Bessere Fotos - Thomas Kleinert - E-Book

Bessere Fotos E-Book

Thomas Kleinert

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Beschreibung

  • Anhand fundierter Bildkritik den Blick für ansprechende Fotos schulen
  • Unterhaltsamer und leicht verständlicher Disput zwischen zwei leidenschaftlichen Amateurfotografen
  • Mit Checklisten und Technikwissen zu Belichtung, Bildaufbau und Nachbearbeitung

Was macht ein Foto zu einem besonders guten Foto? Gibt es das perfekte Bild überhaupt? Ein nach objektiven Maßstäben gelungenes Foto kann dich trotzdem nicht so ganz überzeugen? Und wie wichtig ist die „Geschichte“ hinter dem Foto? Die beiden Amateurfotografen Martin Schmidt und Thomas Kleinert nähern sich in diesem Buch mit ihrer gegenseitigen fundierten sowie unterhaltsamen Bildkritik diesen Fragen an. Nicht zuletzt die Liebe zum Detail macht sie gegenseitig zu ihren schärfsten Kritikern und führt zu mitunter sehr unterschiedlichen Betrachtungen und Urteilen.

Die Autoren analysieren Fotos Bild für Bild zu den Genre Landschaft, Architektur, Street sowie Tierfotografie und lassen dich an ihrem aufschlussreichen Disput teilhaben. Neben diesen Bilddiskussionen gibt es weitere Infos zu Aufnahmetechniken, Nachbearbeitung und Bildaufbau, die dir helfen zu verstehen, warum ein Foto eine starke Faszination auf den Betrachter ausübt – oder eben nicht.

Folge dieser konstruktiven Kritik und du wirst andere Fotografien zukünftig mit ganz anderen Augen sehen, sie vor allem besser beurteilen können, so dass auch deine eigene Fotokunst davon profitieren wird.

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Seitenzahl: 230

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Kapitel 1WAS ERWARTET DICH IN DIESEM BUCH?

Kapitel 2ZEIT

2.1(Un-)Ruhe

2.2Schüttel dein Haar

2.3Die richtige kurze lange Belichtungszeit

2.4Sogwirkung

Kapitel 3ÜBER TIMING UND GLÜCK

3.1Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

3.2Augenblicke

3.3Magic Moments

Kapitel 4GEOMETRIE

4.1Logarithmische Spirale

4.2Brücken bauen

4.3Fluchtpunkte

4.4Über das Stürzen und Aufrichten

4.5Spiegelung

4.6Wiederholung

Kapitel 5LICHT UND TÖNE

5.1Der Ton macht die Musik

5.2Gegenlicht

5.3Licht als Hauptmotiv?

5.4Blaue Stunden

5.5Über natürliche Rahmen und faule Ausreden

Kapitel 6ABSTRAKTION

6.1Mut zum Entfremden

6.2Der Pfosten

6.3Die Krone

Kapitel 7GESCHICHTEN ERZÄHLEN

7.1Knalleffekte

7.2How much is the fish?

7.3Durch das Schlüsselloch

7.4Kann der Blick durchs Objektiv objektiv sein?

7.5Strangers

Kapitel 8PERSPEK-TIEFE

8.1Sky is the limit

8.2Dunkle Bankgeheimnisse

8.3Über Dreifaltigkeit und drei Dimensionen

8.4Morgenstund hat goldenes Licht im Mund

8.5Kompression

8.6Sanftheit

Kapitel 9GEGENSÄTZE

9.1Spuren

9.2Servus

9.3Kontraste auf allen Ebenen

9.4Komplemente

Kapitel 10DIE KUNST ZU VERZICHTEN

10.1Der Pazifik-Pier

10.2Stochern im Nebel

10.3Moin

Kapitel 11VOM BRECHEN DER REGELN

11.1Im Rhythmus bleiben

11.2Von Elefanten und Fröschen

11.3Nah ran!

11.4In Opposition zur Drittelregel

11.5Beschnittene Enden

11.6Fake it till you make it

INDEX

Hinweis des Verlages zum Urheberrecht und Digitalen Rechtemanagement (DRM)

Liebe Leserinnen und Leser,

dieses E-Book, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Mit dem Kauf räumen wir Ihnen das Recht ein, die Inhalte im Rahmen des geltenden Urheberrechts zu nutzen. Jede Verwertung außerhalb dieser Grenzen ist ohne unsere Zustimmung unzulässig und strafbar. Das gilt besonders für Vervielfältigungen, Übersetzungen sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

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Viele Grüße und viel Spaß beim Lesen,

IMPRESSUM

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Bei der Herstellung des Werkes haben wir uns zukunftsbewusst für umweltverträgliche und wiederverwertbare Materialien entschieden.

Der Inhalt ist auf elementar chlorfreiem Papier gedruckt.

ISBN 978-3-7475-0457-4

1. Auflage 2022

www.mitp.de

E-Mail: [email protected]

Telefon: +49 7953 / 7189 - 079

Telefax: +49 7953 / 7189 - 082

© 2022 mitp-Verlags GmbH & Co. KG, Frechen

Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.

Lektorat: Katja Völpel

Sprachkorrektorat: Christine Hoffmeister

Covergestaltung: Christian Kalkert

Coverfotos: Thomas Kleinert, Martin Schmidt

Satz: Ulrich Borstelmann

electronic publication: ciando GmbH

Dieses E-Book verwendet das EPUB-Format und ist optimiert für die Nutzung mit Books auf dem iPad von Apple. Bei der Verwendung von anderen Readern kann es zu Darstellungsproblemen kommen.

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KAPITEL 1

Was erwartet dich in diesem Buch?

Wie siehst du dir Fotos an? Wie lange brauchst du, um zu entscheiden, ob dir ein Bild gefällt? Und nach welchen Kriterien entscheidest du? Ist es ein Bauchgefühl? Sind es handfeste Kriterien? Welches Feedback bekommst du zu deinen Fotografien? Sind es ein paar Likes bei Instagram oder vielleicht ein einfaches »Tolles Foto!« im Kommentarfeld? Oder geht es darüber hinaus und du bekommst wirklich fundierte Kritik? Und falls ja, wie gehst du damit um?

Kritik ist ein zweischneidiges Schwert. Positive Kritik streichelt unsere Seele und sorgt für Motivation. Dagegen kann negative Kritik sehr schnell persönlich genommen werden und uns frustrieren. Konstruktive Kritik kann aber äußerst wertvoll sein. Nur: Was ist eigentlich konstruktive Kritik in der Fotografie? Im Allgemeinen wird Kritik oft als »die Kunst des Beurteilens« beschrieben. Und genau hier setzt dieses Buch an: bei der Kunst des Beurteilens von Fotografien.

Du fragst dich jetzt vielleicht, was uns beide dazu befähigt, dir etwas über Fotografie und Kritik zu erzählen. Und die Frage ist berechtigt! Sind wir professionelle Fotografen mit einem renommierten Portfolio und jahrzehntelanger Erfahrung? Mitnichten! Eigentlich sind wir Nerds. Der eine, Martin, ist Professor für mathematische Optimierung. Der andere, Thomas, hat in derselben Richtung promoviert und beschäftigt sich nun mit Optimierungsalgorithmen auf Quantencomputern. Ziemlicher Nerd-Kram, der auf den ersten Blick überhaupt nichts mit Fotografie zu tun. Auf den zweiten Blick aber doch – es ist die Liebe zum Detail, die wir sowohl in unserem Beruf als Mathematiker als auch in unserem Hobby, der Fotografie, ausleben. Außerdem wirst du beim Lesen an der einen oder anderen Stelle merken, wie viel Mathematik in manchen Teilen der Fotografie steckt. Aber dazu später mehr.

Seinen Ursprung hat dieses Buch vor ein paar Jahren genommen, als wir anfingen, uns gegenseitig unsere neuesten Fotos per Smartphone zu schicken – immer mit der Hoffnung verbunden, ein paar lobende Worte einzuheimsen. Relativ schnell hat sich dabei aber herauskristallisiert, dass das Feedback zumeist so aufgebaut war: »Das Bild ist ja ganz gut, aber …« – gefolgt von einer detaillierten Beschreibung, was man doch alles hätte anders machen können. Für uns beide ist es immer wieder sehr lehrreich zu sehen, wie unterschiedlich Bilder auf andere Menschen wirken können, wie verzerrt oft der eigene Blick ist und wie viel besser ein schon gutes Bild noch werden kann. Diese Erfahrungen wollen wir mit diesem Buch teilen. Wir werden Fotos beschreiben, diskutieren, die genutzten Techniken erklären und über diese Fotos streiten. Diese Diskussionen fördern dein Verständnis darüber, wie und was man an Fotos kritisieren kann – wodurch auch deine eigenen Fotos in Zukunft profitieren werden.

Dieses Buch ist alles andere als ein Standardlehrbuch. Es gibt keinen Einstieg zur (technischen) Geschichte der Fotografie. Es gibt keine ausführliche Erklärung zum Aufbau und der Funktionsweise von Kameras und Objektiven. Es gibt kein trockenes Kapitel zum »richtigen« Bildaufbau und auch kein Kapitel über nützliches Equipment. Darüber weißt du sowieso schon Bescheid. Wir gehen deshalb nur vereinzelt auf Grundlegendes ein. Falls du noch Nachholbedarf hast, gibt es genügend gute Bücher zu diesen Themen, die du zurate ziehen kannst. Wir gehen also davon aus, dass du die wesentlichen technischen Aspekte beherrschst und beispielsweise das Zusammenspiel von ISO-Wert, Blende und Zeit verinnerlicht hast.

Wenn dem so ist, dann fotografierst du wahrscheinlich bereits mit Freude und Enthusiasmus. Und dabei wunderst du dich vielleicht, warum manche Fotos dir und auch anderen gefallen und andere Fotos wiederum nicht. Oder warum dir manche deiner Bilder sehr gut gefallen, sie bei anderen aber keinen richtigen Anklang finden wollen. Wahrscheinlich siehst du dir auch Bilder anderer Fotografen* an und bist fasziniert – weißt aber nicht immer genau, was eigentlich der Grund dafür ist. Das Ziel dieses Buchs ist es, hierfür Antworten zu geben und damit deine Fotografie zu verbessern.

Was erwartet dich also konkret? In diesem Buch analysieren wir Fotos – immer Bild für Bild. Die Bilder werden besprochen, manchmal wohlwollend und lobend – und manchmal werden sie zerrissen, und wir erklären, weshalb sie nicht funktionieren oder zumindest sehr viel besser funktionieren könnten. Diese Analysen, Bildkritiken oder Bilddiskussionen werden dir helfen, Bilder selbst zu analysieren und zu verstehen, warum sie funktionieren (oder eben nicht). Das ist der erste Schritt, der dir hilft, beim nächsten Foto bessere oder besser abgewogene Entscheidungen zu treffen – die dann auch zu einem besseren Foto führen. Neben diesen Bilddiskussionen bekommst du weitere hilfreiche Infos, unter anderem zu Aufnahme- und Nachbearbeitungstechniken, Farben oder Bildaufbau. Dabei decken wir von Architektur, über Landschaft und Street, bis hin zur Tierfotografie so einige Genres ab. Hin und wieder streuen wir auch unterhaltsame Geschichten zur Entstehung der Bilder ein.

Zuletzt bleibt die Frage, wie du dieses Buch lesen solltest. Wie bereits gesagt: Es ist kein Standardlehrbuch. Du musst es also nicht linear von vorne nach hinten lesen. Wo immer wir es für sinnvoll erachtet haben, gibt es Querverweise zu verwandten Themen oder Hintergrundinformationen. Zusätzlich kannst du auch den Index ganz am Ende des Buchs benutzen, um zu bestimmten Themen zu navigieren. Hast du also am nächsten Sonntag eine halbe Stunde Zeit, dann gönn dir eine gute Tasse Kaffee oder Tee, such dir aus dem Inhaltsverzeichnis ein für dich gerade interessantes Kapitel heraus, und los geht’s.

* Wir verwenden hier die maskuline Form, nutzen im Buch bei Personenbezeichnungen aber ebenfalls – gleichberechtigt – das Femininum.

KAPITEL 2

Zeit

2.1(Un-)Ruhe

2.2Schüttel dein Haar

2.3Die richtige kurze lange Belichtungszeit

2.4Sogwirkung

Zeit ist einer der entscheidenden Aspekte in der Fotografie. Aber »die Zeit« – was ist das eigentlich? Zeit lässt uns Ereignisse in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einordnen. Wir nehmen Zeit vor allem als Uhrzeit wahr – die Zeit als Zeitpunkt. Zu bestimmten Zeitpunkten sollen wir an bestimmten Orten sein, weil wir Dinge zu erledigen haben. Enge Zeitpläne sorgen dafür, dass es hektisch in unserem Leben zugeht. Manchmal sind wir auch zur falschen Zeit am falschen Ort. Viel schöner ist es aber, wenn wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Dann wollen wir die Zeit, in diesem Fall aufgefasst als Zeitspanne, möglichst lange genießen. Oft rinnt die Zeit jedoch nur so dahin. Ganz selten treffen wir Menschen, die zu viel davon haben. Meistens ist das Gegenteil der Fall. Doch wer bestimmt das überhaupt? Wer ist Herr oder Frau über die Zeit? Wir haben unseren Zeitplan leider nicht immer selbst in der Hand. Ganz am Ende segnet uns dann gar das Zeitliche. Die Zeit – sie bestimmt (über) unser Leben.

Auch in der Fotografie nimmt die Zeit mehrere Dimensionen ein. Zum Beispiel in Form des Aufnahmezeitpunkts, der im Wesentlichen die vorherrschende Licht- und Farbstimmung beeinflusst. Am frühen Morgen hat man andere Lichtstimmungen als zur Mittagszeit. Eine weitere Zeit-Dimension ist das Timing – das mal mehr, mal weniger gut sein kann. In der Street-Fotografie wird man beispielsweise oft für ein perfektes Timing mit der richtigen Bildstory belohnt. Wir diskutieren die beiden Aspekte Aufnahmezeitpunkt und Timing später noch genauer. In diesem Kapitel geht es aber um die Belichtungszeit als Zeitspanne. Wie im echten Leben kann die Zeit, in der man Momente einfängt, zu lang, zu kurz oder genau richtig sein. In der Fotografie hat man zwar im Vergleich zum Leben etwas mehr Einfluss auf die Zeit, aber auch hier gibt es einen fremdbestimmten Rahmen, in dem wir uns bewegen müssen. Wenn wir künstliche Hilfsmittel, wie z.B. einen Blitz, außen vorlassen, dann wird dieser Rahmen durch das vorhandene Umgebungslicht, das wir mit dem Sensor unserer Kamera einfangen, vorgegeben.

Je mehr Umgebungslicht auf dem Sensor landet, desto heller wird das Bild. Die Lichtmenge, die auf dem Sensor landet, wird in der Einheit Lichtwert (LW) angegeben. Treffender wäre aus unserer Sicht der Begriff Belichtungswert, der auch näher am englischen Begriff exposure value (EV) liegt. Den Lichtwert unserer Aufnahme können wir aktiv durch das Zusammenspiel aus Blendenöffnung, Belichtungszeit und ISO-Wert beeinflussen. Falls du noch nicht über den Zusammenhang dieser drei Parameter Bescheid weißt, geben wir eine kurze Zusammenfassung dazu in der Infobox auf Seite 13.

Für ein korrekt belichtetes Bild benötigen wir einen bestimmten Lichtwert, den moderne Kameras automatisch mit dem Belichtungsmesser in Abhängigkeit des Umgebungslichts ermitteln. Diesen Lichtwert können wir durch eine Vielzahl an Blende-Zeit-ISO-Kombinationen erreichen. Und genau hier geht die Kreativität los. Oft nutzt man diesen Spielraum, um durch die Blendenwahl die Tiefe der Schärfeebene zu bestimmen. So kann man eine bestimmte Bildaussage erhalten oder verstärken. Die Belichtungszeit und den ISO-Wert stellt man dann passend ein oder lässt das im halbautomatischen Blendenvorwahl-Modus bequem die Kamera selbst erledigen. Wir besprechen die Blende als gestalterisches Mittel genauer in Abschnitt 7.3. Was gerade zu Beginn der eigenen Fotokarriere aber oft vergessen wird, ist, dass man auch aktiv selbst über die Belichtungszeit entscheiden kann. Gezielt eingesetzt kann man so dem Bild Dynamik oder Ruhe zu verleihen. In der Sport- oder Tierfotografie nutzt man beispielsweise extrem kurze Belichtungszeiten, um Bewegungen einzufrieren. Um diese kurzen Zeiten zu realisieren, benötigt man zum einen eine geöffnete Blende, die in diesem Fall auch oft gewünscht ist, um das Objekt vom Hintergrund zu trennen. Zum anderen muss man sich diese kurzen Belichtungszeiten aber durch höhere ISO-Werte erkaufen.

Im Gegensatz dazu kann man längere Belichtungszeiten nutzen, um Bewegungen gerade erst sichtbar zu machen – z.B. sich bewegende Wolken, die Wellen an einer Küste oder einen vorbeifahrenden Bus. In diesem Kapitel diskutieren wir verschiedene Bilder, bei denen die Belichtungszeit eine entscheidende Rolle für die Bildaussage einnimmt.

Wie man mit Blende, Zeit und ISO-Wert die Belichtung steuert

Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange Licht durch die Öffnung des Objektivs auf den Sensor fällt. Die Rechnung ist recht einfach. Verdoppelt man die Belichtungszeit bei gleichbleibender Blendenzahl und gleichbleibendem ISO-Wert, fällt doppelt so viel Licht auf den Sensor und das fertig belichtete Bild wird um 1 Lichtwert (LW) heller.

Nicht ganz so einfach ist das bei der Blendenzahl. Sie gibt an, wie weit ein Objektiv »geöffnet« ist und errechnet sich, etwas vereinfacht gesagt, aus der Brennweite f geteilt durch den Durchmesser d der kreisförmigen Blendenöffnung:

Nehmen wir uns zur Veranschaulichung ein Objektiv mit 100 mm Brennweite und wählen am Blendenring des Objektivs oder an der Kamera eine Blendenzahl von 4 (kurz f/4). Dann haben wir laut der Formel von oben einen Durchmesser von 25 mm. Verringern wir die Blendenzahl auf f/2, so vergrößern wir den Durchmesser der Blendenöffnung auf 50 mm. Eine kleinere Blendenzahl bedeutet also eine größere Öffnung des Objektivs und umgekehrt bedeutet eine größere Blendenzahl eine kleinere Öffnung.

Um nun ein Foto um genau 1 LW heller zu belichten, muss man die Öffnungsfläche der Blende verdoppeln. Mithilfe der Formel für die Kreisfläche, an die sich der eine oder die andere vielleicht noch aus der Schule erinnert, lässt sich leicht nachrechnen, dass man dazu den Durchmesser um einen Faktor von √2 ≈ 1,4 vergrößern muss. Für die Blendenzahl erhalten wir dann mit der Formel von oben einen Faktor von 1/√2 ≈ 0,7.

Wir müssen also am Objektiv anstatt der Blendenzahl 4 die Blendenzahl 2,8 einstellen, um 1 LW heller zu belichten. Insgesamt bekommt man so die folgende Reihe an ganzen Blendenstufen: 1–1,4–2–2,8–4–5,6–8–11–16–22. Man kann sich diese Reihe ganz gut merken, indem man sich nur die ersten beiden Werte einprägt und dann jeweils verdoppelt.

Puh, ganz schön viel Nerd-Kram. Beim ISO-Wert wird es aber wieder leichter. Der Wert bestimmt die Empfindlichkeit des Sensors. Eine höhere ISO-Zahl bedeutet, dass das Eingangssignal mehr verstärkt wird. Bei gleichbleibender Blende und Belichtungszeit können wir durch ein Verdoppeln der ISO-Zahl den Lichtwert um 1 erhöhen. Das Erhöhen der ISO-Zahl hat natürlich technische Limitationen. In der Regel führt eine höhere ISO-Zahl durch das künstliche Verstärken des Eingangssignals zu mehr Bildrauschen. Moderne Sensoren haben es in den letzten Jahren aber möglich gemacht, auch mit hohen ISO-Werten qualitativ hochwertige Ergebnisse zu erzielen, sodass sich der kreative Rahmen bei wenig Licht deutlich erhöht hat.

2.1 (UN-)RUHE

Abbildung 2.1ISO 100, f/11, 90 s, 40 mm, Vollformat, Stativ, ND-Filter, Martin

Starten wir mit dem ersten Bild in diesem Buch, einer Langzeitbelichtung von Martin.

Thomas, warum wirkt das Bild?

Das sieht nach Heimat aus. Ich erkenne die Herreninsel im bayerischen Meer, dem Chiemsee. Das Bild packt mich, nicht nur, weil es mich an zu Hause erinnert. Es strahlt eine wahnsinnige Ruhe aus. Es weckt den starken Wunsch in mir, am Chiemsee-Ufer zu liegen, ohne einer Menschenseele weit und breit zu begegnen, und einfach still auf den See und die Berge im Hintergrund zu starren oder hin und wieder dem Segelboot beim sanften Schaukeln zuzusehen. Diese Wirkung erzeugt das Bild durch mehrere fotografische Kniffe.

Offensichtlich trägt das glatte Wasser, das Martin durch die Belichtungszeit von 90 s erreicht hat, einen großen Teil zur ruhigen Wirkung des Bilds bei. Das Wasser sieht dadurch aus wie eine geschlossene und glatte Ebene. Der Dunkel-Hell-Verlaufsfilter, den Martin von unten nach oben in das Wasser gezogen hat, beruhigt die Szenerie zusätzlich.

Dazu kommt der sanfte Berghintergrund, der im Dunst verschwimmt. Er lässt die Herreninsel sehr kontrastreich herausstechen und sorgt für einen Anker, einen Ruhepol im Bild, auf dem mein Blick gerne verweilt.

Schließlich haben wir den Himmel. Durch die lange Belichtungszeit haben die Wolken einen zerfließenden, soften Look bekommen. Vermutlich war es nicht sehr windig und ziemlich bewölkt. Andernfalls hätte man bei dieser langen Belichtungszeit deutlichere Wolkenspuren im Himmel gesehen. Gut so, das hätte die Ruhe nur konterkariert.

Der stärkste Punkt an diesem Bild ist aber aus meiner Sicht das Segelboot. Es ist das letzte Zeichen von Bewegung und setzt einen Kontrastpunkt zum ruhigen Rest des Bilds. Es sorgt dafür, dass das Bild trotz so vieler ruhiger Elemente nicht langweilig wirkt. Das dynamische Element ist dabei so unaufdringlich, dass es die generell ruhige Wirkung des Bilds nicht zerstört, aber einen spannenden Gegenpol erzeugt.

So bleibt mir nur ein einziger Kritikpunkt. Der Horizont verläuft fast exakt mittig. Eine der ersten Regeln, die man über den Bildaufbau lernt, ist doch: Mittig wirkt langweilig! Auch hier trifft das aus meiner Sicht zu. Das Bild wäre noch besser, wenn unten mehr vom bayerischen Meer auf dem Bild wäre, um dadurch den Horizont aus der Mitte nach oben zu schieben.

Tech-Talk: Martin, wie viel Nachbearbeitung steckt in diesem Bild?

Obwohl das Foto einen sehr speziellen Look hat und nach sehr viel Nachbearbeitung aussieht, ist es wirklich nicht schwer gewesen, das fertige Resultat aus dem unbearbeiteten Bild aus der Kamera zu erzeugen. Und das, obwohl das Out-of-Cam-Bild wirklich nicht gerade berauschend ist. Es wurde Mitte August bei knallender Sonne um 15:21 Uhr aufgenommen. Wenn man auf die Lehrbücher hört, dann hätte man den Zeitpunkt nicht viel schlechter wählen können. Für den sanften Bildlook, der am Ende entstehen sollte, ist dieser »falsche Zeitpunkt« aber gar nicht so schlecht.

Das Ausgangsbild

Hier ist das Out-of-Cam-Bild. Es wirkt flach und die Farben sind nicht wirklich schön. Dieses »Flache« werden wir in unserer Schwarz-Weiß-Bearbeitung aber herausarbeiten. Mit den einzigen Kontrasten im Bild, der Insel Herrenchiemsee und dem Boot, wird es dann am Ende gar nicht mehr so flach aussehen. Also, los geht’s …

Schnitt und kleinere Korrekturen

Zuerst beschneiden wir das Bild. Der angeschnittene dunkle Fleck rechts am Horizont verschwindet dadurch. Außerdem wird das Bild ausgerichtet, sodass der Horizont exakt gerade ist. Zuletzt wende ich schon jetzt die Objektivkorrektur an, mit der Lightroom hauptsächlich Verzeichnungen korrigiert.

Konvertierung in Schwarz-Weiß

Ich wusste schon bei der Aufnahme, dass dieses Foto ein Schwarz-Weiß-Bild werden sollte. Bei der Bearbeitung konvertiere ich daher so schnell es geht nach Schwarz-Weiß, um die Effekte der Bearbeitungsschritte direkt im gewünschten Bildlook zu sehen.

Es sieht allerdings immer noch ganz schön matschig und flach aus.

Erster Schritt zu mehr Kontrast: Tiefen

Ich möchte das Boot und vor allem die Insel am Ende als sehr dunkle Kontrastpunkte in einem sonst sehr hellen Bild haben. Also ziehe ich die Tiefen herunter (–100), stelle das Bild insgesamt etwas heller (Belichtung +0,26) und erhöhe die Klarheit (+25), um beide Effekte noch etwas stärker zu betonen.

Zweiter Schritt zu mehr Kontrast: Höhen

Nachdem ich die Tiefen bearbeitet habe, sind jetzt die Höhen an der Reihe. Durch eine Tonwertkorrektur (im S/W-Dialog) der Farben Blau und Grau (+ 53) werden die eigentlich blaugrauen Bereiche deutlich heller. Im Vergleich zur ersten Schwarz-Weiß-Version haben wir jetzt schon deutlich mehr Kontrast im Foto erzeugt.

Mich stört aber die linke untere Ecke, die mir noch zu dunkel ist.

Angleichen der Belichtung

Mit einem Verlaufsfilter, den ich von unten links leicht in die Bildmitte hineinziehe, gleiche ich diese Unterbelichtung wieder aus, indem ich die Belichtungs- und Tiefenkorrektur für den Verlaufsfilter nutze.

Jetzt bin ich schon recht zufrieden – aber dem Bild fehlt es immer noch ein wenig an Tiefe.

Mehr Tiefe durch Verlaufsfilter

Jetzt kommen noch zwei weitere Verlaufsfilter ins Spiel. Einen, den ich gerade von oben bis zum Beginn der Bergkette im Hintergrund ziehe, und einen, den ich von unten gerade bis zum Boot hochziehe.

Für beide nutze ich wieder die Belichtungskorrektur, um einen Dunkel-nach-Hell-Verlauf von oben und unten in die Mitte zu erhalten. Oben erhöhe ich noch ein wenig die Kontraste, um die Wolken ein bisschen stärker ins Bild zurückzuholen.

Das Bild hat damit deutlich an Tiefe gewonnen und ich bin fast fertig.

Tonung und »Finishing Touches«

In den letzten Schritten füge ich noch eine leichte Sepia-Tonung ein. Dazu stelle ich im Dialog »Color-Grading« in Lightroom für die Lichter den Farbton auf 51 (Gelb-Orange) und die Sättigung auf 6 sowie für die Schatten den Farbton auf 243 (Blau) und die Sättigung auf 3.

Jetzt erhöhe ich noch leicht die Schärfe und die Klarheit auf der Insel.

Fertig!

2.2 SCHÜTTEL DEIN HAAR

Abbildung 2.2ISO 640, f/5,6, 1/1250 s, 30 mm, Vollformat, Martin

Gehen wir von einem Extrem zum anderen: von 90 s zu 1/1250 s Belichtungszeit.

Bilddiskussion: Thomas, wie findest du Holle?

Ich habe weder einen Hund, noch kenne ich mich mit Tierfotografie aus. Von daher machen wir es kurz.

Das Bild hat aus meiner Sicht zwei Stärken. Zum einen ist es der tiefe, bodennahe Standpunkt, der eine Verbindung zu Holle aufbaut und Nähe vermittelt. Man ist direkt mittendrin in der Szene. Zum anderen ist es die sehr kurze Belichtungszeit. Holle ist gerade mitten in der Schüttel-Bewegung und im Kopfkino läuft die Szene bei mir weiter. Die Wassertropfen werden durch die kurze Verschlusszeit perfekt eingefroren und dadurch erst sichtbar. Man hat beim Betrachten des Bilds fast Angst, nass zu werden. Das Bild erzeugt in mir den Reflex, mich wegzuducken. Dieser Reflex wird durch das Zusammenspiel aus Standpunktwahl und Belichtungszeit erzeugt.

Okay, und dann gibt es natürlich noch eine dritte Stärke: der Gesichtsausdruck von Holle! Trotz der Nässe würde ich die Hündin am liebsten knuddeln. Genau im richtigen Moment getroffen!

Wie erwähnt, kenne ich mich aber in der Tierfotografie überhaupt nicht aus. Martin, mach doch einmal eine Checkbox zu dem Thema!

Checkbox: Tierfotografie

▸ Einen der wichtigsten Punkte bei der Tierfotografie hat Thomas schon erwähnt. Man sollte immer versuchen, auf Augenhöhe mit dem Tier zu sein. Viele schlechte Tierfotos sind genau deshalb schlecht, weil sie aus Menschenhöhe »von oben herab« geschossen wurden. Man sollte also immer vor dem Tier auf die Knie gehen.

▸ Timing ist alles. Tiere sind in der Regel nicht allzu ausdauernde und geduldige Models. Daher ist es sehr wichtig, dass man seinen tierischen Freund kennt und gut antizipieren kann, wie er sich verhält.

▸ Viele Tiere bewegen sich sehr schnell. Also: kurze Belichtungszeit einstellen. Je nach gewählter Blende muss der ISO-Wert dann ggf. recht hoch gewählt werden. ISO-Werte von 800 oder auch deutlich höher sind bei solchen Actionbildern keine Seltenheit.

▸ In der Tierfotografie ist ein schneller Autofokus enorm wichtig. In Momenten wie auf dem Foto in Abbildung 2.2 hat man keine Chance, manuell nachzujustieren. Man muss voll auf den Autofokus der Kamera setzen. Wichtig ist dabei, den kontinuierlichen Autofokus, je nach Kameramarke oft als AF-C oder AIServo bezeichnet, zu nutzen. Dieser Modus sorgt dafür, dass der Autofokus bei sich bewegenden Motiven automatisch nachgeführt wird, solange der Auslöser halb heruntergedrückt ist. Das verhindert, dass Tiere aus der Schärfeebene hinauslaufen.

▸ Bei Action-Fotos mit Tieren sollte man immer im »Dauerfeuermodus«, also Serienbildmodus, sein. Zwar hat man dann hinterher 100 Fotos auf der Festplatte, von denen 99 wieder gelöscht werden – aber dafür sitzt bei diesem einen Foto dann auch die Schärfe, die Dynamik, der Gesichtsausdruck etc. Im Einzelbildmodus ist das fast unmöglich.

▸ Wichtig: Im Serienbildmodus sorgt der oben angesprochene kontinuierliche Autofokus dafür, dass zwischen jeder Aufnahme der Fokus nachjustiert wird. Dies erhöht die Chance auf scharfe Bilder.

Schau dir zum Abschluss einmal das Foto von Basko in Abbildung 2.3 an. Wie hätte das Foto wohl ausgesehen, wenn man auf die einzelnen Punkte der Checkbox verzichtet hätte?

Abbildung 2.3ISO 1000, f/4, 1/2000 s, 200 mm, Vollformat, Martin

2.3 DIE RICHTIGE KURZE LANGE BELICHTUNGSZEIT

Wir haben nun Bilder mit sehr langer und sehr kurzer Belichtungszeit gesehen. Aber ab wann gilt die Belichtungszeit eigentlich als »lang«? Wenn man ein Bild mehrere Sekunden belichtet, dann spricht man in der Regel von einer Langzeitbelichtung. Aber wie sieht es bei einer Zeit von beispielsweise einer Sekunde aus? Ist das bereits »lang«? Oder 1/10 s? Das ist doch nicht mehr als ein Wimpernschlag! Andererseits: Im Rennsport ist 1/10 s eine Welt. Ob eine Zeitspanne »lang« ist oder nicht, hängt also von der konkreten Situation ab.

In der Fotografie ist das ähnlich. Eine wirkliche Regel, ab wann eine Belichtungszeit als »lang« gilt, gibt es nicht. Aus unserer Sicht gibt es dafür aber mindestens zwei Kriterien.

Das eine ist die technische Komponente. Wir empfinden die Belichtungszeit als »lang«, wenn man Freihand, also ohne Stativ oder sonstige Hilfsmittel, kein verwacklungsfreies Bild mehr zustande bekommt. Natürlich hat nicht jeder eine ähnlich ruhige Hand. Aber als Daumenregel funktioniert es zumeist recht gut, den Kehrwert der Brennweite als Belichtungszeit zu wählen. Angenommen, man fotografiert mit einer vollformatäquivalenten Brennweite von 50 mm. Dann liegt die Freihandgrenze in etwa bei 1/50 s. Eine Belichtungszeit von 1/10 s wäre in diesem Fall also schon »lang«. Wer im Übrigen gerade über das Wort »vollformatäquivalent« gestolpert ist – den Zusammenhang zwischen Sensorgröße, Brennweite und anderen Parametern diskutieren wir am Ende dieses Abschnitts.

Das andere ist die motivspezifische Komponente. Das Foto von Holle in Abbildung 2.2 ist mit einer Brennweite von 30 mm entstanden. Eine Belichtungszeit von 1/30 s wäre beim Hunde-Motiv aber definitiv zu lang, obwohl wir sie aus technischen Gesichtspunkten als kurz genug deklarieren würden. Das Ergebnis bei einer Belichtungszeit von 1/30 s wären sehr sicher ein komplett unscharfer Hund und ein Foto für den Papierkorb. In diesem Fall würde die Unschärfe nicht an einer möglichen Verwacklung liegen, sondern an der sogenannten Bewegungsunschärfe, die bei bewegten Bildern durch eine zu lange Belichtungszeit entsteht. In Abbildung 2.2 wäre Bewegungsunschärfe wohl bei den wenigsten Betrachterinnen erwünscht.

Bei anderen Motiven kann Bewegungsunschärfe aber sehr kreativ eingesetzt werden. Oft verleiht sie einem Foto den Extra-Twist, ohne den es langweilig wirken würde. Bewegungsunschärfe eignet sich beispielsweise hervorragend, um Dynamik abzubilden. Wir haben das schon in Abbildung 2.1 gesehen, in der das Segelboot durch die Eigenbewegung und die lange Belichtungszeit unscharf ist.

Die Eigenbewegung des Boots war dabei sehr gemächlich, sodass auch bei einer Belichtungszeit von 90 s das Boot nicht zu unscharf wirkt. Bei sich schneller bewegenden Objekten muss die lange Belichtungszeit deutlich kürzer gewählt werden, um die Bewegung einzufangen. Hätte man in Abbildung 2.1 kein geankertes Segelboot, sondern ein fahrendes Motorboot im Bild gehabt, wäre das Boot bei der langen Belichtungszeit vermutlich gar nicht sichtbar gewesen.

Sehen wir uns dazu zwei weitere Fotos an.

Abbildung 2.4