Bambus in Georgia - Sylvia Knelles - E-Book

Bambus in Georgia E-Book

Sylvia Knelles

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Beschreibung

Josie & Miriam Die junge Liebe von Josie und Miriam wird auf eine harte Probe gestellt, als der Vater von Miriams Sohn Janny die Heirat fordert, um für immer in Deutschland bleiben zu können. Als Miriam ihm eine Absage erteilt, lässt er nichts unversucht, um seinen Sohn mit nach Afrika zu nehmen. Verzweifelt versuchen die beiden Frauen ihre kleine Familie zu schützen und tauchen unter. Als er die drei in Hamburg wieder aufspürt, wissen Josie und Miriam, dass sie für Janny, ihre gemeinsame Zukunft und ihr Familienglück nun eine Entscheidung treffen müssen.

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Die Autorin

Sylvia Knelles wurde am 4. November 1960 in Mülheim an der Ruhr geboren.

Lebensstationen:

Moers, Sindelfingen, Lagos/Nigeria, Accra/Ghana, Mainz und Sylt. Seit 1979 ist Hamburg ihr Lebensmittelpunkt.

Zum Schreiben zieht sie sich auf die Inseln Sylt oder Mallorca zurück, aber auch nach New York oder Timmendorf.

1991 erschien ihr erster Roman.

Weitere lesbische Strandschmöker folgten, aber auch Sachbücher, Krimis und Reisereportagen.

www.sylvia-knelles.de

Für

Zanne

und Steven

Woodland Hills

Sothern California

Bumerang

Die Farben deines Lebens

hälst du allein

in deiner Hand

einen bunten Reigen voller Bumerange

du wirfst sie hinaus ins Leben

viele bunte Farben und Formen

mal hoch, mal weit

und doch eines haben sie alle gemeinsam

was auch immer du

in deinem Leben geworfen hast

irgendwann kehrt

was auch immer du geworfen hast

ganz sicher zu dir zurück

denn der Bumerang der Liebe

fliegt auch im Dunkel der Nacht

Ich sah mich im Gerichtssaal um. Die Gegenpartei musterte mich siegessicher. Auch die Schaulustigen waren schon da. Der Raum war karg und kalt. Ich fror. Der Richter, der Staatsanwalt, beide wirkten auf mich bedrohlich in ihrer schwarzen Robe. Der Gerichtsdiener schloss die Tür. Meine Anwältin lächelte mir immer wieder aufmunternd zu. Ich vernahm den Klang von Stimmen, aber der Sinn ihrer Worte erreichte mich nicht. Der Richter bat noch einmal eindringlich um Ruhe. Die Verhandlung begann. Der gegnerische Anwalt redete beschwörend auf den Richter ein, laut schnarrend und unangenehm drang später auch die Stimme des Staatsanwaltes an mein Ohr.

Meine Anwältin stieß mich an. Ich schreckte hoch. Sah mich irritiert um. Blickte zum Richter. Geduldig sah er mich an. Vor seiner Urteilsverkündung hatte ich das letzte Wort. Die Zuschauer starrten mich an. Ich fühlte mich ausgeliefert, hilflos. Dann richtete ich mich entschlossen auf. Sah den Richter an. Gab es eine Entschuldigung, eine Rechtfertigung für mein Verhalten? Erwartungsvoll sah er mich an.

Ich nahm all meinen Mut zusammen: "Was auch immer ich getan habe, es geschah im Namen der Liebe." Der Richter sah mich lange schweigend und ruhig an. Kurze Zeit später war die Urteilsverkündung. Mechanisch erhob ich mich, sah aber nicht auf. Wieder klang durch dichten Nebel die Stimme des Richters an mein Ohr: "Im Namen des Volkes..."

Schweißgebadet schreckte ich hoch. Der Wind hatte einen Fensterladen krachend gegen die Wand geschlagen. Der Wind jagte durch die leeren Straßen. Ich angelte nach den Zigaretten neben meinem Bett und setzte mich auf. Ging ans Fenster und sah in die Nacht hinaus. Werbetafeln warfen farbige Lichtspiele in die Pfützen, die der Sturm hinterlassen hatte. Irritiert sah ich mich um. Ich hatte nur geträumt. Ich fuhr mir durch die Haare. Heute war der Tag der Entscheidung gekommen. Ich konnte die Entscheidung nicht länger aufschieben. Ich war ratlos und doch hörte ich eine innere Stimme, die mich wissen ließ, was ich zu tun hatte. Ich zündete mir eine Zigarette an und setzte mich auf das Fensterbrett, starrte in die Nacht und blies kleine Rauchkringel in die Dunkelheit.

Drei Tage Bedenkzeit hatte ich mir erbeten und heute früh würde ich mich entscheiden müssen. Die drei Tage waren im Fluge verstrichen. Manchmal im Leben schlittert man in Situationen hinein. Einfach so und unbekümmert. Plötzlich und unerwartet werden Entscheidungen gefordert, Entscheidungen, die das Leben von anderen beeinflussen oder sogar drastisch verändern würden. Immer wieder schob ich meine Gedanken wie Puzzlesteine hin und her. Aber heute würde ich mich zu einer endgültigen Entscheidung durchringen. Ich hatte mein Wort gegeben und ich würde es halten. Unter allen Umständen. Und dabei hatte alles vor ein paar Monaten so harmlos angefangen.

Ich schlug mich seit mehreren Jahren mit meiner kleinen Detektei so recht und schlecht über die Runden. Ich hatte mich darauf spezialisiert, Schuldner, die untergetaucht waren, wieder aufzuspüren. Ich arbeitete auch oft für Versicherungen und spürte gestohlene Luxuslimousinen wieder auf. Jeder zweite Fahrzeugdiebstahl war heutzutage fingiert. Ich hatte also genug zu tun. Ein Job, der meinem Gerechtigkeitssinn entsprach.

Schnüffeleien in Ehescheidungsangelegenheiten lehnte ich von Anfang an ab. Auch private Nachforschungen waren nicht mein Spezialgebiet. Zu viele Einzelschicksale wurden einem so urplötzlich offengelegt. Die Banken und viele Firmen machten es sich oft viel zu einfach, verliehen Gelder, die in keinem Verhältnis zur Situation standen. Und wenn die Schuldner dann in ihrer Verzweiflung untertauchten, sollten wir sie wieder auftreiben.

Ganz am Anfang hatte ich zweimal solche Aufträge angenommen, aber ich konnte das nicht mit mir und meinem Gewissen vereinbaren. Auch die Eheschnüffeleien mochte ich nicht. Wenn der Verdacht bestand, dass man betrogen wurde, warum sprach man nicht mit seinem Partner? Stattdessen ließ man ihn von uns Schnüfflern jagen und damit war in meinen Augen jede Chance auf ein weiteres Zusammenleben der beiden Parteien nicht mehr möglich. So hatte ich mich dann, wie viele meiner Kollegen, spezialisiert.

Ich war viel unterwegs und mir machte meine Arbeit eine Menge Spaß. Eines Abends, als ich von Recherchen zurückkam, tummelten sich wieder eine Menge Faxe auf meinem Boden. Irgendwie hüpften die Seiten immer über die Sperre des Gerätes und trudelten dann nach unten, verteilten sich im ganzen Raum. Ich sammelte sie ein und stöberte sie durch, während ich mir in der Küche eine Pizza in den Ofen schob. Dann hörte ich den Anrufbeantworter ab und einer meiner größeren Auftraggeber bat um umgehenden Rückruf. Nun denn. Ich schnappte mir das Telefon und nahm es mit ins Arbeitszimmer.

Schon nach dem zweiten Klingeln war Herr Körber am Apparat. Wir verabredeten uns für denselben Abend zu einem Geschäftsessen. Ich stellte den Ofen wieder ab, verschwand unter der Dusche und eine knappe Stunde später saßen wir bei Steak und Salat zusammen.

Nach dem Essen schob Herr Körber mir einen Umschlag zu. Ich öffnete ihn und zog ein halbes Foto, das jemand wieder zusammengeklebt hatte, hervor. Fragend sah ich ihn an. Ein Zettel, auf dem ein paar Namen notiert waren und zwei Frankfurter Adressen. Das war alles? Er musterte mich schweigend.

"Es geht um den Fall einer Kindesentführung und ich möchte, dass sie sich darum kümmern."

"Warum gehen sie nicht zur Polizei?"

"Der Fall liegt ein paar Jahre zurück und ich bin einem afrikanischen Geschäftsfreund einen Gefallen schuldig."

"Warum lassen sie nicht von Frankfurt aus recherchieren, wenn das Kind doch dort verschwunden sein soll?"

"Alexandra, nun sind sie doch nicht so hartnäckig. Ich kann ihnen dazu nicht mehr sagen. Tun sie mir den Gefallen und spüren sie das Kind auf. Nehmen sie sich Zeit, aber finden sie etwas heraus."

Ich war nicht überzeugt davon, dass ich den Auftrag annehmen sollte.

"Ich weiß nicht. Es gibt fast keine Anhaltspunkte. Man kann nicht nachfragen, da der Auftraggeber nicht erkannt werden möchte. Das ist mir alles zu undurchsichtig. Da fische ich ja ständig im Trüben. Dann dieses Foto."

"Was ist mit dem Foto?"

Ich drehte es in seine Richtung. Zeigte auf die geklebten Spuren.

"Das meine ich. Sehen sie hier. Das Foto ist unvollständig. Die Hälfte ist abgerissen. Aber hier am Rand können sie sehen, dass da noch eine Person auf dem Foto war. Wer ist die andere Person? Warum haben sie nur ein halbes Foto?"

"Das herauszufinden ist ihre Aufgabe."

"Und sonst gibt es keinerlei Hinweise? Haben sie Ansprechpartner oder Kontaktpersonen? Irgendwelche Anhaltspunkte?"

"Nein, keine. Es gibt dieses Foto, den Namen des Kindes, den Namen der Mutter, aber sie machen das schon."

Ich zögerte. Schüttelte den Kopf.

"Ich sehe da nicht viele Chancen. Es gibt Detektive, die sich darauf spezialisiert haben. Ich habe keinerlei Erfahrungen auf diesem Gebiet."

Mir gefiel das nicht. Ich gab ihm das Foto zurück. Er betrachtete es eine Weile. Dann sah er mich prüfend an. Schob das Foto wieder in meine Richtung. Ich sah ihn an, ein wenig fragend. Er zuckte mit den Schultern. Tippte auf das Foto.

"Sehen sie, ich mache mir da nichts vor. Ich glaube auch nicht, dass sie viel erreichen können, aber ich habe ihm mein Wort gegeben und das möchte ich halten. Sie spüren doch sonst auch jedermann auf."

Ich ließ nicht locker. Sah ihn wieder an. Ein komischer Auftrag. Irgendwie wollte meine innere Stimme nicht schweigen.

"Es muss aber doch Anhaltspunkte geben. Wer ist das Kind? Wer ist der Auftraggeber? Warum hat er ein Interesse an dem Kind?"

Herr Körber lachte mich an, nahm sein Glas und prostete mir zu.

"Sie geben nicht auf, nein? Sehen sie, ich weiß ja auch nicht sehr viel darüber. Ich schulde einem afrikanischen Geschäftsfreund nur einen Gefallen. Wir sind auf Grund der Größenordnung des Auftrages da irgendwie verpflichtet. Der Auftraggeber möchte nicht in Erscheinung treten. Das müssen wir respektieren. Absolute Diskretion ist erforderlich."

Ich dachte ein wenig über meine Situation nach. Ich hatte in den letzten Monaten auf großem Fuße gelebt, mein Kontostand war stiller Zeuge der wilden Zeit. Ich könnte einen gutbezahlten Auftrag brauchen. Der letzte Urlaub mit meiner Freundin Charly hatte ein großes Loch in meine Kasse gerissen. Ich kämpfte noch mit mir, war eher versucht, den lukrativen Auftrag sausen zu lassen, aber Herr Körber war auch ein guter Kunde, mit dem ich schon Jahre zusammenarbeitete. Ich saß in einer Zwickmühle. Normalerweise hatten Auftraggeber immer einen guten Grund und waren recht auskunftsbereit, aber das war hier wohl nicht der Fall. Vielleicht ein Grund, warum ich so misstrauisch war. Welchen Grund hatte der Auftraggeber, nicht in Erscheinung treten zu wollen? Noch einmal hakte ich nach.

"Wenn der Auftraggeber von einer Entführung überzeugt ist, warum schaltet er dann nicht die Polizei ein? Ich verstehe das nicht. Gibt es eine Polizeiakte über den Fall?"

Er sah mich erstaunt an.

"Ich glaube nicht."

"Bei einer Entführung?"

Spätestens in diesem Moment hätte ich nein sagen müssen, aber dann sah ich auf den Scheck, den Herr Körber ausschrieb, dachte nicht weiter nach und sagte zu. Auf dem Weg nach Hause schalt ich mich eine Närrin, aber nun war es zu spät. Ich würde diesen Fall abhandeln, wie alle anderen Fälle und ihn schnell wieder vergessen.

Ich hatte zwei Monate Zeit, den Jungen wieder zu finden. Zwanzigtausend plus Spesen. Gleich morgen früh würde ich den Scheck zu meiner Bank bringen. Dann konnte ich eh nicht mehr zurück. Es gab auch überhaupt kein gutes Argument dagegen. Ich dachte daran, dass ich danach in Urlaub fliegen, mich anschließend wieder einmal in den Armen einer schönen Frau dem faulen Leben hingeben könnte. Also machte ich mich an die Arbeit. Außerdem hatte ich zurzeit Liebeskummer und sehnte mich nach ein wenig Ablenkung. Obwohl ich meine Freundin Charly wegen ihrer ständigen und ungerechten Eifersuchtsdramen verlassen hatte, musste ich mir eingestehen, dass ich litt. Aber ich konnte für sie nicht meinen Job aufgeben oder meine Recherchen zu den üblichen Bürozeiten abhalten.

Ich weiß nicht, wie sie sich das so vorgestellt hatte. Ständig hatte Charly hinter mir her telefoniert und ich war oft versucht, mein Handy in der Elbe zu versenken. Wir waren dann in Urlaub gefahren, hatten in den zwei Wochen Karibikurlaub versucht zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten war.

Nach dem Urlaub hatten wir uns getrennt. Ich hatte mich für diese Trennung entschieden und trotzdem wollte mein Gefühl nicht der Vernunft folgen. Für diesen Urlaub mit Charly hatte ich mein Konto gnadenlos überzogen und so kam mir dieser Auftrag wie gerufen.

In einer anderen Situation hätte ich mir sicher mehr Zeit genommen, um meiner inneren Stimme zu lauschen. Aber wie bereits erwähnt, Herr Körber zählte zu meinen guten Kunden und ich hätte sowieso schlecht ablehnen können. Nun fuhr ich nach Hause, mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend.

Ein halbes Foto, zwei Adressen und keine weiteren Informationen. Wer war der eigentliche Auftraggeber? Warum war er an der Frau und dem Kind interessiert? Ich war mit der ganzen Situation äußerst unzufrieden.

Am nächsten Tag faxte und telefonierte ich kreuz und quer durch ganz Deutschland, aber es stellte sich als ein ziemlich schwieriges Unternehmen dar, weil der Vorfall schon drei Jahre zurücklag und die letzte Spur aus Frankfurt kam. Ich rief dann bei Hans an, einem Kollegen, den ich vor Jahren auf einem Seminar kennengelernt hatte. Wir mochten uns von Anfang an und hatten uns nie wieder ganz aus den Augen verloren.

Ich bat Hans um Amtshilfe, zumal er in Frankfurt wohnte und damit näher an der ganzen Sache recherchieren konnte. Ich faxte ihm die Adressen durch, die ich kannte und das Foto. Hans und ich hatten ein paar gemeinsame Freunde und wir besuchten uns sporadisch.

Ich wusste auch, dass ich mich in Frankfurt auf die Suche nach dem Kind machen musste. Dort war mein letzter und auch einziger Anhaltspunkt. Ich erzählte ihm von den Fakten, die ich kannte. Dann ging ich zur Bank, um meinen Scheck einzureichen. Als ich wieder nach Hause kam, blinkte mein Anrufbeantworter. Hans bat mich um Rückruf. Nach dem zweiten Klingeln wurde der Hörer abgenommen und ich hörte seine mir immer noch vertraute Stimme.

"Hallo Hans, ich bin´s, Alexandra."

"Hallöchen, na das klappt ja gut mit uns beiden. Aber viel Hoffnung kann ich dir leider nicht machen. Ich hab da noch ein paar Sachen am Laufen, aber viel wird es wohl nicht werden. Ich hab mal einen Polizeikollegen angezapft, aber da hab ich noch nichts gehört. Aber das klappt wohl noch, ich sehe ihn übermorgen beim Bowling. Auch in den Zeitungsarchiven habe ich noch einmal alles geprüft. Es gibt auch keinen Bericht über einen Vorfall. Weder in Frankfurt, noch in Hamburg. Irgendwas müsste doch da zu finden sein, oder? Das Bild, das du mir gefaxt hast, ist ja ganz schön zusammengeflickt. Warst du das?"

"Hans, nicht doch. Ist der Kleine nicht süß? Das Foto war schon so."

"Hast du auch noch den anderen Teil?"

"Nein, warum?"

"Die Adresse vom Fotostudio hinten ist nicht ganz komplett, aber es wird sich wohl trotzdem auffinden lassen. Wann kommst du her? Schon einen Plan?"

"Ich wollte heute Abend noch losstarten und dachte, dass ich dann pünktlich zum Frühstück bei dir eintreffe. Ich dachte so an zwei Tage. Wenn sich eine heiße Spur ergibt, kann ich ja verlängern, wenn nicht, muss ich weitersehen."

"Gut, melde dich, sobald ich mit dir rechnen kann und dann reden wir weiter."

"Ich pack nur noch ein paar Sachen zusammen und mache ich mich auf den Weg. Ich werde morgen früh in Frankfurt eintreffen. Wir sehen uns dann morgen früh zum Frühstück. Ich kann ja von unterwegs die Brötchen mitbringen."

"Das ist ein Wort. Und ein paar Apfelsinen. Unten an der Ecke ist ein Markt, da bekommst du alles. Ich wünsch dir eine gute Fahrt und pass auf dich auf, ja?"

"Ja, tschüs."

Ein paar Stunden später saß ich in meinem Wagen und war unterwegs nach Frankfurt. Ich versuchte mich immer wieder zu beruhigen. Job war Job. Ich konnte einen gut bezahlten Auftrag gut brauchen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen hockten Hans und ich über den Informationen zusammen und beratschlagten die weiteren Schritte. Hans hatte bereits erste Nachforschungen mit der Kopie des gefaxten Fotos angestellt, die noch nicht sehr vielversprechend schienen. Durch die Reste des Stempels auf der Rückseite des Fotos hatte er mittlerweile das Fotostudio ausfindig gemacht, in dem dieses Foto entwickelt wurde und man hatte ihn an die Werbefirma verwiesen, für die sie diese Aufnahme entwickelt hatten. In einem Copyshop hatte Hans ordentlich gepuzzelt. Zuerst hatte er eine Kopie von dem Foto gemacht und die Rissstellen wegretuschiert. Dann eine Kopie auf Fotopapier anfertigen lassen.

Nun hatte ich ein neues Foto von einem kleinen hübschen Jungen, mit dem ich mich nun auf die weitere Suche begeben konnte. Ein kleiner farbiger Junge mit großen dunklen Augen und einem strahlenden Lachen. Er trug eine freche Baseballmütze, eine Latzhose und weiße Turnschuhe. In der einen Hand hielt er eine kleine Holzente und mit der anderen winkte er fröhlich und gutgelaunt in die Kamera. Das war nicht viel für den Anfang, aber besser als gar nichts.