6,99 €
Die Stadt mit dem Symbol des Brandenburger Tores ist eine riesige Baustelle, die inzwischen aus dem ehemaligen Reichstag einen neuen Bundestag, den Inbegriff der deutschen Demokratie, ebenso hervorgebracht hat wie moderne futuristische Hochhäuser, die neben den alten, wundervollen Museen wie dem Pergamon oder dem Schloss Charlottenburg entstanden sind. Mystische Plätze und Stätten wie der Alexanderplatz, Unter den Linden, das Brandenburger Tor oder seit einigen Jahren der Kurfürstendamm, erwachen zu neuem Leben und erleben einmal jährlich einen wahren Freudentaumel, wenn die weltweit berühmte Love Parade stattfindet. Mehr als eine Million junge Menschen aus der ganzen Welt strömen zu diesem Ereignis in die Stadt, getrieben von einer Kraft, die von der Zuneigung zu ihr zeugt, die nun ein Symbol der Freude und Liebe geworden ist. „Ich bin ein Berliner“, sagte John F. Kennedy in den 60er Jahren nach einem Besuch in Berlin, und jeder Besucher kann diesen Satz ohne zu erröten wiederholen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 62
Veröffentlichungsjahr: 2024
BERLIN
Herausgeber: Jean-Paul Manzo
Text: Ingo Latotzki
Assistenz: Anne Sauvadet
Layout und Umschlagsgestaltung: Matthieu Carré
Fotografien: © Claudia Latotzki
© Bundesbildstelle Berlin, Fotograf Schambeck, Arne: Abb. 11, 32, 77
© 2024, Parkstone Press International, New York, USA
© 2024, Confidential Concepts, worldwide, USA
© Image-Barwww.image-bar.com
Alle Rechte vorbehalten.
Das vorliegende Werk darf nicht, auch nicht in Auszügen, ohne die Genehmigung des Inhabers der weltweiten Rechte reproduziert werden. Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen, den betreffenden Künstlern selbst oder ihren Rechtsnachfolgern. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.
ISBN: 978-1-63919-827-6
Inhalt
Vorwort
Ein Streifzug durch die Geschichte
Eine Fahrt mit dem 100-er Bus
Kaufrausch unter gläsernen Dächern
Berlin: Eine Kunst für sich…
„Ich bin ein Berliner“
„Pack die Badehose ein…“
Im Zentrum der Macht
Der Baumeister für die Ewigkeit
Zeittafel Berlin
Abbildungsverzeichnis
Berlin ist immer eine Reise wert – dieses Sprichwort gilt heute mehr denn je. Seit der Maueröffnung hat sich die 3,5 Millionen-Einwohner-Metropole an der Spree entwickelt wie kaum eine andere Stadt. Die teils futuristische Architektur am Potsdamer Platz, zu Zeiten der Neugestaltung Europas größte Baustelle, ist nur ein Beispiel, wie sich die deutsche Hauptstadt seit der Wende verändert hat. Unvergessen ist der 3. Oktober 1990, als mehr als 100 000 Menschen vor dem Reichstag die deutsche Einheit feierten. Ebenso unvergessen auch jener 9. November 1989, der Tag, an dem sich zum ersten Mal die Grenze öffnete.
Die politischen Veränderungen waren und sind zweifellos eine Bereicherung für die Stadt, die nun noch mehr als früher die Kulturmetropole schlechthin ist: rund 170 Museen gibt es, über 200 Theater und Kinos, drei staatliche Opernhäuser, 160 Galerien, 880 Chöre und acht große Orchester.
Diese Stadt schläft nie: allein 2000 Kneipen sind registriert, dazu ungezählte Bars, Restaurants und Bistros. Wer dem Trubel entfliehen will, braucht nur ein paar U-Bahn-Stationen zu fahren und ist im Grünen. Etwa ein Drittel der Fläche Berlins besteht aus Wasser, Wald und Park. Die U-Bahn eignet sich übrigens bestens, um die zahllosen, teils weltberühmten Sehenswürdigkeiten wie das Brandenburger Tor, den Kurfürstendamm, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Schloss Charlottenburg, den Berliner Dom oder den Fernsehturm am Alexanderplatz zu erkunden.
Berlin ist immer eine Reise wert. Es heißt aber auch: „Ich hab`noch einen Koffer in Berlin.“ Kann man die Zuneigung zu einer Stadt treffender ausdrücken?
1. Das neue Berlin: Innenansicht des von Helmut Jahn gestalteten Sony Centers am Potsdamer Platz
2. Diesen Büroturm am Potsdamer Platz hat die Deutsche Bundesbahn bezogen
3. Futuristische Architektur am Potsdamer Platz: der DB-Turm
4. Noch immer wird in der Hauptstadt gebaut: Kräne im Regierungsviertel
Berlin ist eine verhältnismäßig junge Stadt
Berlin ist eine noch relativ junge Metropole. Im Jahr 1237 wurde das Dorf Cölln zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Nach dem Zusammenschluss mit Berlin (1307), das am gegenüberliegenden Spreeufer angesiedelt war, nahm die Stadt eine steile Entwicklung. Unter dem Kurfürsten von Brandenburg wurde sie Handelsstadt, später preußische und deutsche Hauptstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem „Vier-Mächte-Abkommen“ war Berlin Zentrum des „Kalten Krieges“. Zwei Jahre nach dem Fall der Mauer (1989) wurde die Spree-Metropole erneut Hauptstadt Deutschlands.
Zwar reichen erste menschliche Spuren bis in die Zeit um 8000 vor Christus zurück. Doch erste dauerhafte Siedlungen entstanden erst im 13. Jahrhundert. Südlich der Spree lag der Fischerort Cölln, auf der Nordseite Berlin. Beide Orte bauten nach ihrer Union ein gemeinsames Rathaus auf der Langen Brücke. Auch in ihrem Widerstand gegen die Hohenzollern waren sich die beiden Orte einig. Doch die Unabhängigkeit der Städte, die seit 1432 vereinigt sind, endete 1447/48. Die Hohenzollern schlugen einen Bürgerprotest gegen den Bau eines Schlosses und den Verlust der Freiheit blutig nieder.
5. Der Fernsehturm in Mitte ist das frühere Wahrzeichen der DDR
6. Der „Alte Fritz“ gibt die Sporen: Friedrich der Große als Reiterstandbild am Prachtboulevard Unter den Linden
Der Ausbau der Stadt zur fürstlichen Residenz begann. Berlin entwickelte sich zur Festung und zum wichtigsten Umschlaghafen zwischen Breslau und Hamburg – beides unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1640 bis 1688). 1685 gab es einen entscheidenden Wachstumsimpuls, als der Kurfürst den in Frankreich verfolgten Hugenotten Religionsfreiheit und Siedlungsrecht einräumte („Edikt von Potsdam“). Doch erst unter Friedrich II., dem Großen (1740–1786), wurde Berlin eine europäische Metropole. Die Stadt an der Spree war ein Zentrum der Aufklärung, nachdem der Monarch Justiz und Verwaltung modernisierte, Manufakturen einrichtete und die Folter abschaffte. Außerdem setzte er sich für Religionstoleranz ein. Unter der Kriegsführung Friedrich II. vergrößerte sich die Fläche Preußens um fast zwei Drittel. Als der „Alte Fritz“ starb, hatte Berlin 150 000 Einwohner und war nach London und Paris die drittgrößte Stadt Europas.
Zur größten Industriestadt auf dem Kontinent wandelte sich Berlin unter Friedrich Wilhelm III. (1797-1840). Nach Siegen gegen Dänemark und Österreich entwickelte sich Preußen zur führenden Macht in Deutschland. 1871 boten die deutschen Fürsten König Wilhelm I. die deutsche Kaiserkrone an. Berlin wurde zur Hauptstadt des neuen deutschen Reiches; damals, Otto von Bismarck war Kanzler, begannen die berühmten Gründerjahre mit dem Bau vieler Fabriken und Bürgerpaläste. Aber gleichzeitig wuchs auch das Elend der Arbeiterklasse, die in dunklen Mietskasernen hausten.
Für Berlin startete eine neue Ära des industriellen Aufschwungs. Damit einhergehend explodierte die Bevölkerung: 1877 hatte die Spree-Metropole eine Million Einwohner, 1905 war sie bereits auf zwei Millionen angewachsen. Sonst bescherte die Zeit eine Menge von technischen Errungenschaften. 1876 wurde ein neues Kanalisationssystem gebaut, 1897 wurde die elektrische Straßenbeleuchtung eingeführt, 1881 nahm man die ersten Telefone in Betrieb, ein Jahr später fuhr die erste Stadtbahn.
7. Zum Gedenken an die jüdischen Holocaust-Opfer: Mahnmal an der Großen Hamburger Straße
8. Das Sowjetische Ehrenmal erinnert an über 300 000 sowjetische Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg in der Schlacht um Berlin ihr Leben ließen
9. Die U-Bahn-Station „Französische Straße“ an der Friedrichstraße, eingebettet in die neuen Konsumtempel der Stadt.
10. Das neue Sony-Center besticht durch imposante Architektur, die von Helmut Jahn entworfen wurde.
11. Blick auf das Wahrzeichen von Berlin – Das Brandenburger Tor
Größenwahnsinnige Vision
Der Erste Weltkrieg endete mit einer deutschen Niederlage und der Gründung der Weimarer Republik, die auch Berliner Republik hätte heißen können, weil sich hier Geburt und Niedergang der deutschen Demokratie abspielten. Berlin stand in den 20-er Jahren europaweit für Kunst und Kultur. Doch die Zeit war von kurzer Dauer. Es gab soziale Spannungen, die durch die Weltwirtschaftskrise und Inflation hervorgerufen wurden. Eine politische Radikalisierung und ein heftiger Parteienstreit führten zur Machtergreifung der Nationalsozialisten. Adolf Hitler ließ am 23. März 1933 mit dem Ermächtigungsgesetz die alte Verfassung außer Kraft setzen.
Das Dritte Reiche nahm so seinen Anfang. Berlin sollte sich mit pompösen Bauten zur Welthauptstadt „Germania“ entwickeln, so sponnen größenwahnsinnige Köpfe. Diese schreckliche Vision kostete sechs Millionen Juden das Leben. Das Ende des Zweiten Weltkrieges setzte dem Nazi-Regime ein Ende. Damals sah die Realität in Berlin so aus: die Stadt war vielfach nur noch ein Trümmerhaufen. Von seinen 4,3 Millionen Einwohnern waren 1,5 Millionen tot oder geflohen.
