Berg heil!t - Klaus Engelhardt - E-Book

Berg heil!t E-Book

Klaus Engelhardt

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Beschreibung

Wer sucht, der findet: die Berge. Sie sind ja nicht zu übersehen. Es zieht uns zum Gipfel. Immer wieder. Warum ist das so? Es muss mit dem Natürlichen zu tun haben, mit der Bewegung, dem Auf und Ab. Es bringt uns auf Ge(h)danken und Ge(h)fühle, die für Körper, Geist und Seele zugleich heilsam sein können, wenn wir es richtig angehen. "Berg heil!t" beleuchtet die Faszination der Berge feinfühlig, hintergründig und begeistert. Und das auch dank der Worte von Zeugen, die das Kraftfeld der Berge sehr gut kennen. Jo Seuß

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Seitenzahl: 82

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Vorwort

Berg-Heil: Ganz-Sein ist Heil-Sein

Berg-Auf: Die destruktive Kraft des reinen Aufstiegs

Berg-Ab: Die wirklichen Ziele liegen im Tal

Berg-Acht: Achtsamkeit im Kraftfeld Berg

Berg-Welt: Resilienz-Erfahrung im Kraftfeld Berg

Berg-Heimat: Der Mensch im Kraftfeld Berg

Berg-Seele: Emotion, Ratio und Intuition

Berg-Kunst: Der kreative Aufstieg zur Zufriedenheit

Berg-Natur: Die Heilkraft der Elemente

Berg-Geist: Berge und Spiritualität

geschrieben von ISARINDIAN Sound of Thunder Willy Michl, BERGMENSCH & BAIRISCHER BLUES-SINGER

Anhang

Interview von Lisa Auffenberg mit dem Autor

Endnoten

Abbildungsverzeichnis

Über den Autor

Aus Gründen der Lesbarkeit wurde auf eine

Unterscheidung von m/w/d verzichtet.

Selbstverständlich werden aber alle Geschlechter

als gleichwertig betrachtet.

„Glück ist nur einen Atemzug vom Leben entfernt,

aber du weißt nie,

sollst du als nächstes ein- oder ausatmen,

damit du es hast.“

HERBERT ACHTERNBUSCH

Vorwort

„Du hinkst.“, sagte er. … „Im Tal vielleicht“, sagte Egger.

„Am Berg bin ich der Einzige, der gerade geht.“

Aus Robert Seethaler: Ein ganzes Leben

Wir Menschen machen tagtäglich die an sich schlichte Erfahrung, dass der Aufenthalt in der Natur unser Befinden verbessert, insbesondere dann, wenn dieser mit Bewegung verbunden ist. Und noch viel mehr steigert sich unser Wohlbefinden, wenn diese Bewegung in den Bergen stattfindet. Schnell fühlt man sich geerdet, der Kopf wird mit der zurückgelegten Wegstrecke zunehmend freier und nach der Rückkehr stellt sich ein Gefühl der Ausgeglichenheit, wenn nicht sogar tiefer Zufriedenheit ein. Doch leider ist dieser positive emotionale Zustand oft nicht von allzu langer Dauer.

Denn sind wir erst einmal zurück in unserem gewohnten Umfeld, holt uns der lange Arm des Alltags wieder ein, zwingt uns einzutauchen in den Wochentags-Tunnel oder weiter zu rennen im sprichwörtlichen Hamsterrad. Längst haben wir vergessen, woher ursprünglich der Antrieb kam, der uns veranlasst hat, diesen oder jenen Lebensweg einzuschlagen. Extrinsisch motiviert leben wir wesentlich ein Leben im „Außen“: für den beruflichen Erfolg, die Anerkennung, den eigenen Wohlstand, die vermeintliche Absicherung – und spüren immer weniger, wie wir langsam aber stetig wegtreiben von dem, was uns in unserem innersten Wesen ausmacht.

Als zivilisierte Menschen leben wir zunehmend entfremdet von der Natur, in irgendwelchen Scheinwelten und haben dabei das Gespür für unsere ureigenen Wurzeln verloren. In unseren Lebenswirklichkeiten und Berufen driften wir in hochspezialisierte Bereiche ab, nehmen im Tun immer mehr Geschwindigkeit auf, vergessen dafür aber zu entschleunigen und zu reflektieren. Gerade in den Produktionsprozessen der Arbeitswelten – gleich ob materieller oder geistiger Art – sind wir in der Regel fern der Wahrnehmung eigener Bedürfnisse und Ziele unterwegs.

Auf der Überholspur des Lebens zählt die Quantität und nicht die Qualität. Der Arbeitnehmer – derjenige, der mit dem Material arbeitet – mutiert auf diese Weise selbst zum entmenschlichten Material, um für den Fall eines Defektes logischerweise einfach ausgetauscht zu werden. „Wir Menschen, so scheint es, werden einfache Werkzeuge oder Anhängsel von Maschinen, dabei müssten die Verhältnisse umgekehrt sein“, schreiben die Autoren Acosta und Brand in ihrem systemkritischen Buch „Radikale Alternativen“1. Lange schon werden wir nicht mehr nur gebraucht, sondern regelrecht verbraucht. Und irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem dieses ganze „Un-Heil-Sein“ uns krankmacht. Der Wohlstand ist zum Stillstand geworden, es fließt kaum noch Lebensenergie in uns. Wir fühlen uns permanent gestresst, uns fehlt die Zeit für essentielle Bereiche des eigenen Lebens. Nun sind aber ein derart und dauerhaft gestörtes Gleichgewicht sowie das Fehlen von Ganzheit auf lange Sicht nur schwer mit Gesundheit vereinbar.2

Daher braucht es dringend wirkliche Alternativen. Gegenentwürfe, die das Wohl des Menschen wieder mehr im Fokus haben.

Wie wäre es, auf dem Weg dorthin, den Aufenthalt in und die Begegnung mit der Natur, insbesondere in deren konzentrierter, geradezu kondensierter Form der Berg-Natur als eine einfache Möglichkeit der Rückkehr zur Ganzheit zu nutzen? Den alten Rousseau’schen Gedanken des „Zurück zur Natur“ in ein modernes Lebensgefühl des Eingebettet-in-die-Natur-Seins zu transferieren? Nicht im Sinne eines konsumierenden Gebrauchens, in dem dieser Natur- und Lebensraum nur als Kulisse für Freizeitaktivitäten gesehen wird, nein im Gegenteil: um die Bergwelt als ein unerschöpfliches, tiefgründiges Erfahrungs- und Kraftfeld3 zu erleben, das uns helfen kann, zu unserem ureigenen Selbst zurück zu finden, um auf diese Weise einen Prozess der Selbst-Verwirklichung zu ermöglichen: damit unser ureigenes „Selbst“ entdeckt und wirklich werden kann – und dies durchaus zum Wohl der Allgemeinheit. Denn wenn ein jeder das zum Lebensinhalt machte, was er wirklich tun will und kann, seine Passion auslebt, wären viele negative Begleiterscheinungen unseres Turbokapitalismus wie Gier, Neid und Egoismus weniger ausgeprägt. Man könnte auch schlicht sagen: der Weg geht weg vom reinen Funktionieren und hin zum einfachen Sein. Vom „human doing“ zum „human being“4.

Das Kraftfeld der Bergnatur kann uns entschleunigen, erden, harmonisieren und sogar ein Stück weit zu unserer Ganzheitlichkeit zurückbringen. Doch darf dieser Prozess keinesfalls verwechselt werden mit den alibiartigen Versuchen, mit denen „...Werkzeuge des Innehaltens vielfach nur zur Performancesteigerung oder zur Selbstreparatur der stressgeplagten Leistungsträger bemüht werden“5 – es geht eben nicht um Optimierung der „Performance“ im bestmöglichen, extrinsisch motivierten Funktionieren, sondern schlicht um den eigenen Weg zu mehr Lebenssinn, innerem Gleichgewicht und Zufriedenheit. Ich bin überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit dem Kraftfeld Berg aus uns glücklichere, zufriedenere und damit für die Gesellschaft auch ein wenig bessere Individuen machen kann. Und wenn jeder Einzelne gesund ist und seinen Platz in der Natur wiedergefunden hat, hat auch der Mensch als Teil des großen Organismus unseres einzigartigen Ökosystems Erde überhaupt eine Chance, längerfristig zu überleben.

In diesem Sinne soll es Ihnen mit Hilfe der Gedanken und Anregungen in diesem Buch leichter fallen, häufiger im Augenblick zu leben, mit geschärften Sinnen unterwegs zu sein und den Blick für das Wesentliche, für die eigentlichen Ziele und die Sinngebung im Leben frei zu bekommen: um damit nicht nur ihren Körper, sondern auch das „Immunsystem der Psyche“ zu stärken, was man heute Resilienz nennt.

In den Bergen sind schon viele Menschen verletzt worden oder gar ums Leben gekommen. Aber die Bergnatur hilft auch, vieles verheilen zu lassen, wenn man ihr mit Respekt und in aktiver Weise begegnet. Und wie sie das macht, ist ebenso Thema meiner Ausführungen.

Auf meinem Weg zu diesem Buch habe ich dort, wo die Bergnatur nicht konsumiert, sondern geliebt und respektiert wird, viele wunderbare Menschen getroffen. Unsere gemeinsam gegangenen Wege waren immer auch Wanderungen zu uns selbst. Und intensive, positive menschliche Kontakte sind vielleicht das Wertvollste, was einem im Leben überhaupt widerfahren kann. Ohne diese menschlichen Begegnungen, aus denen sich nicht wenige Freundschaften entwickelt haben, wäre die „Berg heil!t“-Idee nicht entstanden. Daher werden uns einige dieser bemerkenswerten Menschen durch den Text begleiten und am Ende der Kapitel zu Wort kommen.

Den Anfang macht eine ganz besondere Frau aus Südtirol, Elisabeth Illmer.

„Stellen Sie sich eine Medizin vor, die so mächtig ist, dass sie die Gehirnchemie verändern kann, so vielseitig, dass sie eine ganze Reihe von psychischen Problemen verhindern kann, so sicher, dass sie fast ohne Nebenwirkungen ist, wenn sie maßvoll eingenommen wird, und so billig, dass sie sich jeder leisten kann. Diese Wunderdroge ist körperliche Aktivität in unserer Bergwelt, mit ihren gesunden Wäldern und ihrer herrlichen Landschaft.

Anders als wir Erwachsene leben Kinder im Hier und Jetzt! Sorge um die Zukunft ist ihnen fremd, sie grämen sich auch nicht um die Vergangenheit. Für Kinder ist das Leben ein Spiel.

Ab und zu, eher zufällig, überkommen uns diese Augenblicke, in denen uns alles wie von selbst von der Hand geht, in denen wir Höchstleistungen bringen, ohne uns anzustrengen. Psychologen nennen diesen Zustand „Flow“.

Was ist der Unterschied zwischen dem Flow und unserem Alltag? Ganz simpel: wir laufen zur Höchstform auf und merken es gar nicht, keine Schweißperlen auf unserer Stirn! Ja, Höchstleistung ohne Schweiß, das wäre eine gute Sache! Kinder zeigen es uns, die wir es bereits in der Schulzeit durch Leistungsdruck verlernt haben.

Die Natur ist ein Spielplatz mit unerschöpflichen, kreativen Möglichkeiten. Ausgehend von biologischen Aspekten sowie mythologischen Prägungen werden Waldräume für besondere Entdeckungen geöffnet. Diese Erlebnisse sind für Groß und Klein spannend und stellen für Erwachsene oft eine größere Herausforderung dar als für Kleine.

>Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben<. Mit diesem Motto lebe ich zufrieden und ausgeglichen in den Bergen und würde mit niemandem tauschen.

Kommt und versucht es auch einmal.“

Elisabeth Illmer ist ausgebildete alpine Erlebnispädagogin, Lauftrainerin, Wanderführerin, ehemalige Hüttenwirtin und Sennerin. Wenn sie nicht gerade wieder unterwegs ist, lebt sie in Meran/Südtirol.

1. Berg-Heil: Ganz-Sein ist Heil-Sein

„Den meisten Menschen wird ausgeredet,

so zu sein, wie sie sind.“ (Reinhold Messner)6

„Heil“ ist ein vielschichtiger und nicht ganz unproblematischer Begriff. Und das, obwohl wir unseren weinenden Kindern wie selbstverständlich „Heile, heile Segen...“ singen, vielleicht auch nur, weil diese Tradition schon über 200 Jahre alt ist und der kleine Buchstabe „e“ als Anhängsel das Wort entschärft.7

Doch das „Heil“ hat darüber hinaus viele weitere Bedeutungen: Im medizinischen Sinne ist das „Heil“ zwar nicht unbedingt gleichbedeutend mit Gesundheit, aber zumindest wird ein Zustand der „Ver-Heilung“ beschrieben als Ausdruck eines neuen, überlebensfähigen Gleichgewichts. Das Heil steht also nicht immer stellvertretend für den bestmöglichen Verlauf der „restitutio ad integrum“, also der völligen Wiederherstellung der Gesundheit, beispielsweise nach einem Unfallereignis, aber zumindest für eine weitgehende Stabilisierung, durch die eine zufriedene Lebensführung wieder möglich ist.

Das „Heil“ ist aber auch im Bereich der Prävention zu finden: Sicher auch deshalb verbinden wir mit Zurufen eines „Ski-Heil“ den vorsorglichen Gedanken, die so Angesprochenen mögen doch bei der Ausübung ihres Sports unverletzt und unversehrt bleiben; und im „Petri-Heil“ und „Weidmanns-Heil“ steckt zumindest der Wunsch nach dem Glück in Form eines reichen Fanges oder einer erfolgreichen Jagd. Kein Wunder also, dass „Berg Heil“ nach wie vor auf jedem Gipfel zu hören ist. Und auch in den Trentiner Bergen begrüßt man sich noch üblicherweise mit einem „Salve“, was eine tiefere Bedeutung hat als ein einfaches „Hallo“ oder „Servus“: Bleib heil und gesund und komm gut zurück!