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Stress mit dem Kollegen? Beziehungs-Drama mit dem Partner? In "No More Drama in deinen Beziehungen" enthüllt der Beziehungsexperte Steffen Raebricht ein ungesundes Konfliktmuster zwischen Menschen. Du erfährst: 1. Wie es entsteht 2. Warum es in unserer Gesellschaft allgegenwärtig ist 3. Was du tun kannst, um auszusteigen. Übungen, lebensnahe Beispiele und über 30 Grafiken bringen seine verwendete Theorie, das Drama-Dreieck, in die Praxis. Du bekommst konkrete Tipps zum Ausstieg aus der Spirale von Retter, Verfolger und Opfer. So wird Raum für dramafreie Beziehungen geschaffen. Du erkennst, was du selbst tun kannst, um echte Begegnung und freudvolles Miteinander zu fördern. So verhilfst du deinen Beziehungen und deiner Lebensqualität zu einem Sprung nach vorn.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 100
Veröffentlichungsjahr: 2021
Danksagung
1. Wer bin ich und warum schreibe ich dieses Buch?
2. Grundlagen für Drama-freie Beziehungen
3. Das Drama-Dreieck
4. Die Positionen im Drama-Dreieck
Die Retter-Position
Die Verfolger-Position
Die Opfer-Position
5. Lösungsansätze
Lösungsansätze für Menschen, die bevorzugt die Retter-Position besetzen
Lösungsansätze für Menschen, die bevorzugt die Verfolger-Position besetzen
Lösungsansätze für Menschen, die bevorzugt in die Opfer-Position gehen
Was tun, wenn du eine Rolle im Drama-Dreieck zugewiesen bekommst?
6. Vom Geben und Nehmen (von Bernd Taglieber)
7. Hilfreiche Gedanken zur Umsetzung
8. Ein Leben ohne Drama
9. Verwendete Quellen
Rainer Thiele Fölsch für das Lehren der Transaktionsanalyse.
Viola Schenkel für die viele Geduld beim Erstellen der Inhalte.
Bernd Taglieber, Jürg Bolliger und Andreas Tenhagen für das inhaltliche Feedback.
Sebastian Kaiser, Claudia Rothe und Corinna Reupke für das Korrekturlesen.
Anne Hennig für das Layout und die grafische Umsetzung.
Dem größeren Ganzen, das mir die Ressourcen und die Kraft dazu gegeben hat.
Ich kann nicht sagen, dass ich aus ärmlichen Verhältnissen stamme oder in einer benachteiligten Umgebung aufgewachsen bin. Es gab immer ein Dach über dem Kopf, genügend zu essen und eine gute Schulausbildung. Dennoch mangelte es mir an etwas, das mein ganzes Leben beeinflussen sollte, und das war Liebe. Nichts gesagt war genug gelobt.
Mein Name ist Steffen Raebricht und ich war damals unzufrieden mit mir, mit meinem Auftreten und meiner äußeren Erscheinung. Das wollte ich ändern. Mit 17 Jahren las ich mein erstes Buch über Psychologie. Ich arbeitete neben der Schule in einem Fast-Food-Restaurant, um das nötige Geld für meine Lektüre aufzubringen.
Ich erinnere mich noch genau: Ich war 24 Jahre alt, saß auf dem Fahrrad und fuhr zur Uni, da stellte ich mir eine Frage, deren Antwort eine Wende in meinem Leben einleiten sollte. Inzwischen war ich von außen betrachtet erfolgreich. Ich hatte einen festen Job mit Karriereaussichten, hatte gute Noten im Studium (Bildungs- und Erziehungswissenschaften), ich war sportlich, sah gut aus und war beliebt. Die Frage lautete: „Wie empfinde ich meine Lebensqualität auf einer Skala von -10 bis +10?“ Aus meinem tiefsten Inneren kam die Antwort: „-4.“ Das schockierte mich.
Ich begriff in diesem Moment, dass all die Äußerlichkeiten sicherlich schön, aber dass sie nicht des Pudels Kern waren. Ich war durch Kritik schnell aus der Bahn zu werfen, konnte mich, um anderen zu gefallen, wie ein Chamäleon an Situationen anpassen, hatte dabei aber keinerlei Gefühlsregungen. Ich empfand nur noch die drückende Leere der Gefühllosigkeit in mir und war unglücklich. Anderen Menschen ist das wahrscheinlich nicht aufgefallen, denn nach außen konnte ich die Leute hervorragend blenden. Wenn ich ehrlich zu mir bin, hatte ich keine Idee davon, wer ich überhaupt war. Ich konnte mich in alles verwandeln, nur nicht in mich selbst. Das war der Punkt, an dem ich anfing, mich auf die Suche nach meinem Glück zu machen. So konzentrierte ich mich dabei immer mehr darauf, was in mir passierte.
Ich fing an, mich in neurolinguistischem Programmieren (NLP), einer Zusammenstellung wirksamer psycho-logischer Techniken, ausbilden zu lassen. Drei Jahre später hatte ich die Qualifikation zum Lehrtrainer erreicht. Drei von vier Wochenenden pro Monat saß ich im Seminarraum und lernte psychologische Techniken. Unter der Woche traf ich mich abends mit Tandem-Partnern zur psychologischen Beratung. Ich probierte die verrücktesten Techniken aus, um Fortschritte in der Klärung meiner Persönlichkeit zu machen. An der Uni verbrachte ich meine Nachmittage in der Fakultät für „Differentielle Psychologie” und führte für meine Masterarbeit Paarstudien durch. Gleich nach der Uni belegte ich einen Kurs zum Heilpraktiker für Psychotherapie, gleichzeitig noch eine Ausbildung zum Transaktionsanalytiker. Meine Wochen waren, neben meinem Vollzeitjob als Führungskraft bei der Bundeswehr, mit psychologischen Ausbildungen gefüllt. Beide Ausbildungen schloss ich erfolgreich ab. Ich betreibe heute eine Webseite, die sich mit der Transaktionsanalyse befasst und auf der du auch einen Einsteigerkurs in Kommunikationspsychologie belegen kannst: www.TAplus.de.
Ich finde die Transaktionsanalyse (TA) deshalb so gut, weil sie mit einfach verständlichen Grafiken sehr anschaulich erklärt, was bei dir selbst, bei anderen und in Beziehungen vor sich geht. Gleichzeitig bieten ihre Konzepte konkrete Entwicklungsansätze. Sie verfolgt Entwicklungsziele für Menschen, die darin bestehen:
Die Einzigartigkeit jeglicher Phänomene wahrzunehmen - beispielsweise den unverwechselbaren Ruf dieser einen Amsel, frei vom Hintergrundrauschen überlagernder Gedanken, frei von unbewussten Automatismen.
(Bewusstheit)
Freien Zugriff auf passende Möglichkeiten im Denken, Fühlen und Handeln zu haben, frei von selbst auferlegten Konventionen zu sein. Beispiel: Jemand fährt dich harsch von der Seite an. Wie könntest du darauf reagieren? Hast du Auswahlmöglichkeiten oder reagierst du automatisch?
(Spontanität)
Offene und echte Gefühle auszudrücken, die Nähe schaffen. Sich einzulassen, ohne verkrampfte Wertvorstellungen und elterliche Vorgaben. Echte Gefühle kannst du daran erkennen, dass sie hilfreich für Nähe und Bindung sind.
(Intimität)
Diese drei Fähigkeiten fasst die Transaktionsanalyse unter dem Begriff „Autonomie” zusammen. Autonomie umfasst auch die Freiheit, sich aus Freiwilligkeit heraus zu verpflichten.
Die Kombination aus einfach verständlichen, aber tiefgehenden Konzepten, konkreten Lösungsansätzen und einem Entwicklungsziel für Menschen finde ich so spannend, dass die TA für mich zu einem Lebensweg geworden ist.
Ab einem bestimmten Punkt in meiner Ausbildung verstand ich, dass es nebensächlich ist, in welcher psychologischen Ausbildung ich mich befinde. Als viel essentieller empfand ich es, die Konzepte anzuwenden und mich nicht hinter meiner vornehmen Zurückhaltung zu verstecken. Ich entschied, mich auf die Übungen in den Seminaren voll einzulassen, mich freiwillig zu melden und an meinen Themen zu arbeiten. Dabei weinte ich viele Tränen. Doch die Arbeit und Auseinandersetzung mit mir selbst waren es wert.
Heute, mit 32, kann ich sagen, dass ich eine gute und erwachsene Beziehung zu beiden Elternteilen habe. Ich sehe meine Mutter als Mensch mit ihren Fehlern, genau wie meinen Vater. Sie sind entmystifiziert. Wir können harmonisch längere Zeit miteinander verbringen, lange zusammen schweigen und über persönliche Dinge sprechen. Mit meiner Freundin, meinen Freunden und Geschäftspartnern habe ich ehrliche und tiefe Beziehungen. Als ich mir vor Kurzem erneut die Frage nach meiner empfundenen Lebensqualität stellte, schätzte ich mich auf der Skala von -10 bis +10 auf einer stabilen +8 ein. Ich fühle mich meistens mit mir selbst und meinen Mitmenschen verbunden und bin dankbar für das, was ich habe. Ich habe eine Ahnung davon, was es bedeutet, bewusst zu leben und gefühlskompetent zu sein. Ich bin dabei, diese Ahnung zu vertiefen.
Dieses Buch schreibe ich, weil die hier vorgestellten Modelle mir in vielen Alltagssituationen helfen, meine Beziehungen positiv zu gestalten.
Meiner Erfahrung nach sind es nicht nur die großen Lebensereignisse, die Einfluss haben. Ebenso entscheidend für eine langfristig hohe Lebensqualität sind die vielen kleinen, scheinbar unbedeutenden Interaktionen mit unseren Mitmenschen. Sie sind der stete Tropfen, der den Stein zu einem neuen Leben höhlt. Um diese vielen kleinen Tropfen soll es in diesem Buch gehen.
Besonders mit dem Modell des Drama-Dreiecks möchte ich dir ein Konzept an die Hand geben, das hochwirksam und trotzdem gut verständlich ist. Es kann dir einfache und gleichzeitig wirksame Möglichkeiten bieten, das tägliche Miteinander mit deinen Mitmenschen neu und langfristig konstruktiver zu gestalten. Dabei setzen wir an der wirkungsvollsten Stelle an, die wir besitzen, um Einfluss ausüben zu können: Bei uns selbst.
In diesem Buch möchte ich dich vorrangig mit einem Modell vertraut machen, das du zur Analyse deiner Beziehungen und als Leitfaden für Drama-freie Beziehungen verwenden kannst. Dafür legen wir in diesem Kapitel die Grundlagen. Los geht’s!
Selbstentwicklung fühlt sich nicht immer gut an
Was hat Selbstentwicklung mit Drama-freien Beziehungen zu tun? Zum Glück eine ganze Menge. Stell dir vor, du müsstest auf den guten Willen der anderen hoffen, damit sich etwas in deinen Beziehungen verändert. Du stündest wahrscheinlich auf verlorenem Posten. Also konzentrieren wir uns auf den Teil einer Beziehung, den du direkt beeinflussen kannst - dich selbst. Wir werden darauf schauen, was du bei dir entwickeln kannst - in deinem Denken, Fühlen und Verhalten - um die Resultate in deinen Beziehungen zu erhalten, die du dir wünschst. Ist deine Selbstentwicklung fortgeschritten, werden deine Beziehungen automatisch Drama-ärmer.
Wenn du dich selbst entwickelst, hat das langfristig gesehen viele Vorteile für dich. Es kann sein, dass du in vormals stressigen Situationen entspannt bleibst, besser in Beziehung gehen und bleiben kannst oder tiefere Verbundenheit zu deinen Mitmenschen empfindest, und sich dadurch deine Lebensqualität verbessert.
Ein großes Thema war bei mir beispielsweise das Warten. Wenn ich auf eine Bekannte wartete, wollte ich, dass sie pünktlich ist und begann mich zu ärgern, wenn das nicht der Fall war. Ärgern ist eigentlich eine ziemliche Energieverschwendung und tut uns nicht wirklich gut. Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Selbstverletzung, so als ob wir uns selbst mit einem Hammer auf den Kopf schlagen würden. Daran, also an meiner Reaktion auf das Verhalten anderer, kann ich etwas ändern. An der Pünktlichkeit meiner Freunde und Bekannten hingegen ist kaum etwas zu ändern, es sei denn, sie bekämen Mitleid mit mir.
Allerdings verläuft ein Entwicklungsweg in den seltensten Fällen gradlinig. Oftmals ist der Weg hin zu mehr Lebensqualität von Krisen und Gefühlstälern durchzogen, der dann aber letztendlich in einem neuen Entwicklungslevel mündet. Oftmals geht Selbstentwicklung zunächst mit unangenehm empfundenen Gefühlen einher. Zum Beispiel wenn dir bewusst wird, dass du mit deinen gut gemeinten und ungefragten Hilfeversuchen andere bevormundest. Eine solche Einsicht kann erst einmal ein ziemlicher Schock sein.
Häufig ist es uns erst möglich ein solches Verhalten zu ändern, nachdem wir Bewusstsein darüber erlangt haben. Es ist aber meist nicht angenehm, wenn wir uns über unser eigenes unkonstruktives Verhalten bewusst werden. Wer bemerkt schon gern, dass er selbst Anteile an Beziehungsproblemen hat.
Solche unschönen Einsichten stehen oftmals einem Entwicklungsschritt voran. Die meisten Menschen scheuen genau aus diesem Grund die Selbstreflexion - also sich selbst zu beobachten und sein Wirken auf die Umwelt zu hinterfragen. Es ist vergleichbar mit einem Splitter, der im Finger steckt. Der Moment des Herausziehens ist schmerzhafter als den Splitter stecken zu lassen. Doch hinterher sind wir froh, dass wir den vorübergehend größer empfundenen Schmerz in Kauf genommen haben. Ohne Splitter fühlt sich der Finger doch wesentlich besser an, und vor allem kann die Wunde heilen.
Der Vorteil von Selbstentwicklung liegt also in ihrer langfristigen Wirkung. Während Menschen, die den unangenehmen Prozess der Selbsterkenntnis scheuen, teilweise ein Leben lang mit „Splittern im Finger“ herumlaufen, haben Menschen, die ihre Splitter erkennen, die Möglichkeit, unter Inkaufnahme kurzfristiger „Splitter-Zieh-Unannehmlichkeiten“ nun leichter durchs Leben zu gehen. Ich habe dir zur Veranschaulichung einen grafischen Verlauf von Selbstentwicklung vorbereitet:
Hast du ein Problembewusstsein entwickelt und den ersten Gefühlseinbruch überstanden, gilt es, durch neues Verhalten eine Änderung herbeizuführen. Aber auch das neue Verhalten kann sich zunächst nicht „richtig” anfühlen. Das liegt daran, dass unser Gefühl von „richtig” nichts weiter als unsere Gewohnheiten anzeigt. Gewohnt ist richtig, ungewohnt kann sich falsch anfühlen.
Mein Transaktionsanalyse-Kollege Bernd Taglieber hat mir hierfür das Umweg-Tool zur Verfügung gestellt:
Veränderungen benötigen in der Regel einen Umweg. Die direkte Zusammenführung von „richtigem“ Handeln und einem dazu stimmigen positiven Gefühl gelingt so gut wie nie. Doch wissen die meisten Menschen davon nichts und lassen sich schnell entmutigen.
Hier kann das „Umweg-Tool“ helfen. Ein Beispiel: Dir ist bewusst geworden, dass du mit Small Talk Probleme hast und willst dies ändern. Wenn du auf Partys bist, stehst du häufig zwar mit im Gesprächskreis, weißt aber nicht so recht, was du sagen sollst. Einerseits empfindest du ein leises Gefühl von „ausgeschlossen sein“, andererseits bewertest du die Gespräche als oberflächliches Partygeplauder. Dein Coach hat dich überzeugt, dass du dich eigentlich gern einbringen würdest, dich aber nicht traust.
Du hast dir vorgenommen, auf der nächsten Party aktiv am Gespräch teilzunehmen. Sogar ein paar Einstiege und Themen hast du dir schon parat gelegt. Tatsächlich überwindest du
dich auch. Auf die Nachfrage deines Coachs erklärst du später, dass du dich zwar überwunden hast, aber derart aufgeregt und gestresst warst, dass sich das gar nicht gut angefühlt hat. Solche heftigen Gefühle möchtest du nie mehr haben.
