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Lisa & Mara Die beiden Frauen lebten ihr Leben unbekümmert, bis zu jenem Tag, der ihr Leben für immer verändern sollte. Lisa hörte die johlende Menge, als er sein Jackett nach hinten warf, das Splittern der Flaschen, als er die Kisten umstieß. Er torkelte auf sie zu, wieder griff er nach ihrem Arm und versuchte sie auf die Tanzfläche zu ziehen. Gefährliche Stille machte sich breit. Er verhöhnte sie lautstark. Sie solle doch mal einen richtigen Mann an sich ranlassen. So einen wie ihn. Er würde sich doch nicht von so einer einen Korb geben lassen. Er doch nicht. Hilfesuchend und verzweifelt sah sich Lisa wieder um. Alle sahen das Unheil kommen, niemand mischte sich ein. Niemand wollte sich ein solches Schauspiel ergehen lassen. Dann spürte sie seinen Atem in ihrem Genick, die verschwitzte Hand auf ihrem Arm. Er riss Lisa brutal herum, sie roch sein Parfum, Panik zerriss ihr Herz. Ihre Seele schrie, ein stummer, ein ungehörter Schrei. Plötzlich ließ er von Lisa ab. In Zeitlupe sah sie ihn nach hinten taumeln. Er schwankte ein paar stolpernde Schritte zurück, starrte Lisa ungläubig an. Taumelte, stürzte und schlug dann wie ein gefällter Baum hart zu Boden. Seine Hand krallte sich auf dem Bauch fest und langsam verfärbte sich das Hemd unter seiner Hand blutrot. Als Lisa aus der Haft entlassen wird, erkennen beide Frauen, dass sie einen Weg finden müssen, damit Lisa die Folgen des lange erlebten Missbrauchs verarbeiten kann, damit sie eine Chance haben, ihre Liebe zu leben. Aber sie kämpfen um ihre Liebe und die gemeinsame Zukunft.
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Seitenzahl: 130
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Sylvia Knelles wurde am 4. November 1960 in Mülheim an der Ruhr geboren.
Lebensstationen:
Moers, Sindelfingen, Lagos/Nigeria, Accra/Ghana, Mainz und Sylt. Seit 1979 ist Hamburg ihr Lebensmittelpunkt.
Zum Schreiben zieht sie sich auf die Inseln Sylt oder Mallorca zurück, aber auch nach New York oder Timmendorf.
1991 erschien ihr erster Roman.
Weitere lesbische Strandschmöker folgten, aber auch Sachbücher, Krimis und Reisereportagen.
www.sylvia-knelles.de
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*********für meinen Wildfang********
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Fliegen unbekümmert mit dem Wind, hoch
über kleinen weißen Wolken. Zusammen
rasen mit dem turbulenten Wirbelwind.
Stets träumend auf rosaroten Wolken
taumeln unterm Regenbogen bis
in den siebten Himmel hinein.
Nach Glückssternen greifen.
Eine Liebe fürs Leben.
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Lisa packte ihre paar Habseligkeiten zusammen. Viel war es nicht. Noch ein letztes Mal warf die Morgensonne ein Schattenkreuz auf den kahlen Boden. Sie sah sich noch einmal um. Fuhr gedankenverloren über das kalte Metall des Bettes. Acht Quadratmeter Heimat. Sie kletterte noch einmal auf den hölzernen Stuhl, um aus dem Fenster zu sehen. In all den Monaten hatte sie dieselbe Aussicht auf die Bäume dort hinten, hinter dem Zaun. Jeden Morgen kam die Sonne hinter demselben Baumwipfel zum Vorschein. Sie hätte lieber ein Fenster nach Norden gehabt. Die Sonne warf das Muster des Fenstergitters auf den Boden. Jeden Tag aufs Neue. Lisa hörte den Schlüssel schwer im Schloss drehen. Sie blickte über die Schulter hinunter. Die Wärterin klimperte mit dem Schlüsselbund, sah Lisa aufmunternd an. Noch einmal seufzte Lisa tief, dann kletterte sie wieder hinunter und folgte der Wärterin den langen Flur hinunter. Zum ersten Mal ging sie den langen Flur entlang, den sie bisher nur hinter der vergitterten Tür gesehen hatte. Sie passierten eine Anzahl von Türen, die die Wärterin mit wichtiger Miene vor ihr auf und hinter ihr wieder zuschloss bis zum Glaskasten am Ausgang. Dort nahm sie ihre persönlichen Dinge entgegen und quittierte sie. Lisa unterschrieb den Entlassungsschein und ging zum Ausgang. Vollautomatisch, wie von Geisterhand bewegt, öffnete sich langsam und gemächlich die graue Stahltür. Noch einen Schritt und Lisa war frei. Sie ging weiter und krachend fiel die Tür hinter ihr ins Schloss. Lisa sah sich um. Zum ersten Mal nahm sie die Gefängnismauern von außen bewusst wahr. Sie steckte den Haftentlassungsschein in die Jackentasche und machte sich auf den Weg. Niemand würde sie abholen.
Sie hatte es so gewollt. Erst einmal ein paar Stunden alleine sein. Sich mit dem Gedanken an Freiheit vertraut machen. Freiheit, welch zynisches Wort. Wie sollte sie nun aussehen, diese Freiheit? Und was sollte sie damit anfangen? Sie ging zur Busstation unten an der Ecke und fuhr in die Stadt. Schlenderte stundenlang durch die Straßen. Die Leuchtreklame einer Bank stach ihr ins Auge. Mit uns in die Zukunft! Hah. Die würden ihr nicht einmal ein Konto geben. In einem Kaufhaus kleidete sie sich neu ein und ihre alten Sachen ließ sie sich in eine Plastiktüte packen. In der nächsten Mülltonne ließ sie die Tüte verschwinden. Vor einem Friseurgeschäft blieb sie stehen und betrachtete sich im Spiegelbild. Zwinkerte sich zu. Beschloss sich eine neue Frisur zuzulegen. Kurze blonde Strähnen zu ihren fast schwarzen Augen. Später schlenderte sie noch ein wenig an den Schaufenstern vorbei. Sie sah ein Telefonhäuschen und kramte in ihrer Tasche nach der Telefonnummer. Angelte drei Groschen aus der Hosentasche. Fluchend verließ sie die Telefonzelle wieder. Ein Kartentelefon. Ein Aufkleber zierte das Telefon. Die alten Karten bitte in den Schlitz dort unten werfen, sie werden recycelt. Warum stand dort nicht, wo man die neuen Karten bekam? Sie ging zum Bahnhof, um den Zug nach Hamburg zu nehmen. Lübeck würde sie wohl nicht so schnell wiedersehen. Am Bahnhof fand sie eine Telefonzelle, in der man noch mit Bargeld bezahlen konnte. Sie warf die Groschen ein und wählte Maras Nummer.
Zur gleichen Zeit stöberte ich in Seminarunterlagen, die mir zugeschickt worden waren. Es wurde ein neues Projekt angeboten, von dem ich nur wusste, dass es noch in den Kinderschuhen steckte. Namhafte Sponsoren hatten ein altes Haus am Hamburger Stadtrand erworben und dort würde auch das Projekthaus entstehen. Da es ein solches Projekt noch nicht gab, hatte man beschlossen, ganz untypisch vorzugehen. Eine Reihe von Betroffenen wurde eingeladen, dort ihren Urlaub zu verbringen. Auch Therapeuten und Interessierte konnten am Seminar teilnehmen. Alle, die zu dem Thema Missbrauch etwas sagen wollten, sollten die Möglichkeit dazu haben. Betroffene, ebenso wie Psychologen und Fachkräfte. Das Thema Missbrauch war in den letzten Monaten immer wieder in den Zeitungen breitgetreten worden und auch ich war dadurch wiederholt aufmerksam gemacht geworden. Von den Abscheulichkeiten der Taten wurde berichtet. Von Betroffenen die, bedingt durch diese Taten, gewalttätig reagiert hatten. Vereinzelte Schicksale. Aber wenn ich an die hohe Dunkelziffer dachte, tauchten ganz andere Fragen bei mir auf. Wie lebten die Betroffenen danach? Allein in Hamburg gibt es jährlich dreitausend Opfer von Missbrauch. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Das liegt sicher auch daran, dass die Strafen für die Täter erschreckend gering ausfallen. Die Folgen und die Auswirkungen ihrer Taten stehen in keiner Relation zum Strafmaß. Für die Opfer aber findet eine mehrfache Bestrafung statt. Erst die Tat, dann die Folgen, mit denen das Opfer meist selbst fertig werden muss. Später vielleicht eine lange Zeit der demütigenden Befragungen, eine zermürbende Gerichtsverhandlung, in der die Tat von allen Seiten neu aufgerollt wird und zum Schluss dann die meist geringe Strafe für den Täter. Warum also sollte sich ein Opfer entschließen, den Täter anzuzeigen? Kann sich ein Täter so nicht auch ziemlich sicher fühlen, dass er ungeschoren davon kommt und nie die Verantwortung für seine Taten übernehmen muss? Ich glaube, dass die Dunkelziffer schwindelerregend hoch ist. Welche Auswirkungen hatte all das Geschehene auf ihr Leben? Ich hatte viele Fragen, aber meist kamen nur Psychologen, Therapeuten und Ärzte zu Wort. Die Betroffenen meistens nicht. Die Seminarunterlagen hatten genau meinen Nerv getroffen und ich meldete mich kurzentschlossen dort an. Da konnte ich aber noch nicht wissen, dass dieses Seminar der Schlüssel zu meinem, nein, zu unserem gemeinsamen Leben werden würde. In diesem Moment klingelte das Telefon. Endlich. Ich sah auf die Uhr.
"Mara? Ich bin´s Lisa."
"Ja, ich bin dran, wo steckst Du? Soll ich Dich abholen?"
"Nein, nein. Ich fahr gleich los. Der Zug kommt in zehn Minuten."
Ich stellte noch die Blumen ins Wasser und ging noch einmal in der Wohnung auf und ab. Ich hatte Lisa versprochen, dass wir zuerst in Urlaub fahren würden. Uns Zeit füreinander nehmen, bevor sie sich um ihre Zukunft Gedanken machen würde. In meiner Wohnung war genug Platz für uns beide und es war gar keine Frage, dass wir zusammen wohnen würden. Früher hatten wir das immer weit von uns geschoben, weil Lisa ein Zimmer im Schwesternhaus hatte. Aber nun, nach Lisas Haftzeit, würde sie erst einmal bei mir wohnen, damit sie ohne finanzielle Sorgen wieder Fuß fassen konnte. Wie das wohl werden würde, ich und Lisa unter einem Dach? Obwohl wir schon seit über drei Jahren ein Paar waren, hatten wir ein Zusammenziehen nie zum Thema gemacht. Lisa verbrachte früher zwar die meiste Zeit in meiner Wohnung, aber sie war nie bereit gewesen, ihr Zimmer im Schwesternhaus aufzugeben. Ihre "Fluchtburg" wie sie es nannte. Ich hatte nicht verstanden, warum Lisa nicht wollte, dass ich sie am Gefängnis abhole, aber sie hatte schon immer ihre ganz eigene Art, mit dem Leben umzugehen. Schon morgen würden wir in den Urlaub starten. So, wie wir es besprochen hatten. Unsere ersten drei gemeinsamen Jahre waren turbulent und chaotisch verlaufen. Irgendwie waren wir uns in manchen Momenten so nah und im nächsten Moment wieder so fremd. Lisa war mir immer wieder ein Rätsel. Ich hatte oft das Gefühl, dass wir nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander leben konnten. Wir benutzen oft dieselben Worte und sprachen dennoch nicht die gleiche Sprache. Erst durch Lisas Haftzeit waren wir uns auf einer Ebene nahegekommen, die ich nie für möglich gehalten hatte. Die mir eine ganz eigene und andere Lisa zeigte.
Es klingelte an der Tür. Meine innere Spannung wurde unerträglich. Ich öffnete die Tür und Lisa stand vor mir. So, als sei sie nie weg gewesen. Sie trat ein und wir lagen uns in den Armen. Ich schloss die Augen und mein Herz drohte zu zerspringen. Zärtlich spürte ich Lisas Hand durch meine Haare gleiten. Eine Geste voller Zärtlichkeit und Sehnsucht. Mit den Fingernägeln fuhr sie zart über meinen Nacken. Ich hielt die Augen geschlossen, taumelte, schwindelte innerlich, verlor mein seelisches Gleichgewicht. Mein Herz raste. Ich spürte Lisas Atem an meinem Ohr, die Wärme ihrer Lippen auf meiner Haut. Erst zärtlich, dann fordernder. Voller Begehren. Ich zog sie in meine Arme und erwiderte ihre Küsse. Angst verwandelte sich in Vertrauen, Sehnsucht in Begehren. Träume der Leidenschaft in flammende Lust. Ich weiß nicht, wer über wen herfiel, aber es geschah, weil es geschehen musste. Wir liebten uns mit aller Leidenschaft, die sich in den letzten Monaten aufgestaut hatte. Wir peitschten uns gegenseitig ins Land der Lust. Engumschlungen, aber gelöst lagen wir eine ganze Zeit später schweißnass nebeneinander. Ganz tief in unserm Herzen flammte immer noch die Glut der Liebe. Immer wieder taumelten wir wie zwei Verdurstende aufeinander zu, suchten einander, liebten uns, genossen unsere Nähe und die Zärtlichkeiten.
Am nächsten Tag fuhren wir zum Flughafen und als wir das Flugzeug wieder verließen, ging gerade glutrot die Sonne unter. Der Bus brachte uns nach Paguera. Die salzige Luft, das flimmernde Meer. Wir checkten im Hotel ein und gingen noch hinunter an den Strand. Der Sand war noch warm unter unseren Füßen. Wir ließen uns die Wellen über die Füße laufen und lieferten uns heiße Wettrennen. Das Hotel war über den Felsen gebaut und unter unserem Balkon schlugen die Wellen an die Felswände. Lisa überredete mich am nächsten Morgen, eine Jeepfahrt in die Berge zu unternehmen. Schnaufend und knatternd kroch der Jeep mühsam die Berge hinauf. Traumhaft schön lag Mallorca unter uns. Wir hatten Paguera schon weit hinter uns gelassen und ließen uns nun von der Schönheit der Insel einfangen. Felswände, die Hänge überragten, Mandelbäume, spröde und knorrige Kiefern, die auf Felsüberhängen wucherten. Bauernhäuser, die rechts und links der kleinen Straßen lagen. Mit jedem Meter, den wir die engen Straßen hinaufkrochen, wurde der Anblick schöner. Beinahe abenteuerlich war die lange Fahrt, die engen und kurvigen Straßen bergauf. Wir machten halt und saßen ganz oben auf einem Felsen und ließen die Weite des Meeres auf uns wirken. Weit hinten auf dem Wasser tanzten die weißen Segel der Boote. Die Sonne über uns, das Meer weit unter uns. Ich fühlte mich rundherum wohl. Wir brachen auf, fuhren weiter in die Inselmitte. Immer einsamer und verlassener wurde die Gegend. Immer wieder hielten wir, genossen die fremden Gerüche, lauschten in die Stille. Erst spät in der Nacht kehrten wir zurück.
Zurück im Hotel bedurfte es keiner Worte. Wir flogen aufeinander zu, in unseren Augen konnten wir uns und unsere Sehnsucht wiederfinden. Unsere Gefühle, Sehnsüchte, Lust. Wir küssten uns. Mit eckigen Bewegungen zerrten wir an unseren Kleidern, die störend zwischen uns waren. Sanken nackt auf den Boden. Kalt schauerte es mich, als die kühlen Fliesen meinen erhitzen Körper berührten und doch war mir heiß. Heiß wir nie zuvor. Lisa ließ mich mit Wildheit, Zärtlichkeit und Hingabe spüren, dass zwischen uns mehr war, als wir beide in diesem Moment mit Worten hätten beschreiben können. Und wir genossen diese gemeinsamen Stunden.
Diese Stunden, gestohlen vom Alltag. Stunden, die nur uns allein gehörten. Uns beiden und unserer Liebe, um die wir Tag für Tag neu kämpfen mussten.
Am nächsten Tag fuhren wir quer über die Insel, um die Tropfsteinhöhlen auf der Ostseite der Insel zu besuchen. Nach über drei Stunden waren wir endlich angekommen und mussten uns dann mit all den anderen Touristen in der nun quälenden Hitze anstellen. Hier war der Reiz der Insel sofort verflogen. Ich spürte auch, dass Lisa Angst in der Masse bekam, sich unwohl fühlte, sich dicht neben mir hielt. Nur mir zuliebe hielt sie aus und flüchtete nicht vor den Massen. Ich versuchte, sie von ihren Gedanken abzulenken. Endlich waren wir an der Reihe. Laute, ungeduldige Touristen, stets drängelnd, nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Ich wünschte mich auf die touristenfreie Mitte der Insel zurück. Aber nun waren wir endlich an der Reihe. Durch eine Reihe von kleinen und großen Höhlen gelangten wir schließlich ans Ufer einer großen Höhle. Uns fröstelte. Es war kühl und feucht. Wir befanden uns in einem unterirdischen Theater. Wir nahmen Platz. Das Licht verlosch.
Lisa lehnte sich an mich und wir küssten uns im Dunkeln. Langsam ertönte leise Musik. Auf einem Boot wurde ein kleines Orchester über den unterirdischen See gerudert. Nur an manchen Stellen war der See bunt beleuchtet. Eine wunderschöne Atmosphäre. Lisas Haut roch nach Sonnencreme, Sonne und Salz. Ich legte meinen Arm um sie und so saßen wir beide engumschlungen im Dunkeln und genossen dieses einmalige Schauspiel.
Viel zu schnell verflogen die letzten gemeinsamen Urlaubstage. Noch einmal tauchten wir an unserem letzten Abend weg vom Alltag in ein paar zärtliche und erotische Stunden zu zweit. Unsere sonnengebräunten Körper standen in einem hellen Kontrast zu den weißen Bettlaken. Wir genossen die Urlaubsstimmung. Die sternenklaren Nächte, die klaren und lauen Nächte, die Musik, die abends durch die bunt erleuchteten Straßen drang. Die Ausgelassenheit, der Wunsch, sich nur noch den schönen Dingen des Lebens hinzugeben. Das taten wir dann auch. Später standen wir engumschlungen, eingehüllt in ein Laken, auf dem Balkon und nahmen Abschied. Tranken noch einmal Champagner und suchten nach Sternschnuppen.
Die nächsten Monate bis zum Seminar schleppten sich dann so dahin. In unserer Beziehung ging es wie immer turbulent zu. Wir stritten um Dinge, die in meinen Augen oft so unverständlich war, dass ich Lisa nur zu oft gerne den Hals umgedreht hätte. Ich verstand nicht, warum sie nicht leben wollte, wie alle anderen. Oder nicht konnte? Lisa bestand darauf, ein eigenes Zimmer zu bekommen. Ich gab nach. Ich wollte sie nicht verlieren und diese Bitte war nicht schwer zu erfüllen. Ich betrat ihr Zimmer aber nie. Es war ständig dunkel und permanent türmten sich alle möglichen Unterlagen auf dem Fußboden. Ich lehnte es ab, dieses Zimmer auch nur zu betreten. Lisa hatte sich wieder ihre "Fluchtburg" errichtet. Ich hatte natürlich auch große Erwartungen an Lisa. Hatte
