Besser unterrichten - Ivonne Brosow - E-Book

Besser unterrichten E-Book

Ivonne Brosow

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Beschreibung

Sie möchten das Unterrichten von Reitschülern erlernen oder verbessern und verstehen, wie guter Unterricht aussehen kann? Sie interessieren sich für den Einsatz zeitgemäßer Medien und Methoden in Ihrem Reitunterricht, um neue Schüler zu gewinnen? Dieses aktuelle Werk gibt wertvolle Tipps und Hinweise, wie Unterricht medial und methodisch bereichert werden kann und damit Unterrichtserfolge schneller sichtbar werden. Ausgehend von der Orientierung an Kompetenzen, also Fertigkeiten, die der Reitschüler im Laufe der Unterrichtseinheiten erwerben soll, werden Ziele und Trainingspläne aufgezeigt. Anschaulich werden alle vorgestellten Möglichkeiten - sowohl im theoretischen als auch im praktischen Reitunterricht - anhand bewährter Praxisbeispielen erläutert, so zum Beispiel der Einsatz von Pylonen und Stangen, aber auch innovative Medien wie Luftkissen, Bälle, Thera-Bänder und Bewegungsstühle. Außerdem werden Videoanalysen über Tablets, der Einsatz von Funksprechgeräten im täglichen Unterricht sowie diverse Apps im Rahmen des praktischen Unterrichts als erfolgversprechende Medien vorgestellt. Präsentationen über Beamer, Flipcharts, Lehrfilme, Apps und viele andere Medien werden im Bereich des theoretischen Reitunterrichts im Hinblick auf ihre Einsatzmöglichkeiten anhand von positiven und negativen Beispielen analysiert. Lassen Sie sich zu qualitätsvollem und innovativem Unterricht mit der Hilfe passender Medien und Methoden inspirieren und profitieren Sie nicht zuletzt selbst beim Reiten vom Einsatz moderner Medien!

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Besser Unterrichten - Neue Medien und Methoden im Reitunterricht - Kompetenzorientierter Reitunterricht, der Spaß macht -

Inhalt

Weniger ist mehr! Strukturierung im Reitunterricht durch Orientierung an Kompetenzen

Inhaltliche Gesichtspunkte einer Reitstunde bzw. Unterrichtssequenz

2.1 Zielerfassung

2.2 Trainingsplan

Mediale Unterstützung beim Kompetenzerwerb

3.1 Medien speziell für den praktischen Unterricht

3.1.1 Pylonen

3.1.2 Bodenstangen

3.1.3 Dual-Gassen

3.1.4 Luftkissen und Bälle (z.B. Franklin-Bälle)

3.1.5 Thera-Bänder

3.1.6 Funksprechsysteme (Ceecoach, Coach Phone und Co.)

3.1.7 iPad und Co.

3.1.8 Apps

3.1.9 Sitzbälle, Sitzkissen und Bewegungsstühle (BALIMO ®, Hipsimo ® und Co.)

3.2 Medien speziell für den Theorieunterricht

3.2.1 Folien für Laptop und Beamer (Powerpoint und Co.)

3.2.2 Lehrtafeln

3.2.3 Tafel und Flipchart (Stellwand)

3.2.4 Overhead-Projektoren und Dokumentenkameras

3.2.5 Filme und Videos

3.2.6 Apps

3.2.7 Bücher

3.2.8 Arbeitsblätter

3.2.9 Originäre Gegenstände

Methoden der Sicherung von Kompetenzen

4.1 Die Rückmeldung des Ausbilders (Feedback)

4.2 Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung

4.3 Aus Bildern werden Hilfen - Versprachlichung des Gelernten in Bildern

4.4 Methoden speziell für den Theorieunterricht

4.4.1 Frontalunterricht vs. Handlungsorientierung in verschiedenen Sozialformen

4.4.2 Exemplarische Unterrichtsprinzipien

Reflexion - sich selbst weiter entwickeln: Methoden zur Verbesserung der eigenen Unterrichtskompetenz

5.1 Merkmale guten Unterrichts - Eigenevaluation

5.2 Evaluationsbögen für Reitschüler

5.3 Rückmeldegespräch

5.4 Hospitation

5.5 "Best of" - die sieben häufigsten Fehler beim Unterrichten

Stichwortverzeichnis

Literatur - thematisch

Ivonne Brosow, Trainer C Reiten, Trainer B Prävention Reiten als Gesundheitssport, Studienrätin am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium, Neufahrn b. Freising (Erstes und Zweites Staatsexamen für Lehramt an Gymnasien in Bayern, Beratungslehrerin, Fortbildung zur Kollegialen Fallberaterin)

1. Weniger ist mehr! Strukturierung im Reitunterricht durch Orientierung an Kompetenzen

Fachkompetenz, Sozialkompetenz, Selbstkompetenz, Methodenkompetenz, ...

Die Begriffe Kompetenz und Kompetenzorientierung sind in aller Munde, ist das denn auch in unserer Sportart nötig, werden Sie fragen. Unsere Sportart, die sich in so vielen Punkten von anderen Sportarten unterscheidet... Der größte Unterschied liegt im Partner Pferd - keine andere Sportart hat ein Lebewesen, das so facettenreich ist, als "Teammitglied". Ein Lebewesen, das als Herdentier eine hohe Sozialkompetenz besitzt, das aber ebenso als Lauf- und Fluchttier eine große Selbstkompetenz im Sinne der Überlebenssicherung aufweist. Und nun soll auch noch der Reiter1 auf Kompetenzen "reduziert" werden? Kann man gefühlvolle, harmonische Hilfengebung, die unser aller Ziel sein sollte, denn überhaupt in Kompetenzen "messen"?

Ja, man kann! Und das sollte man auch. Kompetenzen sind nichts anderes als Kriterien und Fähigkeiten, die ein Schüler nach einer Unterrichtseinheit oder auch Sequenz erlernt hat und anwenden kann. In dem Moment, in dem man einen Reiter an seinen Kompetenzen misst, macht man seine Fortschritte transparent und kann so leichter und schneller gesetzte Ziele erreichen. Folgende Tabelle soll einen Überblick über erreichbare Kompetenzen im Reitsport geben:

Ja, man kann! Und das sollte man auch. Kompetenzen sind nichts anderes als Kriterien und Fähigkeiten, die ein Schüler nach einer Unterrichtseinheit oder auch Sequenz erlernt hat und anwenden kann. In dem Moment, in dem man einen Reiter an seinen Kompetenzen misst, macht man seine Fortschritte transparent und kann so leichter und schneller gesetzte Ziele erreichen. Folgende Tabelle soll einen Überblick über erreichbare Kompetenzen im Reitsport geben:

Fachkompetenz

Methodenkompe- tenz

Soziale Kompetenz

Personale Kompetenz

Fähigkeiten

wie Kondition (Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Schnelligkeit), Koordination Ausdrucksfähigkeit

Beobachtung - Analyse

Wahrnehmung von Bewegungsmustern, Erkennen von Ursache und Wirkung

Kooperation und Kommunikation

Gegenseitige Hilfsangebote und Unterstützung Schwächerer

Motivation und Leistungsbereitschaft

Freude und Neugier an Neuem, Anstrengungsbereitschaft und Durchhaltevermögen

Fertigkeiten

Technik

Organisation

Einüben des Ablaufs einer Übungsstunde

Fairplay

Rücksichtnahme auf Pferde und andere Reiter

Selbsteinschätzung

realistische Reflexion des eigenen Könnens

Wissen

Fachwissen (Richtlinien)

Präsentation

Zusammenstellen und Präsentieren eigener Übungssequenzen

Zuverlässigkeit

Einhalten von Absprachen und Vereinbarungen

Kreativität

Suchen und Finden eigener Lösungsmöglichkeiten

Transfer

Übertragung des Gelernten auf andere Situationen Fehlerkorrektur (möglichst selbstständig!)

Verantwortung

Einstehen für andere

Verantwortung

Einschätzen von Risiken sowie des eigenen Lernerfolgs, positiver Umgang mit Misserfolgen

(Abb.: eigene Darstellung nach Kompetenzorientierter Sportunterricht Sekundarstufe I und Kursstufe der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen https://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/sport/gym/fb2/02_ komp/, zuletzt aufgerufen am 20.08.2016)

Wie ein Trainer diese Kompetenzen am effektivsten schulen und vermitteln kann, wird in den nächsten Kapiteln dieses Buches erläutert. Dabei wird auch immer wieder zur Sprache kommen, wie wichtig eine Schwerpunktsetzung auf einzelne Kompetenzen ist. Lernpsychologisch gesehen, kann ein Schüler maximal drei Anweisungen effektiv verarbeiten, daher ist es äußerst wichtig, gemeinsam Prioritäten zu setzen und diese Lernziele dann anhand von möglichst individualisierten Übungen zu erarbeiten. Neben einem Trainingsplan helfen zielgerichtet eingesetzte Medien und Methoden und nicht zuletzt die eigene Reflexion des gehaltenen Unterrichts, um einen maximalen Trainingserfolg bei Ihren Schülern zu erzielen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim strukturierten Unterrichten und hoffe, Sie können viele Anregungen aus diesem Buch gewinnen!

Herzlichst

Ihre Ivonne Brosow

P.S.: Für Anregungen und Austausch bin ich unter [email protected] erreichbar und freue mich auf Ihre Zuschriften!

1 Im Folgenden wird stets die männliche Form gewählt, selbstverständlich sind gleichermaßen Reiterinnen, Trainerinnen usw. angesprochen.

2. Inhaltliche Gesichtspunkte einer Reitstunde bzw. Unterrichtssequenz

2.1 Zielerfassung

Bei der Durchsicht der allgemeindidaktischen bzw. fachdidaktischen Literatur setzt sich das in der Befragung erhaltene diffuse Bild fort: Was ist ein Lernziel und wie soll es beschaffen sein? Die zuständige Literatur – so scheint es – kennt viele Antworten. Jank und Meyer zeitigen dieses Problem: Sie weisen zunächst auf den wichtigen Unterschied zwischen Lernzielen und Lernergebnissen hin. Lernziele beinhalten das Element des Gewünschten und setzen in ihrer Artikulation in dieser Hinsicht Normen. Sie sind also präskriptiv. Ob diese Normen dann im eigentlichen Lehr-Lernprozess erfolgreich umgesetzt werden, ist in jedem Fall zu prüfen. Die erreichten Ergebnisse sind dagegen deskriptiv. Sie sind beschreibbar und können deshalb mit der Zielsetzung verglichen werden (vgl. Jank/Meyer 1994, 301f.,62ff.). Auf Unterrichtsprozesse bezogen heißt das: Im Idealfall kann durch die Versprachlichung eines Lernziels beschrieben werden, wie sich der Lernende durch den Unterricht bzw. den Lernprozess in seinem Verhalten verändert (vgl. Jank/Meyer 1994, 302).

(Quelle: https://dbs-lin.ruhr-uni-bochum.de/lehreladen/planung-durchfuehrung-kompetenzorientierter-lehre/lehr-und-lernziele/was-sind-lernziele/, aufgerufen am 16.09.2016)

Anders als in der Schule kommt der Reitschüler aus eigenen Stücken in den Unterricht, weist also sehr viel intrinsische Motivation auf. Einen "Lehrplan", der nach Jahrgangsstufen hinweg eingehalten werden muss, kennen wir als Trainer - abgesehen von den Anforderungen der einzelnen Klassen E bis S - nicht. Auch die Altersstruktur in den einzelnen Gruppen kann recht unterschiedlich sein. Gegen eine Durchmischung, also die Aufnahme von Schülern verschiedener Altersstufen in eine Reitergruppe, spricht auch aus lehrtheoretischer Sicht nichts, mit Ausnahme von reinen Kinderstunden. Eine Unterrichtseinheit im Anfängerbereich mit vier Kindern im Alter von vier bis sieben Jahren unterscheidet sich doch gänzlich von einer Einheit mit ebensolchen Erwachsenen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Der Trainer muss andere Lernziele verfolgen: Unterricht mit Kindern MUSS spielerischer aufgebaut und an motorische und kognitive Entwicklungsprozesse angepasst sein. Neben der Passung von Pferd und Reiter (schon aufgrund der noch nicht weit ausgeprägten Kraft), müssen die Ziele an die Fähigkeiten angepasst werden. Erste Bewegungskombinationen und auch koordinative Fähigkeiten, Gleichgewichtsfähigkeit, Rhythmisierungsfähigkeit werden sich im Alter zwischen vier und sieben Jahren (frühes Kindesalter) intensiv verbessern, eine verbale Informationsaufnahme ist gut schulbar, die Informationsverarbeitung im motorischen Handeln bleibt dagegen noch sehr begrenzt (vgl. Meinel/Schnabel 2007, S. 272 ff.).

Beispielsweise kann es problematisch werden, einem Kind das Abwenden nach links/rechts beizubringen, weil es diese Anweisung kognitiv schlicht nicht umsetzen kann (und auch die Bahnpunkte möglicherweise noch nicht kennt bzw. lesen kann), wohingegen Pylonen oder sonstige Wegmarken Erfolgserlebnisse schaffen werden. Das ausgeprägte Spiel- und Bewegungsbedürfnis in diesem Alter führt auch zu raschen konditionellen Steigerungen. Gerade hier lässt sich vielerlei Variation in den Unterrichtsalltag integrieren: Neben Übungen auf dem (Holz-)Pferd, sollten auch Übungen am Boden mit unterschiedlichen Trainingsgeräten Einsatz finden. Besonders geeignet sind Gymnastikbälle unterschiedlicher Größe, Springseile, Matten für Rollen (vorwärts/rückwärts) oder (flüchtigen) Handstand etc.), der Einsatz dieser Hilfsmittel schult Beweglichkeit, Koordination und Rhythmus. Denn genau diese drei Komponenten werden später benötigt, wenn es an eine Wegführung vom Spielerischen hin zu den jeweiligen Klassen E-S in den einzelnen Disziplinen geht. Das Leistungsstreben im Spiel und im Wettbewerb entwickelt sich, Nachahmungsbedürfnisse bestehen weiterhin (daher ist auch eine homogene Gruppe Gleichaltriger mit etwa dem gleichen Kompetenzstand im Kinderunterricht sinnvoll). Eine vielseitige Schulung macht sich zudem in diesem Alter bezahlt, da die Mobilität in der Regel mit dem Schulanfang abnimmt und die Kinder keinen solchen "Bewegungsdrang" mehr verspüren. Somit kann der Reitlehrer hier - zumindest zum Teil - einen Ausgleich schaffen.

Ganz andere Ziele werden in der Regel von (jungen) Erwachsenen im Reitsport verfolgt: Eine Gruppe von Schülern möchte erfolgsorientiert arbeiten und misst sich auch an Wettkampfsportlern, während eine andere Gruppe im Freizeitbereich eher den Entspannungs- und Wellnessfaktor Pferd genießen möchte. In der Regel bringt beide Gruppen die eigene Zuneigung zum Lebewesen Pferd zu diesem Sport. Der Trainer kann hier also von einer noch tieferen intrinsischen Motivation als bei Kindern (welche unter Umständen durch Eltern, Großeltern etc. animiert werden, den Reitsport zu verfolgen) ausgehen. Als nachteilig erweist sich in dieser zweiten Gruppe in der Regel, dass bestimmte, z.T. auch fehlerhafte, Bewegungsmuster bereits etabliert sind, das Bewegungslernen langsamer voran schreitet und eventuell auch bereits eine ängstliche Grundhaltung vorhanden ist. Während die erfolgsorientierte Gruppe klare Ziele schrittweise transparent umsetzen werden, steht bei Freizeitreitern eher die gemeinsame Zeit mit dem Pferd im Vordergrund.

Grundsätzlich lassen sich folgende Zielhierarchien unterscheiden (als Beispiel dient jeweils der Reitanfänger):

kurzfristige

Zielsetzungen (Zielerreichung innerhalb der nächsten ein bis drei Lerneinheiten)

Zielsetzungen sind z.B. freies Reiten im Schritt, Lenken des Pferdes nach rechts und links, Anhalten, Leichttraben an der Longe etc.

mittelfristige

Zielsetzungen (Zielerreichung innerhalb der nächsten vier bis 20 Lerneinheiten)

Zielsetzungen sind z.B. freies Reiten im Trab auf einfachen Linien, Einüben erster Hufschlagfiguren, Galopp an der Longe etc.

langfristige

Zielsetzungen (Zielerreichung außerhalb der nächsten 20 Lerneinheiten)

Zielsetzungen sind z.B. komplexere Hufschlagfiguren (auch aufeinander folgend), freies Galoppieren, Verfeinerung der Hilfengebung etc.

(Abb.: eigene Darstellung)

In jedem Fall sollten individuelle Ziele in regelmäßigen Abständen besprochen und gegebenenfalls auch schriftlich festgehalten werden, um zielgerichteten Kompetenzerwerb sicherzustellen. Zudem wird so die Motivation gesteigert und Transparenz geschaffen. Neben der nun bekannten Zielsetzungen, lassen sich im Rahmen der einzelnen Ziele bestimmte Kompetenzniveaus feststellen. Es gilt also nicht nur, einen bestimmten Bewegungsablauf zu wissen, zu verstehen und anwenden zu können, tatsächlicher Kompetenzerwerb greift tiefer und fordert vom Schüler neben den genannten Punkten zudem eine eigene Analyse, eine Kombination (= Synthese) sowie eine Bewertung (= Evaluation) des erworbenen Wissens.

Im Rahmen der Lernzielhierarchien lassen sich folgende Abstufungen im Hinblick auf den Kompetenzerwerb treffen:

(Abb.: eigene Darstellung)

Die Basis jeden Lernens bildet der Erwerb von Wissen in Form von theoretischen und praktischen Inhalten, also beispielsweise die Kenntnis der Hilfengebung einer Vorhandwendung. Im Rahmen des nächsten Lernschrittes sollte der Schüler Zusammenhänge verstehen können, beispielsweise gelangt er zu der Erkenntnis, dass mehrere halbe Paraden stets eine ganze Parade vorbereiten müssen. Nun folgt die (meist praktische) Anwendung auf konkrete Aufgaben: Auf eine ganze Parade soll zum Beispiel ein Rückwärtsrichten folgen, woraus dann angetrabt wird. Die Analyse von Sachverhalten und Problemstellungen stellt eine weitere Kompetenzstufe dar: Der Schüler entwickelt hierbei Strategien, wie er die Durchlässigkeit der vorherigen Lektion verbessern kann. Mit der Synthese, also der eigenen kreativen Kombination von Übungsabfolgen (natürlich auch ohne Reitlehrer in der Bahn) und der (selbstständigen) Bewertung seiner Übungsabfolgen (beim Arbeiten an der Durchlässigkeit des Pferdes z.B. in Form von Überprüfung durch Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen) erlangt der Schüler die höchsten Kompetenzstufen im Rahmen eines Lernprozesses. Die letzten beiden Ordnungsstufen befähigen einen Schüler in der Regel auch dazu, selbstständige Problemlösungen entwickeln zu können bzw. eigenen Handlungen zu bewerten.

Alle Zielsetzungen, die im Rahmen der Zielerfassung geplant wurden, sollten in Form der Kompetenzstufen durchlaufen werden, um auch eine Bewertung der neu erworbenen Kenntnisse zu ermöglichen. Lernt ein Schüler beispielsweise Leichttraben, kann aber noch nicht umsitzen, hat er zwar die Stufen Wissen und Verstehen erfolgreich gemeistert, kann aber die restlichen, komplexeren Niveaus ab der Anwendung noch nicht umsetzen (kann also beispielsweise auch noch keine Synthese in Form von Variationen, z.B. bei jedem vierten oder sechsten Tritt aufzustehen, oder gar Evaluation beispielsweise in Form von einer Bewertung der eigenen Geschmeidigkeit in der Mittelpositur, durchführen).

Grundsätzlich empfiehlt es sich - wie im ersten Absatz dieses Kapitels thematisiert - zunächst die Lernziele mit den einzelnen erreichbaren Kompetenzen gemeinsam mit den Schülern realistisch festzusetzen und im Anschluss an die Unterrichtseinheit oder -sequenz in Form einer Evaluation die Lernergebnisse, nun anhand von den neu erworbenen Kompetenzen, zu besprechen.

2.2 Trainingsplan

Trainingsplanung ist ein auf das Erreichen eines Trainingsziels ausgerichtetes, den individuellen Leistungszustand berücksichtigendes Verfahren vorausschauenden, systematischen - sich an trainingspraktischen Erfahrungen und sportwissenschaftlichen Erkenntnissen orientierenden - Strukturierung des (langfristigen) Trainingsprozesses.

(Stephan Starischka: Trainingsplanung, Seite →)

Zunächst sind also - wie in Kapitel 2.1 erläutert - Ziele zu benennen, die verfolgt werden sollen. Ein unerfahrener Reitanfänger wird eher allgemeine Ziele in den Unterricht mitbringen: körperliche Fitness (z.B. im Rahmen des gesamten Herz-Kreislauf-Systems), Abnehmen, Muskelaufbau, usw., während ein Fortgeschrittener meist konkretere Ziele hat: Geschmeidigkeit in der Mittelpositur verbessern, konditioneller Aufbau für den (ersten) Springparcours, Verbesserung des Rhythmusgefühls im Galopp usw..

Grundsätzlich lassen sich diese Ziele alle den Überbegriffen Koordination, Beweglichkeit und Kondition zuordnen. Während koordinative Fähigkeiten der Bewegungsregulation unterliegen, also vorwiegend durch Bewegungen gesteuert werden, lassen sich konditionellen Fähigkeiten eher energetische Prozessen (Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit) zuordnen. Die Beweglichkeit als dritte Komponente ist nicht eindeutig zuzuordnen und steht zwischen den beiden Übrigen.

Als koordinative Fähigkeiten gelten nach Meinel/Schnabel:

Fähigkeit

Maß beim Reitschüler

1.

Differenzierungsfähigkeit im Sinne einer hohen Feinabstimmung

z.B. Genauigkeit der Ausführung des Leichttrabens

2.

Kopplungsfähigkeit: Abstimmung von Körperbewegungen

z.B. Schnelligkeit und Exaktheit von symmetrischen Bewegungen wie Armkreisen oder asynchrone Bewegungen (Bewegungen von beiden Armen/Beinen in verschiedenem Rhythmus)

3.

Reaktionsfähigkeit: schnelle Einleitung und Ausführung motorischer Aktionen aufgrund von Signalen

z.B. Schnelligkeit und Bedingungs- bzw. Situationsadäquatheit beim Umsitzen im Leichttraben (beim Traben auf dem "falschen" Fuß)

4.

Orientierungsfähigkeit: Wahrnehmung der Lage und Bewegung und motorische Aktion zur Lageveränderung

z.B. Schnelligkeit, Richtigkeit und Genauigkeit des Orientierens z.B. bei Sprüngen im leichten Sitz

5.

Gleichgewichtsfähigkeit: Beibehaltung bzw. Wiederherstellung des Gleichgewichts (im Reitsport vorwiegend statische Gleichgewichtsfähigkeit im Sitzen)

z.B. Dauer der Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustandes bzw. Tempo und Qualität der Wiederherstellung beispielsweise beim Galoppieren im leichten Sitz

6.

Umstellungsfähigkeit: Anpassung des Handlungsrepertoires an Situationsveränderungen

z.B. Richtigkeit des Anpassens bei einem scheuenden Pferd (Einsitzen, Hand tief etc.)

7.

Rhythmisierungsfähigkeit: Erfassung und motorische

z.B. Verlangsamung und Beschleunigung des Leichttrabens (Tempovariation)

Reproduktion eines vorgegebenen Rhythmus

(Abb.: eigene Darstellung)

Die konditionellen Fähigkeiten umfassen Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit.

(Abb.: Kondition, eigene Darstellung)