Be calm to be wild! Salutogenese im digitalen Zeitalter - Patrick Jesenko - E-Book

Be calm to be wild! Salutogenese im digitalen Zeitalter E-Book

Patrick Jesenko

0,0

  • Herausgeber: epubli
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2021
Beschreibung

Wir leben in einer Zeit, die von Schnelllebigkeit, Hektik sowie Leistungs- und Optimierungszwang geprägt ist. Dies führt in vielen Fällen unweigerlich zu Stresssymptomen oder sogar psychischen Erkrankungen. Insbesondere der Trend der Digitalisierung mit seinen zahlreichen technologischen Entwicklungen bietet neben vielen Vorteilen auch eine Reihe an Gefahrenpotenzial. Was also können wir tun, um in dieser materialistischen, sich schnell verändernden Welt zu bestehen? Der Schlüssel liegt in unserer Resilienz – der psychischen Widerstandskraft. Basierend auf dem Konzept der Salutogenese befasst sich dieses Buch mit dem effektiven Umgang mit externen und internen Einflussfaktoren, um durch eine innere Ruhe gelassener, motivierter und glücklicher zu werden. Das Buch behandelt dabei unter anderem folgende Fragestellungen… • Wie entsteht Stress und welche Auswirkungen hat er auf Körper und Geist? • Was haben unsere Gedanken, unsere Emotionen und unser zentrales Nervensystem mit Stress zu tun? • Welche Rolle spielen dabei soziale Netzwerke, Fernsehen & Co.? • Was bedeutet Resilienz und wie werde ich resilienter? • Wie kann das Konzept der Salutogenese dabei helfen? … und liefert zudem noch viele praktische Anwendungen rund um die spannenden Themen Achtsamkeit & Wahrnehmung, Meditation und Visualisierung.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 119

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Be calm to be wild!

Salutogenese

im digitalen Zeitalter

Impressum

Patrick Jesenko MScc/o skriptspektor e. U.Robert-Preußler-Straße 13 /TOP 15020 SalzburgAT – Ö[email protected]

1. Auflage

2021

© Patrick Jesenko

Alle Rechte vorbehalten.

Sämtliche Inhalte dieses Werkes dürfen ohne schriftliche Genehmigung des Autors in keinster Weise reproduziert, vervielfältigt oder verarbeitet werden.Vertrieb: epubli - ein Service der neopubli GmbH, Berlin

www.jp-mentality.at

Be calm to be wild!

Salutogenese im digitalen Zeitalter

Mit Resilienz & Kohärenz zum Fels in der Brandung

Patrick Jesenko

Inhalt

Vorwort – Salutogenese im digitalen Zeitalter

Kapitel 1 - Salutogenese – ein holistisches Gesundheitskonzept

Die Entstehung und die Grundsätze der Salutogenese

Abgrenzung zur Pathogenese

Kohärenzgefühl als Fundament für Resilienz – Unsere Einstellung zum Leben

Fokus auf unsere Gesundheit – Paradigmenwechsel oder neue Perspektive?

Kapitel 2 - Stressoren – Herausforderung statt Belastung

Was sind Stressoren?

Die Auswirkungen von Stress auf Körper und Psyche

Stressoren im digitalen Zeitalter – Verändertes Mindset in Gesellschaft und Berufswelt

Soziale Netzwerke & Fernsehen – Reizüberflutung und omnipräsente Negativität

Kapitel 3 - Resilienz – mehr als nur psychische Widerstandskraft

Resilienz – Fähigkeit oder Lebenseinstellung?

Gedanken & Emotionen – Interdependenzen und Zusammenspiel

Absolut relativ – Wie wir durch unser Mindset unsere Welt formen

Körper & Psyche – Welche Rolle spielt unser zentrales Nervensystem?

Kapitel 4 - Resilience Enhancement Framework – REF

Gewohnheiten – Kleine Schritte, große Auswirkung

Mit dem REF zu stärkerer Resilienz im Leben

Praktische Anwendung des REF

Kapitel 5 - Implikationen der Salutogenese zur Resilienzbildung

Visualisieren

Achtsamkeit und Wahrnehmung

Affirmationen und Kraft der Gedanken

Meditation

Progressive Muskelentspannung

Abschließende Worte – Be calm to be wild!

Literaturverzeichnis

Das Buch hat dir gefallen?

Fragen & Anregungen

Haftungsausschluss & Urheberrecht

Ein Bettler hatte mehr als dreißig Jahre am Straßenrand gesessen. Eines Tages kam ein Fremder vorbei. „Hast du mal einen Euro?“, murmelte der Bettler und hielt mechanisch seine alte Baseballmütze hin. „Ich habe dir nichts zu geben“, sagte der Fremde und fragte dann: „Worauf sitzt du da eigentlich?“ „Ach“, antwortete der Bettler, „das ist nur eine alte Kiste. Da sitze ich schon drauf, solange ich zurück-denken kann.“ Hast du da mal reingeschaut?“, fragte der Fremde. „Nein,“ sagte der Bettler, „warum auch? Es ist ja doch nichts drin.“ „Schau hinein“, drängte der Fremde. Es gelang dem Bettler, die Kiste aufzubrechen. Voller Erstaunen, Unglauben und Begeisterung entdeckte er, dass die Kiste mit Gold gefüllt war.

(Eckhart Tolle)

Vorwort – Salutogenese im digitalen Zeitalter

„A journey of a thousand miles begins with one step."

(Lao Tzu)

Hast du dich schon einmal gefragt, warum es Menschen gibt, die trotz widrigster Umstände – sei es eine schwere Erkrankung, eine schwere Behinderung nach einem Unfall oder mehrere Schicksalsschläge und Verluste – ein glückliches und zufriedenes Leben führen, während andere bereits bei Kleinigkeiten wie einer nicht bestandenen Prüfung, einer Trennung oder einer Kündigung das Handtuch werfen und völlig aus der Bahn geworfen werden? Vermutlich ja. Im Rahmen dieses Buches werden wir dieses Phänomen genauer unter die Lupe nehmen, um zu versuchen, zu verstehen, was Menschen widerstandsfähiger macht und warum es manchen Menschen gelingt, Krisen nicht nur unbeschadet zu überstehen, sondern auch noch Nutzen daraus zu ziehen. Im Zentrum dieses Buches steht die Salutogenese, ein Konzept, welches seit ihrer Veröffentlichung in den 70er-Jahren interdisziplinär für viel Aufsehen gesorgt hat. Mit seiner Arbeit zur Salutogenese hat Aaron Antonovsky dazu aufgefordert, Dinge, die jahrzehntelang als gegeben galten, zu hinterfragen und lieferte mit seinen Ideen Denkanstöße, die bis dahin in der westlichen Welt überwiegend fremd waren. So liegt der Fokus der Salutogenese, anders als in der bis dato vorherrschenden und angewandten Pathogenese, nicht auf der Heilung von Krankheiten, sondern auf der Gesundheit und deren Erhalt. Die zentrale Fragestellung befasst sich somit mit der Suche nach Faktoren, welche es ermöglichen, mit Belastungssituationen adäquat umzugehen. Tagtäglich werden wir mit unzähligen Informationen konfrontiert, werden mit Reizen überflutet und stellen unser Gehirn in der Verarbeitung und Interpretation vor große Herausforderungen. Insbesondere die Reizüberflutung – provoziert durch Fernsehen, Social Media, Smartphones, ständige Erreichbarkeit etc. – kann in einer Gesellschaft, die stark durch Leistungsdruck und sozialen Status geprägt ist, schnell zu einer Belastung werden. Werden diese Belastungen von uns nicht richtig interpretiert und adressiert, kann es zunehmend schwierig werden, auf Phasen der Anspannung mit Entspannung zu reagieren und den menschlichen Organismus wieder zu stabilisieren. Ist das Gleichgewicht dauerhaft gestört, können sowohl psychische Beschwerden (Depressionen, Burn-out u. a.) als auch körperliche Symptome (z. B. Bluthochdruck, Rückenschmerzen) auftreten. Dass dies insbesondere in der westlichen Welt ein zunehmendes Problem ist, zeigt unter anderem die stark ansteigende Zahl an psychischen Erkrankungen – so stieg beispielsweise der relative Anteil an Arbeitsunfähigkeit aufgrund von psychischen Erkrankungen in Deutschland in den letzten 40 Jahren von 2 auf über 16 Prozent, weltweit litten im Jahr 2017 knapp 970 Millionen Menschen an psychischen Erkrankungen. Während ein pathogenetischer Ansatz sich auf die Suche nach den Ursachen und geeigneten Behandlungsmethoden konzentriert, in der westlichen Medizin oft medikamentös, versucht die Salutogenese Menschen gegenüber externer Einflussfaktoren resilienter zu machen, um die psychische und physische Gesundheit aufrechtzuerhalten. Um besser verstehen zu können, wie ein salutogenetischer Ansatz dabei helfen kann, die Prävalenz psychischer Erkrankungen zu reduzieren, folgt im anschließenden Kapitel 1 eine Einführung in die Salutogenese, deren Entstehung, deren Grundsätze und ihre Abgrenzung zur Pathogenese. In Kapitel 2 befassen wir uns mit Stressoren, den externen Einflussfaktoren, die das Potenzial haben, Menschen aus ihrem Gleichgewicht zu bringen und werden uns dabei insbesondere die spezifischen Herausforderungen des digitalen Zeitalters ansehen. In Kapitel 3 folgt eine thematische Auseinandersetzung mit der Bildung einer psychischen Widerstandskraft sowie dem Zusammenspiel zwischen Gedanken und Emotionen. Außerdem wollen wir uns ansehen, welche Rolle unser zentrales Nervensystem für Körper und Psyche spielt und wie ein im Einklang stehender Körper, Geist & Seele, Menschen resilienter gegenüber Belastungen machen kann. Bevor abschließend in Kapitel 5 einige Methoden und Übungen erläutert werden, die dabei helfen können, resilienter zu werden, wird in Kapitel 4 mit dem Resilience Enhancement Framework (REF) ein Tool an die Hand gegeben, welches das Verständnis und die Bildung von Resilienz fördern soll, um erste Schritte zu mehr Stabilität zu machen und zum Fels in der Brandung zu werden.

Kapitel 1 - Salutogenese – ein holistisches Gesundheitskonzept

Die Entstehung und die Grundsätze der Salutogenese

„Do not pray for an easy life, pray for the strength to endure a difficult

(Bruce Lee)

Warum werden Menschen krank? Was kann getan werden, um kranke Menschen wieder gesund zu machen? Diese und ähnliche Fragen standen lange Zeit unangefochten und konkurrenzlos im Mittelpunkt der westlichen Medizin und Psychologie. Dies änderte sich allerdings zum ersten Mal, als der amerikanisch- israelische Mediziner und Soziologe Aaron Antonovsky Mitte der 1970er-Jahre sein Konzept der Salutogenese veröffentlichte. Doch bereits 1946, kurz nach Kriegsende, legte Viktor Frankl, ein österreichischer Psychologe und Neurologe, der viele Jahre seines Lebens als Arbeitshäftling in deutschen Konzentrationslagern verbrachte, die Grundlage für die spätere Arbeit von Aaron Antonovsky. Frankl erkannte Unterschiede in der Umgangsweise seiner Mithäftlinge mit der schrecklichen Situation und versuchte herauszufinden, woran es lag, dass manche Menschen die Torturen bis zur Befreiung überstanden, während andere die Strapazen früher oder später nicht mehr aushalten konnten. So fand Viktor Frankl heraus, dass diejenigen, die einen Sinn in ihrem Leben und ihrem Tun sahen, mit höherer Wahrscheinlichkeit überlebten. Sei es eine wartende Familie oder der unbändige Wille, im Leben noch was erreichen zu wollen – die Menschen, die etwas hatten, dass ihnen Hoffnung und Halt gab, ertrugen die schlimmen Zustände in den Lagern besser als andere. Somit konnte Frankl bereits 1946 aufzeigen, dass die Lebenseinstellung die Belastungstoleranz und den Einsatz der eigenen Ressourcen positiv beeinflusst und legte damit das Fundament für die spätere Arbeit von Aaron Antonovsky. Inspiriert von Viktor Frankl, der in ausdrucksstarker Manier seine Erlebnisse während des Zweiten Weltkriegs schilderte, lag der Ursprung von Antonovsky’s Theorie in einer von ihm durchgeführten Untersuchung des Gesundheitszustandes von Frauen nach dem 2. Weltkrieg. Zu seinem Erstaunen stellte er fest, dass sich 29 % der Frauen trotz schwierigster Umstände in gutem psychischem Zustand befanden. Dies führte Aaron Antonovsky zu der Frage, was diese Frauen von den restlichen 71 % der teilnehmenden Frauen unterschied. Welche Umstände erlaubten es einem Drittel der Frauen besser mit den Folgen des Krieges umzugehen? Basierend auf diesen Fragen führte Antonovsky zahlreiche Studien und Untersuchungen durch und kam letztendlich zu dem Schluss, dass es tatsächlich Faktoren gibt, die Menschen vor Krisen besser schützen und den Umgang mit belastenden Situationen erleichtern. Er war zudem der Überzeugung, dass Gesundheit und Krankheit nicht zwei voneinander getrennte Zustände sind. Vielmehr ist das menschliche Wohlbefinden als Ausprägung entlang eines Gesundheits-Krankheits-Kontinuums zu verstehen. Ein lebender Mensch ist demzufolge zu keinem Zeitpunkt völlig krank oder völlig gesund, bewegt sich stattdessen entlang des Kontinuums. Diese Annahme ermöglichte eine komplett neue Sichtweise auf die Krankheit und Gesundheit der Menschen und ließ Antonovsky intensiv nach Möglichkeiten und Einflussfaktoren suchen, die es ermöglichten, sich in Richtung des positiven Pols des Kontinuums zu bewegen. Da jeder gesunde Mensch auch Krankheitsanteile in sich trägt und umgekehrt auch jeder Kranke Gesundheitsanteile in sich trägt, ist nicht mehr zwischen kranken und gesunden Menschen zu differenzieren. Somit ist Gesundheit als subjektives Empfinden zu verstehen. Jeder Mensch bestimmt individuell, was Gesundheit für ihn bedeutet und welchen Stellenwert sie einnimmt. Somit ist „Gesundheit ein dynamisches Gleichgewicht, das vom Individuum immer wieder durch Selbstorganisationsprozesse im Austausch mit der Umwelt hergestellt wird.“

Einen ähnlichen Zugang zu diesem bis dato wenig anerkannten Forschungsgebiet hatte auch Harvard-Professor Shawn Achor, als er feststellte, dass 4 von 5 Harvard-Studenten mindestens einmal pro Jahr an depressiven Verstimmungen leiden oder sogar an Depressionen erkranken und sich somit näher am negativen Krankheitspol des Kontinuums befinden. Um herauszufinden, woran das liegt, hat Achor aber nicht, wie in der Pathogenese üblich, die Symptome der vier erkrankten Studenten eruiert. Stattdessen fokussierte er sich auf den einen Studenten, der nicht davon betroffen war. Ziel war es herauszufinden, warum dieser eine Student widerstandsfähiger ist und im Gegensatz zu seinen Kommilitonen gesund bleibt. Dieser Ansatz beschreibt das, was heutzutage unter dem Begriff Positive Psychologie bekannt ist. Analog zum salutogenetischen Ansatz von Antonovsky fokussiert sich die vom damaligen Vorsitzenden der American Psychological Association Martin Seligman 1998 begründete Positive Psychologie nicht auf Erkrankungen und deren Heilung, sondern setzt sich vielmehr zum Ziel herauszufinden, was Menschen glücklich und letzten Endes auch gesünder macht. Ergo ist Gesundheit nicht gleichzusetzen mit der Abwesenheit von Krankheit.

Zusammenfassend lässt sich das Konzept der Salutogenese mit der bekannten Fluss-Metapher sehr gut beschreiben. Unser Leben lässt sich bildlich als reißender Fluss darstellen. Dieser Fluss ist durch Variabilität geprägt – es gibt seichte Stellen, es gibt Stromschnellen und hin und wieder auch Wasserstrudel mit starker Sogwirkung. Ein pathogenetischer Ansatz ist darauf bedacht, einen Schwimmer, der in Schwierigkeiten geraten ist, vor dem Ertrinken zu retten, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass es gefährlich ist, in den Fluss zu fallen und ihm Tipps zu geben, wie er es vermeiden kann, in den Fluss zu fallen. In der Salutogenese hingegen geht es darum, diesen Schwimmer so zu trainieren, dass er auf alle Eventualitäten gut genug vorbereitet ist, um sich selbst aus der Bredouille zu befreien. Ziel der Salutogenese ist es also, einen Menschen so zu stärken, dass er mit belastenden Situationen und fordernden Lebensereignissen angemessen umgehen kann. Es wird somit angestrebt, jene Fähigkeiten zu stärken, die es erlauben, Situationen richtig zu bewerten und entsprechend zu handeln. Dies hat zur Folge, dass im Falle des Auftretens eines Wasserstrudels alle notwendigen Ressourcen aufgebracht werden können und andererseits seichte Stellen als solche angesehen werden, was wiederum erlaubt, Ressourcen zu schonen. Diese Fähigkeit, Situationen und ihre Tragweite gut einschätzen zu können, umfasst auch zu wissen, wann die eigenen Ressourcen nicht ausreichen und man ein Seil – Hilfe von außen – benötigt, um sich aus dem Fluss zu retten.

Abgrenzung zur Pathogenese

„Life is 10 % what happens to us and 90 % how we react to it.”

(Dennis P. Kimbro)

Wir haben nun im vorherigen Kapitel bereits erfahren, dass sich die Salutogenese zum Ziel setzt, den Fokus auf den Erhalt der Gesundheit zu verschieben. Anders als in dem vor allem im Westen dominanten pathogenetischen Ansatz sollen nicht Erkrankungen, deren Ursachen und Heilung im Vordergrund stehen, vielmehr stehen die Faktoren im Vordergrund, welche für den Erhalt der Gesundheit förderlich sind. Was in der östlichen Medizin schon seit Jahrhunderten beziehungsweise Jahrtausenden in Form der Philosophie der Ayurveda gepflegt wird, steckt in Europa und Amerika immer noch in den Kinderschuhen. Die traditionelle indische Heilkunst Ayurveda, was übersetzt so viel wie „Wissen des Lebens“ bedeutet, betrachtet das Leben als Einheit zwischen Körper, Geist und Seele. Es herrscht die Überzeugung vor, dass drei Lebensenergien durch den menschlichen Körper fließen. Sind diese Energien im Einklang, sind auch Körper, Geist und Seele im Einklang und der Mensch empfindet sein Dasein als wohlempfindend. Geraten andererseits diese essenziellen Lebensenergien aus dem Gleichgewicht, macht sich dies auf verschiedenste Weise bemerkbar (z. B. negative Emotionen wie Wut, Zorn, Angst - körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Bluthochdruck - oder auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burn-out). Während in der westlichen Medizin die Wiederherstellung der Gesundheit – oft medikamentös – im Vordergrund steht, ist das vorrangige Ziel der ayurvedischen Philosophie der Erhalt des Gleichgewichts der inneren Lebensenergie und somit der Gesundheit und des Wohlempfindens. Durch diese holistische Betrachtungsweise rückt der Mensch mehr in den Vordergrund. Inspiriert davon findet auch zunehmend in der westlichen Welt ein Umdenken statt. Sei es Aaron Antonovsky, der mit seinem Konzept der Salutogenese für viel Aufruhr gesorgt hat oder Martin Seligman, der mit der Begründung der Positiven Psychologie spannende Denkanstöße lieferte – es ist zu erkennen, dass auch in der westlichen Wissenschaft, Medizin und Psychologie der Patient wieder mehr zum Mensch wird und die Ätiologie nicht mehr als die unangefochtene und nicht zu hinterfragende Disziplin der Medizin angesehen wird. Ich möchte darauf hinweisen, dass die Prinzipien der Salutogenese nicht mit den in den östlichen Ländern praktizierten Philosophien eins zu eins übereinstimmt und es mit Sicherheit viele Unterscheidungen gibt. Vielmehr liefert die Salutogenese, inspiriert von den östlichen Paradigmen, ein Konzept, welches auf die Spezifika der westlichen Welt adaptiert ist und dabei helfen soll, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.