Besser lernen mit Düften - Urszula Barbara Rüfenacht - E-Book

Besser lernen mit Düften E-Book

Urszula Barbara Rüfenacht

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Beschreibung

Dass Düfte unsere Gefühle, unser Denken und unser Wohlbefinden beeinflussen, wissen nicht nur die Parfumindustrie und jene Leute in den Marketingabteilungen der grossen Warenhäuser, denen bewusst ist, dass auch das "Raumklima" einen Einfluss auf das Verkaufsverhalten der Kundschaft hat, sondern spätestens mit diesem Buch von Kathrin Fassnacht und Urszula Barbara Rüfenacht auch alle Pägagogen und Erwachsenenbildnerinnen: Düfte beeinflussen unser Lernverhalten, unterstützen uns dabei, Ideen zu entwickeln, fördern unsere Kreativität und Konzentration und nehmen uns die Prüfungsangst. Die Fachfrau für Pharmazeutik und klinische Chemie Dr. sc. nat. Rüfenacht liefert den wissenschaftlichen Unterbau, durch den wir nachvollziehen können, wie die Wechselwirkung zwischen Düften und Lernverhalten funktioniert, die Aromatherapeutin und Erwachsenenbildnerin Kathrin Fassnacht gibt Tipps für die praktische Anwendung. Ein unabdingbarer Ratgeber für Lehrpersonen, Therapeuten, Kursleiterinnen und Berufsausbildner.

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Seitenzahl: 77

Veröffentlichungsjahr: 2023

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INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

Der Geruchssinn

Die Geruchswahrnehmung

Interessante Verbindung zwischen Geruchsverarbeitung im Gehirn und dem limbischen System

Lernen als 3D-Lichspektakel im Gehirn

Was hat jetzt der Duft mit dem Lernen zu tun?!

Aber wie werden dann die Informationen um Gehirn gespeichert?

Und was hat das alles mit dem Lernprozess zu tun?

Wie gelingt es den wichtigen Informationen ins Langzeitgedächtnis zu gelangen und was hat ein Meerestier mit Amnesie zu tun?

Die zentrale Rolle unseres Körpers bei der Entschlüsselung von Duftcodes. Embodiment

Woher sollen, bitte schön, die Duftmoleküle in unserem Kreislauf stammen?

Kleine Moleküle mit grosser Wirkung. Ätherische Öle und ihre chemische Eigenschaften

Sicherheit bei der Benutzung ätherischer Öle

Eine sichere Applikation der ätherischen Öle

Pubertät und Emotionen – Achterbahn der Hormone

Warum kommen wir in die Pubertät?

Was passiert im Körper während der Umbauphase?

Wie wirkt sich der Hormonsturm auf das Gehirn aus?

Die Energie-Spender und -Fresser Testosteron und Östrogen

Weiblicher Monatszyklus

Ätherische Öle für die Frau

Die männliche Hormonsteuerung

Ätherische Öle für den Mann

Dopamin, Serotonin, Acetylcholin, Enkephaline und Endorphine, Noradrenalin, GABA

Dopamin

Serotonin

GABA (γ-Aminobuttersäure)

Enkephaline

Endorphine

Acetylcholin

Noradrenalin

Aus der Praxis

Lernen mit Düften für Lehrerinnen und Lehrer

Wie kann der Duft vom Fläschchen zum Schüler transferiert werden?

Wie baut man eine Duftbar auf?

Sinnvolle Lerndüfte für eine Duftbar

Lernen mit Düften für Therapierende mit ihren Klienten

Lernen mit Düften für Betriebsausbildner und Lehrlingsbeauftragte

Ausgewählte Düfte und ihre Wirkungen

Basilikum

(

Ocimum basilicum

)

Bergamotte (Citrus bergamia)

Grapefruit (Citrus paradisi)

Kamille römisch

(

Matricaria chamomilla L

.)

Lavendel (Lavandula angustifolia)

Orange süss (Citrus sinensis L.)

Rosemarin

(

Rosmarinus officinalis

)

Salbei

(

Salvia officinalis

)

Sandelholz

(

Santalum album)

Wachholder

(

Juniperus communis

)

Weihrauch

(

Boswellia sacra/Boswellia serrata

)

Zitrone (Citrus limonum

)

Quellennachweis

Bildnachweis

Bezugsquellen

EINLEITUNG

Unser Projektteam traf sich buchstäblich zufällig: Zusammengewürfelt aus einer Klasse für Weiterbildung sowie einer sehr guten Freundin, welche ich vor zehn Jahren an einem Netzwerkabend kennen gelernt hatte, entstand aufgrund der Interessen und Fähigkeiten eine sehr motivierte Crew für dieses Buchprojekt.

In einem ersten Schritt galt es, Urszula Rüfenacht, Dr. sc. nat., für das Projekt zu gewinnen. Ich erzählte ihr von meiner 30-jährigen Erfahrungen im Bereich der Aromatherapie. Der grosse Wunsch, diese Materie für Laien und Therapeut:innen gleichermassen verständlich zu machen, stand im Vordergrund. Ich hatte eine Vorstellung davon, wie das Thema angepackt werden sollte, und teilte meine Ideen mit ihr. Interessanterweise haben wir seit Jahren immer sehr spannende Gespräche, welche die Theorie und die Praxis verbinden. Ich weiss, was ich möchte, und sie weiss, wie man es wissenschaftlich umsetzt. Als gestandene Wissenschaftlerin in Biochemie und Zellbiologie arbeitete sie sich akribisch in das Thema ein und konzipierte ein einfaches, aber ganzheitliches Anwendungskonzept, welches leicht umzusetzen ist. Es basiert darauf, dass wir unseren «Riecher» auf der Suche nach der passenden «Substanz» einsetzen und nicht nur die Logik – wie wir es uns seit Schulzeiten gewohnt sind – zu berücksichtigen. In zahlreichen Workshops überprüften wir die Anwendung und fanden unsere Theorie bestätigt.

Der erste Meilenstein war genommen; nun galt es, alles sachgerecht darzustellen und trotzdem verständlich und leicht leserlich zu bleiben. Dabei half uns Christian Urech, Autor, Lektor, Redaktor und Pädagoge, welcher unzählige Werke geschrieben und noch weit mehr lektoriert und eine wunderbare Art hat, Dinge so zu beschreiben, dass man sie sich bildlich vorstellen kann.

Unser jüngstes Projektmitglied ist Patrizia Tschurr: ausgebildet in Germanistik und Filmwissenschaften (Bachelor of Arts) mit FA «Ausbilder für Erwachsene» und angehende Gymnasiallehrerin. Sie bringt die «neue Welt des Lernens» ins Team. Hier wurden wir mit dem Thema «Konditionierung» konfrontiert. Sie wollte auf keinen Fall, dass die Düfte nur zur Konditionierung des Lernens eingesetzt werden, sondern dass wir auf freiheitliche Art und Weise individuell auf jene Düfte zugreifen, die wir im Moment benötigen – jeder in seinem Rhythmus und nach seinen/ihren Bedürfnissen.

Während unserer Projektsitzungen machte Frau Dr. U. Rüfenacht Versuche mit Einzeldüften und Duftmischungen. Das Ganze wurde nachher protokolliert und mit Eigenwahrnehmungen der Teilnehmenden besprochen und angeschaut. Während einer Sitzung hat sie einfach ein kleines Gläschen mit einer Mischung der ätherischen Öle geöffnet und prompt sprudelten die Ideen aus uns heraus. Später stellte sich heraus, dass sich bei der Mischung um Zitrone (Citrus limon), Neroli (Citrus aurantium), Rosmarin (Rosmarinus officinalis CT Verbenon), Bergamotte (Citrus limon/bergamia ), Weihrauch (Boswellia serrata ) handelte. Dazu kamen noch drei Tropfen von Kampferöl (Cinnamomum camphora ) hinzu und prompt begannen die einen, die Ideen aufzuschreiben, einzelne Kapitel wurden angesprochen und sogar über den Titel wurde spekuliert. Dann wurde ein anderes Glas geöffnet und wie durch Zauberhand begannen die Ideen zu kristallisieren, es entstanden konkrete Pläne, Termine wurden vereinbart. Die Mischung von Cajeputöl (Melaleuce leucadendron), Rosmarin (Rosmarinus officinalis CT Campher ) und sibirischem Fichtenöl (Picea obovata ) brachte konkrete Strukturen ins Gedankenchaos. Erst im Nachhinein erfuhren wir, dass es sich um speziell für verschiedene Lernbedürfnisse kreierte Mischungen gehandelt hatte und wir waren fasziniert, wie sich unsere Kommunikation und unsere Interaktionen in den verschiedenen Sitzungsphasen hatten beeinflussen lassen.

Das alles basiert auf der aromatherapeutischen Grundlage: durch die Nase ins Gehirn. Warum funktioniert die Aromatherapie überhaupt und wie kann man sie für eine Verbesserung der Lernatmosphäre nutzen?

DER GERUCHSSINN

Die menschliche Nase, die unter Säugetieren ja als eher unterentwickelt, kann dennoch immerhin etwa 10 000 verschiedene Duftstoffe voneinander zielsicher unterscheiden. Wie macht sie das?

Wirbeltiere wie Mäuse verfügen über eine etwa 1000 Einheiten starke Genfamilie für Riechrezeptor-Proteine, die einzelne Duftstoffe erkennen können. Bei Menschen hat die Evolution leider die Anzahl etwas verringert, aber immer noch drei Prozent des gesamten Erbguts des Homo sapiens bestehen aus unterschiedlichen Riechstoff-Rezeptoren.

Nase. (garten-gg, 2017, Pixabay.com)

U.R. 2016, Riechanatomie. (Pixabay, UR)

Legende:

A. Riechschleimhaut mit 30 Millionen Riechzellen

Schloss/Schlüssel-Pinzip

Riechkolben

B. Riechnerv (Olfaktorius-Nerv)

Olfaktrorischer Cortex:

C. Hypothalamus und Amaygdala/limbisches System

D. Orbifrontaler Cortex

Die Riechrezeptoren sitzen in den Zellmembranen der Riechsinneszellen der Nasenschleimhaut. Jeder Rezeptor, der als Proteinkette die Zellmembran insgesamt siebenmal durchquert, bildet an der Aussenseite der Sinneszelle eine für jedes Duftmolekül einmalig verformte Vertiefung, die räumlich genau an das entsprechende Duftmolekül angepasst ist.

DIE GERUCHSWAHRNEHMUNG

UR_2016, Geruchswahrnehmung. (Pixabay.com _UR)

Die Bindung des Duftmoleküls an den Riechrezeptor löst eine biochemische Kaskade aus, die zu einer Änderung des elektrischen Membranpotenzials der Sinneszelle führt. Diese Spannungsänderung wird über den Riechnerv ins Gehirn weitergeleitet. Schon ein einziges am Riechrezeptor gebundenes Duftmolekül löst eine Kaskade von chemisch-elektrischen Prozessen aus und öffnet tausende von Ionen-Kanälen. Diese tausendfache Verstärkung lässt unsere Nase schon auf Duftstoffspuren reagieren.

Richard Axel und Linda Buck haben bestätigt, dass jede einzelne Riechsinneszelle nur einen einzigen Typ von den im Genom vorhandenen verschiedenen Riechrezeptorproteinen produzieren kann. Die Riechrezeptoren sind jedoch nicht sehr spezifisch, sie können also nicht nur einen einzigen Duftstoff binden, sondern auch mit chemisch ähnlich gebauten Molekülen reagieren, wobei das erzeugte Signal dann schwächer ist. Auch die weiterleitenden Nerven im Glomerulus sind auf Signale einer definierten Gruppe von Riechzellen, die Duftstoffe mit ähnlichen chemischen Strukturen erkennen, spezialisiert und leiten sie selektiv entlang des Riechnervs weiter. So entsteht aus einer Mischung der Duftstoffe ein heterogenes Signal, das im olfaktorischen Cortex wahrgenommen, erkannt und gespeichert wird.

INTERESSANTE VERBINDUNG ZWISCHEN GERUCHSVERARBEITUNG IM GEHIRN UND DEM LIMBISCHEN SYSTEM

UR_2016, Geruchswahrnehmung und limbisches System (Pixabay.com _UR)

Legende: A. Riechzellen, B. Riechkolben, C. Thalamus, D. Orbifrontaler Cortex.

Sehen wir uns jetzt an, wie die Informationswege der in den Riechzellen (A) aufgenommenen und in Riechglomeruli (B) gebündelten Reize über den Riechnerv (Olfaktorius-Nerv, Tractus olfactorius ) ins Gehirn gelangen und die Informationsbahnen anderer Strukturen kreuzen. Einerseits gelangen die Signale in den Thalamus (C), wo sie erkannt und weiter im orbifrontalen Cortex (D, auf der Unterseite des Frontallappens) klassifiziert werden: es riecht nach «Rose» oder nach «Maiglöckchen» oder nach Grossmutters Eintopf. Das ist die bewusste Geruchswahrnehmung.

Der alternative Weg führt in das limbische System: Hypothalamus und Amygdala. Durch den Hypothalamus können die übertragenen Geruchssignale direkt auf das endokrine System wirken, denn der Hypothalamus kontrolliert die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) mittels Liberinen und Statinen und hat dadurch Einfluss auf die Produktion der Steuerhormone im Gehirn. Die Hypophyse ist eine wichtige Hormondrüse, die bei der Regulation des Hormonsystems im Körper entscheidende Rolle spielt.

Hormone des Hypophysenvorderlappens (Adenohypophyse )

Wachstumshormon Somatotropin (STH)

Prolactin

follikelstimulierendes Hormon (FSH)

luteinisierendes Hormon (LH)

adrenocorticotrope Hormon (ACTH)

thyroideastimulierendes Hormon (TSH)

Melanotropin (MSH)-β-Endorphin-met-Enkephalin.

Hormone des Hypophysenzwischenlappens

Melanozyten-stimulierenden Hormone (MSH, Melanotropine).

Hormone des Hypophysenhinterlappens (Neurohypophyse)

Oxytocin

antidiuretische Hormon (ADH, Adiuretin /Vasopressin)

Der Weg durch Amygdala und Hippocampus führt über zwei Stimmungszentren des menschlichen Gehirns und somit können die Riechinformationen einen Einfluss auf emotionale Inhalte, Assoziationen und Motivationen haben. So kommt die emotionelle Verknüpfung zwischen Duft und Stimmung zustande. Dazu ist der Hippocampus eine Schaltzentrale zwischen Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis.

LERNEN ALS 3D-LICHSPEKTAKEL IM GEHIRN

Was hat jetzt der Duft mit dem Lernen zu tun?!

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zuerst wieder in die tiefen Strukturen des Gehirns eintauchen und das Zusammenspiel der Gehirnzellen (Neuronen) vor Ort beobachten.

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Geralt, Pixabay.com ,2016