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Bangkok ist zwar weltberühmt für seine unzähligen Massagesalons, doch birgt die Hauptstadt Thailands unglaublich viele historische Schätze, die den Besucher in ihren Bann ziehen. Einige der buddhistischen Tempel sind mehr als vierhundert Jahre alt und bilden einen seltsamen Kontrast zu Bangkoks Modernität. Der besondere Charme dieser Stadt lässt sich auch auf den durch sie windenden Fluss, den Chao Phraya, zurückführen, den täglich Tausende von Menschen mit schnellen Fährverbindungen nutzen und auf dem mit traditionellen Booten Waren transportiert werden. Das nächtliche Bangkok hingegen bezieht sein pulsierendes Leben aus den zahlreichen kleinen Speiserestaurants und Essensständen, die sich an fast jeder Strassenecke finden und in denen die einheimische Küche angeboten wird.
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Seitenzahl: 55
Veröffentlichungsjahr: 2024
BANGKOK
Herausgeber: Jean-Paul Manzo
Text: Caren Weiner-Campbell
Design und Layout: Newton Harris Design Partnership
Assistentin: Aurélia Hardy
Photonachweis: Klaus H. Carl
Übersetzung: Dr. Martin Goch
© 2024, Parkstone Press International, New York, USA
© 2024, Confidential Concepts, worldwide, USA
© Image-Barwww.image-bar.com
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ISBN: 978-1-63919-832-0
Inhalt
Stadt der Engel
Der Große Palast und seine Umgebung
Die Tempel im Zentrum Bangkoks
Thonburi und seine Wasserwege
Der Dusit-Bezirk
Ein Mosaik verschiedener Völker
Das Leben in Thailand
Das moderne Bangkok
Abbildungsverzeichnis
Freundlich und doch unzugänglich, modern und doch seltsam antiquiert – Bang-kok ist eine Stadt verwirrender Widersprüche. Hier existiert die rücksichtslose Modernität des 21. Jahrhunderts mit ihrem Verkehrschaos und ihrer industriellen Verschmutzung friedlich neben buddhistischen Tempeln und blumenge-schmückten Geisterhäuschen, die sanft zu spiritueller Gelassenheit anhalten. Die brüllend lauten motorisierten Wassertaxis teilen sich den Menam (‚Grosser Fluss‘) Chao Phraya mit den reich mit feinen Schnitzarbeiten verzierten königlichen Barken. Die Thai begleiten Boxkämpfe mit Musik und lassen Drachen zu Wett-kämpfen steigen. Die Regierung toleriert zwar die tabulose Fleischeslust des Rotlichtbezirks Patpong, verbietet aber gleichzeitig den Film Der König und Ich wegen Respektlosigkeit gegenüber der Monarchie.
Aus solchen und zahlreichen anderen Gründen hat Bangkok immer wieder seine Besucher gekränkt, fasziniert und in Erstaunen versetzt. Als Hauptstadt eines Landes, das niemals von einer europäischen Macht kolonialisiert worden ist (tatsächlich bedeutet der Name Thailand in der Übersetzung ‚Land der Freien‘), hat Bangkok für den Westen von jeher etwas Geheimnisvolles an sich. Der Romancier Joseph Conrad war nur einer der europäischen Gäste, der versuchte, die besondere Anziehungskraft Bangkoks in Worte zu fassen. „Über der gedrängten Masse niedriger, brauner Dächer“, schrieb er in den 1880er Jahren, „erheben sich in der Ferne hier und da ungeheure Massen Mauerwerks, gigantische Paläste, Tempel, großartig, zerfallen und sich langsam unter den fast senkrecht herunterbrennenden Sonnenstrahlen, so großartig, übermächtig und fast greifbar, auflösend.“ Der amerikanische Humorist S. J. Perelman notierte in der Mitte des 20. Jahrhunderts prosaischer und ironischer, dass Bangkok „...wie eine Kombination aus dem in Missouri gelegenen Ort Hannibal, in dem Mark Twain seine Jugendzeit verlebte, aus Beverly Hills, den Niederlanden und Chinatown wirkt“. Und der zeitgenössische Reiseschriftsteller Pico Iyer hat die thailändische Metropole folgendermaßen charakterisiert: „...eine Fünf-Sterne-Synthese all dessen, was Asien aus westlicher Sicht sein sollte: die komplette Exotik des Ostens inmitten all der Annehmlichkeiten des Westens“.
1. Eine vom Wetter gegerbte Barke treibt auf dem Chao Phraya am Großen Palast vorüber.
2. Eine verzierte Türöffnung am Eingang eines weniger bedeutenden Tempels in Bangkok, einer von 400 in der gesamten Stadt.
3. Das Wandgemälde dieses Tempels und das Musikinstrument davor sind Beweise der thailändischen Kunstfertigkeit.
Es ist bezeichnend, dass sich so viele auswärtige Besucher immer wieder bemüht haben, Bangkoks wahre Natur zu begreifen und in Worte zu fassen. Dabei verwenden Fremde noch nicht einmal den richtigen Namen der Stadt. Die Thai nennen ihre Hauptstadt, Heimat von etwa 15 Prozent der Landesbevölkerung, Krung Thep (‚Stadt der Engel‘). Dies ist wiederum lediglich eine Kurzform ihres eigentlichen, immerhin 175 Buchstaben langen Namens, der übersetzt „Große Stadt der Engel, Hüterin göttlicher Kleinode, großes unbezwingbares Land, das großartige und herausragende Reich, die königliche und wunderbare Hauptstadt der neun noblen Juwelen, die höchste königliche Residenz und Großer Palast, die göttliche Hüterin und Heimat wiedergeborener Geister“ lautet (den Namen Bangkok hingegen haben Ausländer im 18. Jahrhundert von einem kleinen Stadtbezirk namens Bang Kok – ‚Dorf der Oliven‘ – übernommen).
Die Geschichte der Stadt birgt noch einen weiteren Widerspruch: Bangkok ist zwar die Hauptstadt einer fast acht Jahrhunderte alten Kultur, die Metropole selbst jedoch ist jünger als die Vereinigten Staaten. Die erste Hauptstadt, Sukhothai (im heutigen Zentralthailand gelegen), wurde im 14. Jahrhundert nach Ayutthaya verlegt. Im Jahr 1766 griffen die feindlichen Burmeser Ayutthaya an und nahmen die Stadt nach einer 15monatigen Belagerung ein. Am Ende blieben nur noch Ruinen zurück. Daraufhin zog Taksin, der General und spätere König der Thai, nach Süden, an das westliche Ufer des Menam Chao Phraya, wo er am Platz des lebhaften Handel treibenden Dorfes Thonburi eine neue Hauptstadt gründete. Immer noch in Sorge wegen der burmesischen Bedrohung, verlegte Taksins Nachfolger König Chao Phraya Chakri (Rama I.) im Jahr 1782 die Hauptstadt des Reiches ein letztes Mal, und zwar an das Ostufer des Flusses, wo sie von einer mächtig ausgebauten Festung umgeben wurde.
Stark gesichert, aber dennoch sehr großzügig, stellte der Große Palast Ramas I. den ersten Vorposten jener Stadt dar, die einmal das moderne Bangkok werden sollte. Hier beginnt denn auch unser Rundgang durch Krung Thep.
Diese Festung, das Herzstück der modernen Metropole, schmiegt sich in eine ausgreifende Biegung des Menam Chao Phraya. Der Gesamtkomplex des Großen Palastes, jene phantastische Szenerie aus verschnörkelten Dachfirsten, goldenen Turmspitzen und kunstvoll gemeißelten Skulpturen, belegt eine Fläche von immer-hin etwa 20 Hektar oder, etwas genauer, 218.400 m2, und vereinigt darin zahl-reiche Türme, Tempel und königliche Domizile, die allesamt von einer ungefähr 1,9 km langen, zinnenbewehrten Schutzmauer umschlossen werden.
Rama I., der Gründer der noch heute herrschenden Chakri-Dynastie, begann im Jahr 1782 mit dem Bau des Palastes. Um Platz zu schaffen, wurde die chinesische Gemeinde, die bis zu dieser Zeit in diesem Distrikt gelebt hatte, umgesiedelt. Tausende in Kriegsgefangenschaft geratene Khmer hoben Kanäle aus, um zwei Biegungen des Chao Phraya miteinander zu verbinden, so dass um den königlichen Bereich ein Wassergraben entstand.
Rama I. selbst entwarf den Palast nach dem Muster der 400 Jahre alten ehemaligen Hauptstadt Ayutthaya. Wie sein Vorgänger enthielt auch der neue Palastkomplex Thronhallen, königliche Residenzen, Tempel und Verwaltungsräumlichkeiten. Es wurden sogar Ziegel und Kunstwerke verwendet, die aus Ayutthaya geborgen worden waren, nachdem die Burmeser die Stadt 1767 zerstört hatten. Die im typischen Thai-Stil errichteten Gebäude – komplett mit Türmen, Wandgemälden, Glasmosaiken, feinen Schnitzereien, vergoldeten Giebeln und mit farbenfrohen Porzellankacheln bedeckten Dächern – boten einen Blick über großzügige Rasenflächen und Gärten, darunter der Sanam Luang (‚Feld der Könige‘). Später sollten die Chakri-Könige den Großen Palast auch mit Elementen der Architektur fremder Länder ergänzen: Rama III. führte Porzellan und Statuen im chinesischen Stil ein; Rama IV. fügte eine Miniaturnachbildung des im heutigen Kambodscha gelegenen Khmer-Tempels Angkor Wat hinzu und Rama V. lud im Jahr 1882 britische Architekten ein, um den Thronsaal der Chakri zu entwerfen.
4. Eine Serie sich überlappender Dachvorsprünge über einem Besucher des Großen Palastes.
5. Zwei gemalte Soldaten bewachen einen Eingang zum Großen Palast.
6.
