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Die Episode ist aus dem wahren Leben gegriffen und zeigt wie willkürlich der Begriff "Pflege" bei einem Pflegedienst manchmal ausgelegt wird. Sie bietet anderen Betroffenen Hilfe und soll die Aufmerksamkeit auf das Altern in Würde lenken.
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Seitenzahl: 18
Veröffentlichungsjahr: 2021
Für meine Eltern in Liebe und Dankbarkeit.
Was kann ich tun, wenn der beauftragte Pflegedienst willkürlich und betrügerisch handelt und das Leben eines nahestehenden Menschen gefährdet ist? Würde es mich selbst betreffen, wäre die Rechtsberatung durch einen Anwalt die richtige Anlaufstelle, aber ältere Menschen machen das nicht. Sie fühlen sich oft mitschuldig und wollen nicht anecken.
Was kann ich also tun? Diese Frage stellte ich mir.
Ich erzähle euch eine Geschichte. Es geht darin um das alt werden, um Leben und Tod, doch besonders um die Menschenwürde.
Mein Vater ist gestorben. Letztes Jahr im Herbst machte er die Augen zu, nach einem langen, schmerzhaften und hoffnungslosen Weg. Es kam nicht überraschend, aber war es doch. Meine Mutter versorgte ihn, sie versorgten sich beide. Nun fehlte ein Teil.
Wir Kinder beauftragten in Absprache mit der Diabetologin einen Pflegedienst, der das Spritzen für meine Mutter übernehmen sollte, Diabetes Typ 1. Sie stand hilflos neben sich und wir wollten sie gut versorgt wissen.
Es klappte eine Zeit lang ganz gut, zumindest war ein Kontakt nach außen für sie vorhanden und wir Kinder wussten, dass drei Mal täglich jemand vorbeischaute.
Der Verlust eines Menschen wiegt schwer, besonders im Alter, wenn keine Ablenkung vorhanden ist. Jedes Ding im nahen Umfeld zeigt eine nicht vorhandene Präsenz, ein leerer Platz. Wer oder was soll ihn einnehmen?
Meine Mutter setzte sich selbst dort hin.
„Dann muss ich ihn nicht immer vor Augen haben.” meinte sie.
Ein Platzwechsel, doch wie für sich selbst sorgen? Jeden Tag ein neues Überwinden des Verlustes, vorher die Sorge um den kranken Mann. Jetzt soll dieser Platzwechsel wieder zu mehr Lebensqualität führen. Ein Leben, dass in dem Moment so wertlos erscheint. Auf einmal fühle ich als Kind eine Fürsorgepflicht. Es ist ein Umdenken aber bevormunden will ich nicht. Auch hier findet ein Platzwechsel statt.
Welchen Platz kann und sollte nun ein Pflegedienst einnehmen? Der Wunsch ist, dass er meine Mutter unterstützt, bei dem was ihr schwerfällt und auch mich als Angehörige entlastet. Der Wunsch nach einem vertrauensvollen Verhältnis, das ein Altern im selbstgewählten Umfeld ermöglicht.
