Bester Sex 4 - Zoë Zucker - E-Book

Bester Sex 4 E-Book

Zoë Zucker

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Beschreibung

In BESTER SEX 4 hat das starke Geschlecht das Wort. 33 Männer berichten offenherzig und detailliert über ihre unvergesslichsten sexuellen Erlebnisse: So erzählt Jonas, wie er beim freischwingenden Liebesspiel in der Fahrkabine einer Gondelbahn den Gipfel der Lust erreichte, oder Rudi, weshalb eine heiße Nummer mit seiner Freundin Tamara eine Badezimmerreparatur zur Folge hatte. Robert hingegen beichtet, wie er ausgerechnet mit der Freundin seines besten Freundes zum Höhepunkt kam. Die 33 aufregenden, lustigen und manchmal sogar romantischen Geschichten decken auf, was Männer ihre Sexpartnerinnen niemals mehr vergessen lässt und ob die Klischees, die der Fraktion Testosteron anhaften, wirklich der Wahrheit entsprechen - denn jetzt reden die Jungs Klartext! Ob Frau oder Mann - wer bei dieser Lektüre nicht Lust auf mehr bekommt, ist selbst schuld.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 336

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Zoë Zucker

BESTER SEX 4

33 Männer erzählen ihre aufregendsten, wildesten und schönsten Abenteuer

Liebe Leserinnen und Leser!

In den ersten drei Bänden von Bester Sex hatte die Frauenwelt das Wort. Jetzt wird der Spieß umgedreht – und die Männer sind am Zug. 33 Vertreter der Fraktion Testosteron habe ich für dieses Buch »in die Mangel genommen«. Nicht immer war es einfach, ihnen ihre intimsten Geschichten zu entlocken. Aber Hartnäckigkeit zahlt sich aus: Bester Sex 4 ist eine Sammlung von authentischen, unverblümt ehrlichen, aufregenden, manchmal lustigen und manchmal sogar kitschig-romantischen Storys geworden, in denen Männer erzählen, welche erotischen Erlebnisse sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis eingebrannt haben.

Viele der Geschichten räumen auch mit immer noch gängigen Klischees auf – zum Beispiel mit dem Vorurteil, dass unvergesslicher Sex zwangsläufig mit Faktoren wie ungewöhnlichen Orten, perfekten Frauen oder ausgefallenen Techniken verbunden sein muss. Klar, auch das kommt vor, ein bisschen Hollywood darf schon sein. Aber bei den 33 Interviews mit Männern (fast) aller Altersklassen habe ich erfahren: Im echten Leben sind es vielmehr die kleinen Dinge, die aus einem Drehbuch für guten Sex eines für besten Sex werden lassen. Mehr wird hier allerdings nicht verraten, da auf den folgenden Seiten ohnehin die Hauptdarsteller persönlich zu Wort kommen.

Ein kleiner »Warnhinweis« zum Schluss: Vorsicht – dieses Buch könnte auf Frauen ebenso wie auf Männer inspirierend wirken! ;-)

Zoë Zucker

1

Auf der Überholspur

Nils (38), Raumgestalter, über Britta (29), Fotografin, beide Graz

»Möchtest du mal wechseln?«, frage ich. Britta nickt. »Ich nehme den nächsten Parkplatz, okay?«

Wir sind auf der Autobahn, auf dem Weg nach Hause von der Geburtstagsfeier eines guten Freundes von mir, und Britta fährt. Ob sie immer noch sauer auf mich ist? Eigentlich wirkt sie recht ausgeglichen. Ich hoffe zumindest, dass es so ist. Da, ein Parkplatz. Sie biegt rechts rein und steigt aus.

»Danke. Eh gut, dass wir uns ein paar Mal abwechseln. Ist noch ein ganz schön weiter Weg«, meint sie und schenkt mir ein kurzes Lächeln.

»Ja, gute zweieinhalb Stunden noch«, antworte ich und lächle zurück. Na ja, so ganz im Reinen sind wir noch nicht, glaube ich. Offensichtlich habe ich gestern etwas falsch gemacht, obwohl ich noch immer nicht so recht verstehe was genau. Britta hat es sich schon auf dem Beifahrersitz gemütlich gemacht. Ich setze mich ans Steuer, rutsche mit dem Sitz nach hinten, richte mir die Rückenlehne ein und fahre los. Und schon beginnt es zu piepsen. Mann, sind diese modernen Autos nervig.

»Anschnallen nicht vergessen«, kommentiert meine Beifahrerin trocken. Britta und ich haben seit etwa acht Monaten etwas laufen, eine grenzwertige Geschichte, die gerade an der Schwelle von Affäre zu fester Beziehung steht. Allerdings ist sie mir etwas zu schnell unterwegs. Gut, ich kann es nicht leugnen, ich bin ein Zauderer. Was Festes will ich nur, wenn es passt. Und bei Britta und mir bin ich mir da nicht zu hundert Prozent sicher. Was ich weiß, ist: Wenn sie weg ist, vermisse ich sie. Aber wenn sie dann da ist und wir so schön langsam in den Beziehungsmodus verfallen, bekomme ich Muffensausen. Manchmal würde ich sie gerne bitten, ein wenig vom Gas zu gehen und einfach abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Aber ich will sie auch nicht vor den Kopf stoßen, schließlich mag ich sie ja und will sie nicht verlieren.

Die Situation am gestrigen Abend hat uns außerdem wieder ein paar Schritte zurückgeworfen. Erstens war sie sauer, weil ich sie meinen Freunden nur als »Britta« und nicht als »meine Freundin Britta« vorgestellt habe. Und dann habe ich sie ihrer Meinung nach vernachlässigt, oder genauer gesagt ignoriert, wie sie es formuliert hat. Dabei hatte ich nur für einige Zeit den Barkeeper gemimt – das macht mir Spaß, so bin ich eben. Da kann ich schäkern und den Clown rauslassen. Sie aber warf mir im Nachhinein vor, das sei unhöflich von mir gewesen – schließlich hätte ich sie alleine gelassen mit lauter Leuten, die sie nicht kennt. Mag sein, aber man kann sich doch kennenlernen, nicht wahr? Ich für meinen Teil hätte an ihrer Stelle aus der Not eine Tugend gemacht. Und selbst wenn ich mich doof vernachlässigt gefühlt hätte, ich würde mir doch nicht die Blöße geben und mich dann darüber beschweren. Wie auch immer. Sex hatten wir dann im Hotelzimmer keinen mehr, sie hatte mir den Rücken zugedreht und war einfach eingeschlafen. Am Morgen danach dann eingeschränkte Kommunikation, und zwar bis jetzt.

Da mir das unangenehm ist, versuche ich, etwas dagegen zu unternehmen: »Sag mal, was hältst du davon, wenn wir heute Abend noch schön was essen gehen?«

»Gute Idee«, antwortet sie knapp und sieht starr zum Fenster hinaus.

»Du bist übrigens eine sehr gute Fahrerin«, bemerke ich, aber sie ignoriert mich. »Für eine Frau«, ergänze ich scherzhaft, aber sie lacht einfach nicht. So, wie es aussieht, geht meine Rechnung nicht auf. Ich langweile mich und arbeite dagegen an, indem ich etwas schneller fahre. Die Landschaft zieht vorbei und ich überhole einen Wagen nach dem anderen. Verdammt, mich stört es, wenn sie mich so links liegen lässt!

»Sollen wir uns an der Raststation einen Kaffee holen?«, durchbricht sie die Stille.

Ach, da kommt ja doch noch was. Bei der nächsten Gelegenheit fahre ich ab.

Britta schüttelt ihren Dosencappuccino. Ich muss grinsen.

»Was ist?«, fragt sie neugierig.

»Willst du nicht wissen.«

»Sag schon!«

»Okay. Bei deiner Handbewegung gerade musste ich an etwas ganz Bestimmtes denken.«

»Ah, verstehe.« Endlich, sie lacht wieder normal.

Ich drücke ihr einen Kuss auf den Mund.

»Lass uns gestern einfach vergessen«, schlägt sie vor.

Nichts lieber als das.

»Jetzt fahre ich wieder ein Stück«, sagt sie, als wir erneut in meinen Kombi steigen. Britta fährt weiter, nudelt dabei am Radio herum und sucht einen erträglichen Sender. »Ich kann mir diesen Schmus nicht mehr anhören«, grinst sie.

»Ist doch romantisch«, entgegne ich.

»Nein, unter romantisch verstehe ich etwas anderes.«

Ich frage sie was denn, und sie legt los: »Zu elektronischer Musik in den Sonnenuntergang tanzen … gemeinsam nackt auf einer Wiese liegen … oder Sex mit Donnergrollen im Hintergrund, während man selbst im Trockenen ist und der Regen wie wild vom Himmel prasselt.«

Als sie »Sex« sagt, hat sie sofort meine volle Aufmerksamkeit. Wie einfach das doch funktioniert bei uns Männern.

»Hattest du denn schon mal Sex während eines Gewitters?«, will ich wissen und spitze die Ohren.

»Wer weiß«, gibt sie zurück.

Wenn ich ehrlich bin, will ich es gar nicht so genau wissen. Trotzdem schießen mir gerade nur Sexbilder durch den Kopf. Ob ich sie schon wieder anfassen darf? No risk, no fun, denke ich und beuge mich zu ihr hinüber. Ich drücke ihr einen zarten Kuss aufs Ohr und streichle ihren Nacken. Und setze noch einen weiteren Kuss in ihre Halsbeuge drauf. Genüsslich legt sie den Kopf zur Seite.

»Nils, lass das sein, ich muss mich doch aufs Fahren konzentrieren«, sagt sie gespielt genervt.

»Aber ich mache doch gar nichts.«

»Doch, und das ist verdammt gefährlich. Du willst doch nicht etwa, dass wir jemanden abschießen, oder?«

Ich mache trotzdem weiter, bewege meine Hände über ihren Hals runter zum Ausschnitt ihres Shirts.

»Nils, nicht! Hör bloß auf!«, lacht sie.

»Sex mit Donnergrollen kann ich dir gerade nicht bieten – aber hast du es schon mal im Auto gemacht?«

Sie bleibt mir die Antwort schuldig und tut hochkonzentriert. Meine rechte Hand ist währenddessen zwischen ihre Oberschenkel gewandert.

»Du siehst geil aus, Britta«, bemerke ich. Ihre Mundwinkel zucken ganz leicht.

»Ich hab’s dir schon gesagt: Lass das sein. Viel zu gefährlich.«

Aber ich bin schon viel zu sehr in Fahrt und nestle bereits an ihrem Höschen herum.

»Wenn du dich nicht benehmen kannst, wechsle ich lieber wieder«, meint sie, und da kommt auch schon der nächste Parkplatz.

Schade, denke ich enttäuscht, das wird wohl die Strafe für den gestrigen Abend sein. Schmollend übernehme ich das Steuer.

»Willst du wissen, wie sich das anfühlt?«, meint sie, als ich die standardmäßigen 140 erreicht habe.

»Wie sich was anfühlt?«, frage ich und bin wirklich ahnungslos.

Plötzlich greift sie mir recht grob zwischen die Beine. Ich ziehe zischend die Luft ein. Was wird das? Doch wohl nicht das, was ich denke?

»Konzentrier dich«, meint sie amüsiert und beginnt zu kneten.

Ja, ich muss zugeben, das ist gemein. Aber angenehm gemein. Ich drossle meine Geschwindigkeit ein wenig. Ich bin gespannt, was jetzt kommt.

»Willst du dich nicht abschnallen?«

»Gute Idee.« Ich fahre mit 130 ohne Sicherheitsgurt, und Britta öffnet mit einer Hand meinen Gürtel.

»Ich komme nicht richtig ran«, beschwert sie sich. Ich hebe meinen Hintern etwas vom Sitz und schiebe meine Hose nach unten. Sie tut dasselbe mit meiner Unterhose und legt mein steinhartes bestes Stück frei. Es springt beinahe freudig heraus.

»Vielleicht sollte ich noch etwas langsamer werden?«, schlage ich vor, und sie nickt.

»Ja, vielleicht solltest du das.« Britta schnallt sich ab, rückt näher an mich heran, und plötzlich senkt sich ihr Kopf auf die Höhe des Lenkrades. »Immer schön konzentrieren«, sagt sie, bevor sie sich mein Ding in den Mund schiebt.

Ich bin baff. Wie geil ist das denn bitte? Ihr Kopf beginnt sich langsam vor meinem Bauch auf und ab zu bewegen. Die Erregung schießt mir heiß durch den ganzen Körper. Links von uns ziehen die Autos vorbei. Langsam muss ich wirklich aufpassen, dass ich die Spur halte. Wenn wir jetzt in eine Polizeikontrolle kommen, bin ich aufgeschmissen. Britta wird immer schneller, sie bearbeitet mich zusätzlich mit der Hand. Vor mir taucht ein richtiger Schleicher auf, wenn ich keine Vollbremsung hinlegen will, muss ich ihn überholen. Also blinke ich noch geistesgegenwärtig und wechsle auf die linke Spur. Britta, die davon anscheinend nichts mitbekommt, bläst immer schneller.

»Britta, nicht …«, presse ich noch heraus, bevor ich mitten auf der Überholspur komme.

»Puh, das ist gerade noch mal gut gegangen«, grinse ich, als sie sich den Mund abwischt.

»Jetzt hast du mal gesehen, wie das ist«, entgegnet sie.

»Ja«, bestätige ich und streichle ihren Oberschenkel. Verdammt, ich mag diese Frau wirklich! Normalerweise bin ich nach dem Sex der Coole, aber gerade überschwemmt mich eine Gefühlswelle.

»Britta, wir sollten wieder wechseln«, meine ich.

»Schon wieder?«

»Auf jeden Fall.«

Beim nächsten Parkplatz fahre ich ab. Er ist leer, kein anderes Auto weit und breit. Ich stelle den Motor ab. Britta will schon aussteigen.

»Warte!«, weise ich sie an und sie setzt sich abrupt wieder hin. Dann laufe ich vorne am Auto vorbei auf die andere Seite und öffne die hintere Tür. »Hier rein mit dir«, befehle ich ihr.

Verwundert steigt sie aus und lässt sich auf die Rückbank sinken. Ich beuge mich über sie und schiebe ihren Rock nach oben.

»Was soll das werden?«, meint sie noch, bevor ich ihr vorsichtig in den Oberschenkel beiße.

»Die Retourkutsche«, antworte ich und raube ihr ihren String.

»Was ist, wenn Leute kommen?«, ruft sie aufgeregt. Ich schiebe sie ein wenig nach hinten, quetsche mich mit den Beinen in den Fußraum, sodass ich verdreht zwischen Beifahrersitz und Rückbank stecke, und ziehe die Autotür zu. Ich hätte den Sitz nach vorne schieben sollen. Aber jetzt ist es zu spät.

»So, jetzt sind wir sicher«, meine ich und drücke ihre Beine auseinander. Wir kennen uns im Bett schon lange genug, deshalb weiß ich genau, wie ich sie auf Touren bringen kann. Ich lasse Zunge und Finger spielen, merke, wie sie immer heißer wird. Ich liebe es, wie sie schmeckt, und könnte stundenlang an ihr herumlecken. Britta mag kreisende Bewegungen und neckende Finger. Als sie immer lauter meinen Namen keucht, weiß ich, dass sie kurz vor dem Äußersten steht. Dann spüre ich, wie sie kommt. Als der Orgasmus verflogen ist, sieht sie mich an und schüttelt grinsend den Kopf.

»Du bist ja irre«, lächelt sie.

»Nein. Wir sind ja irre«, korrigiere ich. Erst jetzt merke ich, wie sehr meine Knie und mein Rücken schmerzen. Als ich meinen Körper aus seiner zusammengequetschten Position befreit habe, falle ich fast aus dem Wagen. Britta lacht mich aus.

Abends sitzen wir wie vereinbart bei unserem Lieblings-Japaner. Ich bin auf einmal ganz wild am Hin-und-her-Überlegen. Soll ich oder soll ich nicht? Wird sie mir meine geliebte Freiheit rauben? Andererseits: Finde ich jemals wieder so eine Frau? Na ja, es gibt ja so viele … Trotzdem, ich glaube, ich bin verliebt. Glauben oder wissen? Vielleicht weiß ich es auch. Während ich vor lauter Gedankenkaskaden fast nichts runterbekomme, schiebt sich Britta genüsslich dick mit Wasabi beschmiertes Sushi in den Mund. Ich sehe ihr dabei zu und muss grinsen. Irgendwie will ich gerade nicht ohne sie sein. Und wahrscheinlich morgen auch nicht. Vielleicht sogar übermorgen nicht?

»Ist irgendwas? Du isst ja gar nichts«, bemerkt Britta zwischen zwei Lachs-Nigiri.

»Nein, nein«, schwindle ich und grüble weiter. Sie zuckt nur mit den Schultern. Was, wenn sie einen anderen kennenlernt? Dieser Gedanke gefällt mir gerade gar nicht. Dann schießt mir wieder die heutige Autofahrt durch den Kopf. Das war gut. Richtig gut. Ich will das wieder. Aber es ist nicht mehr nur der Sex, warum ich es wieder will. Habe ich Britta etwa auf ihrer Beziehungs-Überholspur eingeholt? Egal. No risk, no fun. Im schlimmsten Fall geht’s schief.

»Britta?«

»Ja?«

»Lass es uns miteinander versuchen. Ernsthaft.« Ohne eine Antwort abzuwarten, schnappe ich mir ein Thunfisch-Maki und packe einen ganzen Löffel grüne Paste drauf. Heute ist ein scharfer Tag.

2

Badezimmerschlacht

Rudi (31), IT-Techniker, über Tamara (29), Lehrerin, beide Wien

Mann, war das bequem auf der Couch hier … so ein richtig fauler Nachmittag vor dem Fernseher, mit seichten Serien in Endlosschleife und allen möglichen ungesunden Fressalien, das war doch was Schönes. Nachos mit Käsesoße, Cola, Schokolade und der ganze Kram. Hatte ich mir viel zu lange schon nicht mehr gegönnt. Fehlte nur noch meine Herzdame zum ungetrübten Glück. Aber die war gerade damit beschäftigt, ihren Kleiderschrank auszumisten. Einmal im Jahr müsse das sein, meinte sie, das würde total befreiend wirken. Frauen! Was war befreiender, als sich auf dem Sofa zu fläzen?

»Tamaraaa? Tamaaaraaaaa?«

Ein leises »Jahaaa? Was ist?« ertönte aus der Richtung unseres Schlafzimmers.

»Ich hätte gerne noch eine Cola und die Packung Chips!«, gab ich in grimmigem Befehlston zurück. Ich hörte stampfende Schritte.

»Sag mal, hast du sie noch alle? Du Pascha!« Zwei graugrüne Augen blitzten mich wütend an. Ich konnte mich kaum noch halten vor Lachen.

»Schätzchen, jetzt sei doch nicht so. War ja nur ein Spaß! Ich wollte dich doch nur bei mir haben. Komm mal her zu mir. Du kannst doch auch morgen in deinem Schrank rumkramen.«

»Will ich aber nicht.«

»Ich hab auch Schokolade hier.« Ein Argument, mit dem sie normalerweise immer zu überzeugen war.

»Nö, keine Lust.« Und schon stampfte sie wieder davon.

Seufzend erhob ich mich aus der Horizontalen und machte mich auf den Weg in die Küche. Dann musste Mann eben selbst ran. Nur fürs Protokoll: Natürlich bin ich nicht wirklich so ein Macho-Arsch, der seine Freundin rumkommandiert. Wäre ja noch schöner – im Feinripp vorm Fernseher sitzen und sich bedienen lassen. Nein, nein, ich spiele nur gerne hin und wieder ein wenig mit Klischees. Findet Tamara nur nicht immer so witzig wie ich.

Eine Stunde später wurde mir dann doch ein wenig langweilig. Nach 17 Folgen How I Met Your Mother auch kein Wunder. Was Tamara wohl machte? Stundenlang arbeiten, und das an einem Samstag, das ging ja gar nicht – da musste ich eingreifen. Im Schlafzimmer konnte ich allerdings keine Tamara erblicken. Diese war nämlich hinter einem Klamottenberg in der Höhe eines ausgewachsenen Mannes verschwunden. Würde ich diese Mengen an Kleidung aussortieren – ganz ehrlich, ich müsste von da an nackt außer Haus gehen.

»Weg, behalten, weg, weg, behalten, weg, weg …«, hörte ich sie murmeln, während mir die Shirts und Pullis nur so um die Ohren flogen.

»Schätzchen? Willst du nicht mal Pause machen? Tu das Zeug doch weg und komm ins Wohnzimmer. Ich will auch mal ein bisschen was von dir haben«, beschwerte ich mich mit gespielt trotziger Stimme.

»Jahaaa, schon fertig«, kam es zurück.

Puh, endlich. Es bestand also doch noch die Aussicht auf einen netten Abend.

»Geschafft! Hilfst du mir noch, das ganze Zeug in diese Kisten zu verpacken?«

Klar, ich war schließlich ein Gentleman.

»Jetzt bin ich so richtig müde«, stöhnte Tamara, als sie sich dort niederließ, wo ich sie schon seit Stunden haben wollte: auf unserer riesigen, grauen, saubequemen Couch.

»Wundert mich nicht, bei deinem Programm. Aber zur Feier des Abends kann ich dir ja eine Nackenmassage geben – wie wäre das, hm?«

So etwas ließ sich Tamara niemals zweimal sagen. Bereitwillig brachte sie sich vor mir in Position. Sie gurrte vor Wonne, als ich ihr das Shirt über den Kopf zog und ihre gelockten, dunkelbraunen Haare zur Seite schob. Der Anblick ihres nackten, muskulösen Rückens genügte, um mich scharf zu machen. Ich hauchte ein paar zarte Küsse auf ihren glatten Hals. Natürlich checkte sie es sofort. Und wies mich auch gleich freundlich, aber bestimmt zurecht: »Nicht jetzt, Schatz. Nur Nackenmassage.«

Schade, sehr schade, aber musste man akzeptieren. Vielleicht würden ja meine gekonnten Griffe sie weich machen, dachte ich insgeheim und begann, sie sanft durchzukneten.

»Herrlich ist das. Ich will mich hinlegen, dann ist’s noch schöner«, meinte sie schließlich und rollte sich auf den Bauch.

»Darf ich deinen BH aufmachen? So komm ich besser ran.«

»Klar. Was du willst. Ich bin dir ganz ergeben.«

Es war schwer, nicht sofort über sie herzufallen, wie sie da so ausgebreitet und halb nackt vor mir lag. Aber ich riss mich am Riemen und mimte den braven Masseur. Ich bemerkte, wie sie sich immer mehr entspannte und unter meinen Händen zu Butter wurde. Ihr Atem wurde immer gleichmäßiger. Ich massierte weiter und weiter, von oben nach unten und wieder zurück.

»Gefällts dir so?«, fragte ich mehr, um die Stille zu unterbrechen, als um eine Antwort zu bekommen. Denn dass es ihr gefiel, davon ging ich aus, und etwas Gegenteiliges wollte ich auch nicht hören. »Tamara?«

Es kam nichts zurück, außer gleichmäßige Atemzüge. Hm. Sie war eingeschlafen. Mist – das war aber nicht Teil meines Plans! Schließlich war ich mittlerweile geil wie Nachbars Lumpi geworden … und hatte doch die ganze Zeit im Stillen gehofft, vielleicht auf die ein oder andere sexuelle Art und Weise für meine Handfertigkeit belohnt zu werden. Was meine Freundin offensichtlich nicht die Bohne zu interessieren schien.

Gut, dann war wohl wieder Fernsehen angesagt. Ich zappte mich durch die Kanäle, langweilte mich aber bereits nach wenigen Minuten. Es ist keineswegs so, dass ich mich nicht gern mit mir allein beschäftige – aber nach einer gewissen Zeit brauche ich dann wieder Aufmerksamkeit, sonst werde ich flatterig. Wie zufällig stieß ich Tamara leicht an. Nichts, keine Reaktion. Noch mal dasselbe. Sie knurrte nur und drehte sich ein wenig zur Seite, machte aber keine Anstalten, aufzuwachen. Jetzt war ich richtig unrund. Nicht mal die fünfte Wiederholung von Fang des Lebens konnte mich noch begeistern. Dabei bringen mich bei dieser Serie normalerweise keine zehn Pferde weg von der Glotze.

Gut, ich war ja für alle Fälle gerüstet. Dann musste eben Plan B ran: Zärtlich ließ ich meine Hand über Tamaras Rücken gleiten, von ihrem Poansatz hinauf zum Nacken und wieder zurück. Als sie immer noch weiterschlief, versuchte ich es etwas intensiver.

»Was zum Teufel …! Aah – ich schlafe doch gerade so gut! Lass mich.« Schon zum zweiten Mal an diesem Tag erntete ich böse Blicke.

Wieder tat ich beleidigt. »Ich brauche doch deine Nähe.«

»Tu nicht so scheinheilig. Ich kenne dich schon lange genug. Dir ist langweilig, sonst gar nix!«

»Nicht ganz, oder vielleicht ja, ein bisschen. Aber noch mehr bin ich geil auf dich.«

Sie blitzte mich irritiert an. Als ob das so abwegig wäre. Frauen – aber echt! Doch ihre dann folgende Reaktion verwunderte mich. Denn so schläfrig, wie sie gerade noch gewesen war, so rollig wirkte sie jetzt. Plötzlich strahlten ihre Augen etwas Verruchtes aus. Als hätte man einen Schalter umgelegt.

»Geil? So richtig geil? Und was hätte der Herr sich denn jetzt vorgestellt? Was sollen wir mit deiner Geilheit anfangen, hm?«

Dieser Blick, der machte mich wahnsinnig! Und so verriet ich ihr, was mir die ganze Zeit schon im Kopf herumgegangen war: »Sex unter der Dusche.«

Sie nickte grinsend. Die Dusche musste allerdings noch warten. Denn noch auf dem Sofa fielen wir wie zwei liebestolle Hunde übereinander her. Ich riss ihr die wenigen Kleidungsstücke vom Leib, die sie noch trug, während sie an meinem Gürtel herumwerkelte und mir half, mich meiner Jeans zu entledigen. Der Anblick ihrer harten, runden Nippel machte mich noch wuschiger. Ich beugte mich leicht nach unten, um an dem einen zu saugen, den anderen bearbeitete ich kreisend mit der Handfläche. Tamara stöhnte vor Geilheit auf. Ihre Hand wanderte zu meinem Schwanz und begann, ihn rhythmisch zu massieren. Sofort wurde ich von Stromschlägen durchfetzt. So wie sie hatte das noch keine Frau vorher gekonnt! Als wir uns schließlich irgendwann in der 69er-Stellung wiederfanden, musste ich mich schwer zusammenreißen, um nicht gleich im Eiltempo auf den Orgasmus zuzuschießen. Ihre oralen Fertigkeiten standen denen ihrer Hände nämlich in nichts nach. Wenn ich wirklich noch mit ihr unter die Dusche wollte, blieb mir also nichts anderes übrig, als das hier zu stoppen.

Ich löste meine Lippen von ihrer Scham und keuchte: »Lange halte ich das nicht mehr aus … komm, lass uns ins Bad gehen, schnell.«

Gesagt, getan. Ich packte meine nackte Freundin und trug sie ins Badezimmer. Sie kicherte, als ich sie dort zu Boden ließ und die Dusche anmachte.

»Warte, ich habe eine viel bessere Idee«, meinte sie und deutete auf das Waschbecken.

Na bitte, da sagt Mann doch nicht nein! Vorsichtig hievte sie ihren Po auf den Rand des Beckens, stützte sich mit den Armen ab und spreizte auffordernd die Beine. Dass die Dusche noch lief, ignorierte ich – die Umwelt möge mir verzeihen. Wer eine nackte Schönheit mit gespreizten Beinen vor sich hat, die sich unverkennbar willig gibt, muss das tun, was ein Mann eben tun muss: vögeln! Was ich dann natürlich auch tat.

Ich schlang ihre Beine um meine Armbeugen und drang in sie ein. Sie stöhnte, wir küssten uns, ich stieß zu, immer wieder. Das Blöde war nur, dass der Spiegel hinter dem Waschbecken mir dabei meine ekstatischen Gesichtsausdrücke präsentierte – und ich feststellen musste, dass diese leider nicht sehr vorteilhaft wirkten. Das Gute hingegen war, dass ich darin auch Tamaras scharfen Hintern betrachten konnte, was wiederum ein ungemein geiler Anblick war. Klar, dass ich mich fortan mehr auf diesen konzentrierte als auf mein Gesicht. Es war bestimmt nicht die bequemste Sexposition, aber dafür eine mit enorm hohem Geilheitsfaktor.

»Jaaa, fick mich!« Ich liebte Dirty Talk, solange er nicht ins Lächerliche gezogen wurde. Und auch das beherrschte Tamara in Perfektion. »Schneller, mach schneller!«

Ich tat, wie mir befohlen. Ihre Fingernägel krallten sich in meinen Rücken, so fest, dass es schmerzte. Aber dieser Schmerz war einer, den ich liebend gerne immer wieder und wieder spüren wollte. Ihre Beine drückten meine Arme schwer nach unten, und ich stieß fester zu, denn ich wusste nicht, wie lange ich diese Position noch halten konnte. Sie erforderte doch einiges an Körperspannung. War aber auch kein Problem, denn wenn wir so weitermachen würden, würde ich ohnehin gleich abspritzen.

Weiter stieß ich in sie hinein, bis mein Schwanz auf einmal unvermittelt aus ihr heraus glitt – und unser Liebesspiel durch einen knirschenden Krach unterbrochen wurde. Es folgte ein lautes »Rumms«, gepaart mit einem schrillen Schrei aus Tamaras Kehle. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah, alles ging so schnell. Dann war es plötzlich ruhig. Der Anblick, der sich mir bot, war mehr als skurril: Staub wirbelte durch die Luft, und meine Freundin saß etwa 30 Zentimeter weiter unten als vorher, den Schock in den Augen, den Mund weit aufgerissen, mit dem Hintern ganz im Waschbecken versunken, die Beine noch immer breit gespreizt. Ich stand vor ihr mit meinem Ständer und brachte ebenfalls keinen Pieps mehr heraus. Holy shit – das verdammte Waschbecken hatte unter unserem Gevögel nachgegeben und war nach unten gebrochen! Zum Glück stand unter dem Becken noch ein kleiner Schank, der es aufgehalten hatte – sonst wäre Tamara auf dem Boden gelandet.

»What the fuck?« Meine Freundin hatte als Erste die Sprache wiedergefunden. Ich kratzte mich nur ratlos am Kopf. Endlich schaltete sich mein Verstand wieder ein, und ich half ihr, vom Waschbecken runterzuklettern.

»Aua! Das war jetzt ganz schön heftig«, stöhnte sie.

»Hast du dir wehgetan?«

»Nein, glaube nicht. Nur einen ordentlichen Schock hab ich abbekommen!«

Ich inspizierte die Unfallstelle genauer – das Becken hing noch halb in der verfliesten Wand, überall am Boden lagen Fliesenstücke und Betonkrümel herum.

»Sieht ganz schön ramponiert aus.«

»Ja.«

»Und gekommen bin ich auch nicht wegen dem blöden Ding!«

»Du Arsch, wie kannst du jetzt an so was denken? Ich hätte mir den Rücken brechen können!«

»Schon gut, Schätzchen, ich mach doch bloß Spaß.«

Aber zum Glück fand Tamara ihren Humor schon wieder und prustete unvermittelt los: »Mach bitte ein Foto von dem Ding! Ich meine, wie geil ist das denn? Ein Bild für die Götter! Stell dir vor, wenn wir das jemandem erzählen, das glaubt doch niemand.«

3

Balkonfernsehen

Ron (33), Besitzer eines Online-Sales-Portals, über Natalia (30), Designerin, und eine Unbekannte, alle München

Das Thermometer kratzt an der 40-Grad-Grenze. Die ganze Stadt scheint in der schwülen Hitze zu zerfließen, und das geht schon seit Tagen so. Es gibt nicht viele Tage, an denen ich Regen herbeisehne – aber heute ist so ein Tag. Mein Körper transpiriert so stark, dass ich mit dem Trinken gar nicht hinterherkomme. Gerade vor drei Stunden habe ich mich geduscht, und jetzt, obwohl ich nur schnell am Kiosk und einkaufen war, sehe ich schon wieder völlig derangiert aus. Also wieder mal ab unter die Dusche, schon das dritte Mal an diesem Tag. So, wie es aussieht, gerät die Sache mit der globalen Erwärmung langsam außer Kontrolle.

Sogar im Badezimmer steht die Luft, trotz des gekippten Fensters. Die Geräuschkulisse der Straße bahnt sich durch den dicken Dunst den Weg nach oben und dringt durch den Fensterspalt. Das Eiscafé gegenüber von dem Haus, in dem ich wohne, ist bereits seit Tagen von früh bis spät überfüllt. Für den entspannten Freitagabend, den ich mir heute gönnen will, konnte ich gerade noch zwei Kugeln Vanille und drei Amarena-Kirsch ergattern. Trotz Styropor-Box sind sie mir auf dem kurzen Weg über die Straße und durchs Treppenhaus fast weggeschmolzen. Wenn das so weitergeht, stelle ich mir bald ein Planschbecken auf die Dachterrasse. Macht aber wahrscheinlich auch nicht viel Sinn, die Füße in kochendes Wasser zu halten.

Aaaaaaaah! Herrlich. Das kalte Wasser weckt meine Lebensgeister. Ich lasse den kühlen Strahl über meinen Rücken laufen und genieße sogar die leichte Gänsehaut, die sich dabei bildet. Jedes Mal, wenn ich dusche, wandern meine Gedanken zu Nina. Nina, mit der ich vier Jahre zusammen war. Nina, mit der ich hier gemeinsam gewohnt habe. Nina, mit der ich in dieser Dusche unzählige Male rattenscharfen Sex hatte. Nina, die ich vor einem Jahr verlassen habe – was ich heute noch bereue. Nina, Nina, Nina! Verdammt – mein Kopfkino läuft auf Hochtouren. Dabei arbeite ich wie ein Berserker daran, diese Frau endlich aus meinen Gehirnwindungen zu verbannen! Ich drehe das Wasser noch kälter in der Hoffnung, dass es meine Synapsen einfriert.

So, abgetrocknet. Es dauert keine zehn Sekunden, da bahnt sich die stehende Hitze schon wieder einen Weg in meinen Körper. Aber was soll’s – ich will heute nur noch fernsehen und dabei Pizza und Eis essen. Da ist niemand, den es stört, wenn ich schwitze wie ein Käse in der Sonne. Das ist definitiv einer der Pluspunkte am Single-Dasein. Ein anderer ist es, dass sich keiner drüber mokiert, wenn ich mir stundenlang schlechte TV-Sendungen reinziehe und während der Werbepausen im Millisekunden-Takt rumzappe. Ich darf das, weil Nina nicht mehr da ist. Hehe. Ich grinse in mich hinein. Aber wie blöd bin ich eigentlich? Ich brauche ihr gar nicht in Gedanken die Zunge zu zeigen – schließlich habe ich die Sache beendet. Weil ich dachte, ich müsse Karriere machen und das wäre verdammt noch mal wichtiger, als eine Beziehung zu führen. Als mir mein Chef dann drei Monate später für einen drei Jahre jüngeren Stümper mit Undercut und Humboldt-Diplom den Laufpass gegeben hat, wurde mir klar, wie sehr ich mich auf diese verfickte Karriere verlassen konnte! Nina wollte mich dennoch nicht mehr zurückhaben.

»Was, wenn du wieder mal auf die Idee kommst, dass ich dir gerade nicht in den Kram passe?«, hatte sie mich gefragt. »Dann schreibst du mich wieder ab, und wenn’s dir danach ist, holst du mich wieder aus der Schublade? Vergiß es, Ron.«

Verpatzt ist eben verpatzt.

Ich werfe noch ein paar Extra-Salamischeiben plus geriebenen Käse auf meine Tiefkühlpizza, überlege, ob ich sie nicht gleich auf der Blechablage der Dachterrasse grille, und schiebe sie dann vernünftigerweise doch ins Backrohr. Nicht mehr lange bis zum Hauptabendprogramm, es läuft Gefährliche Brandung. Alles ist perfekt durchgetimed. Von wegen mangelhafte Organisation, wie der Trottel von Ex-Chef mir das an die Rübe geknallt hat. Pah! Bevor ich jetzt wütend werde, gönne ich mir lieber noch ein Kippchen in der Sonne.

An den Rand der Terrasse gelehnt, ziehe ich genüsslich an der Zigarette und lasse meinen Blick über das bunte Treiben auf der Straße schweifen. Es ist immer wieder lustig, wie klein die Leute von hier oben aussehen. Viele bunte Punkte, die sich von hier nach dort bewegen, jeder in seiner ganz eigenen Mission, die ich nicht kenne. Manchmal fixiere ich einen Punkt und spinne mir eine Geschichte rund um ihn herum – was er jetzt gerade eingekauft hat, wohin er nach Hause geht, wer dort auf ihn wartet. Heute aber nicht, es ist einfach zu heiß, um noch länger hier zu stehen.

Als ich die Kippe nach unten schnippe und mich schon umdrehen will, fällt mein Blick auf Natalias Terrasse. Sie liegt etwas tiefer als meine – und ich bin der Einzige, der Sicht darauf hat. Natalia steht gerade in ihrem knappen pinkfarbenen Bikini von ihrer ebenfalls pinkfarbenen Liege auf und winkt zu mir herüber. Lächelnd winke ich zurück. Natalia arbeitet als Designerin und kommt aus der Slowakei. Was sie so designt, weiß ich nicht genau. Aber eines ist Fakt: Frauen aus dem Osten haben ein ganz eigenes Flair, und Natalia hat davon noch ein wenig mehr. Mit ihren immer eine Spur zu engen Klamotten und ihren übertrieben gelockten, extremst wasserstoffblonden Haaren kratzt sie schon etwas an der Grenze zum Billigen. Das finde ich ein bisschen schade. Aber ihr hübsches Gesicht und ihre zierliche Figur – ich glaube, sie kommt nicht über die 1,50 – gleichen das wieder aus. Ich freue mich deshalb jedes Mal über ihren Anblick, ganz besonders im Sommer, wenn ihre ohnehin schon knappen Outfits noch knapper werden.

»Alles okay, Ron?«, ruft sie mir zu. Unsere Terrassen sind eine schmale Straßenbreite voneinander entfernt.

»Alles roger, Natalia«, gebe ich zurück. Dann winke ich noch mal und will mich nun endgültig dem Hauptabendprogramm widmen. Just in diesem Moment taucht eine zweite Gestalt auf Natalias Terrasse auf.

Aber hallo! Die Frau könnte glatt ihre Schwester sein – bloß in dunkelhaarig. Als sie mich erblickt, winkt sie mir zu. Höflicherweise winke ich zurück. Irgendetwas in mir hält mich davon ab, mich jetzt in mein Wohnzimmer zurückzuziehen. Swayze und Reeves müssen also noch ein wenig Geduld haben. Natalias Schwester, Freundin – was auch immer – zieht sich eine zweite pinkfarbene Liege in den Halbschatten und legt sich darauf. Natalia grinst vielsagend zu mir herüber. Und was jetzt?, frage ich mich und verharre an meinem Rauchplätzchen. Die wasserstoffblonde Schönheit setzt sich zu ihrer dunkelhaarigen Doppelgängerin an den Rand der Liege. Die Dunkle rekelt sich. Warum ich so nervös bin, weiß ich nicht, aber mit fahrigen Bewegungen zünde ich mir eine weitere Kippe an.

Natalia lässt ihre Hand über den Bauch der Unbekannten gleiten. Dann beugt sie sich zu ihr hinunter und scheint ihren Bauchnabel zu küssen. Dann sagt sie irgendetwas zu der anderen, diese dreht den Kopf in meine Richtung und grinst mich dreckig an. Mein Atem wird unruhig. Der Lärm der Straße tritt völlig in den Hintergrund, in meinem Kopf rauscht es. Jetzt wandert Natalias Hand weiter nach oben und sie beginnt, die Dunkelhaarige zu küssen. Ich beobachte alles aus sicherer Entfernung, trotzdem fühle ich mich, als wäre ich mittendrin. Oder besser gesagt nicht ich, sondern mein Schwanz. Unruhig pulsiert er in meinen Shorts. Natürlich würde er sich nur zu gerne in dieses neckische Treiben da drüben einmischen. Aber irgendwie finde ich es sogar spannender, nur Zuschauer zu sein – und zwar keiner, der unbeobachtet als Spanner agiert, sondern einer, der von den Mädels da drüben beinahe dazu genötigt wird.

Jetzt macht sich die Dunkle an Natalias Bikinioberteil zu schaffen. Ihr Blick ist dabei auf mich gerichtet. Wie Natalia weiß sie offensichtlich ganz genau, dass niemand außer mir Einblick hat. Achtlos werfe ich meine Kippe nach unten, ohne meinen Blick auch nur einen Millimeter vom Schauplatz abzuwenden. Was sich dort abspielt, darf ich nämlich auf keinen Fall verpassen: Natalias Brüste sind klein, was normalerweise nicht zu meinen Vorlieben zählt, aber wohlgeformt – was natürlich schon zu meinen Vorlieben zählt. Ihre Gespielin bedeutet ihr aufzustehen und zieht ihr jetzt ohne jegliche Vorwarnung das Höschen nach unten. Ein bisschen fühle ich mich schon wie ein Glotzer, aber ich stehe wie angenagelt da, und nicht mal das FBI würde mich jetzt noch von hier wegbekommen. Und schon gar kein Film – den ich übrigens sowieso auf DVD habe.

Natalia dreht sich einmal um die eigene Achse, sodass ich ihren knackigen Body bewundern kann. So, wie es aussieht, ist das meine ganz eigene Privatvorstellung heute.

Als meine kokette Nachbarin sich dann mit gespreizten Beinen auf der pinkfarbenen Liege in Position begibt, bleibt mir endgültig die Spucke weg. Ihre Gespielin weiß sofort, was sie zu tun hat, und ihr Kopf verschwindet zwischen Natalias Beinen. Wie automatisch wandert meine Hand an meinen Hosenknopf und öffnet ihn. Ich packe meinen Johannes und beginne, ganz langsam zu wichsen. Dabei verfolge ich weiter, was auf der gegenüberliegenden Terrasse passiert. Mittlerweile windet sich Natalia unter den Liebkosungen ihrer Partnerin. Diese lässt daraufhin von ihr ab, wirft mir noch ein herausforderndes Grinsen zu und bearbeitet Natalia weiter mit ihren Fingern. Es dauert nur wenige Augenblicke, bis diese sich mit einem lauten Stöhnen aufbäumt und schließlich wieder laut lachend nach hinten sinkt. Die Dunkle grinst triumphierend. Schade, denke ich, ist jetzt etwa schon alles vorbei?

Nein, ist es nicht. Natalia scheint schnell wieder fit zu sein und bedeutet der anderen, dass jetzt sie an der Reihe ist. Gerecht ist eben gerecht. Also zieht sie ihren hellblauen Bikini aus (ihre Brüste sind wesentlich größer als Natalias, was meine Erregung noch steigert) und legt sich, ebenfalls mit gespreizten Beinen, auf die Liege. Nun ist es Natalias Löwenmähne, die zwischen zwei wohlgeformten Oberschenkeln verschwindet. Marmorkuchen, denke ich – Vanille und Schokolade. Diese Kombination war schon immer außer Konkurrenz.

Meine Hand packt fester zu und bewegt sich schneller vor und zurück. Die beiden können nicht sehen, was ich hier mache, aber bestimmt wissen sie es trotzdem. Schweißtropfen kullern von meiner Stirn, aber gerade stört mich die Hitze nicht – im Gegenteil. Allerdings muss ich aufpassen, keinen Kreislaufkollaps zu bekommen. Das wäre nun wirklich ein denkbar unpassender Zeitpunkt. Außerdem, wie peinlich! Also durchhalten. Die beiden Frauen scheinen das nicht zum ersten Mal zu machen, es wirkt so, als würden sie ganz genau wissen, wie sie es sich gegenseitig am besten besorgen. Denn auch der Körper der Dunklen beginnt recht schnell, immer wilder zu zucken. Sie kommt schließlich, noch bevor ich selbst mit zusammengekniffenen Augen in meine Shorts abspritze.

Als ich die Lider wieder öffne, blicken mir zwei grinsende Gesichter entgegen. Was soll ich jetzt machen? Applaudieren? Jubeln? Daumen hoch? Alles erscheint mir unpassend. Die Ladys kichern und klatschen ab. Was für eine Geste! Nun wirkt es wirklich so, als hätten sie es für mich gemacht. Mann, das war doch jetzt besser als jeder Porno! Ich fühle mich königlich.

Gerade, als ich mir eine postorgiastische Verlegenheitszigarette anzünden will, tritt ein weniger königlicher Geruch in meine Nase. Die Pizza! Auweia, die hatte ich jetzt ganz vergessen …

4

Baywatch bei Nacht

Hendrik (32), Journalist, Innsbruck, über Sanne (30), Bürokauffrau, München

Eigentlich hätten wir schon längst nach Hause fahren wollen. Aber das Wetter war einfach zu schön, und so hatten Sanne und ich beschlossen, dass wir einfach noch einen Tag blaumachen wollten. Ein weiterer Tag hier in Süditalien, Sonne, Strand, Meer, Prosecco e Pizza e Amore, das ganze Programm eben. Zweifelsohne besser als ein Bürotag bei tristem Wetter, umgeben von frustrierten Kollegen und Bergen von abzuarbeitenden Unterlagen.

Zwar saß uns ein wenig das schlechte Gewissen im Nacken, aber wir versuchten tunlichst, es zu ignorieren. Wenn man sich Folgendes vor Augen hält, ist ein schlechtes Gewissen beim Blaumachen nämlich schlicht und einfach unangebracht: Erstens einmal lebt man nicht, um zu arbeiten, sondern arbeitet, um zu leben. Zweitens sagt kein Arbeitgeber dieser Welt Danke, wenn man sich laufend zum Affen macht und dann irgendwann im Burnout landet. Im Gegenteil, dann heißt es nämlich: Das war doch absehbar, dass du irgendwann zusammenklappst. Warum hast du dich auch so verausgabt, selber schuld! Warum ich das mit solcher Sicherheit behaupten kann? Weil ich es bereits am eigenen Leib erfahren habe.

Wie auch immer, Sanne und ich hatten uns für den nächsten Tag krankgemeldet, entschlossen uns solidarisch, einen auf unerreichbar zu machen, und schalteten feierlich beide gleichzeitig unsere Handys aus. Was für ein befreiendes Gefühl!

»Ich werf sowieso bald hin und mach etwas, was ich wirklich will!«, verkündete Sanne mit leuchtenden Augen, als wir uns abends in der Pizzeria gegenübersaßen.

An meinen Spaghetti vongole kauend, nickte ich zustimmend. »Was genau das ist, weiß ich zwar noch nicht … aber ich werde es herausfinden. Oder es wird mich finden. Da kommt was, ich spür es.«

Sanne, meine Geliebte, beste Freundin, Seelenverwandte. Sie liebte das Träumen, und mit ihr konnte man die besten Luftschlösser des Universums bauen. Seit zwei Jahren waren wir zusammen, und ich genoss jede Minute mit ihr. Ließ mich immer mehr in die geborgene Harmonie dieser Beziehung hineinsinken, wie ich es mich noch nie zuvor getraut hatte.

Sanne war bei Weitem nicht die schönste, klügste, talentierteste, perfekteste Frau, die bis dato meinen Weg gekreuzt hatte. Das war aber auch nichts, was mich störte. Denn sie hatte etwas anderes an sich – etwas, was sämtliche Ängste vor dem Verletztwerden, die mich bei all meinen Freundinnen zuvor so fest im Griff gehabt hatten, nach und nach auslöschte. Sanne besaß etwas ganz Besonderes: ein gutes, warmes, riesengroßes Herz. Ihre aufrichtige Zuneigung umgab meine zuvor so oft gemarterte Seele wie eine große, weiche, schützende Hand. Anders könnte ich es nicht erklären, was ich da fühlte. Ich liebte sie und fühlte mich von ihr geliebt. Ganz einfach. Und ich wollte dieses Gefühl nach Möglichkeit nicht mehr missen.

Aber – wie die meisten Dinge, die nach außen hin so schön klingen, die Sache hatte natürlich auch einen Haken. Wie konnte es anders sein? Es gibt kein Yin ohne ein Yang, kein Licht ohne Dunkel, nichts Gutes ohne etwas Böses. Alles hat zwei Seiten. Besagte zweite Seite unserer Beziehung war die, dass unser Sex grottenschlecht war – gelinde ausgedrückt. So sehr wir uns in der Vertikalen verstanden, so sehr scheiterten wir in der Horizontalen. Das lag weder an ihr noch an mir, sondern daran, dass wir diesbezüglich einfach nicht harmonierten. Nicht, dass ich sie nicht begehrenswert fand, im Gegenteil. Sie hatte ein wahnsinniges »Fahrgestell«, wenn ich das mal typisch männlich ausdrücken darf. Ihr Anblick trieb mir regelmäßig die Schweißperlen auf die Stirn. Und sie fand mich ebenfalls heiß, davon war ich überzeugt.

Nein, vielmehr war es so, dass die unbändigen Funken, die zwischen uns sprühten, jedes Mal verloschen, sobald es zur Sache ging.Es war wie verhext: Sobald wir nackt nebeneinander im Bett lagen, war der Zauber verloren. Immer wieder stoppte sie mich, während wir miteinander schliefen, mittendrin ab, einfach, weil es irgendwie nicht passte. Genauso oft war es aber auch schon passiert, dass ich gar nicht in sie eindringen konnte, weil – so peinlich mir das ist – mir auf dem Weg dorthin mein Ständer schlappgemacht hatte. Das klingt nicht nur frustrierend, es ist es auch. Unser Sex war ein einziges Trauerspiel. Und obwohl uns das beiden bewusst war, wanden wir uns wie aalglatte Würmer darum herum, diese Sache zu thematisieren. Dazu funktionierte sonst alles zu reibungslos. Wir vermieden es mit allen Mitteln, unserer blumig-rosaroten Harmonie einen schwarzen Fleck zu verpassen. Und legten deshalb einen undurchdringlichen Mantel des Schweigens über das Thema Sex.