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Wer Bayern richtig kennenlernen will, braucht dieses Buch! Wolfgang Krebs und seine Begleiter erläutern von A bis Z, was man über dieses schönste aller Bundesländer eben wissen muss. Lassen Sie sich von Seehofer die Frauenquote erklären und die Maut schmackhaft machen. Stoiber warnt vor regelrechten Horrorszenarien in Anbetracht des Bevölkerungsrückgangs und wettert über die Linke. Viel lässt sich sagen zu Themen wie Franken, Transrapid, Männer oder zur Ehe. Mit bissigem Witz und unschlagbarer Ironie deckt Wolfgang Krebs auf, was Bayern bewegt. Nach seinem Erfolgsbuch "Nur Bayern im Kopf!" ein weiteres Feuerwerk an Spaß und Humor.
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Veröffentlichungsjahr: 2016
LESEPROBE zu Vollständige E-Book Ausgabe der im Rosenheimer Verlagshaus erschienen Originalausgabe 2016
© 2016 Rosenheimer Verlagshaus GmbH & Co. KG, Rosenheimwww.rosenheimer.com
Das Coverfoto sowie die Fotografien im Innenteil stammen von Evi Gröning.
Satz und Lektorat: VerlagsService Dietmar Schmitz GmbH, Heimstetten Scan und Bildbearbeitung: Dieter Stragenegg, Kolbermoor
eISBN 978-3-475-54563-4
Wolfgang KrebsBayern-ABC
Wer Bayern richtig kennenlernen will, braucht dieses Buch! Wolfgang Krebs und seine Begleiter erläutern von A bis Z, was man über dieses schönste aller Bundesländer eben wissen muss. Lassen Sie sich von Seehofer die Frauenquote erklären und die Maut schmackhaft machen. Stoiber warnt vor regelrechten Horrorszenarien in Anbetracht des Bevölkerungsrückgangs und wettert über die Linke. Viel lässt sich sagen zu Themen wie Franken, Transrapid, Männer oder zur Ehe.
Mit bissigem Witz und unschlagbarer Ironie deckt Wolfgang Krebs auf, was Bayern bewegt. Nach seinem Erfolgsbuch „Nur Bayern im Kopf!“ ein weiteres Feuerwerk an Spaß und Humor.
Liebe CSU-Wähler, liebe Nicht-Bayern!
So beginnt eine Stoiber-Rede, die der echte Stoiber nie gehalten hat, wohl aber sein Double, also ich. Ich komme viel herum in diesem schönsten aller Freistaaten, und ich merke, dass es kein Klischee gibt, das nicht fest in der Realität verankert wäre.
Mit diesen vielen Erfahrungen, Eindrücken und Erlebnissen habe ich vielen etwas voraus. Den Bayern und den Nicht-CSU-Wählern.
Damit sich die Eingeborenen besser in ihrem Heimatland auskennen und damit sich die Nicht-Bayern besser zurechtfinden – dafür gibt es dieses Buch.
Weil alles eine Ordnung braucht, hält sich diese Bayern-Gebrauchsanweisung ans Alphabet und listet die wichtigsten Punkte von A bis Z übersichtlich nacheinander auf. Und weil sie MEINEN Erklärungen vermutlich nicht allzu viel Glauben schenken würden, kommen prominente Experten zu Wort: Stoiber, Seehofer, Söder, Beckstein, sogar Ude (wenn Sie sich an den noch erinnern). Aber nicht nur die Theoretiker teilen ihr Wissen mit Ihnen, sondern auch die Praktiker: der Vereinsmeier Schorsch Scheberl, der Allgäuer Frauenbesteher Rainrr und Waldemarie Wammerl, die Vorsitzende des Interessenverbands für Verbandsinteressen der Interessenverbandsfrauen (IFVIFV).
Sie alle wollen Ihnen die Sitten und Gebräuche nahebringen, die Sie kennen müssen, wenn Sie Bayer werden oder bleiben wollen.
Lesen Sie, staunen Sie, lernen Sie und beherzigen Sie! Tragen Sie das Nachschlagewerk am besten immer bei sich! In Bayern gerne offen, im nichtbayerischen Teil der Welt am besten gut versteckt zwischen Laptop und Lederhose.
Viel Vergnügen von A bis Z wünscht Ihnen Ihr
Wolfgang Krebs!
Und die anderen auch …
Das Allgäu ist nicht nur meine (Wahl-)Heimat, sondern auch eine der schönsten Gegenden Bayerns. Gleichwohl vermissen die Allgäuer die Wertschätzung, die sie ihrer Meinung nach verdient haben. Das liegt daran, dass das Allgäu im Regierungsbezirk Schwaben liegt, und das wird von vielen Bayern nicht mehr als Bayern wahrgenommen. Die Sprache …
Im Osten wird das Allgäu begrenzt durch den Lech. Wird er überschritten, ändert sich schlagartig die Mundart. Schwäbisch halt. Die anderen Grenzen sind nicht genau zu benennen. In korrekter Beschreibung liest sich das etwa wie folgt: Das Allgäu ist eine Landschaft und Teilregion Oberschwabens, die sich über den südlichen Teil des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben, das äußerste südöstliche Baden-Württemberg sowie einige zu Österreich gehörende Grenzgebiete erstreckt.
Schön blöd. Den meisten Bayern bedeutet das Allgäu so viel wie den Österreichern Vorarlberg. Die versteckte Botschaft an die Nachbarn: Wenn ihr’s wollt, könnt ihr’s haben … Die Allgäuer Alpen gehören ohnehin zur Hälfte Österreich, und die Bezeichnungen Oberallgäu, Ostallgäu und Unterallgäu sind sehr jung und wurden von Bürokraten erfunden.
Quasi als Ausgleich für diese geschundene und wunderschöne Region habe ich zwei meiner Bühnenfiguren dort angesiedelt und ihnen die seidige Sprache der Region mitgegeben.
Die erste der beiden bedauernswerten Kreaturen ist Meggy Montana, der schlechteste Schlagersänger der Welt, der andere ist drr Rainrr, der Allgäuer Langzeitsingle. Bei seinem ersten Auftritt in »Grünwalds Freitagscomedy« stellte er sich folgendermaßen vor:
RAINRR: (ins Publikum) Kloi Moment, i hobs glei! (Schreibt in den Laptop:) »… und so hoffe ich, liebe Cinderella68, dass i di bald zu einem Kapputschinio … zu einem Kabbuziano … zu einem Kaffee einladen derf, vielleicht scho …« – Wie schreibt ma jetzt »demnexschd« … – Weiß scho … d-e-m-n-e-x-sch-d. »Freue mich auf einen heißen Abend mit dir, dein Drachentöter«. Enter und ab damit zum Paarschiff.
Ja, ihr habt’s gemerkt, ich paarschiffe. Eigentlich scho ziemlich lang. Vor Kurzem ham s’ mir den LZS-Status verlieren, LZS steht für Langzeitsingle. Die haben geschrieben, i bi wia die deutsche Autobahn-Maut. Schwer zu vermitteln.
Abrr i geb die Hoffnung it auf. Wissad dr, i bi aus Geierwang, da isch der Männerüberschuss gewaltig, weil die Frauen alle wegziehen. Die fliehen richtig. Vermutlich vor di Männrr.
Aber i hau an guta Ratgebrr, den Lederle-Joe. Kennt ihr dean? Den Frauenbesteher von Geierwang? A Supertyp! Der reißt die Weiber reihenweise auf, wie ein Herzchirurg. Allein schon sei Aufreißer-Satz: »I bin der Sohn vom greaschta Bauern im Landkreis, 300 Stuck Vieh, was sagsch jetzt?« – Gut, der passt jetzt it so richtig auf mi … I misst dann saga: »I bin der Sohn vom Friseursalon Marion, da wo jetzt der Asia-Imbiss drin isch.« (Verlegen) Hab i ein paar Mal probiert …
Redma nimmr drüber.
Wenn i mich da herin so umschau … da kenn i doch a paar? Vom Paarschiff? Du da vorne, du bisch doch der »Einsame Wolf 57«, oder? Und daneben, dei Kumpel, des isch doch der »Easy Rider weißblau«? I kenn euch alle, euch Brüder!
Aber ich sage euch, die Hoffnung stirbt zuletzt! Gut, bei uns in Geierwang, da ischt die Hoffnung … vielleicht schon tot, aber trotzdem sag i euch: Lasst nix hänga! Wedr die Hoffnung noch was anderes!
Schaut MICH an! I bi zwar Single, aber i hau jeden Tag Sex! Blöderweise ist kein Zeuge dabei, der das bestätiga könnt …
Der Lederle-Joe, der sagt immer: Des ka it sein, dass da gar nix weitergeht mit dir, die Männer sind doch den Frauen überlegen! Wie sagt er immer? Warum hat eine Frau ein größeres Gehirn als ein Schwein? Damit sie nicht aus dem Putzkübel sauft!
Heute also Tipp 1 vom Lederle-Joe, dem Ladykiller von Geierwang: Hartnäckig sein. Nie entmutigen lossa. Nia aufgeben!
Nehmen wir folgendes Beispiel, i verrat it zu viel, wenn i sag, dass i da a bissle aus eigener Erfahrung … also aus dem eigenen Nähkäschtla … varschtosch …
Also, einsamr Wolf und Easy Rider, losat amol! Auf Deutsch heißt des zulosen. Also zuahera! Angenommen, ihr seid in einem angesagten Club mit lauter Premium-Hasen. Also bei uns wär des Freitagabend im Nebenzimmer vom Lkw-Imbiss zum Toten Pferd in Geierwang, da, wos sonscht immr schafkopfat. Aber am Freitag, da legt der DJ Albrrrt auf, also die richtig heißen Scheiben … Boney M., Bussycat und die Flipprrrs.
Und da seht ihr die Babsi am Spielautomaten, die vo dr Kasse vom Getränkemarkt, wo früher mal dia Tankstelle war. Also nix wie hin, lässig aufbaue, dr Pullunder grad zieha, grader Blick in die Augen, und dann kommt der Eins-A-Aufreiß-Spruch vom Lederle-Joe: Ha! Pass auf: »Na, schöne Frau, wie wär’s, wenn wir z’samma a heiße Polin aufs Jackett legen, äh, a Sohle untrrs Parkett, äh, aufs Holz legen? … Ja guat, i bi halt au a wenig aufgregt.«
Guat, die Antwort vo dr Babsi war so ähnlich wie »Schau, dass die schleichsch, du diplomiertr Profi-Langweiler, und erschreck dussa dia kloina Kindrr mit deim Freddy-Krüger-Gsicht!«
Wie lautet der Rat vom Lederle-Joe? Immer a zweite Frog stella: »War das jetzt ein Ja oder ein Nein?«
(Schaut auf den Laptop-Bildschirm.)
Oh, eine Antwort. Von Cinderella68 (liest) … Isch vielleicht ganz gut so, denn so ein Kapputschinio koschtet ja ein Vermögen. Bis bald, wir sehn uns im Netz, servus!
Damit sind nicht die Schlagerbrüder aus dem Hessischen gemeint. Die gaben sich diesen Namen 1970, als das Wort noch nach Fernweh und nicht nach Zahnweh klang. 1993 wurde der damalige bayerische Ministerpräsident Max Streibl in einen Skandal verwickelt, der als »Amigo-Affäre« bekannt wurde. Er soll von Industrieunternehmen Zuwendungen bekommen haben, darunter auch Urlaube in Brasilien. Um den Vorfall herunterzuspielen, eröffnete er seine Passauer Aschermittwochsrede mit »Saludos Amigos!« Ein schauerliches Beispiel dafür, wie man mit Humor das Gegenteil erreicht. »Amigos« gibt es überall da, wo es um Macht und Geld geht, aber nur in Bayern heißen die Amigos Amigos.
Edmund Stoiber (in MEINER Darreichungsform) erinnerte anlässlich des G7-Gipfels 2015 an die Streiblschen Amigo-Zeiten:
EDMUND STOIBER: Überhaupt, der G7-Gipfel. Im Vorfeld hab ich mich noch gefreut. Ich hab zum Innenminister Herrmann gesagt: Pass auf, Joachim, da kommen die Chaoten. Lauter gewaltbereite Extremisten, die Drogen konsumiert haben, und vor nichts zurückschrecken. Darauf der Herrmann: Aha, ein Junggesellenabschied!
Der Herrmann ist international total unerfahren! Und was kam raus? Die Chaoten sind auf ihrer Zeltwiese bei Garmisch im Gewitter abgesoffen oder haben sich von Einheimischen mit Apfelstrudel bestechen lassen. Erst anreisen und dann keine Steine schmeißen!
Wofür haben wir da 50000 Polizisten hingestellt? Aber eins sag ich euch, liebe Freunde, das stellen wir den Linken in Rechnung!
(Schwärmt:) Wenn früher in München G7 war, da durfte die Polizei die Demonstranten damals noch im Marienhof einkesseln und über mehrere Stunden dort festhalten und verprügeln! Der Münchner Kessel …
Des warn noch Zeiten, damals hatten wir an Bayerischen Ministerpräsidenten, der so seriös war wie der Sepp Blatter: Max Streibl, der alte Amigo, keiner kann sich mehr an den erinnern.
Und der Streibl hat damals gesagt: Wenn einer glaubt, sich mit Bayern anlegen zu müssen, dann muss er wissen, dass hartes Hinlangen bayerische Art ist.
Weil man den 480 festgenommenen Demonstranten nichts nachweisen konnte, haben 114 davon in letzter Instanz dann noch ein Schmerzensgeld von 50 Mark bekommen. Und das sind heute 3 Euro.
Das waren noch Zeiten. Da waren die Demonstranten noch hart, und nicht so Weicheier wie heute! Heute rollen die doch ihre Yogamatten ein, wenn’s nieselt.
Auch die »Drei von der Landtagskantine« erinnerten sich an die seligen Max-Streibl-Zeiten. Einmal in der Woche treffen sich drei bayerische Spitzenpolitiker auf Bayern 3 in der Kantine und lassen sich von mir ein Gespräch in den Mund legen. So wie dieses:
STOIBER: Mahlhorst, mein lieber Zeit! Äh … beziehungsweise umgekehrt …
SEEHOFER: Ich hab’s schon verstanden, Edmund. Mahlstein, mein lieber Beck! Jetzt fang ich schon selber an zu stoibern …
BECKSTEIN: Mahlzeit Männer! No? Aa a weng do?
SEEHOFER: Diese Franken machen mich wahnsinnig …
STOIBER: Mein lieber, äh, Zeithofer, ich hätte da ein paar Kirschen mit dir zu rupfen! Was lese ich denn da im Radio? Du gibst dich geschlagen? Die Wahl verloren? Vom politischen Gegner zermalmt?
SEEHOFER: Ich habe mich lediglich von der absoluten Mehrheit verabschiedet. 50 plus X ist nicht mehr zu schaffen.
BECKSTEIN: Menschenskind, Horst! Sei doch net so bessimistisch! Jetzt bist scho 60 bluss X! Des schaut doch alles nuch ganz guud aus!!
SEEHOFER: Ich rede nicht von meinem Alter, sondern vom Wahlergebnis! Was da jeden Tag über uns in der Zeitung steht, das ist doch desaströs!
BECKSTEIN: Ach so! Die Wahl! An die hobbi gar nimmer gedacht. Naja, ich bin ja aa ka Minsterpräsent mehr …
STOIBER: Mein lieber Seehechter, ich darf dir da einmal … ganz kollegial … in die Kerbe treten: Schau! Als ICH Ministerpräsident war … damals, im ehemaligen Bayern … da war die absolute Mehrheit ja immer wie eine glodernde Lut! Also quasi immer eine verlässliche Größe. Wie die Schwerkraft!
SEEHOFER: Ja damals! Da hat’s kein Rauchverbot gegeben, keine Grünen, keine freien Wähler, keine Skandale!
STOIBER: Da, äh, täuschst du dich, äh, Ihnen! Es war alles schon da, vielleicht mit Ausnahme des Raucherboots. Des Räucheraals. Des Steckerlverbots. Und wenn ich da an die Affären und Skandale denke! (Leicht schwärmerisch und stolz:) Ha, das waren noch Zeiten!
BECKSTEIN: Do hodder fei recht, der Edmund! Weddernei, da hammer’s krachen lassen!
STOIBER: Es hat sogar noch MEHR Skandale gegeben als heute! Amigos und Bestechung, so weit das Auge hört! Was schließt du daraus?
SEEHOFER (begreift): Je weniger Skandale, desto weniger Wählerstimmen …
STOIBER: Eben! Ich zähl auf dich …
SEEHOFER (begeistert): Saludos Amigos!
Im Jahr 1957 begann in Deutschland das Zeitalter der Atomkraft – und zwar in Bayern. In Garching. Hier stand und steht das erste Atomkraftwerk Deutschlands. Heute gibt es davon in Bayern noch sechs. Abgeschaltet werden sie zwischen 2015 und 2030 – und wenn es nach einigen Politikern geht, dann nie. Erwin Huber zum Beispiel sorgt sich um die Arbeitsplätze in seinem Wahlbezirk und würde die Atommeiler so lange wie möglich am Netz lassen, lehnt aber Endlagerplätze in Bayern ab. Wer meint, diese Logik sei typisch bayerisch, der irrt. Sie ist noch nicht einmal typisch huberisch. Sie ist typisch menschlich.
Zum Thema Atomkraft hat sich (mein) Edmund Stoiber in einer Brandrede wie folgt geäußert:
EDMUND STOIBER: Natürlich kommt Bayern für ein Endlager nicht infrage. Geologisch gesehen vielleicht schon. Und natürlich haben wir über Jahrzehnte Atommüll in Bayern produziert. Aber wir haben eben auch Jahrzehnte Länderfinanzausgleich gezahlt. Und wer hat den bekommen? Niedersachsen! Also sozusagen der Salzstock Deutschlands!
Außerdem haben die da das Know-How. Wenn man sich mal anschaut, wer kommt aus Niedersachsen? Gerhard Schröder, Christian Wulff. Das heißt: In Niedersachsen ist man geübt im Umgang mit problematischen Altlasten!
Außerdem brauchen wir unseren bayerischen Boden selber, um darin Erdkabel zu verlegen. Um den Strom aus den niedersächsischen Windrädern irgendwie zu uns zu bekommen! Und das bedeutet: Wenn die Preißn uns mit ihrem ganzen Windstrom schon dazu zwingen, Stromkabel durch unsere bayerische Erde zu legen, dann sollen sie wenigstens unseren Atommüll in ihren Salzstock packen.
Wir haben in Bayern nur einen Salzstock, und das ist der in Bad Reichenhall! Und da laufen jedes Jahr Tausende Touristen durch, da kannst du keine Castoren dazulegen!
Überhaupt, die Castoren. Bayern soll ja jetzt Castoren zurücknehmen, die aus der Wiederaufarbeitungsanlage in Frankreich kommen.
Mit der Wiederaufarbeitung kenne ich mich aus: Ich habe mich wieder und wieder aufgearbeitet als Parteivorsitzender und Ministerpräsident, und was war der Dank? Der Beckstein und der Huber haben mich hinterrücks aus dem Amt gejagt!
Wenn im engsten Kreis der Parteiführung jemand gegen dich agiert, was ist das dann? Das ist doch Kernspaltung, liebe Freunde der Kettenreaktion. Jedenfalls, die Castoren haben wir zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich geschickt, und jetzt sollen wir sie zurücknehmen.
Aber wenn diese Müllfässer aus Frankreich nach Bayern gefahren werden, dann kommen sie je nach Strecke entweder über Nordrhein-Vandalen oder übers Saarland und weiter über Hessen oder Baden-Württemberg. Das sind doch lauter sichere Drittländer! Alles sichere Herkunftsländer. Da können die bleiben!
Das Automobil ist, wie alle anderen weltbewegenden Erfindungen auch, eine Errungenschaft aus Bayern. Carl Benz und Gottlieb Daimler, zwei Baden-Württemberger, werden von ahnungslosen Historikern zwar als Urheber genannt, aber die Wahrheit ist: Das Auto kommt aus Bayern, und zwar aus Coburg in Oberfranken. Die Maschinenfabrik A. Flocken baute das erste Elektroauto, folglich das Automobil der Zukunft.
Zwei der großen drei deutschen Automarken haben ihren Sitz in Bayern. Da haben wir zunächst die Audi AG in Ingolstadt. In Zwickau gegründet, das sei der Fairness halber mitgeteilt, aber erst in der Geburtsstadt Horst Seehofers zu voller Form aufgelaufen. Der Name klingt fränkisch, ist es aber nicht. Nach dem Ausscheiden aus der ursprünglich gegründeten Firma, die seinen Namen trug, übersetzte August Horch für eine Neugründung seinen Namen ins Lateinische. »Horch« heißt auf Fränkisch »Höre«, und das wiederum auf Lateinisch »audi«.
Der Marktführer heißt BMW (Stand: 2015–2055). Auch dieses Unternehmen hat seine Wurzeln irgendwo im Osten, gilt aber seit Jahr und Tag als ur-bayerisch. Das Auto ist also nicht nur Schwungrad der bayerischen Industrie, sondern auch Symbol. Für fast alles. Sogar für Europa. Weiteres erklärte Edmund Stoiber in einer Folge von »Grünwalds Freitagscomedy«.
(Eine Autowerkstatt. Stoiber liegt auf einem Rollbrett unter einem alten, schäbigen Auto, wir sehen zunächst nur die Beine. Dann rollt er nach vorne und richtet sich auf. Er trägt über seinem Anzug einen Blaumann und hat Ölflecken im Gesicht.)
EDMUND STOIBER: Hier ist der Ministerpräsident des ehemaligen Stoiber, Sie sprechen mit Edmund Bayern …
Tja, das wundert Sie vielleicht, aber ich lasse unzählig viele Talente vermissen, so auch das des Automechanikers. Und dabei ist so ein Fahrzeug ein schönes Gleichnis für eine Metapher. Denn wie sagte schon der große Philosoph, äh, oder war’s der andere, der mit der Tonne … oder mit der Wanne … Also was weiß denn ich. Auf alle Fälle steht mit diesem Automobil … quasi … das europäische Haus vor uns.
(Er geht langsam um das Auto herum und deutet dabei auf das, was er anspricht.)
Die Türen. Sie stehen weit offen für jeden … den wir wollen.
Die Räder! Vier Stück! Also genauso viel wie die 28 Mitglieds-länder!
Die Scheinwerfer! Meistens abgeblendet, so wie das Europa-Parlament.
(Er setzt sich auf den Fahrersitz.)
Das Steuerrad! Es darf nur von einem der besten Staatenlenker bedient werden!
(Er drückt aus Versehen auf die Hupe, erschrickt und schaltet mit einer fahrigen Bewegung den Scheibenwischer an.)
Und nicht zuletzt: der Motor. Gut geölt, perfekt gepflegt, präzise wie ein Schweizer Käse!
(Er dreht den Zündschlüssel, es ertönen jämmerliche Leier-Geräusche, bis der Motor mit einer Fehlzündung abstirbt.)
Sehen Sie – DAS ist Europa! Nicht unumstritten in den Einzelteilen …
(Er sieht, dass er in einer riesigen Ölpfütze steht.)
… aber leider erinnert es manchmal an ein Auslaufmodell …
Ja, die obige Schreibweise ist richtig. Zumindest dann, wenn die Sprache gemeint ist. Wenn von »bayerisch« die Rede ist, geht es um Politik, Geld, Grenzen und Regierungsbezirke. »Bairisch« aber meint den Brauch, das Lebensgefühl und eben vor allem die Sprache. Und die geht über die »bayerischen« Landesgrenzen weit hinaus. Sprachwissenschaftler müssen sich aufgrund ihres Berufs mit so etwas beschäftigen und kommen zu folgendem Ergebnis: »Als Bairisch fasst man in der germanistischen Linguistik einen Dialektverbund (Großgruppe) nichtstandardisierter Varietäten im Südosten des oberdeutschen Sprachgebietes zusammen, die Teil des kontinentalwestgermanischen Dialektkontinuums sind und zum deutschen Sprachraum gezählt werden.«
Zu den Gegenden, in denen laut Expertenmeinung »bairisch« gesprochen wird, zählen:
Bayern (Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, östl. Oberfranken, südöstliches Mittelfranken)
Sachsen (südliches Vogtland)
Österreich (außer Vorarlberg und Bezirk Reutte, Tirol)
Schweiz (Samnaun, Graubünden)
Italien (Südtirol)
Ungarn (Ödenburg)
Tschechien (Böhmerwald)
Na bitte! Bairisch kommt also nicht nur in Oberbayern oder im Fernsehen bei »Dahoam is dahoam« zum Einsatz, sondern in halb Europa. Große Aufregung hat CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer ausgelöst, als er forderte, dass in allen Migrantenfamilien Deutsch gesprochen werden soll. Und nicht bairisch. Edmund Stoiber fand das nicht gut:
EDMUND STOIBER: Der Scheuer mit seiner Deutschpflicht für Ausländer! Ich hab mich erst mal erkundigt, wer das eigentlich ist, dieser Andreas Scheuer. Angeblich ein aalglatter Ehrgeizling mit fragwürdigem Doktortitel und Gel im Haar. Das kam mir irgendwie bekannt vor.
Dieser Scheuer hat gefordert, Ausländer sollen in der Familie Deutsch sprechen! Seit wann wird in Bayern, in der Familie Deutsch gesprochen?
Deutsch, liebe Freunde, das ist im föderalen Sinn die Sprache der Nehmerländer!
Bei uns gilt immer noch Bayerisch, und nicht die Scharia!
Kein Wunder, dass alle über den Scheuer hergefallen sind. Außer dem Johannes Singhammer, das ist der Bundestags-Vizepräsident, der ist auch von der CSU. Und der hat gesagt, er würde sich im Urlaub mit seiner Familie auch in der Landessprache unterhalten.
Also wenn der Singhammer in Italien ist, dann sagt er buongiorno bambini, vogliate un gelato, weil’s der Scheuer so will?
Wobei ich mich grade frage, ob der Singhammer schon mal in der Oberpfalz Urlaub gemacht hat. Dann klingt die Eisbestellung nämlich so: Wou dou di bou dou bou..
Wenn der Andreas Scheuer den Mund aufmacht, halt ich jedes Mal den Atem an. Wissen S’, was der aus dem Slogan »Laptop und Lederhosn« gemacht hat:
Touchpad und Trachtenjanker!
Als Nächstes kommt dann Aufladekabel und Opfesoft.
Biotechnologie und Blasmusik.
Gadget und Gamsbart.
WhatsApp und Wolpertinger.
Korruption und Kabinett.
Rüstungsindustrie und Roberto Blanco.
Gaskraftwerke und Goaßlschnoizer.
Smartphone und Schnupftabak.
LED und Leberkas.
Bluetooth und Brezn.
Selfie und Semmeknedl.
Energiewende und Erdäpfekas.
Auch in der »Landtagskantine« von Bayern 3, dem wöchentlichen Comedy-Gespräch, war der Verfall des Bairischen ein Thema:
BECKSTEIN: Au weh, Edmund, schau ner noo – der Horst hodd vielleicht a Schdinkwuud beieinander …
STOIBER: Ja, das ist mir auch schon aufgetragen. Ausgefallen. AUFgefallen, wollt ich sagen …
SEEHOFER: Ja, das ist doch eine Riesensauerei! »Karotten« schreiben die da auf die Schiefertafel! Karotten! Ja sammer mia denn bei die Preißn?
STOIBER: Letzte Woche hat’s den Spaenle erwischt …
BECKSTEIN: … und die Haderdauer!
SEEHOFER: Das soll eine BAYERISCHE Kantine sein? Im Bayerischen Landtag??? KA-ROT-TEN???? Ja, schreibt doch gleich »Möhren « hin! Oder »Wurzeln«! Wie in Hamburg! Da scheint es euch ja gut zu gefallen, ihr Karotten-Zuzler, ihr preißischen!
BECKSTEIN: Der hat aber ordentlich Dampf unterm Schemisett, der Horst! Duck dich, Edmund, sonst erwischt’s uns aa no!
STOIBER: Na – also – da soll er mir nur kommen! Schließlich bin ich ja der Ministerpräsident des ehemaligen Bayern und der Politiker der Herzen!
BECKSTEIN: Geht scho los, Edmund, da kommt er scho, der bayerische Dschingis Khan …
SEEHOFER: Na, ihr Schafsnasen? Haben sie euch geschmeckt, die »Karotten«? Oder hattet ihr vielleicht eine »Frikadelle« und dazu ein »Alsterwasser«?
BECKSTEIN: Basst scho, Horst, alles in Ordnung mit unserm Leberkeeees!
STOIBER: Ja, genau! Grüabig war er, der Angebadzte! Wenn Sie meinen, was ich … verstehe …
SEEHOFER: So ist es recht! Nieder mit der Einpreußung unser guten bayerischen Schmankerl. Aber, merkt euch, Freunde – EINE Ausnahme gibt es! Zu den guten alten bayerischen Krapfen – da dürft ihr Berliner sagen! Aber nur dann, wenn ich sie gefressen habe. Also praktisch immer, hähähähä …
Spanien ist das einzige Land der Welt, das eine Nationalhymne hat, aber keinen Text dazu. Zumindest keinen offiziellen. Vor ein paar Jahren haben sich die spanischen Fußballer beschwert: Sie müssten beim Erklingen der Hymne mit geschlossenem Mund dastehen, und das würde ihnen als Desinteresse ausgelegt. Folglich wurde ein Textwettbewerb veranstaltet, ein Text ausgewählt und als offizieller Hymnentext festgelegt. Aber nach kurzer Zeit befand die Regierung den Text für untauglich, und er wurde wieder gestrichen. Er darf nicht gesungen werden. Ausgenommen von Fußballern.
Eine ähnliche Verwirrung gibt es auch bei der bairischen und bayerischen Hymne: Die Melodie stammt von Konrad Max Kunz aus dem Jahr 1860, den Text der ursprünglichen drei Strophen steuerte Michael Öchsner bei. Sie waren Mitglieder der Bürger-Sänger-Zunft München, die das Lied am 15. Dezember 1860 erstmals aufführte. 1948 schrieb der bayerische Dichter Joseph Maria Lutz eine neue Fassung der Hymne, entsprechend einem Beschluss des Vorstands der Bayernpartei. Die Partei trat für die zukünftige Unabhängigkeit Bayerns ein, lehnte den Beitritt Bayerns zur Bundesrepublik Deutschland ab und ließ deshalb jeden Bezug Bayerns zu Deutschland aus der Hymne streichen. Aus »deutscher Erde« wurde »Heimaterde«, aus »Deutschlands Bruderstämme« wurden die »Stämme vom Alpenrand zum Main«. Entdeutscht und bajuwarisiert.
Seit 1964 wird das Bayernlied offiziell gespielt, auch vom Bayerischen Rundfunk um Mitternacht bei Sendeschluss, der schon lange kein Sendeschluss mehr ist. Ministerpräsident Alfons Goppel sprach sich für die Lutz-Fassung aus, Ministerpräsident Franz Josef Strauß aber legte fest, dass weiterhin die Öchsner-Verse gelten.
Bei einem Referat über Bildung und Wissen ließ ich einmal Horst Seehofer abschweifen und die Hymne neu texten:
HORST SEEHOFER: Mit dem Studieren, also der Aufnahme von Wissen und Weisheit, ist es ja so eine Sache. Zuerst dauert es ewig, bis man es verstanden hat, darauf folgt unermüdliches Pauken bis zum Examen, gefolgt von der Frage, wie lange man sich den ganzen Mist eigentlich merkeln ähäh merken kann. Unermüdlich frisst sich der Terror-Virus der drohenden Verblödung durch unseren Kopf wie ein Bandwurm durch den Verdauungstrakt!
Worauf Sie sich jetzt gerne fragen können, was Verblödung mit der Verdauung zu tun haben soll. Ich kann es Ihnen … auch nicht beantworten.
Und in dem ganzen Trubel hat mir vor einiger Zeit so ein windiger Radiospaßvogel die Frage gestellt, ob ich den Zuhörern die erste Strophe unserer Bayernhymne Vorsingen könne. Prompt bin ich über das »Gott mit dir, du Land der Bayern« nicht hinausgekommen. Übrigens teile ich dieses Schicksal mit dem Münchner SPD-Oberbürgermeister.
Natürlich habe ich sofort einen Kriseninterventionsstab eingerichtet. Dieser wird mit Fördermitteln des Bayerischen Blasmusikverbandes unterstützt und trägt den Namen Projekt Patrona Bavariae.
Zunächst war ich beim Hausarzt und habe mir ein paar Knoblauchtabletten und Ginkgosaft verschreiben lassen. Damit ich auch weiterhin kraftvoll mitsingen kann.
Die entstandenen Kosten werden durch den Verkauf von Tonträgern zurückgeführt. Bald gibt es eine neue CD von mir, mit – für mich – wichtigen Hymnen. Auf der CD finden Sie die Bayernhymne, und auf der B-Seite die Deutschlandhymne – nur für den Ernstfall. Wenn ich doch noch einmal nach Berlin gehe.
Und dabei ist mir aufgefallen, dass die Bayernhymne dringend umgeschrieben werden muss!
Gott mit dir, du Land der Bayern, Heimaterde, Vaterland. Das ist doch viel zu agrarwirtschaftlich dominiert. Bayern ist doch längst kein Bauernland mehr, sondern das Zentrum des technologischen Aufbruchs in Europa.
Mein Vorschlag für die Zukunft ist:
Gott mit dir, du Land des Fortschritts,
Hightech-Schmiede, Start-Up-Land.
Über deinen Unternehmen
walte seine Segenshand.
Er behüte Feiertage,
lasse unsre Wirtschaft blühn,
Und bewahre unser Bayern
vor den Farben Rot und Grün.
Gott mit dir, du schwarze Schwester,
Angela, sei hoch verehrt.
Der liebe Gott schenke dir die Einsicht,
dass du bleibst an deinem Herd.
Denn vom Alpenland zur Nordsee
meinen Wählern ich vertrau!
Seid Euch gegen Rot-Grün einig,
denn die hau’n wir grün und blau!
Gott mit dir, dem FC Bayern,
und mit dir, dem Kaiser Franz.
Du wirst wieder Deutscher Meister
und erhältst den Siegeskranz.
Bayerns Stadion ist das schönste,
und das beste unser Bier,
denn das wirkt bei unsern Spielern
wie ein Siegerelixier.
Die Franken durften jubeln, im September 2007. Endlich ein fränkischer Ministerpräsident in Bayern, und ein evangelischer noch dazu! Keine 13 Monate später kehrte die übliche fränkische Tristesse wieder ein. Nach dem schlechtesten CSU-Wahlergebnis seit 1954 musste er zurücktreten, der »lustige Franke mit der kurzen Karriere, die Fünf-Minuten-Terrine unter den bayerischen Ministerpräsidenten«. Oder, um Beckstein-Sound zu sprechen: »Minster-Präsenten«, denn der Franke spart sich Silben und harte Konsonanten, wo er kann.
Ich hab ihn sehr gern gehabt, den igel-ähnlichen verschmitzten Hersbrucker. Ehemals ein scharfer Hund im Innenministerium, wandelte er sich zum verständnisvollen, toleranten Weltbeobachter. Sein Sturz war tief, und dieser wurde von seinem gemeuchelten Vorgänger Edmund Stoiber saftig kommentiert. Zumindest in MEINER Version:
EDMUND STOIBER: Meine Damen und Herren, ich möchte zum Wahlergebnis nicht viel sagen, aber unter Günther Beckstein, die Älteren unter Ihnen werden ihn noch kennen, hat die CSU jetzt 32 Sitze weniger im Bayerischen Landtag. Gut, jetzt könnte man sagen … dann müssen halt ein paar stehen … so ein Söder zum Beispiel, der is ja noch jung. Und Umweltminister, sowieso ein Schleudersitz. Der freut sich doch, wenn er mal stehen darf. Bevor er fliegt.
Aber die CSU – und das müssen Sie wir uns alle hinter die äh …. Zunge schreiben, äh, ich meine natürlich, auf dem Ohr zergehen lassen … die CSU, die hat ja nicht nur bei den Sitzen verloren, sondern sogar beim Wahlergebnis! Ein Absturz von MEINEN 60 auf 43 Prozent! Das müssen Sie sich mal vorstellen: Dass ich jetzt SO in die Geschichte eingehe. Ich als Fan des FC Bayern München – ich bin wahrscheinlich der letzte 60er unter bayerischen Ministerpräsidenten!
Ich werde oft gefragt, ob Günther Beckstein so was wie der Sündenbock der CSU war. Ich kann Ihnen versichern, das ist er nicht. Er ist nicht der Sündenbock, sondern ein Gärtner, ein Gärtner in der Wüste, in die wir ihn geschickt haben.
Und das ist dem Beckstein auch gar nicht schwergefallen … als Franke ist er die Einöde ja gewöhnt!
In meiner Beckstein-Version ließ ich den Verlierer folgendermaßen darauf reagieren:
GÜNTHER BECKSTEIN: Ein herzliches grüß Gott, ich bin’s, der lustige Franke mit der kurzen Karriere!
Ich hab ja damals den Fehler gemacht, dass ich gsacht hab, man kann mit zwei Maß Bier noch Auto fahren. Ich hab doch net gwusst, dass sich die Bischöfin Käßmann a Beispiel dran nimmt.
Ich bin froh, dass ich nimmer Minsterpräsent bin! Ich kann jetzt endlich wieder so viel Maß Bier trinken, wie ich will. Die Marga kann endlich wieder des Kleid anziehen, des ihr passt!
Manchmal, nachts im Traum, bin ich immer noch bayerischer Minsterpräsent. Und das ist wirklich ein Alptraum. Der fängt immer mit dem Oktoberfest an. Ich muss mit der Marga zum Anstich, und sie will kein Dirndl anziehn. Das war der Beginn meiner Wahlniederlage. Dirndl passt ned zu mir, hat sie gesagt. Ich hab sie wirklich bekniet. Marga, hab ich gesagt, jetzt zieh halt das Dirndl an, nimm’s halt als Verkleidung, als Fastnachtskostüm. So wie ich in Veitshöchheim den bayerischen Löwen gegeben hab. Des passt auch ned zu mir, und ich mach’s trotzdem.
Und jetzt kommt des immer wieder in meinem Alptraum, egal ob’s Nacht ist oder fast Nacht, immer der gleiche Alptraum: Wiesnanstich, um mich herum lauter Löwen, die Marga im Kostüm und ich im Dirndl!
Im Bierzelt war’s eh immer am schlimmsten: Als bayerischer Minsterpräsent ist man öfter im Bierzelt als in der Staatskanzlei. Und nirgendwo gibt’s ein Glas Wein! Und was man sagt, ist falsch.
Gut, natürlich konnt ich über die SPD schimpfen. Aber das gibt halt net so viel her! Eine Bierzeltrede dauert mindestens eine Stunde! Und wenn ich jeden Anhänger der SPD in Bayern einzeln beschimpft hätte, wär ich nach spätestens fünf Minuten fertig gewesen!
Da blieb mir halt nur: Bier trinken und über’s Biertrinken reden.
Wegen meiner Rede mit den zwei Maß am Steuer haben sofort die fränkischen Winzer protestiert, wegen Wettbewerbsnachteilen im Straßenverkehr.
Die Schwaben ham die Abschaffung der Biersteuer gefordert.
Die Oberbayern wollten exklusive Schankrechte, und die Niederbayern und Oberpfälzer ham infrage gestellt, ob man mit nur zwei Maß überhaupt schon verantwortungsvoll am Straßenverkehr teilnehmen kann.
Und jetzt beschäftige ich mich vor allem mit meiner Frau. Des is manchmal schon schwer! Vor Kurzem hab ich mir das Buch gekauft: »Wie ich mich gegen meinen Ehepartner durchsetze!« – Ich hab’s ganz durchgelesen. Hat aber nichts genützt. Die Marga hat’s zuerst gelesen.
Das Geheimnis MEINER glücklichen Ehe liegt in fünf Worten: »Ja, du hast recht, Marga!«
Die Hörer von Bayern 3 waren dabei, als er sich in der »Landtagskantine « verabschiedet hat …
BECKSTEIN: Meine liem Freunde und Kolleechen … Heude ist ein Daach der Drauer und des Abschieds …
SEEHOFER: Oh je, Günther … ich glaub, ich weiß, was jetzt kommt.
STOIBER: Also ich weiß es natürlich wieder einmal NICHT! Mir sagt ja keiner mehr was, seit man mich damals in Kreuth … in hohem Bogen … vor die Tür … geworfen hat!
SEEHOFER: Edmund, der Günther ist nicht mehr unter uns.
STOIBER: Aber da steht er doch! In vollem Leibesleben! Also quasi in großer Leibesfülle! Lebensgröße!
SEEHOFER: Schon. Aber er hat sich aus dem politischen Leben in Bayern verabschiedet.
BECKSTEIN: … und drum wollt ich dir, lieber Horst, diesen Franggnwimbl überreichen, den ich von der Fleischereiinnung Großlossnitz bekommen hab. Und für dich, Edmund, ist dieser Boggsbeudl, a guder Dropfn, drink ihn halld a weng auf mei Wohl …
SEEHOFER (gerührt): Danke dir, mein lieber Günther (schnieft).
STOIBER: Was soll denn das alles hier? Warum bekomme ich eine tropfenförmige Flasche und nicht auch so einen schönen Dimpel? Simpel? Wimpel? Jetzt schütte einmal dein Herz … mit dem Kind … in den Brunnen und erzähl mir, was hier los ist.
BECKSTEIN: Naaa … ich muss jetzt haaam. Zur Marga. Und do sitz i dann und mach jeden Daach mei Bussl …
SEEHOFER: Jeden Tag ein Busserl für die Marga. Wie romantisch!
BECKSTEIN: Naa! Mei Bussl! A Bild mid lauder glaaana Stüggla! Und zu euch nach München in die Kandieene derf i nimmer nunder …
SEEHOFER: Auf gar keinen Fall! Einmal in der Woche kommst du hierher und erzählst uns, was da droben los ist, bei den wilden Franken!
STOIBER: Weil das ja klar ist! Einmal Ministerpräsident – immer, äh, Ministerdings!
BECKSTEIN: Jou wergli? Das mach i fei!
SEEHOFER: Dann bist du der fränkische Wisslbloher! Auf den Edward Snowden aus Nürnberg-Langwasser! Mahlzeit!
Die Bayern werden weniger. 1500 Jahre lang war die Entwicklung erfreulich: Die Bevölkerung wuchs von wenigen hundert Einwohnern im Jahr 555 nach Christus auf stattliche 12,5 Millionen im Jahr 2015. Ab jetzt geht’s wieder bergab. Während sich Oberbayern keine Sorgen machen muss, werden Ober- und Unterfranken je 8 Prozent verlieren.
Zu diesem alarmierenden Umstand meldete sich Edmund Stoiber wie folgt zu Wort:
EDMUND STOIBER: Meine Damen und Herren, ich komme heute mit einem ernsten Anliegen zu Ihnen. Ich habe mich seit meinem Rücktritt mit einem dramatischen Problem beschäftigt: Die bayerische Bevölkerung schrumpft. Wir müssen diese Lücke dringend schließen! Meine Damen und Herren, ich weiß, was Sie brauchen: bessere Fortpflanzungsbedingungen! Und die Fortpflanzung ist, äh, immer Kopfsache, also … zumindest teilweise. Denn es ist doch so: Es gibt immer mehr Rentner und immer weniger Kinder.
Es darf einfach nicht sein, dass wir Bayern mitten in Bayern aussterben, während in Bayerns Großstädten immer mehr Alleinstehende, sogenannte Singles, heranwachsen.
Singles, die Minderheiten wählen, die sind ja per se gegen unsere großen bayerischen Köpfe wie Franz Josef Strauß oder Franz Beckenbauer und damit vermutlich auch gegen mich.
Und die wählen doch alle keine CSU, sondern diese Minderheitsparteien wie die Grünen oder die vom Aussterben bedrohte bayerische SPD. Die sind ja so wenige, die fallen ja schon bald unter den Artenschutz.
Aber ich bin Bayern! Und wenn ich mir Bayern 2050 ansehe, dann sehe ich nur noch kleine renitente Einzelkinder, die von alleinerziehenden Müttern oder schwulen Vätern herangezogen werden. Das ist ein Horrorszenario! Der Untergang unserer christlich-abendländischen Wertegemeinschaft! Um das zu verhindern, fordere ich Sie auf! Fordere ich alle die, die mich und damit Bayern unterstützen, auf: Zeugen Sie! Sonst werden wir alle untergehen! Zeugen Sie, sonst kommt Bayern über kurz oder lang in die Hände von CSU-fremdem Gesindel. Ich beschwöre Sie, sich fortzupflanzen!!! Zeugen, zeugen, zeugen.
Wenn möglich, äh, so schnell wie möglich!!
Nur wer Vertrauen in die Zukunft hat, wer an den Standort Bayern glaubt, wer die Wirtschaft stärkt, der wird sich auch in der Frage der Nachkommenschaft nicht, äh, hängen lassen.
Ich rufe Ihnen heute zu: Nur wer sich vermehrt vermehrt, vermehrt auch Bayern. Und damit sich. Und damit mich! Ich danke Ihnen und wünsche Ihnen fröhliches Zeugen!
Die CSU heißt korrekt Christlich-Soziale Union in Bayern e. V. und wurde 1945 gegründet. Sie tritt ausschließlich in Bayern zur Wahl an, die Schwesterpartei CDU verzichtet darauf. Man könnte denken, dass die CSU seit Menschengedenken in Bayern regiert, oder eben nach einem Blick in die Geschichtsbücher zumindest seit 1945. Das stimmt aber nicht. Zwischen 1954 und 1957 hatte Bayern einen Ministerpräsidenten der SPD. Was da genau passiert ist, ob da unglücklicherweise mehrere entscheidende Personen oder die Mehrheit der Wähler betrunken waren, ob die Pfarrer nicht intensiv genug am Wahlsonntag für die CSU gepredigt oder die Wahlzettel unübersichtlich gedruckt waren – in Bayern will man das heute gar nicht mehr so genau wissen und dieses Kapitel lieber verschweigen.
Noch ziemlich lebendig in der Erinnerung sind die Jahre, in denen die CSU mit der FDP zusammen regieren musste. So geschehen in dem Jahr, als Barack Obama amerikanischer Präsident wurde. Eine Phase der Schmerzen und des Glücks für die Schwarzen.
Dann aber der Tag der Befreiung: Horst Seehofer holt wieder die Alleinherrschaft, kann vor Kraft nicht laufen und schafft es kaum durch die Tür der Landtagskantine …
SEEHOFER (entfernt klingend): Ja, was ist denn los! Sauerei! Da hat doch jemand die Türen kleiner gemacht! Unverschämtheit!
BECKSTEIN: Was hat er denn, der Horst? Warum schimpft er denn so?
STOIBER: Ich glaube, dass er vor Lauf nicht mehr kraften kann! Und umgekehrt genauso! Der ist so selbstbewusst, dass er nicht durch die Tür kommt!
SEEHOFER: Servus, ihr Politik-Rentner! Ein Triumph! Wir feiern einen gigantischen, riesigen Triumph!
BECKSTEIN: Is scho widder guud, Horst …
SEEHOFER: Absolute Mehrheit! Mehrheit!!! Absolute!!!
STOIBER: Ja schon! Aber wenn ich da … ein wenig … Wein in den Essig schütten darf … Zur absolutistischen Mehrheit fehlt natürlich noch einiges. Das sind immer noch 100 Prozent plus X, und davon ist die CSU noch weit entfernt. Da bräuchte es schon ausgewiesene Politik-Experten wie … wie … den Dings. Den Blonden mit der Brille. Also mich!
SEEHOFER: Allein hier herinnen in der Kantine! Da haben 88 Prozent die CSU gewählt!
BECKSTEIN: Hähä. So vill simmer ja gor net …
SEEHOFER: Eine gewaltige Zustimmung für mich und meine Person! In einigen Wahllokalen waren die Stimmzettel schon vorher von den Helfern ausgefüllt, da haben die Wähler nur noch nicken brauchen! SO läuft das in Bayern und nicht anders!
STOIBER: Das muss man sich einmal auf der Zunge … vorstellen! Nach dem furchtbaren Fi-esko vor einigen Jahren …
BECKSTEIN: Jaja, is scho widder guud, jetzt hör halt amoll widder auf …
STOIBER: … hat sich die CSU zu einem wahren Höhepunkt hinaufgeschwungen! Und das an Tagen wie diesen!
BECKSTEIN: Bitte, Edmund, nicht singen!
STOIBER: Immerhin waren die Wahlen ja unter strenger Beobachtung der NSA!
SEEHOFER: Bitte? Warum soll sich denn der amerikanische Geheimdienst für die Wahlen in Bayern interessieren?
STOIBER: Du hast die Antwort schon gegeben: Weil sie geheim sind!
Und wenn es um die Vergabe von Posten geht in der CSU, dann melden sich auch die alten Dampflokomotiven vom Abstellgleis zu Wort …
BECKSTEIN: Hähä – hallo miteinander, ich bin’s, kennt ihr mich noch?
SEEHOFER: Der Beckstein! Der Günther! Was führt dich denn in die Hauptstadt?
BECKSTEIN: Ich hob do a weng bei anner Kaffeefahrt mitgmacht, mit Deilnahmemöchlichkeit an einer Verkaufsveranstaltung für Rheumadecken. Aber davon hobbi scho drei, binni lieber her zu euch in die Kandine. Denn Bayern braucht jetzt Underschdützung!
STOIBER: Da hast du völlig recht, liegt ja offen auf dem Auge, gewissermaßen, denn es herrscht ja überall das blanke Dings!
SÖDER: Ganz genau, Leude, so sieht’s doch aus. Neue Männer braucht das Land, mit Bedohnung auf neu. Und auf Männer. Und auf braucht. Und auf Land.
SEEHOFER: Ich durchschau euch alle miteinander, ihr Schlawiner mit euren Schmutzeleien! Ich hab gesagt, dass ich im Herbst das neue Führungsteam der CSU verkünden werde, und deshalb seid ihr jetzt alle so freundlich zu mir!
STOIBER: Aber keineswegs, mein lieber Seeteufel! Es treibt uns nur die Dings um, die Sorge um unser geliebtes Bayerndings! Damit es nicht in Seenot gerät, in Seehofernot gewissermaßen! Und deshalb habe ich hier einen kleinen Zettel, mit einem Entwurf für die neue CSU!
BECKSTEIN: Wedder nei, so an Zeddl hobbi i fei aa …
SÖDER: Ich hob kann Zeddl, sondern a Organigramm in Eggsl, alles dibbdobb, neues Combjuder-Brogramm, eins-A, alles crispy und funky.
SEEHOFER: Ich kann mir schon denken, wen ihr da an erster Stelle hineingeschrieben habt! Euch selber!
SÖDER: No freilich! Horst, Vorschlaach von mir: Machs wie beim Musikantenstadl, ersetz einfach »gut« durch »jung«. Und eins is ja wohl glaar: Ich bin jünger als wie die!
STOIBER: Jung – das waren wir alle einmal! Vielleicht sogar jünger wie der Söder! Aber wir bringen Erfahrung mit! Und Kompetenz-Kompetenz! Hab ich nicht recht, mein lieber Backstein? Bayern ist in Seenot, und wir sind die Matrosen, die das Schiff … von Grund auf … auf Grund setzen!
SEEHOFER: Aber der Kapitän bin noch immer ich! Und ich steure das Schiff in konsequentem Zickzackkurs durch raue See! Eure Zettel könnt ihr mir ruhig geben, aber morgen mach ich neue. Und übermorgen wieder. Denn auf EINS ist Verlass: auf meine Unverlässlichkeit! Mahlzeit!
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