zwei Stunden mehr einplanen. Gleich neben dem Palast liegt die Catedral de la Almudena, an der von 1883 bis 1995 gebaut wurde. Kronprinz Felipe und die Fernsehjournalistin Letizia Ortiz schlossen hier 2004 den Bund fürs Leben.
Ab der Plaza de Oriente geht es am Teatro Real vorbei auf die Plaza de Isabel II, dahinter führt ein kleiner Abstecher zum Real Monasterio de las Descalzas Reales, einem Kloster, das wegen seiner zahlreichen Kunstschätze einen Besuch lohnt (auch das verlangt zusätzliche Zeit). Von hier aus sind es nur wenige Minuten bis zur Puerta del Sol, einem vitalen Eckpfeiler des städtischen Lebens. Dann geht es durch die Calle Mayor zurück zur Plaza Mayor, wo man sich in einem der Cafés dort stärken kann.
Start: Centro de Arte Reina Sofía
Ziel: Plaza de España | Dauer: mind. 2 Std. (ohne Museumsbesuche)
Ein Spaziergang durch das Madrid der Monumentalbauten erfordert eine gute Kondition – doch es lohnt sich! Am Paseo de Prado verlocken gleich drei Museen von Weltrang zu einer Unterbrechung der Tour, an der Gran Vía verführen noble Geschäfte zum Schauen und Shoppen.
Grafik herunterladen
Ausgangspunkt der Tour ist das Centro de Arte Reina Sofía nahe des Atocha-Bahnhofs, das eine einzigartige Sammlung spanischer Kunst des 20. Jh.s und der Gegenwart beherbergt. Hauptsehenswürdigkeit ist Picassos kolossales Gemälde »Guernica«. Das Reina Sofía hat, im Unterschied zu den meisten Museen Madrids, übrigens montags geöffnet. Das Caixa Forum liegt bereits am Paseo del Prado, der zum weltberühmten Museo del Prado führt und auf die Plaza Cánovas del Castillo mit dem Neptunbrunnen (Fuente de Neptuno) mündet. Gleich dahinter wartet mit dem im Palacio Villahermosa untergebrachten Museo Thyssen-Bornemisza ein weiteres Highlight, für dessen Besuch man sich – wie für die beiden vorgenannten Museen – ausgiebig Zeit nehmen sollte. Auf dem Paseo del Prado geht es weiter auf die schöne, aber verkehrsreiche Plaza de Cibeles mit dem sehenswerten Cibeles-Brunnen (Fuente de la Cibeles) und dem monumentalen Palacio de Cibeles, auch Palacio de Comunicaciones genannt. Das ehemalige Hautpostamt beherbergt heute das Kulturzentrum CentroCentro. Ab der Plaza de Cibeles folgt man zunächst der Calle de Alcalá in Richtung Westen und dann der vor dem Edificio Metrópolis rechts abzweigenden Gran Vía mit ihren vielen Geschäften, Cafés, Theatern und Kinos. Den Schlusspunkt des Streifzugs setzt die mit viel Grün und einem Cervantes–Monumet aufgelockerte Plaza de España. Hier nehmen die Mitte des 20. Jh.s emporgeschossenen Hochhäuser Torre de Madrid und Edificio de España den Blick gefangen. Einige Bänke laden zu einer Pause ein. Mit der Metro gelangt man zurück zum Atocha-Bahnhof und Metro-Station.
Start und Ziel: Atocha-Bahnhof | Dauer: mind. 2 Std.
Madrid bietet erstaunlich viele Parks. Selbst im Atocha-Bahnhof grünt und blüht es! Der nahe gelegene Parque del Retiro ist die grüne Lunge der City.
Grafik herunterladen
Ausgangspunkt der Tour ist die alte Bahnhofshalle der Estación de Atocha, die in ein Palmenhaus verwandelt wurde. Vom Bahnhof geht es auf dem Paseo del Prado zum Museo del Prado (Tour >>>). Gegenüber dem Museum (Puerta de Morillo) befindet sich der Eingang zum schönen Botanischen Garten Jardín Botánico (gegen Gebühr). Hier fühlt man sich mitten in der Stadt in eine andere Welt versetzt. Ähnliches gilt für den riesigen Parque del Retiro, der gleich gegenüber auf der anderen Seite der Calle de Alfonso XII beginnt. Hier begeistern häufig Gaukler, Musikanten und Puppenspieler das Publikum. Ein lohnender Spaziergang führt am zentralen großen See, dem Estanque del Retiro, vorbei zum Palacio de Cristal (mit weiterem See) und zum Palacio de Velázquez. Durch die Calle de Alfonso XII gelangt man zur Estación de Atocha zurück.
Start: Metro Serrano | Ziel: Metro Núñez de Balboa | Dauer: mind. 1 Std.
Salamanca, der Stadtteil nördlich vom Retiro-Park, ist das exklusivste Einkaufsviertel der Stadt. Die Straßen Serrano, Goya, Velázquez und Hermosilla zählen zu den beliebtesten Shoppingmeilen Madrids. Strategisch günstige Einstiege bieten die Metrostationen Colón oder Serrano.
Grafik herunterladen
Die Calle de Serrano ist für feudale Juwelierläden (z. B. Suárez, Calle de Serrano/Ecke Calle de Don Ramón de la Cruz), exklusive Boutiquen (Loewe, Serrano 26–28) und Geschenkshops (Lladró, Serrano 68) bekannt. Zu Beginn des Bummels lohnt ein Blick auf die Plaza de Colón mit den Jardínes del Descubrimiento. Geht man die Calle de Serrano hinauf, so gelangt man, an der Ecke Serrano/Calle de José Ortega y Gasset, zu einem der großen Kaufhäuser der bekannten El Corte Inglés-Kette. Ein Abstecher über die Calle de José Ortega y Gasset führt zur Plaza Marqués de Salamanca, wo sich der Markgraf von Salamanca in bescheidener Größe auf einem Denkmal erhebt. Auf dem Rückweg zur Calle de Serrano ist dieser kleine Schlenker gut kombinierbar mit einem Besuch der Fundación March (Eingang Calle Castelló 77), die bekannt ist für anspruchsvolle Kunstausstellungen.
Lassen Sie den Streifzug wieder an der Calle de Serrano ausklingen; in der abzweigenden Calle Juan Bravo liegt die Metrostation Núñez de Balboa, von dort geht es mit der Linie 5 zurück ins Zentrum.
Bei einem längeren Madrid-Aufenthalt lohnen sich Ausflüge ins Umland der Millionenmetropole. Dort warten eine herrliche Gebirgsnatur und einige besuchenswerte historische Städte. Da die Madrilenen selbst begeisterte Ausflügler sind, findet man überall Unterkunft und hervorragende gastronomische Angebote.
Grafik herunterladen
Wohl niemand, der sich länger als 4 Tage in Madrid aufhält, lässt sich eine Besichtigung der berühmten Schloss- und Klosteranlage El Escorial 50 km nordwestlich der Stadt entgehen. Andere sehenswerte Ausflugsziele sind die ehemalige königliche Sommerresidenz in Aranjuez (47 km südlich), die altehrwürdige Universitätsstadt Alcalá de Henares (30 km östlich), das mittelalterliche Chinchón (45 km südöstlich), die Paläste von La Granja am Nordhang der Sierra de Guadarrama (78 km nördlich), Segovia (90 km nordwestlich) und Toledo (70 km südlich), das reich an Zeugnissen römischer, westgotischer, islamischer, jüdischer und christlicher Kultur ist. Toledo, der Escorial, Segovia, Aranjuez und Alcalá de Henares stehen auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.
Wer mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist, kann einen Ausflug nach Aranjuez gut mit einem Abstecher in das malerische Chinchón kombinieren. Dieses kastilische Städtchen (4000 Einw.; Anfahrt über die M 5) hat einen der schönsten Plätze Zentralspaniens zu bieten: Die Plaza Mayor ist von drei- bis viergeschossigen Häusern mit offenen Galeriegängen umschlossen, die kleine Cafés, Restaurants und Läden beherbergen. Seit dem 16 Jh. finden hier im Sommer Stierkämpfe sowie Theatervorführungen und andere Veranstaltungen statt. Von der hoch gelegenen Iglesia de la Asunción (1537 – 1626) genießt man einen schönen Blick über das Dorf. Goya, dessen Bruder hier Pfarrer war, vermachte der Kirche das Gemälde »Maria Himmelfahrt«. Das oberhalb des Städtchens gelegene Kastell geht auf das 15. Jh. zurück und war Sitz der Grafen von Chinchón. 1706, während des Spanischen Erbfolgekriegs, wurde es schwer beschädigt. Chinchón ist übrigens für seinen köstlichen Anislikör bekannt.
Die Provinzhauptstadt Guadalajara (70 000 Einw.) liegt 55 km nordöstlich von Madrid über dem linken Ufer des Río Henares (Anreise mit dem Auto über die N II sowie mit Bahn oder Bus). Ihr Name geht auf das maurische Quad al-Hadschara zurück (= Fluss der Steine). Das mächtige Geschlecht der Mendoza, in deren Besitz die Stadt im 14. Jh. gelangte, prägte die Entwicklung Guadalajaras nachhaltig. In der Umgebung bei Brihuega tobte im März 1937 die »Schlacht von Guadalajara« zwischen spanischen republikanischen und italienischen Truppen. Sehenswert ist der Palacio del Duque del Infantado, den sich die Familie Mendoza 1461 – 1480 von Juan Guas errichten ließ. Der Palast ist aufgrund der gelungenen Verschmelzung spätgotischer und mudejarer Stilelemente ein Meisterwerk dieses Architekten. Seine Fassade ist mit spitz facettierten Steinen übersät. Den Abschluss bildet eine Erkergalerie mit fein gearbeitetem Säulenschmuck. Das Gebäude umschließt einen herrlichen zweistöckigen Patio im isabellinischen Stil. In die prächtig ausgestatteten Innenräume ist das Museo de Bellas Artes eingezogen, das vor allem Gemälde aus dem 15. bis 17. Jh. zeigt. Die Kirche Santa María de la Fuente wurde im 14. Jh. an der Stelle einer Moschee errichtet. Der Bau besitzt zwei Portale im reinsten arabischen Stil und einen Turm in Minarettform. Im Inneren sind Grabmäler aus dem 15. Jh. zu besichtigen.
Rund 50 km nordwestlich von Madrid liegt die Sierra de Guadarrama, die zu einem Bergmassiv gehört, das Alt- und Neukastilien trennt. In der Peñalara erreicht sie eine Höhe von 2430 m, in den Cabezas de Hierro 2383 m. Der Gebirgszug ist im Sommer wie im Winter (u. a. die Skistationen Puerto de Navacerrada, www.puertonavacerrada.com, oder Valdesqui, www.valdesqui.es/) ein beliebtes Wochenendziel der Hauptstädter (viele Infos zu Sehenswürdigkeiten, Hotels und Gastronomie: www.sierraguadarramamanzanares.org). Wer mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist, kann einen Ausflug nach Segovia und La Granja de San Ildefonso gut mit der Fahrt durch die Sierra de Guadarrama kombinieren. Einen Abstecher wert ist auch das ab 1754 errichtete Schloss Riofrío, Witwensitz von Isabella Farnese, der Ehefrau Philipps V. (www.patrimonionacional.es/real-sitio). Ein kulturelles Highlight ist das Schloss von Manzanares el Real (908 m), das im 15. Jh. im weiten Tal des hier zur Embalse de Santilla gestauten Manzanares in gotisch-mudejarem Stil erbaut wurde (geöffnet: im Sommer Di. –Fr. 10–18, Sa. bis 19.30, So. bis 18.30 Uhr). Sehenswert ist auch das bei Rascafría gelegene Monasterio Santa María de El Paular (1153 m hoch gelegen; 2 km westlich von Rascafría), 1390 als Kartäuserkloster gegründet. Heute wird es von Benediktinermönchen bewohnt. Die Pläne stammen vom Mauren Abd ar-Rahman aus Segovia. Juan Guas beaufsichtigte die Fertigstellung. Die Gebäude um den Kreuzgang beherbergen ein Hotel und ein Restaurant. In einem Laden bieten die Mönche Käse und Honig zum Kauf an. In der nach dem Erdbeben von 1755 barock wieder aufgebauten Kirche findet man die Capilla del Tabernáculo von 1724 sowie einen niederländischen Marmorhochaltar des 15. Jahrhunderts.
Genau hinsehen, nicht daran vorbeigehen, einfach probieren!
Auch Madrid hat ein Chinatown. Es ist nicht berühmt, aber authentisch und liegt im Viertel Usera im Süden Madrids. Neujahr feiern die Chinesen laut und bunt, nicht nur hier, auch im Zentrum. (Metro: Usera)
Madrids Großmarkt ist der größte Lebensmittel-Umschlagplatz in Europa und nach Tokio der zweitgrößte weltweit für Seafood. Dabei liegt die Stadt 400 km vom Meer entfernt. (www.mercamadrid.es/)
Touren für Vogelfreunde in Madrid? Das gibt es wirklich! In der Casa del Campo werden Führungen angeboten, und wer Madrid Río besucht, hat gute Chancen einen Kormoran zu sehen.
Selber mal einen Ferrari oder Lamborghini steuern? Auf der Rennstrecke Jarama im Norden Madrids muss man sich nur anmelden – und bezahlen. (www.jaramaexperience.com/)
Süden, Sonne und dennoch das ganze Jahr Schnee: Auf der Skipiste des Einkaufszentrums Xanadú ist das Realität. Wer die Natur vorzieht, kann im Winter zwischen Puerto de Navacerrada und Valdesqui in der Sierra de Guadarrama wählen.
Mit Kreativität, Mut zu neuen Konzepten und natürlich Talent hat es David Muñoz geschafft: Sein Restaurant DiverXo hat als Einziges in Madrid 3 Michelin-Sterne.
S
Magisch, aufregend, einfach schön
Unsere Hintergrundinformationen beantworten (fast) alle Ihre Fragen zu Madrid.
© mauritius images/Catharina Lux
An der Plaza de España trifft das alte auf das neue Madrid.
Karte herunterladen >>>
Lage: 35 km östlich | Höhe: 587 m ü. d. M. | Einwohnerzahl: 204 000
Eine der ältesten Universitäten des Landes, eine von der UNESCO geadelte Altstadt mit prächtigen Renaissance- und Barockbauten und jede Menge Miguel de Cervantes, Verfasser des »Don Quijote« und Spaniens genialster Literat, – das alles verspricht ein Besuch von Alcalá de Henares.
Alte Universität
Die alte Stadt Alcalá de Henares am gleichnamigen Fluss wurde von den Römern Complutum und von den Mauren Al-Kal’a genannt. 1496 gründete Kardinal Cisneros hier eine Universität, an der u. a. Ignatius von Loyola, Thomas von Villanueva, Calderón, Lope de Vega, Quevedo und Tirso de Molina studierten. 1515 – 1520 erschien an der Universität die erste mehrsprachige Bibel, die »Biblio Complutensis« (das Neue Testament in Lateinisch, Griechisch, Hebräisch und Chaldäisch). Mit der Verlegung der Universität nach Madrid im Jahr 1836 verlor Alcalá de Henares viel von seiner einstigen Bedeutung. 1973 erhielt die Stadt wieder eine Universität und erlebt seither einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung.
Mittelpunkt der Stadt ist die rechteckige Plaza de Cervantes mit einem Denkmal (1879), das den großen Dichter (Interessante Menschen >>>) zeigt – allerdings ohne die Verstümmelung seiner rechten Hand, die der Bildhauer wohl absichtlich übersehen hat. Vom Platz führt die Calle Pedro Gumiel direkt zur alten Universität an der Plaza de San Diego.
Vom Hauptkolleg der 1496 von Cisneros gegründeten Universität, für deren Bau bis 1514 Pedro Gumiel verantwortlich zeichnete, hat nur die Aula den Bürgerkrieg überstanden. Die platereske Hauptfassade an der Plaza de San Diego, 1543 von Rodrigo Gil de Hontañon gestaltet, ist eine der schönsten Fassaden Spaniens. Die drei Innenhöfe wurden 1557 – 1662 ausgebaut. Vom ersten Innenhof, dem von einer doppelten Galerie gesäumten Patio de Santo Tomás de Villanueva mit einem Brunnen mit Schwanenmotiven, dem Wappenvogel des Kardinals Cisneros, und einer Statue des Gründers von 1670, gelangt man in das Museum zur Geschichte der Universität im ersten Stockwerk. Durch den 1960 wieder aufgebauten Patio de Filósofos erreicht man den Patio Trilingüe, so benannt nach den klassischen Gelehrtensprachen Griechisch, Hebräisch und Latein. Hier befindet sich der Zugang zum Paraninfo, der historischen Aula, die zu den wenigen unverändert gebliebenen, restaurierten Gebäudeteilen gehört. An den Innenhof schließt die Hostería del Estudiante an, die ihrem Namen zum Trotz keine Mensa, sondern ein gutes Restaurant ist (Zugang nur über die Calle Colegios 3; Tel. 91 8 88 03 30). Das Universitätsgebäude kann montags bis samstags vormittags und nachmittags im Rahmen einer Führung besucht werden. Alljährlich am 23. April überreicht der spanische König in der alten Aula der Universität den Premio Cervantes, einen begehrten Literaturpreis. Sehenswert ist außerdem die der Universität benachbarte, in einem Mischstil aus spätgotischen, mudejaren und Renaissance-Elementen errichtete Capilla de San Ildefonso. Hier befindet sich das von den Bildhauern Domenico Fancelli und Bartolomé Ordóñez geschaffene Marmorgrabmal des Kardinals Cisneros († 1517).
Im Stadtgebiet sind weitere Kollegiengebäude der Universität verteilt, von denen das Colegio de Málaga unweit südlich in der Calle de los Colegios durch seine wunderschönen Innenhöfe und das Backsteinmauerwerk herausragt. Als Colegios bezeichnete man Wohnstätten für landsmannschaftlich zusammengefasste Studenten oder aber sogenannte Lateinschulen, in denen die zukünftigen Studenten auf den Universitätsbesuch vorbereitet wurden.
An der Plaza de Cervantes, einem atmosphärischen Platz mit kleiner Parkanlage und Musikpavillon, beginnt die arkadengesäumte Calle Mayor. Das Haus Nr. 48 wurde im Stil des 16. Jh.s gebaut, und zwar an der Stelle, an der Cervantes’ Geburtshaus vermutet wird. Hier ist das Museo Casa de Cervantes eingerichtet worden, in dem Erinnerungsstücke an den Autor des »Don Quijote« ausgestellt werden.
Di – So. 10 – 18 Uhr | www.museo-casa-natal-cervantes.org | Eintritt frei
Mit dem Bau des festungsähnlichen erzbischöflichen Palastes an der Plaza del Palacio wurde im 13. Jh. begonnen, die wesentlichen Umbauten fanden jedoch im 14. und 16. Jh. statt. Die Seitenfassaden sind gotisch, die Hauptfassade plateresk ausgeführt. Vom wuchtigen Torreón de Tenorio führt die Befestigungsmauer zum Stadttor Puerta de Madrid und weiter zur Puerta de Burgos. Hier, an den Palast anschließend, liegen Kirche und Konvent Las Bernardas. Kloster und Kirche wurden zwischen 1617 und 1626 von Sebastián de la Plaza erbaut. Schön sind die Statue des hl. Bernhard über dem Portal, die auf ovalem Grundriss errichtete Kirche mit sechs Kapellen und die mit Gemälden von Angelo Nardi ausgestattete Capilla Mayor.
Das Ensemble sakraler Gebäude um die Plaza wird vervollständigt durch den östlich liegenden Backsteinbau des Convento de la Madre de Dios von 1576 und jenseits der Plaza durch das Oratorio de San Felipe Neri (1698 – 1704 errichtet). Unweit südlich ragt der Glockenturm der Hauptkirche Iglesia Magistral aus dem 16. Jh. auf.
© age fotostock / Lookphotos
Lernen und durch sonnendurchflutete Gänge wandeln: Im Colegio Mayor de San Ildefonso mit dem Patio de Santo Tomás de Villanueva ist’s möglich.
Plaza de los Santos Niños s/n
28800 Alcalá de Henares
Tel. 91 8 89 26 94
www.turismoalcala.com
über die A 2
Mit den Nahverkehrszügen Cercanías C-1 und C-7 kommt man mehrmals täglich von den Madrider Bahnhöfen Atocha, Recoletos, Nuevos Ministerios und Chamartín nach Alcalá de Henares.
Der »Cervantes-Zug«, Tren de Cervantes, verkehrt vom 20. April bis 23. Juni und vom 28. September bis 1. Dezember zwischen Madrid (Atocha) und Alcalá de Henares. Sa., So. Abfahrt 11 Uhr ab Atocha, Rückfahrt um 19 Uhr; Ticket: Erwachsene 14 €, Kinder 9 €. Die Zugbegleiterinnen haben Trachten aus Cervantes’ Zeiten an und verteilen Produkte der Region, professionelle Guides führen durch Alcalá. Es bleibt auch Zeit zur freien Verfügung. Aktuelle Infos über die Fremdenverkehrsämter oder direkt am Bahnhof.
www.renfe.com
Das Busunternehmen Continental Auto fährt mehrmals täglich ab Avenida de América (Metrostation Avenida de América).
Tel. 91 3 56 23 07
Das Hotel ist in den Gemäuern eines Klosters aus dem 17. Jh. untergebracht. Für den gelungenen Umbau gab es Architekturpreise; mit Spa-Bereich.
Calle Colegios 8
Tel. 91 8 88 03 30
123 Zimmer, 11 Suiten
Karte herunterladen >>>
Lage: 47 km südlich | Höhe: 492 m ü. d. M. | Einwohnerzahl 60 000
Die Gärten von Aranjuez, in denen Schiller seinen »Don Carlos« agieren lässt, sind zu Recht berühmt. Sie umgeben den Sommerpalast der Könige und säumen mit ihren uralten Bäumen das Ufer des Río Tajo. Die Palastanlage inspirierte Joaquín Rodrigo zu seinem populären Gitarrenkonzert und war Grund für die UNESCO, das gesamte Städtchen unter Schutz zu stellen.
Sommersitz der Könige
Kaum angekommen, versteht man sofort, warum die spanischen Könige hier ihre Sommer verbrachten – Aranjuez am Río Tajo ist der Obst- und Gemüsegarten von Madrid. Im Königspalast und seinen Gärten fällt es nicht schwer, sich das Leben am Hof vorzustellen. Aber auch wenn man hier ewig bleiben könnte, lohnt es sich, noch etwas Zeit für die Innenstadt mit ihren sternförmig angelegten Prachtstraßen, Alleen, Brücken und Häusern aus rotem Backstein und weißem Naturstein aufzuheben.
Grafik herunterladen
1 Jardín del Parterre
2 Jardín de Isabel II
El Cocherón
Der Königliche Palast wurde 1560 im Auftrag von Philipp II. nach Plänen von Juan Bautista de Toledo, dem Erbauer des Escorial >>>
